{"id":148832,"date":"2026-04-08T14:06:22","date_gmt":"2026-04-08T12:06:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148832"},"modified":"2026-04-08T14:31:27","modified_gmt":"2026-04-08T12:31:27","slug":"mit-kriegstreibern-haben-wir-nichts-zu-bereden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148832","title":{"rendered":"\u201eMit Kriegstreibern haben wir nichts zu bereden.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>W&auml;hrend hierzulande &uuml;ber &bdquo;Werte&ldquo; und &bdquo;regelbasierte Ordnung&ldquo; debattiert wird, lohnt ein Blick auf die Perspektive derjenigen, die unter den Bomben leben. In einem Interview mit <strong>Mawuena Martens und Dominik Wetzel<\/strong> zeichnet Irans Botschafter <strong>Majid Nili Ahmadabadi<\/strong> ein Bild, das den g&auml;ngigen Erz&auml;hlungen widerspricht: von gebrochenem V&ouml;lkerrecht, doppelten Standards und einer westlichen Politik, die eher eskaliert als befriedet. Ein Gespr&auml;ch, das Fragen aufwirft &ndash; und Gewissheiten ersch&uuml;ttert. Das Interview wurde am Wochenanfang gef&uuml;hrt, beinhaltet also noch nicht den &bdquo;Waffenstillstand&ldquo;.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Martens\/Wetzel: Danke, dass Sie sich Zeit f&uuml;r dieses Gespr&auml;ch genommen haben. Sie sind vermutlich gerade jeden Tag im Gespr&auml;ch mit der &Ouml;ffentlichkeit?<\/strong><\/p><p><strong>Majid Nili Ahmadabadi<\/strong>: Das ist unsere Aufgabe. Wir sind nicht gl&uuml;cklich mit der Situation, denn das Leben unseres Volkes ist nicht normal derzeit. Das Fehlverhalten des israelischen Regimes und der USA bereitet uns Kopfschmerzen. Sie greifen Zivilisten an. Allein bei der Bombardierung der M&auml;dchengrundschule in Minab wurden mehr als 175 M&auml;dchen get&ouml;tet. Sie haben uns angegriffen, als unser Volk gefastet hat. Diese Menschen anzugreifen, zeigt das Fehlen von Moral. Doch zur selben Zeit haben wir Hoffnung. Das ist die iranische Kultur, wir schauen alle auf das Morgen.<\/p><p><strong>Im Iran ist noch immer eine Internetblockade in Kraft. Dadurch gelangen kaum Bilder vom menschlichen Leid an die Welt&ouml;ffentlichkeit. Gleichzeitig sind Kriege immer auch Informationskriege. Der Vietnam-Krieg konnte unter anderem deswegen gestoppt werden, weil die Grausamkeiten ans Licht kamen und Menschen in den USA auf die Stra&szlig;e gingen. Warum ist das Internet blockiert, und ist das nicht kontraproduktiv, um den Menschen in den USA und Europa zu vermitteln, was geschieht?<\/strong><\/p><p>Sicherlich ist es kontraproduktiv, aber es ist nun mal Fakt, dass wir im Krieg sind. Und k&uuml;nstliche Intelligenz spielt heutzutage eine viel bedeutendere Rolle als zu Zeiten des Vietnam-Kriegs. Sie f&uuml;hrt Attentate auf Politiker aus, auf unsere Leute. Wie? Mithilfe des Internets. Sie haben recht, dass durch das Internet und durch ausl&auml;ndische Medien Menschen sehen w&uuml;rden, was im Iran geschieht. Au&szlig;erdem hat es seinen zivilen Nutzen. Doch Sicherheit ist viel wichtiger. Die Israelis nutzen das Internet, um Attentate auf unsere Leute auszuf&uuml;hren. Die Iraner, die hier leben, wissen sehr gut, dass die Situation nicht gut ist. Das Hauptproblem ist KI, deshalb m&uuml;ssen wir vorsichtig sein.