{"id":148055,"date":"2026-03-20T15:03:27","date_gmt":"2026-03-20T14:03:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148055"},"modified":"2026-03-21T08:51:35","modified_gmt":"2026-03-21T07:51:35","slug":"die-illusion-vom-schnellen-krieg-warum-luftangriffe-kein-regime-stuerzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148055","title":{"rendered":"Die Illusion vom schnellen Krieg: Warum Luftangriffe kein Regime st\u00fcrzen"},"content":{"rendered":"<p>Der Krieg gegen Iran begann mit der alten Illusion vom schnellen Schlag: ein paar Tage Bombardierung, einige ausgeschaltete F&uuml;hrungspersonen, zerst&ouml;rte Anlagen &ndash; und am Ende soll ein politisch gef&uuml;gigeres Land stehen. Dahinter stand die Vorstellung, man k&ouml;nne ein politisches Problem milit&auml;risch abk&uuml;rzen. Doch schon nach wenigen Wochen zeigt sich: Die Angriffe treffen Ziele und fordern Opfer, aber sie bringen keine tragf&auml;hige politische Entscheidung n&auml;her. Sichtbare milit&auml;rische Treffer und erreichbare politische Ziele fallen auseinander. Von <strong>Detlef Koch<\/strong>. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1075\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-148055-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260320_Die_Illusion_vom_schnellen_Krieg_Warum_Luftangriffe_kein_Regime_stuerzen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260320_Die_Illusion_vom_schnellen_Krieg_Warum_Luftangriffe_kein_Regime_stuerzen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260320_Die_Illusion_vom_schnellen_Krieg_Warum_Luftangriffe_kein_Regime_stuerzen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260320_Die_Illusion_vom_schnellen_Krieg_Warum_Luftangriffe_kein_Regime_stuerzen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=148055-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260320_Die_Illusion_vom_schnellen_Krieg_Warum_Luftangriffe_kein_Regime_stuerzen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260320_Die_Illusion_vom_schnellen_Krieg_Warum_Luftangriffe_kein_Regime_stuerzen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Ablauf ist in seinen Grundz&uuml;gen bekannt: Ende Februar 2026 begannen koordinierte Angriffe der USA und Israels, auf die Iran mit Gegenangriffen reagierte. Die Vereinten Nationen warnten fr&uuml;h vor einer Eskalation, die au&szlig;er Kontrolle geraten k&ouml;nnte.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Entscheidend ist seither nicht mehr nur, wer mehr zerst&ouml;ren kann, sondern wer l&auml;nger durchh&auml;lt &ndash; wirtschaftlich, politisch und institutionell.<\/p><p>Genau hier kippt die Bilanz. Milit&auml;rische &Uuml;berlegenheit ist sichtbar. Strategischer Gewinn dagegen bleibt fragil. Iran verf&uuml;gt &uuml;ber genug Mittel, um die Kosten dieses Krieges weit &uuml;ber das eigentliche Schlachtfeld hinauszutragen: auf Energiepreise, Schifffahrt, Versicherungen, Wasser- und Stromversorgung, auf die Nervosit&auml;t ganzer Regionen. Die Aggressoren USA und Israel k&ouml;nnen t&ouml;ten und zerst&ouml;ren. Aber sie k&ouml;nnen ihre zentralen politischen Ziele nicht schnell erzwingen. Das ist der Kern ihres Problems.<\/p><p><strong>Milit&auml;rische Selbst&uuml;berdehnung<\/strong><\/p><p>Die milit&auml;rtheoretische Grundidee hinter Luftangriffen ist einfach: Wenn man F&uuml;hrung, Luftabwehr, Raketenstellungen und wichtige Industrieanlagen hart genug trifft, wird der Gegner irgendwann nachgeben. Diese Logik ist nicht v&ouml;llig falsch. Sie funktioniert aber nur unter eng definierten Voraussetzungen:<\/p><ul>\n<li>wenn die politischen Ziele begrenzt sind,<\/li>\n<li>wenn es klar erkennbare Schwachstellen gibt und <\/li>\n<li>wenn sich Erfolge auch ohne dauerhafte Kontrolle sichern lassen.