{"id":149535,"date":"2026-04-24T09:00:21","date_gmt":"2026-04-24T07:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149535"},"modified":"2026-04-24T08:51:23","modified_gmt":"2026-04-24T06:51:23","slug":"libanon-zwischen-botschafterdialog-und-besatzung-israel-toetet-erneut-journalistin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149535","title":{"rendered":"Libanon zwischen Botschafterdialog und Besatzung \u2013 Israel t\u00f6tet erneut Journalistin"},"content":{"rendered":"<p>Tiri, S&uuml;dlibanon. Am fr&uuml;hen Mittwochnachmittag waren zwei Fahrzeuge in Al Tiri unterwegs. Im zweiten Fahrzeug sa&szlig;en zwei Journalistinnen, die &uuml;ber israelische Angriffe im Gebiet um Al Tiri berichten wollten. Im ersten Fahrzeug waren zwei ortskundige Begleiter. Al Tiri liegt n&ouml;rdlich der Kleinstadt Tibnin. Ein Bericht von <strong>Karin Leukefeld<\/strong> (Beirut).<br>\n<!--more--><br>\nOffiziell gibt es im Libanon seit dem 17.April eine zehnt&auml;gige &bdquo;Waffenruhe&ldquo;, die von US-Pr&auml;sident Donald Trump verordnet wurde, um im Krieg gegen den Iran und der Kontrolle der Stra&szlig;e von Hormus voranzukommen. Innerhalb der ersten 48 Stunden hat Israel bereits mehr als 220-mal die neue &bdquo;Waffenruhe&ldquo; gebrochen, so das libanesische Nationale Zentrum f&uuml;r Wissenschaft und Forschung in einem Bericht. Die meisten der Angriffe fanden und finden im S&uuml;dlibanon und in der Bekaa-Ebene statt. Seit Beginn der &bdquo;Waffenruhe&ldquo; sind viele Journalisten unterwegs, um die Folgen der israelischen Angriffe zu dokumentieren.<\/p><p>An diesem Mittwochnachmittag gegen 14:50 Uhr wurde das Begleitfahrzeug der Journalistinnen von einer Drohne angegriffen. Das vorausfahrende Fahrzeug wurde zerst&ouml;rt, beide Insassen wurden get&ouml;tet. Amal Khalil, erfahrene langj&auml;hrige Journalistin der Tageszeitung <em>Al Akhbar<\/em>, und ihre Kollegin, die Photographin Zeinab Faraj, die in dem zweiten Fahrzeug unterwegs waren, kontaktierten ihre Redaktion (<em>Al Akhbar<\/em>), die libanesische Armee und das Libanesische Rote Kreuz. Sowohl die libanesische Armee als auch die Rettungshelfer erhielten vom israelischen Milit&auml;r &ndash; das die Feuerhoheit &uuml;ber das Gebiet hat und durchsetzt &ndash; keine Durchfahrterlaubnis nach Tiri. Israelischer Beschuss hielt an, daher versuchten die Journalistinnen, sich in einem Haus in Sicherheit zu bringen. Mehr als eine Stunde versuchten die Rettungshelfer der UN-Friedensmission UNIFIL in Absprache mit der libanesischen Armee, zum Ort des Geschehens zu gelangen. Auch der libanesische Pr&auml;sident Aoun schaltete sich ein sowie der von den USA und Frankreich geleitete &bdquo;Waffenstillstandsmechanismus&ldquo;.<\/p><p>Das Fahrzeug der Journalistinnen wurde von einer israelischen Drohne zerst&ouml;rt, die beiden Journalistinnen fl&uuml;chteten in ein benachbartes Haus. Schlie&szlig;lich bombardierte ein Kampfjet der israelischen Luftwaffe gezielt das Haus, in dem die beiden Zuflucht gesucht hatten. Erst sp&auml;ter erhielt das Rote Kreuz die Durchfahrtgenehmigung und evakuierte zun&auml;chst die zwei Toten und Zeinab Faraj, die am Kopf verletzt war und ein Bein gebrochen hatte. W&auml;hrend der Fahrt zum Krankenhaus in Tibnin wurde das Rettungsfahrzeug von israelischem Milit&auml;r beschossen, wie Einschussl&ouml;cher in dem Fahrzeug zeigen. Amal Khalil war unter den Tr&uuml;mmern des bombardierten Hauses versch&uuml;ttet und konnte erst sp&auml;t am Abend und unter Einsatz von schwerem Ger&auml;t geborgen werden. Die Rettungshelfer fanden Amal Khalil in einer Ecke des Hauses unter Tr&uuml;mmern. Sie hatte den israelischen Angriff nicht &uuml;berlebt.