{"id":147678,"date":"2026-03-14T12:00:15","date_gmt":"2026-03-14T11:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147678"},"modified":"2026-03-13T15:50:03","modified_gmt":"2026-03-13T14:50:03","slug":"politisch-und-humanitaer-kann-deutschland-sofort-handeln-lage-in-kuba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147678","title":{"rendered":"\u201ePolitisch und humanit\u00e4r kann Deutschland sofort handeln\u201c: Lage in Kuba"},"content":{"rendered":"<p>Die US-Regierung hat die Sanktionen gegen Kuba erneut&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.whitehouse.gov\/presidential-actions\/2026\/01\/addressing-threats-to-the-united-states-by-the-government-of-cuba\/\">versch&auml;rft<\/a>&nbsp;und droht L&auml;ndern, die die Insel mit Erd&ouml;l beliefern, mit hohen Strafz&ouml;llen. Die Blockade&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.telepolis.de\/article\/Kuba-Eine-Belagerung-die-jeden-Aspekt-des-Voelkerrechts-verletzt-11183756.html\">l&ouml;st<\/a>&nbsp;international Proteste aus. Vinzenz Hans Glaser ist Mitglied des Deutschen Bundestages f&uuml;r die Partei Die Linke. Der studierte Erzieher und Friedensp&auml;dagoge ist Mitglied des Ausw&auml;rtigen Ausschusses und Sprecher f&uuml;r antikoloniale Au&szlig;enpolitik der Linksfraktion. Im Interview mit amerika21 spricht er &uuml;ber die geopolitischen Hintergr&uuml;nde der Versch&auml;rfung der US-Blockade gegen Kuba, die Auswirkungen der Rohstoffknappheit, den Umgang der kubanischen Bev&ouml;lkerung damit und benennt Forderungen an die Bundesregierung. Von <strong>Benjamin Roth<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Wie ordnen Sie die Versch&auml;rfung der US-Blockade gegen Kuba ein?<\/strong><\/p><p>Die Versch&auml;rfung der US-Blockade gegen Kuba ist ein klarer Bruch des V&ouml;lkerrechts und trifft unmittelbar die Bev&ouml;lkerung, die bereits seit &uuml;ber 60 Jahren unter der Blockade leidet. Bereits vorher war die wirtschaftliche Situation angespannt. Ende Januar erkl&auml;rte die US-Administration, die kubanische Regierung stelle eine &bdquo;ungew&ouml;hnliche und au&szlig;ergew&ouml;hnliche Bedrohung&ldquo; f&uuml;r die nationale Sicherheit der USA dar, ohne eine nachvollziehbare Begr&uuml;ndung zu liefern. Damit wird eine Erz&auml;hlung konstruiert, die den Weg f&uuml;r eine aggressive und unilaterale Politik freimacht. Dieser Schritt reiht sich ein in eine seit Jahrzehnten bestehende Regime-Change-Politik gegen unliebsame Regierungen. &Auml;hnliche Strategien sahen wir bereits Anfang des Jahres in Venezuela, wo unter dem Vorwand einer angeblichen Bedrohung Maduro v&ouml;lkerrechtswidrig entf&uuml;hrt wurde. Wir verurteilen als Linke aufs Sch&auml;rfste das imperialistische Gro&szlig;machtstreben der USA, das Lateinamerika als Einflussgebiet betrachtet und offen mit milit&auml;rischer und wirtschaftlicher Gewalt droht, um seine Regime-Change-Politik durchzusetzen.<\/p><p>Die Auswirkungen der Versch&auml;rfungen sind dramatisch. Kuba wird von Erd&ouml;l- und Treibstofflieferungen abgeschnitten und die USA drohen auch Drittstaaten mit Sanktionen, die legal Handel mit Kuba treiben. Dieses Vorgehen gef&auml;hrdet Millionen Menschenleben und nimmt bewusst die Not und das Hungern der Zivilbev&ouml;lkerung in Kauf. Durch den Druck der USA wird Kuba nicht nur wirtschaftlich weiter isoliert: Mehrere Staaten beenden auch medizinische Kooperationsprogramme, die f&uuml;r Kuba eine wichtige Quelle von Deviseneinnahmen darstellen. Zudem versch&auml;rft sich die diplomatische Isolation auf Druck der USA, etwa durch die Aussetzung diplomatischer Beziehungen durch Ecuador.