{"id":14764,"date":"2012-10-18T09:28:48","date_gmt":"2012-10-18T07:28:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14764"},"modified":"2015-05-02T09:55:33","modified_gmt":"2015-05-02T07:55:33","slug":"alle-reden-von-der-sozialen-gestaltung-der-energiewende-doch-keiner-tut-was-dafur-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14764","title":{"rendered":"Alle reden von der sozialen Gestaltung der Energiewende, doch keiner tut was daf\u00fcr"},"content":{"rendered":"<p>Die Energiepreise steigen, Energiearmut breitet sich aus. In der Politik reden alle davon, dass die Energiewende &bdquo;sozial&ldquo; vollzogen werden m&uuml;sse, doch der politische Streit geht vor allem um die K&uuml;rzung oder um die Zuteilung der Subventionen f&uuml;r den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Vorschl&auml;ge der Parteien f&uuml;r eine sozialvertr&auml;gliche Verteilung der Stromversorgungskosten sind rar ges&auml;t.<br>\nWer den Wechsel zu regenerativen Energien bei der Stromerzeugung wirklich will, muss auf seine soziale Gestaltung achten, damit nicht bald wieder die Gegner der Energiewende und die Atomlobby wieder die Oberhand gewinnen.<br>\nAls erste Partei hat DIE LINKE dieser Tage einen Vorschlag vorgelegt, wie &bdquo;die Kosten des Umbaus fair verteilt&ldquo; und wie &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.linksfraktion.de\/positionspapiere\/wie-energiewende-sozial-wird-2012-10-10\/\">bezahlbare Strompreise f&uuml;r alle gew&auml;hrleistet<\/a>&ldquo; werden k&ouml;nnten.<br>\nWer die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende dauerhaft erhalten m&ouml;chte, sollte sich ernsthaft mit diesen Vorschl&auml;gen f&uuml;r eine faire Verteilung der Kosten des Umbaus der Stromversorgung und f&uuml;r bezahlbare Stromkosten besch&auml;ftigen. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nJens Berger hat im vorausgehenden Beitrag auf den NachDenkSeiten auf die soziale Schieflage bei der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14754\">Verteilung der Investitionskosten f&uuml;r die Energiewende hingewiesen<\/a>. Die  f&uuml;r das Jahr 2013 beschlossene Erh&ouml;hung der &Ouml;ko-Umlage von 3,6 auf 5,3 Cent pro Kilowattstunde hat geradezu einen medialen &bdquo;shitstorm&ldquo; ausgel&ouml;st &ndash; die Bild-Zeitung dramatisiert die Preissteigerungen in einer ganzen Artikelserie schon unter der Schlagzeile &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bild.de\/ratgeber\/verbrauchertipps\/strom\/strom-preiserhoehung-was-kann-ich-tun-anbieter-wechsel-26725350.bild.html\">Strom-Wut<\/a>&ldquo;.  <\/p><p>Zwar reden alle dar&uuml;ber, dass die Energiewende &bdquo;sozial&ldquo; vollzogen werden m&uuml;sse, politisch gestritten wird aber vor allem &uuml;ber die Zuteilung der Subventionen und der wirksamsten Instrumente f&uuml;r den Ausbau der Erneuerbaren Energien, Vorschl&auml;ge wie die soziale Schieflage bei der Verteilung der Stromversorgungskosten vermieden werden k&ouml;nnte, sind im politischen Raum hingegen rar ges&auml;t.