{"id":149256,"date":"2026-04-18T17:00:09","date_gmt":"2026-04-18T15:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149256"},"modified":"2026-04-17T14:51:46","modified_gmt":"2026-04-17T12:51:46","slug":"zankapfel-sabah-ein-alter-konflikt-aus-kolonialzeiten-sorgt-erneut-fuer-missstimmung-zwischen-manila-und-kuala-lumpur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149256","title":{"rendered":"Zankapfel Sabah: Ein alter Konflikt aus Kolonialzeiten sorgt erneut f\u00fcr Missstimmung zwischen Manila und Kuala Lumpur"},"content":{"rendered":"<p>Seit Jahresbeginn sorgt die sogenannte <em>Sabah-Frage<\/em> neuerlich f&uuml;r Spannungen zwischen den beiden s&uuml;dostasiatischen Anrainerstaaten Malaysia und den Philippinen. Im Kern geht es um einen seit Langem bestehenden Territorialanspruch der Philippinen auf den seit Mitte der 1960er-Jahre bestehenden ostmalaysischen Bundesstaat Sabah, ein Territorium, das einst die britische <em>Kronkolonie Nord-Borneo<\/em> gebildet hatte. Es ist dies ein politisch schwelendes Thema, das in der Vergangenheit h&auml;ufiger zu diplomatischen Spannungen und beidseitig bekr&auml;ftigten Souver&auml;nit&auml;tsanspr&uuml;chen, aber auch zu offenen Kampfhandlungen f&uuml;hrte. Eine Spurensuche von <strong>Rainer Werning<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Kartenstreit<\/strong><\/p><p>Am 20. Februar 2026 gab der Sprecher des philippinischen <em>Au&szlig;enministeriums (DFA) f&uuml;r maritime Angelegenheiten<\/em>, Rogelio Villanueva, w&auml;hrend einer Pressekonferenz eine Erkl&auml;rung ab, die umgehend f&uuml;r Wirbel sorgte. Sein Land, so Villanueva, halte seinen Souver&auml;nit&auml;tsanspruch auf Sabah aufrecht, nachdem erneut Diskussionen &uuml;ber eine philippinische Karte aus dem Jahr 2012 aufgekommen sind. Die k&uuml;rzlich erfolgte Ver&ouml;ffentlichung einer aktualisierten Verwaltungskarte der Philippinen durch die <em>Nationale Beh&ouml;rde f&uuml;r Kartografie und Ressourceninformation (NAMRIA)<\/em> hat unbeabsichtigt die Diskussionen &uuml;ber den ruhenden, aber anhaltenden Anspruch Manilas auf Sabah angefacht. Die neu herausgegebene Karte sollte n&auml;mlich in erster Linie die Souver&auml;nit&auml;t des Landes &uuml;ber die <em>Kalayaan-Inselgruppe<\/em> und <em>Bajo de Masinloc<\/em> im <em>Westphilippinischen Meer <\/em>unterstreichen. Sie zeigt allerdings auch das Gebiet von Sabah s&uuml;dlich von Mindanao, was Fragen zu geopolitischen Auswirkungen aufwirft.<\/p><p>Um die Wogen ein wenig zu gl&auml;tten, wies Villanueva darauf hin, dass die Karte ein Verwaltungsinstrument f&uuml;r die Planung und Ressourcenverwaltung der Regierung und keine endg&uuml;ltige Kartierung der Seegebiete sei:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Die Rechte der Philippinen in Bezug auf ihre Souver&auml;nit&auml;t und Hoheitsrechte sowie ihre maritimen Anspr&uuml;che h&auml;ngen nicht von der Vorlage dieser Karten bei den Vereinten Nationen ab, da sie auf dem V&ouml;lkerrecht, insbesondere dem Seerechts&uuml;bereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS), beruhen und durch dessen wegweisenden Schiedsspruch vom Sommer 2016 klargestellt wurden.