{"id":148049,"date":"2026-03-22T13:00:47","date_gmt":"2026-03-22T12:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148049"},"modified":"2026-03-21T15:37:11","modified_gmt":"2026-03-21T14:37:11","slug":"russische-zivilgesellschaft-im-wandel-vortrag-in-leipzig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148049","title":{"rendered":"Russische Zivilgesellschaft im Wandel \u2013 Vortrag in Leipzig"},"content":{"rendered":"<p>Es lohnt sich, zu pr&uuml;fen, was aus der russischen Zivilgesellschaft nach 2022 geworden ist. Dieser Frage widmete sich eine Veranstaltung, die am 11. M&auml;rz in Leipzig von der &bdquo;B&uuml;rgerinitiative Gute Nachbarschaft mit Russland&ldquo; veranstaltet wurde. <strong>Ulrich Heyden (Moskau)<\/strong> hat auf dieser Veranstaltung &uuml;ber Video-Schaltung einen Vortrag gehalten, den wir hier &ndash; leicht &uuml;berarbeitet &ndash; ver&ouml;ffentlichen.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9471\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-148049-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260322_Russische_Zivilgesellschaft_im_Wandel_Vortrag_in_Leipzig_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260322_Russische_Zivilgesellschaft_im_Wandel_Vortrag_in_Leipzig_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260322_Russische_Zivilgesellschaft_im_Wandel_Vortrag_in_Leipzig_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260322_Russische_Zivilgesellschaft_im_Wandel_Vortrag_in_Leipzig_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=148049-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260322_Russische_Zivilgesellschaft_im_Wandel_Vortrag_in_Leipzig_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260322_Russische_Zivilgesellschaft_im_Wandel_Vortrag_in_Leipzig_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Russische K&uuml;nstler werden bei der Biennale in Venedig, die am 9. Mai beginnt, nach Jahren des Ausschlusses, wieder pr&auml;sent sein. Die Frauen der russischen Punk-Band Pussy Riot, die seit Jahren im Westen leben, haben eine Aktion gegen die russischen K&uuml;nstler in Venedig angek&uuml;ndigt. Ist Pussy Riot ein wichtiger Teil der russischen Zivilgesellschaft oder ist die Frauen-Band ein Propaganda-Instrument westlicher Kriegstreiber? Wenn man den Aufruf von Pussy Riot zur Biennale liest, klingt es ganz so. Dass Russen auf der Biennale ausstellen werden, ist nach Meinung der Frauen-Band ein &bdquo;Angriff auf die europ&auml;ische Sicherheit&ldquo;, eine &bdquo;kulturelle Expansion im Herzen von Europa&ldquo;, und der Versuch, die &bdquo;russische Milit&auml;rdoktrin mit Soft Power zu verbreiten&ldquo;.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p><strong>Zu Beginn ein paar Thesen<\/strong><\/p><p><strong>Erstens:<\/strong> Nach meinem Eindruck versteht man in Deutschland unter dem Begriff Zivilgesellschaft in Russland Strukturen und Organisationen, die versuchen, eine Gesellschaft zu erk&auml;mpfen, die nach westlichen Normen und Werten funktioniert. In den deutschen Medien wird unterstellt, dass die Anh&auml;nger des verstorbenen Aktivisten Alexej Nawalny oder die Band &bdquo;Pussy Riot&ldquo;, ein Spiegelbild der Stimmung in Russland sind. Tats&auml;chlich haben diese Gruppen den Gro&szlig;teil Ihrer Anh&auml;nger aber in den Gro&szlig;st&auml;dten Moskau und