{"id":147217,"date":"2026-03-05T15:00:16","date_gmt":"2026-03-05T14:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147217"},"modified":"2026-03-06T07:13:40","modified_gmt":"2026-03-06T06:13:40","slug":"die-maechtigen-des-erdkreises-sind-unzurechnungsfaehig-und-haben-keine-scheu-vor-einem-dritten-weltkrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147217","title":{"rendered":"\u201eDie M\u00e4chtigen des Erdkreises sind unzurechnungsf\u00e4hig und haben keine Scheu vor einem Dritten Weltkrieg\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Die Passagen zur sogenannten regelbasierten Ordnung lesen sich so, als h&auml;tten die Autoren die letzten Jahrzehnte auf einem anderen Planeten verbracht&ldquo; &ndash; das sagt der Publizist <a href=\"https:\/\/friedenstheologie-institut.jimdofree.com\/wer-wir-sind\/peter-b%C3%BCrger\/\"><strong>Peter B&uuml;rger<\/strong><\/a> zum neuen Positionspapier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Thema Krieg. Im Interview mit den <em>NachDenkSeiten<\/em> rechnet B&uuml;rger mit einer Kirche ab, die &bdquo;die Gewaltlosigkeit des Evangeliums von Jesus zu einer privaten Fr&ouml;mmigkeitsangelegenheit verharmlost&ldquo;. Der &bdquo;Schutz vor Gewalt&ldquo; sei in dem Positionspapier zwar ein Schl&uuml;sselwort, doch: &bdquo;Pal&auml;stinensischen Menschengeschwistern m&ouml;chte ich die Lekt&uuml;re aber nicht empfehlen, denn der milit&auml;rische Massenmord an zehntausenden Menschen in Gaza ersch&uuml;ttert die Kirchenleitung in diesem Zusammenhang offenbar nicht.&ldquo; Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8579\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-147217-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260305_Die_Maechtigen_des_Erdkreises_sind_unzurechnungsfaehig_und_haben_keine_Scheu_vor_einem_Dritten_Weltkrieg_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260305_Die_Maechtigen_des_Erdkreises_sind_unzurechnungsfaehig_und_haben_keine_Scheu_vor_einem_Dritten_Weltkrieg_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260305_Die_Maechtigen_des_Erdkreises_sind_unzurechnungsfaehig_und_haben_keine_Scheu_vor_einem_Dritten_Weltkrieg_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260305_Die_Maechtigen_des_Erdkreises_sind_unzurechnungsfaehig_und_haben_keine_Scheu_vor_einem_Dritten_Weltkrieg_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=147217-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260305_Die_Maechtigen_des_Erdkreises_sind_unzurechnungsfaehig_und_haben_keine_Scheu_vor_einem_Dritten_Weltkrieg_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260305_Die_Maechtigen_des_Erdkreises_sind_unzurechnungsfaehig_und_haben_keine_Scheu_vor_einem_Dritten_Weltkrieg_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr B&uuml;rger, wir wollten &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_doc\/denkschrift-welt-in-unordnung-EVA-2025.pdf\">die Positionierung der EKD<\/a> <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142050\">zum Thema Krieg<\/a> sprechen &ndash; nun haben gerade die USA und Israel den Iran angegriffen. Was sind Ihre Gedanken?<\/strong><\/p><p>Die Vorstellung von einem Weltkrieg auf Raten bewegt mich nicht erst seit der hiesigen &bdquo;Zeitenwende&ldquo;-Propaganda, sondern seit einem Vierteljahrhundert. Aber wie soll man das dauerhaft im Bewusstsein halten und dennoch seinem Tagwerk nachgehen, achtgeben auf die Lebensfreude, ohne die es keine Friedensarbeit geben kann? Also habe ich mir wie viele andere immer wieder eingeredet: Schlimmer kann es nicht mehr kommen. Aber es kommt in immer k&uuml;rzeren Abst&auml;nden noch schlimmer. <\/p><p>Ein Gedanke ist nat&uuml;rlich, dass dieser Angriff gegen den Iran um Himmels Willen keine Kettenreaktionen