<\/p><p>Bisher hat nur die Partei DIE LINKE einen zusammenh&auml;ngenden konstruktiven Vorschlag f&uuml;r die dr&auml;ngende Verteilungsproblematik der schon entstandenen bzw. f&uuml;r die Zukunft nach den derzeitigen Gesetzen zur Umsetzung der Energiewende schon programmierten Kosten gemacht. (Siehe das Positionspapier &bdquo;Wie die Energiewende sozial wird&ldquo;, Download <a href=\"http:\/\/www.linksfraktion.de\/positionspapiere\/wie-energiewende-sozial-wird-2012-10-10\/\">hier<\/a>)<\/p><p><strong>CDU betet die Vorschl&auml;ge von Altmeier<\/strong><\/p><p>Dem f&uuml;r die Energiewende zust&auml;ndigen CDU-Umweltminister Peter Altmaier f&auml;llt dazu nicht viel mehr ein als ein (nach aller Erfahrung wohl aussichtsloser) Appell an die Stromkonzerne die Erh&ouml;hung der &Ouml;ko-Umlage nicht komplett an die Verbraucher weiterzureichen. Dar&uuml;ber hinaus r&auml;t der den privaten Haushalten ihren Stromverbrauch durch kostenlose Energieberatung zu senken. Wer also die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende dauerhaft erhalten m&ouml;chte, sollte sich ernsthaft mit den Vorschl&auml;gen f&uuml;r eine faire Verteilung der Kosten des Umbaus der Energiepreise und f&uuml;r bezahlbare Stromkosten Energieberatung zu senken. (Wo sollten so viele Energieberater pl&ouml;tzliche herkommen?)  Au&szlig;erdem will er die inzwischen auf &uuml;ber 2000 angestiegene Zahl der von der EEG-Umlage befreiten Unternehmen &bdquo;&uuml;berpr&uuml;fen&ldquo;. Da er bei dieser Pr&uuml;fung mit seinem Kabinettskollegen Philipp R&ouml;sler &uuml;bereinkommen muss, ist vom Ausgang nicht viel zu erwarten, denn der Wirtschaftsminister ist ja daf&uuml;r bekannt, dass er seine Klientel subventioniert. Er wies die Kritik an den Ausnahmen von der Umlage f&uuml;r energieintensive Unternehmen auch prompt als &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.fdp.de\/Wir-muessen-handeln\/3732c16356i1p213\/index.html\">ein durchsichtiges politisches Man&ouml;ver von SPD und Gr&uuml;nen<\/a>&ldquo; zur&uuml;ck.  <\/p><p>Die CDU betet ansonsten nur die Vorschl&auml;ge &bdquo;ihres&ldquo; Ministers nach, ein Konzept wie &bdquo;das Ganze sozialvertr&auml;glich geschieht&ldquo; (<a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/wirtschaftsticker\/merkel-achten-auf-sozialvertraegliche-preise-bei-energiewende_aid_807002.html\">so Kanzlerin Merkel<\/a>) sucht man bei den Christdemokraten vergeblich.<\/p><p><strong>Der FDP fallen nur wieder Steuersenkungen ein<\/strong><\/p><p>Der &bdquo;ein-Themen-Partei&ldquo; FDP f&auml;llt wieder einmal nichts anderes ein, <a href=\"http:\/\/www.fdp.de\/Wir-muessen-handeln\/3732c16356i1p213\/index.html\">als die Stromsteuer zu senken<\/a>. Einen wirklichen sozialen Ausgleich br&auml;chte die Senkung der Stromsteuer nicht, da diese Steuer nicht an der finanziellen Leistungsf&auml;higkeit ankn&uuml;pft, sondern ausschlie&szlig;lich am Verbrauch. Es ist zwar bekannt, dass solche Verbrauchssteuern das Budget benachteiligter Haushalte st&auml;rker belasten als das der besser Gestellten, doch die Entlastungswirkung w&auml;re gering und w&uuml;rde jedenfalls die kommenden Preissteigerungen nicht auffangen.