{"id":148323,"date":"2026-03-27T11:51:39","date_gmt":"2026-03-27T10:51:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148323"},"modified":"2026-03-27T15:12:19","modified_gmt":"2026-03-27T14:12:19","slug":"maenner-sind-schweine-warum-tun-wir-uns-solche-debatten-ueberhaupt-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148323","title":{"rendered":"M\u00e4nner sind Schweine? Warum tun wir uns solche Debatten \u00fcberhaupt an?"},"content":{"rendered":"<p>Die Welt brennt und Deutschland debattiert &ndash; um es im BILD-Duktus zu formulieren &ndash; &uuml;ber eine Beziehungsstraftat im Promi-Milieu. Und wie so oft, wenn Deutschland mal wieder debattiert, nimmt die Debatte skurrile Formen an. Da dachte man, der unselige Kulturkampf sei abgeebbt, und nun kehrt er mit Pauken, Trompeten und Trillerpfeifen vorm Brandenburger Tor zur&uuml;ck. Dort ist man sich einig, dass M&auml;nner Schweine sind und <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/panorama\/fall-ulmen-in-jedem-mann-schlummert-ein-monster-li.10025935?id=d7f6025d858b4d8482130e178205aced\">in jedem Mann ein Monster schlummert<\/a>. Trotz ausgiebiger Suche habe ich das Monster in mir noch nicht gefunden. Aber vielleicht habe ich ja schlichtweg zu wenig Tagesfreizeit, um mich auf diesen Unsinn einzulassen. Ein Kommentar von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8390\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-148323-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260327_Maenner_sind_Schweine_Warum_tun_wir_uns_solche_Debatten_ueberhaupt_an_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260327_Maenner_sind_Schweine_Warum_tun_wir_uns_solche_Debatten_ueberhaupt_an_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260327_Maenner_sind_Schweine_Warum_tun_wir_uns_solche_Debatten_ueberhaupt_an_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260327_Maenner_sind_Schweine_Warum_tun_wir_uns_solche_Debatten_ueberhaupt_an_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=148323-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260327_Maenner_sind_Schweine_Warum_tun_wir_uns_solche_Debatten_ueberhaupt_an_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260327_Maenner_sind_Schweine_Warum_tun_wir_uns_solche_Debatten_ueberhaupt_an_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Um was geht es bei der ganzen Debatte eigentlich? Als Medienprofi und Berufszyniker habe ich nat&uuml;rlich die Antwort sofort parat: Es geht um Klicks, Auflage, Aufmerksamkeits&ouml;konomie und Ablenkung. Und das gilt wohlgemerkt f&uuml;r alle Seiten des kulturk&auml;mpferischen Spektrums &ndash; von Luisa Neubauer, <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/luisa-neubauer---maenner-haben-glueck--dass-wir-keine-vergeltung-wollen--37247586.html\">die da meint<\/a>, die &bdquo;M&auml;nner h&auml;tten ein unglaubliches Gl&uuml;ck, dass wir keine Vergeltung wollen&ldquo;, bis hin zu <em>NIUS<\/em> und Co., die mal wieder von einem linken Staatsstreich <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=b6Zhah9btM8\">fabulieren<\/a>. Meine alte Oma &ndash; zum Gl&uuml;ck eine Frau und daher qua Geschlecht unverd&auml;chtig der Gewaltrhetorik &ndash; h&auml;tte gesagt: &bdquo;Alle in einen Sack und mit dem Kn&uuml;ppel drauf, da trifft man nie den Falschen&ldquo;.