{"id":147204,"date":"2026-03-08T12:00:26","date_gmt":"2026-03-08T11:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147204"},"modified":"2026-03-12T12:07:06","modified_gmt":"2026-03-12T11:07:06","slug":"rache-statt-strafe-israel-will-todesstrafe-fuer-palaestinenser-einfuehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147204","title":{"rendered":"Rache statt Strafe &#8211; Israel will Todesstrafe f\u00fcr Pal\u00e4stinenser einf\u00fchren"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Es geht nicht um Strafe &ndash; es geht um Rache.&ldquo; So lautet das Fazit von Itamar Mann, israelischer Professor f&uuml;r V&ouml;lkerrecht, Menschenrechte, Umweltrecht und Rechtstheorie an der Universit&auml;t Haifa, das er in einem im vergangenen November bei <em>Legal Tribune Online (LTO)<\/em> erschienenen Artikel zieht.[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147204#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Darin analysiert er einen im selben Monat in der israelischen Knesset in erster Lesung behandelten Gesetzentwurf, der die Verh&auml;ngung der Todesstrafe gegen Pal&auml;stinenser vorsieht, wenn sie von Milit&auml;rgerichten der T&ouml;tung israelischer Staatsb&uuml;rger f&uuml;r schuldig befunden werden. Zum ersten Mal seit 1962, als der f&uuml;hrende Nazi und SS-Oberstleutnant Adolf Eichmann in Argentinien von einer israelischen Undercover-Einheit gefasst und nach einem Prozess vor einem Sondergericht in Jerusalem hingerichtet wurde, soll die Todesstrafe wieder zum Einsatz kommen. Ein Artikel von <strong>Wiebke Diehl<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5104\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-147204-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260303-Rache-statt-Strafe-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260303-Rache-statt-Strafe-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260303-Rache-statt-Strafe-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260303-Rache-statt-Strafe-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=147204-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260303-Rache-statt-Strafe-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260303-Rache-statt-Strafe-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Gesetzentwurf, der jetzt im Eilverfahren durchgepeitscht werden soll, wird von Abgeordneten der rechtsextremen Partei J&uuml;dische Macht (Otzma Yehudit), von Abgeordneten des Likud von Premier Benjamin Netanjahu und von der Partei Yisrael Beitenu unterst&uuml;tzt. Der Minister f&uuml;r nationale Sicherheit Itamar Ben Gvir spricht vom &bdquo;wichtigsten Gesetz in der Geschichte des Staates Israel&ldquo;.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Vorgesehen ist, dass eine Person, die den Tod israelischer Staatsb&uuml;rger &bdquo;vors&auml;tzlich oder aus Gleichg&uuml;ltigkeit, aus rassistischen Motiven oder aus Feindseligkeit gegen&uuml;ber einer Bev&ouml;lkerungsgruppe und mit dem Ziel, dem Staat Israel und der nationalen Wiederbelebung des j&uuml;dischen Volkes in seiner Heimat zu schaden, verursacht hat, zum Tode verurteilt wird&ldquo;, so ein Bericht auf der Webseite des israelischen Parlaments. Wie solche Handlungen genau definiert sind, legt der Gesetzentwurf nicht eindeutig fest.<\/p><p>Zudem sollen die Milit&auml;rgerichte mehr Macht erhalten. Um die Todesstrafe zu verh&auml;ngen, soll eine einfache Mehrheit der Richter im Gremium ausreichen. Damit wird die bislang geltende Einstimmigkeitspflicht der Dreiergremien, die an den Milit&auml;rgerichten Urteile f&auml;llen, ausgerechnet f&uuml;r die Verh&auml;ngung der Todesstrafe aufgeweicht. Dies ist vor dem Hintergrund, dass an den Milit&auml;rgerichten &uuml;blicherweise Offiziere im Reservedienst und keine Berufsjuristen urteilen, besonders problematisch. Eine einmal verh&auml;ngte Todesstrafe kann zudem laut dem Gesetzentwurf &bdquo;nicht umgewandelt werden&ldquo;.