{"id":147191,"date":"2026-03-05T12:00:57","date_gmt":"2026-03-05T11:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147191"},"modified":"2026-03-05T14:50:12","modified_gmt":"2026-03-05T13:50:12","slug":"frieden-in-der-ukraine-zur-belebung-der-deutschen-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147191","title":{"rendered":"Frieden in der Ukraine zur Belebung der deutschen Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Die Gesellschaft fordert von der Bundesregierung Verhandlungen mit Russland f&uuml;r einen Frieden in der Ukraine. Die deutsche Industrie und Wirtschaft brauchen diesen Frieden, um den fortschreitenden Abstieg aufzuhalten. Bislang scheint nur die R&uuml;stungsindustrie zu profitieren, alle anderen verlieren. Von <strong>Armin Langer<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7907\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-147191-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260305-Frieden-Ukraine-Belebung-deutscher-Wirtschaft-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260305-Frieden-Ukraine-Belebung-deutscher-Wirtschaft-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260305-Frieden-Ukraine-Belebung-deutscher-Wirtschaft-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260305-Frieden-Ukraine-Belebung-deutscher-Wirtschaft-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=147191-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260305-Frieden-Ukraine-Belebung-deutscher-Wirtschaft-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260305-Frieden-Ukraine-Belebung-deutscher-Wirtschaft-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Eine Eskalation zwischen Deutschland und Russland hat in der Geschichte weder Russland noch Deutschland genutzt &mdash; Deutschland am wenigsten. Die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger der Bundesrepublik wollen nach aktuellen Umfragen keine neue Spirale der Spannungen, und das derzeitige &bdquo;kalte&ldquo; Verh&auml;ltnis scheint am Ende vor allem den USA zu nutzen. Nach fast vier Jahren Krieg in der Ukraine hat sich die deutsche Wirtschaft nicht erholt und die Industrie schrumpft weiter. Eine Mehrheit der Deutschen fordert nun, partei&uuml;bergreifend den direkten Kontakt wieder aufnehmen: Laut der Nachrichtenagentur <em>dpa<\/em> sprechen sich 58 Prozent der Deutschen daf&uuml;r aus, dass Friedrich Merz und Wladimir Putin sich treffen, um den Krieg in der Ukraine zu beenden. 26 Prozent lehnen dies ab. Bemerkenswert ist, dass die Idee direkter Gespr&auml;che den st&auml;rksten R&uuml;ckhalt nicht bei rechten W&auml;hlern findet, sondern ausgerechnet im politischen Lager des Kanzlers: Unter CDU-W&auml;hlern sind es 64 Prozent. Friedrich Merz selbst bleibt skeptisch. Den geringsten Zuspruch verzeichnet die Linke, doch auch dort sprechen sich 47 Prozent daf&uuml;r aus &mdash; faktisch ebenfalls eine Mehrheit, da die Gegner in der Unterzahl sind.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Kein anderes Land in der EU braucht Frieden so dringend wie Deutschland &mdash; einen Frieden in der Ukraine unter europ&auml;ischer Beteiligung, nicht unter amerikanischer. Die Normalisierung der Beziehungen zu Russland ist f&uuml;r die Bundesrepublik demnach keine au&szlig;enpolitische Floskel, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit: Es geht um die Diversifizierung von Rohstoffquellen, Energieversorgung, Logistik und Absatzm&auml;rkten, von denen der Zustand der deutschen Industrie unmittelbar abh&auml;ngt. Zwar dominiert in entwickelten Volkswirtschaften der Dienstleistungssektor, doch dieser ist auf ein funktionierendes produzierendes Gewerbe angewiesen. Ohne Fabriken gibt es nichts zu transportieren, nichts zu handeln und keine Grundlage f&uuml;r Bank- oder Versicherungsdienstleistungen.<\/p><p>In der deutschen Industrie w&auml;chst derzeit vor allem die R&uuml;stungsbranche, die j&auml;hrlich um sieben Prozent zulegt &mdash; haupts&auml;chlich aufgrund von Auftr&auml;gen aus und im Zusammenhang mit der Ukraine, deren gr&ouml;&szlig;ter Lieferant Deutschland ist. Wer auf einen baldigen Frieden gehofft hat, sieht sich durch Aussagen aus der R&uuml;stungsindustrie eines Besseren belehrt. Rheinmetall-Chef Armin Papperger rechnet trotz optimistischer Signale nicht damit, dass die Konfliktparteien noch in diesem Jahr zu einer Einigung kommen.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Die Interessen des gr&ouml;&szlig;ten deutschen R&uuml;stungskonzerns sind in Regierungskreisen und Bundesministerien gut vertreten. Ein Beispiel ist Sigmar Gabriel, ehemaliger Vizekanzler, Au&szlig;enminister und SPD-Vorsitzender, der im Aufsichtsrat von Rheinmetall sitzt. Das wirft die Frage auf, wie eng R&uuml;stungsindustrie und Au&szlig;enpolitik in der Bundesrepublik miteinander verflochten sind.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>Alle anderen Branchen befinden sich in einem beschleunigenden Niedergang. Die deutsche Industrieproduktion hat sich vom Einbruch der Pandemiejahre bis heute nicht erholt. Mitte 2025 lag die Produktion bei nur noch rund 85 Prozent des Niveaus von 2019, nachdem sie 2023 noch bei etwa 95 Prozent geschwankt hatte. Damit ist etwa ein Sechstel der Industrie weggefallen.