{"id":148954,"date":"2026-04-12T14:00:45","date_gmt":"2026-04-12T12:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148954"},"modified":"2026-04-11T12:29:03","modified_gmt":"2026-04-11T10:29:03","slug":"technofeudalismus-das-geschaeftsmodell-der-macht-monopol-risiko-kapital-und-plattformoekonomie-serie-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148954","title":{"rendered":"\u201eTechnofeudalismus\u201c &#8211; das Gesch\u00e4ftsmodell der Macht: Monopol, Risiko-Kapital und Plattform\u00f6konomie (Serie, Teil 2)"},"content":{"rendered":"<p>Das Gesch&auml;ftsmodell mancher Technologiekonzerne zielt nicht auf offene M&auml;rkte, sondern auf organisierte Abh&auml;ngigkeit. Risiko-Kapital finanziert nicht Vielfalt, sondern Vorherrschaft. Netzwerkeffekte schaffen nicht mehr Wettbewerb, sondern versperren den Ausweg. Manche Plattformen vermitteln nicht neutral zwischen Angebot und Nachfrage, sondern verwandeln den Zugang zu Kunden, &Ouml;ffentlichkeit, Arbeit und Wissen in private Befehlsgewalt. Das ist gef&auml;hrlich f&uuml;r die Demokratie. Von <strong>Detlef Koch<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9093\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-148954-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260412_Technofeudalismus_das_Geschaeftsmodell_der_Macht_Monopol_Risiko_Kapital_und_Plattformoekonomie_Serie_Teil_2_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260412_Technofeudalismus_das_Geschaeftsmodell_der_Macht_Monopol_Risiko_Kapital_und_Plattformoekonomie_Serie_Teil_2_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260412_Technofeudalismus_das_Geschaeftsmodell_der_Macht_Monopol_Risiko_Kapital_und_Plattformoekonomie_Serie_Teil_2_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260412_Technofeudalismus_das_Geschaeftsmodell_der_Macht_Monopol_Risiko_Kapital_und_Plattformoekonomie_Serie_Teil_2_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=148954-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260412_Technofeudalismus_das_Geschaeftsmodell_der_Macht_Monopol_Risiko_Kapital_und_Plattformoekonomie_Serie_Teil_2_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260412_Technofeudalismus_das_Geschaeftsmodell_der_Macht_Monopol_Risiko_Kapital_und_Plattformoekonomie_Serie_Teil_2_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Den ersten Teil der Serie finden Sie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148657\">unter diesem Link<\/a>.<\/em><\/p><ol type=\"I\">\n<li>\n    <strong> Monopol ist kein Ausrutscher, sondern Programm<\/strong>\n<p>    In der klassischen Wirtschaftstheorie gilt das Monopol als Ausnahme. Wettbewerb soll Konzentration verhindern, Innovation f&ouml;rdern. Im Silicon Valley hat sich das umgekehrt. Der Technologie-Unternehmer Peter Thiel formulierte:<\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;<em>Wettbewerb ist f&uuml;r Verlierer.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>    Erfolgreiche Technologieunternehmen streben, so Thiels These, nicht Wettbewerb, sondern Monopol an. Wer digitale Infrastruktur kontrolliert, definiert M&auml;rkte, setzt Regeln und steuert den Zugang.<\/p>\n<p>    Monopolkommission und WIK-Studie beschreiben digitale Plattformen als Gatekeeper (&bdquo;Torw&auml;chter&ldquo;); die Monopolkommission nennt direkte und indirekte Netzwerkeffekte sowie Skalenvorteile als Treiber der Konzentration[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. Der offene Markt bleibt Rhetorik, w&auml;hrend Gesch&auml;ftsmodelle auf dominante Plattformen zielen, die ganze &Ouml;kosysteme organisieren[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]. Der Unterausschuss des US-Repr&auml;sentantenhauses bezeichnete Amazon als gr&ouml;&szlig;ten Online-Marktplatz der USA, auf den rund 70 Prozent aller Online-Marktplatzverk&auml;ufe entfallen.