{"id":149487,"date":"2026-04-23T10:00:05","date_gmt":"2026-04-23T08:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149487"},"modified":"2026-04-23T11:08:29","modified_gmt":"2026-04-23T09:08:29","slug":"breaking-news-bap-barde-niedecken-erhaelt-den-georg-elser-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149487","title":{"rendered":"Breaking News: BAP-Barde Niedecken erh\u00e4lt den Georg-Elser-Preis"},"content":{"rendered":"<p>Wie man uns heute Mitl&auml;ufertum als Zivilcourage verkauft. Von <strong>Wolf Reiser<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAm 14. April 2026 erhielt Wolfgang Niedecken (75) alias der Dylan von der Domplatte die Georg-Elser-Auszeichnung der in Konstanz stationierten &bdquo;Crescere Stiftung Bodensee&ldquo;. Eine Jury aus Politik, Kirche und Kultur erkannte in seinem Lebenswerk ein unerm&uuml;dliches Engagement f&uuml;r eine offene und tolerante Gesellschaft sowie eine stets klare Kante gegen Rechtspopulismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. Auch wurde oft der Begriff Zivilcourage strapaziert, f&uuml;r J. F. Kennedy die wichtigste Eigenschaft des politischen Menschen, weil sie darin besteht, gegen eigene fr&uuml;here &Uuml;berzeugungen zu handeln wie auch gegen die Parteilinie und vor allem auch gegen die &ouml;ffentliche Meinung. <\/p><p>Einige wundern sich hier zu Recht, denn seit mehr als einem halben Jahrhundert vertritt der Preistr&auml;ger stets Meinungen, die von 80 Prozent der Deutschen und bis ins Heute hinein von 95 Prozent der Medien geteilt werden. Diese Irritation l&ouml;st sich aber auf, wenn man erf&auml;hrt, dass er direkter Ehrungsnachfolger von Dunja Hayali ist, die an selber Stelle 2025 f&uuml;r ihren ebenfalls unerm&uuml;dlichen Einsatz in Sachen bedrohter Demokratie und gelebter Weltoffenheit beklatscht wurde, &bdquo;auch und gerade wegen ihres Migrationsvordergrunds,&ldquo; wie der verschmitzte Laudator anmerkte. <\/p><p>Der Mundartk&uuml;nstler gl&auml;nzt also seit letzter Woche &bdquo;im Geiste des Widerstandsk&auml;mpfers Georg Elser und dessen Einsatz f&uuml;r Freiheit, Demokratie und Menschenrechte.&ldquo; Es sei kurz angemerkt, dass Herbert Gr&ouml;nemeyer im Juni den Deutschen Nationalpreis erh&auml;lt, mit einer nahezu identischen Begr&uuml;ndung aus dem Bellevue-Bausatz.<\/p><p>Konstanz und Elser &ndash; diese Verbindung erschlie&szlig;t sich indessen logischer. Denn ganz in der N&auml;he der Festhalle, kurz vor der Schweizer Grenze, wurde der schw&auml;bische T&uuml;ftler kurz vor Mitternacht des 8. November 1938 von einem Zollpolizisten aufgegriffen. Kurz zuvor, um 21:20 Uhr, hatten seine zwei Sprengladungen den M&uuml;nchener B&uuml;rgerbr&auml;ukeller in Schutt und Asche verwandelt. Wegen des Nebels &uuml;ber dem Flughafen von Berlin-Tempelhof hatte der Tross des F&uuml;hrers die Reiseplanung ge&auml;ndert, und man entschied sich f&uuml;r den in M&uuml;nchen bereitstehenden Sonderzug. Hitlers Rede fiel deswegen etwas k&uuml;rzer aus und Elsers hochpr&auml;zise Bombe verpasste ihr Ziel um 13 Minuten.