{"id":149200,"date":"2026-04-17T11:00:08","date_gmt":"2026-04-17T09:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149200"},"modified":"2026-04-17T12:42:57","modified_gmt":"2026-04-17T10:42:57","slug":"von-symmetrien-und-asymmetrien-warum-die-usa-bislang-den-iran-nicht-besiegt-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149200","title":{"rendered":"Von Symmetrien und Asymmetrien \u2013 warum die USA bislang den Iran nicht besiegt haben"},"content":{"rendered":"<p><em>&bdquo;Totaler und vollst&auml;ndiger Sieg. 100 Prozent. Keine Frage&ldquo;<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/trump-says-us-won-total-complete-victory-after-ceasefire-deal-with-iran-afp-2026-04-08\/\">erkl&auml;rte US-Pr&auml;sident D. Trump gegen&uuml;ber der Nachrichtenagentur <em>AFP<\/em><\/a> hinsichtlich des zwischen Iran und den USA ausgehandelten 15-t&auml;gigen Waffenstillstandes. Interessant an der Aussage Trumps ist: Warum ein tempor&auml;rer Waffenstillstand, eine Feuerpause, wenn der Iran zu 100 Prozent besiegt sein soll? Dann w&auml;ren doch eher Kapitulationsverhandlungen statt eines tempor&auml;ren Waffenstillstandes der logische Schritt. Der Iran selbst sieht das mit dem US-Sieg wohl auch etwas anders als Trump. Es ist wohl tats&auml;chlich naheliegender, dass der Iran eben nicht &ndash; Stand Mitte April 2026 &ndash; von den USA und Israel in die Knie gezwungen wurde. Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nTrumps vermeintlicher Sieg &uuml;ber den Iran basiert auf der Grundlage eines nicht mehr aktuellen technischen, technologischen und taktischen Kriegsverst&auml;ndnisses in Zeiten von Hyperschallwaffen, Drohnen, K&uuml;nstlicher Intelligenz, Cyberwar sowie ver&auml;nderter Taktiken und Strategien:<\/p><p>&bdquo;<em>Der Iran habe keine Marine mehr, keine Kommunikationssysteme und keine Luftwaffe. Seine Raketen seien fast vollst&auml;ndig zerst&ouml;rt, und die Drohnen samt Fabriken ausgeschaltet. Milit&auml;risch gesehen habe das Regime in Teheran nichts mehr, so Trump<\/em>&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/trump-irankrieg-so-gut-wie-beendet-100.html\">laut <em>DLF<\/em><\/a>. <\/p><p>Tats&auml;chlich haben die US-amerikanischen und israelischen Schl&auml;ge gegen die milit&auml;rische Infrastruktur des Irans dem Land einen massiven Schaden zugef&uuml;gt. Auf der Ebene der symmetrischen Kriegsf&uuml;hrung &ndash; etwa gleichstarke Konfliktparteien mit &auml;hnlichen Waffensystemen und mit gleichem Operationsverst&auml;ndnis &ndash; kann und konnte der Iran den USA und Israel nur wenig entgegensetzen. <\/p><p>Und genau diese Unterlegenheit war den iranischen Sicherheitsorganen bewusst. Daher entschied man sich bereits vor Jahrzehnten in Erwartung eines Angriffs der USA f&uuml;r eine asymmetrische Kriegsf&uuml;hrung. Die technologischen Fortschritte hierbei spielten dem Iran in die H&auml;nde, w&auml;hrend man in den USA an der klassischen Kriegsf&uuml;hrung mit den klassischen Mitteln (Flugzeugtr&auml;ger und Luftangriffe) festhielt. <\/p><p>Bereits Russland musste zu Beginn seiner Invasion in der Ukraine feststellen, dass es trotz seiner &uuml;berw&auml;ltigenden materiellen &Uuml;berlegenheit gegen&uuml;ber der Ukraine erhebliche Verluste und taktische Niederlagen einfahren musste. Auch hier spielte