{"id":14926,"date":"2012-11-02T07:45:17","date_gmt":"2012-11-02T06:45:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14926"},"modified":"2015-05-02T10:37:48","modified_gmt":"2015-05-02T08:37:48","slug":"frankreich-linksregierung-lahm-rechtsopposition-offensiv-und-aggressiv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14926","title":{"rendered":"Frankreich: \u201eLinks\u201cregierung lahm, Rechtsopposition offensiv und aggressiv."},"content":{"rendered":"<p>Auch die Arbeitgeberverb&auml;nde setzen das sozialdemokratische Kabinett Fran&ccedil;ois Hollandes  immer wieder unter Druck. Von gewerkschaftlicher Seite r&uuml;hrt sich wenig Widerstand. Eine Einsch&auml;tzung der politischen Lage in Frankreich nach dem Parteitag der &bdquo;Parti socialiste&ldquo; (PS) von <strong>Bernard Schmid<\/strong> [<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14926#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]<br>\n<!--more--><br>\n &bdquo;Einen Hund, den man zum Jagen tragen muss, taugt nichts&ldquo; &ndash; besagt ein altes s&uuml;ddeutsches Sprichwort. Mutma&szlig;lich hat der neue Parteivorsitzende der franz&ouml;sischen Sozialdemokratie, Harlem D&eacute;sir, bei seiner Antrittsrede auf dem Parteitag in Toulouse am vergangenen Wochenende (26.-28. Oktober 2012) nicht an diese Redensart gedacht. Doch es h&ouml;rte sich beinahe so an, als m&uuml;sse er einen Hund zum Jagen tragen, als er seine Partei dazu aufforderte, sie solle sich &bdquo;mobilisiert&ldquo;, ja &bdquo;&uuml;bermobilisiert&ldquo; zeigen. Und zwar, um die positiven Ma&szlig;nahmen der Regierung zu verteidigen, f&uuml;r Fortschritte zu k&auml;mpfen und um eine &bdquo;revanchistische Rechte&ldquo; im Zaum zu halten.<\/p><p>Bitter n&ouml;tig hatte die franz&ouml;sische <em>Parti socialiste<\/em> (PS) solche Appelle. Kein einziges Plakat und so gut wie keine Parteifahne war in dem gro&szlig;en Kongressaal zu sehen &ndash; er &auml;hnelte einer Produktionshalle f&uuml;r Flugzeuge -, was in der von Airbus gepr&auml;gten Stadt Toulouse nicht verwundert. Amtierende Minister zeigten sich genervt dar&uuml;ber, dass die Partei so wenig tue, um die Arbeit des Kabinetts zu flankieren. Da &uuml;ber die stimmberechtigten Delegierten hinaus weitaus weniger als die angek&uuml;ndigten 4.000 Parteimitglieder als G&auml;ste zum Kongress gekommen waren, wirkte die Versammelten in der Halle zeitweilig ziemlich verlassen.<\/p><p>Als einen &bdquo;Parteitag der <em>morosit&eacute;<\/em>&ldquo;, also der Griesgr&auml;migkeit, bezeichneten mehrere franz&ouml;sische Zeitungen den Kongress. In dessen Vorfeld hatte nur rund die H&auml;lfte der rund 172.000 eingeschriebenen Mitglieder ohne Beitragsr&uuml;ckstand an der innerparteilichen Urabstimmung teilgenommen. Die Wochenzeitung <strong><em>,Le Canard enacha&icirc;n&eacute;&rsquo;<\/em><\/strong> rechnet dazu vor: Es wurden rund 85.000 Stimmen abgegeben. Zum Vergleich: Vor dem letzten Parteitag in Reims, im November 2008, wo die Parteibasis zwischen Martine Aubry und S&eacute;gol&egrave;ne Royal als potenziellen Parteivorsitzenden zu entscheiden hatte, waren es noch 130.000 Stimmen gewesen. Im &Uuml;brigen