{"id":148657,"date":"2026-04-06T13:00:18","date_gmt":"2026-04-06T11:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148657"},"modified":"2026-04-03T09:54:51","modified_gmt":"2026-04-03T07:54:51","slug":"technofeudalismus-das-weltbild-freiheit-mensch-und-macht-serie-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148657","title":{"rendered":"\u201eTechnofeudalismus&#8221; &#8211; das Weltbild: Freiheit, Mensch und Macht (Serie, Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p>Diese Serie untersucht angesichts des wachsenden Einflusses der privaten IT-Branche das Spannungsverh&auml;ltnis zwischen &ouml;konomischer Macht, technologischer Infrastruktur und demokratischer Ordnung. Zentral ist dabei die Frage, ob sich gegenw&auml;rtig eine Form von Herrschaft herausbildet, in der wichtige gesellschaftliche Funktionen zunehmend privat kontrolliert werden &ndash; von Kommunikation &uuml;ber Sicherheit bis zu Marktorganisation. Die Serie schl&auml;gt einen Bogen vom Weltbild zentraler IT-Akteure wie Peter Thiel oder Balaji Srinivasan &uuml;ber &ouml;konomische Strategien, technologische Instrumente und politische Einflussnahme bis zu Zukunftsentw&uuml;rfen und einer systematischen Einordnung dieser Entwicklungen. Von <strong>Detlef Koch<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2757\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-148657-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260402_Technofeudalismus_das_Weltbild_Freiheit_Mensch_und_Macht_Serie_Teil_1_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260402_Technofeudalismus_das_Weltbild_Freiheit_Mensch_und_Macht_Serie_Teil_1_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260402_Technofeudalismus_das_Weltbild_Freiheit_Mensch_und_Macht_Serie_Teil_1_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260402_Technofeudalismus_das_Weltbild_Freiheit_Mensch_und_Macht_Serie_Teil_1_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=148657-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260402_Technofeudalismus_das_Weltbild_Freiheit_Mensch_und_Macht_Serie_Teil_1_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260402_Technofeudalismus_das_Weltbild_Freiheit_Mensch_und_Macht_Serie_Teil_1_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Einleitung: Was bedeutet Freiheit im digitalen Kapitalismus?<\/strong><\/p><p>Lange schien die Antwort festzustehen. Freiheit entstand aus einer Verbindung von Rechtsstaat, Demokratie und Markt. Eigentum sollte gesch&uuml;tzt, Macht begrenzt, soziale Konflikte politisch vermittelt werden. Diese Ordnung war nie widerspruchsfrei, setzte aber voraus, dass Markt und Demokratie sich grunds&auml;tzlich verbinden lassen.<\/p><p>Dieser Zusammenhang wird heute in Teilen der Tech- und Investorenwelt offen bestritten. Peter Thiel, Mitgr&uuml;nder von PayPal und einer der einflussreichsten Tech-Investoren im Silicon Valley, formulierte das 2009 in seinem Aufsatz &bdquo;The Education of a Libertarian&ldquo;[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>], der viele Debatten gepr&auml;gt hat: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Ich glaube nicht mehr, dass Freiheit und Demokratie vereinbar sind.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Der Satz trennt Freiheit und Volkssouver&auml;nit&auml;t. Seine radikal libert&auml;re Position, in der Demokratie als potenzielle Einschr&auml;nkung wirtschaftlicher Freiheit erscheint, wird von immer mehr Menschen als Bedrohung wahrgenommen.<\/p><p>Entscheidend sind die Grundannahmen: Welches Menschenbild steht dahinter? Was bedeutet Freiheit, wenn politische Gleichheit zum St&ouml;rfaktor wird? Und warum erscheint wirtschaftliche Gr&ouml;&szlig;e f&uuml;r manche Menschen nicht als Gefahr, sondern als L&ouml;sung?