eine &uuml;berholte Vorstellung der Kriegsf&uuml;hrung in Moskau die entscheidende Rolle f&uuml;r die Niederlagen auf dem Schlachtfeld in den ersten Kriegsmonaten. Mit billigen Drohnen zerrieben die Ukrainer massenhaft teure russische Panzer und sogar Flugzeuge im russischen Hinterland. Das Kosten-Nutzen-Verh&auml;ltnis war enorm asymmetrisch. <\/p><p>In Moskau selbst lernte man schmerzhaft, das neue Schlachtfeld zu verstehen. Ab Fr&uuml;hjahr\/Sommer 2023 erst gewann die russische Armee angesichts iranischer Drohnenimporte und nachfolgend eigener Drohnenproduktion die Initiative &ndash; und das auch nur begrenzt, bis heute: Der Drohnenkrieg zwischen der Ukraine und Russland ist die mittlerweile dominante Kampfform in der Luft, am Boden und auch zur See und f&uuml;hrt nahezu zu einer Pattsituation mit nur z&auml;h erk&auml;mpften Gel&auml;ndegewinnen der russischen Armee.<\/p><p><strong>Flugzeugtr&auml;ger als Symbol einer Weltmacht<\/strong><\/p><p>Wer kennt sie nicht, die Bilder eines US-Kampfverbandes &ndash; bestehend aus diversen Kampfschiffen, U-Booten und mittendrin der Stolz der USA, ein Flugzeugtr&auml;ger &ndash; irgendwo auf den Weltmeeren, um die US-Globaldominanz gegen aufm&uuml;pfige Regime &ndash; offiziell nat&uuml;rlich, um Demokratie und Menschenrechte &ndash; &bdquo;zu verteidigen&ldquo;. Wer kennt nicht die Bilder startender Tomahawk-Marschflugk&ouml;rper von US-Schiffen, um den &bdquo;Schurkenstaaten&ldquo; den erforderlichen Respekt abzun&ouml;tigen. Diese Bilder dominierten rund drei Dekaden das internationale Konfliktbild und symbolisierten die &bdquo;Pax Americana&ldquo;. Auch gegen den Iran sollten diese Bilder die &ouml;ffentliche Wahrnehmung bestimmen.<\/p><p>Es lief aber anders als erwartet: S&auml;mtliche Kampfschiffe, einschlie&szlig;lich der beiden entsandten Flugzeugtr&auml;ger, traten angesichts unerwarteter iranischer Verteidigungsma&szlig;nahmen den R&uuml;ckzug auf eine sichere Distanz jenseits iranischer Reichweiten vor den Augen der Welt&ouml;ffentlichkeit an. Auf einem Flugzeugtr&auml;ger brach sogar ein Brand aus. Die USA beeilten sich, zu erkl&auml;ren, die Ursache des Brandes sei irgendwo im Waschraum des Schiffes zu finden. Ob da wohl die Waschmaschine durchgebrannt ist oder nicht doch ein iranischer Treffer die Ursache sein k&ouml;nnte, sei dahingestellt. Seltsam nur der Zeitpunkt, da die Waschmaschine offensichtlich beschlossen hatte, zu brennen, als das Schiff gerade im Einsatz gegen den Iran war.<\/p><p><strong>Asymmetrische Kriegsf&uuml;hrung<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst gilt es festzustellen, der Iran wurde nicht nur rechtswidrig von den USA und Israel angegriffen, sondern auch, dass es diesen L&auml;ndern um einen lupenreinen milit&auml;risch erzwungenen Regime Change ging und geht. Das theokratische Regime im Iran steht also mit dem R&uuml;cken zur Wand: Eine Niederlage bedeutet das Ende des Mullah-Regimes und des Irans in seiner gegenw&auml;rtigen Staatsform sowie den Raub seiner Bodensch&auml;tze. Das allein motiviert nicht nur das Regime, sondern auch erhebliche Teile der Bev&ouml;lkerung zum Widerstand gegen die US-israelische Aggression.