{"id":149544,"date":"2026-04-24T10:55:28","date_gmt":"2026-04-24T08:55:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149544"},"modified":"2026-04-24T10:56:42","modified_gmt":"2026-04-24T08:56:42","slug":"das-ist-nicht-kontrovers-das-ist-gemeingefaehrlich-der-konzern-palantir-demaskiert-sich-mit-seinem-manifest-selbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149544","title":{"rendered":"Das ist nicht kontrovers, das ist gemeingef\u00e4hrlich: Der Konzern Palantir demaskiert sich mit seinem \u201eManifest\u201c selbst"},"content":{"rendered":"<p>Das k&uuml;rzlich ver&ouml;ffentlichte Manifest von Peter Thiels Software-Konzern Palantir ist kein Tech-Programm. Es ist die totalit&auml;re Logik des digitalen Sicherheitsstaats: Aus privaten Konzernen werden quasi-staatliche Akteure. Aus Ingenieuren werden strategische Funktion&auml;re. Aus B&uuml;rgern werden Datenobjekte, die man ausbeuten kann. Ein Kommentar von <strong>Detlef Koch.<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;<a href=\"https:\/\/x.com\/PalantirTech\/status\/2045574398573453312\">Because we get asked a lot.<\/a>&ldquo; So beil&auml;ufig stellt das US-Softwareunternehmen Palantir auf X seine Kurzfassung von <em>The Technological Republic<\/em> vor: 22 Punkte, &bdquo;in brief&ldquo;, als w&auml;re es eine Produktnotiz. Doch der Text ist keine PR-Aktion. Er ist ein politisches Manifest. In 22 Thesen erkl&auml;rt Palantir, Silicon Valley schulde dem Staat Verteidigung; Soft Power reiche nicht mehr; Hard Power werde k&uuml;nftig auf Software gebaut; KI-Waffen seien unausweichlich; Deutschland und Japan m&uuml;ssten aus ihrer Nachkriegskastration heraus; Pluralismus sei hohl; manche Kulturen seien regressiv. <\/p><p>Das ist nicht kontrovers, das ist gemeingef&auml;hrlich. Palantir formuliert hier nicht die Bitte, dem Staat bei Technikproblemen helfen zu d&uuml;rfen. Palantir bewirbt sich um den Zugriff auf das Nervensystem des Staates: Polizei, Milit&auml;r, Geheimdienste, Datenbanken, Lagebilder, Prognosen, Ziele, Verdachtsr&auml;ume. Die Frage lautet deshalb nicht, ob Palantir n&uuml;tzlich sein kann. Nat&uuml;rlich kann solche Software n&uuml;tzlich sein, aber f&uuml;r wen, und welche Ordnung wird hier eigentlich manifestiert? Die Antwort steht ganz unverbl&uuml;mt im Manifest selbst: Palantir will eine Ordnung, <\/p><ul>\n<li>in der Freiheit nachrangig wird, wenn sie bremst; <\/li>\n<li>in der Debatte als Theater gilt, wenn sie R&uuml;stungsvorhaben verz&ouml;gert; <\/li>\n<li>in der Kultur wieder hierarchisiert wird; <\/li>\n<li>in der die Nachkriegsbindung Deutschlands als Kastration definiert wird; <\/li>\n<li>in der private Tech-Eliten nicht kontrollierte Auftragnehmer des Staates sein wollen, sondern moralisch berufene Architekten nationaler totalit&auml;rer Macht.<\/li>\n<\/ul><p>Es gibt daf&uuml;r ein Wort &ndash; Faschismus. Nicht im Sinne eines historischen Gleichsetzungsreflexes; Palantir ist kein Staat, keine Partei, keine Geheimpolizei. Der totalit&auml;re Anspruch tritt nicht als Uniform, Parteiabzeichen oder Ausnahmegesetz auf. Er kommt auf leisen Sohlen als Plattform, Beschaffungsvorlage, Analyse-Dashboard, Schnittstelle und &bdquo;Pilotprojekt&ldquo; daher. Er kommt mit Compliance-Folien und Sicherheitsrhetorik. Er sagt auch nicht: Ich schaffe den Rechtsstaat ab. Er sagt: Ich mache ihn schneller und wirkungsvoller.