{"id":147722,"date":"2026-03-14T15:00:22","date_gmt":"2026-03-14T14:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147722"},"modified":"2026-03-13T14:45:13","modified_gmt":"2026-03-13T13:45:13","slug":"hakon-von-holsts-buechlein-krieg-gegen-das-bargeld-ein-plaedoyer-pro-bargeld-inmitten-von-neuen-gesetzen-framing-und-debanking","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147722","title":{"rendered":"Hakon von Holsts B\u00fcchlein \u201eKrieg gegen das Bargeld\u201c \u2013 ein Pl\u00e4doyer pro Bargeld inmitten von neuen Gesetzen, Framing und Debanking"},"content":{"rendered":"<p>Die beiden Aktivisten Hansj&ouml;rg St&uuml;tzle und Hakon von Holst fordern, das Bargeld in Europa gesetzlich zu sch&uuml;tzen. Ihre Petition haben inzwischen mehr als 300.000 Menschen unterzeichnet.[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147722#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] St&uuml;tzle selbst bezeichnete k&uuml;rzlich 2026 als &bdquo;das Entscheidungsjahr&ldquo;, weil sich in diesem Jahr zeigen wird, welche gesetzliche Verankerung das Bargeld bekommt. Im Mai will sich das EU-Parlament positionieren, danach sollen die Verhandlungen mit EU-Rat und EU-Kommission &uuml;ber das endg&uuml;ltige Gesetz beginnen. Eine Rezension von <strong>Thomas Trares<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWer sich genauer &uuml;ber das Thema informieren will, dem sei das B&uuml;chlein &bdquo;Krieg gegen das Bargeld &ndash; Warum wir M&uuml;nzen und Geldscheine f&uuml;r unsere Freiheit ben&ouml;tigen&ldquo; empfohlen.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Geschrieben hat es St&uuml;tzles Mitstreiter Hakon von Holst, ein noch junger Autor (Jahrgang 1999), der seit 2019 zu dem Thema recherchiert und sich laut Klappentext &bdquo;zur Stimme der jungen Generation&ldquo; f&uuml;r den Erhalt des Bargelds aufgeschwungen hat. Erschienen ist das Werk im Hintergrund Verlag.<\/p><p>&bdquo;Krieg gegen das Bargeld&ldquo; ist ein gut zu lesender Text von 80 Seiten, in denen von Holst die wesentlichen Fakten zu dem Thema zusammengetragen hat &ndash; von der Psychologie im Umgang mit dem Bargeld &uuml;ber die Historie des Anti-Bargeld-Kampfes bis hin zu den Risiken f&uuml;r die individuelle Freiheit und Privatsph&auml;re. Nicht ohne Grund startet das Buch mit dem Beispiel des fr&uuml;heren CIA-Agenten und Whistleblowers Edward Snowden, der seine Flucht nach Russland mit Bargeld finanzierte. &bdquo;H&auml;tte der Geheimnistr&auml;ger den Schritt an die &Ouml;ffentlichkeit gewagt, wenn es kein Bargeld mehr gegeben h&auml;tte?&ldquo;, fragt von Holst. (S. 7)<\/p><p><strong>Mastercard und Visa im Anti-Bargeld-Kampf<\/strong><\/p><p>Der Titel &bdquo;Krieg gegen das Bargeld&ldquo; ist freilich keine Erfindung des Autors, sondern ein Slogan von Mastercard, einer der treibenden Kr&auml;fte im Kampf gegen das Bargeld. Schon vor rund 20 Jahren erkl&auml;rte das US-Kreditkartenunternehmen, man f&uuml;hre jetzt &bdquo;den Krieg gegen das Bargeld mit der n&auml;chsten Generation von Debitkartenl&ouml;sungen&ldquo;. (S. 20) Die M&auml;r von den gef&auml;hrlichen Bakterien auf den Geldscheinen stammt ebenfalls von Mastercard, genauso wie die Behauptung in der Corona-Krise, die Nutzung von Bargeld sei &bdquo;&auml;u&szlig;erst riskant&ldquo;. Auch Mastercard-Konkurrent Visa lobbyierte seinerzeit in Br&uuml;ssel f&uuml;r kontaktloses Bezahlen. Die Obergrenze f&uuml;r Zahlungen ohne Pin-Eingabe wurde dann im Fr&uuml;hjahr 2020 von 25 auf 50 Euro erh&ouml;ht. &bdquo;Die Kreditkartenkonzerne machen Geld mit Geld, und sie f&uuml;hren eine Schlacht&ldquo;, schreibt von Holst. (S. 19)<\/p><p>In ihrem Kampf gegen das Bargeld sind Visa, Mastercard und Co. freilich nicht allein, denn sie haben gewichtige Verb&uuml;ndete in der Politik. &bdquo;Aus Berlin flie&szlig;en nebenbei Steuermillionen an bargeldfeindliche Organisationen im Ausland. Die Better Than Cash Alliance erh&auml;lt derzeit 300.000 Euro pro Jahr vom Entwicklungshilfeministerium&ldquo;, betont von Holst. (S. 39) Auch der allgemeine politische Trend geht dahin, die B&uuml;rger ins Bankensystem zu zwingen. Zun&auml;chst sollten H&auml;ndler ihre Kunden ab Barzahlungen von 15.000 Euro identifizieren, sp&auml;ter waren es dann 10.000 Euro, ab 2027 liegt die Schwelle nur noch bei 3.000 Euro. Zugleich gilt ab 2027 in der EU ein Verbot von Bargeldzahlungen oberhalb von 10.000 Euro. In einigen L&auml;ndern liegt diese Grenze heute schon deutlich darunter. In Griechenland etwa sind es nur noch 500 Euro. Begr&uuml;ndet wurde all dies zun&auml;chst mit Terrorismusfinanzierung, neuerdings hei&szlig;en die &bdquo;Zauberw&ouml;rter&ldquo; Geldw&auml;sche und Steuerbetrug.