<\/li>\n<\/ul><p>Genau daran fehlt es beim &Uuml;berfall auf den Iran.<\/p><p>Luftangriffe sto&szlig;en dort an Grenzen, wo Ziele &uuml;ber ein Land verteilt sind, das 4,61-mal so gro&szlig; ist wie die Bundesrepublik &ndash; wo Ziele verlegbar, verborgen oder schlicht ersetzbar sind. Im Iran erschweren hohe Berge, weite w&uuml;stenhafte Ebenen, Gro&szlig;st&auml;dte, unterirdische Anlagen und ein verzweigtes Wegenetz schon die Auswahl der Ziele. Noch schwieriger ist die Frage, was tats&auml;chlich dauerhaft ausgeschaltet wurde und was nur verlegt ist. Bombardierung kann viel zerst&ouml;ren, sie kann aber selten verl&auml;sslich kl&auml;ren, ob ein System als Ganzes au&szlig;er Funktion gesetzt wurde.<\/p><p>Dazu kommt die historische Erfahrung. Regierungen brechen durch Luftangriffe allein nur selten zusammen. Studien zu solchen Kriegen zeigen: Angriffe aus der Luft wirken am ehesten dort, wo konkrete milit&auml;rische Schw&auml;chen ausgenutzt werden. Sobald aber Regimewechsel, totale Entwaffnung oder dauerhafte Kontrolle angestrebt werden, sinken die Erfolgschancen. Wer von au&szlig;en bombardiert, aber nicht dauerhaft vor Ort ist, kann ein Land verw&uuml;sten &ndash; aber er kann es politisch nicht nach Belieben neu ordnen.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Hinzu kommt ein zweites Problem: Moderne Verteidigung wird selbst zum Ersch&ouml;pfungsfaktor im Krieg. Der Iran kann vergleichsweise billige Mittel wie Drohnen oder koordinierte Raketenangriffe einsetzen, w&auml;hrend Abwehrsysteme wie &bdquo;Iron Dome&ldquo;[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] in Israel dagegen extrem teuer sind. Viele kosteng&uuml;nstige Drohnen- und Raketenangriffe treffen auf wenige kostspielige Abfangsysteme. In Tel Aviv zeigt sich schon jetzt, dass die hochentwickelte Abwehr &bdquo;Iron Dome&ldquo;[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] f&uuml;r immer mehr Menschen immer weniger Schutz bietet. Aktuelle US-Haushaltsdaten zeigen, dass der Nachschub f&uuml;r Raketenabwehrsysteme wie &sbquo;Iron Dome&lsquo; weder billig noch unbegrenzt skalierbar ist. Seit Oktober 2023 wurden Milliardenbetr&auml;ge allein f&uuml;r Raketenabwehr und die Wiederauff&uuml;llung verbrauchter Best&auml;nde bereitgestellt &ndash; darunter rund 4,4 Mrd. $ f&uuml;r die Auff&uuml;llung aus US-Best&auml;nden.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>Ein naheliegendes Gegenargument lautet, diese Engp&auml;sse w&uuml;rden verschwinden, wenn Iran nach und nach milit&auml;risch ausgeblutet werde. Auf der operativen Ebene ist daran etwas richtig: Die laufende Kampagne zielt genau darauf. Strategisch bleibt das Dilemma dennoch bestehen. Selbst deutlich reduzierte iranische Restkapazit&auml;ten reichen aus, um dauerhaft Druck zu erzeugen &ndash; solange wichtige Infrastruktur verwundbar bleibt und solange der Konflikt auf Wirtschaft, Schifffahrt und Versorgung &uuml;bergreift. Hinzu kommt die politische Grenze: Mehrere europ&auml;ische Staaten lehnen eine Beteiligung an Eins&auml;tzen in der Region ausdr&uuml;cklich ab. Auch das ist ein Zeichen von &Uuml;berdehnung: hohe Lasten f&uuml;r die Hauptakteure, begrenzte Bereitschaft bei den Partnern.