{"id":1477,"date":"2006-08-05T12:03:29","date_gmt":"2006-08-05T10:03:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1477"},"modified":"2016-01-31T16:03:11","modified_gmt":"2016-01-31T15:03:11","slug":"die-mediale-lobby-fur-die-privatversicherer-betreibt-nun-auch-eine-kampagne-gegen-die-gesetzliche-krankenversicherung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1477","title":{"rendered":"Die mediale Lobby f\u00fcr die Privatversicherer betreibt nun auch eine Kampagne gegen die gesetzliche Krankenversicherung."},"content":{"rendered":"<p>Ausgerechnet unter Berufung auf die BILD-Zeitung, die ja mit den Privatversicherern kommerziell verbandelt ist, emp&ouml;ren sich der Stern und der SPIEGEL &uuml;ber die angebliche &bdquo;Fettsucht&ldquo; bei den gesetzlichen Krankenkassen. Die Verwaltungskosten seien von 1995 bis 2005 von 6,1 auf 8,15 Milliarden Euro auf 5,7 Prozent der Gesamtkosten gestiegen.<br>\nTatsache ist allerdings, dass der Anteil der Verwaltungskosten seit 2002 gesunken ist und Tatsache ist auch, dass die Aufwendungen f&uuml;r den Versicherungsbetrieb bei den privaten Krankenversicherungen prozentual im Jahre 2001 bei 13%, also deutlich mehr als doppelt so hoch wie bei den gesetzlichen lagen.<br>\n<!--more--><br>\nWir lassen einmal dahingestellt, ob es sinnvoll ist, dass es 250 unterschiedliche gesetzliche Krankenkassen mit ihrem jeweiligen Verwaltungsaufwand geben muss &ndash; andererseits ist ja sonst Konkurrenz und Wettbewerb &uuml;berall gefordert.<br>\nWir wollen bestimmt auch nicht verteidigen, dass sich die Vorst&auml;nde der Krankenkasse, dicke Gehaltserh&ouml;hungen bis zu 24% genehmigten &ndash; andererseits war das bei Vorst&auml;nden anderer Unternehmen, ja sogar bei Abgeordneten nicht viel anders.<\/p><p>Dass BILD eine Kampagne gegen gesetzliche soziale Sicherungssysteme und f&uuml;r die private Vorsorge im Interesse der Versicherungswirtschaft betreibt, haben wir mehrfach <a href=\"?p=1422\">belegt<\/a>.<br>\nDass sich Stern und SPIEGEL auf BILD-Niveau dieser Kampagne anschlie&szlig;en, ist leider weniger bekannt:<br>\n&Uuml;ber 2 Milliarden Euro seien die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenversicherer in den letzten 10 Jahren gestiegen, das mache f&uuml;r jeden Beitragszahler 161,84 Euro aus, wird wortgleich unter Berufung auf eine Statistik des Bundesgesundheitsministeriums berichtet und das sei mit ein wichtiger Grund f&uuml;r Beitragserh&ouml;hungen.<\/p><p>Wir wollen nun nicht dar&uuml;ber spekulieren, wer angesichts des Widerstandes der gesetzlichen Krankenkassen gegen die neuesten Eckwerte der Gesundheitsreform ein Interesse daran hatte, dass gerade diese schon &auml;ltere Statistik von BILD, Stern und SPIEGEL zeitgleich als aktuelle Meldung aufgegriffen wird.<br>\nEin Schurke, der B&ouml;ses dabei denkt!<\/p><p>Eigene Recherche kann es wohl kaum gewesen sein, dass gerade jetzt das Thema Verwaltungskosten hochgespielt wird, diese unsere Leitmedien haben ja auch nur Meldungen der Nachrichtenagenturen von dpa, Reuters, AFP und ddp &uuml;bernommen. Aber vielleicht h&auml;tte man ja erwarten d&uuml;rfen, dass die Redakteure unserer &bdquo;kritischen&ldquo; Qualit&auml;tsmagazine Stern und SPIEGEL selbst mal nachschauen. Dann w&auml;re ihnen wenigstens schon mal aufgefallen, dass die angebliche Steigerung der Verwaltungskosten auf rund 8 Milliarden Euro schon bis 2004 <a href=\"http:\/\/www.die-gesundheitsreform.de\/glossar\/verwaltungskosten.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.die-gesundheitsreform.de\/glossar\/verwaltungskosten.html\">stattfand<\/a> und dass schon f&uuml;r 2003 gesetzlich festgelegt wurde, dass sich die Verwaltungsausgaben der einzelnen Krankenkassen gegen&uuml;ber dem Jahr 2002 grunds&auml;tzlich nicht erh&ouml;hen d&uuml;rfen. Stern- und SPIEGEL-Journalisten h&auml;tten dort auch nachlesen k&ouml;nnen, dass mit der Gesundheitsreform 2004 die Verwaltungskosten der Krankenkassen und ihrer Verb&auml;nde begrenzt wurden, indem sie bis zum Jahr 2007 an die Entwicklung der Einnahmen gekoppelt wurden: Die Verwaltungsausgaben je Versicherten d&uuml;rfen sich im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr h&ouml;chstens in dem Ma&szlig;e ver&auml;ndern, wie sich auch die durchschnittlichen beitragspflichtigen Einnahmen aller Mitglieder der Krankenkassen entwickeln. Wenn die Verwaltungsausgaben einer Krankenkasse &uuml;berdurchschnittlich hoch sind (wenn sie je Versicherten um mehr als zehn Prozent &uuml;ber den durchschnittlichen Verwaltungsausgaben je Versicherten aller Krankenkassen liegen), werden sie eingefroren.