<\/p><p>Der iranische Widerstand wird offensichtlich bislang durch gro&szlig;e Teile der Bev&ouml;lkerung unterst&uuml;tzt, denn zumindest &bdquo;ertragen&ldquo; sie die Angriffe trotzend. Anders in den USA: Dort ist die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r den Krieg Trumps in der Bev&ouml;lkerung eher zur&uuml;ckhaltend &ndash; selbst in seiner MAGA-Bewegung. Somit ist bereits eine Asymmetrie hinsichtlich der Unterst&uuml;tzung der jeweiligen Bev&ouml;lkerung der Konfliktparteien f&uuml;r den Krieg gegeben.<\/p><p>Die asymmetrische Kriegsf&uuml;hrung legt die Pr&auml;misse zugrunde: Wenn der Gegner bei bestimmten und in der klassischen Kriegsf&uuml;hrung entscheidenden Waffensystemen quantitativ und\/oder qualitativ uneinholbar im Vorteil ist, muss der Krieg mit anderen Waffensystemen und Taktiken\/Strategien gef&uuml;hrt werden, die die Waffensysteme des Gegners weitgehend nutzlos machen und seine taktische und strategische Kriegsf&uuml;hrung ins Leere laufen lassen. Der Iran hat folgerichtig darauf verzichtet, sich in einen nichtgewinnbaren R&uuml;stungswettlauf mit Israel und den USA im Hinblick auf diese Waffensysteme einzulassen, sondern er hat nur einen &uuml;berschaubaren Grundbestand aufrechterhalten. Dass dieser Grundbestand rasch vernichtet werden w&uuml;rde durch die Aggressoren, war bereits eingepreist. Und Trump, verhaftet im klassischen Kriegsbild und verliebt in seine Streitkr&auml;fte, sieht das als Zeichen des Sieges, womit er eindrucksvoll seine Unf&auml;higkeit, die neue Kriegsf&uuml;hrung zu verstehen, demonstriert. <\/p><p>Da die iranischen milit&auml;rischen Ziele, sprich die sichtbare milit&auml;rische Infrastruktur, die Luftabwehr zum Teil, die Flugzeuge und die paar gro&szlig;en Kriegsschiffe zerst&ouml;rt sind, sich der Iran aber nicht gem&uuml;&szlig;igt sieht, die Segel zu streichen, werden Ersatzziele gesucht: Wir bomben Iran in die &bdquo;Steinzeit&ldquo; &ndash; gemeint ist, wie auch schon im Angriffskrieg gegen Jugoslawien mit dem gleichen Wortlaut des &bdquo;zur&uuml;ck in die Steinzeit Bomben&ldquo;, die Zerst&ouml;rung der zivilen Infrastruktur &ndash; einschlie&szlig;lich der verlautbarten Absicht, auch eventuell Atomkraftwerke zu bombardieren. Davon abgesehen eben auch Schulen, Krankenh&auml;user, Br&uuml;cken und was es sonst noch so gibt, um den eigenen Verbrechenskatalog <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=148532\">flei&szlig;ig zu f&uuml;llen<\/a>. Ziel ist es, die Bev&ouml;lkerung zu terrorisieren, bis diese gegen die Mullahs aufbegehrt, und zugleich dem Rest der Welt zu zeigen, dass die USA zu allen Schandtaten bereit sind, um ihre Ziele zu erreichen. Nur, diese Rechnung scheint dieses Mal &ndash; noch &ndash; nicht aufzugehen.<\/p><p><strong>Technische und technologische Entwicklungen zur asymmetrischen Kriegsf&uuml;hrung<\/strong><\/p><ol type=\"a\">\n<li><strong>Raketen statt Flugzeuge<\/strong>\n<p>Statt Kampfflugzeuge wurden seitens des Iran massenweise technologisch anspruchsvolle Raketen und angeblich auch Hyperschallraketen (Fattah und Fattah-2) mit man&ouml;vrierbaren Sprengk&ouml;pfen wohl auch mit russischer und chinesischer Unterst&uuml;tzung entwickelt und gebaut. Diese abzuwehren, insbesondere Hyperschallraketen oder man&ouml;vrierbare Sprengk&ouml;pfe, &uuml;berlastet eine Luftabwehr rasch. Die Einschl&auml;ge in Israel als auch in den Golfstaaten und den US-Milit&auml;rst&uuml;tzpunkten in diesen Golfstaaten sprechen f&uuml;r einen hohen Entwicklungsstand der iranischen Raketentechnologie.