{"id":147893,"date":"2026-03-18T10:00:10","date_gmt":"2026-03-18T09:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147893"},"modified":"2026-03-18T10:07:24","modified_gmt":"2026-03-18T09:07:24","slug":"wie-beeinflusst-die-politik-des-westens-die-wahlen-in-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=147893","title":{"rendered":"Wie beeinflusst die Politik des Westens die Wahlen in Russland?"},"content":{"rendered":"<p>Auch die diesj&auml;hrige Wahl der Staatsduma wird von der au&szlig;enpolitischen Situation bestimmt. Der Krieg in der Ukraine befindet sich in der finalen Phase und die aggressive Politik des Westens gegen Russland hat das Land konsolidiert. Damit helfen die Meisterstrategen der EU-Staaten ironischerweise der &bdquo;Putin-Partei&ldquo;. Von <strong>Armin Langer<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIn der Hoffnung auf wachsende Unzufriedenheit durch wirtschaftliche Probleme und ein Aufflammen der oppositionellen Aktivit&auml;t haben die westlichen Meisterstrategen auf Chaos in Russland spekuliert und daf&uuml;r alle Register gezogen. Mit Wirtschaftskrieg, Informationskrieg, massiven Waffenlieferungen an die Ukraine und einer scheinbar erh&ouml;hten Finanzierung und Agitation der &bdquo;Opposition&ldquo; wurde alles, au&szlig;er aktiver Kriegsbeteiligung mit eigenen regul&auml;ren Einheiten, in den Kampf geworfen. Dabei wurde nicht verstanden, dass dies genau das Gegenteil bewirkt.<\/p><p>Denn wirtschaftlich geht es der Russischen F&ouml;deration aktuell so gut wie nie und die Sanktionen sowie weitere Ma&szlig;nahmen des Wirtschaftskrieges haben die Regierung zur Reindustrialisierung und aktiven Wirtschaftsentwicklung gezwungen. Der Informationskrieg von au&szlig;en erweckt in der russischen Bev&ouml;lkerung den Eindruck, dass die Vernichtung Russlands beabsichtigt ist. Die milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung offen faschistischer Einheiten in der Ukraine durch die &bdquo;antifaschistischen Demokratien&ldquo; ist ein Schlag gegen die Glaubw&uuml;rdigkeit des Westens. Die doppelten Standards der &bdquo;westlichen Wertegemeinschaft&ldquo;, wenn es um &bdquo;gute Kriege&ldquo; ihrer Partner geht, sind offensichtlich und werden von der ganzen Welt gesehen. Der Westen hat den Informationskrieg damit international verloren und ist isoliert. Das alles erh&ouml;ht das Ansehen der eigenen Regierung bei der russischen Bev&ouml;lkerung.<\/p><p><strong>Die liberale Opposition hat versagt<\/strong><\/p><p>In Bezug auf die Wahl der Staatsduma ist relevant, dass die liberale Opposition v&ouml;llig versagt hat. Nach 2022 hat ein Teil dieser ohnehin kleinen Opposition das Land verlassen, w&auml;hrend andere sich in das System integriert oder aufgegeben haben. Schon vor 2022 war der Einfluss dieser Gruppen bei Wahlen der Staatsduma minimal, doch jetzt ist die Durchsetzung westlicher Interessen in Russland auf diesem Wege noch unrealistischer.<\/p><p>Viele ihrer W&auml;hler und Gleichgesinnten sind panisch und planlos geflohen, weil sie ihrer eigenen Propaganda geglaubt haben und dachten, die Grenzen w&uuml;rden geschlossen und alle m&uuml;ssten an die Front. Herausgestellt hat sich stattdessen, dass die &ndash; in ihren Augen &ndash; demokratische und liberale Ukraine alle Grenzen geschlossen hat und ihre B&uuml;rger auf der Stra&szlig;e jagt, um sie an der Front zu verheizen. Aus Russland kann man bis heute problemlos ausreisen, auch wenn, wie immer, ein regul&auml;rer, aber verk&uuml;rzter (in der Sowjetunion waren es mal zwei Jahre) Wehrdienst verpflichtend ist.