{"id":148959,"date":"2026-04-11T14:00:37","date_gmt":"2026-04-11T12:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148959"},"modified":"2026-04-10T16:51:35","modified_gmt":"2026-04-10T14:51:35","slug":"alter-was-ist-eigentlich-gerecht-gesund-genug-fuer-die-erhoehung-des-renteneintrittsalters-4-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148959","title":{"rendered":"\u201aAlter, was ist eigentlich gerecht!\u2018  \u2013 Gesund genug f\u00fcr die Erh\u00f6hung des Renteneintrittsalters? (4\/4)"},"content":{"rendered":"<p>Die rentenpolitische Debatte wird seit Jahrzehnten von einer simplen Aussage beherrscht: die Jungen schuften, die Alten kassieren &ndash; Generationengerechtigkeit als Nullsummenspiel. Dramatische Schlagzeilen (&bdquo;Altenexplosion&ldquo;, &bdquo;Renten-Kollaps&ldquo;) und moralische Appelle an die &bdquo;junge Generation&ldquo; &uuml;bert&ouml;nen systematisch die Zahlen. Lothar Lieck legt in dieser vierteiligen Reihe eine n&uuml;chterne, datenbasierte Abrechnung vor: Ausgaben f&uuml;r Kinder und Jugendliche vs. Renten, reale Einkommensverh&auml;ltnisse im Alter, entzauberte Demographie-&bdquo;Katastrophen&ldquo; und die soziale Sprengkraft einer Rentenaltersanhebung auf 69. Wer statt Panikmache endlich solide Argumente sucht, liegt hier richtig.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148158\">erste Teil<\/a> drehte sich um die gegenw&auml;rtigen &ndash; und notwendigen &ndash; staatlichen und famili&auml;ren Ausgaben f&uuml;r Kinder und Jugendliche. Im <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148624\">zweiten Teil<\/a> ging es um das Einkommen der &sbquo;Alten&lsquo; oder besser &sbquo;&Auml;lteren&lsquo; in der Gesellschaft, also alle, die 65 Jahre oder &auml;lter sind. Im <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148646\">dritten Teil<\/a> ging es um die &sbquo;demographische Katastrophe&lsquo;, damit ist der Anstieg des Anteils der &Auml;lteren an der Bev&ouml;lkerung gemeint, und um die politischen Reaktionen und die aktuelle und zuk&uuml;nftige demographische Situation. In diesem vierten und letzten Teil geht es um einen der wichtigsten Ver&auml;nderungsvorschl&auml;ge, die Erh&ouml;hung des gesetzlichen Renteneintrittsalters auf 69 Jahre.<\/em><\/p><p><strong>1835<\/strong><\/p><p>Es geht in diesem vierten und letzten Teil um die Gesundheit der &Auml;lteren und das Renteneintrittsalter. Das Renteneintrittsalter soll mit der gestiegenen Lebenserwartung verkn&uuml;pft werden, also steigen. Nun ist die Lebenserwartung, oder etwas pr&auml;ziser die &sbquo;wahrscheinliche Lebensdauer&lsquo;, eben nicht die gleiche unter allen Lebensbedingungen. Das war allerdings schon vor rund 200 Jahren relativ gut bekannt. Schauen wir auf ein Fazit aus einem Buch des Jahres 1835.<\/p><p>In diesem Jahr publizierte J.L. Casper, ein Arzt aus Berlin und Mitglied diverser wissenschaftlicher Akademien von Paris &uuml;ber Berlin bis Moskau, das Buch &sbquo;<em>Die wahrscheinliche Lebensdauer des Menschen in den verschiedenen b&uuml;rgerlichen und geselligen Verh&auml;ltnissen, nach ihren Bedingungen und Hemmnissen untersucht.&lsquo;<\/em>[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Ihm geht es um genaueres Wissen &uuml;ber die Lebenserwartung und das Sterbealter und um den Einfluss verschiedener Lebens- und Arbeitsverh&auml;ltnisse. Er kommt zu Schlussfolgerungen, deren G&uuml;ltigkeit offensichtlich die letzten 190 Jahre &uuml;berdauert hat. Etwa folgende:<\/p><p><strong>Abbildung 4.1: J.L. Casper, 1835, Beginn der Seite 179<\/strong><\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260411-lieck-rente-4-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260411-lieck-rente-4-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Ihr Alten seht so gesund aus und werdet auch noch so uralt!<\/strong><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p>Ja, die Lebenserwartung ist gestiegen. <strong>Wir Alten wollten einfach die Vorteile des medizinischen Fortschritts und die besseren Lebensumst&auml;nde<\/strong> (Ern&auml;hrung, Hygiene, Wohnen, Umwelt) <strong>in mehr Lebenserwartung umsetzen<\/strong>. Ist das ein Vergehen gegen die j&uuml;ngeren Generationen?<\/p>\n<\/div><p>1960 betrug das durchschnittliches Sterbealter noch 72 Jahre (Frauen) bzw. 68 Jahre (M&auml;nner).[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Es ist sicherlich selbstverst&auml;ndlich, dass die statistische Lebenserwartung nicht bedeutet, dass Menschen in diesem Alter bis drei Wochen vor dem Tod etwa die Ausdauer, Kraft und die wunderbar arbeitenden K&ouml;rperfunktionen 25-J&auml;hriger haben. Lebenserwartung hei&szlig;t nicht Gesundheit bis zum Tod. <strong>Eine Krankheit, eine Einschr&auml;nkung gesellt sich zur anderen<\/strong>, und das Leben vieler alter Menschen sieht oft gesundheitlich und psychisch sehr tr&uuml;bselig aus &ndash; Bilder, die bei den Stellungnahmen f&uuml;r die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters seltener vorkommen.<\/p><p>Und noch schneller schwindet die Gesundheit bei <strong>emotional oder\/und k&ouml;rperlich besonders aufreibenden Berufen<\/strong>. Und das sind bei Weitem nicht nur die von den Bef&uuml;rwortern der Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalter gern zitierten Dachdecker. Sie werden nur st&auml;ndig zitiert, weil es vergleichsweise wenige sind, sodass man dar&uuml;ber leicht hinwegsehen und hinweggehen kann.<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p>F&uuml;r<strong> historisch Interessierte:<\/strong> 1890 war die Rentenversicherung eine Versicherung f&uuml;r Arbeiter und &rsquo;kleine Angestellte&lsquo; (unter 2.000 Mark Jahresverdienst). Das Zugangsalter f&uuml;r eine Altersrente war, wer r&auml;t es: ja, 70 Jahre. Das hat kaum jemand geschafft. Die Lebenserwartung bei der Geburt f&uuml;r M&auml;nner betrug 40,5 Jahre, f&uuml;r Frauen 44 Jahre. Ungef&auml;hr ein Drittel der Gesamtbev&ouml;lkerung, allerdings sehr selten die Arbeiter, schafften es bis zum 65. Lebensjahr, also 31 von 100 M&auml;nnern und 38 von 100 Frauen. Der Hauptgrund f&uuml;r den Rentenbezug war deshalb <strong>Invalidit&auml;t vor Erreichen der Altersgrenze.<\/strong><br>\nQuelle: Deutsche Rentenversicherung, Die Geschichte der Deutschen Rentenversicherung, <a href=\"https:\/\/www.deutsche-rentenversicherung.de\/DRV\/DE\/Ueber-uns-und-Presse\/Historie\/historie_detailseite.html#doc84f53049-eb89-4342-a98c-aa17a3272338bodyText1\">hier<\/a><\/p>\n<\/div><p><strong>Wie wird die Lebenserwartung bestimmt?<\/strong><\/p><p><strong>Wie kann eigentlich ein statistisches Amt<\/strong>, im Fall Deutschlands das Statistische Bundesamt (auch offiziell und kurz &sbquo;Destatis&lsquo; genannt), im Fall der Europ&auml;ischen Union das Statistische Amt der EU (Eurostat), <strong>bei der Geburt eines Kindes sch&auml;tzen: Dieses Kind wird voraussichtlich 80 oder 83 oder 85 Jahre leben! <\/strong>Woher wollen die das wissen? F&uuml;r die einzelne Person, das ist klar, geht das sowieso nicht, alle sind unterschiedlich und werden unterschiedliche Lebensbedingungen haben. Aber wieso glaubt ein solches Amt, dass es den Durchschnitt der Lebenserwartung f&uuml;r Neugeborene bestimmen k&ouml;nnte? Und wie macht es das?<\/p><p>Die Bestimmung der Lebenserwartung bei der Geburt erfolgt durch <strong>die Fortschreibung (Projektion) der Entwicklung der Lebensdauer der bereits Gestorbenen<\/strong>, die man an den sogenannten <strong>&sbquo;Sterbetafeln&lsquo;<\/strong> ablesen kann (nationale Sterbetafeln gibt es seit 1871). Mit gro&szlig;er Sicherheit ist bekannt, in welchem Alter die Menschen in den vergangenen ca. 150 Jahren gestorben sind. Diese Sterbetafeln zeigen, dass die Menschen immer &auml;lter werden. Dieser <strong>Trend <\/strong>wird auf Basis von Annahmen &uuml;ber die zuk&uuml;nftige Entwicklung <strong>fortgeschrieben<\/strong>, basierend vor allem auf der Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte. Es ist eine &sbquo;Projektion&lsquo;, keine &sbquo;Prognose&lsquo;.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>Diese <strong>Fortschreibung der Vergangenheit in die Zukunft<\/strong> ber&uuml;cksichtigt wesentliche Faktoren wie allgemeine wirtschaftliche Lage, Frieden, gesundheitliche Risiken und medizinische Versorgung, Lebensstil und Arbeitsbedingungen, Umwelteinfl&uuml;sse und Hygieneentwicklung etc. Dabei geht man wie auch in den vergangenen 150 Jahren davon aus, dass derzeit fast alle Indikatoren darauf hinweisen, dass das Lebensalter ansteigt. Daraus wird dann auf die wahrscheinliche Lebenserwartung f&uuml;r Neugeborene geschlossen.<\/p><p><strong>Unvorhersehbare Ereignisse<\/strong> wie starke weltweite Grippewellen f&uuml;hren f&uuml;r eine begrenzte Periode zur Senkung der Lebenserwartung, weil in kurzer Zeit viel mehr Personen eines Jahrgangs und auch J&uuml;ngere sterben (&sbquo;&Uuml;bersterblichkeit&lsquo;). Das war in Deutschland bei vergangenen Grippewellen und auch der Covid-19 Epidemie der Fall (Corona).[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Es l&auml;sst sich kaum voraussagen, ob und wie oft solche Pandemien (oder Kriege[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] und Naturkatastrophen) im Laufe eines Lebens, also praktisch in den n&auml;chsten 80 Jahren, auftreten werden. Auch bei anderen Faktoren ist die Absch&auml;tzung schwierig. So sind bekannte &sbquo;lebensverk&uuml;rzende&lsquo; Umwelteinfl&uuml;sse zur&uuml;ckgegangen, etwa die Schadstoff- und Staubemissionen gro&szlig;er Industriebetriebe, aber neue m&ouml;gliche Gef&auml;hrdungen f&uuml;r die Gesundheit sind hinzugekommen, etwa die mittlerweile in allen menschlichen Geweben nachgewiesenen Nano- und Mikroplastikpartikel.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><p><strong>Lebenserwartung &ndash; Entwicklung<\/strong><\/p><p>Wie sieht es aus mit der Lebenserwartung? Im Durchschnitt der Jahre 2024 lag die Lebenserwartung bei der Geburt f&uuml;r Frauen bei 83,4 Jahren und f&uuml;r M&auml;nner bei 78,9 Jahren.