<\/p><\/li>\n<li><strong>Drohnen<\/strong>\n<p>Die Drohnentechnologie wurde vom Iran ebenfalls massiv vorangetrieben. Russlands erste Kampfdrohnen wurden vom Iran geliefert, in Russland weiterentwickelt und die erweiterte Technologie an den Iran zur&uuml;ckgegeben. Nur die Lieferung iranischer Drohnen bef&auml;higte Russland, sich rasch dem ukrainischen Drohnenkrieg anzupassen.<\/p>\n<p>Diese vergleichsweisen kosteng&uuml;nstigen Drohnen werden seitens des Iran nicht nur genutzt, um gegnerische Ziele zu zerst&ouml;ren, sondern sie dienen auch dazu, die Luftabwehr des Gegners zu ersch&ouml;pfen. Der Gegner hat die Wahl zwischen schlecht und noch schlechter, soll hei&szlig;en: Entweder eine vergleichsweise billige Drohne im Wert von mehreren Tausend Euro mit Luftabwehrraketen im Wert vieler Hunderttausender Euro abzuschie&szlig;en oder aber sie durchfliegen zu lassen und die eigene Infrastruktur bzw. die eigenen Gro&szlig;waffensysteme ebenfalls im Wert von Hunderttausenden bis Millionen Euro <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134641\">zerst&ouml;ren zu lassen<\/a>. In beiden F&auml;llen ist die Rechnung asymmetrisch zu Ungunsten Israels und den USA bzw. der Golfpartner der beiden Staaten. <\/p>\n<p>Hinzu kommt, die Luftabwehrkapazit&auml;ten Israels als auch der USA scheinen sich zu ersch&ouml;pfen. Die Produktion neuer Abwehrraketen ist nicht nur teurer als die von Drohnen, sondern auch technologisch aufwendiger, weshalb die Kosten eben umso h&ouml;her sind. Weder Israel noch die USA verf&uuml;gen &uuml;ber einen vergleichbaren Drohnenbestand wie der Iran.<\/p><\/li>\n<li><strong>Speedboote statt Fregatten, Korvetten und Flugzeugtr&auml;ger<\/strong>\n<p>Die Anfang M&auml;rz von einem US-U-Boot versenkte iranische Fregatte im Indischen Ozean best&auml;tigt geradezu, dass die Beschaffung solcher Waffensysteme angesichts der US-&Uuml;berlegenheit in diesem Segment rausgeworfenes Geld ist und unn&ouml;tige Menschenleben kostet. Im Rahmen der asymmetrischen Seekriegsf&uuml;hrung hat der Iran eine erhebliche Anzahl an kleinen Speedbooten als Waffenplattformen, die mit unterschiedlichen Waffensystemen (auch mit Antischiffsraketen und Torpedos) ausger&uuml;stet sind, beschafft. Diese sind g&uuml;nstig, schnell, wendig und in der Masse eine gro&szlig;e Herausforderung bzw. &Uuml;berforderung selbst f&uuml;r gro&szlig;e Kriegsschiffe. Diese Boote bilden im Zusammenwirken mit Minen und an der K&uuml;ste stationierten Antischiffsraketen den Kern der durchaus erfolgreichen Blockade der Stra&szlig;e von Hormus.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Taktische und strategische Asymmetrien in der Kriegsf&uuml;hrung<\/strong><\/p><p>Zur asymmetrischen Kriegsf&uuml;hrung des Iran geh&ouml;rt neben den technischen Mitteln auch ein strategisches und taktisches Kriegsf&uuml;hrungsverst&auml;ndnis.<\/p><ol type=\"a\">\n<li>&bdquo;<strong>Mosaik des Widerstands&ldquo;<\/strong>\n<p>Der Iran hat seine Kommandostrukturen diversifiziert (&bdquo;Mosaik des Widerstands&ldquo;), d.h. neben dem Zentralkommando existieren eine Vielzahl von kleinen und autonom agierenden milit&auml;rischen Kommandostrukturen und ihnen zugeteilten Milit&auml;reinheiten. Ein Enthauptungsschlag gegen eine ausschlie&szlig;lich zentrale Kommandostruktur ist erfolgreich, gegen eine Vielzahl von unabh&auml;ngigen, im Land verteilten Kommandostrukturen mit regionaler Verantwortung hingegen ist ein Enthauptungsschlag so nicht m&ouml;glich.