<\/p><p>Das Buch &bdquo;The Technological Republic&ldquo; von Alexander C. Karp und Nicholas W. Zamiska liefert die Langfassung dieser totalit&auml;ren Ideologie. Silicon Valley, so die Erz&auml;hlung, habe sich in Konsum-Apps, Werbung, Shopping und Social Media verloren. Die Softwareindustrie solle zur&uuml;ckkehren zum Staat, zur Nation, zum milit&auml;rischen Projekt, zu geopolitischem Konkurrenzdenken. Palantir selbst wird dabei nicht nur als Firma verstanden, sondern als Br&uuml;cke von Theorie zu Umsetzung: Das Buch artikuliert die Theorie, die Algorithmen der Software sind die Aktion. <\/p><p>Das ist der dystopische Kern. Nur zur Klarstellung: Kein demokratischer Staat sollte wehrlos sein. Polizei, Justiz und Verteidigung brauchen gute Technik, aber Schutz und Technik sollten der demokratisch legitimierten und transparenten Kontrolle seiner B&uuml;rger unterliegen und nicht den verborgenen Algorithmen einer zynischen Tech-Elite. F&uuml;r Palantir ist die demokratische Einhegung von Macht nicht der Ausgangspunkt unternehmerischer Verantwortung &ndash; Ausgangspunkt ist nationale Durchsetzungsf&auml;higkeit mit Hilfe eines totalit&auml;ren Apparates. Die freiheitlich demokratische Grundordnung erscheint nicht als Sph&auml;re gleicher B&uuml;rger, sondern als ein Instrument der Selbstbehauptung: gespeist von Software, Elitenkultur, milit&auml;rischer Macht und kultureller Gleichschaltung.<\/p><p><strong>Aus B&uuml;rgern werden Datenobjekte, die man ausbeuten kann <\/strong><\/p><p>Der erste Punkt des Manifests legt die Achse fest: Silicon Valley habe eine moralische Schuld gegen&uuml;ber dem Land, das seinen Aufstieg erm&ouml;glicht habe; die Ingenieurselite habe eine affirmative Pflicht zur Verteidigung der Nation. Das klingt nach Gemeinsinn, meint aber eine Rollenverschiebung vom Volk als Souver&auml;n zur Algorithmokratie[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. Aus privaten Konzernen werden quasi-staatliche Akteure. Aus Ingenieuren werden strategische Funktion&auml;re. Aus B&uuml;rgerinnen werden Datenobjekte, die man ausbeuten kann und aus demokratischer Kontrolle wird eine sich selbst erhaltene Herrschaftsstruktur.: Wer den Code sehen darf, wer die Datenfl&uuml;sse pr&uuml;ft, wer f&uuml;r Fehler haftet und Diskriminierung erkennt, beantwortet das Manifest nicht. Es &uuml;berspringt sie klammheimlich. Genau das ist der springende Punkt.<\/p><p>Dann folgt die Militarisierung der Software. Hard Power wird in diesem Jahrhundert auf Software gebaut. Wenn ein US-Marine ein besseres Gewehr verlange, solle man es bauen; dasselbe gelte f&uuml;r Software.