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] Seit dem Jahr 2000 ist die Lebenserwartung um 2,4 Jahre bei den Frauen und um rund 3,7 Jahre bei den M&auml;nnern gestiegen.[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p><strong>Tabelle 4.1: Lebenserwartung bei der Geburt in Jahren &ndash; Vergleich 2000\/2024\/2050\/2070<\/strong><\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260411-lieck-rente-4-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260411-lieck-rente-4-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Die Lebenserwartung wird laut Destatis in Zukunft voraussichtlich langsamer ansteigen als in fr&uuml;heren Jahrzehnten.<\/strong>[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Im Jahr 2050 soll sie bei Frauen bei 86 Jahren (2,6 Jahre mehr als 2024) und bei M&auml;nnern bei 82,4 Jahren (3,5 Jahre mehr als 2024) liegen.[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Bis zum Jahr 2070 soll die Lebenserwartung bei den Frauen um ca. 4,2 Jahre und bei den M&auml;nnern um 5,7 Jahre ansteigen (im Vergleich zu 2024).<\/p><p>Interessant ist, dass die Prognosen der Lebenserwartung zu Beginn des Jahrtausends einen erheblich h&ouml;heren Anstieg vorhersagten. Diese Prognosen waren ein wesentliches Argument, das den Beschluss zur Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalter im Jahr 2007 bef&ouml;rderte (siehe die n&auml;chste Textbox &sbquo;Lebenserwartungsprognose nach unten korrigiert&lsquo;).<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Lebenserwartungsprognose nach unten korrigiert<\/strong><br>\nIn der 11. koordinierte Bev&ouml;lkerungsvorausberechnung aus dem Jahr 2006 hie&szlig; es:<\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;In der <strong>Basisannahme <\/strong>ergibt sich f&uuml;r das Jahr 2050 f&uuml;r M&auml;nner eine durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt von 83,5 Jahren und f&uuml;r Frauen von 88,0 Jahren. Das ist ein Zuwachs von 7,6 beziehungsweise 6,5 Jahren im Vergleich zur Lebenserwartung in Deutschland 2002\/2004. &hellip;<br>\nIn der <strong>hohen Lebenserwartungsannahme<\/strong> k&ouml;nnen M&auml;nner bei Geburt im Jahr 2050 eine durchschnittliche Lebenserwartung von 85,4 Jahren und Frauen von 89,8 Jahren erreichen. Das sind f&uuml;r M&auml;nner 9,5 Jahre und f&uuml;r Frauen 8,3 Jahre mehr als 2002\/2004.&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>Quelle: Destatis &ndash; Statistisches Bundesamt 2006: <em>Bev&ouml;lkerung Deutschlands bis 2050. 11. koordinierte Bev&ouml;lkerungsvorausberechnung, Annahmen und Ergebnisse, S.41\/42<\/em><\/p>\n<p>Im Dezember 2025 hat das Statistische Bundesamt die 16. koordinierte Bev&ouml;lkerungsvorausberechnung publiziert (siehe auch die vorhergehende Tabelle 4.1) und diese Berechnungen kommen zu Lebenserwartungen von ca. ein bis zwei Jahren unterhalb der Basisannahme von 2006 und von rund drei bis vier Jahren weniger als in der damaligen Annahme eines hohen Anstiegs der Lebenserwartung.<\/p>\n<\/div><p>Aus der Lebenserwartung &ndash; in Verbindung mit dem realen Renteneintrittsalter &ndash; ergibt sich dann auch die durchschnittliche Dauer des Rentenbezugs. Aktuell (2024) beziehen M&auml;nner 18,9 Jahre Rente und Frauen 22,1 Jahre, d.h., etwa von der Mitte des sechsten Lebensjahrzehnts bis Anfang oder Mitte des achten Lebensjahrzehnts.[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] (Durchschnittszahlen f&uuml;r Altersrenten, ohne Erwerbsunf&auml;higkeitsrenten).<\/p><p><strong>Fernere Lebenserwartung ab 65 oder 67<\/strong><\/p><p>Von besonderem Interesse f&uuml;r die Rente ist die sogenannte <strong>&sbquo;Fernere Lebenserwartung&lsquo;<\/strong>. Das ist nicht die Lebenserwartung bei der Geburt, sondern im fortgeschrittenen Alter, ob im Alter von 10, 20 oder 40 Jahren. F&uuml;r das Thema Rente sind besonders die Lebenserwartungen im Alter 65, 67, 69 und 70 von Interesse.<\/p><p>Zur Verdeutlichung: Wer im Jahr 1925 geboren wurde (m&auml;nnlich), hatte eine Lebenserwartung von 60 Jahren. Aufgrund der verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig hohen S&auml;uglings- und Kindersterblichkeit starben viele unter Zehnj&auml;hrige in diesen ersten Lebensjahren. Kinder, die das zehnte Lebensjahr erreichten, hatten schon eine um sieben Jahre h&ouml;here Lebenserwartung, eben 67 Jahre. Die S&auml;uglingssterblichkeit ist mittlerweile fast auf null gesunken. Das war der Hauptgrund f&uuml;r den steilen Anstieg der Lebenserwartung bis in die 50er-Jahre hinein.<\/p><p>Je mehr Jahre man also ohne Krankheit oder Unfall erreicht, <strong>desto mehr &sbquo;Sterberisiken&lsquo; hat man &uuml;berstanden<\/strong> und desto h&ouml;her sind die Chancen, &auml;lter zu werden als bei der Geburt errechnet. <strong>So ergibt sich, dass die fernere Lebenserwartung generell h&ouml;her ist als die Lebenserwartung bei der Geburt.<\/strong><\/p><p>Die folgende Tabelle 4.2 zeigt den Unterschied zwischen Lebenserwartung bei Geburt und &sbquo;Fernerer Lebenserwartung&lsquo; am Beispiel des Jahrgangs 1958.<\/p><p><strong>Tabelle 4.2: Fernere Lebenserwartung (LE) mit 65 und 67 in Jahren<\/strong>[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260411-lieck-rente-4-03.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260411-lieck-rente-4-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>M&auml;nner, die 1958 geboren wurden, hatten eine Lebenserwartung von 73,6 Jahren. Im Jahr 2023 mit 65 Jahren betrug die fernere Lebenserwartung noch 18 Jahre, also das wahrscheinliche Sterbealter war bereits auf 83,2 gestiegen und damit 9,6 Jahre h&ouml;her als bei der Geburt. Frauen hatten eine erheblich h&ouml;here Lebenserwartung, im Geburtsjahr 1958 waren dies 80 Jahre. Die &sbquo;Fernere Lebenserwartung&rsquo; mit 65 betr&auml;gt rund 21,5 Jahre, das gesch&auml;tzte Sterbealter somit 86,5 Jahre. Der Unterschied zwischen Lebenserwartung bei Geburt und mit 65 betr&auml;gt betragt somit etwa 6,5 Jahre (von 80,05 auf 86,52).<\/p><p> <strong>Wie viele erreichen denn das Alter 65 \/ 67 \/ 69 \/ 70?<\/strong><\/p><p>Nun kann man leicht denken, dass eine Lebenserwartung von ca. 80 Jahren bei der Geburt doch &sbquo;ausreichen&lsquo; sollte, dass die allermeisten das Rentenalter von 65 oder 67 erreichen. <strong>Das ist aber ein Trugschluss: Ein nicht unbetr&auml;chtlicher Teil verstirbt vor dem Erreichen des Rentenalters<\/strong>, einige in der Mitte des Lebens, aber ein nicht unbedeutender Teil auch kurz vor Erreichen des Rentenalters, also zwischen 60 und 65\/67.[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>]<\/p><p>Schaut man im Jahr 2023 (letztes verf&uuml;gbares Jahr) auf den Geburtsjahrgang 1954, so erreichten <strong>86,2 Prozent der Frauen das Alter 65, 84,7 Prozent erreichten das Alter 67 und 83 Prozent das Alter 69, knapp 82 Prozent das Alter 70.<\/strong> Bei den M&auml;nnern sieht es deutlich schlechter aus, <strong>65 Jahre wurden nur von 76,9 Prozent, 67 Jahre nur 74,4 Prozent, 69 Jahre erreichten 71,5 Prozent und knapp 70 Prozent erreichten das Alter 70.<\/strong><\/p><p><strong>Tabelle 4.3: Anteil von 100.000 im Jahr 1954 Geborenen, die das vollendete 65.\/ 67.\/ 69.\/ 70. Lebensjahr erreicht haben\/erreichen werden<\/strong>[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>]<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260411-lieck-rente-4-04.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260411-lieck-rente-4-04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Umgekehrt hei&szlig;t das auch: das Renteneintrittsalter von 65 erreichen 14 Prozent der Frauen und 24 Prozent der M&auml;nner nicht.<strong> <\/strong>Das Renteneintrittsalter 67 Jahre erreichen 15 Prozent der Frauen und mehr als 25 Prozent der M&auml;nner <strong>nicht<\/strong>. <strong>Mit 69 w&auml;ren bereits 17 Prozent der Frauen und rund 28,5 Prozent der M&auml;nner gestorben. <\/strong>W&auml;re das Renteneintrittsalter 70, w&auml;ren bereits 18 Prozent der Frauen und rund 30 Prozent der M&auml;nner gestorben.[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>]<\/p><p>Tabelle 4.4 zeigt, dass etwa 10,6 Prozent der Frauen und 17,5 Prozent der M&auml;nner das 60. Lebensjahr nicht erreichen. Zwischen dem 60. und dem 69. Lebensjahr sterben dann weitere 5,5 Prozent der Frauen und weitere elf Prozent der M&auml;nner. W&uuml;rde man &ndash; wie etwa vom Sachverst&auml;ndigenrat vorgeschlagen[<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>] &ndash; das Renteneintrittsalter schrittweise auf 69 Jahre erh&ouml;hen, w&uuml;rden auf Basis der Sterbewahrscheinlichkeiten des Jahres 1954 etwa 28,5 Prozent der M&auml;nner und 16,1 Prozent der Frauen dieses Alter nicht erreichen, also niemals eine einzige regul&auml;re Altersrente beziehen.<\/p><p><strong>Tabelle 4.4: Anteil von 100.000 im Jahr 1954 Geborenen, die NICHT das 65.\/ 67.\/ 69. Lebensjahr erreicht haben<\/strong>[<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>]<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260411-lieck-rente-4-05.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260411-lieck-rente-4-05.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Es ist also bei Weitem nicht so, dass eine Lebenserwartung von mehr als 80 Jahren bedeutet, dass 15 bis 20 Jahre Rente sicher sind.<\/strong>[<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>]<\/p><p><strong>Das &sbquo;Einsparungspotenzial&rsquo; ist zynischerweise am h&ouml;chsten<\/strong>, wenn das Sterbealter zwischen 60 und 67 liegt, also nach langer Erwerbst&auml;tigkeit und vielen Beitragszahlungen kurz vor Rentenbeginn.<\/p><p>Ein h&ouml;heres Renteneintrittsalter hat auch andere wesentliche Einsparungseffekte. So k&ouml;nnte im Rahmen der Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters beschlossen werden, dass die <strong>Durchschnittsrente nicht mehr nach 45 Beitragsjahren erreicht wird, sondern nach 47 Jahren<\/strong>. Das wird noch schwieriger zu erreichen sein als 45, weil in den allermeisten F&auml;llen die Versicherten Unterbrechungen\/Verringerungen der Beitragszahlungen durch Arbeitslosigkeit, Krankheit, l&auml;ngere Ausbildung oder Erwerbsjahre mit geringem Einkommen aufweisen.