<\/p><\/li>\n<li><strong>Tarnung und Tunnel<\/strong>\n<p>Auch hat der Iran erkannt, dass es nicht nur sinnvoll ist, asymmetrisch wirkende Waffensysteme zu entwickeln, sondern diese auch zu tarnen. Die Raketen und Drohnenproduktion sowie deren Lagerung wurde tief im Boden eingegraben. In gut betonierten Bunkern mit unterirdischen Stra&szlig;en und Schienennetzwerken werden sie unterirdisch zum Startplatz transportiert. Es gibt Bilder, die zeigen, dass quasi aus dem W&uuml;stensand heraus Raketen aufsteigen. Mit anderen Worten: Die USA und Israel k&ouml;nnen zum gro&szlig;en Teil diese Raketen sowie die Startpl&auml;tze bzw. Startrampen nicht lokalisieren.<\/p>\n<p>Mehr noch, Sie wissen faktisch gar nicht, wie gro&szlig; das vom Iran vergrabene Raketen- und Drohnenpotential &uuml;berhaupt ist.<\/p><\/li>\n<li><strong>Zeit, Raum und Weltwirtschaft<\/strong>\n<p>Der Faktor Zeit ist ein zwischenzeitlich bew&auml;hrtes Instrument der asymmetrischen Kriegsf&uuml;hrung. Die Taliban in Afghanistan setzten auf Zeit: 20 Jahre. Die USA flohen quasi &uuml;ber Nacht aus Kabul. Dabei verga&szlig;en sie, irgendwie ihre Verb&uuml;ndeten in Afghanistan &ndash; so auch die Bundeswehr &ndash; &uuml;ber ihr Fluchtvorhaben rechtzeitig in Kenntnis zu setzen.<\/p>\n<p>Den Faktor Zeit nutzt auch der Iran, n&auml;mlich das verlustreiche Aussitzen der US-amerikanischen und israelischen Angriffe, bis deren Waffenarsenale ersch&ouml;pft sind, so die iranische Hoffnung.<\/p>\n<p>Hinzu kommt die Schaffung von Anti-Access\/Area Denial-Regionen (A2\/AD) (Faktor Raum) &ndash; also die erfolgreiche Sperrung eines Gebietes f&uuml;r den Gegner bzw. die effektive Einschr&auml;nkung seiner operativen Bewegungsfreiheit im besagten Gebiet. Genau das praktiziert der Iran gerade im Persischen Golf, womit der Druck auf die Weltwirtschaft w&auml;chst und somit auch perspektivisch der Druck Verb&uuml;ndeter auf Trump, den Krieg zu beenden.<\/p>\n<p>Weltwirtschaft, Raum und Zeit werden auch zur iranischen Waffe, werden Teil der asymmetrischen Kriegsf&uuml;hrung, gegen das Trumps Milit&auml;r bislang nichts unternehmen kann. Und genau hier wird Trumps Problem deutlich, der die neue Kriegsf&uuml;hrung des 21. Jahrhunderts nicht kapieren will oder kann. Mit der Aussage, &bdquo;<em>es ist etwas unfair. Man gewinnt zwar einen Krieg, aber sie haben kein Recht, das zu tun, was sie tun<\/em>&ldquo; (gemeint ist die Seeblockade der Stra&szlig;e von Hormus, A. Neu), demonstriert er nicht nur seine Hilflosigkeit, sondern dokumentiert auch seine &uuml;berschaubaren kognitiven F&auml;higkeiten vor der Welt&ouml;ffentlichkeit, das Wesen des neuen Krieges des 21. Jahrhunderts zu erfassen.