{"id":148504,"date":"2026-04-02T13:00:10","date_gmt":"2026-04-02T11:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148504"},"modified":"2026-04-02T13:19:18","modified_gmt":"2026-04-02T11:19:18","slug":"untersuchung-der-berichterstattung-zum-gaza-krieg-deutsche-journalisten-blamiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148504","title":{"rendered":"Untersuchung der Berichterstattung zum Gaza-Krieg: deutsche Journalisten blamiert"},"content":{"rendered":"<p>Wenn unsere Kollegen bei den nationalen Leitmedien ernst n&auml;hmen, was sie gerne &uuml;ber sich selbst kundtun, m&uuml;ssten sie sich jetzt sch&auml;men und &uuml;ber Konsequenzen nachdenken. Denn <strong>Fabian Goldmann<\/strong> hat in seinem Buch &bdquo;Staats(R&auml;son)funk&ldquo;, soeben beim Manifest-Verlag erschienen, akribisch untersucht, was sie im Fall des Gaza-Kriegs publiziert haben. Eine Rezension von <strong>Renate Dillmann<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7556\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-148504-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260331-Berichterstattung-zum-Gaza-Krieg-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260331-Berichterstattung-zum-Gaza-Krieg-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260331-Berichterstattung-zum-Gaza-Krieg-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260331-Berichterstattung-zum-Gaza-Krieg-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=148504-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260331-Berichterstattung-zum-Gaza-Krieg-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260331-Berichterstattung-zum-Gaza-Krieg-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Ergebnisse Goldmanns sind eindeutig. S&auml;mtliche journalistischen Prinzipien wie &bdquo;erst die Information, dann die Meinung&ldquo;, &bdquo;Verpflichtung zur &Uuml;berpr&uuml;fung von Quellen&ldquo; und &ndash; f&uuml;r die &Ouml;ffentlich-Rechtlichen &ndash; die &bdquo;Grunds&auml;tze der Objektivit&auml;t, Unparteilichkeit und Ausgewogenheit&ldquo; wurden so massiv verletzt, dass von Zufall keine Rede sein kann.<\/p><p><strong>Die M&auml;ngel &ndash; ohne Anspruch auf Vollst&auml;ndigkeit<\/strong><\/p><p>Es gab regelrechte L&uuml;gen. Nun sind L&uuml;gen &ndash; obwohl der Vorwurf der &bdquo;L&uuml;genpresse&ldquo; nicht wenig Anh&auml;nger hat &ndash; nicht unbedingt die Methode, mit der politische Journalisten versuchen, ihr Publikum in ihre Deutung der Ereignisse &bdquo;mitzunehmen&ldquo;; da gibt es wesentlich mehr und erfolgversprechendere (weil auch nicht so leicht aufzudeckende). Trotzdem kommen auch immer wieder L&uuml;gen im harten Sinn des Wortes vor &ndash; so bei der Darstellung des Hamas-&Uuml;berfalls auf Israel.<\/p><p>&bdquo;Sie schnitten Babys die K&ouml;pfe ab&ldquo;, behauptete etwa die <em>BILD-Zeitung<\/em> am 11. Oktober 2026; <em>Welt TV<\/em> veranstaltete eine Talkrunde mit dem Namen &bdquo;Die schlagen Babys die K&ouml;pfe ab&ldquo;, und die <em>Gie&szlig;ener Zeitung<\/em> schrieb von &bdquo;Bildern, die um die Welt gehen &hellip; Kleinkinder, die gek&ouml;pft wurden&ldquo;. (Seite 38)<\/p><p>Dass es weder diese Bilder gab noch die angeblich gek&ouml;pften Babys, erfuhren die Leser dieser Zeitungen nie, obwohl ein Sprecher des israelischen Au&szlig;enministeriums schon am 11. Oktober 2023 mitteilte, dass er diese Geschichte nicht best&auml;tigen k&ouml;nne, und israelische Regierungsvertreter wie Beamte das in den n&auml;chsten Wochen mehrfach wiederholten: Das j&uuml;ngste Opfer aus dem Kibbuz, um das es bei den Meldungen ging, war ein 15-j&auml;hriger Junge.