<\/p><p>Seit Anfang 2026 wurden von der israelischen Armee neun libanesische Journalisten und Journalistinnen unterschiedlicher Medien get&ouml;tet. In allen F&auml;llen handelte es sich um gezielte Morde durch israelische Angriffe.<\/p><p><strong>Israel: Wer mit Hisbollah zu tun hat, ist dem Tod geweiht<\/strong><\/p><p>Nach der Bergung der beiden Journalistinnen in Tiri hie&szlig; es in einer Stellungnahme des Komitees zum Schutz von Journalisten, <a href=\"https:\/\/cpj.org\/2026\/04\/cpj-calls-for-immediate-rescue-of-lebanese-journalist-amal-khalil-trapped-under-rubble-in-southern-lebanon\/\">CPJ<\/a>: &bdquo;Die wiederholten Angriffe auf denselben Ort, die gezielte Bek&auml;mpfung eines Gebiets, in dem sich Journalisten aufhielten, sowie die Behinderung des Zugangs f&uuml;r medizinische und humanit&auml;re Hilfe stellen einen schwerwiegenden Versto&szlig; gegen das humanit&auml;re V&ouml;lkerrecht dar.&ldquo; Der libanesische Ministerpr&auml;sident Nawaf Salam, der sich derzeit in Paris aufh&auml;lt, sprach in einer Erkl&auml;rung auf <em>X<\/em> (vormals Twitter) von einem &bdquo;Kriegsverbrechen&ldquo; der israelischen Armee.<\/p><p>Amal Khalil war seit 2024 wiederholt von Israel direkt mit dem Tod bedroht worden. Sie berichtete von Telefonanrufen auf ihrem privaten Telefon, sie wurde aufgefordert, den S&uuml;dlibanon und Libanon zu verlassen, wenn sie &bdquo;ihren Kopf auf den Schultern behalten&ldquo; wolle. Sie wurde gefragt, ob ihr Haus noch stehe. Ihr wurden Informationen zugeschickt, die pers&ouml;nliche Details auch ihrer Familie beinhalteten.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.dropsitenews.com\/p\/lebanon-journalist-amal-khalil-killed-israel?utm_source=substack&amp;publication_id=2510348&amp;post_id=195180751&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=share&amp;utm_campaign=email-share&amp;triggerShare=true&amp;isFreemail=true&amp;r=48itkm&amp;triedRedirect=true\"><em>Drop Site News<\/em><\/a>, ein US-Online-Portal, das unmittelbar nach Bekanntwerden des israelischen Angriffs auf die Journalistinnen berichtete, kontaktierte den drohenden Anrufer von damals, einen gewissen Gideon Gal Ben Avraham, der sich selbst als &bdquo;pensionierten Offizier des Milit&auml;rs&ldquo; beschreibt. Er ist aktiv als Kommentator f&uuml;r Medien, tritt im israelischen Fernsehen auf und betreibt einen YouTube-Kanal, der Analysen &uuml;ber den Mittleren Osten liefert. Als ehemaliger Milit&auml;r wolle er dem israelischen Geheimdienst &bdquo;helfen&ldquo;, so Avraham.<\/p><p><em>Drop Site<\/em> <a href=\"https:\/\/substackcdn.com\/image\/fetch\/$s_!zjrA!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep\/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F6b22bfb9-1fdb-4107-8b0c-b5f972a11b58_1026x1100.jpeg\">fragte schriftlich nach<\/a>, und Avraham best&auml;tigte seine Drohungen gegen Amal Khalil 2024. Er bezeichnete &bdquo;diese&ldquo; Journalisten als &bdquo;Spione der Hisbollah&ldquo;, die israelische Soldaten ausspionierten, damit Hisbollah sie angreifen k&ouml;nne. &bdquo;Gr&uuml;&szlig;en sie alle Journalisten, die mit Hisbollah zu tun haben&ldquo;, schrieb Abraham. &bdquo;Jeder, der f&uuml;r diese Organisation arbeitet, sollte wissen, dass ihm der Tod bevorsteht.