<\/p><p>Aber klar, abseits aufmerksamkeitsheischender Jahrmarktschreierei gibt es ja noch die inhaltliche Ebene. Und da geht es vordergr&uuml;ndig um digitale sexuelle Gewalt, um &bdquo;virtuelle Vergewaltigungen&ldquo;, wie es der <em>SPIEGEL<\/em> in seinem Aufmacher zur Kampagne formulierte. Das allein ist schon mal erstaunlich, da man derartige Debatten bei realer sexueller Gewalt ja meidet wie der Teufel das Weihwasser. Nur zur Erinnerung: Unser Kanzler hatte damals h&ouml;chstpers&ouml;nlich im Bundestag gegen die Strafbarkeit von sehr realer Vergewaltigung in der Ehe <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/gesetz-strafbarkeit-vergewaltigung-ehe-100.html\">gestimmt<\/a>. Und auch die &uuml;blichen Verd&auml;chtigen, die nun vorm Brandenburger Tor Emp&ouml;rung mimen, sind gar nicht so emp&ouml;rt, <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/panorama\/die-fernandes-kampagne-echte-vergewaltigungen-sind-egal-zensur-ist-das-ziel-li.10026842\">wenn es um reale Vergewaltigungen geht<\/a>.<\/p><p>W&auml;hrend die Selbstgerechten ihren Gratismut bei dem Thema &bdquo;virtuelle Vergewaltigungen&ldquo; feiern, werden Frauen, denen reale sexuelle Gewalt droht, <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/berlin-kurzt-beim-gewaltschutz-das-bedeuten-die-einsparungen-fur-projekte-zum-schutz-von-frauen-14671823.html\">im Regen stehengelassen<\/a>. Allein in Berlin sind pro Jahr <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/mord-korperverletzung-vergewaltigung-immer-mehr-gewalt-gegen-frauen-in-berlin-14605604.html\">fast 43.000 Frauen<\/a> Opfer gewaltt&auml;tiger &Uuml;bergriffe. 43.000 &ndash; das sind 118 F&auml;lle pro Tag. Und was macht die ach so empathische Politik? Sie k&uuml;rzt die Mittel f&uuml;r Schutzprojekte. Frauenh&auml;user werden geschlossen, Schutzsuchende m&uuml;ssen abgewiesen werden.<\/p><p>Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Es geht nicht darum, die Opfer realer und virtueller sexueller Gewalt gegeneinander aufzurechnen oder gar auszuspielen. Wer allerdings einen Fall virtueller sexueller Gewalt gnadenlos hochjazzt und zu realer sexueller Gewalt schweigt, ist bestenfalls unglaubw&uuml;rdig und schlimmstenfalls heuchlerisch.<\/p><p>Aber klar, diese Heuchelei kommt beim Publikum ja gut an. Warum eigentlich? Auch wenn viele es nicht h&ouml;ren wollen, unterscheiden wir bei der Debatte nun einmal zwischen guten und schlechten Opfern und guten und schlechten T&auml;tern. Ich will Frau Fernandes nicht zu nahe treten, aber die Prominenz ihres Falles ist selbstverst&auml;ndlich nicht von ihrer eigenen Prominenz und der Prominenz des Tatverd&auml;chtigen zu trennen. Die 43.000 gesichtslosen Berliner Frauen interessieren die &Ouml;ffentlichkeit so wenig wie ihre Peiniger. Aber so funktionieren ja derartige Debatten. F&uuml;r die &bdquo;Wegwerfm&auml;dchen&ldquo;, die von den elit&auml;ren Epstein-Freunden missbraucht wurden, interessiert sich ja auch niemand. W&auml;re Collien Fernandes nicht Schauspielerin, sondern Kellnerin in einer namenlosen Kneipe am Berliner Stadtrand, w&uuml;rde keine Zeitung &uuml;ber den Fall schreiben und kein Berufsemp&ouml;rter vor dem Brandenburger Tor gegen das angebliche Patriarchat demonstrieren. Alle Menschen sind gleich, aber einige sind offenbar doch gleicher als andere.