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Das Gewehr als Metapher ist Programm. Was fr&uuml;her Stahl, Panzer, Raketen und Funkaufkl&auml;rung waren, sind heute Datenfusion, Zielerkennung, Musteranalyse und Entscheidungsgeschwindigkeit. Software wird nicht als zivile Infrastruktur gedacht, sondern als Gewaltinfrastruktur. Der &bdquo;Panzer&ldquo; aus Daten ist kein Bild, sondern das Gesch&auml;ftsmodell der Tech-&bdquo;Eliten&ldquo;.<\/p><p>Die gef&auml;hrlichste These betrifft KI-Waffen. Die Frage sei nicht, ob sie gebaut w&uuml;rden, sondern wer sie baue und zu welchem Zweck. Gegner w&uuml;rden keine &bdquo;theatralischen Debatten&ldquo;[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] f&uuml;hren. Hier werden Demokratie zur Verz&ouml;gerungstechnik und ihre Volksvertreter zu hysterischen Kleingeistern herabgestuft. Aus der politischen Frage &bdquo;D&uuml;rfen wir das?&ldquo; wird die industrielle Frage &bdquo;Wer baut es zuerst?&ldquo; Die Entdemokratisierung kommt im Gewand des Sachzwangs daher.<\/p><p>KI ist keine neutrale Intelligenz. Sie ist eine Machttechnologie: Sie sammelt, klassifiziert, prognostiziert und steuert. In staatlichen Apparaten verschiebt sie Entscheidungen von begr&uuml;ndeter Einzelfallpr&uuml;fung zu Pr&auml;emption &mdash; also zur Vorwegnahme dessen, was jemand tun k&ouml;nnte. <\/p><ul>\n<li>Im Polizeistaat hei&szlig;t das: Verdacht vor Tat.<\/li>\n<li>Im Milit&auml;r hei&szlig;t es: Zielmarkierung vor Gewissheit.<\/li>\n<li>Im Extremfall hei&szlig;t es: Leben und Tod nach Mustererkennung. <\/li>\n<\/ul><p>Das ist in Gaza getestete Technologie[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] und die menschenverachtende Logik, f&uuml;r die Palantir wirbt.<\/p><p>Auch die These zum Dienst an der Nation ist kein unschuldiger Republikanismus. Ein allgemeiner Dienst am Staat klingt gerecht: Alle teilen Risiko und Kosten. Aber wer teilt die Profite? Wenn B&uuml;rger Disziplin, &Uuml;berwachung, Kriegsbereitschaft und m&ouml;glicherweise den Tod tragen und erleiden, w&auml;hrend private Sicherheitskonzerne Infrastruktur, Vertr&auml;ge, Datenmacht und politischen Zugang gewinnen, dann ist das keine republikanische Solidarit&auml;t. Dann ist es asymmetrische Kriegs&ouml;konomie mit Ausbeutungslogik.<\/p><p><strong>Verachtung des &ouml;ffentlichen Diskurses<\/strong><\/p><p>Dazu passt die Verachtung des &ouml;ffentlichen Diskurses im Manifest. &Ouml;ffentliche Bedienstete m&uuml;ssten keine &bdquo;Priester&ldquo; sein. Kritik vertreibe Talente. Vorsicht im &ouml;ffentlichen Leben sei korrosiv. Der Subtext ist klar: Verwaltung ist langsam, moralistisch, ineffizient, langweilig. Das Gegenmodell ist der CEO-Staat: weniger Verfahren, weniger Widerspruch, weniger Akteneinsicht, weniger &bdquo;Zumutung&ldquo; durch parlamentarische Kontrolle, mehr autorit&auml;ren Durchgriff.<\/p><p>Aber das Wesen einer funktionierender Demokratie ist gerade die verlangsamte Macht. Sie besteht aus Anh&ouml;rungen, Widerspruch, Datenschutz, Gesetzesbindung, Opposition, Gerichten, Haushaltskontrolle und Untersuchungsaussch&uuml;ssen. Das sind keine Fehler im System, sondern das Sicherheitsnetz der Demokratie. Was Tech-Eliten als Reibungsverlust verachten, ist der Rechtsstaat bei der Arbeit.