<\/p><p><strong>Der &bdquo;Schmerz des Bezahlens&ldquo;<\/strong><\/p><p>Interessant ist auch, was von Holst &uuml;ber die Psychologie rund um das Bargeld schreibt. So habe sich in Experimenten gezeigt, dass die Nutzer von Bezahlkarten ihr Geld viel freiz&uuml;giger ausgeben als Bargeldzahler. In den USA etwa wurden Studenten vor einem Basketballspiel befragt, wie viel sie f&uuml;r ein Ticket zu zahlen bereit w&auml;ren. Die Barzahler gaben 29 Dollar an, die Kartenzahler 61 Dollar. Von Holst zitiert hier den Psychologen Ofer Zellermayer, der dieses Ph&auml;nomen dereinst als &bdquo;Schmerz des Bezahlens&ldquo; bezeichnete. Barzahlen ist n&auml;mlich auch psychologisch ein anderer Vorgang als der Wisch &uuml;ber das Smartphone. &bdquo;Wer Banknoten und M&uuml;nzen weggibt, erinnert sich unterbewusst an das Sparschwein aus seiner Kindheit und an die Notwendigkeit zu sparen, bevor man ausgibt&ldquo;, schreibt von Holst. (S. 15)<\/p><p>Entscheidend f&uuml;r das Bargeld wird nun sein, was in diesem Jahr in Br&uuml;ssel passiert. Die EU hat n&auml;mlich in der Verordnung zum digitalen Euro aus dem Jahr 2023 auch das Bargeld geregelt. Dar&uuml;ber soll in diesem Jahr entschieden werden. Und hier zeigt sich jetzt schon eine Unwucht zu Lasten des Bargelds. So weist von Holst darauf hin, dass zwar beim Bargeld wie auch beim digitalen Euro eine Annahmepflicht in der Verordnung enthalten ist, beim Bargeld wird diese jedoch nicht gesch&uuml;tzt. &bdquo;W&auml;hrend L&auml;den, die den digitalen Euro ablehnen, eine Strafe kassieren, bleibt Bargeld dieser Schutz vorenthalten &ndash; solange die nationalen Gesetzgeber nicht aus freien St&uuml;cken t&auml;tig werden&ldquo;, schreibt von Holst. (S. 69)<\/p><p><strong>Framing und Debanking<\/strong><\/p><p>Es ist wohl ein Kennzeichen dieser Zeit, dass selbst eine vergleichsweise harmlose und absolut berechtigte Initiative wie die der beiden Bargeld-Aktivisten von Holst und St&uuml;tzle mit dem entsprechenden Framing versehen wird. So hat die Wochenzeitung <em>Die Zeit<\/em> im Januar in einer l&auml;ngeren Reportage &uuml;ber das Anliegen der beiden berichtet.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Das Blatt kam dabei jedoch nicht ohne die &uuml;blichen Zuschreibungen &bdquo;Rechts&ldquo;, &bdquo;Populismus&ldquo; und &bdquo;AfD&ldquo; aus, obwohl diese Begriffe beispielsweise in von Holsts Buch kein einziges Mal auftauchen. Kurz danach hat dann die Fyrst Bank, eine Digital-Tochter der Deutschen Bank, St&uuml;tzles Gesch&auml;ftskonto ohne Angaben von Gr&uuml;nden gek&uuml;ndigt.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] M&ouml;glicherweise haben die beiden Bargeld-Aktivisten mit ihrem Tun mittlerweile eine gewisse Wahrnehmungsschwelle &uuml;berschritten, sodass man mit derlei Reaktionen im Deutschland des Jahres 2026 fast schon zwingend rechnen muss. Die Petition jedenfalls haben inzwischen mehr als 315.000 Menschen unterzeichnet, w&auml;hrend von Holsts B&uuml;chlein schon jetzt ein Spiegel-Bestseller geworden ist.<\/p><p><em>Hakon von Holst: Krieg gegen das Bargeld &ndash; Warum wir M&uuml;nzen und Geldscheine f&uuml;r unsere Freiheit ben&ouml;tigen. Berlin 2025, Hintergrund Verlag, Taschenbuch, 80 Seiten, ISBN 978-3910568211, 10,90 Euro.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/bargeldverbot.info\/petition\/\">bargeldverbot.info\/petition\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher\/hintergrund-verlag\/krieg-gegen-das-bargeld.html\">buchkomplizen.de\/buecher\/hintergrund-verlag\/krieg-gegen-das-bargeld.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2026-01\/digitaler-euro-bargeld-freiheit-widerstand-debatte\">zeit.de\/wirtschaft\/2026-01\/digitaler-euro-bargeld-freiheit-widerstand-debatte<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/apollo-news.net\/plotzlich-war-mein-konto-gesperrt\/\">apollo-news.net\/plotzlich-war-mein-konto-gesperrt\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die beiden Aktivisten Hansj&ouml;rg St&uuml;tzle und Hakon von Holst fordern, das Bargeld in Europa gesetzlich zu sch&uuml;tzen. 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