<\/p><p><strong>Rally-Effekt und Stabilisierung des Regimes<\/strong><\/p><p>Die Hoffnung, Krieg und Leid w&uuml;rden ein unpopul&auml;res Regime automatisch von innen sprengen, ist eing&auml;ngig &ndash; aber nur schwach belegt. Gut belegt ist vielmehr das Gegenteil: Wenn ein Land von au&szlig;en angegriffen wird, r&uuml;cken viele Menschen zun&auml;chst hinter Staat und F&uuml;hrung zusammen. Zustimmung steigt oft kurzfristig, selbst dort, wo zuvor Unzufriedenheit herrschte.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p>In autorit&auml;ren Systemen kommt ein weiterer Effekt hinzu. Der &auml;u&szlig;ere Angriff liefert der F&uuml;hrung eine starke Rechtfertigung nach innen. Der Ausnahmezustand erleichtert Repression, st&auml;rkt Polizei, Milit&auml;r und Geheimdienste und dr&auml;ngt Gegner des Regimes in die Defensive. Studien zu Sanktionen und Krieg zeigen seit langem, dass &auml;u&szlig;erer Druck solche Systeme oft stabilisieren kann, statt sie zu schw&auml;chen.<\/p><p>Im Iran spricht derzeit vieles genau daf&uuml;r. Der Krieg st&auml;rkt kurzfristig vor allem die Sicherheitsapparate. Hinweise aus westlichen Analysen deuten darauf hin, dass insbesondere die Revolutionsgarden (IRGC) an Einfluss gewinnen und das System trotz schwerer Verluste handlungsf&auml;hig bleibt.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Die bittere Pointe lautet: Milit&auml;rischer Druck kann die politische Beweglichkeit des Gegners verkleinern, statt ihn zu &ouml;ffnen. Kompromisse werden riskanter, Hardliner werden st&auml;rker.<\/p><p>Das hei&szlig;t nicht, dass dieser Effekt ewig tr&auml;gt. Schwere Niederlagen, Versorgungskollaps oder Machtk&auml;mpfe an der Spitze k&ouml;nnen ein Regime sehr wohl destabilisieren. Aber genau diese Entwicklung ist derzeit weder erkennbar noch erwartbar. Ebenso wenig f&uuml;hren gezielte T&ouml;tungen von F&uuml;hrungspersonen automatisch zu einem prowestlichen Aufbruch. Sie k&ouml;nnen Entscheidungen st&ouml;ren, aber sie k&ouml;nnen ebenso gut dazu beitragen, dass sich ein System verh&auml;rtet und noch st&auml;rker unter die Kontrolle seiner Sicherheitsapparate ger&auml;t.<\/p><p><strong>Hormus und Wasser als Achillesferse<\/strong><\/p><p>Wenn Luftangriffe keinen schnellen politischen Erfolg bringen, verlagert sich der Konflikt auf die Verwundbarkeit ganzer Systeme. Im Fall Iran betrifft das vor allem die Stra&szlig;e von Hormus und die Wasserfrage am Persischen Golf. Die Stra&szlig;e von Hormus ist kein optionaler Schifffahrtsweg, sondern ein realer Engpass der Weltwirtschaft. Im ersten Halbjahr 2025 liefen dort t&auml;glich rund 20,9 Millionen Barrel &Ouml;l und &Ouml;lprodukte sowie gro&szlig;e Mengen verfl&uuml;ssigten Erdgases hindurch.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] Wer diesen Engpass bedroht, trifft nicht nur Tanker, sondern Preise, Lieferketten und politische Handlungsspielr&auml;ume weit &uuml;ber die Region hinaus.<\/p><p>Es gibt Ausweichrouten, aber sie ersetzen Hormus nicht. Die U.S. Energy Information Administration (EIA) beziffert die gemeinsamen Umgehungskapazit&auml;ten der saudischen Ost-West-Pipeline und der Pipeline von Abu Dhabi auf rund 4,7 Millionen Barrel pro Tag.[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Das d&auml;mpft, ersetzt aber nicht. F&uuml;r verfl&uuml;ssigtes Erdgas gibt es praktisch keine schnelle Umleitung in vergleichbarer Gr&ouml;&szlig;enordnung. Genau deshalb reicht oft schon die glaubhafte Drohung, um Schifffahrt und Versicherungsm&auml;rkte zu ersch&uuml;ttern.