{"id":148484,"date":"2026-03-31T09:00:23","date_gmt":"2026-03-31T07:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148484"},"modified":"2026-03-31T20:19:40","modified_gmt":"2026-03-31T18:19:40","slug":"findet-trump-einen-ausweg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148484","title":{"rendered":"Findet Trump einen Ausweg?"},"content":{"rendered":"<p>Ohne verl&auml;ssliche Absprachen der Superm&auml;chte wird die Welt im Atomzeitalter nicht &uuml;berleben. Von <strong>Oskar Lafontaine<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7393\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-148484-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260331_Findet_Trump_einen_Ausweg_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260331_Findet_Trump_einen_Ausweg_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260331_Findet_Trump_einen_Ausweg_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260331_Findet_Trump_einen_Ausweg_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=148484-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260331_Findet_Trump_einen_Ausweg_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260331_Findet_Trump_einen_Ausweg_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Nachdem die von der CIA, dem Mossad und dem britischen MI6 unterst&uuml;tzten Proteste gegen das Mullah-Regime im Iran niedergeschlagen worden waren und der geplante Regimewechsel misslungen war, haben Donald Trump und Benjamin Netanjahu innerhalb weniger Monate den Iran zum zweiten Mal angegriffen, w&auml;hrend sie gleichzeitig mit ihm verhandelten und Friedensbereitschaft vort&auml;uschten.<\/p><p>Dass Trump ein notorischer L&uuml;gner ist, sagen nicht nur seine Gegner in den USA. Und Netanjahu steht ihm dabei in nichts nach. Seit drei Jahrzehnten behauptet er, der Iran stehe kurz davor, eine Atombombe zu bauen. Mit dieser L&uuml;ge wollte er die USA dazu bringen, das Land anzugreifen. Dass ihm das ausgerechnet bei Donald Trump gelang, der seine Wahl auch mit dem Versprechen gewonnen hat, die US-Kriege in aller Welt zu beenden, zeigt, wie gro&szlig; der Einfluss der Israel-Lobby mittlerweile in den Vereinigten Staaten ist.<\/p><p>Die US-Geheimdienste stellten in den zur&uuml;ckliegenden Jahren immer wieder klar, dass der Iran noch nicht in der Lage sei, Atombomben zu bauen. Auch der Behauptung Trumps, der Iran verf&uuml;ge bald &uuml;ber Interkontinentalraketen, die die USA bedrohen k&ouml;nnten, widersprachen die US-Dienste.<\/p><p><strong>Merz schie&szlig;t den Vogel ab<\/strong><\/p><p>Nun k&ouml;nnte man einwenden, auch andere US-Pr&auml;sidenten h&auml;tten mit L&uuml;gen Kriege begonnen, man denke nur an den Vietnamkrieg oder an den Irakkrieg. Aber es ist schon ein au&szlig;ergew&ouml;hnliches Betrugsman&ouml;ver, zwei Mal mit einem Land am Verhandlungstisch zu sitzen und w&auml;hrend der Verhandlungen dieses Land zu &uuml;berfallen. Ohne Vertrauen gibt es auch im Nahen Osten keinen Frieden. Aber wer kann Benjamin Netanjahu oder Donald Trump noch vertrauen? Sp&auml;testens seit dem Sechstagekrieg 1967 geht die Welt davon aus, dass Israel Atomwaffen hat, die heute von landgest&uuml;tzten Raketen, Kampfflugzeugen oder U-Booten eingesetzt werden k&ouml;nnen. Immer wieder wurde daher seit 1974 vom Iran und den arabischen Staaten eine atomwaffenfreie Zone f&uuml;r den Nahen Osten vorgeschlagen. Bei der letzten Abstimmung &uuml;ber einen solchen Antrag in New York im vergangenen Jahr stimmten 173 L&auml;nder mit Ja, drei mit Nein, drei enthielten sich, und 14 L&auml;nder nahmen an der Abstimmung nicht teil. Aber solange die USA und Israel nicht mitmachen, bleiben solche Abstimmungen folgenlos.