<\/p><p><strong>Der Mensch: nicht gleich, nicht planbar &ndash; und oft doch nur Menschenmaterial f&uuml;r die &bdquo;Besten&ldquo;<\/strong><\/p><p>Im klassischen Liberalismus beginnt die Argumentation mit Skepsis. Friedrich August von Hayek, der zentrale Theoretiker des Neoliberalismus im 20. Jahrhundert, misstraut der Idee, eine Gesellschaft lasse sich vern&uuml;nftig von oben ordnen. Sein Grund ist die Einsicht in menschliche Begrenzung: Wissen ist verteilt, niemand &uuml;berblickt das Ganze. Diese Einsicht richtet sich gegen Planung, f&uuml;hrt aber zu einer marktkonformen Antwort. Ordnung soll aus vielen Einzelentscheidungen entstehen, nicht aus politischem Gestaltungswillen.<\/p><p>Hayeks Menschenbild ist keineswegs egalit&auml;r. Er schreibt ausdr&uuml;cklich, die Menschen seien sehr unterschiedlich und gerade deshalb f&uuml;hre Gleichbehandlung zu ungleichen Ergebnissen. &bdquo;Gleichheit vor dem Gesetz und materielle Gleichheit sind daher nicht nur verschieden, sondern stehen im Widerspruch zueinander [&hellip;]&ldquo;[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>], hei&szlig;t es bei ihm.<\/p><p>Das ist ein Kern seines Freiheitsbegriffs. Gleichheit erscheint nicht als Ziel einer freien Ordnung, sondern als deren Gegenprinzip. So verschiebt sich der Liberalismus von der Frage, wie Freiheit sozial gesichert werden kann, zur Behauptung, soziale Angleichung zerst&ouml;re Freiheit. Aus dem Schutz des Einzelnen vor Macht wird der Schutz ungleicher Verf&uuml;gungsmacht vor politischer Korrektur.<\/p><p>Im neueren Technologiediskurs versch&auml;rft sich das zu einer Zweiteilung: hier die vielen, dort die wenigen, die sehen, was andere nicht sehen. Im von Blake Masters und Peter Thiel verfassten Buch &bdquo;Zero to One&ldquo; wird der Gr&uuml;nder zur zentralen Figur. Innovation wird zur Leistung weniger Ausnahmeakteure. So wird politische Gleichheit nicht frontal bestritten, aber praktisch entwertet: Fortschritt und Legitimit&auml;t binden sich an wenige.<\/p><p><strong>Freiheit: nicht Mitbestimmung, sondern Schutz von Eigentum und die M&ouml;glichkeit zum Ausstieg<\/strong><\/p><p>An dieser Stelle beginnt der Freiheitsbegriff, sich zu verschieben. Hayek definierte Freiheit noch klassisch negativ: als Abwesenheit von Zwang. Was er scharf ablehnt, ist jede Ausweitung des Freiheitsbegriffs in Richtung sozialer Sicherheit oder materieller Teilhabe. Seine Polemik gegen eine &bdquo;neue Freiheit&ldquo;, in der die Mehrheit Anspr&uuml;che gegen den Einzelnen erhebt, zeigt die Sto&szlig;richtung. Freiheit bedeutet bei ihm gerade nicht Schutz vor Armut oder sozialer Ohnmacht, sondern Schutz vor Eingriffen in Eigentum und Vertrag. Das ist aus der Eigentumsperspektive plausibel, nicht aus der von Abh&auml;ngigkeit.<\/p><p>Thiel geht weiter. In <em>The Education of a Libertarian<\/em> bleibt Freiheit zwar das Leitwort, aber Politik erscheint nur noch als Bedrohung. Sein Ziel ist nicht mehr, demokratische Prozesse zu verbessern, sondern ihnen zu entkommen &ndash; &bdquo;escape from politics in all its forms&ldquo;. Freiheit wird dadurch r&auml;umlich und sozial neu verortet: nicht mehr als Recht innerhalb einer gemeinsamen Ordnung, sondern als Distanz zu ihr. Das setzt voraus, dass man sich &ouml;konomisch, rechtlich und praktisch &uuml;berhaupt entziehen kann.<\/p><p>Der Tech-Unternehmer und Vordenker digitaler Parallelgesellschaften Balaji Srinivasan systematisiert diese Verschiebung. In seinem Buch &bdquo;The Network State&ldquo; wird Freiheit zur Option des Austritts jenseits gesamtgesellschaftlicher Bindung. Wer unzufrieden ist, soll nicht um politische Mehrheiten ringen, sondern eine neue Gemeinschaft gr&uuml;nden, Kapital sammeln, Territorien erwerben und Anerkennung suchen. Der zentrale Freiheitsakt ist nicht die W&auml;hlerstimme, sondern der Exit. <\/p><p>Damit verschiebt sich Freiheit von gleicher politischer Mitbestimmung zu privilegiertem Zugriff auf Ausweichr&auml;ume. Die