&ldquo; Dann konkretisierte er und schrieb, die Tageszeitung <em>Al-Akhbar<\/em> stehe seiner Meinung nach &bdquo;der Hisbollah nahe&ldquo; und &bdquo;nur diejenigen, die mit der Hisbollah in Verbindung stehen, (sollten) Angst haben&ldquo;. &bdquo;Maroniten und Sunniten&ldquo; nahm Avraham ausdr&uuml;cklich von seinen Drohungen aus, sie seien nicht bedroht.<\/p><p>Amal Khalil, die aus Baysariyyeh, Bezirk Sidon stammte, wurde 43 Jahre alt. Sie hatte mehr als zehn Jahre von Kriegen und israelischen Invasionen in den S&uuml;dlibanon f&uuml;r <em>Al Akhbar<\/em> berichtet. Die 2006 gegr&uuml;ndete Zeitung gilt von der Redaktionslinie her als nah der Hisbollah und dem schiitischen Widerstand. <em>Al Akhbar<\/em> beschreibt sich als s&auml;kulare, unabh&auml;ngige und progressive Zeitung.<\/p><p><strong>Zweites Botschaftertreffen in Washington<\/strong><\/p><p>Trotz zahlreicher Aufrufe, das bilaterale Botschaftertreffen in Washington abzusagen, versch&auml;rfte der libanesische Pr&auml;sident Joseph Aoun sein Vorgehen. Er <a href=\"https:\/\/today.lorientlejour.com\/article\/1504554\/israel-lebanon-to-meet-again-in-direct-talks-after-israeli-attack-kills-journalist-in-tiri-everything-you-need-to-know-this-thursday-.html?utm_source=ot&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=nlthemorningbrief\">forderte<\/a> die libanesischen Sicherheitsdienste von Innen- und Verteidigungsministerium auf, Razzien auf Waffendepots (der Hisbollah) in Beirut und andernorts durchzuf&uuml;hren. W&auml;hrend im Zentrum von Beirut Journalisten und Medienschaffende und viele andere der ermordeten Journalistin Amal Khalil gedachten, die am Tag zuvor von der israelischen Armee get&ouml;tet worden war, betonte Aoun am Donnerstag erneut, die Regierung werde die Hisbollah entwaffnen.<\/p><p><strong>Libanon: Verl&auml;ngerung der &bdquo;Waffenruhe&ldquo;<\/strong><\/p><p>Als wichtigstes Ziel des bevorstehenden Botschaftergespr&auml;chs bezeichnete Aoun gegen&uuml;ber der franz&ouml;sischen Nachrichtenagentur <em>AFP<\/em>, dass die &bdquo;Waffenruhe&ldquo; verl&auml;ngert werden m&uuml;sse, um die Entwaffnung der Hisbollah umzusetzen. Sie l&auml;uft nach zehn Tagen am kommenden Sonntag aus. Nach der &bdquo;Waffenruhe&ldquo;, die Ende November 2024 begann, hatte die Hisbollah mehr als 300 Waffenlager der libanesischen Armee &uuml;bergeben, die die Waffen mit Hilfe der UNIFIL sicherte. Die libanesische Armee wurde von der israelischen Armee allerdings daran gehindert, wie vorgesehen im gesamten S&uuml;den des Landes &ndash; entlang der &bdquo;Blauen Linie&ldquo;, der von der UN markierten Waffenstillstandslinie &ndash; Einheiten zu stationieren.<\/p><p>Israel besetzte damals f&uuml;nf H&uuml;gel auf libanesischem Territorium, wo israelische Einheiten stationiert wurden und eine Pufferzone um sich zogen. Selbst libanesische Soldaten wurden daran gehindert, diese Gebiete zu betreten. Zivilisten, die in ihre D&ouml;rfer zur&uuml;ckkehren wollten, wurden von der israelischen Armee bedroht. Zahlreiche Personen, die unbewaffnet in ihre D&ouml;rfer zur&uuml;ckkehren wollten, wurden erschossen.