<\/p><p>Diese Logik ist l&auml;ngst sichtbar. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (International Maritime Organization, IMO) warnt vor anhaltenden Risiken, Branchenakteure stufen das Gebiet als Hochrisikozone ein, Versicherer berichten von drastisch sinkendem Verkehr.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Der Punkt ist simpel: Nicht erst die formelle Sperre wirkt, sondern schon die glaubhafte Aussicht auf Feuer an Bord, Sch&auml;den und unkalkulierbare Kosten. In solchen Lagen verh&auml;lt sich der Markt, als sei die Route bereits halb geschlossen.<\/p><p>Noch heikler ist die Wasserfrage. Mehrere Golfstaaten decken einen gro&szlig;en Teil ihres Bedarfs durch Meerwasserentsalzung. Das ist lebenswichtige Infrastruktur und f&auml;llt sie aus, l&auml;sst sich Wasser nicht wie &Ouml;l kurzfristig auf dem Weltmarkt ersetzen. Moderne St&auml;dte am Golf h&auml;ngen an wenigen gro&szlig;en Anlagen, oft eng gekoppelt an die Stromversorgung. Gerade hier liegt eine Verwundbarkeit, die milit&auml;risch nur begrenzt neutralisierbar ist. Wer von Sicherheit am Golf spricht, muss deshalb &uuml;ber Wasser ebenso reden wie &uuml;ber &Ouml;l.<\/p><p><strong>Institutionelle Resilienz und Grenzen gezielter T&ouml;tungen<\/strong><\/p><p>Die T&ouml;tung f&uuml;hrender Personen wirkt auf den ersten Blick wie die Abk&uuml;rzung zum Sieg: Man nimmt dem Gegner den Kopf, und der Rest f&auml;llt auseinander. In Staaten mit gewachsenen Institutionen und klaren Nachfolgeregeln geht diese Rechnung jedoch selten auf. Die iranische Verfassung enth&auml;lt ausdr&uuml;cklich Regelungen f&uuml;r den Fall eines F&uuml;hrungsausfalls. Das macht solche T&ouml;tungen nicht folgenlos, aber es bedeutet, dass das System darauf vorbereitet ist, selbst unter Schock weiterzufunktionieren.[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><p>Hinzu kommt eine Sicherheitsstruktur, die nicht an einer einzelnen Person h&auml;ngt. Neben der regul&auml;ren Armee existieren die Revolutionsgarden als eigenst&auml;ndige Macht mit eigenen Truppen, regionalen Strukturen, paramilit&auml;rischen Netzwerken und erheblichem politischem Einfluss. Diese Parallelit&auml;t stabilisiert. Aufgaben k&ouml;nnen verlagert, Entscheidungen dezentral getroffen und Loyalit&auml;ten aufrechterhalten werden &ndash; auch dann, wenn zentrale Figuren fehlen.<\/p><p>Die Forschung zu gezielten T&ouml;tungen best&auml;tigt dieses Bild. In lose organisierten Gruppen k&ouml;nnen solche Schl&auml;ge Wirkung entfalten. In st&auml;rker strukturierten Organisationen werden Verluste oft aufgefangen. H&auml;ufig tritt sogar das Gegenteil ein: Nachfolger sind kompromissloser, weil moderatere Stimmen fehlen. F&uuml;r Staaten gilt diese zweite Logik meist st&auml;rker als die erste.[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p>Auch deshalb ist die pr&auml;zisere Schlussfolgerung ern&uuml;chternd: Solche T&ouml;tungen k&ouml;nnen kurzfristig Wirkung entfalten, aber sie ver&auml;ndern selten die strategische Grundlage des Konflikts. Mehr noch: Sie k&ouml;nnen den Gegner verh&auml;rten, Entscheidungsr&auml;ume verengen und den Einfluss der Sicherheitsapparate weiter vergr&ouml;&szlig;ern. Der Staat wird dann nicht schw&auml;cher im politischen Sinn, sondern oft h&auml;rter.