<\/p><p>Besonders erschreckend ist das anhaltende Schweigen der Bundesregierung. Trotz eines Gutachtens des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages im Auftrag der Fraktion die Linke, das die US-Blockade eindeutig als v&ouml;lkerrechtswidrig einordnet, hat die Bundesregierung die j&uuml;ngsten Versch&auml;rfungen bis heute nicht verurteilt.<\/p><p><strong>Wie sch&auml;tzen Sie die Lage in Kuba ein?<\/strong><\/p><p>Ich selbst war nicht in Kuba, ich stehe jedoch mit mehreren Personen im Austausch, die mir aus erster Hand berichten. Sie zeichnen ein Bild extremer Not: Die Treibstoffknappheit beeintr&auml;chtigt nahezu alle Lebensbereiche. Transport, Arbeit, Lebensmittelversorgung, Gesundheitswesen, Bildung und Energieversorgung sind stark eingeschr&auml;nkt. Viele Tankstellen und Gesch&auml;fte sind geschlossen, &ouml;ffentliche Verkehrsmittel fahren nur sporadisch, und private Transportmittel sind f&uuml;r die meisten unerschwinglich. Autos und Tourist:innen sind kaum zu sehen, daf&uuml;r stehen Menschen an den Stra&szlig;en, um Mitfahrgelegenheiten zu bekommen. M&uuml;llberge und regelm&auml;&szlig;ige Stromabschaltungen pr&auml;gen das Stadtbild, doch die Bev&ouml;lkerung hat Strategien entwickelt, damit umzugehen, und die Regierung priorisiert produktive und systemrelevante Sektoren, w&auml;hrend andere T&auml;tigkeiten reduziert oder pausiert werden. <\/p><p>Die Lebensmittelversorgung ist ebenso schwierig: Jeder Haushalt verf&uuml;gt &uuml;ber ein zugeteiltes Kontingent an Grundnahrungsmitteln, das oft nicht zum Leben ausreicht, und au&szlig;erhalb der Hauptstadt ist die Lage vermutlich noch angespannter. Auch andere Lebensbereiche sind stark betroffen. Im Gesundheitswesen werden nicht unbedingt notwendige Operationen verschoben, Schulen und Universit&auml;ten arbeiten eingeschr&auml;nkt oder hybrid, und lokale Lernzentren werden eingerichtet. <\/p><p>Trotz dieser Einschr&auml;nkungen zeigt die Bev&ouml;lkerung gro&szlig;e Resilienz. Menschen unterst&uuml;tzen sich gegenseitig, teilen Ressourcen und organisieren ihr Alltagsleben kollektiv. Ein Kollaps oder Zusammenbruch der &ouml;ffentlichen Ordnung ist momentan nicht sp&uuml;rbar. Gleichzeitig verst&auml;rken die wirtschaftlichen Schwierigkeiten die bestehenden sozialen Unterschiede. Wer Zugang zu Devisen oder Auslandskontakten hat, kann die Versorgung besser sichern als andere. Politisch sind die Meinungen gemischt. Viele betonen die Bedeutung der nationalen Souver&auml;nit&auml;t und machen die USA f&uuml;r die Versch&auml;rfung der Lage verantwortlich, w&auml;hrend andere Kritik an wirtschaftlichen Fehlentscheidungen oder Korruption der eigenen Regierung &uuml;ben. Die Bev&ouml;lkerung versucht, durchzuhalten, doch im &ouml;ffentlichen Leben spitzt sich die Versorgungskrise von Tag zu Tag weiter zu und die Gefahr einer humanit&auml;ren Katastrophe w&auml;chst.<\/p><p><strong>Was fordern Sie von der Bundesregierung?<\/strong><\/p><p>Die Bundesregierung muss alle diplomatischen M&ouml;glichkeiten aussch&ouml;pfen, damit die Versorgung Kubas gesichert wird. Jahr f&uuml;r Jahr verurteilt die UN-Vollversammlung die US-Sanktionen. Am 29. Oktober 2025 haben zuletzt 165 Staaten &ndash; darunter auch Deutschland &ndash; erneut f&uuml;r ein Ende der Blockade gestimmt. Dass die US-Regierung ihre aggressive Politik gegen Kuba nun weiter vorantreibt und US-Pr&auml;sident Donald Trump bereits eine &ldquo;friedliche &Uuml;bernahme&rdquo; Kubas ins Spiel gebracht hat, m&uuml;sste bei der Bundesregierung Alarmglocken l&auml;uten lassen. Doch bislang