<\/p><p>Auf die Idee, dass Europa bei diesem v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg eine vermittelnde Rolle &uuml;bernehmen k&ouml;nnte, kommt niemand mehr. Vielmehr erweisen sich die selbsternannten Sprecher Europas, Emmanuel Macron, Friedrich Merz und Keir Starmer, als unterw&uuml;rfige Vasallen und Feiglinge. W&auml;hrend Spanien und Norwegen den Angriff auf den Iran verurteilten, forderten sie: &bdquo;Der Iran muss seine willk&uuml;rlichen Milit&auml;rschl&auml;ge unterlassen&ldquo;, und riefen zur &bdquo;R&uuml;ckkehr an den Verhandlungstisch&ldquo; auf. Bedauerlicherweise haben sie T&auml;ter und Opfer verwechselt und vergessen, dass die Iraner am Verhandlungstisch sa&szlig;en und der Au&szlig;enminister des Oman einen Durchbruch bei den Verhandlungen meldete, als Trump und Netanjahu das Land &uuml;berfielen.<\/p><p>Den Vogel schoss wieder Bundeskanzler Merz ab: &bdquo;V&ouml;lkerrechtliche Einordnungen werden dabei relativ wenig bewirken&ldquo;, sagte er, als er gefragt wurde, wie er diesen Krieg beurteile. Anschlie&szlig;end blamierte er sich in Washington. In einer Pressekonferenz mit Donald Trump unterst&uuml;tzte er den V&ouml;lkerrechtsbruch des US-Pr&auml;sidenten und nickte beif&auml;llig, als dieser sagte, Spanien sei schrecklich, und mit Handelssanktionen drohte, weil Premierminister Pedro S&aacute;nchez den v&ouml;lkerrechtswidrigen Krieg verurteilte und den USA verbot, spanische Flugpl&auml;tze f&uuml;r diesen Krieg zu benutzen. So macht sich der deutsche Bundeskanzler in Europa keine Freunde. Wahrscheinlich hat er immer noch nicht bemerkt, welche Reaktionen seine vollmundige Ank&uuml;ndigung, Deutschland wolle die st&auml;rkste konventionelle Armee Europas aufbauen, vor allem in Paris und Warschau ausl&ouml;ste.<\/p><p>Die Verstimmung in Paris war mit H&auml;nden zu greifen, und hinter vorgehaltener Hand &auml;u&szlig;ern franz&ouml;sische Politiker deutlich Kritik. Der Intellektuelle Emmanuel Todd kommentierte: &bdquo;Die Aufr&uuml;stung und Militarisierung Deutschlands in einem von ihm beherrschten Europa ist f&uuml;r Russland eine Bedrohung.&ldquo; Polens Pr&auml;sident Karol Nawrocki sagte: &bdquo;Die Sicherheit Polens darf nicht von fremden Entscheidungen abh&auml;ngen&ldquo;, und wollte einen 44-Milliarden-Kredit der EU zur Beschaffung von R&uuml;stungsg&uuml;tern nicht annehmen. PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski verstieg sich zu der Aussage: &bdquo;Man schl&auml;gt uns ein Polen unter deutschem Stiefel vor, und diesen deutschen Stiefel lehnen wir ab.&ldquo;<\/p><p><strong>China &uuml;berholt die USA<\/strong><\/p><p>Das eigentliche Problem seiner Vasallentreue zu den USA hat Merz immer noch nicht begriffen. Daher ist er v&ouml;llig ungeeignet, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland zu sein. Die Lehre des Irankrieges ist, dass ein von den USA angegriffenes Land alle Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte attackiert, von denen aus das US-Milit&auml;r operiert. H&auml;tte der Iran weitreichende Raketen, dann h&auml;tte er l&auml;ngst versucht, nicht nur die US-Flugpl&auml;tze am Persischen Golf, sondern auch den Flughafen Ramstein zu zerst&ouml;ren, weil dieser das Drehkreuz aller US-Milit&auml;roperationen in Asien und Afrika ist.