<\/p><p>Mit Beginn der damaligen &bdquo;Waffenruhe&ldquo; forderte Israel die Entwaffnung der Hisbollah nicht nur in dem Gebiet zwischen &bdquo;Blauer Linie&ldquo; und Litani-Fluss, wie es die UN-Sicherheitsratsresolution 1701 vorsieht, sondern im ganzen Libanon. Die Hisbollah weigert sich, die Waffen an die libanesische Armee zu &uuml;bergeben, solange Israel libanesisches Territorium besetzt h&auml;lt und die Bev&ouml;lkerung nicht in ihre D&ouml;rfer zur&uuml;ckkehren kann. Vom ersten Tag der ersten &bdquo;Waffenruhe&ldquo; (November 2024 &ndash; 2. M&auml;rz 2026) an bombardierte Israel Ziele im ganzen Libanon, einschlie&szlig;lich der Hauptstadt Beirut. UNIFIL registrierte mehr als 10.000 v&ouml;lkerrechtswidrige Grenzverletzungen durch israelische Kampfjets, Drohnen, Artillerie und Bodentruppen. Hisbollah feuerte in den 15 Monaten lediglich einmal auf Israel. In der internationalen, vor allem in der bundesdeutschen Berichterstattung wird diese von UNIFIL best&auml;tigte Tatsache auff&auml;llig vergessen.<\/p><p><strong>Libanon: Ende der systematischen Zerst&ouml;rung im s&uuml;dlichen Libanon<\/strong><\/p><p>Als weiteres Ziel des Botschaftergespr&auml;chs in Washington soll die libanesische Botschafterin in den USA, Nada Hamadeh, darauf dr&auml;ngen, dass Israel seine systematische Zerst&ouml;rung des s&uuml;dlichen Libanon einstellt. Die Regierung in Beirut wei&szlig;, dass Israel das Gebiet entv&ouml;lkern und unbewohnbar machen will, um dort milit&auml;risch eine &bdquo;Pufferzone&ldquo; durchzusetzen. Schon mit Beginn der ersten &bdquo;Waffenruhe&ldquo; im November 2024 hatte Israel Hunderte D&ouml;rfer, H&ouml;fe und Weiler entlang der &bdquo;Blauen Linie&ldquo; dem Erdboden gleichgemacht. Die Zerst&ouml;rung wurde seitdem und seit Beginn der neuen &bdquo;Waffenruhe&ldquo; (17. April) versch&auml;rft fortgesetzt.<\/p><p>Urspr&uuml;nglich erkl&auml;rte Israel das gesamte Gebiet zwischen &bdquo;Blauer Linie&ldquo; und Litani-Fluss als durch Israel milit&auml;risch kontrollierte Pufferzone. Dann wurde ein Drei-Stufen-Plan vorgelegt. Danach sollen 55 libanesische D&ouml;rfer entlang der &bdquo;Blauen Linie&ldquo; in eine &bdquo;Pufferzone verwandelt und dem Erdboden gleichgemacht werden. Niemand darf in diese D&ouml;rfer zur&uuml;ckkehren. In einer zweiten Stufe soll die Pufferzone bis an die libanesisch-syrische Grenze (Berg Hermon) erweitert und seeseitig bis Sidon reichen. Dar&uuml;ber hinaus will Israel seine Landnahme auf die libanesischen Gasfelder im Mittelmeer ausweiten. Die dritte Zone ist der Restlibanon, die von der libanesischen Regierung kontrolliert werden soll, wie es Israel verlangt: Entwaffnung der Hisbollah im ganzen Land. Bis das erreicht ist, hat Israel &bdquo;gr&uuml;nes Licht&ldquo;, alles im gesamten Libanon anzugreifen, was es als Hisbollah-Gefahr identifiziert: Personen, Geb&auml;ude, Fahrzeuge, Bauernh&ouml;fe.<\/p><p><strong>Israel: Schluss mit UN-Sicherheitsratsresolution 1701 und UNIFIL<\/strong><\/p><p>Urspr&uuml;nglich, das hei&szlig;t entsprechend der UN-Sicherheitsratsresolution 1701, sollte das Gebiet zwischen der &bdquo;Blauen Linie&ldquo; und dem Litani-Fluss ausschlie&szlig;lich von der Libanesischen Armee und den UNIFIL-Truppen kontrolliert werden. Alle anderen bewaffneten Akteure einschlie&szlig;lich der israelischen Armee &ndash; auch das wird meist in der deutschen Berichterstattung ausgelassen &ndash; sollten sich aus dem Gebiet zur&uuml;ckziehen. Damit sollten die Voraussetzungen f&uuml;r libanesisch-israelische Gespr&auml;che &uuml;ber bestehende Grenzstreitigkeiten geschaffen werden.