<\/p><p>Die Todesstrafe existiert in Israel f&uuml;r Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Allerdings werden Kriegs- und Menschenrechtsverbrecher, wie etwa die f&uuml;r den V&ouml;lkermord in Gaza Verantwortlichen, gerade nicht strafverfolgt. Faktisch ist die h&ouml;chste in den vergangenen Jahrzehnten in Israel verh&auml;ngte Strafe die lebenslange Haft. W&auml;hrend zionistische Milizen wie die Haganah im zeitlichen Umfeld der Staatsgr&uuml;ndung Israels eine Politik der Hinrichtung (vermeintlicher) Spione und Kollaborateure verfolgten, wurde in Israel neben dem oben erw&auml;hnten Adolf Eichmann nur eine Person nach einer Verurteilung zur Todesstrafe tats&auml;chlich hingerichtet: Meir Tobianski, Offizier der Armee, war f&auml;lschlicherweise der Spionage beschuldigt und nach einem provisorischen Kriegsgericht wegen Hochverrats hingerichtet worden. Sp&auml;ter wurde er posthum freigesprochen. Auch nach pal&auml;stinensischem Recht existiert die Todesstrafe. Au&szlig;erhalb Gazas wird sie nur selten angewandt, w&auml;hrend es im Gazastreifen wiederholt zu Hinrichtungen von Pal&auml;stinensern gekommen ist, die der Kollaboration mit Israel beschuldigt werden.<\/p><p>Laut dem vorliegenden Gesetzentwurf m&uuml;ssen nach dessen Bestimmungen verurteilte Pal&auml;stinenser innerhalb von 90 Tagen nach der Urteilsverk&uuml;ndung hingerichtet werden. Ohne dass dies (schon allein aus dem Grund, dass die Initiatoren Pal&auml;stinenser gar nicht als solche anerkennen) explizit festgeschrieben w&uuml;rde, ist voraussehbar, dass das Gesetz ausschlie&szlig;lich gegen Pal&auml;stinenser angewandt werden soll. Illegal im besetzten Westjordanland lebende israelische Siedler unterliegen nicht dem Milit&auml;rrecht, die Todesstrafe soll aber von Milit&auml;rgerichten verh&auml;ngt werden. Zivilgerichte, etwa in Jerusalem, sollen die Todesstrafe ebenfalls anwenden, wenn ein Verbrechen gegen israelische Staatsb&uuml;rger oder Einwohner begangen wurde. Vollstreckt werden soll die Todesstrafe durch Erh&auml;ngen. Die Identit&auml;t derjenigen, die sie vollstrecken, soll verborgen und diese sollen von der pers&ouml;nlichen Haftung befreit werden. Hinrichtungen k&ouml;nnen auch ohne die Anwesenheit von Amtstr&auml;gern oder Familienmitgliedern der Verurteilten vollzogen werden.<\/p><p>In der ersten Lesung in der Knesset, die am 10. November stattfand, wurde der Gesetzentwurf, den die Abgeordneten Zvika Fogel und Limor Son Har-Melech von Ben-Gvirs rechtsextremer Orzma-Yehudit-Partei eingereicht hatten, mit 39 zu 16 Stimmen angenommen. Ben-Gvir verteilte &bdquo;zur Feier des Tages&ldquo; Baklava, nachdem es w&auml;hrend der Debatte fast zu einer k&ouml;rperlichen Auseinandersetzung mit dem Abgeordneten Ayman Odeh (Hadash) gekommen war. Im Vorfeld hatte Orzma Yehudit gedroht, die Regierung zu verlassen, sollte das Gesetz nicht zur Abstimmung gebracht werden.<\/p><p>Wie Itamar Mann in seinem Artikel darlegt, ist das besonders Bedrohliche an dem Gesetzentwurf, dass er den richterlichen Ermessensspielraum abschaffe und es &bdquo;Richtern zur Pflicht [macht], Verurteilte wegen Terrorismusverbrechen zum Tode zu verurteilen&ldquo;.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Denn im Gesetzentwurf hei&szlig;t es, &bdquo;nur diese Strafe&ldquo;, also die Todesstrafe, sei in solchen F&auml;llen anzuwenden. Sie ist also obligatorisch und muss laut dem Gesetzentwurf selbst dann angewendet werden, wenn die Staatsanwaltschaft sie nicht beantragt. Zudem kann die Strafe auch r&uuml;ckwirkend verh&auml;ngt werden, was gegen das V&ouml;lkerrecht verst&ouml;&szlig;t.