<\/p><p>Zweitens blieb die Auswahl der Quellen extrem einseitig. Der Sprecher der israelischen Armee und dessen Behauptung, dass alles, was in den folgenden Jahren in Gaza bombardiert und systematisch zerst&ouml;rt wurde, eine Re-Aktion auf die &bdquo;b&ouml;se Tat&ldquo; des 7. Oktober war und dazu diente, die &bdquo;Terrororganisation Hamas&ldquo; auszuradieren, galt &uuml;ber Jahre hinweg als Prim&auml;rquelle, die ohne Nachfragen und Anmerkungen zitiert wurde.<\/p><p>Ganz anders sah das bei den Zahlen der Pal&auml;stinensischen Gesundheitsbeh&ouml;rde zu den Opfern in Gaza aus; diese wurden stets mit dem Hinweis versehen, dass dahinter die Hamas stecke und man den Zahlen daher nicht unbedingt vertrauen k&ouml;nne.<\/p><p>Nicht wenige Zuschauer bzw. Leser der Nachrichten hatten nach dem 7. Oktober bereits fr&uuml;h den Eindruck einer sehr parteilichen Berichterstattung gewonnen. Fabian Goldmann hat sich in seiner Studie die M&uuml;he gemacht, die verwendeten Quellen deutscher Medien und die Konsequenzen auf die Berichterstattung <em>empirisch<\/em> zu untersuchen.<\/p><p>Das Ergebnis ist erschlagend. &bdquo;Das Ausma&szlig;, in dem SPIEGEL und viele andere Medien v&ouml;llig unkritisch die Behauptungen der israelischen Armee &uuml;ber immer neue vermeintliche <em>Hamas<\/em>-Kommandozentralen &uuml;bernahmen, wurde im Laufe des Krieges fast schon zu einer Art tragischen Running Gag&ldquo;, schreibt der Autor, der 116 &bdquo;<em>Waffenlager<\/em>&ldquo;, 51 &bdquo;<em>Hauptquartiere<\/em>&ldquo; sowie sechs &bdquo;<em>Geheimdienstzentralen<\/em>&ldquo; in den deutschen Medien gez&auml;hlt hat, mit denen Israel die Bombardierung von Krankenh&auml;usern, Schulen oder Fl&uuml;chtlingslagern rechtfertigte.<\/p><p>Das fast v&ouml;llige Fehlen pal&auml;stinensischer Quellen und das ebenso durchg&auml;ngige Desinteresse gegen&uuml;ber der Berichterstattung des arabischen Senders <em>Al Jazeera<\/em> mit &bdquo;reichhaltigen, detaillierten und aktuellen Informationen&ldquo; geh&ouml;ren ins Bild.<\/p><p>Die Art ungleicher Repr&auml;sentation wiederholt sich bei den Titelzeilen: &bdquo;Von den 4.856 untersuchten &Uuml;berschriften beruhen 2.100 (43,3 Prozent) auf israelischen Quellen. Pal&auml;stinensische Angaben schafften es in lediglich 244 &Uuml;berschriften (5 Prozent).&ldquo; (Seite 91)<\/p><p>Goldmanns Analyse der Inhalte bringt drittens gravierende Defizite zu Tage. Beim &bdquo;Wording&ldquo;, d.h. bei den Benennungen von Ereignissen, Personen und Interessen, und ebenso bei der Darstellung von &bdquo;Kontexten und Hintergr&uuml;nden&ldquo; fallen Journalisten weit hinter ihre Selbstdarstellung von &bdquo;erst die Nachricht, dann der Kommentar&ldquo; bzw. zu objektiver Information zur&uuml;ck. Fabian Goldmann zeigt das an der verwendeten &bdquo;Sprache der Gewalt&ldquo;, die er in einem ganzen &bdquo;Glossar&ldquo; von A wie &bdquo;Anti-Terror-Einsatz&ldquo; bis Z wie &bdquo;Ziel&ldquo; zusammenfasst. (Seite 210 bis 228)<\/p><p>Im Vergleich