<\/p><p><strong>Sind Sie regelm&auml;&szlig;ig in Kontakt mit der deutschen Regierung? Wie nehmen Sie Deutschlands Rolle im Iran-Krieg wahr?<\/strong><\/p><p>Zu diesem Thema sind wir nicht in st&auml;ndigem Austausch. Nein. Mit Kriegstreibern haben wir nichts zu bereden. Wenn sich Konzerne wegen wirtschaftlicher Vorteile einen Krieg w&uuml;nschen, sind sie Kriegstreiber. Doch wenn einige in Deutschland f&uuml;r einen lang anhaltenden Frieden sind, auf internationales Recht und Moral pochen, dann sprechen wir mit ihnen. Leider ist das, was gerade geschieht, ein klarer Bruch internationalen Rechts. Wir waren mitten in den indirekten Verhandlungen mit den USA in Genf. Die Gespr&auml;che waren sehr produktiv. Das sind nicht meine Worte. Das waren die Worte des deutschen Au&szlig;enministers, als er in Washington war. &sbquo;Es war sehr produktiv und sehr positiv. Macht weiter mit den Gespr&auml;chen&lsquo;, das hat er gesagt. Doch was war das Ergebnis? Angriffe des israelischen Regimes und der Vereinigten Staaten. Laut der Charta der Vereinten Nationen, Artikel 2 Paragraph 4, ist dies eine klare Verletzung des internationalen Rechts. Dann wurden die Schulkinder ins Visier genommen, unser Milit&auml;r, unsere Krankenh&auml;user. Hunderte Gesundheitseinrichtungen sind getroffen worden. Unsere Politiker wurden gezielt get&ouml;tet.<\/p><p>Eines unserer Marineschiffe hat an dem internationalen Man&ouml;ver Milan 2026 teilgenommen. Es war unbewaffnet und es ist dennoch angegriffen worden. Das war ein Bruch des V&ouml;lkerrechts. Und wir haben keine Stimmen geh&ouml;rt, die diese Art der Kriegsf&uuml;hrung verurteilen, au&szlig;er die des Bundespr&auml;sidenten &ndash; und das, obwohl &uuml;ber 60 Prozent der Deutschen der Meinung ist, dass es ein Verbrechen ist.<\/p><p>Also: Wir haben keine Erwartungen an Deutschland. Wenn deutsche Politiker glauben, dass mit Blick auf diesen Krieg internationales Recht keinen Platz hat, welche Erwartungen an sie sollten wir dann haben? Doch bei Menschen, die den Frieden bevorzugen, Politiker, die denken, dass dieser Krieg nicht nur gegen internationales Recht verst&ouml;&szlig;t, sondern auch gegen die Moral, dann sind wir bereit, ihnen zuzuh&ouml;ren.<\/p><p><strong>Sie befinden sich in einem Krieg gegen L&auml;nder wie Israel und die Vereinigten Staaten, die derzeit einen V&ouml;lkermord in Gaza begehen. Was macht das mit ihnen, solchen m&auml;chtigen Armeen gegen&uuml;berzustehen, die offensichtlich gar keine Achtung vor dem internationalen Recht oder grundlegenden Menschenrechten haben?<\/strong><\/p><p>Menschen, Politiker, Entscheider sollten verurteilen, was in Gaza geschieht. Mehr als 75.000 Menschen sind dort get&ouml;tet worden. Wenn die internationale Gemeinschaft das Richtige getan h&auml;tte, diese Tat zu verurteilen, dann w&auml;ren wir nicht in der Situation, in der wir jetzt sind. Eine Verurteilung ist das Mindeste, was man erwarten kann. Denn wenn wir den Bruch des internationalen Rechts nicht verurteilen, dann haben wir morgen das Gesetz des Dschungels. Das bereitet nicht nur uns Iranern Kopfschmerzen, sondern auch sonst jedem in der internationalen Gemeinschaft. Wenn keine internationalen Regeln mehr eingehalten werden, wird das ins Chaos f&uuml;hren.