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p>\n<p>    Nancy Fraser weist darauf hin, dass solche Konzentration nicht nur ein &ouml;konomisches, sondern ein Herrschaftsproblem ist. Wirtschaftliche Macht entscheidet, wer Zugang zu Ressourcen hat und wer ausgeschlossen wird. In digitalen &Ouml;konomien betrifft das nicht nur Produktionsmittel, sondern Kommunikationsr&auml;ume, Informationsfl&uuml;sse und Infrastruktur. Plattformunternehmen organisieren Handel, Mobilit&auml;t, Medien und Arbeitsvermittlung.<\/p>\n<p>    Fraser beschreibt diese Dynamik &bdquo;als Teil eines umfassenderen Strukturproblems moderner &Ouml;konomien, als eine Gesellschaftsform, die es einer offiziell definierten Wirtschaft erlaubt, monet&auml;ren Wert f&uuml;r Investoren und Eigent&uuml;mer anzuh&auml;ufen, w&auml;hrend sie den nicht-&ouml;konomisch erworbenen Reichtum aller anderen verschlingt. Indem diese Gesellschaft diesen Reichtum den Konzernen auf dem Silbertablett serviert, l&auml;dt sie diese ein, sich an unseren kreativen F&auml;higkeiten und der Erde, die uns ern&auml;hrt, zu laben &ndash; ohne die Verpflichtung, das Verbrauchte zu ersetzen oder die Sch&auml;den zu beheben.&ldquo;[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p>\n<p>    Eine entscheidende Rolle spielt das Finanzierungsmodell des Silicon Valley. Venture Capital (&bdquo;Risiko-Kapital&ldquo;) wird als Motor von Innovation dargestellt, fungiert hier aber als Selektionsmaschine. In Plattformm&auml;rkten finanziert Risiko-Kapital meist nicht viele Konkurrenten, sondern rasche Skalierung und sp&auml;tere Dominanz. Investoren akzeptieren oft jahrelange Verluste, solange die Aussicht auf eine monopolartige Position besteht. Uber und Amazon operierten lange mit Verlusten und bauten zugleich Marktanteile aus. Venture Capital f&ouml;rdert damit weniger Wettbewerb als einen &ouml;konomischen Ausscheidungsprozess, an dessen Ende wenige Plattformen &uuml;brig bleiben.\n<\/p><\/li>\n<li>\n    <strong>Plattformen sind keine normalen Unternehmen<\/strong>\n<p>    Nick Srnicek beschreibt Plattformunternehmen als &ouml;konomische und politische Infrastruktur, die durch Datensammlung und Kontrolle digitaler M&auml;rkte neue Machtstrukturen schafft. Er schreibt, sie pr&auml;sentierten sich oft als leere R&auml;ume f&uuml;r Interaktionen, verk&ouml;rperten aber &bdquo;in Wirklichkeit eine eigene Politik&ldquo;.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p>\n<p>    Wer diese Infrastruktur kontrolliert, kontrolliert den Zugang zum Markt. Plattformbetreiber entscheiden, welche Anbieter sichtbar werden, welche Geb&uuml;hren erhoben werden und wer teilnehmen darf. Im mobilen &Ouml;kosystem ist das greifbar: Der prim&auml;re Zugang zu Apps f&uuml;hrt &uuml;ber Apple App Store und Google Play Store. Zugleich kontrollieren die Gatekeeper (&bdquo;Torw&auml;chter&ldquo;) die Anwendungsprogrammierschnittstellen, sogenannte Application Programming Interfaces (APIs). Sie f&uuml;hren Review- und Genehmigungsverfahren durch und verschaffen gelisteten Apps &uuml;ber Kategorien, Rankings und Suchfunktionen Vorteile bei der Auffindbarkeit. M&auml;rkte verwandeln sich so in digitale Privatr&auml;ume &ndash; mit Plattformkonzernen als Torw&auml;chtern einer Infrastruktur, ohne die Teilhabe kaum noch m&ouml;glich ist.<\/p>\n<p>    Ein Entwickler ver&ouml;ffentlicht eine Smartphone-App. Jede Installation l&auml;uft &uuml;ber den App Store. Nach der WIK-Studie ist dieser Store der Hauptzugangsweg zu Anwendungen; zugleich bleiben Entwickler auf Betriebssystem-Funktionen und APIs angewiesen. Jede Zahlung l&auml;uft &uuml;ber das Bezahlsystem des Gatekeepers; ein Teil des Umsatzes &ndash; oft bis zu 30 Prozent &ndash; geht automatisch an die Plattform. Die WIK-Studie[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] weist f&uuml;r gro&szlig;e App-Stores Standardprovisionen von 30 Prozent aus; Ausnahmen liegen vor allem bei 15 Prozent f&uuml;r bestimmte Abonnementmodelle oder kleinere Entwickler.