<\/p><p>Der Bundesrechnungshof und die CDU\/CSU haben 2025 die Erh&ouml;hung der Beitragsjahre auf 47 Jahre vorgeschlagen:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>In den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU\/CSU und SPD hat die CDU\/CSU in der Arbeitsgruppe f&uuml;r Arbeit und Soziales vorgeschlagen, die Definition der Standardrente an die laufende Anhebung der gesetzlichen Regelaltersgrenze perspektivisch auf 47 Beitragsjahre bis zum Jahr 2031 anzupassen.&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>]<\/p><\/blockquote><p><strong>Durchschnitt &ndash; oder was ist wichtig?<\/strong><\/p><p>Bisher ging es immer um &sbquo;<strong>Die<\/strong> Rentner und &sbquo;<strong>Die <\/strong>Alten&lsquo;. Ja, es gibt bei den allermeisten &Auml;lteren gesundheitliche Entwicklungen, die ganz generell mit dem Alter einhergehen, z.B. die alterstypischen Verschlechterungen der Sinne (H&ouml;ren, Sehen). Besonders interessant wird die Frage nach Lebenserwartung und Renteneintrittsalter aber dann, wenn man Gruppen nach bestimmten Merkmalen unterscheidet, z.B. Einkommensunterschiede.<\/p><p>In der Wissenschaft und auch von den vielen bisher einberufenen Sachverst&auml;ndigen- und Rentenkommissionen <strong>wird nicht bezweifelt<\/strong>, <strong>dass die soziale und finanzielle Lebenssituation die Gesundheit beeinflusst und damit zu unterschiedlichen Lebenserwartungen f&uuml;hrt<\/strong>.<\/p><p>Kurz gesagt entspricht das Ergebnis aller dieser Studien etwa dem Ergebnis von Casper im Jahr 1835: Wer arm ist, ist kr&auml;nker und stirbt fr&uuml;her.<\/p><p>Zwei in diesem Zusammenhang oft zitiert Studien stammen von Brussig und Schulz mit dem Titel &sbquo;<em>Soziale Unterschiede im Mortalit&auml;tsrisiko: Das fr&uuml;here Arbeitsleben beeinflusst die fernere Lebenserwartung&lsquo;<\/em>[<a href=\"#foot_22\" name=\"note_22\">22<\/a>], sowie von Lampert, Hoebel und Kroll mit dem Titel: &sbquo;<em>Soziale Unterschiede in der Mortalit&auml;t und Lebenserwartung in Deutschland &ndash; Aktuelle Situation und Trends<\/em>&lsquo;.[<a href=\"#foot_23\" name=\"note_23\">23<\/a>]<\/p><p>Sie vergleichen die Lebenserwartung je nach Einkommensgruppen aufgeteilt in f&uuml;nf Gruppen (unter 60 Prozent des Durchschnitts, 60 bis 80 Prozent des Durchschnitts, 80 bis 100 Prozent des Durchschnitts, 100 bis 150 Prozent und mehr als 150 Prozent). Wie die Abbildung 4.2 von Brussig und Schulz zeigt, steigt die Lebenserwartung stetig von der untersten zur obersten Einkommensgruppe.<\/p><p><strong>Abbildung 4.2: Fernere Lebenserwartung und Einkommenssituation (Brussig\/Schulz)<\/strong><\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260411-lieck-rente-4-06.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260411-lieck-rente-4-06.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Lampert, Hoebel und Kroll fassen diese Ergebnisse wir folgt zusammen:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Bei Frauen betr&auml;gt die Spannweite zwischen der niedrigsten und h&ouml;chsten Einkommensgruppe 3,7 Jahre, bei M&auml;nnern 6,6 Jahre. Die Ergebnisse der Trendanalysen sprechen daf&uuml;r, dass die sozialen Unterschiede in der Lebenserwartung &uuml;ber die letzten 25 Jahre relativ stabil geblieben sind.&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_24\" name=\"note_24\">24<\/a>]<\/p><\/blockquote><p>Das Fazit dieser und noch vieler andere Studien ist eindeutig: <strong>Die <\/strong><strong>Lebenserwartung wird stark von der Einkommenssituation beeinflusst.<\/strong> Eine Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters w&uuml;rde den unteren Einkommensgruppen also am meisten &sbquo;wehtun&lsquo;.<\/p><p><strong>Die gewandelte Politik gegen&uuml;ber &Auml;lteren &ndash; nicht mehr fr&uuml;hzeitig aussortiert, sondern endlos arbeitsf&auml;hig<\/strong><\/p><p>Bis etwa zur Jahrtausendwende herrschte zur Frage &sbquo;Alter und Arbeit&lsquo; die sogenannte <strong>&sbquo;Defizitannahme&lsquo;<\/strong>. Kurz gesagt: Im Alter nehmen alle wichtigen Vorbedingungen f&uuml;r gute oder auch nur ausreichende Arbeitsleistung ab.<\/p><p>Angesichts hoher Arbeitslosigkeit in dieser Zeit drehten sich politische Debatten darum, wie es gelingen k&ouml;nnte, dass <strong>die &Auml;lteren &ndash; doch bitte &ndash; fr&uuml;her aus dem Erwerbsleben ausscheiden<\/strong> <strong>und den Jungen nicht die Arbeitspl&auml;tze wegnehmen<\/strong>. <strong>Fr&uuml;hverrentungsprogramme<\/strong> waren das Instrument, m&ouml;glichst viele &Auml;ltere m&ouml;glichst schnell aus dem Erwerbsleben in die Rente zu schicken. 1984 wurde mit dem Vorruhestandsgesetz diese Fr&uuml;hverrentung sogar staatlich gef&ouml;rdert.[<a href=\"#foot_25\" name=\"note_25\">25<\/a>] Die Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung schreibt dazu:<\/p><blockquote><p>\n    &bdquo;<em>Vorruhestandsregelungen<\/em><\/p>\n<p>    <em>Der Vorruhestand ist eine &Uuml;berbr&uuml;ckungszeit bis zum Beginn der individuellen Alterssicherung. Er dient als Instrument zum Personalabbau. &Auml;ltere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden zur Aufl&ouml;sung der Arbeitsvertr&auml;ge veranlasst. Den Besch&auml;ftigten wird dabei im Rahmen eines Sozialplans ein bestimmtes Nettoeinkommen im Vorruhestand (in der Regel 65 Prozent des bisherigen Einkommens) garantiert. Zwar lief die staatliche F&ouml;rderung durch das 1984 beschlossene Vorruhestandsgesetz bereits 1988 aus. Aber dennoch wurden beim Stellenabbau in Ostdeutschland Anfang der 1990er Jahre die Vorruhestandsregelungen, die Gewerkschaften und Arbeitgeber aushandelten (in der Regel mit 65 Prozent des Nettoeinkommens), zu einem bew&auml;hrten Instrument des sozialvertr&auml;glichen Stellenabbaus.&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_26\" name=\"note_26\">26<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Damit war oft auch eine <strong>Abwertung der &Auml;lteren in vielen Betrieben<\/strong> verbunden. In dieser Zeit verabschiedete die Internationale Arbeitsorganisation ILO den Entwurf einer internationalen Vereinbarung, die &uuml;berwiegend den Schutz &auml;lterer Besch&auml;ftigter vor Altersdiskriminierung zum Ziel hatte. Verschiedene Staaten erlie&szlig;en Gesetze gegen diese Diskriminierung der &Auml;lteren im Arbeitsleben, darunter die USA schon im Jahr 1967 f&uuml;r alle Arbeitnehmer, die &auml;lter als 40 Jahre waren.[<a href=\"#foot_27\" name=\"note_27\">27<\/a>] Noch heute gibt es viele Unternehmen, in denen das &Uuml;berschreiten eines bestimmten Alters ein Besch&auml;ftigungshindernis ist. Informationstechnik gilt als eine solche Branche, viele handwerkliche Berufe mit k&ouml;rperlicher Schwerarbeit, aber auch die Gastronomie. Hier soll laut einer Untersuchung der Bundesanstalt f&uuml;r Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) bereits 35 das Alter sein, in dem man entweder Manager ist oder besser gehen sollte.[<a href=\"#foot_28\" name=\"note_28\">28<\/a>]<\/p><p>Die Situation hat sich <strong>vollst&auml;ndig umgedreht<\/strong>. &sbquo;Popul&auml;rpolitisch&lsquo; ausgedr&uuml;ckt, war die <strong>Botschaft an die &Auml;lteren<\/strong> damals:<\/p><p><strong>1985: Macht endlich die Arbeitspl&auml;tze f&uuml;r die Jungen frei, wir geben euch noch Geld dazu!<\/strong><\/p><p>Heute lautet die Devise:<\/p><p><strong>2025: Arbeitet, solange ihr m&uuml;sst, also bis zum regul&auml;ren Rentenbeginn. Wenn nicht, k&uuml;rzen wir die Rente!<\/strong><\/p><p>Will man heutzutage vor dem regul&auml;ren Renteneintrittsalter von aktuell nahezu 67 Jahren in Rente gehen, werden von der Rente Abschl&auml;ge abzogen. Pro Monat des vorzeitigen Rentenbeginns werden je nach Jahrgang zwischen 0,3 Prozent Abschlag f&auml;llig, also pro Jahr 3,6 Prozent. Dieser Abschlag gilt f&uuml;r die gesamte Rentenzeit (Ausnahmen hier nicht ber&uuml;cksichtigt). Wer aus dem Jahrgang 1964 statt mit 67 mit 63, also nicht im Jahr 2031, sondern 2027 in Rente gehen m&ouml;chte, muss 14,4 Prozent Abschlag in Kauf nehmen.<\/p><p><strong>Eine wesentliche Frage in dieser Debatte ist: Geht ein h&ouml;heres Renteneintrittsalter gesundheitlich &uuml;berhaupt?<\/strong><\/p><p> <strong>Die Arbeitsf&auml;higkeit &ndash; eingeschr&auml;nkt, ja oder nein?<\/strong><\/p><p>Es gibt &ndash; bekannterma&szlig;en[<a href=\"#foot_29\" name=\"note_29\">29<\/a>] &ndash; im Alter typische physiologische, psychische und neurologische Ver&auml;nderungen. Am wichtigsten sind die folgenden altersbedingten physiologischen Entwicklungen:[<a href=\"#foot_30\" name=\"note_30\">30<\/a>]<\/p><ul>\n<li>die Ver&auml;nderungen der Sinnesf&auml;higkeiten wie Sehen und H&ouml;ren.<br>\nRelevant f&uuml;r alle Arbeitst&auml;tigkeiten;<\/li>\n<li>der R&uuml;ckgang der Muskelkraft, der Geschicklichkeit und Flexibilit&auml;t. Wichtig f&uuml;r alle Arten von manueller Arbeit;<\/li>\n<li>der R&uuml;ckgang der Vitalkapazit&auml;t und der Sauerstoffaufnahme. Erforderlich f&uuml;r alle k&ouml;rperlich anstrengenden Arbeiten;<\/li>\n<li>der R&uuml;ckgang der Nervenleitgeschwindigkeit. Relevant, wenn schnelle Reaktionen entscheidend sind, z.B. im Transport- und Verkehrsbereich;<\/li>\n<li>der altersbedingte Anstieg des sogenannten &sbquo;essentiellen Tremors&lsquo;, vereinfacht des Zitterns der H&auml;nde, laut AOK ca. 4,5 Prozent aller &uuml;ber 65-J&auml;hrigen [<a href=\"#foot_31\" name=\"note_31\">31<\/a>];<\/li>\n<li>eine weniger effektive Thermoregulation und eine Verringerung der Nierenfunktionen, was zu einem h&ouml;heren Risiko der Dehydrierung f&uuml;hrt. Wichtig bei Belastungen durch hohe Temperaturen und bei Arbeiten im Freien in warmem Klima;<\/li>\n<li>ein weniger widerstandsf&auml;higes Immunsystem. Erh&ouml;ht das Risiko in Berufen, in denen man biologischen &sbquo;Agenzien&lsquo; ausgesetzt ist;<\/li>\n<li>eine Abnahme des Gleichgewichts und der Mobilit&auml;t. Erh&ouml;ht das Unfallrisiko.