geh&ouml;rten, folgt man der Zeitung, mindestens 60.000 dieser 85.000 Stimmen zu jenem &bdquo;harten Kern&ldquo; der Partei, der aus Mandatstr&auml;gern (von der kommunalen Ebene aufw&auml;rts bis zu den zentralstaatlichen Parlamenten und Institutionen) sowie Mitarbeiter\/inne\/n von Mandatstr&auml;ger\/inne\/n besteht &ndash; welche ihren Lebensunterhalt oder einen Teil davon durch die Partei verdienen. Daran l&auml;sst sich die derzeitige, ausgesprochen schwache gesellschaftliche Mobilisierung rund um die franz&ouml;sische Sozialdemokratie ablesen.<\/p><p>Bei dem diesj&auml;hrigen Mitgliedervotum ging es darum, f&uuml;r einen der f&uuml;nf Parteitagsantr&auml;ge zu votieren, die gleichzeitig die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation analysieren &uuml;ber die Zusammensetzung des Parteivorstands entscheiden sollten. Denn der jeweils erzielte Stimmenanteil entscheidet &uuml;ber die Anzahl an Sitzen, die eine Str&ouml;mung oder Unter- oder Nebenstr&ouml;mung in dem Gremium besetzen darf. Entgegen vorheriger Erwartungen entfielen dabei nicht 80 oder 90 Prozent auf den Leitantrag der bisherigen Parteispitze sondern &bdquo;nur&ldquo; 68,1 Prozent. <\/p><p>Die so genannte Parteilinke, die dieses Mal ohne prominente Namen antrat und vor allem &Auml;nderungen am neuen EU-Vertrag vom 2. M&auml;rz d.J. &ndash; dem so genannten Sparpakt &ndash; beantragte, erzielte unter Emmanuel Maurel rund 13,5 Prozent. Der Sparpakt ist Anfang Oktober vom franz&ouml;sischen Parlament verabschiedet worden, trotz einiger Widerst&auml;nde auch innerhalb der regierenden Linksparteien und obwohl Fran&ccedil;ois Hollande als damaliger Wahlk&auml;mpfer am 1. M&auml;rz ausdr&uuml;cklich dessen Neuverhandlung versprochen hatte. In der Nationalversammlung stimmten 70 Abgeordnete gr&ouml;&szlig;tenteils aus dem sozialdemokratischen und gr&uuml;nen Lager gegen den Sparpakt, doch dieser wurde mit &uuml;ber 400 Ja-Stimmen angenommen, weil die konservative und wirtschaftsliberale Opposition gemeinsam mit der Regierungsspitze zustimmte. Zuvor hatte Ende September ein &bdquo;kleiner Parteitag&ldquo; der mitregierenden franz&ouml;sischen Gr&uuml;nen mit siebzigprozentiger Mehrheit beschlossen, dass die Partei den Sparpakt ablehne. Premierminister Jean-Marc Ayrault tolerierte diesen &bdquo;Schritt zur Seite&ldquo; unter einer Bedingung, n&auml;mlich der, dass die Gr&uuml;nen daraufhin dem auf dem Sparpakt basierenden Haushaltsgesetz f&uuml;r 2013 zustimmen mussten. So funktioniert offenbar &bdquo;Realpolitik&ldquo;: Man erkl&auml;rt, dass man &bdquo;im Prinzip&ldquo; etwas ablehne, wirkt dann aber bei dessen Umsetzung aktiv mit.<\/p><p>Gut elf Prozent erzielte ein weiterer Antrag, der vor allem von der moralischen Reputation seines prominentesten Unterzeichners lebte. N&auml;mlich von St&eacute;phane Hessel, 94 Jahre alt, ehemaliger R&eacute;sistancek&auml;mpfer und an der Ausarbeitung der Allgemeinen Erkl&auml;rung der Menschenrechte von 1948 beteiligt; er ver&ouml;ffentlichte in den letzten Jahren zwei kleine B&uuml;chlein: &bdquo;Emp&ouml;rt Euch!&ldquo;, gefolgt von &bdquo;Engagiert Euch!