<\/p>\n<p>    Ohne diesen Marktplatz g&auml;be es keinen Zugang zu den Nutzern; zudem erh&ouml;hen Listung, Ranking, Suche und das Vertrauen in die prim&auml;ren Stores die Auffindbarkeit gegen&uuml;ber &bdquo;Sideloading&ldquo; oder alternativen Stores deutlich. Der Entwickler betreibt sein Gesch&auml;ft also auf einer Infrastruktur, deren Regeln ein privates Unternehmen festlegt.<\/p>\n<p>    Diese Struktur wird durch Netzwerkeffekte verst&auml;rkt. In digitalen Plattformm&auml;rkten steigt der Wert eines Dienstes mit der Zahl seiner Nutzer. Je mehr H&auml;ndler auf Amazon verkaufen, desto attraktiver wird die Plattform; je mehr Fahrer Uber nutzen, desto schneller finden Fahrg&auml;ste ein Fahrzeug. Die Monopolkommission nennt direkte und indirekte Netzwerkeffekte sowie Skalenvorteile als zentrale Treiber solcher Konzentration. Neue Wettbewerber haben es schwer, Nutzer zum Wechsel zu bewegen, solange sich die Mehrheit im dominierenden Netzwerk befindet. M&auml;rkte neigen dadurch zur Schlie&szlig;ung; Wechselkosten und Lock-in-Effekte verst&auml;rken dies.<\/p>\n<p>    Das Silicon Valley ist dabei nicht nur ein geografischer Ort, sondern ein dichtes institutionelles Netzwerk. Venture-Capital-Fonds, Technologieunternehmen, Universit&auml;ten und politische Institutionen sind eng verbunden. Investoren sichern sich Einfluss auf Unternehmensstrategien, Gr&uuml;nder behalten durch spezielle Aktienstrukturen langfristige Kontrolle. Unternehmen wie Meta oder Google werden bis heute von ihren Gr&uuml;ndern dominiert. Es entstehen Abh&auml;ngigkeiten zwischen Plattformen, Cloud-Infrastruktur, Datenzentren und Software-&Ouml;kosystemen. Der Erfolg einzelner Unternehmen ist daher Teil eines Netzwerks aus Kapital, Technologie und politischer Rahmensetzung, das bestimmte Gesch&auml;ftsmodelle beg&uuml;nstigt.\n<\/p><\/li>\n<li>\n    <strong>Aus Innovation wird Absch&ouml;pfung<\/strong>\n<p>    Mit dieser Entwicklung ver&auml;ndert sich die Logik wirtschaftlicher Wertsch&ouml;pfung. Der franz&ouml;sische &Ouml;konom C&eacute;dric Durand argumentiert, dass Plattformunternehmen Einnahmen durch Kontrolle von Zug&auml;ngen generieren. Unternehmen zahlen nicht nur f&uuml;r Dienstleistungen, sondern f&uuml;r Teilnahme an einem von der Plattform organisierten Markt. H&auml;ndler auf Amazon zahlen Verkaufsprovisionen, Entwickler Geb&uuml;hren im Apple-App-Store, Fahrer einen Teil ihrer Einnahmen an Uber.<\/p>\n<p>    Im Hearing des US-Repr&auml;sentantenhauses wurde angegeben, dass Amazons Verk&auml;ufergeb&uuml;hren 2019 fast 60 Milliarden US-Dollar einbrachten, nachdem der durchschnittliche Geb&uuml;hrenanteil binnen f&uuml;nf Jahren von 19 Prozent auf die eingangs erw&auml;hnte Standardprovision von 30 Prozent gestiegen war. Durand beschreibt das als Verschiebung hin zu grundherrenartigen Einnahmen, als &bdquo;die Entfaltung r&auml;uberischer Beziehungen durch eine wachsende Diskrepanz zwischen Wertsch&ouml;pfung und Aneignung [&hellip;].&ldquo;[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Der Vorteil liegt nicht allein in Innovation, sondern in der Kontrolle &uuml;ber die Schnittstellen wirtschaftlicher Aktivit&auml;t.<\/p>\n<p>    Ein H&auml;ndler verkauft K&uuml;chenprodukte &uuml;ber den Amazon Marketplace. Mit der Zeit steigen Geb&uuml;hren f&uuml;r Versand, Lagerung und Werbung. Gleichzeitig erscheint ein &auml;hnliches Produkt unter einer Eigenmarke der Plattform im Suchranking.