<\/p><p><strong>Demokratiedefizit durch westliche Einmischung<\/strong><\/p><p>In gewisser Weise hat die westliche Propaganda aber einen Punkt: Die gegenw&auml;rtige Regierung in Moskau sitzt so fest im Sattel wie noch nie. Echte Oppositionsparteien, vor allem die Kommunisten der KPRF, haben es dadurch schwerer und ihre teilweise &auml;u&szlig;erst scharfe Kritik an der Innenpolitik der Regierung wird von den au&szlig;enpolitischen Priorit&auml;ten &uuml;berschattet. Die Konsolidierung gegen eine &auml;u&szlig;ere Bedrohung ist aktuell wichtiger. Man kann argumentieren, dass es in dieser Hinsicht tats&auml;chlich ein Demokratiedefizit gibt, weil die &bdquo;Putin-Partei&ldquo; Geeintes Russland zu stark dominiert. Verschwiegen wird im Westen allerdings, dass gerade die Eskalation und Hasspropaganda gegen Russland sowie die Versuche zur Destabilisierung des Landes inkl. Vernichtungsfantasien ma&szlig;geblich zu dieser Situation beigetragen haben.<\/p><p>Hier gibt es eine Parallele zu den 1990er-Jahren, als ebenfalls der Westen eine Demokratisierung in Russland verhindert hat. Stattdessen wurde Jelzin als &bdquo;unser starker Mann im Kreml&ldquo; unterst&uuml;tzt und sein Beschuss des obersten Parlaments aus Panzern w&auml;hrend der Verfassungskrise 1993 wurde im Westen sogar gefeiert. Damit war es gerade der Westen, der, &auml;u&szlig;erst symbolisch, die Demokratie in der jungen Russischen F&ouml;deration zerschossen und begraben hat. Danach blieben nur oberfl&auml;chliche Phrasen und eine demokratische Fassade. Also so &auml;hnlich, wie es jetzt in einigen gro&szlig;en EU-Staaten und der EU als Ganzes aussieht.<\/p><p><strong>Historischer Hintergrund<\/strong><\/p><p>Hinzu kommt: Bei den Parlaments- und Pr&auml;sidentschaftswahlen in Russland war und ist die Au&szlig;enpolitik immer ein zentrales Thema. Das eurasische Riesenreich, in der Selbstwahrnehmung seiner Regierung und seines Volkes gleicherma&szlig;en, war immer ein wichtiger Akteur der gro&szlig;en internationalen Politik. Ob M&auml;chtegleichgewicht in Europa und &bdquo;Great Game&ldquo; gegen Gro&szlig;britannien in Asien zu Zeiten des Zaren oder globale Konflikte der Sowjetunion mit den USA auf allen Kontinenten zu Zeiten des Kalten Krieges &ndash; ein reiner Fokus auf innere Angelegenheiten war nie m&ouml;glich.<\/p><p>Erkl&auml;ren kann man das teilweise historisch durch Katastrophen in Schw&auml;chephasen, teilweise geographisch durch die territoriale Lage zwischen Europa und Asien, die Konflikte herbeif&uuml;hrt. Und auch Erkl&auml;rungsversuche mit ideologischer, religi&ouml;ser oder metaphysischer Interpretation existieren: die Befreiung der slawischen Bruderv&ouml;lker in Osteuropa als Idee der Slawophilen im Zarenreich oder die Unterst&uuml;tzung der antiimperialistischen und antikolonialen Bewegungen als Ideologie in der UdSSR oder der Gedanke einer christlich-orthodoxen, aber dennoch &uuml;berreligi&ouml;s inklusiven Zivilisation bzw. &bdquo;Russischen Welt&ldquo; im heutigen Russland.<\/p><p>Entscheidend sind aber die harten Fakten: Sicherheit, Ressourcen, politische und wirtschaftliche Interessen. Sicherheitspolitisch hat Russland genug historische Erfahrung mit katastrophalen Ereignissen in Zeiten von Schw&auml;che oder mangelhafter Verteidigungskapazit&auml;t. Gepaart mit dem gro&szlig;en Territorium, den riesigen Ressourcen und der strategischen Lage, f&uuml;hrte dies zu Invasion und Krieg.<\/p><p>Die zerstrittenen russischen F&uuml;rstent&uuml;mer im Mittelalter haben die Invasion der Mongolen beg&uuml;nstigt. Das politische Chaos der ungekl&auml;rten Thronfolge in der &bdquo;Smuta&ldquo; bzw. &bdquo;Zeit der Wirren&ldquo; nutzte Polen zur milit&auml;rischen Invasion und konnte sogar Moskau besetzen &ndash; ein Denkmal auf dem Roten Platz erinnert an die Vertreibung der polnischen Einheiten durch russische Volksmilizen. Auch den B&uuml;rgerkrieg nach der Oktoberrevolution versuchte Polen, unter dem Diktator Pilsudski, f&uuml;r einen kleinen Eroberungsfeldzug zu nutzen und tr&auml;umte von einem Gro&szlig;polen von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Nach anf&auml;nglichen Erfolgen und der Besetzung Kiews im Mai 1920 endete dieses Abenteuer im August 1920 fast mit der Einnahme Warschaus durch die Rote Armee.