{"id":149164,"date":"2026-04-17T09:12:37","date_gmt":"2026-04-17T07:12:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149164"},"modified":"2026-04-17T10:11:54","modified_gmt":"2026-04-17T08:11:54","slug":"tech-konzerne-das-system-ueber-dem-system","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149164","title":{"rendered":"Tech-Konzerne: Das System \u00fcber dem System"},"content":{"rendered":"<p>Viele Wissenschaftler kritisieren den wachsenden Einfluss einer neuen privaten Macht-&bdquo;Elite&ldquo; im Technologiebereich: Mit ihren digitalen Plattformen verdr&auml;ngen sie klassische Marktstrukturen und ersetzen sie durch kontrollierte Zug&auml;nge. Von <strong>G&uuml;nther Burbach<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2240\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-149164-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260416_Tech_Konzerne_Das_System_ueber_dem_System_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260416_Tech_Konzerne_Das_System_ueber_dem_System_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260416_Tech_Konzerne_Das_System_ueber_dem_System_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260416_Tech_Konzerne_Das_System_ueber_dem_System_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=149164-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260416_Tech_Konzerne_Das_System_ueber_dem_System_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260416_Tech_Konzerne_Das_System_ueber_dem_System_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Es sind S&auml;tze, die h&auml;ngenbleiben. Nicht, weil sie spektakul&auml;r formuliert sind, sondern weil sie eine Richtung andeuten: In einer Sendung auf <em>3sat<\/em> beschreibt der Historiker Quinn Slobodian eine Entwicklung, die sich nicht laut vollzieht, sondern schleichend: die Verlagerung gesellschaftlicher Macht von demokratischen Institutionen hin zu privaten Technologiekomplexen. Es geht dabei nicht um eine einzelne Personen, nicht um den klassischen Vorwurf eines Machtmissbrauchs &ndash; es geht um ein System, das sich an konkreten Akteuren beobachten l&auml;sst und dessen Logik sich aus sich selbst heraus entfaltet.<\/p><p>Was Quinn Slobodian beschreibt, ist dabei keine Einzelmeinung, sondern Teil einer wachsenden kritischen Auseinandersetzung mit einer neuen Machtelite. Der &Ouml;konom Yanis Varoufakis spricht seit Jahren von einem &bdquo;Technofeudalismus&ldquo;, in dem digitale Plattformen klassische Marktstrukturen verdr&auml;ngen und durch kontrollierte Zug&auml;nge ersetzen. Macht entsteht hier nicht mehr prim&auml;r durch Eigentum im klassischen Sinne, sondern durch die Kontrolle von Netzwerken, Daten und Infrastruktur.<\/p><p>&Auml;hnlich argumentiert die Harvard-Professorin Shoshana Zuboff, die bereits fr&uuml;h vor einer &Ouml;konomie gewarnt hat, in der menschliches Verhalten zur Ressource wird. In ihrem Konzept des &Uuml;berwachungskapitalismus geht es nicht nur um Daten, sondern um die M&ouml;glichkeit, Verhalten vorherzusagen und zu steuern. &Uuml;bertr&auml;gt man diese Logik auf Systeme wie globale Kommunikationsnetze oder KI-gest&uuml;tzte Entscheidungsprozesse, entsteht ein Machtinstrument, das weit &uuml;ber klassische politische Einflussnahme hinausgeht.<\/p><p>Der Medienwissenschaftler Douglas Rushkoff geht noch einen Schritt weiter. Er beschreibt in seinen Analysen ein Denken innerhalb technischer &bdquo;Eliten&ldquo;, das nicht mehr auf gesellschaftliche Stabilit&auml;t zielt, sondern auf Ausweichstrategien. R&uuml;ckzugsr&auml;ume, technologische Abschottung, die Idee, sich Krisen entziehen zu k&ouml;nnen, statt sie gemeinsam zu l&ouml;sen. In diesem Weltbild erscheint Technologie nicht als Mittel zur Verbesserung der Gesellschaft, sondern als M&ouml;glichkeit, sich von ihr unabh&auml;ngig zu machen.