<\/p><p>Das Gesetz entsteht keinesfalls im luftleeren Raum. Seit Jahrzehnten existiert in Israel ein brutales Gef&auml;ngnissystem, in dem massiv gefoltert wird. 9.300 Pal&auml;stinenser sitzen derzeit in israelischer Haft.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] &Uuml;ber 3.300 davon befinden sich in Administrativhaft, sitzen also ohne Anklage und ohne Zugang zu Rechtsanw&auml;lten in Gef&auml;ngnissen und Haftlagern ein. Ohne dass Beweise vorgelegt werden, kann diese Haft alle sechs Monate verl&auml;ngert werden &ndash; unbegrenzt. Betroffen sind auch Minderj&auml;hrige. Folter sei zu einem &bdquo;bewussten und weit verbreiteten Instrument der Staatspolitik geworden&ldquo; &ndash; so hei&szlig;t es in einem k&uuml;rzlich von mehreren israelischen Menschenrechtsorganisationen eingereichten Bericht beim UN-Komitee gegen Folter. Sie finde w&auml;hrend des gesamten Haftprozesses statt, beginnend mit der Festnahme. &Uuml;ber 100 Menschen sind allein seit Beginn des Gazakriegs in israelischer Haft gestorben. 98 dieser Todesf&auml;lle hat die israelische Menschenrechtsorganisation &Auml;rzte f&uuml;r Menschenrechte (PHRI) anhand von Zeugenaussagen, offiziellen Unterlagen und andereren Beweisen dokumentiert.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>Seit den 1980er-Jahren wird Israel zudem vorgeworfen, Pal&auml;stinensern illegal und gegen ihren Willen sowie ohne Einverst&auml;ndnis der Angeh&ouml;rigen Organe zu entnehmen, die nicht nur f&uuml;r Transplantation und Forschung verwendet, sondern auch verkauft w&uuml;rden.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Auch Haut soll gestohlen worden sein. Solche Vorw&uuml;rfe wurden zuletzt im Kontext des Gazakriegs laut, medizinische Fachkr&auml;fte verfassten entsprechende Berichte: bei einigen Leichen, die im Rahmen eines Gefangenenaustausches &uuml;bergeben wurden, h&auml;tten lebenswichtige Organe wie Lebern, Nieren und Herzen gefehlt. Unter anderem die US-amerikanische Professorin f&uuml;r Anthropologie an der University of California, Nancy Scheper-Hughes, die seit 1996 zum weltweiten Handel mit menschlichen Organen forscht, hat genau wie der freiberufliche schwedische Journalist Donald Bostr&ouml;m schon fr&uuml;h diesbez&uuml;gliche Recherchen angestellt.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Von israelischer Seite wurde nicht zuletzt unter dem Druck der genannten Berichte und der gesammelten Indizien und Beweise im Jahr 2009 erstmals zugegeben, dass illegale Organentnahmen unter anderem an Pal&auml;stinensern stattgefunden haben.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p>Die Misshandlung, Folter und andere unmenschliche Behandlung in israelischen Gef&auml;ngnissen sind rapide angestiegen, seit der rechtsextreme israelische Sicherheitsminister Ben-Gvir sein Amt &uuml;bernahm. Der oben zitierte Bericht von &Auml;rzte f&uuml;r Menschenrechte bilanziert, der Minister verfolge eine Politik, die die Haftbedingungen in den Gef&auml;ngnissen absichtlich verschlechtert hat. Nach dem 7. Oktober 2023 seien israelische Haftanstalten noch mehr als zuvor zu &bdquo;Orten der Folter und des Missbrauchs, an denen grundlegende Menschenrechte routinem&auml;&szlig;ig verweigert wurden&ldquo;, geworden. Die Rede ist von einem &bdquo;weitverbreiteten Einsatz t&auml;glicher k&ouml;rperlicher Gewalt. Die &bdquo;T&ouml;tung von Pal&auml;stinensern in Gewahrsam [sei] zu einer normalisierten Praxis geworden.&ldquo;[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Im November stellte das UN-Komitee gegen Folter fest, Israel verfolge eine &bdquo;de facto&ldquo; staatliche Politik der Folter an pal&auml;stinensischen Gefangenen. Der Einsatz von Folter sei &bdquo;organisiert und weitverbreitet&ldquo;.