<\/p><p>Das Ziel war die Deaktivierung von Hitler, Goebbels, Hess und m&ouml;glichst vielen anderen alten K&auml;mpfern. Denn an jenem Tag fand das allj&auml;hrliche Blut-Ritual der Parteielite zu Ehren des Kapp-Putsches statt. Und genau auf diesen Moment hatte Elser &ndash; im Alleingang und in st&auml;ndiger Lebensgefahr &ndash; sein Attentat zugeschnitten. Er wollte mit einem Schlag den eben begonnenen Krieg beenden, die Diktatur abschaffen und den Deutschen ihre Freiheit und W&uuml;rde zur&uuml;ckgeben. H&auml;tte dieser sprichw&ouml;rtlich kleine Mann von der Stra&szlig;e Erfolg gehabt, w&auml;re die Geschichte der Welt anders verlaufen. Und vermutlich w&auml;ren die zeitgeistig-bohrenden Vorw&uuml;rfe und Klagen der S&ouml;hne an ihre V&auml;ter nie gestellt worden, wie: Warum habt ihr alle weggeschaut? Warum ist keiner von euch eingeschritten? Warum habt ihr alle so feige geschwiegen? Wo war denn eure Zivilcourage? Der Publizist Broder ber&uuml;hrte unl&auml;ngst diesen blinden Fleck in der br&auml;sigen Selbstgef&auml;lligkeit des Post-68er-Milieus: &bdquo;Wenn ihr euch fragt, wie es damals passieren konnte: weil sie damals so waren, wie ihr heute seid.&rdquo;<\/p><p>Als &bdquo;Lieblingsh&auml;ftling Hitlers&ldquo; wurde Elser im KZ Sachsenhausen &uuml;ber Jahre hinweg verh&ouml;rt, verpr&uuml;gelt und &uuml;berwacht und schlie&szlig;lich in Dachau kurz vor Hitlers Suizid und auf dessen pers&ouml;nlichen Befehl erschossen. Die W&uuml;rdigung des lange Zeit vergessenen Schwaben-Desperados ist dem RAF-Knastbruder Peter Paul Zahl zu verdanken, der sich in seiner Zelle wohl mit dem Stoff und Mann identifizierte und im Jahre 1984 in Bochum sein St&uuml;ck &bdquo;Elser &ndash; ein deutsches Drama&ldquo; auf die B&uuml;hne brachte. In dessen Folge erst kam es zum Brandauer-Film, zum Hochhuth-Gedicht, zahlreichen TV-Dokus, weiteren B&uuml;hnenfassungen, Biographien und auch zu Denkm&auml;lern, Stra&szlig;en- und Platzbenennungen sowie dem Elser-Preis f&uuml;r den rheinischen Musikanten. Schon der F&uuml;hrer fand einst in einer launigen Tischrede anerkennende Worte: &bdquo;Das Sch&ouml;nste, meine Herren, aber ist die Darbietung des K&ouml;lner M&auml;nnergesangvereins.&ldquo;<\/p><p>Nicht-K&ouml;lner haben bei dem Frontman mit der Dylan-Sonnenbrille und dem Dylan-Hut das Problem, kein Wort seines M&auml;nnergesangs zu verstehen. Aber das geht einem mit Dylan ja genauso. Weiterhin kennen sie nur ein Lied von BAP, und das ist verdammt lang her. Neutrale Marktbeobachter behaupten, es g&auml;be bei denen im Prinzip nur einen Song und eine Melodie, aber daf&uuml;r 1001 verschiedene Titel. Sei&rsquo;s drum. Zwischen 1982 und 1983 ereignete sich der H&ouml;henflug der One-Hit-Wonderboys. Es gab im Mai die erste richtig professionelle Deutschlandtournee, man kam auf Platz eins in den deutschen Albumcharts, trat vor einer halben Million Wutb&uuml;rgern bei der Bonner Demo gegen die Nachr&uuml;stung der NATO und ein paar Tage sp&auml;ter im st&auml;dtischen Kickerstadion als Vorgruppe der Stones auf. Dem folgten ein opulenter Open-Air-Auftritt auf der Lorely, im Mai &lsquo;83 ein Konzert mit Rod Steward, und im Oktober 1983 wurde BAP im Bonner Hofgarten vor 1,3 Millionen Demonstranten vorstellig, als es erneut um die Frage der US-Stationierung von Pershing-II-Raketen ging. Dank der 24\/7-WDR-PR erlangte der deutsche Tambourine Man in jener &Auml;ra rasch den Status eines Heiligen, fast so wie Che oder Mao.<\/p><p>Wenn man &uuml;ber all die Jahre ein wenig darauf achtet, f&auml;llt auf, dass der gute Mensch nur mit guten Medien Umgang pflegt, also <em>Stern<\/em> und <em>Spiegel<\/em>, &bdquo;Volle Kanne&ldquo;, 3sat-Kultur und &bdquo;Titel, Thesen, Temperamente&ldquo; sowie <em>SZ<\/em> und den Kumpels von der <em>taz<\/em>. In solchen Wohlf&uuml;hloasen stellt sich dann wie von alleine ein pseudorebellisches Thekengeplauder ein, etwa der Art: &bdquo;Klar haben wir von BAP damals gehofft, dass die Leute in die P&ouml;tte kommen und sich schlau machen. Das ist nach wie vor das A und O, dass du die Leute dazu bringst, sich politisch zu informieren. Denn sonst haben die Populisten die Macht, die Leute f&uuml;r sich zu vereinnahmen. Und die fallen prompt auf alternative Fakten rein.