<\/p><p>Die Stromsteuer ist unter der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung 1999 eingef&uuml;hrt worden, um den Energieverbrauch zu verteuern und um damit einen Energieeinspareffekt zu erzielen sowie um letztlich damit die Senkung der sog. &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; und dabei vor allem die Senkung des Arbeitgeberanteils gegenzufinanzieren. Deshalb erhielt diese Steuer auch den besch&ouml;nigenden Namen  &bdquo;&Ouml;ko-Steuer&ldquo;. Statt einer damals diskutierten Kohlesteuer zur Finanzierung der Kohlesubventionen dr&auml;ngten die Gr&uuml;nen, um eine Beg&uuml;nstigung der Atomenergie zu verhindern darauf, den gesamten Endenergieverbrauch zu besteuern, also auch die Atomenergie, Erdgas und Heiz&ouml;l. <\/p><p>&Uuml;ber eine Senkung oder gar g&auml;nzliche Abschaffung der Stromsteuer k&ouml;nnte man ja ernsthaft diskutieren, weil ja inzwischen der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen wurde und die klimasch&auml;dliche Kohlenstoffemissionen fossiler Energietr&auml;ger &uuml;ber den zwischenzeitlich eingef&uuml;hrten Emissionshandel gesteuert werden k&ouml;nnten. Doch wer die Stromsteuer  wieder abschaffen will, der m&uuml;sste dann gleichzeitig einen Vorschlag machen w&uuml;rde, wie diese damals als &bdquo;&Ouml;ko-Steuer&ldquo; zur Senkung der &bdquo;Sozialabgaben&ldquo; eingef&uuml;hrte Versteuerung des Energieverbrauchs kompensiert werden k&ouml;nnte. Ohne eine Antwort darauf zu geben, w&uuml;rde die Senkung oder gar der Wegfall der Stromsteuer nur einen Druck auf einen weiteren Sozialabbau aufbauen. Was nat&uuml;rlich ganz im Sinne der FDP w&auml;re. <\/p><p><strong>Von der SPD und den Gr&uuml;nen gibt es Einzelvorschl&auml;ge, aber (noch) kein Gesamtkonzept f&uuml;r eine sozialvertr&auml;gliche Energiewende<\/strong><\/p><p>Auch von der SPD und den Gr&uuml;nen habe ich noch kein Gesamtkonzept f&uuml;r eine sozialvertr&auml;gliche Energiewende gefunden. Die SPD bleibt in dieser Frage in ihren auf Ihrem Bundesparteitag beschlossenen <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/linkableblob\/21778\/data\/32_energiewende.pdf\">&bdquo;Dreizehn Grunds&auml;tzen sozialdemokratischer Energiepolitik&ldquo; [PDF &ndash; 239 KB]<\/a> sehr allgemein und ohne konkrete Vorschl&auml;ge. Der Beschluss des SPD-Parteivorstandes &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spd.de\/presse\/Pressemitteilungen\/23906\/20120213_beschluss.html;jsessionid=86B9FB7854DEA85ECFC03F45B935ACAC\">Die Energiewende jetzt umsetzen<\/a>&ldquo; beinhaltet im Wesentlichen eine (berechtigte) Kritik an der Bundesregierung und einen Appell f&uuml;r eine &bdquo;Gemeinschaftswerk Energiewende&ldquo;. Schon vor l&auml;ngerer Zeit haben die Sozialdemokraten einen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/081119%20Hinweise%20Argumentationspapier%20SPD.pdf\">Heizkostenzuschuss f&uuml;r Wohngeldempf&auml;nger vorgeschlagen [PDF &ndash; 49.8 KB]<\/a>. Der Parteivorsitzende Gabriel sprach sich neuerdings dar&uuml;ber hinaus dagegen aus, dass Mieter in Mehrfamilienh&auml;usern &uuml;ber ihre <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/aktuelles\/69242\/20120311_gabriel_regierung_verschlaeft_energiewende.html\">Stromrechnungen die Einnahmen aus Solard&auml;chern auf Einfamilienh&auml;usern bezahlen<\/a>. <\/p><p>Die Gr&uuml;nen, zu deren W&auml;hlerklientel vielfach die Besitzer von Solard&auml;cher oder Investoren in Windkraftanlagen geh&ouml;ren d&uuml;rften, kritisieren zwar massiv die &bdquo;unfairen Strompreise&ldquo;, doch au&szlig;er einer Protestkampagne gegen <a href=\"http:\/\/www.gruene.de\/meine-kampagne\/schluss-mit-unfairen-strompreisen.html\">unfaire Ausnahmen f&uuml;r