{"id":148246,"date":"2026-03-25T12:00:08","date_gmt":"2026-03-25T11:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148246"},"modified":"2026-03-29T08:02:25","modified_gmt":"2026-03-29T06:02:25","slug":"der-verfall-des-journalismus-wird-besonders-deutlich-wenn-man-in-die-vergangenheit-schaut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148246","title":{"rendered":"Der Verfall des Journalismus wird besonders deutlich, wenn man in die Vergangenheit schaut"},"content":{"rendered":"<p>Fr&uuml;her war nicht alles besser &ndash; die Berichterstattung der &Ouml;ffentlich-Rechtlichen schon. Erst gestern <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148210\">kritisierte<\/a> der Kollege Marcus Kl&ouml;ckner bei uns auf den <em>NachDenkSeiten<\/em> die Unsitte der zeitgen&ouml;ssischen Berichterstattung, auch und gerade in der Auslandsberichterstattung Stimmen, die gegen den politisch-medialen Mainstream sprechen, erst gar nicht zu Wort kommen zu lassen. Dieser vollkommen berechtigte Vorwurf kam mir gestern Abend wieder in den Sinn, als ich mehr durch Zufall auf eine alte Fernsehreportage der <em>ARD<\/em> zu den Geschehnissen rund um die Botschaftsbesetzung in Teheran im Jahre 1979 gesto&szlig;en bin. Diese alte Reportage zeigt vortrefflich, woran die heutige Berichterstattung krankt. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_528\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-148246-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260326_Der_Verfall_des_Journalismus_wird_besonders_deutlich_wenn_man_in_die_Vergangenheit_schaut_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260326_Der_Verfall_des_Journalismus_wird_besonders_deutlich_wenn_man_in_die_Vergangenheit_schaut_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260326_Der_Verfall_des_Journalismus_wird_besonders_deutlich_wenn_man_in_die_Vergangenheit_schaut_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260326_Der_Verfall_des_Journalismus_wird_besonders_deutlich_wenn_man_in_die_Vergangenheit_schaut_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=148246-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260326_Der_Verfall_des_Journalismus_wird_besonders_deutlich_wenn_man_in_die_Vergangenheit_schaut_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260326_Der_Verfall_des_Journalismus_wird_besonders_deutlich_wenn_man_in_die_Vergangenheit_schaut_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Lesen Sie dazu auch: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49498\">Fr&uuml;her war nicht alles besser &hellip; die Tagesschau aber schon<\/a><\/em><\/p><p>Wir erinnern uns: 1979 kam es im Iran zu einer Revolution. Der Schah &ndash; ein Verb&uuml;ndeter des Westens &ndash; fl&uuml;chtete in die USA, revolution&auml;re Studenten besetzten die US-Botschaft und das neue theokratische System sicherte im Dezember seine Macht durch ein Referendum zur neuen iranischen Verfassung. In den Tagen kurz vor diesem Referendum drehte ein WDR-Team rund um den Journalisten Wolfgang Korruhn in Teheran vor Ort und versuchte, den deutschen Zuschauern einen Einblick in die komplexe Lage vor Ort zu bieten. Die Reportage &bdquo;10 Tage Iran&ldquo; wurde im Dezember 1979 in der <em>ARD<\/em> ausgestrahlt.<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"auto\" style=\"aspect-ratio: 4 \/ 3\" src=\"\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/TUAsQM-Wmn0?si=iE4yYY-Jf9GV1IQ0\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p>Sicher sind die Inhalte dieser Reportage auch heute noch interessant. Sie ist mir aber weniger wegen der Inhalte, sondern mehr wegen ihrer Machart besonders positiv aufgefallen. Wenn Sie Zeit haben, g&ouml;nnen Sie sich doch bitte die 55 Minuten. Es lohnt sich.