St. Petersburg, nicht aber im weiten Land. <\/p><p><strong>Zweitens:<\/strong> Einiges, was Nawalny und Pussy Riot vertraten, war selbst in der liberalen &Ouml;ffentlichkeit in Russland umstritten. Der Auftritt von Pussy Riot in einer Moskauer Kirche und der fanatische Hass von Alexej Nawalny auf alle Kaukasier schmeckte selbst vielen Liberalen in Moskau nicht. Aber das wurde nicht &ouml;ffentlich kritisiert. Man wollte Nawalny und Pussy Riot, die internationalen Leuchtfeuer der russischen Opposition, nicht schw&auml;chen.<\/p><p><strong>Drittens:<\/strong> Die Vorstellung in Deutschland, Zivilgesellschaft in Russland sei gleichbedeutend mit &bdquo;Opposition gegen das Regime&ldquo;, ist falsch. <\/p><p><strong>Viertens:<\/strong> Nach meinem Eindruck wird in den deutschen Medien der Eindruck erweckt, dass es seit 2022 keine Zivilgesellschaft in Russland mehr gibt, denn alle Oppositionellen seien ja eingesperrt oder h&auml;tten das Land verlassen. Dabei wird ausgeblendet, dass sich die meisten zivilgesellschaftlichen Organisationen in Russland heute nicht als &bdquo;System-Opposition&ldquo; verstehen, sondern als Organisationen, die helfen wollen, soziale und &ouml;kologische Probleme zu beheben, oder helfen wollen, die Identit&auml;t kleiner V&ouml;lker und das Geschichtsbewusstsein der Russen insgesamt zu f&ouml;rdern. <\/p><p><strong>Zulauf f&uuml;r zivilgesellschaftliche Initiativen<\/strong><\/p><p>2024 gab es in Russland 133.000 sozial orientierte &bdquo;zivilgesellschaftliche Organisationen&ldquo;. Das waren 3.200 mehr als 2023. 2026 bekamen diese Organisationen umgerechnet 4,5 Milliarden Euro aus dem russischen Budget.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Zivilgesellschaftliche Organisationen in Russland werden im Grundsatz durch Spendengelder finanziert. Sie k&ouml;nnen sich aber auch um staatliche Zusch&uuml;sse, sogenannten Grants, bewerben. <\/p><p>Eine Motivation, sich als Jugendlicher zivilgesellschaftlichen Organisationen anzuschlie&szlig;en, ist, dass man erste Berufserfahrungen sammeln kann. Wenn die Initiative Eink&uuml;nfte erzielt, ist es auch m&ouml;glich, ein Gehalt zu bekommen. <\/p><p>2025 konnten sich &bdquo;zivilgesellschaftliche Organisationen&ldquo; um Zusch&uuml;sse f&uuml;r Projekte zu Themen wie soziale Dienstleistungen, Schutz der Gesundheit und Propaganda f&uuml;r einen gesunden Lebensstil, Unterst&uuml;tzung der Familie, der Mutterschaft, der Vaterschaft und der Kinder, Unterst&uuml;tzung von Jugendprojekten, Unterst&uuml;tzung von Projekten in den Bereichen Wissenschaft, Bildung und Aufkl&auml;rung, Erhaltung des historischen Ged&auml;chtnisses, Schutz der Rechte und Freiheiten der B&uuml;rger und der Strafgefangenen, Schutz der Umwelt, Festigung des Verst&auml;ndnisses zwischen den Nationalit&auml;ten und Religionen und Entwicklung der Zivilgesellschaft bewerben. <\/p><p><strong>Jugendliche sollen an einer &bdquo;gesellschaftlichen Aufgabe&ldquo; teilnehmen<\/strong><\/p><p>Der russische Staat hat erkannt, dass die Arbeit von &bdquo;zivilgesellschaftlichen Organisationen&ldquo; nicht nur ein n&uuml;tzlicher, sondern unabdingbarer Faktor f&uuml;r eine moderne Gesellschaft ist. Diese Erkenntnis hat Russland stillschweigend vom Westen &uuml;bernommen. Russland kann aber auch an Erfahrungen der Selbstorganisation der B&uuml;rger aus der Zeit vor der Oktoberrevolution ankn&uuml;pfen, erkl&auml;rte die Wissenschaftlerin Anastasija Tumanowa.