Formel lautet: Wer kann, geht. Wer nicht kann, bleibt in bestehenden Infrastrukturen gebunden. <\/p><p>Exit, also der Austritt aus bestehenden Rechts- und Sozialordnungen, ist keine allgemein verf&uuml;gbare Option. Er setzt Kapital, Mobilit&auml;t, Rechtszugang und Anschlussf&auml;higkeit voraus und produziert so ein Verh&auml;ltnis zwischen mobilen wenigen und gebundenen vielen. Wer mit der Jurisdiktion nicht einverstanden ist, soll eine eigene Rechtssph&auml;re er&ouml;ffnen k&ouml;nnen; wer diese Mittel nicht hat, bleibt auf vorgegebene Ordnungen verwiesen. Feudal ist daran nicht eine R&uuml;ckkehr zur Vergangenheit, sondern dass Freiheit sich in ungleich verteiltem Zugang zu Schutz, Raum, Jurisdiktion und Zugeh&ouml;rigkeit materialisiert.<\/p><p><strong>Demokratie: vom Korrektiv zum Risiko<\/strong><\/p><p>Wenn Freiheit vor allem als Schutz von Eigentum, Kapital und Beweglichkeit verstanden wird, ger&auml;t Demokratie fast zwangsl&auml;ufig unter Verdacht. Mehrheiten k&ouml;nnten Eigentumsrechte begrenzen, Steuern erh&ouml;hen, Sozialleistungen ausbauen oder M&auml;rkte regulieren.<\/p><p>Hayek versucht, diesen Konflikt zu entsch&auml;rfen, indem er Demokratie auf ein Verfahren reduziert. In seiner Constitution of Liberty steht bezeichnend: &bdquo;Democracy a means, not an end.&ldquo;[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Demokratie ist bei ihm nicht der h&ouml;chste Wert, sondern ein Werkzeug unter Vorbehalt. Entscheidend bleiben Rechtsstaat, allgemeine Regeln und der Schutz vor Umverteilung. Damit wird Macht begrenzt, aber auch die Frage eingehegt, wie Eigentumsmacht demokratisch korrigierbar bleibt.<\/p><p>Bei Thiel f&auml;llt dieser Vorbehalt sch&auml;rfer aus. Seine Formel sagt offen, was im neoliberalen Denken oft nur implizit bleibt: Demokratische Mehrheiten erscheinen nicht als politische Form der Freiheit, sondern als Gef&auml;hrdung von Eigentum. Der B&uuml;rger wird zum m&ouml;glichen Umverteiler fremden Eigentums; der Konflikt verschiebt sich von Machtbegrenzung zu Besitzstandssicherung.<\/p><p>Hans-Hermann Hoppe treibt diesen Gedanken an den Rand. In &bdquo;Democracy: The God That Failed&ldquo;[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] beschreibt er demokratische Regierungen als &bdquo;tempor&auml;rer und austauschbarer Betreuer&ldquo;. Weil diese &bdquo;Betreuer&ldquo; das Gemeinwesen nicht bes&auml;&szlig;en, sondern nur vor&uuml;bergehend nutzten, seien sie zu Ausbeutung, Verschuldung und Inflation geneigt. Demokratie erscheint so als Struktur der Enteignung. Die Gleichung Eigentum = bessere Herrschaft setzt voraus, dass Eigent&uuml;mer langfristig handeln, und &uuml;bersieht private Machtkonzentration.<\/p><p>Damit wird ein Grundzug sichtbar: Die soziale und demokratische Frage wird in dieser Denktradition nicht als notwendige Begrenzung wirtschaftlicher Macht gelesen, sondern als Gefahr f&uuml;r Eigentum und Kapitalanh&auml;ufung.<\/p><p><strong>Eliten: vom Misstrauen gegen Herrschaft zur Aufwertung des Gr&uuml;nders<\/strong><\/p><p>Der klassische Liberalismus misstraute staatlichen Eliten, weil sie Wissen und Macht zentralisieren. Im Technologiediskurs bleibt das Misstrauen gegen B&uuml;rokratien, erg&auml;nzt durch die Hoffnung auf F&uuml;hrung durch Gr&uuml;nder.<\/p><p>Srinivasan formuliert das ungew&ouml;hnlich offen. &bdquo;Ein Gr&uuml;nder ist die beste Art von F&uuml;hrungskraft&ldquo;[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>], schreibt er. Der Gr&uuml;nder sei deshalb &uuml;berlegen, weil seine Autorit&auml;t aus Aufbau, Zustimmung und Anschluss entstehe. In Anlehnung an Ben Horowitz sagt Srinivasan, &bdquo;man braucht diese Macht manchmal, um schwierige, aber wichtige Entscheidungen zu treffen&ldquo;[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>], und begr&uuml;ndet so die Gr&uuml;nderkontrolle. Das ist eine Sprache, in der Legitimit&auml;t nicht mehr aus &Ouml;ffentlichkeit und Verfahren kommt, sondern aus Gr&uuml;ndung, Kontrolle und Erfolg.