mit weiteren Brandherden und Leichenbergen nach sich zieht. Beteiligt ist im Hintergrund unter anderem ein faschistoider Christenkomplex in den USA, in dem man f&ouml;rmlich versessen ist auf das Weltende. Der auserw&auml;hlte Vollstrecker soll ausgerechnet ein areligi&ouml;ser, wirklich irrer Pr&auml;sident sein, dessen einzige Gottheiten sein Ego und das eigene Bankkonto sind. Auf israelischer Seite haben wir es mit einer rechtsextremen Regierung zu tun, in der nicht nur die faschistoiden Nationalreligi&ouml;sen das zweitausendj&auml;hrige hohe Ethos des rabbinischen Judentums l&auml;ngst zugunsten der Totmachkomplexe verabschiedet haben. Man kommt bei solchen Akteuren aus der Sorge nicht heraus. <\/p><p>Derweil &uuml;bt sich ein Kanzler aus meiner sauerl&auml;ndischen Heimat unverdrossen darin, unter den Totengr&auml;bern der &uuml;berlebenswichtigen Vision von Vereinten Nationen und V&ouml;lkerrecht eine prominente Rolle einzunehmen. &ndash; Also zwei Stimmen gibt es da in mir. Die eine h&auml;lt das alles f&uuml;r surreal, unwirklich. Und die andere ruft mich zur Ordnung: Nein, die M&auml;chtigen des Erdkreises sind tats&auml;chlich weithin v&ouml;llig unzurechnungsf&auml;hig und haben keine Scheu vor einem Dritten Weltkrieg.<\/p><p><strong>Ob Krieg gegen den Iran, ob der Krieg in der Ukraine, ob das politische Gro&szlig;vorhaben <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127039\">Kriegst&uuml;chtigkeit<\/a>: Der Begriff wird immer fester in der &Ouml;ffentlichkeit verankert. Politiker, Journalisten, Experten reden &uuml;ber Krieg. Allerdings: Bei all den &Auml;u&szlig;erungen sind nur wenige friedenspolitische Positionen zu finden. Dann gibt es da aber auch noch die Kirchen. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat sich j&uuml;ngst auch positioniert. Kurz gefasst: Was halten Sie davon? <\/strong><\/p><p>In der &Ouml;kumene wird der Moskauer Patriarch Kyrill sehr zu Recht kritisiert, weil er mittels reaktion&auml;rster weltanschaulicher Ideologie einem Krieg assistiert, in dem hunderttausende junge Ukrainer und Russen f&uuml;r die Herrschenden und Besitzenden ihr Leben lassen m&uuml;ssen. Diese Kriegstheologie hat mit &bdquo;Rechtgl&auml;ubigkeit&ldquo; rein gar nichts mehr zu tun. Die auf vollst&auml;ndig anderen Grundlagen fu&szlig;ende EKD-Denkschrift <a href=\"https:\/\/www.ekd.de\/ekd_de\/ds_doc\/denkschrift-welt-in-unordnung-EVA-2025.pdf\">&bdquo;Welt in Unordnung&ldquo;<\/a> entsetzt mich aber nicht minder mit ihren mannigfachen Dienstleistungen f&uuml;r den milit&auml;rischen Heilsglauben des hiesigen Staatskomplexes. Allen Ernstes wird darin im Rahmen eines Kurswechsels versucht, der Parole <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125342\">&bdquo;Kriegst&uuml;chtigkeit&ldquo;<\/a> irgendwie einen annehmbaren Sinn abzugewinnen. Vom neuen deutschen Gro&szlig;machtstreben will man nicht reden. Die staatskirchliche Tendenz des Dokumentes haben im November auch einige linksliberale Stimmen sofort erkannt und f&uuml;r hochpeinlich befunden.<\/p><p><strong>Was sind Ihre zentralen Kritikpunkte? <\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst einmal: Die meisten der 150 Denkschriftseiten enthalten Allgemeinpl&auml;tze, Richtiges oder Unstrittiges, das in fr&uuml;heren Kundgebungen schon einmal schl&uuml;ssiger, besser dargelegt worden ist. Das ist die Verpackung, deswegen h&auml;tte es kein neues EKD-Dokument geben m&uuml;ssen. <\/p><p>Zweck der ganzen &Uuml;bung sind die Tabubr&uuml;che und Neuerungen. Diese betreffen wohlwollende Ausf&uuml;hrungen zu Aufr&uuml;stungspolitik, Waffenlieferungen, Waffenexporten, milit&auml;rischer Dienstverpflichtung der Jugend, diese im Fall weitergehender Regelungen bitte auch f&uuml;r Frauen, und &Uuml;berlegungen zur Notwendigkeit pr&auml;ventiver milit&auml;rischer Defensivschl&auml;ge. Die Passagen zur sogenannten regelbasierten Ordnung lesen sich so, als h&auml;tten die Autoren die letzten Jahrzehnte auf einem anderen Planeten verbracht. Der Sache nach wird die Gewaltlosigkeit des Evangeliums von Jesus zu einer privaten Fr&ouml;mmigkeitsangelegenheit verharmlost, die bei der Weltgestaltung nicht wirklich brauchbar ist. <\/p><p>Gewarnt wird gem&auml;&szlig; der deutschen Ukraine-Linie vor &bdquo;unethischen Friedensverhandlungen&ldquo;, die der territorialen Unversehrtheit und Selbstbestimmung nicht dienlich sind. Schutz vor Gewalt ist ein zentrales Schl&uuml;sselwort. Pal&auml;stinensischen Menschengeschwistern m&ouml;chte ich die Lekt&uuml;re aber nicht empfehlen, denn der milit&auml;rische Massenmord an zehntausenden Menschen in Gaza ersch&uuml;ttert die Kirchenleitung in diesem Zusammenhang offenbar nicht. Die Atombombe soll weiterhin als unethisch klassifiziert werden, doch k&ouml;nne sie politisch notwendig sein. Im Klartext: Kirche gegen deutschen Beitritt zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag. Der Protestantismus war einmal beschenkt durch beeindruckende Pers&ouml;nlichkeiten wie Gustav Heinemann oder Erhard Eppler. Die Zeiten sind vorbei.<\/p><p><strong>Sie haben nun eine &bdquo;Umdenkschrift&ldquo; ver&ouml;ffentlicht, worin 35 Widerworte gegen den Kurs der EKD zu finden sind. Wie ist dieses Buch entstanden? <\/strong><\/p><p>Die Sammlung &bdquo;Umdenkschrift&ldquo; mit Widerworten aus Kirchenbasis, kirchlichen Initiativen, Friedensbewegung, Theologie und Publizistik liegt inzwischen sogar schon in zwei B&auml;nden vor. Sie erschlie&szlig;t auf 450 Seiten fast 50 kritische Voten. Es kommen aber noch st&auml;ndig neue. In friedensbewegten christlichen Netzen wurde seit November 2025 gesammelt. Die Gruppe &bdquo;Solidarische Kirche&ldquo; und das unabh&auml;ngige &bdquo;&Ouml;kumenische Institut f&uuml;r Friedenstheologie&ldquo; fanden es gut, das als Sammlung herauszugeben, nur ein erster Schritt. W&auml;hrend andere schon an theologischen bzw. friedensethischen Alternativentw&uuml;rfen arbeiten, habe ich in dieser Sache weitere Rundfragen und die Gesamtredaktion &uuml;bernommen. Der Austausch mit nachdenklichen Christenmenschen sowie die Sichtbarkeit der vielen Zeugnisse wider den milit&auml;rfreundlichen Kurswechsel der Kirchenobrigkeit &ndash; das war und ist eine Mutmach-Quelle sondergleichen.<\/p><p><strong>Sie haben einige Ihrer zentralen Kritikpunkte an der EKD aufgef&uuml;hrt. Gibt es denn einen Austausch zwischen der EKD und ihren Kritikern? <\/strong><\/p><p>Das Spektrum der Kritik und der Kritisierenden ist sehr breit, keineswegs einheitlich. Von unten kommen Leserbriefe und auch Schreiben nach oben. Die Kirchenmedien sind ein Ort. Sofern es sich bei Kritikern um kirchlich angebundene Stellen der Friedensarbeit, Kriegsdienstverweigerer-Beratung etc. handelt, stehen sie nat&uuml;rlich im innerkirchlichen Gespr&auml;ch mit der Leitungsebene. Die Denkschrift wird auch auf l&auml;nger vorbereiteten Veranstaltungen diskutiert bzw. besser gesagt: beworben. Wie die EKD-Ratsvorsitzende auf die entschiedene Kritik zum Beispiel aus den gewaltfreien Friedenskirchen der Reformation antwortet, bleibt abzuwarten. <\/p><p>In der aktuellen M&auml;rzausgabe der &bdquo;Herder-Korrespondenz&ldquo; wenden sich die Denkschrift-Autorinnen an ihre sehr zahlreichen Kritiker. Sie unterstreichen ihre Sicht einer &bdquo;Jenseitigkeit des Gottesreiches&ldquo; und einer Jenseitigkeit der christlichen Friedenshoffnung. Also haben die Propheten Israels und der Heiland Frieden und Gewaltlosigkeit verhei&szlig;en f&uuml;r ein zweites Stockwerk der Wirklichkeit, das mit dem menschlichen Drama hienieden nicht sehr viel zu tun hat. Aus dem R&ouml;merbrief wollen die Denkschriftmacher unverdrossen Gehorsam gegen&uuml;ber der Staatsobrigkeit ableiten &ndash; sodann auch, &bdquo;dass die Obrigkeit des Schwerts um ihrer ordnenden Funktion willen bedarf&ldquo;. Wenn es auf diesem Niveau weitergeht, kann man wohl kaum von Austausch sprechen.