<\/p><p>Auch aus dem Bereich der K&uuml;nstlichen Intelligenz selbst kommen warnende Stimmen. Geoffrey Hinton, einer der Pioniere der modernen KI-Forschung, hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die Entwicklung leistungsf&auml;higer Systeme schneller voranschreitet als die gesellschaftliche Kontrolle dar&uuml;ber. Es gehe nicht nur um technische Risiken, sondern um Machtkonzentration, darum, wer diese Systeme besitzt und steuert.<\/p><p>Selbst innerhalb der Tech-Welt w&auml;chst die Skepsis. Sam Altman, obwohl selbst Teil dieser Entwicklung, hat mehrfach darauf hingewiesen, dass KI die bestehenden Machtverh&auml;ltnisse massiv verschieben kann, wenn sie nicht reguliert wird. Der entscheidende Punkt ist dabei weniger die Technologie selbst als die Frage, wer Zugang zu ihr hat und unter welchen Bedingungen.<\/p><p>Diese Stimmen eint kein einheitliches politisches Programm, aber sie weisen in dieselbe Richtung. Sie beschreiben eine Entwicklung, in der sich Macht nicht mehr allein &uuml;ber Institutionen organisiert, sondern &uuml;ber Systeme, die zunehmend au&szlig;erhalb klassischer demokratischer Kontrolle entstehen. Genau deshalb wird der Blick auf Akteure wie Elon Musk so zentral. Nicht, weil er allein handelt, sondern weil sich an ihm eine Struktur verdichtet, die weit &uuml;ber die Person hinausweist.<\/p><p><strong>Eine Macht, die aus Infrastruktur entsteht<\/strong> <\/p><p>Der Name Elon Musk f&auml;llt in diesem Zusammenhang zwangsl&auml;ufig. Nicht als moralisches Urteil, sondern als Beispiel f&uuml;r eine neue Form von Einfluss, die sich nicht mehr allein wirtschaftlich erkl&auml;ren l&auml;sst. Es ist eine Macht, die aus Infrastruktur entsteht. W&auml;hrend politische Systeme weiterhin &uuml;ber Gesetze, Haushalte und Kompromisse verhandeln, entstehen parallel Strukturen, die l&auml;ngst operativ wirksam sind: Satellitennetze sichern Kommunikation, Systeme erm&ouml;glichen milit&auml;rische Abl&auml;ufe, Plattformen pr&auml;gen Datenfluss, Wahrnehmung und damit letztlich Realit&auml;t. Die entscheidende Frage verschiebt sich damit. Es geht nicht mehr nur darum, wer regiert, sondern darum, wer die Systeme bereitstellt, ohne die Regieren kaum noch m&ouml;glich ist.<\/p><p>Diese Entwicklung beginnt nicht im Spekulativen, sondern im Faktischen. Das Satellitennetz Starlink ist l&auml;ngst Gegenwart. Tausende Satelliten umkreisen die Erde, liefern Internet in Regionen ohne Infrastruktur, sichern Kommunikation dort, wo Netze zerst&ouml;rt sind. In Krisen- und Kriegsgebieten hat sich dieses System als schnell, flexibel und unabh&auml;ngig erwiesen. Genau darin liegt der Wendepunkt. Wenn Kommunikation, Koordination und Informationsfluss in kritischen Situationen von einem privaten Anbieter abh&auml;ngen, verschiebt sich Macht. Nicht formal, aber praktisch. Denn wer Infrastruktur bereitstellt, definiert ihre Bedingungen. Berichte von <em>Reuters<\/em> &uuml;ber den Ukraine-Krieg zeigen, dass es dabei l&auml;ngst nicht nur um Versorgung geht, sondern um Kontrolle, um Fragen, wo Zugang gew&auml;hrt wird, wo er eingeschr&auml;nkt ist und unter welchen Voraussetzungen er &uuml;berhaupt existiert. Das sind keine theoretischen &Uuml;berlegungen mehr, sondern operative Entscheidungen.