&ldquo; Darauf einen dreifachen Tusch und zwei kleine Sechs&auml;mtertropfen.<\/p><p>Seit dem K&ouml;lner 1992-Konzert &bdquo;Arsch huh, Z&auml;ng ussenander&ldquo; gilt Niedecken als das nationale Mastermind hinter der Dauerkampagne gegen Rassismus und Fremdenhass. Inspiriert von Bono und Geldof und deren &bdquo;We are the world&ldquo;-Live-Aid&amp;Charity-Masche k&uuml;mmert er sich um den Kongo und Uganda, fungiert als Sonderbotschafter f&uuml;r Afrika und ist f&uuml;r die Kinderhilfe World Vision t&auml;tig. Im Jahre 2013 wurde er daf&uuml;r von Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse versehen. Dagegen ist nichts einzuwenden.<\/p><p>W&auml;re da nur nicht sein enervierender Retro-Hippie-Kitsch, die Lagerfeuer-Romantik, das Hard-Rain-Getue und sein ewiges Mahnwachen; &bdquo;Die Populisten, Egomanen und Despoten sind weltweit auf dem Vormarsch und die Menschheit will einfach nicht kapieren, dass die Klimaziele Priorit&auml;t haben.&ldquo;<\/p><p>Unfreiwillige Satire bieten seine regelm&auml;&szlig;igen Livebesuche beim debil-fr&ouml;hlichen WDR-Moma-Quartett aus Lorig, Planken, Link und Nassif. Eingebettet von Sofakissen in den ukrainischen Nationalfarben wird gratuliert, geduzt, geklimpert, gelacht und gelobt und ein neues Recycling-Album gegen Hass und Hetze, Hitler und H&ouml;cke angek&uuml;ndigt. Manchmal fragt man sich bei dem ganzen Geschunkel schon, wie sich diese selbstinszenierten Widerstandshelden so um 1938 herum verhalten h&auml;tten, so ganz jenseits der Gnade ihrer sp&auml;ten Geburt.<\/p><p>Andererseits sollte man dieses K&ouml;ln nicht zu ernst nehmen. Bei Hella von Sinnen, Raab, Pocher, Kalkofe, Guildo Horn, Tutti Frutti, Dschungelcamp, Cantz, Panzer, Gerhardt, der Reality-Familie Geiss und dem Problemkind Kebekus landet die Hose fast automatisch im Kronleuchter &ndash; &bdquo;ovends laache, danze un springe, morjens de Botz net finge&rdquo;.<\/p><p>Nach einem Jahrzehnt, in dem die illegale und unkontrollierte Migration eine Spur der Gewaltexplosionen quer durch Deutschland gezogen hat, res&uuml;mierte Niedecken: &bdquo;Bei Angela Merkel habe ich seit 2015 das Gef&uuml;hl, dass ich mich bei ihr entschuldigen m&uuml;sste. Ich habe mich zu Anfang ihrer Amtszeit eher &uuml;ber sie lustig gemacht. Sp&auml;testens nach ihrem Verhalten bei der Fl&uuml;chtlingskrise habe ich vor ihr den Hut gezogen. Das war wirklich gro&szlig;artig. Da hat sie mir mit ihrem Durchhalteverm&ouml;gen, ihrem &bdquo;Wir schaffen das&ldquo; imponiert. Da breche ich mir keine Zacken aus der Krone, wenn ich das zugebe.&ldquo; Und das meint der Viva-Colonia-Prinz tats&auml;chlich so.<\/p><p>Bei fast allen strittigen Themen erwies sich &bdquo;Merkels Lieblingss&auml;nger&ldquo; als Diener des Kanzleramts, loyal und linientreu wie die Kapellmeister im bunten Kessel des Ost-TVs und Schulter an Schulter mit dem medial-politischen Mainstream. W&auml;hrend des Lockdowns stand er dem Pharmakartell rund um Lauterbach, Spahn, Wieler und Drosten zur Seite, wetterte mit Maske auf der B&uuml;hne gegen Querdenker, Verschw&ouml;rungstheoretiker und Coronaleugner und propagierte das konsequente Durchimpfen f&uuml;r &bdquo;unsere&ldquo; Freiheit. Und auch in dieser Viruskrise erkannte der Hobbyhistoriker wieder einmal die &bdquo;Parallelen zwischen dem heutigen Erstarken rechtspopulistischer Parteien und dem Aufstieg der Nationalsozialisten im 20. Jahrhundert.