mit der Berichterstattung zu Opfern und Zerst&ouml;rung im parallel laufenden Ukraine-Krieg wurden sowohl der Charakter wie die Gr&ouml;&szlig;enordnung des Kriegs in Gaza massiv verharmlost. Das gilt insbesondere f&uuml;r die deutschen Medien. W&auml;hrend bei US-amerikanischen und auch einigen europ&auml;ischen Zeitungen und Sendern bereits fr&uuml;h die genozidale Seite des israelischen Vorgehens thematisiert wurde, blieb das in Deutschland nicht nur ein von oben angeordnetes Tabu, sondern sorgte mit der Berufung auf die besondere deutsche Stellung gegen&uuml;ber Israel auch f&uuml;r staatliche, finanzielle und gesellschaftliche Repressalien gegen&uuml;ber abweichenden Deutungen.<\/p><p>Viertens stellt Fabian Goldmann heraus, wie verschieden deutsche Journalisten die Opfer des Kriegs w&uuml;rdigen und wie sie zwischen &bdquo;wertvollen&ldquo; und &bdquo;wertlosen&ldquo; Opfern unterscheiden. Empirisch waren israelische Opfer bis zum Redaktionsschluss seiner Studie &bdquo;um das 37-Fache &uuml;berrepr&auml;sentiert&ldquo;, bei der <em>BILD-Zeitung<\/em> sogar &bdquo;97-fach&ldquo;.<\/p><p>Die Inhaltsanalyse von Reportagen, die anhand menschlicher Schicksale &bdquo;Kriegspropaganda als Homestory&ldquo; bringen, zeigt, dass bedenkenlos mit der Empathie ihres Publikums gespielt wird, um Sympathie f&uuml;r den Krieg Israels zu erzeugen. &bdquo;Fast schon als eigene Rubrik in der deutschen Nahostberichterstattung k&ouml;nnen Geschichten &uuml;ber deutsch-israelische Soldaten gelten, die schweren Herzens ihre Familie und ihr komfortables Leben in Deutschland zur&uuml;cklassen, um in Gaza Israel ,gegen den Terror zu verteidigen&lsquo; &ndash; und die westliche Freiheit gleich mit (&hellip;) In den Monaten darauf werden in deutschen Medien Dutzende weitere solcher Beitr&auml;ge erscheinen. Was die meisten von ihnen gemein haben: selbstlose junge M&auml;nner, weinende Angeh&ouml;rige und kein Wort &uuml;ber die zahllosen Kriegsverbrechen, die Soldaten wie sie tagt&auml;glich im Gazastreifen begehen.&ldquo; (Seite 250)<\/p><p>Wer bis hierher den Eindruck gewonnen hat, dass Goldmanns Studie wissenschaftlich sauber, aber deshalb auch eher langweilig zu lesen sei, liegt falsch. Der Autor schafft es, eine wirklich pr&auml;zise empirische Untersuchung zu liefern, sich aber gleichzeitig nicht in &ouml;dem Zahlenwust zu verlieren. Das Lesen bleibt immer spannend, weil Goldmann kluge Nachfragen an die untersuchten Artikel\/Sendungen stellt und seine Inhaltsanalysen einfach gut gemacht sind.<\/p><p><strong>Die Frage nach den Ursachen<\/strong><\/p><p>Im Anschluss an seine Untersuchung, deren Ergebnisse viele schon vorher skeptische Medienkonsumenten nicht unbedingt &uuml;berraschen m&ouml;gen, die aber wegen ihrer geballten und eindeutigen Nachweise trotzdem beeindrucken, widmet sich Fabian Goldmann auf etwa siebzig Seiten der Erkl&auml;rung dessen, was er als &bdquo;Versagen und Komplizenschaft&ldquo; &uuml;bertitelt. Maike Gosch von den <em>NachDenkSeiten<\/em> hat dazu bereits ein ausf&uuml;hrliches <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=146790\">Interview<\/a> mit dem Autor gef&uuml;hrt.<\/p><p>&bdquo;Die Frage nach den Ursachen des journalistischen Versagens ist wom&ouml;glich die wichtigste, ist sie doch die einzige, die &ndash; wenn &uuml;berhaupt &ndash; in der Lage ist, einen Weg aus dem medialen Abgrund zu weisen. Gleichzeitig ist sie die mit Abstand am schwersten zu beantwortende.