{"id":149465,"date":"2026-04-23T11:00:39","date_gmt":"2026-04-23T09:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149465"},"modified":"2026-04-23T11:30:23","modified_gmt":"2026-04-23T09:30:23","slug":"unser-krieg-eine-neue-epoche-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149465","title":{"rendered":"Unser Krieg \u2013 eine neue Epoche in Europa"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem EU-Kredit f&uuml;r die Ukraine beginnt eine grundlegende politische und wirtschaftliche Verschiebung &ndash; mit weitreichenden Folgen f&uuml;r Europa. Von <strong>Sevim Dagdelen.<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3742\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-149465-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260422-Unser-Krieg-Neue-Epoche-in-Europa-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260422-Unser-Krieg-Neue-Epoche-in-Europa-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260422-Unser-Krieg-Neue-Epoche-in-Europa-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260422-Unser-Krieg-Neue-Epoche-in-Europa-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=149465-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260422-Unser-Krieg-Neue-Epoche-in-Europa-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260422-Unser-Krieg-Neue-Epoche-in-Europa-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Mit dem heutigen Beschluss der EU, der Ukraine einen 90-Milliarden-Euro-Kredit zu gew&auml;hren, beginnt nichts anderes als eine neue Epoche in Europa. Europa ist jetzt Kriegspartei. Europa &uuml;bernimmt die alleinige Finanzierung des Krieges. Deutschland b&uuml;rgt f&uuml;r rund 25 Prozent davon, 22,5 Milliarden Euro!<\/p><p>Dabei sind die Begleitumst&auml;nde des Kredits, der allein von den europ&auml;ischen Steuerzahlern &ndash; vor allem in Deutschland &ndash; abgesichert wird und dessen Profiteure US-Finanzinvestoren wie BlackRock, der gr&ouml;&szlig;te Anteilseigner von Rheinmetall, sind, fast schon Nebensache. Entscheidend ist, dass die EU unter deutscher F&uuml;hrung allein die Finanzierung des Ukraine-Krieges &uuml;bernimmt. F&uuml;r die n&auml;chsten beiden Jahre wird damit der Fehlbedarf des ukrainischen Haushalts, der nur zur H&auml;lfte durch Steuereinnahmen gedeckt ist, ausgeglichen.<\/p><p><strong>Arbeitsteilung innerhalb der NATO<\/strong><\/p><p>Br&uuml;ssel &uuml;bernimmt nun selbst die Verantwortung f&uuml;r die Ukraine. W&auml;hrend sich die USA zur&uuml;ckziehen und sich auf den Krieg in Westasien konzentrieren, mit dem Ziel, China von der Energieversorgung abzuschneiden, &uuml;bernehmen EU-Kommissionschefin von der Leyen und Bundeskanzler Friedrich Merz die F&uuml;hrung.<\/p><p>Eine analytische Fehlleistung w&auml;re es jedoch, in der Kriegs&uuml;bernahme durch die EU und Deutschland eine Schw&auml;chung der USA und der NATO zu erkennen. Die EU verfolgt die strategischen Interessen von NATO und USA. Immer deutlicher wird dabei der arbeitsteilige Charakter und die Rolle, die der europ&auml;ische Teil der NATO im Verbund mit der EU &uuml;bernehmen soll.