<\/p><p>Nach Meinung der politischen F&uuml;hrung in Russland k&ouml;nnen mit den zivilgesellschaftlichen Organisationen wichtige L&uuml;cken gestopft werden, f&uuml;r die der Staat nicht genug Personal hat oder wo er nicht flexibel reagieren kann. Von der Arbeit der zivilgesellschaftlichen Organisationen soll auch eine ethische Wirkung ausgehen. In der Gesellschaft sollen das Gemeinschaftsgef&uuml;hl und die Solidarit&auml;t gest&auml;rkt werden. Zu den von Wladimir Putin 2024 deklarierten nationalen Zielen geh&ouml;rt auch, dass bis zum Jahr 2030 45 Prozent der Jugendlichen an einer gesellschaftlichen Aufgabe teilnehmen sollen.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p><strong>Orangene Revolution in Kiew gab Ansto&szlig; f&uuml;r russischen Patriotismus<\/strong><\/p><p>Der russische Staat k&uuml;mmerte sich zwischen 1991 und 2005 kaum um B&uuml;rgerinitiativen. Mit der internationalen Presse, die &uuml;ber das soziale Elend w&auml;hrend des &Uuml;bergangs zum Kapitalismus und &uuml;ber die dramatischen Ereignisse w&auml;hrend des Tschetschenienkrieges ausf&uuml;hrlich berichtete, konnten die russischen Medien nur schwer konkurrieren. Die westliche Presse, die mit zahlreichen Korrespondenten in Russland vertreten war, wurde zu einem Meinungsf&uuml;hrer im Gastland. <\/p><p>In Moskau und St. Petersburg gab es in der Jugend bis Mitte der 2000er-Jahre nur einen verschwommenen Patriotismus. Das russische Fernsehen kopierte gierig alle Moden und Stile aus dem Westen. Staatlich organisierte und finanzierte Jugendorganisationen wie Pioniere und Komsomol waren 1991 aufgel&ouml;st worden.<\/p><p>Eine Kehrtwende, hin zum Patriotismus, begann 2005 w&auml;hrend der vom Westen lauthals unterst&uuml;tzten &bdquo;Orangenen Revolution&ldquo; in Kiew. Die russische F&uuml;hrung erkannte, dass Russland in eine &auml;hnliche Situation kommen k&ouml;nnte wie die Ukraine. Das hei&szlig;t, Russland k&ouml;nne unter den politischen Einfluss des Westens geraten, seine Souver&auml;nit&auml;t verlieren und zum Spielball des Westens werden. <\/p><p>Im Jahr 2005 entschloss sich der Kreml, neue Strukturen in den Sektoren Erziehung, Bildung und Medien aufzubauen, die eine souver&auml;ne Entwicklung Russlands unterst&uuml;tzen sollten. <\/p><p>2005 wurde der englischsprachige Video-Kanal <em>Russia Today<\/em> gegr&uuml;ndet. 2014 bekam <em>Russia Today<\/em> auch einen deutschen Ableger, <em>RT DE<\/em>.<\/p><p>2005 wurde die Jugendorganisation Naschi (Die Unseren) gegr&uuml;ndet. Die Organisation machte mit gro&szlig;en patriotischen Stra&szlig;enaktionen zum 9. Mai und Jugendlagern &ndash; zu denen auch Putin und andere Politiker eingeladen wurden &ndash; von sich reden. 2019 beendete die Organisation Naschi ihre T&auml;tigkeit. Die Gr&uuml;nde daf&uuml;r sind mir nicht bekannt. <\/p><p>An die Stelle von Naschi trat die 2015 gegr&uuml;ndete Jugendorganisation Junarmija. Diese Organisation sieht ihre Aufgabe darin, die Verbindung der Jugend zu den russischen Streitkr&auml;ften zu st&auml;rken und die russischen Werte, wie Verantwortung und die Bedeutung des Kollektivs, in der Jugend zu verbreiten. Die Organisation untersteht dem russischen Verteidigungsministerium. <\/p><p>2005 wurde in Russland au&szlig;erdem die &bdquo;Gesellschaftskammer&ldquo; gegr&uuml;ndet. Sie soll die Interessen der B&uuml;rger sch&uuml;tzen und die staatlichen Organe kontrollieren. 