{"id":147315,"date":"2026-03-07T15:00:25","date_gmt":"2026-03-07T14:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147315"},"modified":"2026-03-06T11:27:32","modified_gmt":"2026-03-06T10:27:32","slug":"grundrechte-in-gefahr-filmische-auseinandersetzung-mit-dem-zeitgeist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147315","title":{"rendered":"Grundrechte in Gefahr \u2013 filmische Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist"},"content":{"rendered":"<p>In Deutschland und anderen westlichen Staaten stehen demokratische Werte auf dem Pr&uuml;fstand. Sp&auml;testens seit der Corona-Krise ist zu beobachten, wie rechtsstaatliche Strukturen ausgeh&ouml;hlt, Meinungsfreiheit abgebaut und staatliche &Uuml;berwachung angekurbelt werden. Darauf machen nicht nur alternative Medien und B&uuml;rgerrechtler aufmerksam, sondern auch zeitkritische K&uuml;nstler &ndash; ob nun Literaten, Maler, Musiker oder Kabarettisten. In den letzten Jahren sind zahlreiche Werke entstanden, die die gesellschaftspolitischen Verfehlungen auf unterschiedliche Art und Weise thematisieren &ndash; mal experimentell, mal konventionell, bisweilen anklagend, hin und wieder n&uuml;chtern. Unterrepr&auml;sentiert ist weiterhin der Film. Von <strong>Eugen Zentner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWer sich die Streifen der letzten Jahre anschaut, findet kaum einen, der die Dinge beim Namen nennt, kaum einen, der auf die wirklichen Probleme hinweist, kaum einen, der aus dem Einheitsbrei hervorsticht und mit einer kritischen Sichtweise &uuml;berrascht. Dieser Mangel liegt in den Produktionsbedingungen begr&uuml;ndet. Filme kosten Geld, sehr viel Geld, auch weil sich diese Kunstart aus vielen Gewerken zusammensetzt. Drehbuchautor, Regisseur, Schauspieler, Tontechniker, Kost&uuml;mbildner &ndash; sie alle und nicht nur sie leisten einen Teilbeitrag, selbst der Produzent, der den Film finanzieren muss. In den meisten F&auml;llen kann dieser nur mithilfe einer staatlichen F&ouml;rderung realisiert werden. Deshalb sollte es niemanden wundern, dass so viele Kino- und Fernsehfilme ideologisch unterf&uuml;ttert sind. Nicht selten kommen in ihnen die gleichen Mainstream-Narrative zum Ausdruck wie im &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk.<\/p><p>Wer eine andere Sicht auf die Dinge pr&auml;sentieren, wer beispielsweise die Corona-Politik oder die Aufr&uuml;stungsbem&uuml;hungen der Bundesregierung kritisieren will, geht bei der F&ouml;rderung leer aus. Dann m&uuml;ssen die Filme aus eigener Tasche finanziert werden, weshalb die meisten Projekte scheitern oder erst gar nicht entstehen. Gleichwohl gibt es mutige Filmemacher, die das Unm&ouml;gliche versuchen. Ein solcher ist Ulrich Weinert aus Berlin. Er hat einen interessanten Weg gefunden, um die &ouml;ffentliche Aufmerksamkeit auf gesellschaftspolitische Missst&auml;nde zu lenken. Unter seiner Regie entstehen Kurzfilme zu einigen brisanten Themen der Zeit. Ihnen vorgeschaltet sind 30-sek&uuml;ndige Spots, die in mehreren Kinos laufen. Deren Zweck bestehe darin, sagt Weinert, &bdquo;die Zuschauer auf die Homepage zu locken, damit sie sich dort den kompletten Film anschauen und weitere Informationen zum behandelten Thema erhalten&ldquo;.<\/p><p><a href=\"https:\/\/freiheitvor.de\/\">Weinerts Webseite<\/a> tr&auml;gt den vielsagenden Namen &bdquo;Freiheit vor&ldquo;. Damit hebt der Filmemacher hervor, worum es ihm in seiner Arbeit im Wesentlichen geht. Wovor Freiheit geht oder steht, wird gleich unter dem Logo erkl&auml;rt: vor &bdquo;Bellizismus&ldquo; und &bdquo;Einschr&auml;nkungen von Menschen- und Grundrechten&ldquo;. Wer weiter nach unten scrollt, findet die bisherigen Kurzfilme. Der Erste erschien 2022 unter dem Titel &bdquo;Grundrechte&ldquo;.