{"id":149455,"date":"2026-04-22T14:00:33","date_gmt":"2026-04-22T12:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149455"},"modified":"2026-04-22T14:56:31","modified_gmt":"2026-04-22T12:56:31","slug":"app-gegen-hohe-mieten-bringt-die-etwa-soziale-gerechtigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149455","title":{"rendered":"App gegen hohe Mieten \u2013 bringt die etwa soziale Gerechtigkeit?"},"content":{"rendered":"<p>W&uuml;rde der ber&uuml;hmte politische Wille (f&uuml;r die vielen B&uuml;rger) umgesetzt, w&auml;re unsere Gesellschaft um einiges besser. Doch so sieht es genau andersherum aus. Ein Beispiel: Wirksame Ma&szlig;nahmen gegen die hohen und weiter steigenden Mieten sucht der B&uuml;rger vergeblich. Etwas Hoffnung wird aber nun (endlich?) geweckt: Was die Regierenden mit ihrem staatlichen Ausf&uuml;hrungsapparat nicht in die H&auml;nde nehmen, weil das in Wahrheit nicht in ihrem politischen Interesse ist, setzt seit einiger Zeit die Oppositionspartei Die Linke auf die Tagesordnung &ndash; eine App gegen Mietwucher. Die mit dieser App gewonnenen Zahlen offenbaren den traurigen Zustand unseres Landes, die Not der Menschen, die ein w&uuml;rdiges, bezahlbares und kein &uuml;berteuertes Zuhause verdienen. Es ist Zeit, das zu &auml;ndern. Ein Zwischenruf von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Eine Dekade unfassbarer Mietsteigerungen<\/strong><\/p><p>Wie ungeniert gierig in diesem Land in den vergangenen zehn Jahren bei Mieten hingelangt wurde und weiter wird, ist ein v&ouml;llig inakzeptabler, unser Gemeinwesen sch&auml;digender Skandal. Ich las, die Hauptstadt Berlin ist &ndash; passend zu ihrem Status &ndash; die Nummer eins auf dem &bdquo;Mietwohnungsmarkt&ldquo;, die Mieten hier in dieser Zeitspanne um 69 Prozent gestiegen. Auf Platz zwei kommt die ostdeutsche Boomstadt Leipzig mit 67 Prozent. Und in Hamburg k&ouml;nnten die Mietmenschen beinah aufatmen, betr&auml;gt die Steigerung dort &bdquo;wenige&ldquo; 42 Prozent. Dabei bleibt die Lage schlimm: In vielen St&auml;dten der Bundesrepublik kann von g&uuml;nstigen, von fairen Mieten nicht (mehr) die Rede sein. Mir fallen die teuerste Stadt M&uuml;nchen, Frankfurt (Main), Stuttgart, K&ouml;ln ein. <\/p><p>Dabei gilt seit 2015 die von der Bundesregierung beschlossene, ach so wirksame Mietpreisbremse, die in der Realit&auml;t kaum Bremsbel&auml;ge zu besitzen scheint. Geschenkt. Was soll&rsquo;s, das Wohnen ist ungehemmt, von den Erfindern der &bdquo;Bremse&ldquo; hingenommen, unanst&auml;ndig teuer geworden. Und nein, es fehlen nicht bezahlbare Wohnungen, es fehlt allein der (politische und der Eigent&uuml;mer) Wille, Wohnungen zu fairen Preisen zu vermieten und die Gier nach mehr und mehr Profit zur&uuml;ckzufahren. So bleibt die Lage bei Wohnungssuchenden in Gro&szlig;st&auml;dten erniedrigend, sie m&uuml;ssen heute f&uuml;r ein neues Zuhause im Schnitt 43 Prozent mehr zahlen als noch vor zehn Jahren. Wo soll das noch hinf&uuml;hren, frage ich mich und habe doch etwas Hoffnung &hellip;<\/p><p><strong>Statt einer Bremse, die den Namen nicht verdient, braucht es andere Mittel &ndash; eine App<\/strong><\/p><p>Seit einiger Zeit tr&auml;gt sich in St&auml;dten wie in Berlin beinahe Wundervolles zu. Dank einer App gibt es f&uuml;r betroffene B&uuml;rger eine M&ouml;glichkeit, sich gegen hohe Mieten zu wehren oder zumindest feststellen zu lassen, ob und\/oder wie sehr ihre Miete &uuml;berh&ouml;ht ist. Die App ist ein wichtiges, richtiges Engagement der Opposition, der Partei Die Linke, die immer wieder zutreffend kritisiert, dass Wohnen in Deutschland zu teuer ist. Nun scheint ein Lichtblick auf: Diese Mietwucher-App entwickelt sich nach und nach wom&ouml;glich zu einem Erfolg. Der erste Schritt dabei: Offenlegung der Situation. Man bedenke, schon haben an die 250.000 Nutzer die App in Anspruch genommen. Das war dem <em>Deutschlandfunk<\/em> ein paar Sendeminuten wert, der das ern&uuml;chternde Fazit sendete:<\/p><blockquote><p>\n<em>Ein gro&szlig;er Teil der &uuml;ber die &bdquo;Mietwucher-App&ldquo; der Linken &uuml;berpr&uuml;ften Mieten ist nach Angaben der Partei zu hoch.