40 Vertreter der Kammer werden vom russischen Pr&auml;sidenten ernannt, 43 Vertreter von den zivilgesellschaftlichen Organisationen. Dazu kommt noch jeweils ein Vertreter der Kammern in den russischen Regionen. <\/p><p><strong>Gro&szlig;demonstrationen gegen Wahlf&auml;lschungen<\/strong><\/p><p>Eine besondere Herausforderung f&uuml;r die politische F&uuml;hrung in Russland waren 2011 in Moskau die Gro&szlig;demonstrationen wegen Wahlf&auml;lschungen bei der Duma-Wahl. &Uuml;ber diese Gro&szlig;demonstrationen mit 100.000 Teilnehmern berichteten die westlichen Medien ausf&uuml;hrlich.<\/p><p>Die russischen Pr&auml;sidenten, damals Dmitri Medwedjew und ab 2012 Wladimir Putin, zeigten ihre Bereitschaft zu politischen Reformen. Es wurde eine Wahlrechtsreform eingeleitet. Neue Parteien wurden zugelassen und die Direktwahl der Gouverneure wurde wieder eingef&uuml;hrt.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>Gleichzeitig wurde die Luft f&uuml;r vom Ausland finanzierte NGOs in Russland d&uuml;nner. 2012 wurde die Organisation USAID, die soziale Projekte in Russland finanziert hatte, verboten. Au&szlig;erdem wurde 2012 ein Gesetz eingef&uuml;hrt, welches zivilgesellschaftliche Organisationen, die vom Ausland Geld bekommen, verpflichtet, dies mit einem Aufdruck &bdquo;Ausl&auml;ndischer Agent&ldquo; auf ihren Brosch&uuml;ren deutlich zu machen. Wladimir Putin wies 2013 in einem Interview mit dem deutschen Fernsehkanal <em>Phoenix<\/em> darauf hin, dass es in den USA schon seit 1938 ein &auml;hnliches Gesetz gibt, an das sich vom Ausland finanzierte Organisationen halten m&uuml;ssen.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p><strong>Formen der Selbstorganisation<\/strong><\/p><p>Nach diesem historischen R&uuml;ckblick kommen wir zur heutigen Lage. Welche Formen der Selbstorganisation gibt es heute in Russland? Das Spektrum ist vielf&auml;ltig. Es gibt:<\/p><ul>\n<li>Zusammenschl&uuml;sse von B&uuml;rgern, die Probleme in ihrem Quartier l&ouml;sen wollen, wie zum Beispiel in Moskau die Auswirkungen von Baul&auml;rm und Probleme bei der Umsiedlung in Neubauten. <\/li>\n<li>Wohnungsgenossenschaften, die ihr Wohneigentum gemeinsam bewirtschaften. <\/li>\n<li>Protestaktionien gegen M&uuml;llkippen, die nicht ordnungsgem&auml;&szlig; bewirtschaftet werden. <\/li>\n<li>Lisa Alert, eine Freiwilligenorganisation, die nach vermissten Kindern und Erwachsenen sucht. <\/li>\n<li>&Ouml;kologische Vereinigungen, wie die Stiftung zum Schutz von Walen. <\/li>\n<li>Die Vereinigung der kleinen und mittleren Gesch&auml;ftsleute, Opora[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] (St&uuml;tze). <\/li>\n<\/ul><p>Vor dem Ukraine-Krieg gab es einige spektakul&auml;re Erfolge. So erreichten die Anwohner des Baikal-Sees 2006, dass die Trasse einer &Ouml;lpipeline zum Pazifik, die in der N&auml;he des Baikal verlegt werden sollte, 40 Kilometer nach Norden verschoben wurde. Wladimir Putin gab die Verlegung pers&ouml;nlich bekannt.