<\/p><p><strong>Was vermuten Sie: Was ist der Grund f&uuml;r die Positionierung der EKD? <\/strong><\/p><p>Nicht zuletzt sollte man mit Martin Luther und Karl Marx auch vom Geld reden. Woran dein Herz h&auml;ngt, da ist auch dein Gott. Das Sein bestimmt das Bewusstsein. In den staatlich privilegierten Gro&szlig;kirchen gilt ja keineswegs die altkirchliche Regel, dass das Bischofsgehalt nicht h&ouml;her sein darf als die kirchliche Armenf&uuml;rsorge. Obwohl sich die Kirchen hierzulande rasant pulverisieren, bleibt der aktuellen &bdquo;Elite&ldquo; ja noch die Verf&uuml;gung &uuml;ber gigantische Verm&ouml;gen. Da sollte niemand eine aufm&uuml;pfige Amtskirche erwarten, die den M&auml;chtigen ins Rad f&auml;llt. Die evangelischen Kirchen in der DDR, die alle diese Privilegien nicht hatten, die zeichneten sich durch staatsferne, theologisch fundierte und sehr entschiedene Friedenszeugnisse aus.<\/p><p>Zum anderen sehe ich die keineswegs staatsunabh&auml;ngige Milit&auml;rseelsorge als ein wichtiges Moment im milit&auml;rfreundlichen Kurs. Die Atombomben-Duldung bzw. Empfehlung gab es in einem Dokument des Milit&auml;rkirchenwesens schon 2023. Man sehe sich da die Autorennamen und daneben das Team der aktuellen Denkschrift an.<\/p><p><strong>Wie sieht es im Innern der Kirchen aus? Haben Sie da Einblicke? Tragen denn all die Pfarrer usw. diesen Kurs mit? <\/strong><\/p><p>Pazifisten und Antimilitaristinnen sind in der Gesellschaft &ndash; jedenfalls was die &ouml;ffentliche Sichtbarkeit betrifft &ndash; eine Minderheit. Die Kirchen sind ein Spiegelbild &ndash; und sie reden ja auch in den letzten Jahren mehr denn je so, wie es der Hauptstrom der Medien vorgibt. Zudem hat sich in den neoliberalen Jahrzehnten die Kirche insgesamt durchgreifend gewandelt. Gleichwohl kommt Widerspruch jetzt gerade aus frommen Kreisen. Mit dem Atombomben-Votum hat die EKD schlie&szlig;lich den Bogen &uuml;berspannt. Der Gegenwind ist schon so vielf&auml;ltig und kr&auml;ftig, dass eine wirkungsvolle Revolte wider kirchliche Milit&auml;rdoktrinen keineswegs unm&ouml;glich erscheint.<\/p><p><strong>Wie w&uuml;rde aus Ihrer Sicht eine kirchliche Positionierung aussehen, die dem christlichen Glauben gerecht wird? <\/strong><\/p><p>Krieg? Ohne uns! Israels Propheten und Jesus von Nazareth in den Himmel abzuschieben, wenn sie unbequem werden, damit w&auml;re als erstes aufzuh&ouml;ren. Sodann st&uuml;nde das R&uuml;stzeug bereit, die v&ouml;llig irrationalen Heilsversprechen der Milit&auml;rkomplexe einer &Uuml;berpr&uuml;fung zuzuf&uuml;hren und zu entlarven. Unter diesem Vorzeichen lie&szlig;e sich auch die Unm&ouml;glichkeit verstehen, eine moderne Gesellschaft mit den Erzeugnissen der parasit&auml;ren Totmachkonzerne und R&uuml;stungsbillionen zu verteidigen &ndash; statt durch Investitionen in das Leben. Statt vage von einer unerl&ouml;sten, s&uuml;ndigen Welt daherzureden, sollten in der Kirche jene zu Wort kommen, die das zivilisatorische Drama der letzten f&uuml;nf Jahrtausende auf der H&ouml;he der Zeit darstellen k&ouml;nnen. <\/p><p>Im 3. Jahrtausend nach Christus &ndash; im Angesicht der Atombombe und der &ouml;kologischen Krise &ndash; ist es auf dieser sch&ouml;nen Erde einfach zu sp&auml;t f&uuml;r den homo sapiens, um noch an seiner &bdquo;Kulturerrungenschaft Krieg&ldquo; festzuhalten. Die totalit&auml;ren milit&auml;rtechnologischen Revolutionen