&ldquo; Darin bietet er allerdings nur die Einsicht, dass es auch noch heute moralisch gerechtfertigt sei, die Welt ver&auml;ndern zu wollen, weil es auf ihr nicht gerecht zugehe. Dar&uuml;ber hinaus reichende Analysen sucht man jedoch eher vergeblich. Weniger bekannt war, dass Hessel seit langem auch Mitglied der franz&ouml;sischen Sozialdemokratie ist. In diesem Jahr stellte er dem Antrag aus dem Mitte-Links-Spektrum der Partei seinen prominenten Namen zur Verf&uuml;gung. Innerparteiliche Funktionen strebe er aufgrund seines hohen Alters ohnehin nicht an, f&uuml;gte er gegen&uuml;ber der Presse hinzu.<\/p><p>Der neue Vorsitzende wurde durch die ausscheidende Vorg&auml;ngerin, Martine Aubry,  vorgeschlagen. Ihr Vorschlag wurde dadurch unterstrichen, dass Aubry  Harlem D&eacute;sir in der zweiten Septemberwoche zum &bdquo;ersten Unterzeichner&ldquo; des Leitantrags bestimmte. Ihre Entscheidung, die schon im August erwartet wurde, hatte sich um mehrere Wochen verz&ouml;gert. Der Hintergrund daf&uuml;r war, dass Staatspr&auml;sident Fran&ccedil;ois Hollande sich in die Personalentscheidung einmischte und &ndash; entgegen seiner anf&auml;nglichen Pr&auml;ferenz f&uuml;r D&eacute;sirs Gegenkandidaten Jean-Christophe Cambad&eacute;lis &ndash; einen altlinken Zyniker und einstmaligen Trotzkisten &ndash; schlussendlich f&uuml;r den fr&uuml;heren Apparatschik der parteinahen Vereinigung <em>&bdquo;SOS Racisme&ldquo;<\/em> (eine franz&ouml;sische NGO gegen rassistische Diskriminierung) optierte. Aubry und andere F&uuml;hrungspersonen wurden durch diese Kehrtwendung &uuml;berrascht, folgten aber letztlich der Entscheidung, die im Elys&eacute;e-Palast getroffen wurde. Dies bedeutet &ndash; nebenbei bemerkt &ndash; einen flagranten Bruch eines Versprechens Fran&ccedil;ois Hollandes im Wahlkampf: Bei der Fernsehdebatte mit Nicolas Sarkozy hatte er noch Anfang Mai hoch und heilig versichert, als Pr&auml;sident werde er sich nicht in das Parteileben der Sozialdemokratie einmischen.<br>\n(Harlem D&eacute;sir erhielt in der vorausgegangenen Urwahl 72,5 Prozent der Stimmen. (WL))<\/p><p><strong>Hoffnungen auf irgendwelche progressive Ver&auml;nderung: mau!<\/strong><\/p><p>W&auml;re es doch nur das einzige Wahlkampfversprechen Fran&ccedil;ois Hollandes, das l&auml;ngst zu  Makulatur wurde&hellip; Viele andere wurden n&auml;mlich gleichfalls schon l&auml;ngst in die Mottenkiste gepackt, angefangen mit den sch&ouml;nen Spr&uuml;chen &uuml;ber mehr soziale Gerechtigkeit. Solche Versprechen wurden nach der Wahl zumindest bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Ende Februar hatte Hollande z.B. den sich m&uuml;de dahinschleppenden Wahlkampf dadurch belebt, dass er einen neuen Spitzensteuersatz f&uuml;r Einkommensmillion&auml;re in H&ouml;he von 75 Prozent ank&uuml;ndigte. Dar&uuml;ber wurde daraufhin in ganz Europa diskutiert. Zwar sieht das neue Haushaltsgesetz einen solchen Spitzensteuersatz nun vor, aber er wird voraussichtlich nur circa 1.500 Personen in ganz Frankreich betreffen. Denn der Clou ist, dass s&auml;mtliche Formen von Kapitaleink&uuml;nften &ndash; Mieteinnahmen, Aktiendividenden, B&ouml;rsengewinne &ndash; aus dem in dieser H&ouml;he zu besteuernden Einkommen ausgeklammert wurden. Nur Eink&uuml;nfte in Form von Lohn und Gehalt werden ber&uuml;cksichtigt. Davon betroffen sind aber nur einige wenige Manager der h&ouml;chsten Gehaltsstufe, die jedoch ihr Einkommen nunmehr umschichten d&uuml;rften, um statt Gehalt lieber Aktienpakte zu verlangen. Anders h&auml;tte es ausgesehen, wenn man auch Verm&ouml;gens- und Kapitaleink&uuml;nfte einbezogen h&auml;tte.