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p>Die jetzt im Gesetzgebungsverfahren befindliche Inititiative f&uuml;gt sich ein in ein seit Jahrzehnten bestehendes System von Gef&auml;ngnissen und Haftanstalten, von willk&uuml;rlichen Inhaftierungen und Erniedrigungen bis hin zur T&ouml;tung von Gefangenen. Itamar Ben-Gvir hat immer wieder mit Videos aus Gef&auml;ngnissen und Haftlagern auf sich aufmerksam gemacht und die Misshandlung von inhaftierten Pal&auml;stinensern glorifiziert. In Social-Media-Videos posiert er mit am Boden liegenden gefesselten H&auml;ftlingen, ruft zu deren Misshandlung auf und r&uuml;hmt sich damit, dass diese nur &bdquo;das Minimum der Mindestbedingungen&ldquo; erhalten. Kurz vor Beginn des diesj&auml;hrigen Ramadans postete Ben-Gvir erneut ein Video aus einem Gef&auml;ngnis im besetzten Westjordanland. W&auml;hrend seines Besuchs wurden Blendgranaten in der N&auml;he der Zellen pal&auml;stinensischer Gefangener abgefeuert. Ben-Gvir nutzte den Anlass als eine Art Werbeveranstaltung f&uuml;r die Todesstrafe-Gesetzesinitiative. F&uuml;r Ben-Gvir und seine Partei geht es auch darum, sich bei den eigenen Anh&auml;ngern in Stellung zu bringen. Die n&auml;chsten Parlamentswahlen sind f&uuml;r den Oktober 2026 angesetzt.<\/p><p>Anfang Februar haben UN-Experten Israel aufgefordert, das Gesetz zur&uuml;ckzuziehen.[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Obligatorische Todesurteile widersprechen dem Recht auf lebensl&auml;ngliches Leben. Indem sie den Ermessensspielraum von Richtern und Staatsanwaltschaft wegnehmen, verhindern sie, dass ein Gericht die individuellen Umst&auml;nde, einschlie&szlig;lich mildernder Umst&auml;nde, ber&uuml;cksichtigt und eine angemessene Strafe verh&auml;ngt, die dem Verbrechen entspricht&rdquo;, so die Experten in ihrem Statement.\n<\/p><\/blockquote><p>Au&szlig;erdem ziehen sie das Fazit:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Da israelische Milit&auml;rprozesse gegen Zivilisten in der Regel nicht den Standards eines fairen Verfahrens gem&auml;&szlig; internationalem Menschenrechts- und humanit&auml;rem Recht entsprechen, w&uuml;rde jede daraus resultierende Todesstrafe das Recht auf Leben weiter verletzen. Die Verweigerung eines fairen Prozesses ist ebenfalls ein Kriegsverbrechen.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Zudem schr&auml;nke das Gesetz den Zugang der Betroffenen zu Rechtsbeist&auml;nden weiter ein, es gebe kein wirksames Berufungsverfahren. Der Internationale Gerichtshof habe zudem festgestellt, dass Israel im Westjordanland ein System der Rassentrennung und Apartheid errichtet habe. Israel sei auch nicht befugt, in besetztem pal&auml;stinensischen Gebiet Gesetze gegen Pal&auml;stinenser durchzusetzen.<\/p><p>Am 13. Februar haben 1.200 Personen aus Israel, darunter ehemalige Beamte, Richter des Obersten Gerichtshofs, Nobelpreistr&auml;ger, ehemalige Leiter der Geheimdienste Shin Bet und Mossad, Akademiker, Universit&auml;tspr&auml;sidenten, die ehemaligen Staabschefs der israelischen Armee Dan Halutz und Moshe Ya&acute;alon sowie der ehemalige Premierminister Ehud Olmert in mehreren israelischen Zeitungen eine Petition ver&ouml;ffentlicht, in der Kritik an dem Gesetzentwurf ge&auml;u&szlig;ert wird.