<\/li>\n<li>eine geringere Knochendichte. Das f&uuml;hrt zu einer h&ouml;heren Anf&auml;lligkeit f&uuml;r Knochenbr&uuml;che. Wichtig f&uuml;r alle Arbeiten mit erh&ouml;htem Unfallrisiko.<\/li>\n<\/ul><p>Die altersbedingten Ver&auml;nderungen der psychischen &bdquo;F&auml;higkeiten&ldquo; und die Entwicklung der psychischen Gesundheit weisen ebenfalls einige typische Merkmale auf, jedoch keineswegs einen allgemeinen R&uuml;ckgang im Alter.<em> <\/em>Mit zunehmendem Alter passiert vereinfacht ausgedr&uuml;ckt folgendes:<\/p><ul>\n<li>die sogenannte <strong>&sbquo;fluide Intelligenz&lsquo; nimmt ab<\/strong>, was zu einer langsameren Informationsaufnahme, einer geringeren selektiven Konzentration und einer l&auml;ngeren Anpassungszeit an neue Aufgaben f&uuml;hrt.[<a href=\"#foot_32\" name=\"note_32\">32<\/a>]<\/li>\n<li>die <strong>&sbquo;kristalline Intelligenz&lsquo;<\/strong> nimmt zu, d.h. Allgemeinwissen, Verst&auml;ndnis der Gesamtsituation, verbaler Ausdruck und Wortschatz.[<a href=\"#foot_33\" name=\"note_33\">33<\/a>] Weiterhin: Bei emotionalen Herausforderungen am Arbeitsplatz kann Alter von Vorteil sein.[<a href=\"#foot_34\" name=\"note_34\">34<\/a>]<\/li>\n<\/ul><p>Man sieht die Folgen der altersbedingt abnehmenden Gesundheit auch deutlich an der Erwerbsquote, die ab dem 60. Lebensjahr drastisch sinkt. So sind im Jahr 2024 im Alter zwischen 45 und 49 Jahren 90,4 Prozent aller M&auml;nner und 84,6 Prozent aller Frauen in Deutschland erwerbst&auml;tig. Zwischen 60 und 64 sind es noch 70,5 Prozent bzw. 62,9 Prozent. Daf&uuml;r sind mehrere Gr&uuml;nde ausschlaggebend: Im Wesentlichen sind dies Krankheit, Arbeitslosigkeit oder vorzeitiger Rentenbeginn bzw. eine Kombination dieser drei Gr&uuml;nde.<\/p><p><strong>Tabelle 4.4.: Erwerbsquoten (BMAS\/BAuA)<\/strong>[<a href=\"#foot_35\" name=\"note_35\">35<\/a>]<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260411-lieck-rente-4-07.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260411-lieck-rente-4-07.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Die Statistik der Krankheitstage zeigt ein &auml;hnliches Bild. Nimmt man als Basis 100 Versicherte zwischen 60 und 65, so sind diese pro Jahr 196-mal krank (also jeder ca. zweimal), die Krankheitsdauer pro Fall betr&auml;gt 20 Tage.<\/p><p><strong>Abbildung 4.3.: Arbeitsunf&auml;higkeitstage nach Altersgruppen (BMAS\/BAuA) <\/strong>[<a href=\"#foot_36\" name=\"note_36\">36<\/a>]<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260411-lieck-rente-4-08.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260411-lieck-rente-4-08.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Verglichen mit den J&uuml;ngeren sind die Krankheiten offensichtlich ernster geworden bzw. die Behandlung und Heilung dauert l&auml;nger.<\/strong> In der Summe sind das 3.920 Krankheitstage f&uuml;r 60 bis 65-j&auml;hrige auf 100 Versicherte, also 39 Tage pro Besch&auml;ftigen pro Jahr. Dagegen sind &ndash; wieder berechnet auf der Basis von 100 Versicherten &ndash; die 40- bis 45-J&auml;hrigen 2.180 Tage krank, also 21,8 Tage pro Person und Jahr. Die noch j&uuml;ngeren Altersgruppen sind erheblich h&auml;ufiger krank, aber jeder Krankheitsfall ist k&uuml;rzer bzw. schneller &sbquo;beendet&lsquo;.<\/p><p><strong>Das Fazit dieser Statistiken und Studien ist<\/strong>, dass mit der Alterung <strong>die Leistungsf&auml;higkeit wesentlicher K&ouml;rperfunktionen<\/strong> gegen&uuml;ber der Jugendzeit <strong>abnimmt<\/strong>, dass <strong>Krankheiten zunehmen <\/strong>und<strong> die Gesundheit nachl&auml;sst &ndash; und dies auch noch statistisch ungleich verteilt ist. Das wird alles auch nicht ernsthaft bestritten &ndash; <\/strong>obwohl die Bilder der gesunden Rentnerehepaare an sonnigen Str&auml;nden doch etwas anderes <strong>suggerieren<\/strong> (sollen).<\/p><p><strong>Aber:<\/strong> <strong>Ein Argument der Bef&uuml;rworter eines h&ouml;hen Renteneintrittsalters bleibt<\/strong>, n&auml;mlich dass es trotz der unterschiedlichen gesundheitlichen Situation und der generellen Verringerung k&ouml;rperlicher Leistungsf&auml;higkeit selbstverst&auml;ndlich auch gesunde &Auml;ltere gibt &ndash; &Auml;ltere, die zumindest so gesund sind, dass sie viele Arbeiten, die heute J&uuml;ngere ausf&uuml;hren, ebenso ausf&uuml;hren k&ouml;nnten.[<a href=\"#foot_37\" name=\"note_37\">37<\/a>]<\/p><p>Ein prominentes Beispiel stammt von Axel B&ouml;rsch-Supan, Mitglied der Rentenkommission &sbquo;<em>Vorschl&auml;ge f&uuml;r eine Reform der gesetzlichen Rentenversicherung&lsquo;<\/em> (2021) und bekannt durch viele Stellungnahmen und Expertisen zur deutschen Rentenpolitik. Er hat zwei Studien zur Arbeitsproduktivit&auml;t &Auml;lterer in einem gro&szlig;en Automobilwerk und einer internationalen Versicherungsgesellschaft durchgef&uuml;hrt. Das Ergebnis fasst er so zusammen:<\/p><blockquote><p>&sbquo;<em>Das Klischee einer bis ins dritte Lebensjahrzehnt ansteigenden und danach stetig abfallenden Arbeitsproduktivit&auml;t l&auml;sst sich also weder in einem typischen Betrieb des verarbeitenden Gewerbes noch in einem typischen Betrieb des Dienstleistungssektors best&auml;tigen. Betont werden muss dabei, dass es sich hier nicht um Spitzenleistungen, sondern Durchschnittsleistungen bei stark standarisierten T&auml;tigkeiten handelt, die repr&auml;sentativ f&uuml;r einen Gro&szlig;teil der Arbeitnehmerschaft sind.&lsquo;<\/em>[<a href=\"#foot_38\" name=\"note_38\">38<\/a>]<\/p><\/blockquote><p>Er weist darauf hin, dass diese Beobachtungen auf Basis seiner Studien nur bis zum Alter 60 g&uuml;ltig sind. Der <strong>Hauptma&szlig;stab f&uuml;r die Messung der Arbeitsproduktivit&auml;t in diesen Studien war die Anzahl und Schwere von Fehlern<\/strong>.[<a href=\"#foot_39\" name=\"note_39\">39<\/a>] Aufgrund der Erfahrung und der stabilen oder sogar zunehmenden &sbquo;kristallinen Intelligenz&lsquo; ist die Erkennung und Beseitigung von Fehlern eine bekannte St&auml;rke &Auml;lterer.<\/p><p>In der Versicherungsgesellschaft &ndash; also B&uuml;roarbeit &ndash; diagnostiziert er altersbedingt abnehmende Leistungen der &Auml;lteren bei eher einfachen standardisierten T&auml;tigkeiten; und entgegengesetzt sogar zunehmende Produktivit&auml;t der &Auml;lteren bei schwierigen Aufgabenstellungen.<\/p><p>Im wegweisenden, immer wieder zitierten Aufsatz der Psychologen Ruth Kanfer und Phillip Ackermann ,<em>Altern, Entwicklung im Erwachsenenalter und Arbeitsmotivation)<\/em> <em>(&sbquo;Aging, adult development and work motivation&lsquo;)<\/em> wird das so erkl&auml;rt:[<a href=\"#foot_40\" name=\"note_40\">40<\/a>]<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Da die kristalline Intelligenz mit zunehmendem Alter zunimmt, kann man erwarten, dass Personen, die T&auml;tigkeiten aus&uuml;ben, die ein hohes Ma&szlig; an Wissen und\/oder Erfahrung erfordern, ihre Leistung ohne erh&ouml;hten Aufwand aufrechterhalten k&ouml;nnen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Anders gesagt: <strong>Wenn F&auml;higkeiten gefragt sind, die breites und spezialisiertes Wissen und gro&szlig;e Erfahrung erfordern, sind &auml;ltere Arbeitnehmer zumindest ebenb&uuml;rtig, wenn nicht &uuml;berlegen<\/strong>. Aber: <strong>Wie viele solcher T&auml;tigkeiten stehen denn auf dem Arbeitsmarkt zur Verf&uuml;gung?<\/strong> Und wie viele, die eher im Alter abnehmende F&auml;higkeiten wie K&ouml;rperkraft und Reaktionsf&auml;higkeit sowie gutes Sehen und H&ouml;ren erfordern? Auch hier ist sehr wahrscheinlich das Einkommen ein guter Indikator: Je h&ouml;her das Einkommen, desto eher sind spezielles Wissen und langj&auml;hrige Erfahrung bei der Arbeit gefragt.<\/p><p><strong>Die Arbeitsbedingungen sind immer besser geworden &ndash; Fragezeichen?<\/strong><\/p><p>Grunds&auml;tzlich: Die <strong>Arbeitsbedingungen aller Erwerbst&auml;tigen sind so vielf&auml;ltig<\/strong>, dass es f&uuml;r alle pauschalen Aussagen immer Gegenbeispiele geben wird. Dennoch lassen sich einige wichtige Trends beschreiben.<\/p><p><strong>Generell gilt die Ansicht: Es ist fast alles besser geworden in der Arbeitswelt<\/strong>, weniger Unf&auml;lle, besseres Betriebsklima, mehr Bewusstsein f&uuml;r krankmachende Faktoren, Verschlechterungen sind eher Ausnahmen. Eine wesentliche Grundlage dieser Ansicht ist die (extrem) weit verbreitete Aufteilung der Wirtschaft in die drei Sektoren Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistung. Da gem&auml;&szlig; diesem Konzept mittlerweile mehr als 75 Prozent der Erwerbst&auml;tigen im Dienstleistungssektor arbeiten, folgt als n&auml;chste Schlussfolgerung: <strong>Landwirtschaft und Industrie sind belastend und gesundheits&rsquo;unvertr&auml;glich&lsquo;, Dienstleistung ist im Wesentlichen B&uuml;rot&auml;tigkeit<\/strong>, und B&uuml;roarbeit ist wiederum normalerweise eine T&auml;tigkeit mit geringer Belastung und wenigen Gesundheitsbeeintr&auml;chtigungen.<\/p><p>Zu dieser Auffassung gibt es im Wesentlichen zwei Gegenargumente.<\/p><p><strong>Erstens, die statistische Einteilung ist in vielen F&auml;llen unsinnig<\/strong>. Einige Beispiele:<\/p><ul>\n<li>Ein Buchhalter in einem Stahlwerk wird als Besch&auml;ftigter dem Sektor Industrie zugerechnet. Ein externer Handwerker, der im gleichen Stahlwerk Reparaturarbeiten durchf&uuml;hrt, ist ein Dienstleister. W&auml;re der Handwerker im Werk angestellter Reparaturschlosser, w&auml;re er &sbquo;Industriearbeiter&lsquo;. W&auml;re die Buchhaltung an eine externe Firma ausgegliedert, w&auml;re der Buchhalter &sbquo;Dienstleister&lsquo;.<\/li>\n<li>Wer in einem Kraftwerk oder einem Chemiewerk in der &Uuml;berwachung t&auml;tig ist und praktisch den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzt, ist ein Industriearbeiter. Wer im Krankenhaus Patienten hebt und tr&auml;gt, ist ein Dienstleister.<\/li>\n<\/ul><p>Das will sagen: <strong>Die Sektorbetrachtung ist f&uuml;r die Beurteilung der konkreten Arbeitsbelastungen und ihrer gesundheitlichen Auswirkungen ungeeignet<\/strong>.