Einzelunternehmen von der EEG-Umlage<\/a> und eine staatliche Unterst&uuml;tzung f&uuml;r den Kauf neuer Ger&auml;te wie etwa <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article109830915\/Oekostrom-Umlage-heizt-Debatte-um-Sozialtarife-an.html\">K&uuml;hlschr&auml;nke mit niedrigem Stromverbrauch<\/a> hat die Partei, die sich gerne den Ausstieg aus der Atomenergie und den Umstieg in die erneuerbaren Energien als Markenkern zu eigen macht, keine Vorschl&auml;ge f&uuml;r eine sozialvertr&auml;gliche Energiewende anzubieten.<\/p><p><strong>Das Positionspapier der LINKEN: Wie die Energiewende sozial wird<\/strong><\/p><p>Die Partei DIE LINKE hat vor einigen Tagen ein detailliertes Positionspapier f&uuml;r eine soziale Gestaltung der Energiewende vorgelegt. Jens Berger hat in seinem Beitrag zu Recht darauf hingewiesen, dass wer den Wechsel zu regenerativen Energien bei der Stromerzeugung wirklich wolle, auf eine soziale Gestaltung achten muss, damit nicht bald wieder die Gegner der Energiewende und die Atomlobby wieder die Oberhand gewinnen. Die &bdquo;Strom-Wut&ldquo;-Kampagne der Bildzeitung ist hierf&uuml;r ein deutliches Alarmzeichen. Dort ist schon wieder &bdquo;vom &uuml;berhasteten Abschalten der billigsten Energiequelle, der Kernkraft&ldquo; die Rede. Frankreich wo 75% des Stroms aus Atomkraft gewonnen wird und wo der Strom nur halb so teuer wie in Deutschland sei, wird als &acute;strahlendes` Beispiel vorgehalten. <\/p><p>Wer also die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende dauerhaft erhalten m&ouml;chte, sollte sich ernsthaft mit den Vorschl&auml;gen f&uuml;r eine faire Verteilung der Kosten des Umbaus der Energiepreise und f&uuml;r bezahlbare Stromkosten f&uuml;r alle aus der Bundestagsfraktion der Linkspartei besch&auml;ftigen.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/121018_positionspapier_der_linken.pdf\">Die Linke &ndash; Wie die Energiewende sozial wird [PDF &ndash; 97.3 KB]<\/a><\/p><p>Deshalb einige Anmerkungen zu diesem Papier:<\/p><p>Zu 1.: <strong>Willk&uuml;r der Stromversorger bei der Preisbildung beenden  <\/strong><br>\n&bdquo;Um rund zwei Cent k&ouml;nnte der Strompreis niedriger liegen, g&auml;be es eine funktionierende Aufsicht und Regulierung des Endkundengesch&auml;fts beim Strom&ldquo;, hei&szlig;t es dort. Die bisherige Strategie, allein auf Wettbewerb, also auf den m&ouml;glichen Wechsel des Stromanbieters zu setzen, sei gescheitert. Ob durch eine Aufsicht durch einen Beitrat mit Vertreterinnen und Vertretern von Verbraucher-, Umwelt und Sozialverb&auml;nden der Strompreis tats&auml;chlich um 2 Cent gesenkt werden k&ouml;nnte, l&auml;sst sich wohl kaum vorauskalkulieren, jedenfalls w&auml;re eine solche Beiratsstruktur sowohl gegen&uuml;ber der Netzagentur als auch gegen&uuml;ber dem Kartellamt durchaus hilfreich, um eine gr&ouml;&szlig;ere Transparenz und (demokratische) Kontrolle bei der Strompreisbildung zu schaffen. <\/p><p>Zu 2.: <strong>Unberechtigte Industrie-Rabatte zu Lasten der Privathaushalte abschaffen<\/strong><br>\n&Uuml;ber die Abschaffung unberechtigter Industrierabatte zu Lasten der Privathaushalte besteht ein weitgehender Konsens mit den Gr&uuml;nen und wohl auch mit der SPD. Selbst Umweltminister Altmaier (CDU) w&uuml;rde wohl dieser Forderung n&auml;hertreten, wenn es die Klientelpartei FDP zulie&szlig;e.