<\/p><p>Parallel dazu w&auml;chst das System weiter. SpaceX treibt den Ausbau seiner Satellitenflotten voran, Genehmigungen f&uuml;r tausende weitere Einheiten sind erteilt worden. Gleichzeitig wurde Anfang 2026 die KI-Firma xAI integriert, ein Schritt, der Kommunikation und Datenverarbeitung enger miteinander verzahnt. <\/p><p>Hinzu kommt ein Detail, das in der &ouml;ffentlichen Wahrnehmung kaum angekommen ist, aber in seiner Dimension weit &uuml;ber das Tagesgesch&auml;ft hinausweist: Ein Antrag bei der US-Regulierungsbeh&ouml;rde sieht ein System von bis zu einer Million Satelliten vor, gedacht nicht prim&auml;r als Kommunikationsnetz, sondern als orbitales Datenzentrum f&uuml;r K&uuml;nstliche Intelligenz. Ob diese Zahl jemals realisiert wird, ist zweitrangig. Entscheidend ist die Denkrichtung. Infrastruktur wird hier nicht mehr als nationales Gut gedacht, sondern als global skalierbares, privat organisiertes System.<\/p><p><strong>Schnittstellen zwischen Gehirn und Maschine<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend sich im Orbit diese Strukturen verdichten, verschiebt sich am Boden eine zweite Grenze. Neuralink arbeitet an Schnittstellen zwischen Gehirn und Maschine. Offiziell geht es um medizinische Anwendungen, um die Wiederherstellung von F&auml;higkeiten bei Menschen mit L&auml;hmungen. Das ist real und unbestritten. Gleichzeitig formuliert das Unternehmen selbst eine weitergehende Perspektive: die Erweiterung menschlicher F&auml;higkeiten. Hier beginnt der &Uuml;bergang von Therapie zu Verbesserung, von Unterst&uuml;tzung zu Integration. Die Verbindung von Mensch und K&uuml;nstlicher Intelligenz wird nicht mehr als Werkzeug gedacht, sondern als m&ouml;gliche n&auml;chste Entwicklungsstufe. Auch hier handelt es sich nicht um einen abgeschlossenen Plan, sondern um eine Richtung, die offen benannt wird.<\/p><p>Bis zu diesem Punkt l&auml;sst sich die Entwicklung problemlos als Fortschritt lesen. Mehr Konnektivit&auml;t, bessere Technologien, neue medizinische M&ouml;glichkeiten. Genau so entsteht Akzeptanz. Doch die Analyse setzt an einer anderen Stelle an. Sie fragt nicht nach dem Nutzen einzelner Technologien, sondern nach ihrer strukturellen Wirkung. Was passiert, wenn aus Nutzen Abh&auml;ngigkeit wird? Systeme, die einmal unverzichtbar geworden sind, entziehen sich schrittweise der politischen Steuerung. Staaten k&ouml;nnen Gesetze beschlie&szlig;en, aber sie k&ouml;nnen keine Satelliten ersetzen, die sie nicht besitzen. Sie k&ouml;nnen Programme auflegen, aber sie k&ouml;nnen keine Infrastruktur neu aufbauen, die l&auml;ngst ausgelagert wurde. Sie k&ouml;nnen regulieren, aber sie regulieren dann Systeme, von denen sie selbst abh&auml;ngig sind. Der Kontrollverlust kommt nicht abrupt. Er ist das Ergebnis einer langsamen Verschiebung.<\/p><p>An diesem Punkt beginnt das Szenario. Nicht als Behauptung, sondern als Projektion. Was w&uuml;rde geschehen, wenn diese Entwicklung konsequent weiterl&auml;uft? Wenn private Infrastruktur weiter w&auml;chst, staatliche Alternativen ausbleiben und technologische Systeme zunehmend miteinander verschmelzen? Dann entsteht kein autorit&auml;res Regime im klassischen Sinne. Es entsteht ein System, in dem Macht nicht mehr prim&auml;r &uuml;ber Gesetze ausge&uuml;bt wird, sondern &uuml;ber Zugang. Zugang zu Kommunikation, zu Daten, zu Rechenleistung, zu technologischer Erweiterung. Entscheidungen fallen dann nicht mehr ausschlie&szlig;lich im Parlament, sondern in den Bedingungen, unter denen Systeme genutzt werden d&uuml;rfen. Genau hier verl&auml;uft die eigentliche Bruchlinie, denn Zugang ist steuerbar.