<\/p><p>Anders als heute wird hier nicht permanent &bdquo;eingeordnet&ldquo;. Dies wird &ndash; wie es sich journalistisch geh&ouml;rt &ndash; dem Publikum selbst &uuml;berlassen. Und damit das Publikum sich wirklich eine eigene Meinung bilden kann, werden ihm m&ouml;glichst ungefiltert Bilder und eingefangene O-T&ouml;ne pr&auml;sentiert. Man l&auml;sst sich Zeit. Die Journalisten stellen Fragen und geben den Gefragten den n&ouml;tigen Raum, ihre Sicht der Dinge zu transportieren. Die Hintergr&uuml;nde werden dabei m&ouml;glichst neutral und objektiv erkl&auml;rt; auch die Punkte, die der westlichen Position zuwiderlaufen. Generell kommen erstaunlich viele Stimmen zu Wort, die sich kritisch gegen&uuml;ber dem Westen &auml;u&szlig;ern. Man vermeidet dabei einfaches und holzschnittartiges Unterscheiden von &bdquo;Richtig&ldquo; und &bdquo;Falsch&ldquo;, &bdquo;Gut&ldquo; und &bdquo;B&ouml;se&ldquo;. Die reale Welt ist nun einmal komplexer und vielschichtiger.<\/p><p>Ich selbst war 1979 noch zu jung, aber als ich in den sp&auml;ten 1980ern ansatzweise verstanden habe, was einem da im Fernsehen gezeigt wird, habe ich derartige Reportagen und Berichte aus dem Ausland sehr gesch&auml;tzt. Irgendwann &auml;nderte sich das. Die Berichte wurden flacher und vor allem voreingenommener. Nicht das Publikum selbst, sondern die Journalisten ordneten nun das Gesehene ein und sagten ihren Zuschauern, was oder wie sie zu denken haben. Kritische Stimmen kamen in diesen Berichten immer weniger zu Wort.<\/p><p>Heute wirkt diese Reportage von 1979 eigenwillig anachronistisch. So kennt man den Fernsehjournalismus &ndash; wenn man etwas &auml;lter ist &ndash; nur noch aus fernen Erinnerungen an fr&uuml;her. Leider, m&ouml;chte man da sagen. Ich pers&ouml;nlich f&uuml;hle mich durch den zeitgen&ouml;ssischen Fernsehjournalismus ehrlich gesagt einfach nur intellektuell beleidigt. Dass die Macher einige Dinge anders sehen als ich &ndash; geschenkt. Das ist ihr gutes Recht, Meinungsfreiheit gilt f&uuml;r alle. Ihr Auftrag &ndash; der &uuml;brigens im Rundfunkstaatsvertrag klar definiert ist &ndash; lautet jedoch nicht, das Publikum zu indoktrinieren, sondern es m&ouml;glichst umfassend zu informieren. Objektive Information und einseitige subjektive Einordnung schlie&szlig;en sich jedoch aus.<\/p><p>Nun kann man nat&uuml;rlich das aktuelle Programm einfach ignorieren. Aus dem Freundeskreis und durch zahlreiche Leserzuschriften wei&szlig; ich, dass dies heute eher die Regel als die Ausnahme ist. Das ist auch sch&ouml;n und gut und sicher die bessere Option, als sich permanent intellektuell beleidigen und &uuml;bergriffig bevormunden zu lassen. Fr&uuml;her nahm der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk noch seinen Auftrag wahr und sorgte im Rahmen seiner M&ouml;glichkeiten daf&uuml;r, dass die Menschen schlauer wurden. Sp&auml;ter verlor er sich und bot ein indifferentes Programm, bei dem die Schlauen schlauer und die Dummen d&uuml;mmer wurden. Auch diese Zeiten sind vorbei. Heute werden alle d&uuml;mmer, nur dass die Schlauen zumindest noch merken, dass sie d&uuml;mmer gemacht werden sollen. Auch das wird wom&ouml;glich bald vorbei sein. Gut, dass es zumindest noch historische Zeitdokumente gibt, die uns zeigen, dass dies nicht immer so war.<\/p><p>p.s.: Heute Abend schaue ich mir einige alte Auslandsdokumentationen von Peter Scholl-Latour an, die gl&uuml;cklicherweise auch noch auf <em>YouTube<\/em> zu finden sind. Soll die Kiste doch aus bleiben.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot YouTube<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/3c9c9eb303a54a1ba7e07a87d654f93b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Beitrag<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148364\">Leserbriefe zu &bdquo;Der Verfall des Journalismus wird besonders deutlich, wenn man in die Vergangenheit schaut&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr&uuml;her war nicht alles besser &ndash; die Berichterstattung der &Ouml;ffentlich-Rechtlichen schon. 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