<\/p><p><strong>Von iranischer Seite sind Berichte &uuml;ber Verhandlungen mit den USA bisher dementiert worden. Gibt es wirklich keine Gespr&auml;che? Welche Sicherheitsgarantien fordern sie in einem solchem Fall bzw. welche Bedingungen br&auml;uchte es f&uuml;r einen Waffenstillstand oder einen Friedensvertrag?<\/strong><\/p><p>Welche Verhandlungen meinen Sie? Wir waren im vergangenen Juni mitten in den indirekten Verhandlungen mit den USA. Ich sage indirekt, denn wir k&ouml;nnen uns auf US-amerikanische Politiker oder Entscheidungstr&auml;ger nicht verlassen. Seit dem Beginn der Revolution vor 47 Jahren haben sie sich meinem Land gegen&uuml;ber falsch verhalten. Sie haben Saddam Husseins Aggression gegen mein Land &uuml;ber mehr als acht Jahre lang mit ausgekl&uuml;gelten Waffen unterst&uuml;tzt. Auch deutsche Konzerne lieferten Hussein chemische Waffen. Aufgrund unserer Kultur, aufgrund unserer Zivilisation, unserer Religion und unseres Glaubens haben wir nicht mit chemischen Waffen geantwortet. Nichtsdestotrotz haben wir keine guten Erinnerungen, wenn es um Amerika geht. Also begannen wir indirekte Verhandlungen, doch es waren nicht wir, sondern die andere Seite, die darum bat. Was war das Ergebnis? Das israelische Regime attackierte Teheran im Juni und die USA folgten ihm.<\/p><p>Bei den j&uuml;ngsten Gespr&auml;chen im Februar waren es wieder die Amerikaner, die Verhandlungsbereitschaft gezeigt hatten. Und wieder waren die Gespr&auml;che mit Witkoff und Kushner sehr positiv. Was war das Ergebnis? Wieder Angriffswellen gegen ganz Iran durch das israelische Regime und Amerika. Also sitzen wir da am Tisch und verhandeln, doch sie interessieren sich nicht f&uuml;r Verhandlungen. Sie verfolgen ein anderes Ziel. Wenn das so ist, warum sollten wir mit ihnen weiter verhandeln?<\/p><p>Bis heute bezweifle ich, dass beide Seiten um einen Tisch sitzen werden. Verhandlungen sind klar definiert und auf ein konkretes Ziel ausgerichtet. Sie bedeuten nicht, dass man sich Zeit nimmt und diese verschwendet, damit am Ende Bombardierungen stehen, sondern Austausch von Perspektiven nicht direkt, aber durch andere L&auml;nder. Wir antworten auf Nachrichten. Wir teilen unsere Meinung mit. Deren Kern ist: Wir werden uns mit allen konventionellen Mitteln verteidigen. Wir werden der anderen Seite nicht gestatten, eine solche Aggression gegen Iran zu wiederholen. Wir ben&ouml;tigen jetzt objektive Garantien, dass die Angreifer nicht noch einmal eine solche Welle der Aggression durchf&uuml;hren k&ouml;nnen. Denn wir haben dieses Spiel nicht gestartet. Sie haben angefangen. Eine weitere Grundlage f&uuml;r die Verhandlungen sind Reparationen. Ich denke, dass das fair ist. Sie haben angegriffen, also m&uuml;ssen sie daf&uuml;r zahlen. Das sind die beiden Grundbedingungen, die erf&uuml;llt sein m&uuml;ssen, damit es Verhandlungen geben kann.<\/p><p><strong>Was muss also geschehen, damit der Krieg endet?<\/strong><\/p><p>Die Angriffe m&uuml;ssen aufh&ouml;ren. Wir brauchen einen lang anhaltenden Frieden. Wir wollen keinen Waffenstillstand, damit hatten wir im Juni schlechte Erfahrungen.