<\/p><p>Es sind die kleinen Meldungen, die aufhorchen lassen: Die USA haben ihre Munitionslieferungen an Estland eingestellt &ndash; zumindest bis zum Ende des Iran-Krieges. Was das Baltikum angeht, ist die T&uuml;rkei bereits durch umfangreiche R&uuml;stungslieferungen, unter anderem gepanzerte Radfahrzeuge, in die Bresche gesprungen. In naher Zukunft ist die Er&ouml;ffnung einer Munitionsfabrik der t&uuml;rkischen R&uuml;stungsindustrie in Estland geplant.<\/p><p>Auch dies ist Teil der Arbeitsteilung zwischen den USA und den europ&auml;ischen NATO-Verb&uuml;ndeten. In der Ukraine geht es darum, dass deutsche R&uuml;stungsunternehmen wie Rheinmetall &ndash; die dort gemeinsam mit dem staatlichen ukrainischen R&uuml;stungskonzern produzieren und am Joint-Venture-Unternehmen 51 Prozent halten &ndash; die R&uuml;stung f&uuml;r den Krieg gegen Russland &uuml;bernehmen sollen.<\/p><p>Auf der Hannover-Messe betonte der Aufsichtsratschef Pappberger am 22. April 2026 erneut, dass die R&uuml;stungsproduktion weiter schnell steigen k&ouml;nne &ndash; trotz St&ouml;rungen durch Rufe wie &bdquo;Nie wieder Krieg&ldquo; und &bdquo;Nie wieder Wehrpflicht&ldquo;. Der EU-Kredit, den die Ukraine niemals zur&uuml;ckzahlen wird, sorgt daf&uuml;r, dass hier erneut zugelegt werden kann.<\/p><p><strong>Sozialer Kahlschlag und Umverteilung zugunsten von Oligarchen<\/strong><\/p><p>Bereits jetzt wird deutlich, dass das Erobern des Fahrersitzes durch die EU &ndash; w&auml;hrend das Navigationssystem weiter von Washington gestellt wird &ndash; f&uuml;r einen Krieg mit Russland mit einer sozialen Kahlschlagspolitik in Europa, insbesondere in Deutschland, verbunden ist. Nun wird manifest, was Kritiker der gigantischen Aufr&uuml;stung von Anfang an den R&uuml;stungsclaqueuren ins Stammbuch geschrieben haben: Die Aufr&uuml;stung f&uuml;r den Krieg gegen Russland wird bezahlt von deutschen Rentnern, von ganz normalen Krankenversicherten, von Jugendlichen und behinderten Menschen, denen man jetzt soziale Hilfen zusammenstreichen will.<\/p><p>Die Aufr&uuml;stung f&uuml;r den Krieg gegen Russland ist der Marsch in eine andere Republik. Es findet eine gigantische Umverteilung statt &ndash; hin zu Oligarchen in den USA, die BlackRock kontrollieren und als Anteilseigner an Rheinmetall profitieren.<\/p><p>Zugleich werden auch die Oligarchen in der Ukraine gem&auml;stet. Wer besichtigen will, wohin das Geld deutscher Rentner in Zukunft geht, der muss nur nach Monaco fahren. Dort hat sich der ukrainische Oligarch Rinat Achmetow, Unterst&uuml;tzer von Selenskyj, die wohl teuerste Wohnung der Welt f&uuml;r 471 Millionen Euro gekauft &ndash; m&ouml;glicherweise der teuerste Immobilienkauf der Geschichte. Die 21-Zimmer-Wohnung im Neubauquartier Mareterra erstreckt sich &uuml;ber rund 2.500 Quadratmeter auf f&uuml;nf Stockwerken und befindet sich im Prestigebau &bdquo;Le Renzo&ldquo; direkt am Meer. Sie verf&uuml;gt &uuml;ber einen privaten Pool, einen Jacuzzi sowie mindestens acht Parkpl&auml;tze und Terrassen mit Blick auf das Mittelmeer. <\/p><p>Achmetow ist stark in der Stahl- und R&uuml;stungsproduktion engagiert. In der Ukraine gilt im &Uuml;brigen eine Flat-Tax von 18 Prozent &ndash; die Garantie, dass die Superreichen immer reicher werden. Das Bild wird vervollst&auml;ndigt durch die Forbes-Liste: Die Ukraine konnte die Zahl ihrer Milliard&auml;re von 6 auf 7 f&uuml;r das Jahr 2026 aufstocken. Krieg lohnt sich. Krieg schafft Milliard&auml;re.