<\/p><p>So viel w&auml;re durch einen einfachen Klick auf die Website des Bundesgesundheitsministeriums zu erfahren gewesen. <\/p><p>Aber um saubere Information geht es bei den Beitr&auml;gen offenbar ja gar nicht: Es geht um Polemik gegen die gesetzlichen Kassen und deren angebliche &bdquo;Fettsucht&ldquo; (so der SPIEGEL in der &Uuml;berschrift) und dabei soll dann in populistischer Manier der Zorn des Beitragszahlers erregt werden, wenn ihm vorgerechnet wird, dass er knapp 162 Euro nur f&uuml;r die Verwaltung der Kassen (und nicht f&uuml;r seine Gesundheitsvorsorge) aufbringen muss.<br>\n&Uuml;brigens: Dieser Betrag bezieht sich auf ein Jahr und die horrend klingenden 8 Milliarden f&uuml;r Verwaltung sind exakt 5,7% der Gesamtkosten der gesetzlichen Krankenversicherungen wie man auf der gleichen Mitteilung des Ministeriums nachlesen kann. <\/p><p>H&auml;tte man noch etwas genauer hingeschaut, dann kann von &bdquo;Fettsucht&ldquo; keine Rede mehr sein, denn der Anteil der Verwaltungskosten lag laut einer Antwort von Bundesministerin Ulla Schmidt auf eine <a href=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/docs\/antwortderbundesregierung.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/docs\/antwortderbundesregierung.pdf\">parlamentarische Anfrage [PDF &ndash; S.30f. &ndash; 271 KB]<\/a> fr&uuml;her sogar h&ouml;her: 5,9 Prozent im Jahre 2002 und von 1997 bis heute ist er gerade mal um 0,4 Prozent gestiegen. <\/p><p>Da es um eine Kampagne gegen die gesetzlichen Krankenkassen geht und nicht um Aufkl&auml;rung interessiert es Stern und SPIEGEL nat&uuml;rlich auch nicht, dass die Aufwendungen f&uuml;r den Versicherungsbetrieb bei den privaten Krankenversicherungen prozentual im Jahre 2001 (neuere Zahlen liegen nicht vor) bei 13%, also deutlich mehr als doppelt so hoch wie bei den gesetzlichen liegen, und dass einschlie&szlig;lich der Abschlusskoten (sprich Provisionen etc.) bezogen auf den Vollversicherten pro Jahr bei rd. 366 Euro, das ist 2,3 mal so viel im Vergleich zu den gesetzlichen Kassen.<\/p><p>Und wenn man wirklich einen fairen Vergleich h&auml;tte anstellen wollen, dann h&auml;tte man auch noch darauf hinweisen m&uuml;ssen, dass die gesetzlichen Krankenkassen zus&auml;tzlich zu ihrer eigenen Verwaltung auch noch das Inkasso f&uuml;r die Arbeitslosen- und Rentenversicherungsbeitr&auml;ge mit verwalten. Man kann also den Verwaltungsaufwand ausschlie&szlig;lich f&uuml;r die Krankenkasse bei den gesetzlichen noch deutlich niederer ansetzen.<br>\nWer leidet also an &bdquo;Fettsucht&ldquo;? Die privaten Krankenversicherungen oder die gesetzlichen?\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausgerechnet unter Berufung auf die BILD-Zeitung, die ja mit den Privatversicherern kommerziell verbandelt ist, emp&ouml;ren sich der Stern und der SPIEGEL &uuml;ber die angebliche &bdquo;Fettsucht&ldquo; bei den gesetzlichen Krankenkassen. Die Verwaltungskosten seien von 1995 bis 2005 von 6,1 auf 8,15 Milliarden Euro auf 5,7 Prozent der Gesamtkosten gestiegen.<br \/> Tatsache ist allerdings, dass der Anteil der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1477\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[149,123,183],"tags":[768,1544,420,393],"class_list":["post-1477","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesundheitspolitik","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","tag-gkv","tag-kampagnenjournalismus","tag-spiegel","tag-stern"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1477","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1477"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1477\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30731,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1477\/revisions\/30731"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1477"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1477"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1477"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}