<\/p><p>Einen weiteren Erfolg von B&uuml;rgerprotesten gab es 2012 in St. Petersburg. Eine Protestbewegung erreichte, dass der 460 Meter hohe Turm der Gazprom-Zentrale &ndash; genannt Lachta-Zentr &ndash; nicht wie geplant in der historischen Innenstadt von St. Petersburg, sondern am Stadtrand, genauer gesagt am Finnischen Meerbusen, gebaut wurde. <\/p><p>Zurzeit gibt es neue Initiativen f&uuml;r ein Referendum, mit dem der Bau von zwei weiteren Wolkenkratzern neben dem Lachta-Zentr mit einer H&ouml;he von 555 und 703 Metern verhindert werden soll. Die Kritiker meinen, diese Wolkenkratzer passen nicht in die Landschaft. <\/p><p><strong>Proteste wegen Moskauer Neubauprogramm Renovazija<\/strong><\/p><p>Anwohnerproteste gab es auch im Zuge des Moskauer Wohnungsneubau-Programms Renovazija. Ziel des Programms ist es, die in den 1960er-Jahren gebauten, viergeschossigen sogenannten Chrustschowka-Plattenbauten durch moderne H&auml;user mit 13 und mehr Etagen zu ersetzen. Gegen das Neubauprogramm gab es Proteste, vor allem aus dem liberalen Teil der Moskauer Bev&ouml;lkerung. Es wurde gefordert, die viergeschossigen Plattenbauten zu modernisieren, anstatt neue Wohnt&uuml;rme zu bauen, mit denen noch bestehende Gr&uuml;nfl&auml;chen zugebaut werden.<\/p><p>Ich lebte lange in einem Quartier mit viergeschossigen Plattenbauten und habe dort B&uuml;rgerproteste selbst miterlebt.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] In meinem Wohnbezirk wurden innerhalb von f&uuml;nf Jahren alle Plattenbauten bis auf f&uuml;nf abgerissen und neue 13-geschossige Wohnh&auml;user gebaut. Die Baut&auml;tigkeit lief rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche, was eine erhebliche Beeintr&auml;chtigung der Lebensqualit&auml;t zur Folge hatte. <\/p><p>Die B&uuml;rger in unserem Bezirk begannen, sich spontan zu organisieren. Die Nerven lagen blank. Es wurden mehrere Versammlungen unter freiem Himmel organisiert. In Briefen an die Bezirksverwaltung wurde gefordert, dass die Bewohner der noch nicht abgerissenen Plattenbauten in ein naheliegendes neugebautes Haus umziehen k&ouml;nnen. Die Beh&ouml;rden hatten n&auml;mlich vorgesehen, dass die noch nicht Umgesiedelten in einen mehrere Stra&szlig;en entfernt liegenden Neubau umgesiedelt werden sollten. <\/p><p>Dagegen wehrten sich die Bewohner, weil unser Quartier in der N&auml;he einer U-Bahn lag und es sich damit in einer sehr g&uuml;nstigen und teuren Lage befand. Es ging das Ger&uuml;cht um, dass wir auf goldenem Boden leben, und die Stadtverwaltung den Boden, auf dem unsere H&auml;user stehen, Immobilienunternehmen zur Bebauung freigegeben wollte, wodurch dem Budget der Stadt erhebliche Einnahmen zuflie&szlig;en w&uuml;rden. <\/p><p><strong>Zivilgesellschaft ab 2022<\/strong><\/p><p>Der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine f&uuml;hrte auf dem Sektor Zivilgesellschaft zu starken Ver&auml;nderungen. <\/p><p>Das Wichtigste war wohl, dass der liberale Teil der Zivilgesellschaft den Einmarsch kritisierte. Der Staat reagierte hart. Das St. Petersburger Portal <em>Fontanka<\/em> berichtete[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>], die Zahl der politischen Strafverfahren habe sich in den letzten f&uuml;nf Jahren vervierfacht. 2024 seien dem Obersten Gericht 1.254 Strafverfahren wegen &bdquo;Angriff auf die Verfassungsordnung und die Sicherheit des Staates&ldquo; &uuml;bergeben worden. Betroffen von diesen Verfahren sind Kriegsgegner aus dem liberalen und linken Spektrum. <\/p><p>In Folge des russischen Einmarsches in die Ukraine verlie&szlig;en 770.000 Russen ihr Land und kehrten nicht zur&uuml;ck, darunter 70.000 IT-Spezialisten. <\/p><p>Die Bundesregierung und deutsche St&auml;dte gingen in eine scharfe Konfrontation gegen Russland. 