<\/p><p>Der Schritt ist klein, aber politisch folgenreich. Aus der Kritik an B&uuml;rokratie wird die Aufwertung einer neuen F&uuml;hrungsfigur. Nicht der Beamte, nicht der Abgeordnete, sondern der Gr&uuml;nder erscheint als derjenige, der entscheiden darf. Und weil jeder &bdquo;zu jeder Zeit aussteigen&ldquo; k&ouml;nne, erscheint diese Herrschaft als freiwillige Bindung statt als Herrschaft. Das gilt nur unter Bedingungen realer Alternativen. Wo Austritt Kosten hat, Netzeffekte binden und Zugang privat organisiert ist, wird aus Zustimmung leicht strukturelle Abh&auml;ngigkeit. Der feudale Kern liegt dann nicht in offener Unterwerfung, sondern darin, dass Macht nicht &ouml;ffentlich legitimiert wird, sondern als private Ordnung &uuml;ber Zugeh&ouml;rigkeit, Zugang und Anschluss erscheint.<\/p><p><strong>Wettbewerb und Monopol: der vielleicht klarste Bruch<\/strong><\/p><p>Am deutlichsten wird der Wandel beim Monopolbegriff. F&uuml;r Hayek ist Wettbewerb ein Entdeckungsverfahren. Gerade weil Menschen nur bruchst&uuml;ckhaft wissen, was m&ouml;glich ist, braucht es den Versuch vieler. Konkurrenz hat hier eine erkenntnispolitische Funktion.<\/p><p>Thiel dreht diese Logik um. &bdquo;Competition is for losers&ldquo;, schreibt er. Nicht Wettbewerb, sondern Monopol wird zum Ziel erfolgreicher Unternehmen. Das Monopol ist bei ihm nicht zuerst Missbrauch von Marktmacht, sondern Auszeichnung: der Lohn f&uuml;r Einzigartigkeit, Vorsprung, technische &Uuml;berlegenheit. Gewinne, Planungstiefe und Dauer sollen dort entstehen, wo Konkurrenz ausgeschaltet oder weitgehend neutralisiert ist.<\/p><p>Das ist mehr als eine pointierte Managementthese. Es ist eine neue politische Spielart wirtschaftlicher Macht. Wenn Monopol als Ergebnis erfolgreicher Innovation erscheint, verliert die alte liberale Vorsicht gegen&uuml;ber Konzentration an Kraft. Aus dem Misstrauen gegen geballte Macht wird die Aufwertung erfolgreicher Machtballung. Gr&ouml;&szlig;e wird so zum G&uuml;tesiegel &ndash; aus der Perspektive von Innovation plausibel, nicht aber aus der von Abh&auml;ngigkeit und realer Wahlfreiheit.<\/p><p><strong>Kapitalismus: nicht mehr eingebettet, sondern exklusiv<\/strong><\/p><p>Das ideelle Feld, das hier sichtbar wird, reicht von einem rechtsstaatlich, aber nicht sozialpolitisch abgesicherten Kapitalismus bis zu Entw&uuml;rfen, die politische Bindung selbst als Belastung empfinden. Hayek verteidigt M&auml;rkte gegen Gleichheitsanspr&uuml;che. Hoppe verteidigt Eigentum gegen Demokratie. Srinivasan denkt politische Gemeinschaft bereits nach dem Modell des Start-ups. Gemeinsam ist diesen Positionen weniger eine einheitliche Lehre als eine Verschiebung: Freiheit bindet sich st&auml;rker an Eigentum, Kapital und Austrittsf&auml;higkeit und schw&auml;cher an soziale Gleichheit, demokratische Aushandlung und &ouml;ffentliche Verantwortung. <\/p><p>Der Begriff Technofeudalismus kann daf&uuml;r analytisch sinnvoll sein, wenn er nicht als Epochenvergleich missverstanden wird. Feudal ist daran nicht eine R&uuml;ckkehr zum Mittelalter, sondern die Verlagerung von allgemein verbindlichen Rechten auf privat kontrollierte Zug&auml;nge, Infrastrukturen und Mitgliedschaften.<\/p><p>Das ist keine einheitliche Lehre, aber eine erkennbare Denkrichtung. Sie verschiebt die Frage von der politischen Ordnung des Gemeinwohls zur privaten Verf&uuml;gung &uuml;ber Ressourcen, Netze und R&auml;ume. Private Ordnung hei&szlig;t dann nicht Machtverzicht, sondern Machtverlagerung. Aus dem B&uuml;rger wird tendenziell ein Eigent&uuml;mer, Kunde oder Mitglied; aus Gesellschaft ein Markt von Zugeh&ouml;rigkeiten.