<\/p><p>Geschildert wird eine nahe Zukunft, in der ein Paar abends gem&uuml;tlich auf dem Sofa liegt und Besuch von zwei &sbquo;Disziplinardienst&lsquo;-Mitarbeitern bekommt. Sie weisen den Hausherrn darauf hin, dass er noch nicht den vorgeschriebenen Regenschirm habe, der den &bdquo;Schutz vor Krankheit durch N&auml;sse&ldquo; gew&auml;hrleistet. Der junge Mann lehnt dankend ab und argumentiert damit, dass er und seine Frau bei Regen einfach zu Hause bleiben. Doch die Beamten lassen nicht locker. Der vorgeschriebene Schirm muss genutzt werden, auch wenn er riesige L&ouml;cher aufweist. Denn laut Studien des Herstellers wirke er bis zu 40 Prozent.<\/p><p>Der knapp drei Minuten lange Film spielt auf ironische wie sarkastische Weise auf die Corona-Politik an, in deren Verlauf mit &auml;hnlichen Methoden unzureichende Impfstoffe aufgezwungen wurden. F&uuml;r Weinert war diese Zeit pr&auml;gend. Wie viele Menschen empfand auch er die Einschr&auml;nkung der Grundrechte als emp&ouml;rend. Der Staat habe in einer Weise in das Privatleben eingegriffen, die einer Demokratie unw&uuml;rdig sei, sagt er. Seit dieser Zeit ist es f&uuml;r Weinert un&uuml;bersehbar, dass die individuelle Freiheit unter fadenscheinigen Gr&uuml;nden Schritt f&uuml;r Schritt abgebaut wird.<\/p><p>Sein Kurzfilm geht deshalb &uuml;ber die Corona-Thematik hinaus und verweist darauf, dass der Staat mittlerweile immer h&auml;ufiger &bdquo;Schutzversprechen macht, sie aber nicht oder nicht im Interesse der B&uuml;rger umsetzt&ldquo;. Vielmehr gehe es um finanzielle Partikularinteressen, um Machtpolitik und Kontrolle. Die Einschr&auml;nkungen von Grundrechten und der Ausbau autorit&auml;rer Strukturen f&uuml;hrten dazu, dass B&uuml;rger gegen ihre eigenen Interessen hintergangen w&uuml;rden. &bdquo;Das muss hinterfragt werden&ldquo;, so Weinert.<\/p><p>Auf diesen Aspekt spielt sein zweiter Film &bdquo;Refl3xion&ldquo; an, eine Art H&ouml;hlengleichnis im digitalen Raum, das nach Platons Vorbild zu eigenst&auml;ndigem Denken und Befreiung animiert. Zu sehen sind zwei Protagonisten, die in einer vorgegebenen Realit&auml;t gefangen sind und mit vorgefertigten Meinungen und Wertungen beschallt werden. Die Welt, in der sie leben, ist eine Schablone. Aus dieser vorinterpretierten Realit&auml;t gilt es auszubrechen, so der Tenor des Films.<\/p><p>Viele derzeitige Strukturen m&uuml;ssen ver&auml;ndert werden, dessen ist sich Weinert sicher. Mit seinen Kurzfilmen will er das Bewusstsein daf&uuml;r sch&auml;rfen, er will die Zuschauer zum Nachdenken anregen und &uuml;ber die gesellschaftspolitischen &Uuml;bel aufkl&auml;ren. Diese Arbeit erweist sich jedoch als nicht ganz so einfach. Weinert ist mit vielen Herausforderungen konfrontiert, obwohl er schon seit &uuml;ber 30 Jahren Filme macht und viel Erfahrung mitbringt. Schon w&auml;hrend des Studiums der Theaterwissenschaften fing er an, selbstst&auml;ndig f&uuml;r das Fernsehen zu arbeiten und als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent sowohl Filmprojekte zu realisieren als auch f&uuml;r die Werbebranche zu arbeiten. So konnte er sich mit den Jahren ein stattliches Netz aus Kontakten aufbauen, auf das er jetzt zugreift.