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Auf die Frage, ob die NAMRIA<em>&ndash;<\/em>Karte die territorialen Grenzen neu definiere, um Sabah offiziell einzubeziehen, antwortete Villanueva, dass die Karte lediglich eine <em>&bdquo;geografische Ann&auml;herung an Nordborneo im Verh&auml;ltnis zum philippinischen Archipel&ldquo;<\/em> darstelle. Der DFA-Beamte erkl&auml;rte indes kategorisch, dass Manila seine historischen Rechte an dem Gebiet nicht aufgibt.<\/p><p>Malaysia hat formell gegen diese Interpretation Manilas und die neuen Seerechtsgesetze der Philippinen protestiert. Der malaysische Au&szlig;enminister Datuk Seri Mohamad Hasan erkl&auml;rte, die Gesetze w&uuml;rden die Seegrenzen Malaysias vor der K&uuml;ste Sabahs, wie sie in der neuen Karte Malaysias von 1979 festgelegt sind, verletzen. Kuala Lumpur behauptet, dass die philippinische Gesetzgebung direkte Auswirkungen auf die Souver&auml;nit&auml;t und Gerichtsbarkeit Malaysias habe, und bekr&auml;ftigt, der Status Sabahs innerhalb der <em>F&ouml;deration Malaysias<\/em> sei von den Vereinten Nationen und der internationalen Gemeinschaft anerkannt worden, nachdem sich die Bev&ouml;lkerung im Jahre 1963 mehrheitlich f&uuml;r den Beitritt zur malaysischen F&ouml;deration entschieden h&auml;tte.<\/p><p><strong>Zum Hintergrund<\/strong><\/p><p>Lange bevor es Manila oder gar die Philippinen gab, war das <em>Sultanat Sulu<\/em> eine der m&auml;chtigsten und einflussreichsten Regierungen in der Region, mit diplomatischen und Handelsbeziehungen, die bis nach China reichten. Im 17. Jahrhundert sah sich der <em>Sultan von Brunei<\/em> mit einer Rebellion auf Borneo konfrontiert und bat den Sultan von Sulu um Hilfe. Daraufhin entsandte der Sultan von Sulu <em>Tausug<\/em>-Krieger, um die Rebellion niederzuschlagen. Als Zeichen seiner Dankbarkeit f&uuml;r die geleistete Hilfe vermachte der Sultan von Brunei im Jahre 1658 dem Sultan von Sulu jenes Territorium, das das heutige Sabah umfasst.<\/p><p>Am 22. Januar 1878 unterzeichnete schlie&szlig;lich der <em>Sultan von Sulu<\/em> mit einer privaten Firma namens <em>British North Borneo Company<\/em> unter der Leitung von Alfred Dent und Gustav Baron von Overbeck ein Abkommen, das Letzterer Sabah auf unbestimmte Zeit gegen eine j&auml;hrliche Zahlung von 5.000 malaiischen Dollar &bdquo;&uuml;berlie&szlig;&ldquo;. Knackpunkt war und blieb der in der <em>Tausug-<\/em>&Uuml;bersetzung verwendete Begriff &bdquo;<em>padjak&ldquo;<\/em>, was w&ouml;rtlich &bdquo;verpachten&ldquo;, &bdquo;mieten&ldquo; oder &bdquo;leihen&ldquo; hei&szlig;t. Im englischen Text ist indes von &bdquo;grant and cede&ldquo; die Rede, was &bdquo;&uuml;berlassen und abtreten&ldquo; bedeutet.<\/p><p>1946 trat die British North Borneo Company ihrerseits Sabah an die Regierung in London ab, woraufhin der Sultan von Sulu das (Pacht-)Abkommen aufk&uuml;ndigte. W&auml;hrend die Bev&ouml;lkerung in Sabah 1963 demokratisch f&uuml;r den Anschluss der Region an die neugeschaffene <em>F&ouml;deration Malaysia<\/em> votierte und dem Beitritt Sabahs als ostmalaysischem Bundesstaat in diese zustimmte, &uuml;bertrug der Sultan von Sulu, das seit 1946 integraler Bestandteil der am 4. Juli desselben Jahres unabh&auml;ngig gewordenen <em>Republik der Philippinen<\/em> ist, der Regierung in Manila das Recht, seinen Anspruch auf Sabah politisch und diplomatisch durchzusetzen. Diese Position wurde 1968 im <em>Republikgesetz 5446 <\/em>offiziell festgeschrieben, wodurch die Landesverfassung ge&auml;ndert und der Anspruch auf Nordborneo ausdr&uuml;cklich beibehalten wurde. Um die ohnehin verzwickte Lage noch zu komplizieren, beriefen sich die Anh&auml;nger des Sultans auf einen 1915 mit den USA als damaliger Kolonialmacht (1898 &ndash; 1946) geschlossenen Pakt, wonach Washington sich verpflichtet hatte, die Interessen der Sultansfamilie zu sch&uuml;tzen.