&ldquo; (Seite 301) Goldmann gibt seinen Lesern zun&auml;chst einen kurzen &Uuml;berblick &uuml;ber &bdquo;100 Jahre Medienkritik&ldquo; und dann sieben &bdquo;Denkanst&ouml;&szlig;e statt abschlie&szlig;ende(r) Erkl&auml;rungen&ldquo;.<\/p><p>Darunter finden sich<\/p><ul>\n<li>die &bdquo;N&auml;he zur Macht&ldquo;, die politische Journalisten f&uuml;r ihren Job ebenso brauchen wie goutieren und die dem Verfasser zufolge dazu f&uuml;hrt, dass sie die &bdquo;Positionen der Elite&ldquo; abbilden statt sie zu hinterfragen;<\/li>\n<li>die Strukturen der auf Profiterwirtschaftung ausgerichteten privatwirtschaftlichen Medienkonzerne, die bezahlte Zeit f&uuml;r Recherchen kappen und den Meldungen der Presseagenturen zunehmend eine faktische Monopolstellung einr&auml;umen;<\/li>\n<li>die Besetzung der Chefredaktionen, die die migrantische Bev&ouml;lkerung der BRD und damit die Vielfalt politischer Standpunkte nicht angemessen widerspiegelt;<\/li>\n<li>ein Pr&uuml;f- und Beschwerdesystem (Rundfunkr&auml;te und Presserat), das nur formell ein Kontrollverfahren vorspiegelt, ohne tats&auml;chlich Kontrolle auszu&uuml;ben.<\/li>\n<\/ul><p>W&auml;hrend diese vier Argumente fall&uuml;bergreifend gelten, nennt Goldmann drei weitere, die mit der Besonderheit des untersuchten Kriegs zu tun haben:<\/p><ul>\n<li>der besondere Bezug der deutschen Politik zu Israel als Teil der &bdquo;Staatsr&auml;son&ldquo;, an den die Medien einerseits unmittelbar nach dem 7. Oktober 2023 &bdquo;von oben&ldquo; erinnert wurden (u.a. durch Bundespr&auml;sident Steinmeier), der andererseits bereits tief verankert war (z.B. im Selbstverst&auml;ndnis des Springer-Konzerns);<\/li>\n<li>der anti-muslimische bzw. anti-arabische Rassismus, der seit dem westlichen &bdquo;Krieg gegen den Terrorismus&ldquo; als &bdquo;Kulturkampf&ldquo; in der deutschen Bev&ouml;lkerung fest pr&auml;sent und inzwischen weit in die Reihen von Gr&uuml;nen und Linken gesickert ist;<\/li>\n<li>der politische Druck des &bdquo;Anti-Semitismus&ldquo;-Vorwurfs, der gegen&uuml;ber Versuchen n&uuml;chterner Informationen unter Einbezug der Vorgeschichte des Konflikts, aber auch allen Formen von Empathie, Mitleid oder Solidarit&auml;t mit den Pal&auml;stinensern aufgemacht wurde.<\/li>\n<\/ul><p>Fabian Goldmann zeigt sich in seinen Schlussbemerkungen desillusioniert: &bdquo;Von der Vorstellung, es br&auml;uchte nur m&ouml;glichst fundierte und pr&auml;zise Medienkritik, um Journalistinnen wieder zur&uuml;ck auf den Pfad der Tugend zu f&uuml;hren, habe ich mich schon vor einer Weile verabschiedet. Wen zwei Jahre Genozid im Livestream nicht zum Nachdenken gebracht haben, bei dem werden auch ein paar bedruckte Seiten nichts ver&auml;ndern.&ldquo; (Seite 386)<\/p><p>Mit dieser Bemerkung liegt er meines Erachtens richtig &ndash; mit blo&szlig;en Worten ist diesem Konglomerat von Interessen, Macht und der Zurichtung der K&ouml;pfe nicht beizukommen. Die Erkenntnis &uuml;ber die Machtlosigkeit der eigenen Anstrengungen am Ende eines Buchs auszusprechen, das sehr viel Arbeit gekostet hat, ehrt den Verfasser.<\/p><p>Enden will Fabian Goldmann mit dieser deprimierenden Feststellung allerdings auch nicht: &bdquo;Guter, furchtloser und machtkritischer Journalismus ist m&ouml;glich.