{"id":148794,"date":"2026-04-07T15:00:16","date_gmt":"2026-04-07T13:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148794"},"modified":"2026-04-07T15:21:23","modified_gmt":"2026-04-07T13:21:23","slug":"reden-vom-ostermarsch-bedrueckend-ist-wie-seit-februar-2022-eine-schleichende-militarisierung-unsere-gesellschaft-durchzieht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148794","title":{"rendered":"Reden vom Ostermarsch: \u201eBedr\u00fcckend ist, wie seit Februar 2022 eine schleichende Militarisierung unsere Gesellschaft durchzieht\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Bei der Essener Auftaktkundgebung des Ostermarsches Rhein\/Ruhr am Ostersonntag zitierten die Aktivisten vor hunderten Demonstranten unterst&uuml;tzende Gru&szlig;worte bekannter Pers&ouml;nlichkeiten. Wir geben hier einige Zitate von Rolf M&uuml;tzenich, Margot K&auml;&szlig;mann und Peter Brandt wieder. Von<strong> Bernhard Trautvetter<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Margot K&auml;&szlig;mann<\/strong> schrieb dem Essener Friedensforum ein Gru&szlig;wort, in dem sie die Wichtigkeit der Gegenaufkl&auml;rung im Klima der Militarisierung hervorhob: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Bedr&uuml;ckend ist, wie seit Februar 2022 eine schleichende Militarisierung unsere Gesellschaft durchzieht. Das ist von Sprache, &uuml;ber Medien und Schulen bis hin zu H&auml;fen, Flugh&auml;fen und Zivilschutz zu beobachten. Dass nun in der Messe Essen die EURO DEFENCE EXPO an die Leitmesse f&uuml;r zivile Sicherheit angegliedert wird und so zivile und milit&auml;rische Sicherheitstechnologien zusammengebracht werden, zudem gleichzeitig mehr als 400 hochrangige Milit&auml;rvertreter der Nato tagen, ist ein weiterer, eklatanter Schritt. Es ist so wichtig, dass die Friedensbewegung in diesen Tagen wachsam bleibt, die Zivilgesellschaft informiert und hoffentlich aufr&uuml;ttelt!&hellip;&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Rolf M&uuml;tzenich<\/strong> ermutigte die Friedensaktivisten, die sich den zugespitzten Bedrohungen entgegenstellen, folgenderma&szlig;en:&nbsp;<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Mit dem Auslaufen des New-START-Vertrags am 5. Februar 2026 ist der letzte gro&szlig;e R&uuml;stungskontrollvertrag zwischen den USA und Russland Geschichte. Damit w&auml;chst die Gefahr eines neuen unkontrollierten atomaren Wettr&uuml;stens. Gleichzeitig wird wieder offen &uuml;ber Abschreckung, Machtpolitik und milit&auml;rische St&auml;rke gesprochen. Und selbst bei uns in Deutschland werden Stimmen lauter, die &uuml;ber eine eigene atomare Bewaffnung nachdenken. Die bittere Realit&auml;t ist: Die Gefahr eines atomaren Konflikts ist heute wohl so gro&szlig; wie noch nie zuvor. Wir stehen an der Schwelle eines neuen nuklearen Zeitalters, das noch komplexer, unberechenbarer und unsicherer ist als das sogenannte &sbquo;Gleichgewicht des Schreckens&lsquo; w&auml;hrend des Kalten Krieges. &hellip; Ihr Engagement f&uuml;r Frieden, Dialog und internationale Verst&auml;ndigung ist heute wichtiger und notwendiger denn je.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Peter Brandt<\/strong> erkl&auml;rte seine pers&ouml;nliche Betroffenheit mit einem R&uuml;ckblick auf &uuml;ber 60 Jahre Zeitgeschichte zwischen Kriegsgefahr und Frieden:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Liebe Freundinnen und Freunde!<\/em><\/p>\n<p><em>Es ist 60 Jahre her, dass ich erstmals an einem Ostermarsch teilgenommen habe: 1966, zuerst im Ruhrgebiet, dann in Frankfurt. Das war dreieinhalb Jahre nach der wohl gef&auml;hrlichsten Konfrontation der beiden damaligen Superm&auml;chte USA und Sowjetunion vor Kuba. Die USA beantworteten die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen auf der Karibikinsel durch die UdSSR mit einer Seeblockade, und es drohte eine milit&auml;rische Invasion.<\/em><\/p>\n<p><em>Nur weil die F&uuml;hrer der Weltm&auml;chte, US-Pr&auml;sident Kennedy und KPdSU-Chef Chruschtschow, die Nerven behielten und hinter den Kulissen den Weg zu einem beiderseits akzeptablen Kompromiss fanden &ndash; wobei das amerikanische Zugest&auml;ndnis, nach dem Abzug der sowjetischen Raketen aus Kuba die amerikanischen aus der T&uuml;rkei zu entfernen, aus US-innenpolitischen Gr&uuml;nden zun&auml;chst geheim bleiben musste &ndash; , konnte die akute Krise entsch&auml;rft, dann &uuml;berwunden werden.