<\/p>\n<p>    Die Monopolkommission benennt diese Konstellation als typisches Risiko vertikaler Integration: Plattformbetreiber k&ouml;nnen Transaktionen Dritter beobachten, nachgefragte Produkte identifizieren, in den eigenen Handelsbestand &uuml;bernehmen und eigene Angebote in der Produktsuche prominenter darstellen. Der H&auml;ndler bleibt trotzdem auf Amazon.<\/p>\n<p>    Im selben Hearing berichtete der Unterausschuss von 2,2 Millionen aktiven Amazon-Verk&auml;ufern; rund 37 Prozent von ihnen seien auf Amazon als alleinige Einkommensquelle angewiesen, und H&auml;ndler beschrieben die Plattform als &bdquo;the only show in town&ldquo;. Die Plattform ist damit zugleich Marktplatz, Regulierer und Wettbewerber; in der Anh&ouml;rung wurde zudem festgehalten, dass Amazon dieselben Drittanbieter intern als &bdquo;internal competitors&ldquo; bezeichnete.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p>\n<p>    Yanis Varoufakis hat diese Entwicklung mit einer historischen Analogie beschrieben. Plattformen funktionieren zunehmend wie zentralisierte Zugangsordnungen. Unternehmen und Nutzer bewegen sich innerhalb digitaler R&auml;ume, die von Plattformbetreibern als Lehnsherren kontrolliert werden. Sie bestimmen Geb&uuml;hren, Sichtbarkeit und Regeln. Dass Gatekeeper bei App-Stores APIs, Review-Verfahren, Vertriebswege und Auffindbarkeit kontrollieren und Handelsplattformen die eigene Angebote bevorzugen oder zus&auml;tzliche Leistungen b&uuml;ndeln k&ouml;nnen, ist in der WIK-Studie ausdr&uuml;cklich beschrieben. Varoufakis spricht von &bdquo;cloud rent&ldquo; &ndash; einer digitalen Grundpacht aus der Kontrolle &uuml;ber Cloud-Infrastruktur und Plattformm&auml;rkte. Die Analogie zum Feudalismus ist bewusst gew&auml;hlt und verweist auf eine reale Verschiebung wirtschaftlicher Macht gleichsam vom &bdquo;Leibeigenen&ldquo; zum Lehnsherren.<\/p>\n<p>    Evgeny Morozov betont, dass diese Entwicklung kein naturw&uuml;chsiger Prozess ist. Die Dominanz gro&szlig;er Technologieplattformen ist auch Ergebnis politischer Entscheidungen. Staatliche Forschungsgelder, milit&auml;rische Innovationsprogramme und eine lange Zeit schwacher Wettbewerbspolitik haben das Wachstum der digitalen &Ouml;konomie erm&ouml;glicht; zugleich wurden Plattformm&auml;rkte &uuml;ber Jahre hinweg nur begrenzt reguliert. Morozov formuliert deshalb:<\/p>\n<blockquote><p><em>&bdquo;Ich behaupte nicht, dass Technofeudalismus unvermeidlich ist. [&hellip;] Dies ist [&hellip;] keine Notwendigkeit, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen, die heute getroffen wurden.<\/em>&rdquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>    Die heutige Struktur der Plattform&ouml;konomie ist somit nicht nur technologisch entstanden, sondern auch politisch gewollt.\n<\/p><\/li>\n<li>\n    <strong>Warum das bereits eine Demokratiefrage ist<\/strong>\n<p>    Aus demokratietheoretischer Perspektive stellt sich die Frage, welche Folgen es hat, wenn zentrale Infrastrukturen von Kommunikation, Arbeit und Information in wenigen privaten H&auml;nden liegen. Nancy Fraser argumentiert, dass demokratische Gesellschaften auf eine gewisse Streuung wirtschaftlicher Macht angewiesen sind. Wenn Kommunikations-, Informations- oder Handelsinfrastrukturen von wenigen Plattformen kontrolliert werden, verschiebt sich das Gleichgewicht zwischen &ouml;ffentlicher Kontrolle und privater Entscheidungsmacht.<\/p>\n<p>    Diese Macht materialisiert sich zunehmend in neuen technologischen Ressourcen, jetzt in Form von KI-Anwendungen. Kate Crawford weist darauf hin, dass k&uuml;nstliche Intelligenz nicht nur aus Algorithmen besteht, sondern auch Infrastruktur, Industrie und Form der Machtaus&uuml;bung ist. Tats&auml;chlich ist die Entwicklung gro&szlig;er KI-Systeme von wenigen Konzernen dominiert, die &uuml;ber Daten, Rechenkapazit&auml;ten und Cloud-Infrastrukturen verf&uuml;gen.