2022 wurden alle St&auml;dtepartnerschaften mit russischen St&auml;dten von deutscher Seite aufgek&uuml;ndigt. Man warf Russland einen &bdquo;&Uuml;berfall auf die Ukraine&ldquo; vor, verschwieg aber, dass der Krieg in der Ukraine bereits 2014 mit der Anti-Terror-Operation der ukrainischen Armee und rechtsradikaler Bataillone im Donbass begonnen hatte.<\/p><p>Auch die russische Regierung ging hart vor. Sie entzog im April 2022 s&auml;mtlichen deutschen parteinahen Stiftungen die Registrierung. <\/p><p>Und was tut die Bundesregierung heute? Sie f&ouml;rdert finanziell die zivilgesellschaftlichen russischen Initiativen, die ins westliche Exil gegangen sind. Wie es in einer Mitteilung[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] des Ausw&auml;rtigen Amtes vom Oktober 2025 hei&szlig;t, geht es dabei um &bdquo;die F&ouml;rderung unabh&auml;ngiger, neutraler und inklusiver Berichterstattung und zivilgesellschaftlicher Strukturen f&uuml;r mehr Resilienz (also Widerstandsf&auml;higkeit) im Kontext autorit&auml;rer Repression und Desinformationskampagnen &ndash; auch im tempor&auml;ren Exil.&ldquo;<\/p><p>Die Bundesregierung scheut sich nicht, die politische Einmischung in die Angelegenheiten eines anderes Landes &ouml;ffentlich zu verk&uuml;nden und zu rechtfertigen. <\/p><p><strong>Patriotischer Fl&uuml;gel der russischen Zivilgesellschaft <\/strong><\/p><p>Ab 2022 bildeten sich in Russland zahlreiche Organisationen, die in freiwilliger Arbeit f&uuml;r Soldaten Tarnnetze kn&uuml;pfen, Socken und Stofftiere fertigen oder Geld f&uuml;r Lebensmittel, Kleidung des t&auml;glichen Bedarfs und Auto-Ersatzteile sammeln. Es gibt auch Gruppen, die von ehemaligen Frontk&auml;mpfern aufgebaut werden, die exakt wissen, was an der Front im Alltag ben&ouml;tigt wird und was das Verteidigungsministerium nicht ausreichend liefert, etwa Dinge, die schnell verschlei&szlig;en, wie Schlafs&auml;cke. <\/p><p>Eine der Freiwilligenorganisationen in Moskau, die sich um Soldaten an der Front k&uuml;mmert, ist die Organisation Dobrije Ruki (&bdquo;Gute H&auml;nde&ldquo;). Diese &ndash; vor allem von Frauen gebildete &ndash; Organisation hat nach eigenen Angaben 700 Mitglieder. Von den Soldaten an der Front kommen spezielle Bestellzettel. Da wird zum Beispiel f&uuml;r die Reparatur eines Fahrzeuges, Kosten 5.000 Euro, Geld gesammelt. Die Organisation sammelt auch Kleidung f&uuml;r Zivilisten, die aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine gefl&uuml;chtet sind und in Massenunterk&uuml;nften au&szlig;erhalb des Kriegsgebietes untergebracht sind. <\/p><p><strong>Der linke Fl&uuml;gel der russischen Zivilgesellschaft<\/strong><\/p><p>Die einflussreichste Kraft der Linken ist die Kommunistische Partei der Russischen F&ouml;deration. Sie unterst&uuml;tzt den Einmarsch in die Ukraine und sie beteiligt sich an humanit&auml;ren Hilfslieferungen f&uuml;r die Zivilbev&ouml;lkerung im Kriegsgebiet in der Ukraine.