<\/p><p><strong>Wenn es keine Verhandlungen gibt, dann folgt daraus wohl, dass Iran diesen Krieg gewinnen will. Wie w&uuml;rde ein Sieg aussehen? Es scheint doch, als w&uuml;rde der Konflikt jeden Tag mehr Parteien haben.<\/strong><\/p><p>In Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen ist das Recht verankert, sich zu verteidigen. Wir haben unseren Nachbarstaaten vor dem Krieg klargemacht: Wenn das israelische Regime und die Vereinigten Staaten angreifen, werden wir US-amerikanische Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte und israelische Soldaten in der Region attackieren. Das ist eine angemessene Antwort, wir haben nicht gegen internationales Recht versto&szlig;en, indem wir unsere Nachbarl&auml;nder angreifen. Wir respektieren ihre territoriale Integrit&auml;t. Wir haben immer noch sehr gute Beziehungen zu ihnen, und der Pr&auml;sident ist weiterhin in Kontakt mit einigen Ministern am Persischen Golf.<\/p><p><strong>Schafft sich Iran mit dieser Politik nicht immer neue Feinde?<\/strong><\/p><p>Verstehen Sie, wenn man sich verteidigt, muss man sich verteidigen. Wenn es keine Garantie f&uuml;r einen dauerhaften Frieden gibt, wenn die Angreifer die Region f&uuml;r ihre Zwecke missbrauchen m&ouml;chten, hat man keine andere Option. Wenn wir mit unseren Nachbarstaaten sprechen, sagen wir: &sbquo;Seht, die Kampfflugzeuge nutzen alle euren Luftraum, warum?&lsquo; Die Raketen, die Tomahawks, die in unsere Schulen einschlagen, werden in der Region abgefeuert. Wir haben Beweise daf&uuml;r.<\/p><p><strong>Wie ist derzeit die Situation in Iran? Wie geht es den Menschen &ndash; auch nach der Bombardierung der &Ouml;ldepots in Teheran?<\/strong><\/p><p>Letzteres ist ein weiteres Beispiel f&uuml;r das Fehlverhalten und das Fehlen von Moral. Teheran ist eine gewaltige Hauptstadt mit mehr als zehn Millionen Menschen. Die Attacke auf diese &Ouml;llager bedeutet drastische &ouml;kologische Konsequenzen. Unsere Freunde in Europa haben das nicht verurteilt.<\/p><p>Warum? Wo ist der Unterschied zwischen uns und der Ukraine? Deutschland sollte diese Angriffe mit Blick auf die &ouml;kologische Katastrophe und die Zukunft aller Lebewesen verurteilen. Wichtiger noch als Frieden ist die Moral. In diesem Krieg sind die gr&ouml;&szlig;ten Opfer das V&ouml;lkerrecht und die Moral.<\/p><p><strong>Stichwort Moral. Wenn sich Ihr Gegner unmoralisch verh&auml;lt, halten Sie sich dann an moralische Standards? Die israelische Seite wirft Ihnen beispielsweise vor, Sie w&uuml;rden Streubomben verwenden &ndash; wobei man dazusagen muss, dass Tel Aviv und Teheran die Konvention zur &Auml;chtung dieser Waffe beide nicht unterzeichnet haben.<\/strong><\/p><p>Wissen Sie, Streubomben haben eine spezifische Definition. Die Bomben und Raketen, die der Iran verwendet, enthalten keine Streumunition. Wir verwenden nur konventionelle Mittel zur Verteidigung.<\/p><p><strong>Anfang Januar gab es gro&szlig;e Demonstrationen und Proteste in Teheran und anderen St&auml;dten. Westliche Politiker haben eine gewaltsame Niederschlagung verurteilt. Was geschah aus Sicht der iranischen Regierung?