&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><em>Der Oktober 1962 wurde zu einem Wendepunkt in den Ost-West-Beziehungen. Mit ersten R&uuml;stungskontrollabkommen begann eine &Uuml;bergangsphase zum Entspannungsjahrzehnt der 1970er mit den bundesdeutschen Ostvertr&auml;gen und der Konferenz f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.<\/em><\/p>\n<p><em>Obwohl auch in diesen Jahren in der damals so genannten Dritten Welt weiterhin Interventions- und Befreiungskriege tobten, an erster Stelle in Vietnam, entstand auf der Nordhalbkugel eine Staatenordnung, die, obgleich unter der geteilten Hegemonie der Superm&auml;chte, auf sukzessive Sicherung des Friedens bei wachsendem Spielraum f&uuml;r die in die Paktsysteme eingebundenen staatlichen Akteure mittlerer und kleinerer Gr&ouml;&szlig;e gerichtet war.&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><em>Und als um 1980 die Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion samt den von ihnen gef&uuml;hrten Milit&auml;rpakte erneut eine gef&auml;hrliche Dimension annahmen &ndash; viele der heute &Auml;lteren erinnern sich lebhaft an die Massenproteste gegen die sog. Nachr&uuml;stung, erneut stand die Problematik der atomaren Mittelstreckenraketen im Zentrum &ndash; , trugen die in den Vorjahren geschaffenen vertraglichen Strukturen dazu bei, dass der erneuerte Kalte Krieg nicht auf Europa durchschlug.&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><em>Eine &auml;hnlich gef&auml;hrliche Situation wie 1962 entstand im November 1983 infolge der NATO-&Uuml;bung Able Archer, die die sowjetische F&uuml;hrung zun&auml;chst f&uuml;r die unmittelbare Vorbereitung eines atomaren Gro&szlig;angriffs hielt.<\/em><\/p>\n<p><em>Erst diese Erfahrung machte dem strikt antikommunistischen US-Pr&auml;sidenten Reagan klar, dass sich die andere Seite tats&auml;chlich bedroht sah. Diese Erkenntnis war die Voraussetzung daf&uuml;r, dass es 1987 auf Initiative Michail Gorbatschows zur bedeutendsten Abr&uuml;stungsma&szlig;nahme seit 1946 kam: der Null-L&ouml;sung im Bereich der atomaren Mittelstreckenraketen, der Eliminierung einer ganzen Waffengattung in Europa.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit dem Ende des alten Ost-West-Konflikts kamen um 1990 weitere R&uuml;stungskontroll- und Abr&uuml;stungsabkommen hinzu.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir mussten jedoch erleben, dass anstelle der Weiterf&uuml;hrung dieses Prozesses, insbesondere im Hinblick auf ein gesamteurop&auml;isches Sicherheitssystem, sp&auml;testens seit der Jahrtausendwende, eine Tendenz zur erneuten Versch&auml;rfung der Spannungen, jetzt zwischen der nach Osten erweiterten NATO und Russland, sich geltend machte, nicht allein, aber haupts&auml;chlich forciert durch die westliche F&uuml;hrungsmacht.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 und der Antritt der zweiten Regierung Trump im Januar 2025 stehen am vorl&auml;ufigen Ende einer langen Ereigniskette, die die Weltordnung der vorangegangenen drei Jahrzehnte zerst&ouml;rt hat.&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><em>Ich erinnere hier an die zur&uuml;ckliegenden Epochen, um die reale politische Bedeutung der europ&auml;ischen block&uuml;bergreifenden Friedensbewegung mit dem H&ouml;hepunkt in den fr&uuml;hen 1980er-Jahren hervorzuheben: Obwohl die Stationierung der Pershing 2 und der Cruise Missiles nicht verhindert werden konnte, hat damals der Massenprotest, einschlie&szlig;lich seiner Resonanz im anderen Teil Deutschlands und Europas, etwas bewirkt, indem er, bis auf die Ebene der staatlichen Entscheidungstr&auml;ger, das Bewusstsein und namentlich das politisch-programmatische Denken ver&auml;ndert hat.<\/em><\/p>\n<p><em>Hieran gilt es anzukn&uuml;pfen: So offensichtlich damals die besondere Gefahr f&uuml;r die Menschen weltweit war, so wichtig war und ist das Engagement f&uuml;r den Frieden bis heute.<\/em><\/p>\n<p><em>Ihr Prof. i. R. Dr. Peter Brandt&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><small>Titelbild: FooTToo \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Essener Auftaktkundgebung des Ostermarsches Rhein\/Ruhr am Ostersonntag zitierten die Aktivisten vor hunderten Demonstranten unterst&uuml;tzende Gru&szlig;worte bekannter Pers&ouml;nlichkeiten. Wir geben hier einige Zitate von Rolf M&uuml;tzenich, Margot K&auml;&szlig;mann und Peter Brandt wieder. 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