<\/p><p>Dennoch sind es vor allem Kapitaleigent&uuml;mer, die sich von den angeblich sch&auml;dlichen Steuern geplagt f&uuml;hlen; sie konnten in den letzten Monaten die Regierung massiv und erfolgreich unter Druck setzen. Denn w&auml;hrend soziale Bewegungen sich kaum r&uuml;hrten &ndash; abgesehen von Streiks in einzelnen Gro&szlig;unternehmen, wie vergangene Woche bei dem Bahnbetreiber SNCF am Donnerstag und der Fluggesellschaft Air France am Freitag, die jedoch unternehmensspezifische Forderungskataloge betrafen -, tat sich auf der wirtschaftsliberalen Seite umso mehr. Unter hohem Einsatz von Kommunikationsexperten und PR-Agenturen organisierten Unternehmer eine Kampagne, die sie unter der &Uuml;berschrift <strong><em>&bdquo;Les pigeons&ldquo;<\/em><\/strong> durchf&uuml;hrten. &bdquo;Pigeons&ldquo; das bedeutet so viel wie &bdquo;Tauben&ldquo;, aber auch &bdquo;leichte Opfer&ldquo;, in dem Sinne, das man gerupft zu werden drohe. Anlass ihres Zorns war die geplante Anhebung einer Steuer f&uuml;r die Ver&auml;u&szlig;erung von Unternehmen. Es dauerte nur f&uuml;nf Tage bis die Regierung vor der Kampagne der angeblich armen, &bdquo;gerupften Opfer&ldquo; einknickte. <\/p><p>Ein Karikaturist der liberalen Abendzeitung <strong><em>Le Monde<\/em><\/strong> hat die Dinge ins passende Bild gebracht. Xavier Gorce zeichnete zwei Figuren, von denen die eine dem Gurren von  Tauben zuh&ouml;rt. Die andere Figur kommentiert trocken: &bdquo;Wechsle Deine Brille&ldquo;.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.altermonde-sans-frontiere.com\/local\/cache-vignettes\/L490xH500\/02-2d5e7.gif\" alt=\"Courte vue... par Xavier Gorce\" title=\"Courte vue... par Xavier Gorce\"><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.altermonde-sans-frontiere.com\/spip.php?article21294\">Altermonde-sans-fronti&egrave;res<\/a><\/p><p>&Uuml;brigens steht derzeit bereits die dritte &bdquo;Unternehmer&ldquo;-Bewegung mit reichlich PR-Begleitung in den Startl&ouml;chern. Nach den <strong><em>,pigeons&rsquo;<\/em><\/strong> (Tauben) und den <strong><em>,moutons&rsquo;<\/em><\/strong> (Schafen) &ndash; die erste gegen Steuern, die zweite gegen Sozialbeitr&auml;ge f&uuml;r Selbst&auml;ndige und Unternehmer &ndash; kommen jetzt die ,dindons&rsquo; (Truth&auml;hne). Dieses Mal sind es Eigent&uuml;mer im Hotel- und Restaurantgewerbe, die gegen die Mehrwertsteuer protestieren. Warum nur muss mensch bei all diesen Kampagnenamen immer nur an &bdquo;Kochtopf, Kochtopf&ldquo; denken? Nicht gar so satirisch gemeint war hingegen der Aufruf von 98 Wirtschaftsbossen in der Sonntagszeitung <a href=\"http:\/\/www.lejdd.fr\/Economie\/Actualite\/Exclusif-JDD-L-appel-des-PDG-des-98-plus-importantes-societes-francaises-571884\">Le Journal du Dimanche (JDD) vom 28. Oktober 12<\/a>, welche die Regierung mehr oder minder ultimativ zu erheblichen Absenkungen der Staatsausabgaben und bei den &bdquo;Lohnkosten&ldquo; aufforderten.