<\/p><p>Der Libanon habe eine seiner ruhigsten Phasen nach 2006 erlebt, so der ehemalige UNIFIL-Sprecher Andrea Tenenti im Gespr&auml;ch mit der Autorin kurz vor seinem Ruhestand (Juni 2025) in Naqoura. Die UN-Sicherheitsratsresolution 1701 habe einen Rahmen geschaffen, der weitgehend von allen respektiert worden sei. Es habe durch UNIFIL einen Mechanismus f&uuml;r das Austragen von Konflikten zwischen Israel und Libanon gegeben, man habe miteinander geredet. Von 1982 bis 2000 war der S&uuml;dlibanon von Israel besetzt und wurde von einer s&uuml;dlibanesischen christlichen Miliz kontrolliert, die von Israel finanziert wurde. Der breite libanesische Widerstand gegen die israelische Besatzung &ndash; die anfangs auch Beirut umfasste &ndash; schw&auml;chte ab und die libanesische Hisbollah entstand. Widerstandsaktionen unterschiedlicher Art f&uuml;hrten schlie&szlig;lich zum R&uuml;ckzug der israelischen Armee im Jahr 2000. Die s&uuml;dlibanesische Armee zog ebenfalls Richtung Israel ab. Die aus dem S&uuml;den von Israel vertriebenen Libanesen kehrten in ihre D&ouml;rfer zur&uuml;ck. Sie bauten auf, pflanzten an, der S&uuml;dlibanon bl&uuml;hte auf, Schulen, Krankenh&auml;user entstanden.<\/p><p>Nun soll die UNIFIL-Mission bis Ende 2026 abgeschafft werden, und die USA, Frankreich, Deutschland und andere &bdquo;Freunde des Libanon&ldquo; setzen den Zedernstaat unter Druck, die innere Opposition zu neutralisieren und Israel das zu &uuml;berlassen, was es seit dem ersten Weltkrieg &ndash; damals in Gestalt der Zionistischen Weltbewegung auf der Pariser Friedenskonferenz &ndash; verlangt hat: den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149196\">gesamten S&uuml;den des Libanon<\/a>. Wenn der Iran, der angeblich Libanon besetzt h&auml;lt, und die &bdquo;Iraner&ldquo; &ndash; gemeint sind libanesische Schiiten &ndash; vertrieben und der Iran zerst&ouml;rt sind, will Israel den &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/in-blistering-un-speech-netanyahu-says-israel-seeks-peace-but-will-fight-until-victory\/\">Segen<\/a>&ldquo; in die Region bringen. Dann soll dem Libanon Wohlstand winken, <a href=\"https:\/\/www.middleeastmonitor.com\/20260421-lebanon-needs-e500m-to-address-humanitarian-crisis-caused-by-israeli-war-prime-minister-says\/\">500 Millionen Euro<\/a> Aufbauhilfe sind im Gespr&auml;ch. Investitionen, die sowohl Libanon als auch Israel nutzen sollen, werden vom US-Au&szlig;enministerium versprochen. Und einen Tag vor Beginn der zweiten Botschafterrunde in Washington <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5tmjz7v8tUs\">appelliert<\/a> der israelische Au&szlig;enminister Gideon Sa&rsquo;ar an die libanesische Regierung: &bdquo;Lassen sie uns zusammenarbeiten.&ldquo;<\/p><p><strong>Umarmen und entwaffnen<\/strong><\/p><p>In Politik, Werbung und Wirtschaft ist die &bdquo;Umarmungstaktik&ldquo; bekannt. Es handelt sich verschiedenen Quellen zufolge um eine Methode, bei der ein Gegner, Kritiker, Partner durch &uuml;bertriebene Freundlichkeit, Lob oder Einbeziehung &bdquo;sinnbildlich umarmt&ldquo; und entwaffnet werden soll. Ein eindr&uuml;ckliches Beispiel dieser Taktik lernen Kinder schon im Dschungelbuch <a href=\"https:\/\/youtu.be\/VWDGIrcbNr0\">in Gestalt der Schlange Kaa<\/a> kennen &hellip;<\/p><p>Das Ziel ist, Widerstand zu brechen, Kritiker und Gegner zu neutralisieren