<\/p><p>Zu 3.: <strong>Stromsteuer senken<\/strong><br>\nZur Senkung (oder Abschaffung) der Stromsteuer, wof&uuml;r ja im Grundsatz auch der Wirtschaftsminister pl&auml;diert, habe ich schon ausgef&uuml;hrt, dass sie zwar ihre Lenkungswirkung f&uuml;r das Stromsparen weitgehend verloren hat und das &bdquo;Erneuerbare-Energie-Gesetz&ldquo; im Hinblick auf den Einsatz von regenerativen Energien viel zielgerichteter wirkt. Die Linke m&uuml;sste jedoch gleichzeitig sicher stellen, dass der Abbau der &bdquo;&Ouml;ko-Steuer&ldquo; nicht mit einem weiteren Abbau des Sozialstaats einhergeht. Eine der Steigerung der Strompreise angemessene Erh&ouml;hung der Hartz-IV-Regels&auml;tze, w&auml;re sicherlich der einfachere Weg. <\/p><p>Zu 4.: <strong>Sockeltarif f&uuml;r Strom<\/strong><br>\nEin Sockeltarif mit einem kostenlosen Grundkontingent an Strom f&uuml;r jeden Privathaushalt und daf&uuml;r eine Verteuerung des Verbrauchs &uuml;ber diesen Sockel hinaus, stellt zwar ein neues Preisbildungssystem dar, ist jedoch keineswegs so &bdquo;un&ouml;konomisch&ldquo; wie man zun&auml;chst annehmen k&ouml;nnte. Der Nobelpreistr&auml;ger f&uuml;r Wirtschaft dieses Jahres Lloyd S. Shapley hat &uuml;ber solche gestaffelten Preisbildungen gearbeitet, ohne dass es zu Einschr&auml;nkungen der marktlichen Allokationswirkungen kommen m&uuml;sste. Man fragt sich allerdings warum das Grundkontingent gleich ganz kostenlos sein soll. Die kostenfreie Sockelmenge k&auml;me dar&uuml;ber hinaus (wie etwa der steuerfreie Grundbetrag) auch den Beziehern h&ouml;herer Einkommen zugute. Au&szlig;erdem m&uuml;ssten Missbrauchsm&ouml;glichkeiten, also fiktive Einzelhaushalte oder mehrere Stromz&auml;hler in einem Haushalt ausgeschlossen und deshalb kontrolliert werden. <\/p><p>Zu 5.: <strong>Stromsperren beenden<\/strong><br>\nEin gesetzliches Verbot von Stromsperren f&uuml;r zahlungsunf&auml;hige Haushalte, geh&ouml;rte sachlich zur Sicherung des Existenzminimums. Bis zu 800.000 Abklemmungen pro Jahr sind ein sozialer Skandal. Andererseits ist ein solches generelles Verbot missbrauchsanf&auml;llig. Eine Regelung, die Zusch&uuml;sse auf die Stromrechnung bis zu einem Mindestbedarf durch die Sozialbeh&ouml;rden vorschriebe, h&auml;tte im Hinblick auf das Stromsparen eine erzieherischere Wirkung. Dass aber gegen das blo&szlig;e Abklemmen etwas unternommen werden muss, ist dringend erforderlich. <\/p><p>Zu 6.: <strong>Abwrackpr&auml;mie f&uuml;r Stromfresser<\/strong><br>\nEine Abwrackpr&auml;mie f&uuml;r &bdquo;Stromfresser&ldquo; im Haushalt wird auch von den Gr&uuml;nen, von Verbraucher- und Umweltverb&auml;nden vorgeschlagen. Wenn davon vor allem deutsche Hersteller profitieren w&uuml;rden, w&auml;re dies zugleich ein kleines &bdquo;Konjunkturprogramm&ldquo;. Bei der Abwrackpr&auml;mie f&uuml;r Autos hat dies ja &ndash; wenigstens teilweise &ndash; funktioniert. Wenn dies &ndash; wie in dem Positionspapier vorgeschlagen &ndash; gleichzeitig mit einer fachgerechten Entsorgung der ozon- und klimasch&auml;dlichen K&uuml;hlmittel etwa bei &auml;lteren K&uuml;hlschr&auml;nken verbunden w&auml;re, so h&auml;tte man zugleich einen positiven Effekt f&uuml;r die Umwelt.  <\/p><p>Zu 7.: <strong>Energetische Geb&auml;udesanierung ohne kalte Vertreibung<\/strong><br>\nEiner der entscheidenden Energiespareffekte und damit der umweltschonendste Aspekt der Energiewende liegt in der energetischen Geb&auml;udesanierung. Zurecht rechnen jedoch Mietersch&uuml;tzer vor, dass die Sanierungskosten h&ouml;her zu Buche schlagen als die daraus resultierenden (gegenw&auml;rtigen) Heizkosteneinsparungen und sie warnen deshalb vor Kostenexplosionen bei den Mieten, die zu einer &bdquo;kalten Vertreibung&ldquo; altangestammter Mieter f&uuml;hren k&ouml;nnte. Die Vorschl&auml;ge der Linkspartei, wie die Kosten f&uuml;r eine energetische Geb&auml;udesanierung sozial abgefedert und wie Fehlsubventionierungen vermieden werden k&ouml;nnten, sind jedenfalls einer ernsthaften Pr&uuml;fung wert. <\/p><p><strong>Fazit:<\/strong> Wer eine erfolgreiche und auf Dauer gesellschaftlich akzeptierte Energiewende will, sollte sich politisch &ndash; so wichtig das ist &ndash; nicht nur um die effizientesten  Instrumente zur F&ouml;rderung der Einf&uuml;hrung der Erneuerbaren Energien k&uuml;mmern und bei der Debatte darum wom&ouml;glich insgeheim f&uuml;r konventionelle Energietr&auml;ger Partei ergreifen oder eine einseitige Klientelpolitik f&uuml;r Stromkonzerne (<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/offshore-wind-entschaedigung-fuer-netzbetreiber-trifft-verbraucher-a-852291.html\">Offshore-Windenergie<\/a>) oder f&uuml;r <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.de\/themen\/energie\/presseerklaerungen\/artikel\/greenpeace_studie_industrie_zahlt_zu_wenig_fuer_energie\/ansicht\/bild\/\">energieintensive Unternehmen betreiben<\/a>, wie dies vor allem bei der FDP der Fall ist.<br>\nEine erfolgreiche Wende zum Energiesparen und zu alternativen Energien muss vor allem auch sozial gestaltet werden und muss Energiearmut vermeiden.<\/p><p>Man sollte im Hinblick auf die steigenden Strompreise vor allem auch keine unseri&ouml;se und unfaire Rechnungen aufmachen und die Investitionskosten, die die Einf&uuml;hrung Erneuerbarer Energien notwendig mit sich bringen, in demagogischer Weise gegen die regenerativen Energietr&auml;ger wenden. Man sollte sich daran erinnern, dass <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!59828\/\">die Subventionen f&uuml;r Atom und Kohle viel gr&ouml;&szlig;er waren<\/a>. Die Kohlesubventionen oder die Kosten f&uuml;r die Entwicklung und Einf&uuml;hrung f&uuml;r die Atomenergie, ganz zu schweigen f&uuml;r den R&uuml;ckbau stillgelegter Kraftwerke oder die Endlagerung der radioaktiven Abf&auml;lle wurden und werden jedoch nur zu einem kleinen Teil vom Endverbraucher getragen, sondern als staatliche Finanzhilfen vom Steuerzahler finanziert. Nur deshalb haben Kohle und Atom keine &bdquo;Strom-Wut&ldquo; ausgel&ouml;st. <\/p><p>Siehe <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!59828\/\">zu den staatlichen F&ouml;rderungen<\/a>:<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/121018_staatliche_foerderung.gif\" alt=\"\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/docs.dpaq.de\/1567-stromkostenstudie_mit_sperrfrist_2012-08-24.pdf\">Studie im Auftrag von Greenpeace Energy eG und dem Bundesverband WindEnergiee.V. (BWE) des Forums &Ouml;kologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V. (F&Ouml;S) [PDF &ndash; 1 MB]<\/a><\/p><p>Anhang: Zur vertiefenden Auseinandersetzung mit der Energiewende hier einige weitere interessante Studien.