<\/strong><\/p><p>Ich denke, der Westen ist nicht in der Position, &uuml;ber Menschenrechte oder die Ereignisse im Iran zu sprechen. Warum? Weil Sie immer noch nicht verurteilt haben, dass die Amerikaner die Schule in Minab bombardiert haben. Wo ist der Unterschied zwischen den Menschen die im Dezember gelitten haben, und denen jetzt? Es sind zudem dieselben Regierungen, die immer noch z&ouml;gern, die Ermordung von &uuml;ber 75.000 unschuldigen Menschen in Gaza zu verurteilen.<\/p><p>Doch um auf Ihre Frage einzugehen: Ja, Ende Dezember gab es Demonstrationen mit wirtschaftlichen Forderungen. Das ist normal bei einer Wirtschaftsblockade &ndash; normal, wenn es Sanktionen gegen ein Land gibt und eine Blockade von harten W&auml;hrungen. Gesch&auml;ftsleute k&ouml;nnen dann nichts kaufen oder verkaufen. Meine Regierung akzeptierte zu dieser Zeit die Argumente und Forderungen der Demonstranten, und bis zum 8. Januar gab es keine Probleme. Doch vom 8. bis 10. Januar gab es ernst zu nehmende Aktivit&auml;ten im Iran, gr&ouml;&szlig;tenteils aus dem Ausland gesteuert, besonders von Israel aus. Wissen Sie, dass der Chef des Mossad meinte: &sbquo;Unsere Agenten sind mit euch auf den Stra&szlig;en Irans.&lsquo;?<\/p><p>Vor Kurzem hatte ich ein Gespr&auml;ch mit einem Journalisten. Er sagte mir, mehr als 30.000 Menschen seien bei den Protesten get&ouml;tet worden. Ich meinte: &sbquo;Woher wissen Sie das? Warum nicht 40.000? Warum nicht eine Million? Was ist ihre Quelle?&lsquo; Er antwortete mir, er sei im Kontakt mit einigen Menschen im Iran und die Mehrheit im Iran sei gegen die iranische Regierung. Doch ich erwiderte: &sbquo;Sind Sie im Iran, oder sind Sie hier?&lsquo;<\/p><p>Sogar heute sind sehr viele Menschen auf den Stra&szlig;en, um laut zu sagen, dass wir unsere territoriale Integrit&auml;t respektieren. Wir k&ouml;nnen anderen Staaten nicht erlauben, dagegen etwas zu unternehmen. Das ist die Mehrheit. Und glauben Sie mir, auch jetzt erhalte ich viele Anfragen von Iranern, die hier leben und sagen, sie w&uuml;rden gerne nach Hause zur&uuml;ckkehren, um das Land zu verteidigen. Wenn es eine Krise gibt, tendieren die Menschen dazu, zu fliehen. Im Iran ist das etwas ganz anderes. Hier kommen die Iraner zur Verteidigung zur&uuml;ck. Das hat etwas mit der Mentalit&auml;t zu tun, mit der Kultur, der Zivilisation, der Religion. Ein weiterer Punkt: Im Juni 2025 haben wir einen Angriff vom israelischen Regime und Amerika erlebt, sp&auml;ter am 8. bis zum 10. Januar wieder. Dann kurz darauf Anfang M&auml;rz eine andere Form des Angriffs. Wer ist der Hauptverursacher? Das israelische Regime und Amerika.<\/p><p><strong>Sie sagen also, die Aufst&auml;nde waren eine andere Form der Aggression?<\/strong><\/p><p>Es gibt einige Verbindungen und wir haben gute Beweise. Sie begannen mit der Illusion, dass das System am Ende sei und die Balkanisierung Irans vor uns l&auml;ge. Im Juni 2025 haben sie es nicht geschafft. Dann &auml;nderten sie ihre Strategie mit dem Geschehen vom 8. bis 10. Januar. Das ist fehlgeschlagen. Dann haben sie auf die j&uuml;ngsten Angriffe hingearbeitet. Es gibt also einen Zusammenhang.<\/p><p><strong>Was sind die Gr&uuml;nde f&uuml;r die Angriffe?