<\/p><p>Der &Uuml;bergang in ein solches System beginnt unscheinbar. Ein Staat steht vor einer Krise, Infrastruktur f&auml;llt aus, Kommunikationsnetze brechen zusammen. Eigene L&ouml;sungen sind zu langsam oder nicht vorhanden. Ein funktionierendes System steht bereit, global skalierbar, technisch &uuml;berlegen. Die Entscheidung f&auml;llt schnell. Man nutzt es. Was wie eine pragmatische &Uuml;bergangsl&ouml;sung wirkt, ist in Wahrheit der erste Schritt in eine strukturelle Abh&auml;ngigkeit. Solange Alternativen existieren, bleibt Kontrolle m&ouml;glich. Doch genau diese Alternativen verschwinden schrittweise, weil &ouml;ffentliche Systeme im Wettbewerb kaum mithalten k&ouml;nnen. Sie sind langsamer, teurer und politisch gebunden, w&auml;hrend private Anbieter schneller skalieren und aggressiver investieren. <\/p><p>&Ouml;ffentliche Infrastruktur wird nicht aktiv abgeschafft, sie wird schlicht nicht mehr weiterentwickelt. Irgendwann ist sie noch vorhanden, aber nicht mehr konkurrenzf&auml;hig. In diesem Moment verschiebt sich Macht endg&uuml;ltig, denn wer keine eigene Infrastruktur mehr hat, kann nicht mehr unabh&auml;ngig entscheiden.<\/p><p>Macht funktioniert in einem solchen System nicht &uuml;ber offene Befehle, sondern &uuml;ber Parameter. Bandbreite, Zugriffsrechte, Priorisierung von Daten, Verf&uuml;gbarkeit in bestimmten Regionen, all das sind technische Variablen und zugleich politische Instrumente. In einem milit&auml;rischen Konflikt kann es entscheidend sein, ob Kommunikation stabil bleibt, ob Drohnen koordiniert werden k&ouml;nnen, ob Daten in Echtzeit flie&szlig;en. Wenn diese F&auml;higkeiten an private Systeme gebunden sind, liegt die tats&auml;chliche Entscheidungsgewalt nicht mehr ausschlie&szlig;lich beim Staat. Sie liegt dort, wo der Zugriff kontrolliert wird. Es braucht keinen sichtbaren Eingriff. Die M&ouml;glichkeit reicht.<\/p><p><strong>Die Gesellschaft teilt sich entlang von Zugang zu Technologie<\/strong><\/p><p>Mit der Verschmelzung der Systeme verst&auml;rkt sich dieser Effekt. Kommunikation, K&uuml;nstliche Intelligenz, Datenverarbeitung, milit&auml;rische und zivile Anwendungen wachsen zusammen. Daten flie&szlig;en in KI-Systeme, KI-Systeme steuern Prozesse, Prozesse bestimmen Entscheidungen. Es entsteht ein Kreislauf, der sich selbst stabilisiert und sich der &ouml;ffentlichen Kontrolle weitgehend entzieht. Der entscheidende Kipppunkt liegt jedoch an anderer Stelle: beim Zugang. In einem System, das auf Zugang basiert, z&auml;hlt nicht mehr allein das Recht, etwas zu tun, sondern die tats&auml;chliche M&ouml;glichkeit. Wer Zugang zu leistungsf&auml;higer KI hat, trifft bessere Entscheidungen. Wer Zugang zu globaler Kommunikation hat, ist sichtbar. Wer Zugang zu technologischer Erweiterung hat, verschiebt seine eigenen Grenzen. Wer diesen Zugang nicht hat, f&auml;llt zur&uuml;ck, nicht durch Verbot, sondern durch strukturelle Begrenzung.<\/p><p>So entsteht eine neue Form der Ungleichheit. Keine, die ideologisch begr&uuml;ndet werden m&uuml;sste, sondern eine, die sich technisch ergibt. Die Gesellschaft teilt sich nicht mehr nur entlang klassischer Linien, sondern entlang von Zugang zu Technologie. Auf der einen Seite stehen diejenigen mit Zugriff auf leistungsf&auml;hige Systeme, unterst&uuml;tzt durch KI, optimiert in ihren Entscheidungen, m&ouml;glicherweise erweitert in ihren F&auml;higkeiten. Auf der anderen Seite diejenigen, die mit Standardl&ouml;sungen arbeiten m&uuml;ssen, langsamer, weniger pr&auml;zise, weniger vernetzt. Der Unterschied ist zun&auml;chst kaum sichtbar, aber er w&auml;chst. Irgendwann ist er nicht mehr aufzuholen.