<\/p><p>Zwischenzeitlich gab es all diesen Entwicklungen zum Trotz auch prononcierte Bestrebungen in Richtung eines malaiischen Irredentismus, der &ndash; haupts&auml;chlich von indonesischen und philippinischen Intellektuellen und Nationalisten propagiert &ndash; darauf gerichtet war, die ethnisch malaiischen Gebiete &ndash; einschlie&szlig;lich der Malaiischen Halbinsel, British-Borneo und Niederl&auml;ndisch-Ostindiens (Indonesien) &ndash; zu einem gro&szlig;en Staat zu vereinen. Anfang der 1960er-Jahre war das Konstrukt <em>Maphilindo<\/em> en vogue, wonach der Zusammenschluss der L&auml;nder <em><u>Ma<\/u><\/em>laysia, die <em><u>Phil<\/u><\/em>ippinen und <em><u>Indo<\/u><\/em>nesien als politische Union avisiert ward. Das Vorhaben scheiterte, weil Indonesiens Pr&auml;sident Sukarno auf einen Kurs der <em>&bdquo;konfrontasi&ldquo;<\/em> vis-&agrave;-vis Malaysia einschwenkte beziehungsweise dessen Staatsgr&uuml;ndung als neokolonialistische Intervention des britischen Imperialismus wertete.<\/p><p><strong>Malaysia &ndash; Friedensbroker oder Spielverderber?<\/strong><\/p><p>Seit Anfang der 1970er-Jahre sind der Sulu-Archipel und die Hauptinsel Mindanao die h&ouml;chstmilitarisierten Gebiete der Philippinen. Lange Zeit herrschte in dieser &auml;ltesten Konfliktregion S&uuml;dostasiens offener B&uuml;rgerkrieg &ndash; mit stetig wechselnden Fronten und zahlreichen Vertriebenen, die meist Zuflucht im friedlichen Sabah suchten. Zun&auml;chst war es die <em>Moro Nationale Befreiungsfront (MNLF), <\/em>die f&uuml;r einen unabh&auml;ngigen Staat gek&auml;mpft, Ende 1976 aber im libyschen Tripolis, wo ihr Gr&uuml;ndungsvorsitzender Nur Misuari im Exil lebte, ein Friedensabkommen mit dem damaligen Marcos-Regime geschlossen hatte. Um Marcos, der zwischenzeitlich eine milit&auml;rische Invasion in Sabah erwogen hatte, zu kompromittieren, hatte Kuala Lumpur es Kombattanten der MNLF jahrelang gestattet, Sabah als Trainingslager und R&uuml;ckzugsgebiet zu nutzen. F&uuml;r diese und zahlreiche aus der Sulu-See vor den Kampfhandlungen geflohene Menschen er&ouml;ffnete die gesellschaftliche Integration in Sabah als Teil des multi-ethnischen Malaysia eine neue Lebensperspektive. Heute leben und arbeiten dort etwa 800.000 Filipinos, wiewohl als staatenlose oder undokumentierte Migranten in einer rechtlichen Grauzone und sporadisch schikaniert von malaysischen Sicherheitskr&auml;ften.