<\/p><ul>\n<li>Der Einstieg in den Ausstieg: Energiepolitische Szenarien f&uuml;r einen Atomausstieg in Deutschland<br>\n<a href=\"http:\/\/www.fes.de\/wiso\/pdf\/nachhaltige%20strukturpolitik\/2011\/100611\/Studie.pdf\">Eine Studie des Potsdam-Instituts f&uuml;r Klimafolgenforschung (PIK) und des Instituts f&uuml;r Infrastruktur und Ressourcenmanagement (IIRM) der Universit&auml;t Leipzig im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung [PDF &ndash; 310 KB]<\/a><\/li>\n<li>Gunnar Harms, &bdquo;Auswirkungen sinkender B&ouml;rsenstrompreise auf die Verbraucherstrompreise&ldquo;, Analyse und Bewertung der Strompreiserh&ouml;hungen von 2007 bis 2012 sowie der Ank&uuml;ndigungen f&uuml;r 2013<br>\n<a href=\"http:\/\/www.gruene-bundestag.de\/fileadmin\/media\/gruenebundestag_de\/themen_az\/energie\/PDF\/Studie-Harms-Wirkung_Boersenpreise_auf_Verbraucherstrompreise.pdf\">Kurzgutachten  im Auftrag der Fraktionsgesch&auml;ftsf&uuml;hrung der Bundestagsfraktion von B&uuml;ndnis 90 \/ Die Gr&uuml;nen [PDF &ndash; 444 KB]<\/a><\/li>\n<li>Greenpeace-Studie: Industrie zahlt zu wenig f&uuml;r Energie<br>\n<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.de\/themen\/energie\/presseerklaerungen\/artikel\/greenpeace_studie_industrie_zahlt_zu_wenig_fuer_energie\/ansicht\/bild\/\">Pauschale Verg&uuml;nstigungen schaden Wettbewerb und Energieeffizienz<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/energie\/erhoehung-der-eeg-umlage-oekostrom-kostet-20-milliarden,1473634,20597622.html\">Informativ auch: Joachim Wille, &Ouml;kostrom kostet 20 Milliarden<\/a><\/li>\n<\/ul><p>P.S.: Meine Bewertung der Vorschl&auml;ge f&uuml;r eine soziale Gestaltung der Energiewende st&uuml;tzt sich vor allem auf den Rat eines befreundeten Energieexperten, der namentlich nicht genannt werden m&ouml;chte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Energiepreise steigen, Energiearmut breitet sich aus. In der Politik reden alle davon, dass die Energiewende &bdquo;sozial&ldquo; vollzogen werden m&uuml;sse, doch der politische Streit geht vor allem um die K&uuml;rzung oder um die Zuteilung der Subventionen f&uuml;r den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Vorschl&auml;ge der Parteien f&uuml;r eine sozialvertr&auml;gliche Verteilung der Stromversorgungskosten sind rar ges&auml;t.<br \/> Wer<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14764\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[164,146,150],"tags":[1391,492,1390],"class_list":["post-14764","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-energiewende","category-soziale-gerechtigkeit","category-verbraucherschutz","tag-altmaier-peter","tag-eeg","tag-strompreise"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14764","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14764"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14764\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25915,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14764\/revisions\/25915"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14764"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14764"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14764"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}