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Die Wirtschaft stagniert seit drei Jahren, im vergangenen Jahr lag das BIP-Wachstum bei mageren 0,2 Prozent. Fast alle Faktoren dieses Abschwungs werden auf geopolitische Ursachen zur&uuml;ckgef&uuml;hrt. Die Sanktionen h&auml;tten zu einem Mangel an Rohstoffen und Energie gef&uuml;hrt. Der Wegfall Russlands als gro&szlig;er Lieferant habe das Angebot verknappt und die Energiepreise &ndash; marktbedingt &ndash; steigen lassen. Frieden und eine daraus folgende Aufhebung der Sanktionen w&uuml;rden diese Faktoren beseitigen und den Weg f&uuml;r eine wirtschaftliche Erholung ebnen.<\/p><p>F&uuml;r die Unternehmen w&uuml;rde das vor allem eines bedeuten: g&uuml;nstigere Energie. Besonders deutlich zeigt sich der Wandel beim Gas. Fr&uuml;her kam es per Pipeline, heute in Form einzelner LNG-Lieferungen auf dem Seeweg &mdash; teurer und deutlich unzuverl&auml;ssiger. Was das konkret bedeutet, lasse sich aktuell beobachten: Das gr&ouml;&szlig;te deutsche Fl&uuml;ssiggas-Terminal in Mukran liegt still, weil kein Tanker anlegen kann. Das Meer ist zugefroren, der einzige Eisbrecher ausgefallen. Der Ausfall eines einzigen Terminals gen&uuml;gt demnach, um das deutsche Energiesystem ins Wanken zu bringen. Die Gasspeicher sind zu 27 Prozent gef&uuml;llt, ein Rekordtief.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>Auch die Stahlindustrie k&ouml;nnte sich erholen &mdash; das R&uuml;ckgrat des Bausektors und des traditionell starken deutschen Maschinenbaus. Derzeit verliert sie jedoch weiter an Boden. ThyssenKrupp f&auml;hrt die Produktion zur&uuml;ck und streicht 11.000 Stellen, w&auml;hrend bereits ein Drittel des in der EU verbrauchten Stahls aus Asien stammt. Europ&auml;ische Autos sind im Preiswettbewerb mit chinesischen Fahrzeugen ohnehin im Nachteil. Hinzu kommt, dass sie aus demselben Stahl gefertigt werden wie die Konkurrenz &mdash; nur teurer.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p>Der Industrie fehlt es nicht nur an Ressourcen, sondern auch an Absatzm&ouml;glichkeiten: Der kaufkr&auml;ftige russische Markt ist weggefallen. Sie muss Brennstoffe und Rohstoffe zu h&ouml;heren Preisen beziehen und ihre Produkte zu niedrigeren Preisen verkaufen. Die Strategie, die die EU in ihrer Konfrontation mit Russland gew&auml;hlt hat, erscheint ungew&ouml;hnlich und historisch beispiellos. Vor dem Ersten Weltkrieg, als das Russische und das Deutsche Kaiserreich bereits verfeindeten Milit&auml;rb&uuml;ndnissen angeh&ouml;rten, wurde der Handel nicht eingeschr&auml;nkt. Deutschland bezog von seinem &ouml;stlichen Nachbarn &Ouml;l und Kohle, verarbeitete diese zu Eisen und verkaufte Maschinen. Auch w&auml;hrend des Kalten Krieges lief der Handel zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion, trotz des Eisernen Vorhangs, ohne Unterbrechung weiter: Westdeutschland bezog 30 Prozent seines Gases aus der Sowjetunion. Die europ&auml;ischen Selbstbeschr&auml;nkungen erscheinen vor diesem Hintergrund irrational. Von &Ouml;l- und Gaslieferungen zu Aufpreisen profitieren die USA, w&auml;hrend ihre Flotte s&auml;mtliche Versorgungswege nach Europa kontrolliert.<\/p><p>Demnach kann nur ein Ende des Konflikts die Lage grundlegend ver&auml;ndern. Die &ouml;ffentliche Meinung habe dies l&auml;ngst erkannt &mdash; fr&uuml;her als die Bundesregierung, in der die Lobby der R&uuml;stungskonzerne offenbar weiterhin erheblichen Einfluss besitzt. Verhandlungen mit Russland sind somit, so sehr sich manche Politiker auch dagegen str&auml;uben m&ouml;gen, keine Frage m&ouml;glicher Vorteile mehr. Es geht mittlerweile um die Rettung von Wirtschaft, Industrie und Wohlstand in Deutschland.<\/p><p><small>Titelbild: Halfpoint \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.aa.com.tr\/en\/europe\/majority-of-germans-support-merz-talks-with-putin-poll-shows\/3828407\">Majority of Germans support Merz talks with Putin, poll shows<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.pravda.com.ua\/eng\/news\/2026\/02\/16\/8021225\/index.amp\">Rheinmetall CEO does not expect peace in Ukraine this year<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.rheinmetall.com\/en\/company\/management\/supervisory-board\/representative-supervisory-board\">Supervisory Board of Rheinmetall AG<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.tresor.economie.gouv.fr\/Articles\/2025\/09\/05\/flash-conjoncture-france-perspectives-dans-l-industrie-manufacturiere-en-2025\">Flash conjoncture France &ndash; Perspectives dans l&rsquo;industrie manufacturi&egrave;re en 2025<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"https:\/\/xpert.digital\/en\/the-fossil-dark-doldrums\/\">The German natural gas crisis and the fossil fuel lull: When the natural gas system, which supposedly always works, fails<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/en\/can-germanys-steel-industry-survive-deepening-cost-crisis\/video-74625613\">Can Germany&rsquo;s steel industry survive deepening cost crisis?<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gesellschaft fordert von der Bundesregierung Verhandlungen mit Russland f&uuml;r einen Frieden in der Ukraine. 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