und die neue Militarisierung f&uuml;hren hinein in den Abgrund. Eine Kirche, die sich von ihrem Gr&uuml;nder die Blindheit heilen l&auml;sst, wird das sehen und sich dem Wahnsinn verweigern. Es gibt keine guten Imperien und es gibt keine gerechten Kriege. Die Kriegspropheten sind immer falsche Propheten. So weit ist die Welt&ouml;kumene schon lange. So weit waren auch die Kirchen hierzulande schon einmal. &bdquo;Menschwerdung&ldquo;, so lautet die Botschaft: Frieden auf Erden! Die himmlischen Gefilde brauchen hingegen in Sachen Frieden keinen Nachhilfeunterricht und auch keine Propheten.<\/p><p><strong>Da stellen sich die Kirchen hin, angeblich im Geiste von Jesus Christus, der immerhin f&uuml;r seinen Glauben gestorben ist, und agieren so, als ob sie blo&szlig; der Politik keine Unannehmlichkeiten bereiten m&ouml;chten. <\/strong><\/p><p>Freiwillig und gerne ist Jesus nicht am Kreuz gestorben. Er wurde vor zwei Jahrtausenden ermordet von einem Imperium, das sein Wirken unter den Leuten klarsichtig als Fundamentalabsage an Roms Programm &bdquo;M&uuml;nze &ndash; Macht &ndash; Milit&auml;r&ldquo; erkannte. Sein Angebot war mitnichten wider die Natur des Menschen, denn Herrschaftsfreiheit (Gleichberechtigung), Hilfsbereitschaft und Solidarit&auml;t zeichneten den homo sapiens aus, bevor die Staatskomplexe im Dienste der wenigen Besitzenden alle Kultur dirigierten. F&uuml;r die r&ouml;mische Besatzungsmacht war der gewaltfreie Weg Jesu viel gef&auml;hrlicher als jene Dolchm&auml;nner, die dem Wahn anhingen, eine &uuml;berm&auml;chtige Soldateska mit Waffen aus dem Land zu jagen. Jesus brach &ndash; wie vor ihm schon die Propheten Israels und viele Liebhaber des Lebens &ndash; mit der ma&szlig;geblichen Funktion der &uuml;berkommenen Religionsapparate, n&auml;mlich die M&auml;chtigen und das Totmachen von Menschengeschwistern im Namen einer Gottheit zu legitimieren. Nur im Zusammenhang mit einem solchen radikalen Bruch sollten wir bezogen auf alle Religionen von &bdquo;Offenbarung&ldquo; sprechen.<\/p><p><strong>Sie kennen bestimmt das Lied von Reinhard Mey &bdquo;Sei wachsam&ldquo;. Eine vielzitierte Zeile lautet:<\/strong><\/p><blockquote><p>\nSie nennen es das Volk, aber sie meinen Untertanen; All das Leimen, all das Schleimen ist nicht l&auml;nger zu ertragen; Wenn du erst lernst zu &uuml;bersetzen, was sie wirklich sagen; Der Minister nimmt fl&uuml;sternd den Bischof beim Arm: &ldquo;Halt&prime; du sie dumm, ich halt&rsquo; sie arm!&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Darin steckt eine uralte Kritik, n&auml;mlich: Dass die Kirchen am langen Ende mit der Politik paktieren. Wie sehen Sie das? <\/strong><\/p><p>Zur Liedzeile sei angemerkt: Die Armen, aus denen sich die Kriegstruppen f&uuml;r die Weltordnung der Besitzenden vorzugsweise rekrutieren, sind im deutschen B&uuml;rgerkirchentum wohl keine Gruppe, die da gro&szlig; was zu sagen h&auml;tte. In zwei Weltkriegen haben die deutschen Gro&szlig;kirchen den Regierenden in Deutschland assistiert. Ich bef&uuml;rchte, es w&uuml;rde bei einem dritten Weltkrieg oder einem neuen &bdquo;Ostfeldzug&ldquo; &uuml;berwiegend nicht anders sein. Die Argumentationsfiguren &auml;ndern sich in den verschiedenen Zeiten; die Strukturen des Zusammenspiels sind im Wesentlichen aber immer noch die alten. Man folge nur Monat f&uuml;r Monat den neuesten Losungen der Herren Milit&auml;rbisch&ouml;fe.