<\/p><p><strong>Kein Frieden durch US-Ausstieg &ndash; nur ein Wechsel am Steuer<\/strong><\/p><p>Der heutige Tag zeigt aber auch, dass nur schlichte Gem&uuml;ter sich von einem Ausstieg der USA aus der Finanzierung des Krieges in der Ukraine eine Friedensdividende versprachen. Wenn der von denselben Simpeln als Friedenspr&auml;sident ger&uuml;hmte Donald Trump eines bewiesen hat, dann ist es, dass Verhandlungen f&uuml;r die USA nur Teil der Kriegsf&uuml;hrung im Interesse der US-Oligarchie sind. Das gilt auch f&uuml;r die Verhandlungen mit Russland. Diese Verhandlungen waren offensichtlich nichts anderes als ein Teil eines gro&szlig;en T&auml;uschungsman&ouml;vers Washingtons. Hinter der freundlichen Verhandlungsfassade und dem Wechsel auf dem Fahrersitz verbirgt sich, dass die USA kein Jota von ihrem Kriegsziel des Stellvertreterkrieges in der Ukraine abger&uuml;ckt sind.<\/p><p>Es geht auch nicht prim&auml;r darum, China zu treffen, indem man Russland eine strategische Niederlage beibringt. Vieles deutet darauf hin, dass das Kriegsziel weiterhin bestehen bleibt, &bdquo;Russland zu ruinieren&ldquo;, wie es damals die gr&uuml;ne deutsche Au&szlig;enministerin Baerbock in ihrer unnachahmlichen Naivit&auml;t ausplauderte.<\/p><p>Die Aneignung des Krieges gegen Russland als deutsch gef&uuml;hrtes europ&auml;isches Unternehmen zielt auf eine existentielle Bedrohung Moskaus. Wie sehr die Akteure dabei vom historischen Russenhass durchdrungen sind, zeigt die j&uuml;ngste Entscheidung der EU-Kommission, die Zusch&uuml;sse f&uuml;r die Kunstausstellung der Biennale in Venedig zu k&uuml;rzen, weil dort wieder Kunst von russischen K&uuml;nstlern ausgestellt werden soll. <\/p><p>Die Frontstellung gegen Russland schreibt sich damit &ndash; sicherlich unfreiwillig &ndash; in die Traditionslinie des Unternehmens Barbarossa ein. Unter deutscher F&uuml;hrung wurde 1941 der &Uuml;berfall auf die Sowjetunion organisiert, an dem sich viele andere europ&auml;ische Staaten wie Rum&auml;nien und Italien beteiligten. Das Land, das durch den V&ouml;lkermord an den V&ouml;lkern der Sowjetunion &bdquo;frei&ldquo; werden sollte, war nicht nur f&uuml;r deutsche Kolonisatoren, sondern auch f&uuml;r R&auml;uber aus &bdquo;germanischen&ldquo; Staaten wie den Niederlanden oder D&auml;nemark vorgesehen. Der deutsche Raub- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion war denn auch ein europ&auml;ischer Krieg zur Aneignung der Bodensch&auml;tze des riesigen Landes.<\/p><p>Der Versuch der EU und Deutschlands, heute die Atommacht Russland herauszufordern, ihren Ruin zum Kriegsziel zu erkl&auml;ren, Hass auf Russen zu sch&uuml;ren und daf&uuml;r einen Gutteil der europ&auml;ischen Ressourcen zu verbrennen und zu verschenken, ist ein Vabanquespiel mit dem Weltkrieg &ndash; nichts weiter. Es gilt, den Kriegstreibern von heute in den Arm zu fallen.<\/p><p><small>Titelbild: Tetiana Chernykova \/ shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem EU-Kredit f&uuml;r die Ukraine beginnt eine grundlegende politische und wirtschaftliche Verschiebung &ndash; mit weitreichenden Folgen f&uuml;r Europa. 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