&ldquo; (Seite 386)<\/p><p>Damit bringt er seine Medienkritik allerdings ein wenig auf die Frage der pers&ouml;nlichen Charakterfestigkeit der einzelnen Journalisten herunter &ndash; was vielleicht einen etwas tiefer gehenden Mangel seiner Analyse offenbart.<\/p><p>Es ist n&auml;mlich nicht ganz richtig, dass die in der politischen Berichterstattung T&auml;tigen sich bei ihrer Arbeit enorm &bdquo;verbiegen&ldquo; m&uuml;ssten, um so berichten und zu kommentieren wie festgestellt. Die Sache ist leider erheblich h&auml;rter. Journalisten und Journalistinnen &ndash; jedenfalls die meisten von ihnen &ndash; berichten nicht wegen des Geldes, ihrer angestrebten Zugeh&ouml;rigkeit zur politischen Elite oder wegen des politischen Drucks so, wie sie es tun, sondern durchaus aus innerer &Uuml;berzeugung: Sie teilen vielmehr &ndash; wie &uuml;brigens auch die meisten ihrer Leser &ndash; die au&szlig;enpolitischen, nicht gerade bescheidenen Erfolgsanspr&uuml;che der deutschen Nation, und das um so mehr, als sie sich dabei auf der Seite der &bdquo;Guten&ldquo; sehen, sprich: des Westens und seiner Werte.<\/p><p>Ihr Blick auf die Welt ist daher von Anfang an nicht der in der journalistischen Ausbildung oder Selbstdarstellung idealisierte: unbestechlich, distanziert, vom Wunsch beseelt, dem Publikum Informationen zu vermitteln, aus denen dieses seinerseits seine Schl&uuml;sse ziehen kann. Sondern es handelt sich &ndash; bei den Medien wie bei ihren Lesern und Zuschauern &ndash; mehrheitlich um um den Erfolg ihrer Nation besorgte Staatsb&uuml;rger, die deshalb im Einzelfall auch anf&auml;llig sind f&uuml;r eine extrem parteiliche, quasi &bdquo;leitplankengest&uuml;tzte&ldquo; Berichterstattung, wenn das von den F&uuml;hrern der Nation gewollt wird.<\/p><p>Fabian Goldmanns ausgezeichnete Untersuchung sollte nicht nur, aber zumindest in jeder &ouml;ffentlichen Bibliothek stehen, damit jeder Medienkonsument nachlesen kann, wie im Fall des Gaza-Kriegs in der deutschen Presse berichtet wurde. Gleichzeitig wird sie es eben wegen der offiziellen deutschen Haltung im Gaza-Krieg wohl kaum dorthin schaffen &ndash; so viel Zensur ist in Deutschland inzwischen Usus, wobei sich die Verfasserin gerne vom Gegenteil &uuml;berzeugen lassen w&uuml;rde. Die Ergebnisse der Analyse k&ouml;nnten zudem einen Ansto&szlig; liefern, &uuml;ber den nationalen Blick der &bdquo;Vierten Gewalt&ldquo; weiter nachzudenken &hellip;<\/p><p><em>Fabian Goldmann: Staats(R&auml;son)funk. Deutsche Medien und der Genozid in Gaza. Berlin 2026, Manifest Verlag, Taschenbuch, 407 Seiten, ISBN 978-3961561452, 22 Euro.<\/em><\/p><p><em>Renate Dillmann hat selbst ein Buch zur Kritik der Medien ver&ouml;ffentlicht: Medien. Macht. Meinung. Auf dem Weg in die Kriegst&uuml;chtigkeit. PapyRossa 2025<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Manifest Verlag<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/84cd98dc35654f32869d4f980765f2d0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn unsere Kollegen bei den nationalen Leitmedien ernst n&auml;hmen, was sie gerne &uuml;ber sich selbst kundtun, m&uuml;ssten sie sich jetzt sch&auml;men und &uuml;ber Konsequenzen nachdenken. 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