<\/p><p>Nachdem Misuari und die MNLF Mitte der 1990er-Jahre von Manila kooptiert waren, sattelte Kuala Lumpur um und hofierte fortan die <em>Moro Islamische Befreiungsfront (MILF),<\/em> eine Abspaltung von der MNLF. Die MILF war zwischenzeitlich zur gr&ouml;&szlig;ten und bedeutsamsten muslimischen Gruppierung in den S&uuml;dphilippinen avanciert. So fanden denn ausgerechnet unter der &Auml;gide der malaysischen Regierung in Kuala Lumpur seit 1997 zun&auml;chst Waffenstillstands- und sp&auml;ter Friedensverhandlungen zwischen der MILF und der Regierung in Manila statt. Derweil hatten die malaysischen Beh&ouml;rden Anfang 2002 Nur Misuari an Manila ausgeliefert, als dieser sich nach einer missgl&uuml;ckten bewaffneten Revolte auf der Insel Jolo nach Sabah abgesetzt hatte. Wegen des Vorwurfs der Rebellion blieb er mehrere Jahre inhaftiert beziehungsweise unter Hausarrest gestellt. Was Misuari und seinen Gef&auml;hrten einst als sicheres Versteck gedient hatte, war jetzt zur Falle geworden. Dies hat Misuari bis heute nicht verwunden.<\/p><p>Zum Durchbruch kam es am 15. Oktober 2012. Ein sichtlich gut gelaunter Pr&auml;sident Benigno S. Aquino III. trat an diesem Tag vor die Kameras und erkl&auml;rte:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Das unterzeichnete Abkommen ebnet den Weg f&uuml;r einen endg&uuml;ltigen und dauerhaften Frieden in Mindanao.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Gemeint war das wenige Tage zuvor zwischen Vertretern der Regierung und der MILF ausgehandelte <em>&bdquo;Bangsamoro-Rahmenabkommen&ldquo;,<\/em> konzipiert als Vorstufe eines endg&uuml;ltigen Friedensvertrages. In Gegenwart des als Gast geladenen malaysischen Premierministers Najib Razak f&uuml;gte Aquino freudig hinzu:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Nicht l&auml;nger mehr strebt die MILF einen unabh&auml;ngigen Staat an. Das hei&szlig;t, die H&auml;nde, die einst Gewehre hielten, werden nun bald Land bestellen, Erzeugnisse verkaufen und an Werkb&auml;nken in Fabriken arbeiten und zahlreichen B&uuml;rgern neue Lebensperspektiven er&ouml;ffnen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Eckpunkt dieses Rahmenabkommens zur Regelung der Belange des Moro-Volkes (beziehungsweise der Moro-Nation) sollte die Schaffung einer autonomen Region namens <em>Bangsamoro<\/em> <em>(BARMM)<\/em> sein. Bevor ein solches Abkommen jedoch erst unter der Pr&auml;sidentschaft von Rodrigo R. Duterte (2016 &ndash; 2022) konkrete Gestalt annahm und ratifiziert wurde, hagelte es auch Kritik seitens entt&auml;uschter Ex-MILF-K&auml;mpfer, die sich zuvor unter F&uuml;hrung des Regionalbefehlshabers Ustadz Ameril Umbra Kato von der Organisation abgespalten hatten. Sie gr&uuml;ndeten im Gegenzug die <em>Bangsamoro Islamische Freiheitsbewegung (BIFM)<\/em> mit den <em>Bangsamoro Islamischen Freiheitsk&auml;mpfern (BIFF)<\/em> als deren bewaffnetem Arm. Der MILF unter F&uuml;hrung von Al Haj Murad Ebrahim und Chefunterh&auml;ndler Mohagher Iqbal warf die BIFM vor, gegen&uuml;ber der Regierung in Manila eingeknickt zu sein und die Vision eines unabh&auml;ngigen Moro-Staates aus dem Blick verloren zu haben. Pikanterweise hatten sich mit genau diesem Argument 1977 Ex-MNLF-Anh&auml;nger zur Gr&uuml;ndung der MILF entschlossen.<\/p><p><strong>Missgl&uuml;ckter (milit&auml;rischer) Gewaltakt im Fr&uuml;hjahr 2013<\/strong><\/p><p>Am 9. Februar 2013 waren zwischen 200 und 300 bewaffnete Anh&auml;nger einer selbsternannten <em>K&ouml;niglichen Armee des Sultanats von Sulu <\/em>von s&uuml;dphilippinischen Inseln aus mit Motorbooten in Lahad Datu und anderen Orten Sabahs angelandet. Angef&uuml;hrt wurden die in Malaysia umgehend als &bdquo;Kriminelle&ldquo; und &bdquo;Terroristen&ldquo; bek&auml;mpften Eindringlinge von Agbimuddin Kiram, einem Bruder des Sultans. Man sei gekommen, lie&szlig; schlie&szlig;lich <em>Sultan Jamalul Kiram III. <\/em>durch seinen Sprecher Abraham Idjirani verk&uuml;nden, um seit Langem bestehende Landbesitzrechte endlich durchzusetzen und das &bdquo;Heimatland wieder in Besitz zu nehmen&ldquo;.