[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] Die Unterzeichnenden fordern die Knesset-Abgeordneten auf, diesen abzulehnen. Die &bdquo;Wiederaufnahme der Todesstrafe [werfe] einen moralischen Makel auf Israel und seine Identit&auml;t als j&uuml;discher demokratischer Staat&ldquo;. Die Behauptung, die Todesstrafe schrecke M&ouml;rder ab, entbehre zudem einer wissenschaftlichen Grundlage. Der Gesetzentwurf unterscheide &bdquo;zwischen einem Blut und einem anderen&ldquo;, indem er faktisch festlege, dass die Todesstrafe nur gegen Pal&auml;stinenser verh&auml;ngt werde, die Israelis get&ouml;tet haben, nicht aber gegen andere, die &auml;hnlich schwere Verbrechen begingen. Zudem wird kritisiert, dass die M&ouml;glichkeit des gerichtlichen Ermessens sowie eine Umwandlung der Todesstrafe ausgeschlossen w&uuml;rden.<\/p><p>Itamar Mann geht in seiner Einordnung deutlich weiter als die Unterzeichner der Petition, deren Berufung auf Israel als &bdquo;Staat, der sich den Menschenrechten und dem Wesen der Menschlichkeit verpflichtet hat&ldquo;, vor dem Hintergrund jahrzehntelanger schwerer israelischer Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen, dem minuti&ouml;s aufgebauten Apartheidsystem, an dessen Ende die Annexion s&auml;mtlicher pal&auml;stinensischer Gebiete stehen soll, und besonders dem bis heute andauernden V&ouml;lkermord im Gazastreifen h&ouml;chst fragw&uuml;rdig ist. Mann argumentiert, das Gesetz verletze nicht nur individuelle Rechte, sondern sei auch eine &bdquo;Beleidigung der Justiz&ldquo;.[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] Der &bdquo;Entzug jeglichen Ermessensspielraums f&uuml;r Richter in der Strafzumessungsphase von Todesstrafenf&auml;llen&ldquo; k&ouml;nne die richterliche Entscheidungsfindung &bdquo;zerst&ouml;ren&ldquo;. Das Gesetz verwandle die Justiz in ein &bdquo;Instrument der Rache&ldquo;, obwohl das Strafrecht eigentlich eine Unterscheidung zwischen Bestrafung und Rache verlange. Das Gesetz ignoriere somit jegliches Prinzip der Gewaltenteilung und sei Teil des seit Langem andauernden Angriffs sowohl auf die Rechte pal&auml;stinensischer Inhaftierter als auch gegen die Justiz.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot i24news.tv<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/meinung\/m\/israel-death-penalty-bill-terrorism-revenge-defence\">lto.de\/recht\/meinung\/m\/israel-death-penalty-bill-terrorism-revenge-defence<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/en\/israel-moves-towards-controversial-death-penalty-revival\/a-76074461\">Israel moves towards controversial death penalty revival<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/meinung\/m\/israel-death-penalty-bill-terrorism-revenge-defence\">lto.de\/recht\/meinung\/m\/israel-death-penalty-bill-terrorism-revenge-defence<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/addameer.ps\/statistics\">Statistiken | Addameer<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.phr.org.il\/en\/palestinian-deaths-behind-bars-eng\/?pr=11563\">Death Sentence for Palestinians in Custody | New Report and Testimonies | &#1512;&#1493;&#1508;&#1488;&#1497;&#1501; &#1500;&#1494;&#1499;&#1493;&#1497;&#1493;&#1514; &#1488;&#1491;&#1501;<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/mondoweiss.net\/2025\/02\/a-brief-history-of-israels-theft-and-trafficking-of-palestinian-organs\/\">A brief history of Israel&rsquo;s theft and trafficking of Palestinian organs &ndash; Mondoweiss<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.aa.com.tr\/en\/middle-east\/gaza-authorities-accuse-israel-of-stealing-organs-from-released-palestinian-bodies\/3719641\">Gaza authorities accuse Israel of stealing organs from released Palestinian bodies<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.counterpunch.org\/2010\/10\/25\/body-parts-and-bio-piracy\/\">Body Parts and Bio-Piracy &ndash; CounterPunch.org<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.aftonbladet.se\/kultur\/a\/Rx1n5A\/our-sons-are-plundered-of-their-organs\">&ldquo;Our