<\/p><p>Auch die Passagen &uuml;ber Verst&auml;ndnis denen gegen&uuml;ber, die sich dem &ouml;ffentlichen Leben verschrieben haben und die v&ouml;llige Aufgabe jeglicher Toleranz gegen&uuml;ber der Komplexit&auml;t und den Widerspr&uuml;chen der menschlichen Psyche sind nicht falsch, aber im Kontext vergiftet. Ja, Demokratie braucht Fehlertoleranz. Ja, &ouml;ffentliche Vernichtungsrituale sind destruktiv. Aber wenn diese Rhetorik von Akteuren kommt, die staatliche Gewaltinfrastrukturen bauen wollen, wird sie zur Nebelkerze. Verst&auml;ndnis f&uuml;r Menschen ist eine Tugend; Verst&auml;ndnis f&uuml;r Macht ohne Kontrolle ist Kapitulation.<\/p><p>Auch der US-amerikanische Machtglaube kommt im Manifest nicht zu kurz. Die USA werden als historisch gr&ouml;&szlig;ter Tr&auml;ger progressiver Werte, amerikanische Macht als Garant des langen Friedens gerahmt. Als Patriotismus getarnt ist es geopolitische Theologie, in der Fortschritt an Hegemonie gekoppelt ist. Gewalt erscheint als Friedensbedingung. Kritik an US-zentrierter Hard Power wird damit schnell als Naivit&auml;t abgetan. <\/p><p>Demokratie braucht kluge B&uuml;ndnisse, verl&auml;ssliche Vertr&auml;ge, fairen Interessenausgleich und als Ultima Ratio milit&auml;rische Verteidigung. Was sie nicht braucht, ist eine Sakralisierung (Heiligsprechung) imperialer Macht.<\/p><p><strong>Die &bdquo;Kastration&ldquo; Deutschlands<\/strong><\/p><p>F&uuml;r Deutschland ist These 15 der rote Alarm. Die w&ouml;rtlich <em>Kastration<\/em> Nachkriegsdeutschlands und Japans m&uuml;sse r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht werden; die Entwaffnung Deutschlands sei eine &Uuml;berkorrektur. Wer so spricht, redet nicht &uuml;ber moderne Bundeswehr-IT. Er deutet die Nachkriegsordnung um. Aus historischer Verantwortung wird angebliche Verst&uuml;mmelung. Aus milit&auml;rischer Zur&uuml;ckhaltung wird Schw&auml;che. Aus &bdquo;Nie wieder&ldquo; wird Standortnachteil.<\/p><p>Das ist brandgef&auml;hrlich. Die Nachkriegsordnung <strong>etwa in Westdeutschland <\/strong>war keine Kastration. Sie war zivilisatorische Selbstbindung: Menschenw&uuml;rde, Grundrechte, Parlamentsarmee, Gewaltenteilung, Misstrauen gegen&uuml;ber exekutiver Allmacht, die Lehre aus Hitler-Diktatur, Vernichtungskrieg und industriellem Massenmord. Wer diese Bindung als Schw&auml;chung verkauft, greift nicht irgendein au&szlig;enpolitisch Versagen an. Es ist ein Angriff auf den ethisch-moralischen Schutzwall der Bundesrepublik.<\/p><p>Auch der Milliard&auml;r erh&auml;lt im Manifest seine politische Weihe. Musk[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] und andere Gro&szlig;bauer sollen nicht verspottet werden, wenn sie dort bauen, wo Markt oder Staat versagten. Genau hier wird aus Unternehmertum Ersatzpolitik. Der Milliard&auml;r wird zum Baumeister der Zukunft, der Konzern zum Ministerium, die Plattform zur Infrastruktur. Das ist keine demokratische Erneuerung. Das ist eine Art Sicherheitsaristokratie.