<\/em><\/p>\n<p><em>Wie die Linke in Berlin mitteilte, haben bislang rund 250.000 Haushalte bundesweit die App genutzt. Zwei Drittel der so &uuml;berpr&uuml;ften Mieten seien &uuml;berh&ouml;ht.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Was in dem kleinen Beitrag weiter jedoch erschreckend offenbar wurde, ist, dass im Land die Angst umgeht. Menschen bef&uuml;rchten, ihre Wohnung zu verlieren, falls sie aufmucken:<\/p><blockquote><p>\n<em>Nach Angaben der Partei gehen aber nur wenige dagegen vor. Es wurde &uuml;ber die App nur in 8.500 F&auml;llen eine entsprechende Meldung an die zust&auml;ndigen &Auml;mter geschickt. Die Menschen h&auml;tten offenbar Angst, ihre Wohnung zu verlieren.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/mietwucher-app-der-linken-zeigt-zwei-drittel-der-ueberprueften-mieten-sind-zu-hoch-100.html\">DLF<\/a><\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Angst hin oder her &ndash; es herrscht dringender Handlungsbedarf<\/strong><\/p><p>Doch auch wenn noch immer viele Mieter nicht den zweiten Schritt gehen, sich gegen hohe Mieten zu wehren und gegen Vermieter vorzugehen, scheint endlich eine Trendwende einzusetzen. So haben in wenigen Wochen bundesweit 68.500 Menschen die App genutzt, das Ergebnis lautete:<\/p><blockquote><p>\n<em>In gut 48.500 F&auml;llen lag der gemeldete Wert um mindestens 20 Prozent &uuml;ber der Vergleichsmiete, in gut 27.500 F&auml;llen sogar um 50 Prozent zu viel.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.bz-berlin.de\/berlin\/mieten-wucher-app-berlin-linke\">BZ<\/a><\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Was tun? Die Mieter haben das Recht, die skandal&ouml;sen Zahlen den Beh&ouml;rden zu melden. Laut Bericht haben das gerade mal 2.400 in Anspruch genommen, bei denen festgestellt wurde, dass ihre Mieten um 67 Prozent &uuml;ber dem Berliner Mietspiegel lagen. Wucher in Reinform. Bei Mietwucher ist gerade die Kommune, hier das Wohnungsamt, in der Pflicht und in der Lage, zum Beispiel Bu&szlig;gelder zu verh&auml;ngen.<\/p><p><strong>Die App ist ein Schritt &ndash; weitere sind dringend erforderlich und das Anwenden schon bestehender Gesetze<\/strong><\/p><p>Den Akteuren in dem fiesen Monopoly-Spiel sei gesagt, dass die App nur ein Schritt gegen den Skandal (einer von vielen in unserer Gesellschaft freiheitlich-demokratischer Grundordnung) sein kann. Weiter m&uuml;ssen Forderungen erhoben werden: Statt Mietpreisbremse muss ein Mietdeckel her, ein Mietenstopp, ein nachhaltiger Kampf gegen Mietwucher, der auch Wirkung zeigt. All das ist nicht schwer, ist die mehr und mehr neoliberale Bundesrepublik doch immer noch reich an Gesetzestexten, die in diesen F&auml;llen kraftvoll zur Anwendung kommen k&ouml;nnten, w&uuml;rde allein der politische Wille bestehen. <\/p><p>&Uuml;berh&ouml;hte Mieten kenntlich zu machen, sie zu senken, &Uuml;berzahlungen zur&uuml;ckzufordern und Strafen zu verh&auml;ngen, das findet sich zum Beispiel im Wirtschaftsstrafrecht. Und doch vermeiden die Entscheidungstr&auml;ger des Landes, eine ausgleichende, faire, soziale Politik zu realisieren, obwohl sie die Instrumente dazu haben. Sie fassen diese nicht an, nicht bei Mieten, nicht bei anderen Preisentwicklungen, nicht in vielen Bereichen unseres Gemeinwesens. In einem fr&uuml;heren NDS-Beitrag schrieb ich, wie sch&ouml;n es w&auml;re, st&uuml;nde im Koalitionsvertrag:<\/p><blockquote><p>\n<em>Union und SPD haben vereinbart, die Enteignung (Verstaatlichung) gro&szlig;er Wohnungskonzerne, wie in einem erfolgreichen Volksentscheid gefordert (und nicht umgesetzt), endlich z&uuml;gig durchzusetzen. Weiter sind umfangreiche Ma&szlig;nahmen f&uuml;r faire Mieten statt Mieterh&ouml;hungen bis hin zu Wucher beschlossen. Eine konsequente Deckelung der Mieten ist vorgesehen, die Lebenssituation f&uuml;r Studenten gerade in Bezug auf das Wohnen wird deutlich verbessert. Der soziale Wohnungsbau sowie der private Bau von Eigenheimen wird mit erheblichen finanziellen Mittel angekurbelt, ganz &auml;hnlich wie im Bereich der R&uuml;stung. Beide sind schlie&szlig;lich wichtige Bestandteile unserer Gesellschaft!