<\/p><p>Das Entscheidende daran ist, dass dieses System keinen b&ouml;sen Plan braucht. Es reicht, wenn alle Beteiligten rational handeln. Unternehmen entwickeln bessere Technologien, um wettbewerbsf&auml;hig zu bleiben. Staaten greifen darauf zur&uuml;ck, weil es effizient ist. Menschen nutzen sie, weil sie Vorteile bringen. Jede Entscheidung f&uuml;r sich ist nachvollziehbar. In der Summe entsteht eine Struktur, die sich der Kontrolle entzieht. Nicht durch Absicht, sondern durch Dynamik.<\/p><p>Damit ein solches System stabil bleibt, braucht es keine offene Repression. Es braucht Zustimmung. Diese entsteht durch eine Erz&auml;hlung, die kaum hinterfragt wird: Technologie bedeutet Fortschritt, Fortschritt ist notwendig, wer bremst, gef&auml;hrdet die Zukunft. Diese Logik ist so wirksam, weil sie auf realen Vorteilen basiert. Sie blendet jedoch eine entscheidende Frage aus: Wer definiert, was Fortschritt ist und f&uuml;r wen?<\/p><p>Der Punkt ohne R&uuml;ckkehr ist nicht erreicht, wenn ein einzelner Akteur zu m&auml;chtig wird. Er ist erreicht, wenn niemand mehr in der Lage ist, diese Macht auszugleichen. Wenn es keine funktionierenden Alternativen mehr gibt, keine unabh&auml;ngige Infrastruktur, keine politische Durchsetzungskraft. Dann bleibt nur noch Anpassung. Der Bruch ist nicht spektakul&auml;r, nicht sichtbar, aber er ist endg&uuml;ltig.<\/p><p>Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob dieses Szenario eintritt. Sondern ob wir es &uuml;berhaupt noch erkennen, wenn wir l&auml;ngst Teil davon geworden sind. Denn vieles von dem, was hier beschrieben wird, ist keine ferne Zukunft mehr. Es ist bereits angelegt, nicht als Schlagzeile, sondern als System.<\/p><p><small>Titelbild: Oselote \/ Shutterstock<\/small><\/p><p><strong>Quellen:<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.publicaffairsbooks.com\/titles\/shoshana-zuboff\/the-age-of-surveillance-capitalism\/9781610395694\/\">Shoshana Zuboff &uuml;ber &Uuml;berwachungskapitalismus (Grundlagenwerk)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-us-canada-65452940\">Geoffrey Hinton warnt vor Risiken und Machtkonzentration bei KI (BBC Interview)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/aerospace-defense\/spacex-seeks-fcc-nod-solar-powered-satellite-data-centers-ai-2026-01-31\/\">Reuters zur SpaceX-Anmeldung f&uuml;r bis zu eine Million Satelliten als orbitale KI-Datenzentren; zentrale Quelle f&uuml;r den von Slobodian aufgegriffenen Punkt<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/clinicaltrials.gov\/study\/NCT06710626\">ClinicalTrials.gov zur CONVOY-Studie; n&uuml;tzlich f&uuml;r die Ausweitung der Nutzung auf Assistenzger&auml;te<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.suhrkamp.de\/video\/douglas-rushkoff-ueber-survival-of-the-richest-b-4741\">Suhrkamp-Video mit Douglas Rushkoff zu &bdquo;Survival of the Richest&ldquo;; f&uuml;r zitierf&auml;hige deutschsprachige Einordnung seiner These &uuml;ber Flucht- und Exit-Fantasien der Tech-Elite<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/findingctrl.nesta.org.uk\/text\/shoshana-zuboff\">Zuboff-Interview &uuml;ber Demokratie, Selbstbestimmung und soziale Ungleichheit; f&uuml;r direkt zitierbare Zuspitzungen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.judiciary.senate.gov\/imo\/media\/doc\/2023-05-16%20-%20Bio%20&amp;%20Testimony%20-%20Altman.pdf\">Sam Altmans schriftliches Statement f&uuml;r den US-Senat; Prim&auml;rquelle f&uuml;r seine Aussagen zu Risiken und Regulierung<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Wissenschaftler kritisieren den wachsenden Einfluss einer neuen privaten Macht-&bdquo;Elite&ldquo; im Technologiebereich: Mit ihren digitalen Plattformen verdr&auml;ngen sie klassische Marktstrukturen und ersetzen sie durch kontrollierte Zug&auml;nge. 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