<\/p><p>Aber auch der Tatverd&auml;chtige ist in diesem Fall aus aufmerksamkeits&ouml;konomischer Sicht geradezu ideal. Ginge es nicht um einen wei&szlig;en, biodeutschen Schauspieler, sondern um einen syrisch-st&auml;mmigen Taxifahrer, w&uuml;rden sich die &uuml;blichen Verd&auml;chtigen solcher Emp&ouml;rungsrituale allein schon deshalb zur&uuml;ckhalten, weil sie Angst h&auml;tten, dass ihr Kampf gegen das Patriarchat von ihrer X-Blase als Fremdenfeindlichkeit gedeutet werden k&ouml;nnte. Bei einem zugewanderten Tatverd&auml;chtigen w&uuml;rden jedoch auf der anderen Seite der Kulturkampffront die Emp&ouml;rten von <em>NIUS<\/em> und Co. ganz sicher auf Knopfdruck das ganz gro&szlig;e Fass aufmachen. Es ist alles so vorhersehbar.<\/p><p>Was mich an der ganzen Debatte jedoch am meisten emp&ouml;rt, ist der unverhohlene Sexismus, der hier aus allen Poren trieft. Sexismus? &ndash; werden nun einige Leser fragen. Auf was will der Berger denn nun hinaus? Ganz einfach. Nehmen wir doch mal an, der Tatverd&auml;chtige sei &ndash; um beim obigen Beispiel zu bleiben &ndash; ein syrisch-st&auml;mmiger Taxifahrer. W&uuml;rde nun eine AfD-Politikerin sich vors Brandenburger Tor stellen und behaupten, in allen Zuwanderern w&uuml;rde ein Monster schlummern und sie sollten doch bitte heilfroh sein, dass &bdquo;wir&ldquo; keine Vergeltung wollen, w&uuml;rde einem &ndash; vollkommen zu Recht &ndash; der Kiefer herunterklappen und es w&auml;re &ndash; ebenfalls vollkommen zu Recht &ndash; von Rassismus die Rede. Wenn dies Rassismus darstellt, warum sind derartige Spr&uuml;che gegen M&auml;nner dann kein Sexismus?<\/p><p>Nun bin ich qua Geburt ja ein Mann, also Monster, T&auml;ter und Patriarch in Personalunion. Und w&uuml;rde ich f&uuml;r <em>SPIEGEL<\/em>, <em>taz<\/em> und Co. schreiben, m&uuml;sste ich mich jetzt wohl von Christian Ulmen, meinen Geschlechtsgenossen und Gott und der Welt distanzieren. Allein den Gedanken daran finde ich gleichsam absurd und am&uuml;sant. Dass es m&auml;nnliche, weibliche und diverse Arschl&ouml;cher gibt, sollte bekannt sein. Und was ich nun mit einem Schauspieler, der &ndash; so die Vorw&uuml;rfe denn stimmen &ndash; offenbar gest&ouml;rt ist und ein ernstes Problem mit seiner Sexualit&auml;t hat, zu tun haben soll, leuchtet mir nicht so wirklich ein. W&uuml;rde man das ernst nehmen, k&auml;me man aus dem Distanzieren ja gar nicht mehr raus.<\/p><p>Was bleibt, sind eine mediale Kampagne, die f&uuml;r solche Kulturkampf-Debatten heute typische Maximalemp&ouml;rung und ganz viel Heuchelei. Und ich frage mich einmal mehr, warum ich mir diesen Unsinn &uuml;berhaupt antue. Wer derartige Debatten verfolgt oder gar an ihnen teilnimmt, hat offenbar zu viel Tagesfreizeit oder wei&szlig; sie nicht richtig zu verbringen. Sollen <em>SPIEGEL<\/em> und <em>BILD<\/em> doch schreiben, was sie wollen, sollen die Neubauers und Reichelts sich doch so viel emp&ouml;ren, wie sie wollen &ndash; f&uuml;r die Weltgeschichte und mehr noch f&uuml;r mein eigenes Leben k&ouml;nnte eigentlich nichts gleichg&uuml;ltiger sein. Oink, Oink.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot SPIEGEL<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/b6cf58889ad24e118d9f6ef4e02b5376\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Welt brennt und Deutschland debattiert &ndash; um es im BILD-Duktus zu formulieren &ndash; &uuml;ber eine Beziehungsstraftat im Promi-Milieu. Und wie so oft, wenn Deutschland mal wieder debattiert, nimmt die Debatte skurrile Formen an. 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