und Konkurrenten einzuvernehmen, um sie handlungsunf&auml;hig zu machen oder zu kontrollieren. Es ist auch eine rhetorische Methode, um Argumente eines Gegners zu entkr&auml;ften. Einem Konkurrenten oder Gegner wird beispielsweise die Zusammenarbeit angeboten, um dessen Oppositionskraft zu schw&auml;chen. Um Gegner auszuschalten, zeigt man sich &uuml;bertrieben freundlich und zugewandt, ignoriert aber komplett dessen Position in der Sache. &bdquo;Umarmungstaktik&ldquo; bedeutet, Widerstand zu brechen oder zu neutralisieren. Politische Gegner und deren Forderungen werden eingebunden und durch scheinbares Entgegenkommen neutralisiert.<\/p><p>Was Jugendliche in Rhetorikkursen lernen, scheint der aktuellen libanesischen Staatsf&uuml;hrung und ihren Beratern wenig bekannt zu sein. Sollten sie dieses manipulative Handwerk, mit dem sie aktuell eingewickelt werden, verstehen, ist unverst&auml;ndlich, warum sie sich darauf einlassen? Das fragen sich auch die urspr&uuml;nglichen Bewohner des Landes, die vertriebenen Familien aus dem S&uuml;dlibanon, die in Notunterk&uuml;nften in und um Beirut leben, weil sie nicht in ihre D&ouml;rfer zur&uuml;ckkehren k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Die urspr&uuml;nglichen Bewohner des Landes<\/strong><\/p><p>Niemand habe das Recht, &uuml;ber einen Kopf hinweg mit Israel zu reden, sagt Hussein S. im Gespr&auml;ch mit der Autorin in Haret Hreik, einem Viertel in S&uuml;dbeirut. Er stamme aus Nabatieh Ashat und sei schon als Kind von dort vertrieben worden. Sie seien nach 2000 zur&uuml;ckgekehrt, sagt Herr S., nach dem Abzug der israelischen Besatzer. Zwei H&auml;user, zwei Gesch&auml;fte f&uuml;r Hochzeitskleider habe er nun dort verloren, und in Haret Hreik sei seine Wohnung schon vier Mal von Israel zerbombt worden. &bdquo;Dieses Land geh&ouml;rt uns&ldquo;, sagt der Mann, &bdquo;und wenn jemand &uuml;ber uns und unsere Sicherheit reden will, soll er erst einmal zu uns kommen und da wohnen, woher ich und meine Familie stammen. Sollen sie doch erleben, wie es ist, so einen Feind zum Nachbarn zu haben. Seit Generationen versucht er, uns von unserem Land zu vertreiben. Wir m&uuml;ssen uns wehren und wir haben dazu auch das Recht.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Wir sind friedvolle Leute&ldquo;, sagt ein Familienvater aus Mais al Jabal in einer Vertriebenenunterkunft in Beirut im Gespr&auml;ch mit der Autorin. Mais al Jabal liege genau an der &bdquo;Blauen Linie&ldquo;, der Waffenstillstandslinie, die die UN-Friedensmission f&uuml;r Libanon, UNIFIL, im Juni 2000 zog. 25.000 Einwohner habe Mais vor Oktober 2023 gehabt. Er habe ein Gesch&auml;ft f&uuml;r M&ouml;bel gehabt, der Familie sei es gut gegangen.<\/p><p>Der Regierung steht er skeptisch gegen&uuml;ber. &bdquo;Wenn Ministerpr&auml;sident Nawaf Salam in einem Moment gro&szlig;er Gefahr die libanesische Armee abzieht und uns, die Leute, dem Feind &uuml;berl&auml;sst, was sollen wir dann denken?!&ldquo; Ob der Mann ehrlich sei, wenn er die Menschen dem Feind &uuml;berl&auml;sst? &bdquo;Wir denken, dass Nawaf Salam von den USA in den Libanon geschickt wurde, um andere, nicht unsere Interessen zu vertreten&ldquo;, f&uuml;gt er hinzu. &bdquo;Das ist, was wir sehen.