<\/p><p>Nicht alle sozialen Gruppen wurden bislang allerdings so gut bedient wie die als &bdquo;Tauben&ldquo; daherkommenden  Unternehmer. Weitaus weniger r&uuml;cksichtsvoll schickte die Regierung ihre uniformierten Staatsdiener in Gestalt der Sicherheitskompanie  CRS (Compagnies R&eacute;publicaines des S&eacute;curit&eacute;) gleich gegen mehrere Gruppen los: Im August waren zun&auml;chst die &bdquo;illegal&ldquo; campierenden Roma dran, Anfang Oktober dann die Automobilarbeiter, die &ndash; das Wasser bis zum Hals sp&uuml;rend &ndash; gegen die anlaufende Welle von Massenentlassungen f&uuml;r ihre Arbeitspl&auml;tze oder mindest substanzielle Abfindungen k&auml;mpfen. Am 9. Oktober versuchten sie, bei der prestigereichen Automobilmesse in den Pariser Messehallen (ungeladen) Einlass zu finden, wurden jedoch mit Tr&auml;nengas und Kn&uuml;ppeln empfangen. Zwei Wochen sp&auml;ter wiederum wurden die CRS gegen die Gel&auml;ndebesetzer in Nantes losgeschickt, die eine Verlagerung des dortigen Flughafens verhindern m&ouml;chten &ndash; ein ebenso unn&ouml;tiges wie &ouml;kologisch zerst&ouml;rerisches Gro&szlig;projekt.<\/p><p>Es verwundert deswegen nicht, dass die Bilanz der &bdquo;linken&ldquo; Regierung derzeit aus Sicht vieler ihrer W&auml;hlerinnen und W&auml;hler ausgesprochen bescheiden aussieht. Fran&ccedil;ois Hollandes Popularit&auml;t befindet sich dementsprechend geradezu im freien Fall und unterschritt Ende vergangener Woche die Vierzig-Prozent-Marke &ndash; anl&auml;sslich des j&uuml;ngst durchgef&uuml;hrten Sprungs des &Ouml;sterreichers Felix Baumgartner aus 39 Kilometern H&ouml;he wurden in den Medien viele satirische Vergleiche gezogen. Im Laufe dieser Woche kommt er nun in einer Umfrage gar bei <a href=\"http:\/\/www.lefigaro.fr\/politique\/2012\/10\/31\/01002-20121031ARTFIG00486-hollande-la-cote-d-alerte.php\">Popularit&auml;tswerten von nur noch 36 Prozent<\/a> an.<\/p><p>Die Spitzen der Gewerkschaftsdachverb&auml;nde, vor allem die linke CGT (Conf&eacute;d&eacute;ration g&eacute;n&eacute;rale du travail) und der gr&ouml;&szlig;te Gewerkschaftsbund, die CFDT (Conf&eacute;d&eacute;ration fran&ccedil;aise d&eacute;mocratique du travail), sind st&auml;rker als zu Zeiten der konservativ-wirtschaftsliberalen Vorg&auml;ngerregierung in die Vorbereitung mancher Regierungsprojekte eingebunden oder aber hoffen jedenfalls darauf. Beide Dachverb&auml;nde sind derzeit aber eher mit internen Fragen besch&auml;ftigt, da die jeweiligen Generalsekret&auml;re Bernard Thibault und Fran&ccedil;ois Ch&eacute;r&egrave;que sich dazu anschicken, das Ruder an ihre Nachfolger &ndash; Thierry Lepaon und Laurent Berger &ndash; zu &uuml;bergeben. Druck auf die Regierung kommt deswegen vor allem von rechts. Auch die gr&ouml;&szlig;te Rechtspartei, also die konservative und wirtschaftsliberale ebenso wie nationalrassistische Str&ouml;mungen umfassende UMP (Union pour un mouvement populaire), bereitet sich auf die Wahl einer neuen Spitze vor. Am 18. November f&auml;llt