<\/p><p><strong>Wie sieht es eigentlich mit den Christen aus im Hinblick auf das Verhalten der Kirchen in Sachen Krieg? <\/strong><\/p><p>Drei Jahrhunderte lang blieben die fr&uuml;hen Christen ihrem Heiland treu und somit dem Kriegsapparat des Imperiums fern &ndash; gerade weil sie als Erdenmenschen aus Fleisch und Blut &bdquo;im Himmel&ldquo; und nicht im Imperium beheimatet waren. Es kam aber der r&ouml;mische Soldatenkaiser Konstantin und bog sich das Kirchentum so zurecht, dass es nach Art der alten Priesterapparate und Staatskulte wieder zum F&uuml;hren von Kriegen n&uuml;tzlich wurde. Nur wo dieser fatale Vorgang restlos r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht wird, gibt es f&uuml;r Christsein und kirchliche Gemeinschaft eine Zukunft. Das ist keine Utopie. <\/p><p>Der im letzten Jahr gestorbene Bischof von Rom, Franziskus, hinterlie&szlig; ein pazifistisches Verm&auml;chtnis. Die evangelische Landeskirche im Rheinland hat noch 2018 gefordert, dass alle Atomwaffen aus diesem Land verschwinden, und auch ihr Pr&auml;ses hat unl&auml;ngst seine kategorische Ablehnung der Massenvernichtungsbomben bekr&auml;ftigt. Die evangelische Badische Landeskirche vermittelt schon seit langem Alternativen zu den Milit&auml;rapparaten, die ja nirgendwo einl&ouml;sen, was sie versprechen, sondern stets die Welt in ein Reich der Traurigkeit verwandeln. Bek&auml;me die neue skandal&ouml;se EKD-Denkschrift eine Mehrheit, wenn alle Getauften abstimmen d&uuml;rften?<\/p><p><strong>Lesetipp<\/strong><\/p><p>Peter B&uuml;rger (Hrsg): <a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/umdenkschrift-zum-evangelischen-diskurs-ueber-krieg-und-frieden-9783695743476\">Umdenkschrift zum Evangelischen Diskurs &uuml;ber Krieg und Frieden. Kritische Wortmeldungen aus der EKD-Kontroverse<\/a> &ndash; Eine Sammlung, herausgegeben im Auftrag der Solidarischen Kirche im Rheinland und des &Ouml;kumenischen Instituts f&uuml;r Friedenstheologie. Band 43: edition pace. Verlag BoD. Paperback. 300 Seiten. 12,99 Euro. &#448; Folgeband: <a href=\"https:\/\/buchshop.bod.de\/umdenkschrift-ii-zum-evangelischen-diskurs-ueber-krieg-und-frieden-9783695747337\">Umdenkschrift II &hellip; Weitere kritische Wortmeldungen<\/a>. 152 Seiten. 7,99 Euro. &ndash; Beide Teile digital auch frei abrufbar u.a. auf: solidarischekirche.de<\/p><p><small>Titelbild: wing-wing \/ shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Die Passagen zur sogenannten regelbasierten Ordnung lesen sich so, als h&auml;tten die Autoren die letzten Jahrzehnte auf einem anderen Planeten verbracht&ldquo; &ndash; das sagt der Publizist <a href=\"https:\/\/friedenstheologie-institut.jimdofree.com\/wer-wir-sind\/peter-b%C3%BCrger\/\"><strong>Peter B&uuml;rger<\/strong><\/a> zum neuen Positionspapier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Thema Krieg. Im Interview mit den <em>NachDenkSeiten<\/em> rechnet B&uuml;rger mit einer Kirche ab, die &bdquo;die Gewaltlosigkeit<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147217\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":147218,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,209,199],"tags":[1519,3293,532,1257,3125],"class_list":["post-147217","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-interviews","category-kirchen-religionen","tag-atomwaffen","tag-bellizismus","tag-ekd","tag-pazifismus","tag-regelbasierte-ordnung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/shutterstock_2713136845.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/147217","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=147217"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/147217\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":147271,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/147217\/revisions\/147271"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/147218"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=147217"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=147217"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=147217"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}