<\/p>\n<p>Und die neueste, geradezu &bdquo;genialste&ldquo; Idee Trumps, eine US-Gegenblockade des Persischen Golfs zu installieren, wirkt nicht nur hilflos, sondern beschleunigt einmal mehr das ohnehin strapazierte Ansehen der USA und multilateralisiert die Eskalation &uuml;ber den Iran-Krieg hinaus: Die USA verletzen erneut die v&ouml;lkerrechtlich garantierte Navigationsfreiheit auch gegen unbeteiligte Flaggenstaaten und ziehen diese in den Konflikt mit hinein. Allerdings ist bislang offen, ob die USA den Zugang zum Persischen Golf bzw. zum Indischen Ozean generell blockieren (universelle Blockade) oder nur f&uuml;r Schiffe, die den Iran anlaufen, verlassen oder die iranischen Transitgeb&uuml;hren bezahlen (selektive Blockade). Egal, welche Dimension die US-Blockade annimmt, setzen die USA die Seeblockade gegen Schiffe von Drittstaaten durch, f&uuml;hrt das zu weiterem Druck und gegebenenfalls zur Eskalation mit China. Ziehen sie es nicht durch, machen sie sich unglaubw&uuml;rdig.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Das Schlachtfeld des 21. Jahrhunderts befindet sich im Wandel &ndash; technologisch und taktisch\/strategisch: Drohnen (Luft-, Wasser- und Bodendrohnen), K&uuml;nstliche Intelligenz, Hyperschallwaffen und Cyberwar sowie die Faktoren Raum\/Zeit und &Ouml;konomie bestimmen zunehmend das Kriegsbild.<\/p><p>Schaut man sich die Ukraine und den Iran an, wird deutlich, dass sie ihre Taktiken, ihre Strategien und die daf&uuml;r notwendigen Waffensysteme wesentlich schneller f&uuml;r eine asymmetrische Kriegsf&uuml;hrung anpassten als Russland und die USA. Zwar zog Russland auch mit Hilfe des Irans rasch hinterher, aber auch erst nach einem erheblichen Blutzoll, bis die kn&ouml;chernen Altgener&auml;le in Moskau davon &uuml;berzeugt werden konnten, dass ihre geliebten Panzer reihenweise in Flammen aufgehen. <\/p><p>Nicht anders die USA. Ein Land, das auf die gr&ouml;&szlig;te und gemessen an Feuerkraft st&auml;rkste Luft- und Seeflotte der Welt setzt, ein Land, dessen Stolz die Kombination von Beidem, die 13 Flugzeugtr&auml;ger, ist, muss nun feststellen, dass die st&auml;hlernen Unget&uuml;me zur Zielscheibe asymmetrischer Kriegsf&uuml;hrung werden. Ihre Flottenverb&auml;nde k&ouml;nnen, &auml;hnlich wie die russische Schwarzmeerflotte nur noch begrenzt eingesetzt werden. Wie st&auml;hlerne Dinosaurier wirken diese Schiffe, die sich den K&uuml;sten des Gegners nicht mehr ungestraft n&auml;hern und somit auch selbst nicht mehr effektiv wirken k&ouml;nnen.<\/p><p>Die USA k&ouml;nnen den Krieg verlieren, wenn sie ihre anf&auml;nglich formulierten Kriegsziele (Regime Change sowie Verhinderung des Aufbaus nuklearer Kapazit&auml;ten und weitreichender Tr&auml;gersysteme des Iran &ndash; und nur das k&ouml;nnen die Bemessungskriterien sein) nicht erreichen. Der Iran kann den Krieg wider Erwarten durch asymmetrische Kriegsf&uuml;hrung gewinnen &ndash; zumindest nicht verlieren -, wenn er genau die erfolgreiche Umsetzung der US-Ziele verhindern kann.<\/p><p><small>Titelbild: Tomas Ragina\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/a57600639fbb4c6b8fba163f0b1558cf\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><em>&bdquo;Totaler und vollst&auml;ndiger Sieg. 100 Prozent. Keine Frage&ldquo;<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/trump-says-us-won-total-complete-victory-after-ceasefire-deal-with-iran-afp-2026-04-08\/\">erkl&auml;rte US-Pr&auml;sident D. Trump gegen&uuml;ber der Nachrichtenagentur <em>AFP<\/em><\/a> hinsichtlich des zwischen Iran und den USA ausgehandelten 15-t&auml;gigen Waffenstillstandes. 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