&ldquo;<\/p><p>Herr A. sitzt mit Teilen seiner Familie und Nachbarn aus seinem Heimatort in einem schmucklosen Gang der Notunterkunft, an dessen Ende sie mit Sesseln eine Sitzecke eingerichtet haben. Auf die Frage, wie sie sich informierten, sagen die Anwesenden, &uuml;ber soziale Medien sei man &uuml;ber das, was im Land geschehe, aktuell informiert. &bdquo;Und wir verfolgen die Nachrichten aus Israel, den USA und Libanon&ldquo;, sagt Herr A. &bdquo;&Uuml;ber das Handy.&ldquo; &bdquo;Wenn wir Strom haben und Internet&ldquo;, f&uuml;gt seine Nachbarin hinzu. Alle lachen. Strom ist knapp, es fehlt an Treibstoff, um den Generator zu betreiben.<\/p><p>Sie alle seien traurig &uuml;ber das, was ihrer Heimat angetan werde, sagt Familienvater A. Schon 2024 sei ihr Ort von Israel weitgehend zerst&ouml;rt worden, jetzt sei alles dem Erdboden gleichgemacht, Israel habe begonnen, Teile des S&uuml;dlibanon zu besetzen. &bdquo;Es hei&szlig;t, dass die Waffen schweigen, seit es eine &bdquo;Waffenruhe&ldquo; gibt&ldquo;, so Herr A. &bdquo;Aber die israelische Zerst&ouml;rung geht weiter, jeden Tag gibt es Tote.&ldquo;<\/p><p>Auf die Frage, ob er ein Ende in Sicht sehe, zuckt der Mann mit den Schultern. &bdquo;Wir hoffen es&ldquo;, sagt er. &bdquo;Aber das wird nicht durch Reden gehen, sondern nur mit milit&auml;rischer St&auml;rke&ldquo;, beantwortet er eine Frage, die als N&auml;chstes folgen sollte. &bdquo;Was denken Sie denn &uuml;ber die Gespr&auml;che der Botschafter in Washington?&ldquo; Israel habe &bdquo;keine Ahnung von Diplomatie&ldquo;, antwortet Herr A. &bdquo;Selbst einige europ&auml;ische Staaten haben Israel schon aufgefordert, seinen Kurs zu &auml;ndern.&ldquo; Sie alle wollten Frieden, doch &bdquo;nur der Widerstand wird Frieden durchsetzen k&ouml;nnen&ldquo;.<\/p><p>Es ist sp&auml;ter Nachmittag, als die Autorin die Unterkunft der Vertriebenen verl&auml;sst. Die Medien berichten von einem israelischen Angriff auf zwei Journalistinnen und ihre Begleiter im S&uuml;den. &bdquo;Sie sind eingeschlossen&ldquo;, sagt mein Begleiter. Es g&auml;be auch Tote. Israel beschie&szlig;e die Journalistinnen, Rettungskr&auml;fte seien noch nicht durchgekommen.<\/p><p><small>Titelbild: Andy.LIU\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tiri, S&uuml;dlibanon. Am fr&uuml;hen Mittwochnachmittag waren zwei Fahrzeuge in Al Tiri unterwegs. Im zweiten Fahrzeug sa&szlig;en zwei Journalistinnen, die &uuml;ber israelische Angriffe im Gebiet um Al Tiri berichten wollten. Im ersten Fahrzeug waren zwei ortskundige Begleiter. Al Tiri liegt n&ouml;rdlich der Kleinstadt Tibnin. Ein Bericht von <strong>Karin Leukefeld<\/strong> (Beirut).<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":149536,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-149535","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-das-kritische-tagebuch"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/shutterstock_2525662319.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/149535","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=149535"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/149535\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":149539,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/149535\/revisions\/149539"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/149536"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=149535"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=149535"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=149535"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}