<\/p><p>Und nur weil Merz seine Ank&uuml;ndigung, mit Taurus-Marschflugk&ouml;rpern Russland anzugreifen, noch nicht umsetzen konnte, sind wir bisher von russischen Raketen verschont geblieben. Und vergessen wir nicht, schon die Mitteilung der <em>New York Times<\/em>, dass das US-Milit&auml;r von Wiesbaden aus Angriffe der ukrainischen Armee auf russisches Territorium steuert, h&auml;tte f&uuml;r Moskau ein Anlass sein k&ouml;nnen, diese US-Zentrale auf deutschem Boden anzugreifen.<\/p><p>Ob es uns passt oder nicht, die Zeit der &bdquo;einzigen Weltmacht&ldquo; (Zbigniew Brzezinski) ist vorbei. Russland ist auf die Weltb&uuml;hne zur&uuml;ckgekehrt, und die aufsteigende Macht des 21. Jahrhunderts, China, ist dabei, die USA technisch und wirtschaftlich zu &uuml;berholen. So, wie es aussieht, hat sich Trump verkalkuliert, als er Netanjahus Dr&auml;ngen nachgab und mit ihm den Iran &uuml;berfiel.<\/p><p>Russland und China greifen nicht direkt ein, aber sie unterst&uuml;tzen Teheran. Sie warten ab, wie sich die Dinge entwickeln. Um die auch in den USA steigenden Energiepreise in den Griff zu bekommen, hat Trump k&uuml;rzlich mit Wladimir Putin telefoniert und in geringem Umfang Sanktionen auf russische Energielieferungen aufgehoben. Gleichzeitig rief der US-Pr&auml;sident andere L&auml;nder, darunter China, auf, mit ihm die Stra&szlig;e von Hormus zu sichern. Als die gew&uuml;nschte Resonanz ausblieb, forderte er die NATO auf, diese Aufgabe zu &uuml;bernehmen, und drohte, falls diese sich weigere, mit ihrer Aufl&ouml;sung. Aber selbst die treuesten Vasallen versagen ihm die Gefolgschaft. Er hat gelernt: Auch in einer Welt, in der das Recht des St&auml;rkeren gilt, k&ouml;nnen Alleing&auml;nge scheitern. Bleiben die Energiepreise hoch, dann schlittert die Welt in eine Wirtschaftskrise, deren Ausma&szlig; noch nicht abzusehen ist und die auch die Wirtschaft der Vereinigten Staaten nicht verschonen wird. Findet der von Netanjahu zum Krieg &uuml;berredete US-Pr&auml;sident einen Ausweg? Die vielbeschworene regelbasierte Weltordnung gab es in der Vergangenheit nicht, vor allem weil die USA nicht im Geringsten daran dachten, sich an diese Regeln zu halten. Gerade hat John Mearsheimer wieder darauf hingewiesen, dass 38 Millionen Menschen den US-Kriegen von 1971 bis 2021 zum Opfer gefallen sind. Man will diese Zahl nicht glauben, aber sie zeigt, welch blutige Spur die &bdquo;unverzichtbare Nation&ldquo; in der Welt hinterlassen hat.<\/p><p>Im Atomzeitalter wird die Welt ohne Regeln, ohne verl&auml;ssliche Absprachen der Superm&auml;chte nicht &uuml;berleben. Das verloren gegangene Vertrauen muss wiederhergestellt werden, und w&auml;hrend verhandelt wird, darf hinter dem R&uuml;cken des Verhandlungspartners kein Krieg begonnen werden. Disengagement, R&uuml;stungskontrolle und Friedensdiplomatie sind besser als Kriege, die angezettelt werden, ohne zu &uuml;berlegen, wie sie beendet werden k&ouml;nnen.<\/p><p><em>Dieser Artikel erschien zuerst <a href=\"https:\/\/weltwoche.de\/story\/findet-trump-einen-ausweg\/\">in der Weltwoche Nr. 12.26<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Joshua Sukoff\/shuttestock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ohne verl&auml;ssliche Absprachen der Superm&auml;chte wird die Welt im Atomzeitalter nicht &uuml;berleben. 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