<\/p><p>Das <strong>zweite Gegenargument<\/strong> ist noch wichtiger: <strong>Arbeitsbedingungen im Dienstleistungssektor umfassen bei Weitem nicht nur B&uuml;roarbeit<\/strong>, <strong>sondern sind extrem vielf&auml;ltig &ndash; und oft auch nach klassischen Ma&szlig;st&auml;ben der &sbquo;Schwerarbeit&lsquo; k&ouml;rperlich hochbelastend.<\/strong><\/p><p>Einige typische Urteile &uuml;ber die gegenw&auml;rtige Arbeitswelt sollen im Folgenden mit Beispielen gegenl&auml;ufiger Entwicklungen in Frage gestellt werden:<\/p><ul>\n<li>Man muss <strong>nicht mehr so viel Heben und Tragen<\/strong>. Genau, sagen die Lieferdienstfahrer und die Arbeiter in den gro&szlig;en Verteilzentren der Onlineh&auml;ndler, das merken wir jeden Tag. &Uuml;brigens eine der neuen Boombranchen!<\/li>\n<li>In der Pflege gibt es mittlerweile <strong>so viele Hilfsmittel<\/strong>. Ja, in der station&auml;ren Pflege (kommt auch drauf an). Und in der mobilen Pflege?<\/li>\n<li><strong>Die psychische Belastung wird angeblich immer gr&ouml;&szlig;er<\/strong>, <strong>das sehe ich nicht so<\/strong>.<br>\nFrag mal die Erwerbst&auml;tigen in der Pflege, Lehrkr&auml;fte an Schulen, auch in der Gastronomie oder Call Centern nach &sbquo;schwierigen Kunden&lsquo; (&sbquo;Kunden&lsquo; steht hier f&uuml;r alle diejenigen, um die sich diese Berufe k&uuml;mmern m&uuml;ssen). Gerade in den Wirtschaftszweigen Bildung, Gesundheit und soziale Arbeit sowie Handel, Verkehr, Gastgewerbe und Tourismus gab und gibt es einen starken Besch&auml;ftigungszuwachs. Das bedeutet: mehr kommunikative und emotional anspruchsvolle sowie kunden- bzw. personenorientierte Berufe (Mensch-zu-Mensch statt Mensch-zu-Maschine). <strong>Mehr Besch&auml;ftigte in diesen Berufen und die damit verbundenen psychosozialen und emotionalen Herausforderungen haben die psychischen Erkrankungen an die Spitze der Gr&uuml;nde f&uuml;r Erwerbsunf&auml;higkeitsrenten &sbquo;katapultiert&lsquo;.<\/strong><\/li>\n<li><strong>B&uuml;roarbeit ist gesundheitlich unbedenklich.<\/strong> Es ist richtig, dass die gr&ouml;&szlig;te Gruppe der Erwerbst&auml;tigen &sbquo;im B&uuml;ro&lsquo; arbeitet. <strong>Aber auch im B&uuml;ro hat es enorme Ver&auml;nderungen gegeben<\/strong>. Diverse Managementsysteme zur Erfassung und Steigerung der Arbeitsleistung wurden eingef&uuml;hrt, der Zeitdruck hat nachweislich stark zugenommen.[<a href=\"#foot_41\" name=\"note_41\">41<\/a>] Einschneidende organisatorische Ver&auml;nderungen haben zur Absenkung von gesundheitsbewahrenden Regelungen gef&uuml;hrt: Schlagw&ouml;rter sind: Betriebsaufspaltungen, Auslagerungen, Privatisierungen, neue Vertragsformen, erzwungene Selbst&auml;ndigkeit.<\/li>\n<li><strong>Arbeitszeitregelungen sind nicht mehr so strikt, die meisten arbeiten doch von 8:00 bis 17:00 Uhr mit einer Stunde Pause am Tag.<\/strong> Immer mehr Arbeitskr&auml;fte arbeiten in Unternehmen und Wirtschaftszweigen, in denen <strong>genau das nicht der Fall<\/strong> ist und die sogar aller Voraussicht nach wachsen: z.B. &Ouml;ffentlicher Personennahverkehr (&Ouml;PNV), Gesundheitsversorgung und Pflege, G&uuml;tertransport, Tourismus, Hotels, Gastronomie, Sicherheitsdienste, &Uuml;berwachung, Reparatur und Wartung.<\/li>\n<\/ul><p>Auch au&szlig;erhalb des Dienstleistungssektors gibt es unz&auml;hlige Beispiele f&uuml;r vergessene, verdr&auml;ngte oder ausgelagerte Belastungen:<\/p><ul>\n<li>Man muss sich <strong>nicht mehr so viel b&uuml;cken und auf dem Boden herumkrauchen <\/strong>wie fr&uuml;her in der Landwirtschaft. Ja, sagen die osteurop&auml;ischen Saisonarbeiter in der Landwirtschaft (die im &Uuml;brigen sehr wahrscheinlich auch keine Rente aus Deutschland bekommen werden): Ihr merkt es nicht, weil ihr es nicht mehr selbst macht. Und weil ihr Lebensmittel &uuml;berwiegend importiert. &Uuml;berhaupt werden viele Produkte, die fr&uuml;her in Deutschland in eher &sbquo;schmutzigen&rsquo; Branchen mit hohen Gesundheitsgef&auml;hrdungen produziert wurden, jetzt aus anderen L&auml;ndern importiert (Landwirtschaft, Bergbau, Textilien, Werften, Recycling etc.).<\/li>\n<li><strong>Sch&auml;dliche Stoffe und Staub bei der Arbeit sind viel besser unter Kontrolle<\/strong>. Ja, in der Produktion vielleicht, aber beim Einsatz auf dem Bau, bei Reparaturen und Instandhaltung, und am Ende der Kette in der &ndash; boomenden &ndash; Recyclingbranche tauchen sie wieder auf.<\/li>\n<li>Seit 2005 bleibt der Anteil der Besch&auml;ftigten, die <strong>traditionellen Sicherheits- und Gesundheitsrisiken <\/strong>ausgesetzt sind, auf einem stabilen Niveau. Das sind Unf&auml;lle, L&auml;rm, Vibrationen, Staub, chemische und biologische Stoffe, hohe oder niedrige Temperaturen, elektrischer Schock.[<a href=\"#foot_42\" name=\"note_42\">42<\/a>]<\/li>\n<\/ul><p>In bestimmten Berufen ist die Lebenserwartung deshalb deutlich niedriger. Auch der Sachverst&auml;ndigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung, der eine Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters fordert, bezweifelt das nicht:<\/p><blockquote><p>&sbquo;<em>Dar&uuml;ber hinaus ist die Lebenserwartung in Deutschland und auch in anderen L&auml;ndern wie den USA positiv mit dem individuellen Einkommen korreliert &hellip; Eine sehr hohe k&ouml;rperliche oder psychische Arbeitsbelastung w&auml;hrend des Erwerbslebens ist sowohl f&uuml;r M&auml;nner als auch f&uuml;r Frauen mit einer geringeren ferneren Lebenserwartung korreliert&hellip;. Die empirische Evidenz zeigt, dass sich die Lebenserwartung zwischen einzelnen Berufsgruppen um bis zu f&uuml;nf Jahre unterscheidet, auch unabh&auml;ngig von Einkommen und sozio-&ouml;konomischem Status.&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_43\" name=\"note_43\">43<\/a>]<\/p><\/blockquote><p><strong>Was hei&szlig;t das alles f&uuml;r das Renteneintrittsalter?<\/strong><\/p><p>Zu allen Rentenreformen der vergangenen 40 Jahre haben in der Regel sowohl Verb&auml;nde (Unternehmen und Gewerkschaften), Parteien als auch Expertenkommissionen Vorschl&auml;ge gemacht. Nach der kontroversen Rentendebatte von Ende 2025 (Stichwort &sbquo;Haltelinie 48 Prozent&lsquo;) wurde wieder eine Expertenkommission eingerichtet, weil die regierenden Parteien (CDU\/SPD) &uuml;ber die k&uuml;nftigen Reformschritte uneinig sind.<\/p><p>Mehrere vorhergehende Expertenkommissionen haben bereits die <strong>Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters<\/strong> vorgeschlagen. Der Wissenschaftliche Beirat beim (ehemaligen) Bundesministerium Wirtschaft und Energie schreibt 2021:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Der Beirat betont, dass eine Anpassung des Rentenzugangsalters an die Lebenserwartung auch nach 2031 unerl&auml;sslich ist, und empfiehlt, diese 2:1 Aufteilung als explizite Regel zu verankern und ab 2031 weiterzuf&uuml;hren.<\/em>[<a href=\"#foot_44\" name=\"note_44\">44<\/a>]<\/p><\/blockquote><p>Die &sbquo;f&uuml;nf Weisen&lsquo;[<a href=\"#foot_45\" name=\"note_45\">45<\/a>] halten die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalter f&uuml;r den Kern einer zuk&uuml;nftigen Rentenreform.[<a href=\"#foot_46\" name=\"note_46\">46<\/a>] W&ouml;rtlich hei&szlig;t es: <em>&bdquo;Kern einer Reform innerhalb der GRV sollten eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die fernere Lebenserwartung und eine erg&auml;nzende Kapitaldeckung sein.&ldquo;<\/em><\/p><p>Sie favorisieren die Zwei-zu-eins-Regel, d.h., wenn sich die Lebenserwartung um drei Jahre erh&ouml;ht, wird dieser Zuwachs nach der Formel 2:1 aufgeteilt: Das Renteneintrittsalter steigt um zwei Jahre, die Rentenbezugszeit um ein Jahr. Also sp&auml;testens, wenn die Lebenserwartung um drei Jahre gestiegen ist, soll das Renteneintrittsalter bei 69 Jahren liegen. Die Annahme ist, dass sich ab 2031 die Lebenserwartung alle zehn Jahre um 8,4 Monate erh&ouml;ht. So dauert es vermutlich bis ins Jahr 2076 (45 Jahre ab 2031), bis die Lebenserwartung um drei Jahre gestiegen ist. Das hei&szlig;t, die im Jahr 2007 Geborenen gehen ca. 2076 mit 69 Jahren in Rente.[<a href=\"#foot_47\" name=\"note_47\">47<\/a>] In der Zwischenzeit werden die Renteneintrittsalter in gewissen Abst&auml;nden um einen Monat erh&ouml;ht. <em>Zitat: Gem&auml;&szlig; 2:1-Regel sollte das gesetzliche Renteneintrittsalter dementsprechend ab dem Jahr 2031 alle 10 Jahre um knapp 6 Monate steigen (Werding, 2023)&lsquo;<\/em>[<a href=\"#foot_48\" name=\"note_48\">48<\/a>]<\/p><p><strong>Was ist daran auszusetzen?<\/strong><\/p><p><strong>Erstens:<\/strong> Unber&uuml;cksichtigt bleiben bei dieser Berechnung und der Fixierung auf die Lebenserwartung die <strong>in Zukunft zu erwartenden Rentenh&ouml;hen<\/strong>. Waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Arbeitsmarkt zwischen 1990 und 2025 wirklich so gut, dass viele Erwerbst&auml;tige das Ziel 45 oder evtl. 47 Beitragsjahre mit dem Durchschnittseinkommen erreicht haben bzw. erreichen werden?[<a href=\"#foot_49\" name=\"note_49\">49<\/a>]<\/p><p>Es gab eine relativ hohe Arbeitslosigkeit bis ca. 2006, die Entwicklung eines gro&szlig;en Niedriglohnsektors ab 2000 und die niedrigeren L&ouml;hne in den Neuen L&auml;ndern. Bisher ist das nicht leicht zu berechnen, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass die Renten im Schnitt niedriger ausfallen werden. Simone Scherger und Gert Wagner schreiben skeptisch:<\/p><blockquote><p>&sbquo;<em>Vor dem Hintergrund der beschriebenen Entwicklungen (und im Zusammenspiel mit der gr&ouml;&szlig;eren Verbreitung von Niedrigl&ouml;hnen in Ostdeutschland) zeichnen sich insbesondere f&uuml;r ostdeutsche M&auml;nner der Babyboomer (Altersjahrg&auml;nge 1956 bis 1965) im n&auml;chsten Jahrzehnt geringere Rentenanwartschaften ab als bei vorherigen Geburtskohorten &hellip; Bei Betrachtung der Rentenanwartschaften aus der gesetzlichen Rentenversicherung bis zum 40. Lebensjahr unter Einschluss noch j&uuml;ngerer Geburtskohorten (bis 1972 &ndash; 1976) ergeben sich f&uuml;r die j&uuml;ngsten Geburtskohorten sowohl im Westen als auch im Osten R&uuml;ckg&auml;nge, die bei westdeutschen Frauen jedoch nur sehr gering, bei ostdeutschen Frauen und vor allem M&auml;nnern aber viel deutlicher ausfallen.