<\/p><p>Seit der Corona-Pandemie und dem Beginn des russischen Einmarschs sind die M&ouml;glichkeiten der russischen Opposition, Demonstrationen zu veranstalten, auf null gesunken. Erster-Mai-Demonstrationen der KPRF und des Gewerkschaftsdachverbandes FNPR k&ouml;nnen in Moskau seit der Corona-Zeit &ndash; aus Sicherheitsgr&uuml;nden, wie es hei&szlig;t &ndash; nicht mehr stattfinden. Ersatzweise macht die KPRF am 1. Mai, nicht weit vom Kreml am Karl-Marx-Denkmal, Kundgebungen. <\/p><p>Es gibt auf <em>YouTube<\/em> sehr viele politische Kan&auml;le von kritischen B&uuml;rgern, Linken, Aktivisten und Denkern verschiedenster Richtungen. F&uuml;r die Kan&auml;le links von der KPRF, die ich verfolge, kann ich sagen, dass sie den Krieg in der Ukraine nicht als Thema aufgreifen oder nur streifen. <\/p><p>Ich m&ouml;chte hier kurz den YouTube-Kanal Rabkor des Soziologen und Publizisten Boris Kagarlitzky vorstellen. Der Kanal hat 130.000 Abonnenten und ist nach offizieller russischer Sprachregelung ein &bdquo;Ausl&auml;ndischer Agent&ldquo;. <\/p><p>Der Chefredakteur von Rabkor, Kagarlitzky, sitzt seit 2023 im Gef&auml;ngnis. Er wurde wegen einer fragw&uuml;rdigen &Auml;u&szlig;erung &uuml;ber einen terroristischen Anschlag auf die Krim-Br&uuml;cke zu f&uuml;nf Jahren Haft verurteilt. <\/p><p>Kagarlitzky, den ich sehr sch&auml;tzte und welcher den Aufstand im Donbass gegen die Staatsstreich-Regierung in Kiew unterst&uuml;tzte, ging nach dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine in scharfe Opposition zu Wladimir Putin. Der Soziologe erkl&auml;rte, der russische Pr&auml;sident h&auml;tte den Einmarsch in der Ukraine angeordnet, um sozialen Unruhen zuvorzukommen. F&uuml;r eine 2021\/22 heraufziehende Protestbewegung in Russland, die das politische System h&auml;tte infrage stellen k&ouml;nnen, gibt es aber keine Belege. <\/p><p>Wo steht Rabkor heute politisch? Das Portal &auml;u&szlig;ert seine Zustimmung zum Sieg des neuen, linken B&uuml;rgermeisters von New York, Zohran Mamdani, und dem guten Abschneiden der Partei die Linke bei den Wahlen zum Bundestag. Rabkor berichtet vor allem &uuml;ber soziale Fragen und soziale Proteste in Russland. <\/p><p><strong>Schlussbemerkung<\/strong><\/p><p>Eine &ouml;ffentlich gef&uuml;hrte Debatte in Russland &uuml;ber politische Fragen, wie sie noch vor 2022 m&ouml;glich war, ist schwieriger geworden. Niemand will Konflikte. <\/p><p>Die politische F&uuml;hrung ist daran interessiert, dass sich die Gesellschaft weiter um Wladimir Putin konsolidiert. Die B&uuml;rger vermeiden es, sich &ouml;ffentlich &uuml;ber den Krieg in der Ukraine zu unterhalten. Man f&uuml;rchtet, missverstanden zu werden. <\/p><p>Die russischen Milliard&auml;re sind noch auf ihren Posten. Aus der &Ouml;ffentlichkeit sind sie aber komplett verschwunden. M&ouml;glicherweise f&uuml;rchten sie, dass sie vom Volk aufgefordert werden, den Ukrainekrieg<strong> <\/strong>mit ihren finanziellen Mitteln zu unterst&uuml;tzen. M&ouml;glicherweise sind auch einige Milliard&auml;re nicht mit dem Krieg einverstanden. <\/p><p>Nach Meinungsumfragen und nach meinem pers&ouml;nlichen Eindruck ist die Mehrheit der Russen f&uuml;r den russischen Einmarsch in die Ukraine, w&uuml;nscht sich aber gleichwohl sehnlichst Frieden. Doch ein Friedensvertrag muss nach Meinung der Menschen in Russland nicht nur die eroberten Territorien f&uuml;r Russland sichern, sondern auch Garantien enthalten, dass die NATO die Rest-Ukraine nicht weiter zum Sto&szlig;keil gegen Russland nutzt.