\n<\/p><\/li>\n<li>\n    <strong>Ein Schlusskommentar<\/strong>\n<p>    Sp&auml;testens hier endet die harmlose Erz&auml;hlung von Innovation, Komfort und digitalem Fortschritt, denn das Gesch&auml;ftsmodell der Macht-&bdquo;Eliten&ldquo; zielt nicht auf offene M&auml;rkte, sondern auf organisierte Abh&auml;ngigkeit. Venture Capital finanziert nicht Vielfalt, sondern Vorherrschaft. Netzwerkeffekte schaffen nicht mehr Wettbewerb, sondern versperren den Ausweg.<\/p>\n<p>    Die Monopolkommission beschreibt, wie direkte und indirekte Netzwerkeffekte, Skalenvorteile, Wechselkosten und Lock-in-Effekte Markteintritt und Anbieterwechsel erschweren k&ouml;nnen. Plattformen vermitteln nicht neutral zwischen Angebot und Nachfrage, sondern verwandeln den Zugang zu Kunden, &Ouml;ffentlichkeit, Arbeit und Wissen in private Befehlsgewalt. Wer die Infrastruktur besitzt, setzt die Regeln &ndash; und kassiert daf&uuml;r fortlaufend Tribut.<\/p>\n<p>    Das ist nicht nur &ouml;konomisch problematisch, es ist demokratisch h&ouml;chst gef&auml;hrlich. Denn eine Gesellschaft verliert ihre Selbstregierung nicht erst dann, wenn Parlamente entmachtet oder Wahlen abgeschafft werden. Die Anh&ouml;rung des US-Repr&auml;sentantenhauses spricht von &bdquo;critical arteries of commerce and communications&ldquo; und von einer Infrastruktur, von der unabh&auml;ngige H&auml;ndler, Entwickler und Produzenten beim Zugang zu M&auml;rkten und Nutzern abh&auml;ngig werden. Die Gesellschaft verliert ihre Souver&auml;nit&auml;t schon dann, wenn zentrale Bedingungen sozialer Teilhabe &ndash; Sichtbarkeit, Reichweite, Auffindbarkeit, Zahlungswege, Arbeitszug&auml;nge, Datenstr&ouml;me und technische Standards &ndash; von einer kleinen, kaum kontrollierten Eigent&uuml;mer- und Investorenschicht bestimmt werden.<\/p>\n<p>    Dann verschiebt sich Macht aus dem &ouml;ffentlichen Raum in private Systeme, deren Regeln niemand gew&auml;hlt hat und deren Logik niemand &ouml;ffentlich rechtfertigen muss.<\/p>\n<p>    Gerade darin liegt der feudalisierende Zug dieser Entwicklung. Nicht, weil die Gegenwart einfach ins Mittelalter zur&uuml;ckfiele, sondern weil sich erneut Herrschaftsverh&auml;ltnisse aus Abh&auml;ngigkeit, Zugangskontrolle und rentenartiger Absch&ouml;pfung verdichten. Der Nutzer bleibt scheinbar frei, der H&auml;ndler formal selbstst&auml;ndig, der Entwickler nominell unternehmerisch, der Fahrer juristisch autonom &ndash; und doch h&auml;ngen sie alle an Infrastrukturen, die sie nicht besitzen, nicht verstehen und nicht demokratisch kontrollieren. Die Bequemlichkeit der Plattformoberfl&auml;che verdeckt eine politische Realit&auml;t: Aus Vermittlung wird Herrschaft, aus Marktposition wird soziale Disziplinierung, aus technischer &Uuml;berlegenheit wird oligarchische Macht.<\/p>\n<p>    Eines l&auml;sst sich schon jetzt sagen: Wo wenige Konzerne die digitalen Lebensadern von Wirtschaft, Kommunikation und Wissen kontrollieren, entsteht keine modernisierte Freiheit, sondern eine neue Form privatisierter Lehensherrschaft.<\/p>\n<p>    Die Logik der Plattform&ouml;konomie endet jedoch nicht im Markt. Was als Gesch&auml;ftsmodell der Macht durch Kontrolle &uuml;ber Zug&auml;nge, Daten und Infrastrukturen beginnt, setzt sich im n&auml;chsten Schritt im Staat fort. Die gleichen Mechanismen, die M&auml;rkte organisieren, beginnen nun, Verwaltung, Sicherheit und gesellschaftliche Ordnung selbst zu strukturieren. Davon aber mehr im dritten Teil der Serie.