&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_50\" name=\"note_50\">50<\/a>]<\/p><\/blockquote><p>Die H&ouml;he der Renten h&auml;ngt von den erreichten Entgeltpunkten ab. Zur Erinnerung: F&uuml;r einen Entgeltpunkt <strong>muss in jedem dieser Jahre<\/strong> ein Bruttojahreseinkommen von 50.493 Euro erzielt werden (dieser Betrag gilt f&uuml;r 2025). Damit erreicht man nach 45 Jahren eine Rente von 1.800 Euro vor Abzug der Kranken- und Pflegeversicherungsbeitr&auml;ge und vor Steuern, und nach diesen Abz&uuml;gen von etwas &uuml;ber 1.500 Euro. Ein h&ouml;heres Renteneintrittsalter bedeutet auch, wer vorzeitig in Rente gehen will oder muss, wird noch viel h&ouml;here Abschl&auml;ge hinnehmen m&uuml;ssen.<\/p><p><strong>Zweitens<\/strong> muss man ber&uuml;cksichtigen, dass selbst wenn man weiteren medizinischen Fortschritt ber&uuml;cksichtigt, zwischen 15 bis 25 Prozent eines Altersjahrgangs gestorben sein werden, bevor sie das Renteneintrittsalter von 69 &uuml;berhaupt erreicht haben. Der Anteil der Gestorbenen l&auml;ge bei einer sofortigen Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters im Jahr 2026 auf 69 Jahre bei rund 22 Prozent eines Altersjahrgangs.<\/p><p><strong>Drittens:<\/strong> Angesichts der unterschiedlichen gesundheitlichen Lage ist <strong>ein h&ouml;heres Rentenalter am ehesten f&uuml;r die h&ouml;heren Einkommensgruppen in &sbquo;guten&lsquo; Berufen machbar.<\/strong> Ein h&ouml;heres Renteneintrittsalter wird f&uuml;r diejenigen am ehesten zu bew&auml;ltigen sein, die keine &uuml;berm&auml;&szlig;igen psychischen oder k&ouml;rperlichen Belastungen und im Grunde eine gute Arbeit hatten. Das hei&szlig;t: ein &uuml;berdurchschnittliches Einkommen w&auml;hrend des Arbeitslebens, auch im Alter, <strong>basierend auf einer guten Ausbildung, viel Erfahrung und Spezialwissen.<\/strong><\/p><p> Ein h&ouml;heres Renteneintrittsalter w&uuml;rde f&uuml;r noch mehr in &sbquo;nicht so guten Berufen&lsquo; <strong>das Aus f&uuml;r die Chance auf eine regul&auml;re Altersrente bedeuten<\/strong>.<strong> <\/strong>Ihnen bleibt als <strong>&sbquo;letzte Haltelinie&lsquo; &uuml;berwiegend die Erwerbsunf&auml;higkeitsrente<\/strong>. Dazu noch einmal die Meinung von Thomas Ebert:<\/p><blockquote><p>&sbquo;<em>Der Schl&uuml;ssel f&uuml;r jede Erh&ouml;hung der Altersgrenze liegt also in der flankierenden umfassenden Verbesserung der Erwerbsminderungsrenten. Unter der Voraussetzung einer vollwertigen und l&uuml;ckenlosen Sicherung bei Erwerbsminderung &ndash; aber auch nur unter dieser Bedingung &ndash; ist es vertretbar, die Altersgrenze in dem Umfang zu erh&ouml;hen, in dem die Lebenserwartung &auml;lterer Menschen steigt.<\/em>[<a href=\"#foot_51\" name=\"note_51\">51<\/a>]<\/p><\/blockquote><p>Insgesamt w&auml;re die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters <strong>eine Einsparung auf Kosten und Lebenszeit aller, aber zuallererst auf Kosten der unteren Einkommensgruppen<\/strong>. F&uuml;r die eher Gutverdienenden ist die Fortf&uuml;hrung der Erwerbst&auml;tigkeit bis 69 eine Option, die in vielen F&auml;llen gesundheitlich machbar ist.<\/p><p>Es ist allerdings zu bedenken, dass die Rentenversicherung nicht Ungleichheiten ausgleichen kann, die w&auml;hrend des Erwerbslebens in anderen Politikfeldern nicht ausgeglichen bzw. erzeugt wurden. So schreiben Simone Scherger und Gert Wagner schon 2020 im Bericht der Kommission &sbquo;Verl&auml;sslicher Generationenvertrag&lsquo;:<\/p><p>&sbquo;<em>Nicht zuletzt der politische Streit um die Grundrente macht deutlich, dass die nachtr&auml;gliche &sbquo;Korrektur&lsquo; von Ungleichheiten und Nachteilen in Erwerbsverl&auml;ufen in der Rentenversicherung an ihre Grenzen st&ouml;&szlig;t. Vielmehr muss hier eine nachhaltige, allzu gro&szlig;e Ungleichheiten bek&auml;mpfende Bildungs-, Arbeitsmarkt-, Betriebs-, Gesundheits-, Familien- und Migrationspolitik ansetzen. Ma&szlig;nahmen in diesen Politikbereichen k&ouml;nnen nicht nur dazu beitragen, durchg&auml;ngigere Erwerbsverl&auml;ufe zu unterst&uuml;tzen und individuelle Renteneinkommen zu verbessern, sondern auch die Finanzierungsbasis der kollektiven Alterssicherungssysteme st&auml;rken.<\/em>[<a href=\"#foot_52\" name=\"note_52\">52<\/a>]<\/p><p>Dem ist wenig hinzuzuf&uuml;gen. Angesichts der gestiegenen Mieten und Immobilienpreise m&uuml;sste man heute sicher noch die Wohnungsbaupolitik erg&auml;nzen.<\/p><p>Wie immer: Viele weitere Vorschl&auml;ge f&uuml;r eine bessere Rentenpolitik in &sbquo;<a href=\"https:\/\/renten-zukunft.de\/category\/neues\/\">Rentenzukunft<\/a>&lsquo;!<\/p><p><small>Titelbild: MakroBetz\/shutterstock.com<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Deutschlandfunk Nova: &sbquo;Alter, was ist eigentlich gerecht?&rsquo; Titel einer Sendung aus dem Jahr 2017, <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunknova.de\/beitrag\/generationengerechtigkeit-rente-und-sozialbeitraege\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Casper, J.L., 1835: <em>Die wahrscheinliche Lebensdauer des Menschen in den verschiedenen b&uuml;rgerlichen und geselligen Verh&auml;ltnissen, nach ihren Bedingungen und Hemmnissen untersucht<\/em>. Berlin <a href=\"https:\/\/www.deutsche-digitale-bibliothek.de\/item\/SPIDIYFOYJQJWVGTLFBIKNZJR6W5GVHZ\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Destatis &ndash; Statistisches Bundesamt: <em>Sterbef&auml;lle &ndash; Durchschnittliche weitere Lebenserwartung nach Altersstufen<\/em> <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Bevoelkerung\/Sterbefaelle-Lebenserwartung\/Tabellen\/lebenserwartung.pdf?__blob=publicationFile\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] In den statistischen Fachver&ouml;ffentlichungen wird immer wieder betont, dass es sich bei der Sch&auml;tzung der Lebenserwartung nicht um eine Voraussage handelt, sondern um eine Projektion aus der Vergangenheit. Das hei&szlig;t, eine Annahme &uuml;ber die Einwicklung in die Zukunft auf Basis der Daten aus der Vergangenheit. Um ein anderes Beispiel zur Verdeutlichung zu nehmen: Wenn alle Autos eines bestimmten Modells nach einer Laufzeit zwischen 250.000 km und 300.000 km verschrottet werden, kann man das f&uuml;r die Zukunft auch annehmen. Aber niemand kann genau wissen, was die Ingenieure an m&ouml;glichen Verbesserungen erfinden und in aktualisierte Modelle einbauen. Weil es aber in der Vergangenheit immer wieder Verbesserungen gab, die die Laufzeit erh&ouml;ht haben, nimmt man das auch f&uuml;r die Zukunft an. So kann auch ein statisches Amt keine medizinischen Durchbr&uuml;che, etwa in der Krebsbehandlung, voraussagen; ebenso keine Naturkatastrophen, Kriege, gesundheitssch&auml;dlichen Umwelteinfl&uuml;sse oder Pandemien.<\/p>\n<p>Immer wieder zitiert wird hier der Satz des amerikanischen Statistikers Keyfitz aus dem Jahre 1972 &ldquo;&hellip; a demographer makes a projection, and his reader uses it as a forecast&rdquo; (&sbquo;Ein Demograf macht eine Projektion, und der Leser benutzt es als Vorhersage&lsquo;) Keyfitz, N.: <em>On Future Population<\/em>. In: Journal of the American Statistical Association. 1972, Ausgabe 338, S. 347.<\/p>\n<p>Die Quintessenz ist, dass solche Absch&auml;tzungen der Lebenserwartung bis 2050 oder 2070 st&auml;ndig aktualisiert und korrigiert wurden, also der realen Entwicklung angepasst werden mussten. So ist in den letzten zwei Jahrzehnten der Anstieg der Lebenserwartung erheblich geringer ausgefallen als vor der Jahrtausendwende erwartet.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Destatis &ndash; Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 266 vom 22. Juli 2025: <em>Lebenserwartung bei Geburt erreichte 2024 wieder Vor-Corona-Niveau<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2025\/07\/PD25_266_12621.html\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Destatis ber&uuml;cksichtigt bei der Ermittlung der Lebenserwartung nur die zivilen Kriegsopfer. W&ouml;rtlich: &bdquo;<em>Dabei ist zu beachten, dass in dieser Rechnung w&auml;hrend der Kriegsjahre nur die zivile Kriegssterblichkeit einbezogen wurde.&ldquo; <\/em>Destatis: Sterbef&auml;lle und Lebenserwartung. Lebenserwartung einzelner Geburtsjahrg&auml;nge (Kohortensterbetafeln), <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Bevoelkerung\/Sterbefaelle-Lebenserwartung\/kohortensterbetafeln.html\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Janzik, R. u.a. 2025: <em>Mikroplastik: Evidenzlage zu gesundheitlichen Auswirkungen und &ouml;ffentlicher Wahrnehmung<\/em>, in: Deutsches &Auml;rzteblatt, Jg. 122, Heft 20, 3. Oktober 2025, <a href=\"https:\/\/api.aerzteblatt.de\/pdf\/122\/20\/m546.pdf\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Destatis &ndash; Statistisches Bundesamt: <em>Bev&ouml;lkerungsvorausberechnung 16. koordinierte Bev&ouml;lkerungsvorausberechnung, Annahmen und Ergebnisse &ndash; Lebenserwartung,<\/em> Grafik 10, Mittlere Variante L2, <a href=\"#lebenserwartung\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Daten zur Lebenserwartung 2000, 2024, 2050 und 2070 (f&uuml;r 2050 und 2070: Mittlere Variante). Quelle: Destatis &ndash; Statistisches Bundesamt: <em>Bev&ouml;lkerungsvorausberechnung 16. koordinierte Bev&ouml;lkerungsvorausberechnung, Annahmen und Ergebnisse &ndash; Lebenserwartung<\/em>, Grafik 10, Mittlere Variante L2, <a href=\"#lebenserwartung\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Destatis &ndash; Statistisches Bundesamt: <em>Sterbef&auml;lle und Lebenserwartung. Entwicklung der Lebenserwartung in Deutschland seit 1871\/1881<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Bevoelkerung\/Sterbefaelle-Lebenserwartung\/sterbetafel.html?nn=208696\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Destatis &ndash; Statistisches Bundesamt: <em>Bev&ouml;lkerungsvorausberechnung 16. koordinierte Bev&ouml;lkerungsvorausberechnung, Annahmen und Ergebnisse &ndash; Lebenserwartung<\/em>, Mittlere Variante L2, Grafik 10, <a href=\"#lebenserwartung\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Deutsche Rentenversicherung, 2025: <em>Rentenversicherung in Zeitreihen<\/em>, DRV-Schriften Band 22, <a href=\"https:\/\/www.deutsche-rentenversicherung.