scheut Merz jede Konfrontation mit Washington und schweigt zu den j&uuml;ngsten Versch&auml;rfungen der Blockade. <\/p><p>Wer eine regelbasierte Ordnung verteidigen will, kann V&ouml;lkerrechtsverst&ouml;&szlig;e nicht nur dort benennen, wo es politisch bequem ist. Der russische Angriffskrieg wird zu Recht verurteilt. Doch wenn bei Iran, Venezuela oder in Gaza gez&ouml;gert oder relativiert wird, untergr&auml;bt das die eigene Glaubw&uuml;rdigkeit. Das V&ouml;lkerrecht verliert als Ma&szlig;stab deutscher Au&szlig;enpolitik an Bedeutung, sobald Verb&uuml;ndete betroffen sind. Indem sie schweigt, tr&auml;gt die Bundesregierung zur politischen Legitimierung von Trumps Machtpolitik bei und unterwirft sich den extraterritorialen Anspr&uuml;chen der USA.<\/p><p>Doch bisher bleibt die Bundesregierung unt&auml;tig. Auf eine schriftliche Frage antwortete mir die Bundesregierung: Seit der Versch&auml;rfung der US-Blockade wurde keinerlei humanit&auml;re Hilfe f&uuml;r Kuba geleistet.<\/p><p>Politisch und humanit&auml;r kann Deutschland sofort handeln. Wie Spanien k&ouml;nnten wir humanit&auml;re Hilfe in Form von Lebensmittel, Medikamente und Treibstoff bereitstellen. Dies w&auml;re ein deutliches Signal, dass Berlin sich von der destabilisierenden US-Politik absetzen m&ouml;chte. Der Aufruf der Afrikanischen Union, die Blockade zu beenden und Kuba von der Liste der angeblichen Terrorf&ouml;rderer zu streichen, zeigt, dass internationale Solidarit&auml;t m&ouml;glich ist. Kuba kann den Wirtschaftskrieg der USA &uuml;berstehen, wenn die internationale Gemeinschaft aktiv wird. Hierzu ist konkrete Unterst&uuml;tzung gegen die Politik des Aushungerns notwendig. Humanit&auml;re Hilfe darf dabei nicht als politisches Instrument durch die USA kontrolliert oder an Bedingungen gekn&uuml;pft werden. L&auml;nder wie Spanien, Mexiko, Chile und China unterst&uuml;tzen Kuba bereits und weltweit nimmt auch die Solidarit&auml;t innerhalb der Zivilgesellschaft zu.<\/p><p>Als Linke d&uuml;rfen wir uns nicht nur auf v&ouml;lkerrechtliche Appelle und diplomatische Forderungen beschr&auml;nken, denn sie reichen nicht aus, um globale Machtverh&auml;ltnisse zu ver&auml;ndern. Eine linke Vision muss die strukturellen Ursachen von Krieg, Unterdr&uuml;ckung und globaler Ungleichheit ins Zentrum r&uuml;cken und konkrete Wege finden, um lokale, nationale und globale K&auml;mpfe f&uuml;r Frieden und soziale Gerechtigkeit miteinander zu verbinden. Deshalb m&uuml;ssen wir uns entschieden gegen das imperialistische Gro&szlig;machtstreben Washingtons stellen und konsequent an der Seite der Menschen stehen, die unter der anhaltenden Blockade tagt&auml;glich leiden. In den kommenden Wochen wird es entscheidend sein, ob die internationale Gemeinschaft der US-Regierung offenen Widerstand entgegensetzt oder sich weiterhin den Interessen Washingtons unterordnet.<\/p><p><em>Das Interview erschien zuerst auf <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/283696\/interview-vinzenz-glaser-blockade-kuba\">Amerika21<\/a>.<\/em><\/p><p><small>&#65279;Titelbild: Montage NachDenkSeiten, Maxim Studio\/shutterstock.com, Die Linke im Bundestag <\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die US-Regierung hat die Sanktionen gegen Kuba erneut&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.whitehouse.gov\/presidential-actions\/2026\/01\/addressing-threats-to-the-united-states-by-the-government-of-cuba\/\">versch&auml;rft<\/a>&nbsp;und droht L&auml;ndern, die die Insel mit Erd&ouml;l beliefern, mit hohen Strafz&ouml;llen. 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