<\/p><p>Die Schauspieler f&uuml;r seine Filme findet er &uuml;ber Agenturen und Kollegen. Wichtig ist ihm, dass sie hinter dem Inhalt stehen. &bdquo;Auch ihnen sollte die St&auml;rkung der Grundrechte am Herzen liegen&ldquo;, sagt Weinert. Deswegen werden die Schauspieler vor jedem Engagement genau &uuml;ber den Inhalt informiert. Bei seinem ersten Film machte er die Erfahrung, dass viele sich nicht trauten. Es sei schwieriger als sonst gewesen, Schauspieler zu finden, betont er. &bdquo;Das Misstrauen war w&auml;hrend der Corona-Krise besonders gro&szlig;. Viele hatten Angst, sich kritisch zu &auml;u&szlig;ern.&ldquo;<\/p><p>Knapp drei Jahre sp&auml;ter ist die Besetzung der Rollen einfacher geworden, aber es gibt immer noch reichlich H&uuml;rden. Logistik und Planung kosten viel Geld, die Postproduktion ebenfalls. &bdquo;Die Arbeit an so einem Kurzfilm kann schon mal ein Jahr dauern&ldquo;, erkl&auml;rt Weinert. In Bezug auf &ouml;ffentliche F&ouml;rderungen sei die Lage &bdquo;hoffnungslos, aber nicht ernst&ldquo;, zitiert er den legend&auml;ren Filmemacher Billy Wilder. Auch Vorf&uuml;hrungen in Kinos seien schwierig. Dennoch ist es ihm gelungen, einige Spielst&auml;tten f&uuml;r sein Projekt zu gewinnen. Der Spot zu &bdquo;Grundrechte&ldquo; lief in mehreren renommierten deutschen Kinos und einem in Z&uuml;rich. In der Bundesrepublik hatte sich sogar eine bekannte Kette zur Auff&uuml;hrung bereiterkl&auml;rt. Allerdings musste Weinert die unangenehme Erfahrung machen, dass der Spot wahrscheinlich wegen der anonymen Beschwerde eines Zuschauers &uuml;ber den Inhalt des Films in den Kinos der Kette nicht mehr gezeigt werden durfte.<\/p><p>Insbesondere bei Absagen von Fernsehsendern wird gerne darauf verwiesen, dass politische Werbung nicht erlaubt sei. Ob und worin sich Politisches in einem Spot zeigt, ist jedoch oftmals schwammig formuliert. Jeder legt es nach Belieben aus. Es gab in den letzten Jahren jede Menge Spots, die ebenfalls politische Werbung enthielten &ndash; nur eben die &bdquo;richtige&ldquo;, zumindest aus Sicht des politmedialen Establishments. &bdquo;Spots diverser Organisationen k&ouml;nnten auch als politische Werbung ausgelegt werden&ldquo;, sagt Weinert, der das Gef&uuml;hl hat, dass in diesem Bereich stark nach herrschender Meinung selektiert wird. Aus diesem Grund bedauert der Filmemacher fehlenden Mut, freut sich aber umso mehr, dass er trotzdem einige Kinobesitzer findet, die keine Ber&uuml;hrungs&auml;ngste haben. Der Spot zu &bdquo;Refl3xion&ldquo; soll in vielen Kinos laufen, und Weinert setzt darauf, sowohl F&ouml;rderer als auch bundesweit weitere Spielst&auml;tten gewinnen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>F&uuml;r die Finanzierung hofft der Filmemacher auf Unterst&uuml;tzer und M&auml;zene, die sich f&uuml;r die gleichen Werte einsetzen. Parallel dazu will Weinert &uuml;ber Crowdfunding-Kampagnen Gelder einsammeln, um von Parteien oder Institutionen unabh&auml;ngig zu bleiben. Seine Hoffnungen liegen darauf, dass dabei Summen generiert werden, mit denen er auch l&auml;ngere Spielfilme realisieren kann. In einer Zeit zunehmender Einschr&auml;nkungen von Grundrechten versteht Weinert seine Arbeit als notwendigen zivilgesellschaftlichen Beitrag: &bdquo;Ohne Grundrechte und Frieden ist alles nichts, sie m&uuml;ssen bewahrt werden, das ist meine Motivation.&ldquo;<\/p><p><small>Titelbild: &copy; freiheitvor.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland und anderen westlichen Staaten stehen demokratische Werte auf dem Pr&uuml;fstand. Sp&auml;testens seit der Corona-Krise ist zu beobachten, wie rechtsstaatliche Strukturen ausgeh&ouml;hlt, Meinungsfreiheit abgebaut und staatliche &Uuml;berwachung angekurbelt werden. 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