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/Statistiken-und-Berichte\/statistikpublikationen\/rv_in_zeitreihen.html\">hier<\/a>, S. 147 -Zitiert als: DRV Zeitreihen 2025<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Destatis, Statistischer Bericht: <em>Kohortensterbetafeln f&uuml;r Deutschland, 1923-2023<\/em>, EVAS-Nr. 12621, Tabellen 12621-10 (weiblich, Variante 1, niedrig), Tabelle 12621-09 (m&auml;nnlich, Variante 1, niedrig) <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Bevoelkerung\/Sterbefaelle-Lebenserwartung\/Publikationen\/Downloads-Sterbefaelle\/statistischer-bericht-kohortensterbetafeln-5126101239005.html\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] ebenda<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Es ist selbstverst&auml;ndlich, dass <strong>durchschnittliche Lebenserwartung<\/strong> eben auch bedeutet, dass Personen <strong>vor und nach<\/strong> diesem Datum sterben.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Destatis, Statistischer Bericht: <em>Kohortensterbetafeln f&uuml;r Deutschland, 1923-2023<\/em>, EVAS-Nr. 12621, Tabellen 12621-10 (weiblich, Variante 1, niedrig), Tabelle 12621-09 (m&auml;nnlich, Variante 1, niedrig) <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Bevoelkerung\/Sterbefaelle-Lebenserwartung\/Publikationen\/Downloads-Sterbefaelle\/statistischer-bericht-kohortensterbetafeln-5126101239005.html\">hier<\/a>, (&Uuml;berlebende mit 70 Jahren von Destatis gesch&auml;tzt)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Auf die Gesamtbev&ouml;lkerung eines Altersjahrgangs bezogen, also alle Erwerbst&auml;tigen, Selbstst&auml;ndigen, Beamten, niemals Erwerbst&auml;tigen etc.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] Sachverst&auml;ndigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung, 2024: <em>Jahresgutachten 2023\/24, Kapitel 5: Alterungsschub und Rentenreformen<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de\/jahresgutachten-2023-pressemitteilung\/kapitel-5.html\">hier<\/a> S.348. W&ouml;rtlich hei&szlig;t es dort:<strong> &bdquo;<\/strong><em><strong>Kern einer Reform innerhalb der GRV sollten <\/strong>eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die fernere Lebenserwartung und eine erg&auml;nzende Kapitaldeckung sein.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] Destatis, Statistischer Bericht: <em>Kohortensterbetafeln f&uuml;r Deutschland, 1923-2023<\/em>, EVAS-Nr. 12621, Tabellen 12621-10 (weiblich, Variante 1, niedrig), Tabelle 12621-09 (m&auml;nnlich, Variante 1, niedrig) <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Bevoelkerung\/Sterbefaelle-Lebenserwartung\/Publikationen\/Downloads-Sterbefaelle\/statistischer-bericht-kohortensterbetafeln-5126101239005.html\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] Es sollte klar sein, dass es au&szlig;er diesen fr&uuml;hzeitig Gestorbenen auch entsprechende Anteile eines Altersjahrgangs gibt, die die Lebenserwartung erreichen, der bei der Geburt berechnet wurde, und auch entsprechende Anteile, die die fernere Lebenserwartung erreichen und dar&uuml;ber hinaus.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] Bundesrechnungshof 2025: <em>Finanzielle Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung &ndash; ausgew&auml;hlte rentenpolitische Vorhaben<\/em>, S.21 <a href=\"https:\/\/www.bundesrechnungshof.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/Berichte\/2025\/entwicklung-rentenversicherung-volltext.html\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] Brussig, M., Schulz S.E., 2019: <em>Soziale Unterschiede im Mortalit&auml;tsrisiko: Das fr&uuml;here Arbeitsleben beeinflusst die fernere Lebenserwartung,<\/em> IAQ-Report 6\/2019, Universit&auml;t Duisburg-Essen, Fakult&auml;t f&uuml;r<em> <\/em>Gesellschaftswissenschaften, Institut Arbeit und Qualifikation, Duisburg.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_23\" name=\"foot_23\">&laquo;23<\/a>] Lampert, T., Hoebel, J., Kroll, L.-E., 2019: <em>Soziale Unterschiede in der Mortalit&auml;t und Lebenserwartung in Deutschland &ndash; Aktuelle Situation und Trends<\/em>, in. Journal of Health Monitoring &middot; 2019 4(1), <a href=\"https:\/\/edoc.rki.de\/bitstream\/handle\/176904\/5909\/JoHM_01_2019_Mortalitaet_Lebenserwartung.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_24\" name=\"foot_24\">&laquo;24<\/a>] Ebenda, S. 3<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_25\" name=\"foot_25\">&laquo;25<\/a>] Gesetz zur F&ouml;rderung von Vorruhestandsleistungen (Vorruhestandsgesetz &ndash; VRG) vom 13.04.1984 <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/vrg\/VRG.pdf\">gesetze-im-internet.de\/vrg\/VRG.pdf<\/a> <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_26\" name=\"foot_26\">&laquo;26<\/a>] Bundeszentrale f&uuml;r Politische Bildung, Glossar der Transformation: <em>Vorruhestandsregelungen<strong> <\/strong><\/em><a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/deutsche-einheit\/lange-wege-der-deutschen-einheit\/501270\/vorruhestandsregelungen\/\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_27\" name=\"foot_27\">&laquo;27<\/a>] United States Equal Employment Opportunity Commission, 2021: <em>The Age Discrimination in Employment Act of 19<\/em>67, <a href=\"http:\/\/www.eeoc.gov\/laws\/statutes\/adea.cfm\">hier<\/a><br>\nInternational Arbeitsorganisation (ILO),1980): <em>R162 &ndash; Older Workers Recommendation, 1980.<\/em> <a href=\"https:\/\/normlex.ilo.org\/dyn\/nrmlx_en\/f?p=NORMLEXPUB:12100:0::NO::P12100_INSTRUMENT_ID:312500\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_28\" name=\"foot_28\">&laquo;28<\/a>] Guhlemann, K., Best, C., 2021: <em>Vom Sternerestaurant in die Kantine? M&ouml;glichkeiten und Grenzen f&uuml;r ein berufliches Altern im Gastgewerbe.<\/em> In: Richter, G.: <em>Arbeit und Altern. Eine Bilanz nach 20 Jahren Forschung und Praxis.<\/em> S. 77-92, <a href=\"https:\/\/www.inlibra.com\/de\/document\/view\/detail\/uuid\/bdae4f08-93be-3510-be90-6fd8c589e3a0\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_29\" name=\"foot_29\">&laquo;29<\/a>] EU-OSHA, European Agency for Safety and Health at Work, 2016: <em>The ageing workforce: implications for occupational safety and health. A research review<\/em>. <a href=\"https:\/\/op.europa.eu\/en\/publication-detail\/-\/publication\/96570e3a-ec38-11e6-ad7c-01aa75ed71a1\/language-en\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_30\" name=\"foot_30\">&laquo;30<\/a>] Morrison, S., &amp; Newell, K. M., 2012: <em>Aging, Neuromuscular Decline, and the Change in Physiological and Behavioral Complexity of Upper-Limb Movement Dynamics<\/em>. Journal of Aging Research.<\/p>\n<p>Preston, J., Biddell, B., 2021: <em>The physiology of ageing and how these changes affect older people<\/em>. Medicine in older adults, Volume 49, Issue 1, 1 &ndash; 5, <a href=\"https:\/\/linkinghub.elsevier.com\/retrieve\/pii\/S1357303920302693\">hier<\/a><\/p>\n<p>Young, A., 1995: <em>Ageing and physiological functions<\/em>, in: Philos Trans R Soc Lond B Biol Sci (1997) S. 1837-1843. <a href=\"https:\/\/royalsocietypublishing.org\/rstb\/article-abstract\/352\/1363\/1837\/19167\/Ageing-and-physiological-functions?redirectedFrom=fulltext\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_31\" name=\"foot_31\">&laquo;31<\/a>] AOK Gesundheitsmagazin: <em>Essentieller Tremor: Wenn H&auml;nde oder Kopf unkontrollierbar zittern<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.aok.de\/pk\/magazin\/koerper-psyche\/gehirn-nerven\/essentieller-tremor-symptome-ursache-und-behandlung\/\">hier<\/a> , aufgerufen im Januar 2026<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_32\" name=\"foot_32\">&laquo;32<\/a>] Murman, D., 2015: <em>The Impact of Age on Cognition<\/em>. Seminars in Hearing, 36(3), Seite 111-121. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1055\/s-0035-1555115\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_33\" name=\"foot_33\">&laquo;33<\/a>] Kanfer, R., &amp; Ackerman, P., 2004: <em>Aging, adult development and work motivation<\/em>. Academy of Management Review, 29(3), S. 440-458, <a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/20159053?origin=crossref\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_34\" name=\"foot_34\">&laquo;34<\/a>] Doerwald, F., u.a. , 2016: <em>Emotional competencies across adulthood: State of knowledge and implications for the work context.<\/em> Work, Aging and Retirement, 2, S. 159-216, <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/workar\/article-abstract\/2\/2\/159\/2428545?login=false\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_35\" name=\"foot_35\">&laquo;35<\/a>] Destatis: <em>Erwerbst&auml;tigkeit, Erwerbsbeteiligung, <\/em>2024 <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Arbeit\/Arbeitsmarkt\/Erwerbstaetigkeit\/Tabellen\/erwerbstaetige-erwerbstaetigenquote.html\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_36\" name=\"foot_36\">&laquo;36<\/a>] Bundesministerium f&uuml;r Arbeit und Soziales\/ Bundesanstalt f&uuml;r Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BMAS\/BAuA), 2025: <em>Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit &ndash; Berichtsjahr 2024<\/em>. <em>Unfallverh&uuml;tungsbericht Arbeit<\/em>, Dortmund. <a href=\"https:\/\/www.baua.de\/DE\/Themen\/Monitoring-Evaluation\/Zahlen-Daten-Fakten\/SuGA\">hier<\/a>, S. 61<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_37\" name=\"foot_37\">&laquo;37<\/a>] Der Wissenschaftliche Beirats beim (ehemaligen) Bundesministerium Wirtschaft und Energie (BMWi)<em> <\/em>zeichnete in seinem Gutachten &sbquo;<em>Vorschl&auml;ge f&uuml;r ein Reform der gesetzlichen Rentenversicherung&lsquo;<\/em> (2021) ein sehr positives Bild des Gesundheitszustandes von &Auml;lteren (Kapitel VIII.1). Dieses positive Bild beruht vor allem auf zwei Studien eines Mitglieds der Kommission, Prof B&ouml;rsch-Supan, zu den Arbeitsleistungen &Auml;lterer in zwei gro&szlig;en Betrieben. <a href=\"https:\/\/www.bundeswirtschaftsministerium.