<\/p><p><strong>Schlussbetrachtung<\/strong><\/p><p>Die Texte aus dem Umfeld von Hayek, Thiel, Hoppe und Srinivasan zeigen keine geschlossene Ideologie, aber eine deutliche Bewegung. <\/p><p>Der Schwerpunkt verschiebt sich von Marktbeziehungen unter formal Gleichen zu asymmetrisch kontrollierten Abh&auml;ngigkeitsverh&auml;ltnissen. Demokratie erscheint nicht mehr als Voraussetzung freier Gesellschaften, sondern als Risiko f&uuml;r Verm&ouml;gen, Planung und Ordnung. Der Gr&uuml;nder gewinnt an W&uuml;rde, die &Ouml;ffentlichkeit verliert an Gewicht. Wo Ressourcen, Netze, Plattformen und Zug&auml;nge privat kontrolliert werden, n&auml;hert sich Freiheit f&uuml;r viele der Form eines abh&auml;ngigen Zugangs an, nicht der eines gleichen Rechts. <\/p><p>Das ist keine neue Weltordnung und kein Mittelaltervergleich, sondern eine strukturelle Diagnose der Gegenwart. Die offene Frage lautet daher, was geschieht, wenn ihre Begriffe von Freiheit, F&uuml;hrung und Markt auf Staaten, Plattformen und Verm&ouml;gen globaler Reichweite treffen. Das wird im zweiten Teil der Serie er&ouml;rtert.<\/p><p><small>Titelbild: Just dance \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.cato-unbound.org\/2009\/04\/13\/peter-thiel\/education-libertarian\/\">The Education of a&nbsp;Libertarian<\/a>: I no longer believe that freedom and democracy are compatible.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] &ldquo;From the fact that people are very different it follows that, if we treat them equally, the result must be inequality in their actual position, and that the only way to place them in an equal position would be to treat them differently. Equality before the law and material equality are therefore not only different but are in conflict with each other; and we can achieve either one or the other, but not both at the same time.&rdquo;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Hayek, <em>Constitution of Liberty:<\/em> Diese Bemerkungen sollen lediglich verdeutlichen, dass selbst der &uuml;berzeugteste Demokrat kaum behaupten kann, jede Ausweitung der Demokratie sei grunds&auml;tzlich positiv. So &uuml;berzeugend die Argumente f&uuml;r die Demokratie auch sein m&ouml;gen, sie ist kein absoluter Wert und muss anhand ihrer tats&auml;chlichen Errungenschaften beurteilt werden. Sie ist vermutlich das beste Mittel, um bestimmte Ziele zu erreichen, aber kein Zweck an sich.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.riosmauricio.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Hoppe_Democracy_The_God_That_Failed.pdf\">Democracy<\/a>: The God That Failed<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Balaji Srinivasan, <a href=\"https:\/\/thenetworkstate.com\/book\/tns.pdf\">The Network State<\/a>: A founder is the best kind of leader, because they have the legitimacy associated with building an organization from scratch. Unlike a dictator, their authority isn&rsquo;t forced upon the population, and anyone can exit at any time. And unlike a media oligarchy, a founder&rsquo;s authority doesn&rsquo;t arise from propagandistic bombardment but from free choice.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Read Ben Horowitz on courage: &ldquo;On the surface, it appears that if the decision is a close call, it&rsquo;s much safer to go with the crowd. In reality, if you fall into this trap, the crowd will influence your thinking and make a 70\/30 decision seem like a 51\/49 decision. This is why courage is critical.&rdquo; But courage alone is not always enough &ndash; you need sufficient control to be able to execute that courageous decision. That&rsquo;s where founder control comes in.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Serie untersucht angesichts des wachsenden Einflusses der privaten IT-Branche das Spannungsverh&auml;ltnis zwischen &ouml;konomischer Macht, technologischer Infrastruktur und demokratischer Ordnung. 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