<\/p><p>Was da wie ein possenhafter Nachklapp aus Tausendundeiner Nacht mit einem &bdquo;Sultan of Swing&ldquo; als tragikomischem Hauptdarsteller anmutete, hatte sich zu einer t&ouml;dlichen Geschichte entwickelt. Nach einer l&auml;ngeren Pattsituation kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit malaysischen Sicherheitskr&auml;ften, bei denen etwa 80 Menschen ums Leben kamen. W&auml;hrend die malaysischen Beh&ouml;rden die Ereignisse herunterspielten und bereits von einem R&uuml;ckzug der Anh&auml;nger des Sultans sprachen, bezeichnete dieser dies im Gegenzug als Propaganda.<\/p><p>In philippinischen Regierungskreisen wurde seinerzeit vermutet, der Einmarsch in Sabah sei ein Komplott gewesen, um den laufenden Friedensprozess in den S&uuml;dphilippinen zu untergraben. Ein Vertreter des Sultans bestritt damals, dass dies der Zweck gewesen war, doch der Sultan selbst hatte sich mehrfach ver&auml;rgert dar&uuml;ber gezeigt, aus dem Prozess ausgeschlossen worden zu sein &ndash; ein Argument, das auch ein verbitterter Nur Misuari wiederholt &ouml;ffentlich zu Protokoll gab. Gegen&uuml;ber der in Manila erscheinenden Tageszeitung <em>Philippine Daily Inquirer <\/em>erkl&auml;rte Jamalul Kiram III.:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Wir bleiben vor Ort. Warum sollten wir unsere Heimat verlassen? Die Malaysier bezahlen uns daf&uuml;r doch bis heute Miete.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Tats&auml;chlich betrug diese Miete bis zu diesem Zeitpunkt j&auml;hrlich 5.300 malaysische Ringgit (umgerechnet etwa 1.700 US-Dollar), die von der Botschaft Malaysias in Manila per Scheck ausgezahlt wurde. Die Zahlungen wurden 2013 eingestellt, was zu einem internationalen Rechtsstreit f&uuml;hrte. Die Erben des Sultans von Sulu[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] erwirkten 2022 in Frankreich einen Schiedsspruch, der Malaysia zur Zahlung von rund 15 Milliarden US-Dollar an Schadensersatz verurteilte &ndash; ein Urteil, das jedoch in einem sp&auml;teren Verfahren kassiert wurde und Kuala Lumpur ohnehin als illegal und betr&uuml;gerisch einstufte.<br>\nSo befindet sich die <em>Sabah-Frage <\/em>im Fr&uuml;hjahr 2026 jenseits direkter milit&auml;rischer Konfrontationsgefahr in einer diplomatischen Pattsituation, wobei Malaysia die administrative Kontrolle fest im Griff hat, w&auml;hrend die Philippinen einen &bdquo;niemals aufgegebenen&rdquo;, ruhenden Anspruch aufrechterhalten.<\/p><p><small>Titelbild: Neuiiza \/ shutterstock<\/small><\/p><p><em><strong>Weiterf&uuml;hrende Lekt&uuml;re &amp; Links<\/strong><\/em><\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maphilindo\">Wikipedia &ndash; Maphilindo<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2023\/6\/7\/malaysia-wins-decisive-victory-in-row-with-sulu-sultans-heirs\"><em>Malaysia hails &lsquo;victory&rsquo; in row with Sulu sultan&rsquo;s Filipino heirs<\/em><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.businesstoday.com.my\/2026\/02\/24\/malaysia-never-recognised-philippines-claim-over-sabah\/\"><em>Malaysia