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Ministerium\/Veroeffentlichung-Wissenschaftlicher-Beirat\/wissenschaftlicher-beirat-vorschlaege-reform-gutachten.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=7\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_38\" name=\"foot_38\">&laquo;38<\/a>] Ebenda, S. 47<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_39\" name=\"foot_39\">&laquo;39<\/a>] B&ouml;rsch-Supan, A., M. Weiss, M., 2016: <em>Productivity and age: Evidence from work teams at the assembly line,<\/em><\/p>\n<p>Journal of the Economics of Ageing 7: 30-42. Dort hei&szlig;t es w&ouml;rtlich auf Seite 3\/4: &sbquo;<em>We therefore use the number and severity of production errors during the assembly process as a precise and well-observed measure of productivity.&lsquo; (&Uuml;bersetzung: &sbquo;Wir verwenden daher die Anzahl und Schwere der Produktionsfehler w&auml;hrend des Montageprozesses als pr&auml;zises und gut erfasstes Ma&szlig; f&uuml;r die Produktivit&auml;t.&lsquo;)<\/em><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_40\" name=\"foot_40\">&laquo;40<\/a>] Kanfer, R., &amp; Ackerman, P. , 2004: <em>Aging, adult development and work motivation<\/em>. Academy of Management Review, 29(3), S. 449, <a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/20159053?origin=crossref\">hier<\/a>, w&ouml;rtlich im Original: &sbquo;<em>As Gc increases with age (gain), individuals engaged in jobs that demand high levels of knowledge and\/or experience (high-Gc jobs) are expected to maintain their performance without increased effort.&lsquo;<\/em><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_41\" name=\"foot_41\">&laquo;41<\/a>] Eurofound, 2009: <em>Working conditions in the European Union: Working time and work intensity<\/em>. Office for Official Publications of the European Communities,<\/p>\n<p>Niazi, A., u.a.: <em>Work intensification: A systematic review of studies from 1989 to 2022<\/em>. Work, Volume 77, Issue 3, S. 769-787, <a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/10.3233\/WOR-230193\">hier<\/a><\/p>\n<p>Bundesanstalt f&uuml;r Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2019: Zeitdruck und Co &ndash; Wird Arbeiten immer intensiver und belastender?, <a href=\"https:\/\/www.baua.de\/DE\/Angebote\/Publikationen\/Fakten\/BIBB-BAuA-26.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_42\" name=\"foot_42\">&laquo;42<\/a>] Bundesministerium f&uuml;r Arbeit und Soziales \/ Bundesanstalt f&uuml;r Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BMAS\/BAuA), 2025: <em>Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit &ndash; Berichtsjahr 2024<\/em>. <em>Unfallverh&uuml;tungsbericht Arbeit<\/em>, Dortmund, S. 60\/61, Abbildung 16 und Abbildung 17, <a href=\"https:\/\/www.baua.de\/DE\/Themen\/Monitoring-Evaluation\/Zahlen-Daten-Fakten\/SuGA\">hier<\/a>,<\/p>\n<p>Lieck, L. u.a., 2023: Occupational safety and health in Europe: state and trends 2023, EU-OSHA Publications Office of the European Union, Luxembourg <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.2802\/788385\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_43\" name=\"foot_43\">&laquo;43<\/a>] <em>Sachverst&auml;ndigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung, Jahresgutachten 23\/24, Wachstumsschw&auml;che &uuml;berwinden &ndash; In die Zukunft investieren. <\/em>Kapitel 5:<em> Alterungsschub und Rentenreformen, <\/em>S. 317<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_44\" name=\"foot_44\">&laquo;44<\/a>] Der Wissenschaftliche Beirats beim (ehemaligen) Bundesministerium Wirtschaft und Energie (BMWi) 2021 Gutachten &sbquo;<em>Vorschl&auml;ge f&uuml;r ein Reform der gesetzlichen Rentenversicherung&lsquo;<\/em> , S. 53 <a href=\"https:\/\/www.bundeswirtschaftsministerium.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Ministerium\/Veroeffentlichung-Wissenschaftlicher-Beirat\/wissenschaftlicher-beirat-vorschlaege-reform-gutachten.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=7\">Hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_45\" name=\"foot_45\">&laquo;45<\/a>] Sachverst&auml;ndigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung, 2024: <em>Jahresgutachten 2023\/24, Wachstumsschw&auml;che &uuml;berwinden &ndash; In die Zukunft investieren. <\/em>Kapitel 5:<em> Alterungsschub und Rentenreformen <\/em><a href=\"https:\/\/www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de\/jahresgutachten-2023-pressemitteilung\/kapitel-5.html\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_46\" name=\"foot_46\">&laquo;46<\/a>] Ebenda, S. 348<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_47\" name=\"foot_47\">&laquo;47<\/a>] Der Bundesrechnungshof hat das vorgeschlagen. Bundesrechnungshof 2025: <em>Bericht nach &sect; 88 Absatz 2 BHO an den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages: Finanzielle Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung &ndash; ausgew&auml;hlte rentenpolitische Vorhaben<\/em>, S. 8 <a href=\"https:\/\/www.bundesrechnungshof.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/Berichte\/2025\/entwicklung-rentenversicherung-volltext.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_48\" name=\"foot_48\">&laquo;48<\/a>] Sachverst&auml;ndigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung, 2024: <em>Jahresgutachten 2023\/24, Kapitel 5: Alterungsschub und Rentenreformen<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de\/jahresgutachten-2023-pressemitteilung\/kapitel-5.html\">hier<\/a> S.315<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_49\" name=\"foot_49\">&laquo;49<\/a>] Im Jahr 1992 wurde mit dem Rentenreformgesetz 1992 die Zahl der Versicherungsjahre, die f&uuml;r das Erreichen der Standardrente notwendig war, von 40 auf 45 Jahre erh&ouml;ht.<\/p>\n<p>Schm&auml;hl, W., 2007: Die Einf&uuml;hrung der &lsquo;dynamischen Rente&rsquo; 1957: Gr&uuml;nde, Ziele und Ma&szlig;nahmen; Versuch einer Bilanz. (ZeS-Arbeitspapier, 3\/2007). Bremen: Universit&auml;t Bremen, Zentrum f&uuml;r Sozialpolitik, S. 14, <a href=\"https:\/\/nbn-resolving.org\/urn:nbn:de:0168-ssoar-109145\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_50\" name=\"foot_50\">&laquo;50<\/a>] Scherger, S. Wagner , G., 2020: <em>Soziale Ungleichheiten in Lebensl&auml;ufen, Alterseinkommen und Lebenserwartung,<\/em> in: Kommission Verl&auml;sslicher Generationenvertrag, c\/o Bundesministerium f&uuml;r Arbeit und Soziales, Bericht der Kommission &sbquo;Verl&auml;sslicher Generationenvertrag&lsquo; S. 80, <a href=\"https:\/\/www.bmas.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/Rente\/Kommission-Verlaesslicher-Generationenvertrag\/bericht-der-kommission-band-2.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2\">hier<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_51\" name=\"foot_51\">&laquo;51<\/a>] Ebert, Th., 2018: &sbquo;<em>Die Zukunft des Generationenvertrags<\/em>&lsquo; Hrsg.: Bundeszentrale f&uuml;r Politische Bildung, Mai 2018, S.237, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/buecher\/schriftenreihe\/273771\/die-zukunft-des-generationenvertrags\/\">hier<\/a>,<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_52\" name=\"foot_52\">&laquo;52<\/a>] Scherger, S. Wagner, G., 2020<em>: Soziale Ungleichheiten in Lebensl&auml;ufen, Alterseinkommen und Lebenserwartung<\/em>, in: Kommission Verl&auml;sslicher Generationenvertrag, c\/o Bundesministerium f&uuml;r Arbeit und Soziales, Bericht der Kommission &sbquo;Verl&auml;sslicher Generationenvertrag&lsquo; S. 80, <a href=\"https:\/\/www.bmas.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/Rente\/Kommission-Verlaesslicher-Generationenvertrag\/bericht-der-kommission-band-2.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2\">hier<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die rentenpolitische Debatte wird seit Jahrzehnten von einer simplen Aussage beherrscht: die Jungen schuften, die Alten kassieren &ndash; Generationengerechtigkeit als Nullsummenspiel. Dramatische Schlagzeilen (&bdquo;Altenexplosion&ldquo;, &bdquo;Renten-Kollaps&ldquo;) und moralische Appelle an die &bdquo;junge Generation&ldquo; &uuml;bert&ouml;nen systematisch die Zahlen. Lothar Lieck legt in dieser vierteiligen Reihe eine n&uuml;chterne, datenbasierte Abrechnung vor: Ausgaben f&uuml;r Kinder und Jugendliche vs. Renten,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148959\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":148159,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[155,158,39],"tags":[1740,2418,1592,2270,929,1847,2217,301,1912,1609,405,1718],"class_list":["post-148959","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-demografische-entwicklung","category-generationenkonflikt","category-rente","tag-arbeitsbedingungen","tag-bevoelkerungsentwicklung","tag-deutsche-rentenversicherung","tag-grundrente","tag-krankheiten","tag-lebensarbeitszeit","tag-lebenserwartung","tag-rentenalter","tag-rentenniveau","tag-rentenreform","tag-statistisches-bundesamt","tag-vorruhestand"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/shutterstock_1999976627.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148959","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=148959"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148959\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":148988,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148959\/revisions\/148988"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/148159"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=148959"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=148959"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=148959"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}