<\/p><p><strong>Ein Schlusskommentar<\/strong><\/p><p>Das bislang belastbarste Zwischenfazit ist unbequem. Dieser Krieg hat milit&auml;rische Macht demonstriert, aber die strategische Lage der Angreifer nicht entscheidend verbessert. Er produziert hohe Kosten, offene Enden und eine Dynamik, die sich nicht sauber kontrollieren l&auml;sst. Luftangriffe k&ouml;nnen Anlagen zerst&ouml;ren und Menschen t&ouml;ten. Sie k&ouml;nnen aber nicht zugleich das Atomprogramm verl&auml;sslich kontrollieren, das Regime ersetzen, die Stra&szlig;e von Hormus sichern und die Wasser- und Energieversorgung einer ganzen Region dauerhaft sch&uuml;tzen<\/p><p>Man kann einwenden, dass sich am Ende dennoch eine neue Abschreckungslage einstellen k&ouml;nnte &ndash; falls der Iran milit&auml;risch so weit geschw&auml;cht wird, dass weder die Stra&szlig;e von Hormus noch kritische Infrastruktur ernsthaft bedroht werden k&ouml;nnen. Doch dieser Weg w&auml;re lang, teuer und politisch riskant. Er verlangte enorme Schutzanstrengungen, eine ausgeweitete R&uuml;stungsproduktion und breite Unterst&uuml;tzung der Verb&uuml;ndeten. Genau daran fehlt es bislang.<\/p><p>F&uuml;r Israel w&auml;re auf zynische Weise selbst ein halber Sieg strategisch brauchbar. Nicht erst ein Regimewechsel, schon ein auf Jahre paralysierter, wirtschaftlich verw&uuml;steter, kulturell verletzter und seelisch verwundeter Iran k&ouml;nnte als Erfolg verkauft werden &ndash; ein Iran, der nicht f&auml;llt, aber auf absehbare Zeit kein regionales Gegengewicht mehr bildet &ndash; eine hochstehende Kultur mit freundlichen Menschen in den Staub getreten durch westlich imperiale Anma&szlig;ung. Wer das f&uuml;r Strategie h&auml;lt, verwechselt sinnlose Zerst&ouml;rung mit politischem Erfolg.<\/p><p><strong>Nachtrag:<\/strong><\/p><p>Bei allem Abscheu f&uuml;r die iranische Regierung, ihre Gr&auml;ueltaten und die bedrohliche Menschenrechtslage m&uuml;ssen wir festhalten, dass der letzte eindeutig von Persien begonnene, gro&szlig; angelegte Angriffskrieg auf das Jahr 602 n. Chr. datiert, als das Sassanidenreich den Krieg gegen Byzanz er&ouml;ffnete und weite Teile des Nahen Ostens eroberte. Daf&uuml;r verdient das iranische Volk Respekt.<\/p><p><small>Titelbild: StreetOnCamara_Comeback \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/press.un.org\/en\/2026\/sgsm23033.doc.htm\">Nach den iranischen Angriffen<\/a> warnt der Generalsekret&auml;r den Sicherheitsrat vor einem umfassenderen Konflikt im Nahen Osten und fordert Deeskalation und einen sofortigen Waffenstillstand.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.airuniversity.af.edu\/Portals\/10\/AEtherJournal\/Journals\/Volume-1_Issue-1\/13-Pape.pdf\">Reine Luftkampagnen<\/a> k&ouml;nnen Staaten erheblich zerst&ouml;ren, aber ohne Kontrolle am Boden lassen sich politische Ordnungen nicht nachhaltig ver&auml;ndern.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/orsam.org.tr\/dosya\/iron-dome-air-defense-system-basic-characteristics-limitations-local-and-regional-implications.pdf\">IRON DOME<\/a> AIR DEFENSE SYSTEM: BASIC CHAR ACTERISTICS, LIMITATIONS, LOCAL AND REGIONAL IMPLICATIONS<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.inss.org.il\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/systemfiles\/SystemFiles\/Iron%20Dome%20Protection_%20Missile%20Defense%20in%20Israel%E2%80%99s%20Security%20Concept.pdf\">Iron Dome<\/a> Performance: Critique and Response<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"https:\/\/costsofwar.watson.brown.edu\/sites\/default\/files\/papers\/Costs-of-War_US-Support-Since-Oct7-FINALv2.pdf\">Kosten des Krieges:<\/a> Ausgaben der Vereinigten Staaten f&uuml;r israelische Milit&auml;roperationen und damit verbundene