<\/p><p>Neben diesen weniger bekannten sicherheitspolitischen Gro&szlig;ereignissen der russischen Geschichte kann nat&uuml;rlich noch die Invasion Napoleons und der Vernichtungskrieg des faschistischen Deutschlands f&uuml;r Lebensraum und Ressourcen im Osten erw&auml;hnt werden. Aber was haben diese historischen Betrachtungen nun mit einer Wahl im Jahre 2026 zu tun? Tats&auml;chlich sehr viel.<\/p><p><strong>Die russische Regierung nutzt das geschickt<\/strong><\/p><p>Dies erkl&auml;rt, warum die Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik im Bewusstsein des russischen Volkes eine so gro&szlig;e Relevanz besitzt. Es ist keine Nebens&auml;chlichkeit und nicht, wie h&auml;ufig in den USA, Au&szlig;enpolitik zur Unterst&uuml;tzung der Innenpolitik oder f&uuml;r die Interessen der R&uuml;stungslobby bzw. zur Besetzung einiger &Ouml;lfelder. Bei der Au&szlig;enpolitik in Russland geht es um ein existenzielles Sicherheitsbed&uuml;rfnis f&uuml;r die Bewohner eines Territoriums, welches schon aufgrund seiner unersch&ouml;pflichen Bodensch&auml;tze gro&szlig;e Begehrlichkeiten weckt.<\/p><p>Nat&uuml;rlich wei&szlig; die russische Regierung das in ihrer internen Propaganda zu nutzen und der Westen hat mit dem Maidan-Putsch in Kiew 2013\/2014 etwas in Gang gesetzt, was &bdquo;Putin&ldquo; als erfahrener Judok&auml;mpfer m&uuml;helos in Energie f&uuml;r seinen Machterhalt und die Dominanz der &bdquo;Putin-Partei&ldquo; Geeintes Russland umlenken konnte. Der Beginn des Ukrainekrieges 2022 und die Reaktion des Westens war dann ein massiver Katalysator, der die russische Gesellschaft noch st&auml;rker konsolidiert und an die gegenw&auml;rtige Regierung gebunden hat.<\/p><p>Vor diesem Hintergrund kann sich Geeintes Russland bei den Meisterstrategen, Politikern und Medien im Westen bedanken. Auch durch ihre tatkr&auml;ftige Unterst&uuml;tzung bleibt die &bdquo;Putin-Partei&ldquo; nach der diesj&auml;hrigen Parlamentswahl dominante politische Kraft in der Staatsduma und beh&auml;lt weiterhin die absolute Mehrheit der Sitze.<\/p><p><small>Titelbild: Lizavetta \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch die diesj&auml;hrige Wahl der Staatsduma wird von der au&szlig;enpolitischen Situation bestimmt. Der Krieg in der Ukraine befindet sich in der finalen Phase und die aggressive Politik des Westens gegen Russland hat das Land konsolidiert. Damit helfen die Meisterstrategen der EU-Staaten ironischerweise der &bdquo;Putin-Partei&ldquo;. Von <strong>Armin Langer<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":147895,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,20,190],"tags":[3212,3115,799,259],"class_list":["post-147893","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-landerberichte","category-wahlen","tag-doppelte-standards","tag-einiges-russland","tag-polen","tag-russland"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/shutterstock_2716302929.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/147893","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=147893"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/147893\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":147900,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/147893\/revisions\/147900"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/147895"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=147893"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=147893"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=147893"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}