sons are plundered of their organs&rdquo; &ndash; English translation of the article by Donald Bostr&ouml;m<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.abc.net.au\/news\/2009-12-22\/israel-admits-organ-harvesting\/1187094\">Israel admits organ harvesting &ndash; ABC News<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2009\/dec\/21\/israeli-pathologists-harvested-organs\">Doctor admits Israeli pathologists harvested organs without consent | Israel | The Guardian<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.phr.org.il\/en\/palestinian-deaths-behind-bars-eng\/?pr=11563\">Death Sentence for Palestinians in Custody | New Report and Testimonies | <\/a><a href=\"https:\/\/www.phr.org.il\/en\/palestinian-deaths-behind-bars-eng\/?pr=11563\">&#1512;&#1493;&#1508;&#1488;&#1497;&#1501; &#1500;&#1494;&#1499;&#1493;&#1497;&#1493;&#1514; &#1488;&#1491;&#1501;<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/en\/meeting-summaries\/2025\/11\/experts-committee-against-torture-commend-israels-initiative-frontline\">Experts of the Committee against Torture Commend Israel&rsquo;s Initiative for Frontline Mental Health Professionals, Raise Questions on Monitoring Conditions in Israeli Prisons and Allegations of Systemic Torture of Palestinian Detainees | OHCHR<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/en\/press-releases\/2026\/02\/israel-un-experts-urge-withdrawal-death-penalty-bill\">Israel: UN experts urge withdrawal of death penalty bill | OHCHR<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.middleeastmonitor.com\/20260218-1200-former-israeli-officials-urge-knesset-to-reject-death-penalty-bill\/\">1.200 ehemalige israelische Beamte fordern die Knesset auf, das Gesetz zur Todesstrafe abzulehnen &ndash; Middle East Monitor<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/meinung\/m\/israel-death-penalty-bill-terrorism-revenge-defence\">lto.de\/recht\/meinung\/m\/israel-death-penalty-bill-terrorism-revenge-defence<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Es geht nicht um Strafe &ndash; es geht um Rache.&ldquo; So lautet das Fazit von Itamar Mann, israelischer Professor f&uuml;r V&ouml;lkerrecht, Menschenrechte, Umweltrecht und Rechtstheorie an der Universit&auml;t Haifa, das er in einem im vergangenen November bei <em>Legal Tribune Online (LTO)<\/em> erschienenen Artikel zieht.[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147204#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Darin analysiert er einen im selben Monat in der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147204\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":147205,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,126,20],"tags":[2580,927,2586,3093,1557,930,305,1958,1841],"class_list":["post-147204","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","tag-apartheid","tag-folter","tag-gewaltenteilung","tag-haftbedingungen","tag-israel","tag-justiz","tag-menschenrechte","tag-organhandel","tag-todesstrafe"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/260301-Todesstrafe.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/147204","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=147204"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/147204\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":147611,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/147204\/revisions\/147611"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/147205"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=147204"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=147204"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=147204"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}