Never Recognised Philippines&rsquo; Claim Over Sabah<\/em><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/globalnation.inquirer.net\/269575\/ph-revives-sabah-claim-in-note-to-united-nations\"><em>PH revives Sabah claim in note to United Nations<\/em><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.pna.gov.ph\/articles\/1269457\"><em>DFA reasserts Philippines&rsquo; claim over Sabah | Philippine News Agency<\/em><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/pulse\/from-commission-constitution-legal-foundations-malaysias-roger-chin-tewbf\"><em>From Commission to Constitution &ndash; The Legal Foundations of Malaysia&rsquo;s Formation<\/em><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lowyinstitute.org\/the-interpreter\/sabah-s-borders-indonesia-joins-malaysia-philippines-dispute\"><em>Sabah&rsquo;s borders: Indonesia joins Malaysia-Philippines dispute | Lowy Institute<\/em><\/a><\/li>\n<li>Matthew Jones (2009): <em>Conflict and Confrontation in South East Asia, 1961&ndash;1965 &ndash; Britain, the United States, Indonesia and the Creation of Malaysia<\/em>. Cambridge University Press<\/li>\n<li>D. R. Saunders (2023): <em>Brokering a postcolonial Malaysia: how local elites shaped the Cobbold Commission, 1961&ndash;63. <\/em>Critical Military Studies<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Das Sultanat von Sulu existiert nat&uuml;rlich l&auml;ngst nicht mehr als souver&auml;ner Staat; es besteht fort in Gestalt einer traditionellen Monarchie innerhalb des philippinischen Staatsverbandes, wiewohl mit widerstreitenden Fraktionen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Jahresbeginn sorgt die sogenannte <em>Sabah-Frage<\/em> neuerlich f&uuml;r Spannungen zwischen den beiden s&uuml;dostasiatischen Anrainerstaaten Malaysia und den Philippinen. Im Kern geht es um einen seit Langem bestehenden Territorialanspruch der Philippinen auf den seit Mitte der 1960er-Jahre bestehenden ostmalaysischen Bundesstaat Sabah, ein Territorium, das einst die britische <em>Kronkolonie Nord-Borneo<\/em> gebildet hatte. Es ist dies ein politisch<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149256\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":149257,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,20],"tags":[912,3024,2175,1311,2927,1971],"class_list":["post-149256","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-landerberichte","tag-buergerkrieg","tag-ethnische-minderheiten","tag-interventionspolitik","tag-landgrabbing","tag-malaysia","tag-philippinen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/shutterstock_2673114461.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/149256","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=149256"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/149256\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":149267,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/149256\/revisions\/149267"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/149257"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=149256"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=149256"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=149256"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}