<\/strong><\/p><p>Wenn sie sich einen runden Tisch als Feld der Aggressionen vorstellen, dann steht ein Teil f&uuml;r Israel, ein anderer f&uuml;r die USA und noch ein anderer Teil f&uuml;r Iran. Die Mentalit&auml;t der Amerikaner ist nicht eindeutig. Nicht einmal Donald Trump wei&szlig; wahrscheinlich, was der Hauptgrund daf&uuml;r war, dass er den Iran angegriffen hat, denn er hat zu diesem Zeitpunkt nicht einmal eine Ausstiegsm&ouml;glichkeit. So viel zu Amerika. Der Iran ist hier eindeutig. Wir werden uns mit allen konventionellen Mitteln verteidigen. Hier unterscheiden wir uns. Die Mentalit&auml;t von Israel ist auch eindeutig.<\/p><p>Ich unterscheide zwischen Netanjahu und Israel. Er will weitermachen und Probleme f&uuml;r die ganze Region verursachen. Er will eine Balkanisierung der Region erreichen, angefangen beim Libanon und Syrien. Was ist das Ergebnis? Das Fortbestehen seines politischen Lebens. Solange Chaos herrscht, kann Netanjahu als Premierminister weiterregieren. Doch wenn Stabilit&auml;t herrscht, muss er ins Gef&auml;ngnis, denn es gibt sowohl Anklagen gegen ihn im Land als auch durch den Internationalen Strafgerichtshof. Also wird er weiter mit aller Macht Chaos &uuml;ber die Region bringen. Die Konsequenzen bedeuten ihm nichts. Das ist ein Problem, das unsere Freunde in Europa in Betracht ziehen m&uuml;ssen.<\/p><p>Europa spielt keine Rolle in diesem Spiel. Das ist schade, denn wegen seiner direkten Interessen sollte Europa etwas tun, kann aber nicht. Warum? Durch die Position, die seine L&auml;nder eingenommen haben, also der Nichtverurteilung der Angriffe, senden sie kein Zeichen guten Willens aus, um einen langfristigen Frieden zu erreichen. Auch der Iran kann sich nicht auf sie verlassen. Fr&uuml;her konnten wir den USA nicht trauen, jetzt k&ouml;nnen wir auch Europa nicht trauen. Sie sind also nicht in der Position, irgendeine Rolle einzunehmen.<\/p><p><strong>Und doch ist die EU betroffen von diesem Krieg. Wie der Rest der Welt leiden ihre Mitgliedsstaaten unter der Schlie&szlig;ung der Stra&szlig;e von Hormus.<\/strong><\/p><p>Es ist nicht unsere Absicht, wirtschaftliche Probleme f&uuml;r die Menschen zu erzeugen, ungeachtet dessen, wo sie leben. Bei sicherem Leben, sozialen Perspektiven, wirtschaftlichen &Uuml;berlegungen und sogar bei der Frage von Fl&uuml;chtlingen geht es um eure Sicherheit. Eure Sicherheit ist unsere Sicherheit. So ist das generelle Denken. Sehen Sie, die Menschen in Gaza sind vornehmlich Sunniten. Wir sind Schiiten. Wir unterst&uuml;tzen sie. Warum? Weil ihr Leben so wichtig ist wie unser eigenes. Dasselbe gilt auch f&uuml;r Menschen in Deutschland, die Menschen in Europa und Amerika. Doch wenn jemand Probleme erzeugen m&ouml;chte und Krieg ins Spiel bringt, m&uuml;ssen wir uns verteidigen. Da gibt es keine Alternative. Wenn jemand unser Volk mit Raketen angreift oder Soldaten dazu bringt, die Insel Kharg einzunehmen, m&uuml;ssen wir uns verteidigen. Die Stra&szlig;e von Hormus liegt in unserer direkten Nachbarschaft und ist Teil unserer territorialen Integrit&auml;t und Souver&auml;nit&auml;t. Es ist nicht unsere Absicht, wirtschaftliche Probleme f&uuml;r die Menschen zu erzeugen. Es ist eine S&uuml;nde, eine Katastrophe f&uuml;r alle. Aber die Hauptverursacher daf&uuml;r sind Israel und Amerika. Wir verteidigen uns nur.<\/p><p><strong>Was ist die Strategie dahinter, die Stra&szlig;e von Hormus geschlossen zu halten?<\/strong><\/p><p>Die Stra&szlig;e von Hormus ist offen.