<\/p><p>Im Innern setzt sich die Logik fort. Silicon Valley m&uuml;sse bei Gewaltkriminalit&auml;t helfen[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]. Niemand sollte schwere Gewalt verharmlosen. Mord, Terror, organisierte Kriminalit&auml;t, sexualisierte Gewalt und Kindesmissbrauch verlangen einen handlungsf&auml;higen Staat. Aber gerade deshalb darf der Rechtsstaat nicht zu einer Blackbox werden. Polizeisoftware, Datenfusion, Risikoprofile und Verdachtsr&auml;ume sind keine technischen Detailfragen. Wer ohnehin h&auml;ufiger in polizeilichen Datenbanken auftaucht, wird leichter erneut zum Objekt der Beobachtung. Pr&auml;emption &ndash; also die Vorwegnahme dessen, was jemand tun k&ouml;nnte &ndash; sortiert Menschen nach Wahrscheinlichkeit. Und Fehlentscheidungen treffen nicht alle gleich. <\/p><p>Am Ende wird aus Sicherheitsideologie Kulturkampf.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Religionsfreiheit verdient Schutz. Religi&ouml;se Menschen d&uuml;rfen in einer liberalen Gesellschaft nicht ver&auml;chtlich gemacht werden. Aber das Manifest bleibt nicht bei Religionsfreiheit. Es hierarchisiert Kulturen und erkl&auml;rt Pluralismus f&uuml;r hohl. Damit wird Gleichheit selbst zum Problem. Der pluralistische Rechtsstaat fragt nicht: Welche Kultur ist wertvoller? Er fragt: Welche Rechte gelten f&uuml;r alle?<\/p><p>Hier ber&uuml;hrt Palantirs Programmatik den Kern dessen, was ich als neuen Faschismus wahrnehme: antidemokratisches Wirken, Gewaltdisposition und Technologie als Machtinstrument. Das zentrale Kennzeichen neuer faschistischer Kr&auml;fte sind das Bestreben Datenanalyse- und KI-Technologie zu nutzen, um Rechtsstaat und die freiheitliche demokratische Grundordnung zu schw&auml;chen und durch ein schlankes, automatisiertes, pr&auml;emptives Staatswesen zu ersetzen. <\/p><p>Genau deshalb ist &bdquo;totalit&auml;r&ldquo; hier keine rhetorische &Uuml;bertreibung. Palantirs Manifest will nicht nur bessere Software. Es will eine totalisierende Sicherheitsordnung: au&szlig;en milit&auml;risch, innen pr&auml;emptiv, kulturell hierarchisch, technologisch elit&auml;r, demokratisch ungeduldig. Es ordnet Gesellschaft vom Ernstfall her. Es betrachtet B&uuml;rger nicht zuerst als Rechtssubjekte, sondern als Risiken, Ressourcen, Soldaten, Talente, Datenpunkte oder St&ouml;rfaktoren.<\/p><p><strong>Trotzdem nutzen deutsche Beh&ouml;rden Palantir<\/strong><\/p><p>Das alles w&auml;re schon schlimm genug, wenn es nur ein Buch, ein Tweet, ein Manifest w&auml;re. In Deutschland ist es mehr. Es ist Beschaffungspolitik. Hessen nutzt hessenData. Das Innenministerium sagt selbst, bei der Marktanalyse habe nur Palantir alle Anforderungen erf&uuml;llt; zugleich betont es Datenhoheit und gesicherte Rechenzentren in Hessen. Nordrhein-Westfalen nutzt DAR; der Palantir-Vertrag l&auml;uft nach aktuellen Berichten im Oktober 2026 aus, eine neue europaweite Ausschreibung l&auml;uft, und Palantir kann sich erneut bewerben. Bayern nutzt VeRA; der Vertrag mit Palantir l&auml;uft laut Staatsregierung bis April 2027 und kann bis zu viermal um je ein Jahr verl&auml;ngert werden. Baden-W&uuml;rttemberg hat 2025 einen Vertrag geschlossen; Landtagsunterlagen nennen den 20. M&auml;rz 2025 als Vertragsdatum und beschreiben die Nutzung von