<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Was macht die Koalition des BlackRock-Kanzlers?<\/strong><\/p><p>Die aktuelle Koalition des BlackRock-Kanzlers beweist t&auml;glich, wie sehr die von den einfachen Menschen entfernt ist. Das macht sie clever in einer Art Aktionismus &agrave; la &bdquo;wir werden uns f&uuml;r Sie einsetzen&ldquo;, die einzig zum Ziel hat, den Status quo beizubehalten. Eine Kommission in Sachen Miete und Wucher wird gebildet (um mal wieder eine Reform auf den Weg zu bringen), die sich um die Pr&auml;zisierung der Mietwucher-Vorschrift im Wirtschaftsstrafgesetz k&uuml;mmern soll. Und weil solche Gremien ordentlich was wegarbeiten m&uuml;ssen, soll die Kommission bis Ende 2026 tagen. Das ganze Spiel ist zu offensichtlich. Die einfachere Anwendung und die Erh&ouml;hung von Bu&szlig;geldern h&auml;tten ohne Kommission von der Koalition umgesetzt werden k&ouml;nnen. Doch geht es einzig darum, zu verz&ouml;gern und Ver&auml;nderungen zu verhindern &ndash; hier den seit Langem vorliegenden Gesetzentwurf versus Mietwucher. Der ist mit L&auml;ndermehrheit im Bundesrat schon beschlossen worden. Die BlackRock-Kanzler-Koalition vertagt die Korrekturen im Mieterschutz.<\/p><p>So ist das wahre, kalte Leben: Wohnen, Mieten, Bauen, Eigentum (das kleine Haus) &ndash; was die Parteien der Koalition dazu bieten, ist wenig bis nichts. Weiter so zum Vorteil Weniger, so die Order. Die Akteure in und Profiteure der Krise machen dank der Koalition ungest&ouml;rt Kasse &ndash; auf Kosten vieler Mieter. In Deutschland lebt die &uuml;berwiegende Mehrheit der Menschen zur Miete. Die daraus folgende Verantwortung f&uuml;r entsprechend faire Bedingungen liegt neben den Vermietern (Eigentum verpflichtet) eben auch bei der Bundesregierung, die im Vertrag vollmundig geschrieben hatte:<\/p><blockquote><p>\n<em>Wohnen wollen wir f&uuml;r alle Menschen bezahlbar, verf&uuml;gbar und umweltvertr&auml;glich gestalten.<\/em><\/p>\n<p><em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/fileadmin\/Dokumente\/Koalitionsvertrag2025_bf.pdf\">SPD<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Dass die Koalition eine App h&auml;tte anbieten k&ouml;nnen oder die App der Partei Die Linke f&uuml;r gut und wichtig h&auml;lt und daf&uuml;r wirbt, w&auml;re ein Beleg des in dem obigen Satz ge&auml;u&szlig;erten Willens. Schon klar, das mit dem Wollen, das klingt sch&ouml;n in Sonntagsreden &ndash; mehr auch nicht.<\/p><p><small>Titelbild: SB Arts Media \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W&uuml;rde der ber&uuml;hmte politische Wille (f&uuml;r die vielen B&uuml;rger) umgesetzt, w&auml;re unsere Gesellschaft um einiges besser. Doch so sieht es genau andersherum aus. Ein Beispiel: Wirksame Ma&szlig;nahmen gegen die hohen und weiter steigenden Mieten sucht der B&uuml;rger vergeblich. Etwas Hoffnung wird aber nun (endlich?) geweckt: Was die Regierenden mit ihrem staatlichen Ausf&uuml;hrungsapparat nicht in die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149455\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":149456,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[165,145],"tags":[1260,3515,2678,3380,2151,3403],"class_list":["post-149455","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-sozialstaat","tag-groko","tag-koalitionsvertrag","tag-mietendeckel","tag-mieterschutz","tag-mietpreisbremse","tag-mietpreise"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/shutterstock_1099722167.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/149455","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=149455"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/149455\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":149468,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/149455\/revisions\/149468"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/149456"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=149455"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=149455"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=149455"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}