<\/p><p><strong>Aber nicht f&uuml;r jeden.<\/strong><\/p><p>F&uuml;r Staaten, die die Aggressoren nicht unterst&uuml;tzen und die sich nicht an den Angriffen beteiligen, ist sie offen. Es gibt einige Schiffe, die den Golf schon verlassen haben und die die Stra&szlig;e durchfahren. Aber den Angreifern k&ouml;nnen wir das nicht erlauben. Wenn ein Land ausgefeilte Waffensysteme an Israel liefert, das uns angreift, warum sollten wir ihnen dann erlauben, unsere Souver&auml;nit&auml;t f&uuml;r ihren Vorteil auszunutzen? Es ist nur logisch, gewisse Vorkehrungen zu treffen. Wir bereiten den Menschen in Deutschland nicht gerne Probleme, denn ihr Wohlstand ist auch Wohlstand f&uuml;r die Menschen im Iran. Wissen Sie, was das Problem ist? Das Problem sind einige L&auml;nder in Europa und Amerika, die sich verrechnet haben. Unsere beachtliche Zur&uuml;ckhaltung gab ihnen das Gef&uuml;hl, der Iran sei schwach. Das ist nicht der Fall. Seit dem Beginn des Systems vor 47 Jahren haben wir mit aller Macht versucht, gute Beziehungen mit anderen zu f&uuml;hren: durch das Offenhalten der Stra&szlig;e von Hormus, indem wir die Sicherheit der Europ&auml;er gew&auml;hrleistet haben, indem wir den Islamischen Staat (IS) bek&auml;mpft haben. Iran war an vorderster Front im Kampf gegen den IS. Doch leider glauben einige in Westeuropa und Amerika, dass unsere beachtliche Zur&uuml;ckhaltung Schw&auml;che bedeutet. Das ist nicht der Fall. Und ich denke, diese ist jetzt vorbei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W&auml;hrend hierzulande &uuml;ber &bdquo;Werte&ldquo; und &bdquo;regelbasierte Ordnung&ldquo; debattiert wird, lohnt ein Blick auf die Perspektive derjenigen, die unter den Bomben leben. In einem Interview mit <strong>Mawuena Martens und Dominik Wetzel<\/strong> zeichnet Irans Botschafter <strong>Majid Nili Ahmadabadi<\/strong> ein Bild, das den g&auml;ngigen Erz&auml;hlungen widerspricht: von gebrochenem V&ouml;lkerrecht, doppelten Standards und einer westlichen Politik, die eher eskaliert<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148832\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":148833,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[209,171],"tags":[282,3240,1494,951,1557,2301,1556,1703,2360],"class_list":["post-148832","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interviews","category-militaereinsaetzekriege","tag-buergerproteste","tag-diplomatische-verhandlungen","tag-infrastruktur","tag-iran","tag-israel","tag-konfrontationspolitik","tag-usa","tag-voelkerrecht","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/IMG_4248.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148832","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=148832"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148832\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":148837,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148832\/revisions\/148837"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/148833"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=148832"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=148832"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=148832"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}