die Entscheidung zwischen ihrem Generalsekret&auml;r Jean-Fran&ccedil;ois Cop&eacute; und dem fr&uuml;heren Premierminister Fran&ccedil;ois Fillon. Letzterer ist derzeit besser platziert. Vor allem Cop&eacute; setzt auf eine auf Ressentiments gegen Minderheiten und Rassismus anspielende Kampagne, die seine Partei noch weiter an den derzeit ebenfalls erstarkenden rechtsextremen Front National von Jean-Marie Le Pen ann&auml;hert. Sollte Cop&eacute; gewinnen, dann w&uuml;rde eine aus der antigaullistischen radikalen Rechten kommende Abgeordnete, Mich&egrave;le Tabarot, stolze Tochter eines in den sechziger Jahren bei der rechten Terrororganisation OAS aktiven Vaters und erkl&auml;rte de Gaulle-Hasserin, zur Nummer Zwei der &bdquo;postgaullistischen&ldquo; Partei. <\/p><p>Am vergangenen Wochenende (27.\/28. Oktober) verk&uuml;ndete Cop&eacute;, falls er am 18. November  gew&auml;hlt werde, dann w&uuml;rde die Rechte k&uuml;nftig auch auf die Stra&szlig;e gehen, zum ersten Mal seit ihren Demonstrationen zur Verteidigung der katholischen Privatschulen von 1984, die damals durch Konservative und dem Front National gleicherma&szlig;en getragen wurden. Und dieses Mal geht es nicht um eine satirische so genannte <strong><em>&bdquo;fausse manif de droite&ldquo;<\/em><\/strong> (<a href=\"http:\/\/www.trend.infopartisan.net\/trd0607\/t380607.html\">&bdquo;falsche Demo der Rechten&ldquo;<\/a>), sondern um eine echte Drohung mit rechter Mobilisierung auf der Stra&szlig;e&hellip;<\/p><p>Besonders gegen die Pl&auml;ne der Regierung zur Erlaubnis der Homosexuellenehe &ndash; die er, als B&uuml;rgermeister von Meaux, in &bdquo;seinem&ldquo; Rathaus dann gesetzwidrig boykottieren m&ouml;chte  &ndash; und gegen die Einf&uuml;hrung des kommunalen Ausl&auml;nderwahlrechts will Cop&eacute; mobilisieren. Die Pl&auml;ne f&uuml;r das Ausl&auml;nderwahlrecht wird die Regierung allerdings mutma&szlig;lich ohnehin auf die lange Bank schieben. Cop&eacute;s Ank&uuml;ndigung war jedoch beinahe ein Segen f&uuml;r den neuen Chef der Regierungspartei, Harlem D&eacute;sir. Seine Warnungen auf dem Parteitag vor einer Rechten, die &bdquo;ihre republikanischen Werte zu verraten&ldquo; drohe, geh&ouml;rten zu denen, die am st&auml;rksten Applaus erhielten. Es geht eben nichts &uuml;ber einen h&auml;sslichen Feind, um die eigenen Leute zu motivieren.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Bernard Schmid<\/strong>, geboren 1971, ist promovierter Jurist und freier Journalist. Er lebt seit 1995 in Paris. Er arbeitet f&uuml;r eine NGO gegen Rassismus. Er ist zudem Autor mehrerer B&uuml;cher, darunter &bdquo;Algerien &ndash; Frontstaat im globalen Krieg?&ldquo;, &bdquo;Das koloniale Algerien&ldquo; und &bdquo;Der Krieg und die Kritiker&ldquo;, <a href=\"http:\/\/www.edition-assemblage.de\/die-arabische-revolution\/\">&bdquo;Die arabische Revolution&ldquo;<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch die Arbeitgeberverb&auml;nde setzen das sozialdemokratische Kabinett Fran&ccedil;ois Hollandes immer wieder unter Druck. Von gewerkschaftlicher Seite r&uuml;hrt sich wenig Widerstand. 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