\n<\/p><\/li>\n<\/ol><p><small>Titelbild: Shutterstock AI Generator<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148657\">&bdquo;Technofeudalismus&rdquo; &ndash; das Weltbild: Freiheit, Mensch und Macht (Serie, Teil 1)<\/a>\n<\/p><\/div><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.monopolkommission.de\/images\/PDF\/SG\/SG68\/S68_volltext.pdf\">Monopolkommission<\/a>, Sondergutachten 68, S. 31&ndash;40; WIK<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.econstor.eu\/bitstream\/10419\/280949\/1\/1876995491.pdf\">Zugangsentgelte<\/a> in softwarebasierten Terminierungsmonopolen, S. IV&ndash;V<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.govinfo.gov\/content\/pkg\/CHRG-116hhrg41317\/pdf\/CHRG-116hhrg41317.pdf\">US House Judiciary Committee<\/a>, Online Platforms and Market Power, Part 6, S. 2<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.suhrkamp.de\/buch\/nancy-fraser-der-allesfresser-t-9783518029831\">Cannibal Capitalism<\/a> &ndash; How Our System Is Devouring Democracy, Care, and the Planet<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"https:\/\/mudancatecnologicaedinamicacapitalista.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/platform-capitalism.pdf\">Srnicek, N. (2017)<\/a>: Platform Capitalism. Cambridge: Polity Press.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.econstor.eu\/bitstream\/10419\/280949\/1\/1876995491.pdf\">WIK<\/a>, Zugangsentgelte in softwarebasierten Terminierungsmonopolen <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.ebook.de\/de\/product\/49954286\/cedric_durand_how_silicon_valley_unleashed_techno_feudalism.html?srsltid=AfmBOoruU1e30x9TRAOo0jO21Z7j5OPZ3uEtjl9Ig1BWJ6kW4XKQP766\">Durand, C&eacute;dric<\/a> &ndash; How_Silicon_Valley_Unleashed_Techno-feudalism: The unfolding of predatory relations through a growing disjunction<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.govinfo.gov\/content\/pkg\/CHRG-116hhrg41317\/pdf\/CHRG-116hhrg41317.pdf\">US House Judiciary Committee<\/a>, Online Platforms and Market Power, Part 6, S. 115&ndash;116<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gesch&auml;ftsmodell mancher Technologiekonzerne zielt nicht auf offene M&auml;rkte, sondern auf organisierte Abh&auml;ngigkeit. Risiko-Kapital finanziert nicht Vielfalt, sondern Vorherrschaft. Netzwerkeffekte schaffen nicht mehr Wettbewerb, sondern versperren den Ausweg. Manche Plattformen vermitteln nicht neutral zwischen Angebot und Nachfrage, sondern verwandeln den Zugang zu Kunden, &Ouml;ffentlichkeit, Arbeit und Wissen in private Befehlsgewalt. Das ist gef&auml;hrlich f&uuml;r die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148954\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":148955,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,160,205],"tags":[1304,3046,1494,3237,233,1973,3158,3111,3572],"class_list":["post-148954","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-markt-und-staat","category-neoliberalismus-und-monetarismus","tag-amazon","tag-cloud","tag-infrastruktur","tag-marktkonzentration","tag-marktliberalismus","tag-monopolisierung","tag-monopolkommission","tag-plattformoekonomie","tag-thiel-peter"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/shutterstock_2414503043.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148954","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=148954"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148954\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":149010,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148954\/revisions\/149010"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/148955"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=148954"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=148954"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=148954"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}