&ldquo; Diese seien n&auml;mlich einst auch legal &uuml;ber Wahlen ins Parlament eingezogen und h&auml;tten dann die Demokratie von innen heraus zersetzt. &Uuml;ber sein Hanauer Konzertplakat mit dem Text: &bdquo;Sie m&uuml;ssen Maske tragen, geimpft, genesen und negativ getestet sein&ldquo; schrieb ein Witzbold mit dickem F&uuml;llstift: BAP = Blockwart Auf Posten.<\/p><p>Nun haben gewaltige M&auml;chte das Energiesystem zerschlagen, dekadente Epstein-Banker halten die Eliten in Schach, Young Leader predigen Reset-Zerst&ouml;rung, Build Back Better, Transhumanismus und fatale UN-Agenden, und im Hintergrund rauschen die gr&uuml;nschwarzroten Kriege in Afghanistan, Irak, Libyen, Pal&auml;stina, Syrien, Jemen, Sudan, Mali, Somalia, Ukraine und dem gesamten Nahen Osten. Gab es jemals einen medial so angehimmelten Preistr&auml;ger? Er sieht dank seines stillgelegten Mindsets der Siebzigerjahre allerorts eine neue Waffen-SS, eine braune Flut der Hitlerjugend und die Wiederkehr des Ku-Klux-Klans. Warum nehmen die Niedeckens eigentliche keine gefl&uuml;chteten Familien auf, &uuml;bernehmen einfach f&uuml;r sie Patenschaft und Verantwortung oder finanzieren wenigstens mal eine Unterkunft inkl. aller Nebenkosten?<\/p><p>Da ich mit den Elsers verwandt bin, hat mich der Mann und seine Tat seit fr&uuml;hester Kindheit besch&auml;ftigt. Und genau deswegen frage ich mich, warum ausgerechnet Niedecken ausgerechnet diesen Preis erhielt. Bei Elser in Kombination mit Zivilcourage denkt man doch eher an Pers&ouml;nlichkeiten wie Michael L&uuml;ders, Eugen Drewermann, Daniele Ganser, Sahra Wagenknecht oder Evelyn Hecht-Galinski.<\/p><p>Mit Sicherheit ist Wolfgang Niedecken ein netter Mann, ein toller Vater und Gatte und hat das Herz auf dem rechten Fleck. Und er hat sich diesen Preis ja nicht selbst verliehen. Es ist vielmehr so, dass in diesem Deutschland seit 2010 der Meinungskorridor scheibchenweise verengt wurde. Dank Hochdruck im engsten Raum verteilen die staatlichen wie privaten Verleiher ihre Preise und Pokale immer wahnhafter und wahlloser und panischer in der eigenen Blase: Relotius, Merkel, Drosten, T&uuml;reci und Sahin, die Toten Hosen, Frau Buyx, Laschet, Strack-Zimmermann und der Aachener Karlspreis f&uuml;r Selenskyj.<\/p><p>Pr&auml;miert werden Doppelmoralisten, Konformisten, Mitl&auml;ufer, Haltungsaktivisten und Opportunisten aller Couleur. Unter Opportunismus versteht man die &bdquo;zweckm&auml;&szlig;ige und prinzipienlose Anpassung an Situationen, um ohne R&uuml;cksicht auf Werte, Charakter und &Uuml;berzeugungen pers&ouml;nliche Vorteile&ldquo; zu erlangen. Es ist das genaue Gegenteil von Zivilcourage.<\/p><p>Die Laudatio letzten Dienstag hielt, wie konnte es auch anders sein, Cem &Ouml;zdemir, und es ging nat&uuml;rlich vor einem begeisterten Publikum um Zeichen Setzen, um starke Signale und die Strahlkraft im ewigen Kampf gegen menschenverachtende Str&ouml;mungen. Der rundum ger&uuml;hrte T&uuml;nnes sagte angesichts des Namensgebers: &bdquo;Also, bei Elser, da steht man schon mal stramm.&ldquo; In diesem Sinne: Stillgestanden, Haltung einnehmen, Arsch huh und Z&auml;ng ussenander!<\/p><p><small>Titelbild: 360b\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie man uns heute Mitl&auml;ufertum als Zivilcourage verkauft. 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