<\/p><p><small>Titelbild: Alexandros Michailidis \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/28a0841cf2ef4ae3bf85561191a98d9f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/3000000311814\/whitewashing-von-kriegsverbrechen-kritik-an-russlands-biennale-teilnahme\">&ldquo;Whitewashing&rdquo; von Kriegsverbrechen: Kritik an Russlands Biennale-Teilnahme &ndash; Kunst &ndash; derStandard.at &rsaquo; Kultur<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/reg-nko.ru\/smi\/itogi-goda-dlya-nko-v-rossii-chto-zhdet-nko-v-2026-godu?ysclid=mmnhdqn4my143161828\">Ergebnisse des Jahres f&uuml;r die nichtwirtschaftlichen Organisationen<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.kommersant.ru\/doc\/6688811\">Putins Ziele bis 2030<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15487\">Ein Jahr russische Protestbewegung &ndash; Was hat es gebracht?<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=yrwfaZj479g\">J&ouml;rg Sch&ouml;neborn im Gespr&auml;ch mit Wladimir Putin, Ph&ouml;nix<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Opora, Organisation von kleinen und mittleren Gesch&auml;ftsleuten<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/loginFailed.php?ref=\/artikel\/481824.russland-die-moskauer-v%C3%B6lkerwanderung.html\">Die Moskauer V&ouml;lkerwanderung<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.fontanka.ru\/2025\/04\/30\/75405914\/\">Politische Strafverfahren in Russland<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/resource\/blob\/2147858\/b6bd56294b6b39d3d59e2e0a72313a95\/deutsch-data.pdf\">auswaertiges-amt.de\/resource\/blob\/2147858\/b6bd56294b6b39d3d59e2e0a72313a95\/deutsch-data.pdf<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es lohnt sich, zu pr&uuml;fen, was aus der russischen Zivilgesellschaft nach 2022 geworden ist. Dieser Frage widmete sich eine Veranstaltung, die am 11. M&auml;rz in Leipzig von der &bdquo;B&uuml;rgerinitiative Gute Nachbarschaft mit Russland&ldquo; veranstaltet wurde. <strong>Ulrich Heyden (Moskau)<\/strong> hat auf dieser Veranstaltung &uuml;ber Video-Schaltung einen Vortrag gehalten, den wir hier &ndash; leicht &uuml;berarbeitet &ndash; ver&ouml;ffentlichen.<\/p>\n<p><em>Dieser<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148049\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":148050,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,20,171],"tags":[1435,282,3041,1283,1806,1597,259,260],"class_list":["post-148049","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-buergerinitiative","tag-buergerproteste","tag-cancel-culture","tag-nawalny-alexej","tag-patriotismus","tag-pussy-riot","tag-russland","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/shutterstock_1201152790.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148049","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=148049"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148049\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":148135,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148049\/revisions\/148135"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/148050"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=148049"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=148049"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=148049"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}