US-Operationen in der Region, 7. Oktober 2023 &ndash; 30. September 2024<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/openeclass.uom.gr\/modules\/document\/file.php\/UNI229\/TheRally-Round-the-FlagPhenomenonandtheDiversionaryUseofForce(1).pdf\">Das Ph&auml;nomen der &bdquo;Rally-&lsquo;Round-the-Flag&ldquo;<\/a>-Bewegung und der ablenkende Einsatz von Gewalt<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.rand.org\/content\/dam\/rand\/pubs\/monographs\/2008\/RAND_MG821.pdf\">Assessing the Domestic Roles<\/a> of Iran&rsquo;s Islamic Revolutionary Guards Corps<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.eia.gov\/todayinenergy\/detail.php?id=65504\">Im Jahr 2024<\/a> betrug der durchschnittliche &Ouml;ldurchfluss durch die Stra&szlig;e von Malakka 20 Millionen Barrel pro Tag.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.eia.gov\/international\/analysis\/special-topics\/World_Oil_Transit_Chokepoints\">Die saudische und die VAE-Pipeline<\/a> k&ouml;nnten &bdquo;about 4.7 million b\/d&ldquo; an Hormus vorbeileiten<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.imo.org\/en\/mediacentre\/hottopics\/pages\/middle-east-strait-of-hormuz.aspx\">Informationen zum Thema<\/a> Schifffahrt und Seeleute &ndash; Stra&szlig;e von Hormuz und Naher Osten.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.servat.unibe.ch\/icl\/ir00000_.html\">Verfassung der islamischen Republik Iran<\/a> &ndash; Article 111&nbsp; [Leadership Council], Abs. 2<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.belfercenter.org\/sites\/default\/files\/pantheon_files\/files\/publication\/Johnston.pdf\">Johnston, P.B. (2012)<\/a> &lsquo;Does Decapitation Work? Assessing the Effectiveness of Leadership Targeting in Counterinsurgency Campaigns&rsquo;, <em>International Security<\/em>, 36(4), pp. 47&ndash;79.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Krieg gegen Iran begann mit der alten Illusion vom schnellen Schlag: ein paar Tage Bombardierung, einige ausgeschaltete F&uuml;hrungspersonen, zerst&ouml;rte Anlagen &ndash; und am Ende soll ein politisch gef&uuml;gigeres Land stehen. Dahinter stand die Vorstellung, man k&ouml;nne ein politisches Problem milit&auml;risch abk&uuml;rzen. Doch schon nach wenigen Wochen zeigt sich: Die Angriffe treffen Ziele und fordern<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148055\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":148056,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,171],"tags":[1334,877,1494,951,1557,2520,2146,1418,2448,1556,335],"class_list":["post-148055","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-erdoel","tag-erdgas","tag-infrastruktur","tag-iran","tag-israel","tag-mord","tag-raketenabwehrschirm","tag-regime-change","tag-schifffahrt","tag-usa","tag-wasserversorgung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/shutterstock_2745996611.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148055","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=148055"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148055\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":148119,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148055\/revisions\/148119"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/148056"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=148055"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=148055"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=148055"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}