Gotham mit eingeschr&auml;nkter Foundry-Komponente. Auf Bundesebene ist nach der Antwort der Bundesregierung von M&auml;rz 2026 keine Beschaffung bestimmter Software f&uuml;r Bundespolizei oder BKA entschieden. <\/p><p>Und das Bundesverfassungsgericht hat 2023 bereits klargemacht, dass fr&uuml;here Regelungen in Hessen und Hamburg zur automatisierten Datenanalyse verfassungswidrig waren. Der Punkt war nicht Technikfeindlichkeit. Der Punkt war Grundrechtsschutz: Der Staat darf vorhandene Datenbest&auml;nde nicht beliebig neu verkn&uuml;pfen, auswerten und pr&auml;ventiv &ouml;ffnen. <\/p><p>Daraus folgt eine harte Konsequenz: Eine Regierung kann nicht sonntags digitale Souver&auml;nit&auml;t predigen und montags die sensibelsten Sicherheitsdaten in eine Abh&auml;ngigkeit von einem Konzern f&uuml;hren, dessen politisches Manifest Software als Hard Power, KI als Abschreckung und demokratische Debatte als Theater rahmt.<\/p><p>Der Teufel tanzt mit geschliffenen Manieren, erlesener Garderobe und gro&szlig;er Eleganz auf dem diplomatischer Parkett &ndash; nicht mit Schwefelgeruch und Pferdefu&szlig;. Er beginnt mit einer Beschaffungsvorlage, einem Pilotprojekt, einem dringenden Sicherheitsargument und einer Alternativlosigkeitsbehauptung. Dann kommt die Gew&ouml;hnung, dann die Erweiterung, dann die n&auml;chste Schnittstelle und langsam wandelt sich der Ausnahmezustand vom seltenen Ereignis zum Gesch&auml;ftsmodell.<\/p><p>Ein paar Fragen an Br&uuml;ssel und Berlin:<\/p><ul>\n<li>Welche Software darf in Polizeidatenbanken eindringen?<\/li>\n<li>Wer auditiert Code, Modelle, Schnittstellen und Datenfl&uuml;sse?<\/li>\n<li>Wer kontrolliert Zweck&auml;nderungen?<\/li>\n<li>Welche parlamentarischen Gremien sehen mehr als Hochglanzpr&auml;sentationen?<\/li>\n<li>Welche Rechte haben Betroffene, Zeugen, Opfer und Kontaktpersonen, deren Daten in Analyseplattformen landen?<\/li>\n<li>Welche K&uuml;ndigungs-, Export-, Update- und Fernwartungsregeln gelten? (oder anders gefragt &bdquo;Wer h&ouml;rt noch mit?&ldquo;)<\/li>\n<li>Welche europ&auml;ische, offene, &uuml;berpr&uuml;fbare Alternative wird bis wann aufgebaut?<\/li>\n<li>Wo liegt die rote Linie f&uuml;r KI, &bdquo;Datamining&rdquo;, &bdquo;Predictive Policing&ldquo; und milit&auml;rische Integration?<\/li>\n<\/ul><p><strong>Es geht um die Nervenzentren des Rechtsstaats<\/strong><\/p><p>Das, meine Damen und Herren Politiker, ist keine Datenschutz-Nische. Hier geht um die Nervenzentren des Rechtsstaats. Wer dort Software einbaut, baut politische Architektur ein. Und wer politische Architektur von einem Konzern &uuml;bernimmt, &uuml;bernimmt mehr als Code: Er &uuml;bernimmt Annahmen &uuml;ber Gefahr, Ordnung, Kultur, Geschwindigkeit, Gewalt und Gehorsam.<\/p><p>Der demokratische Staat darf Technik nutzen. Aber er darf sich nicht von einer Sicherheitsaristokratie aus Konzernen, Geheimhaltungslogik und milit&auml;rischem Sachzwang umbauen lassen. Er muss Regeln setzen, nicht &uuml;bernehmen. Er muss pr&uuml;fen, nicht glauben. Er muss Alternativen bauen, nicht &bdquo;alternativlos&ldquo; einkaufen.<\/p><p>Wer Demokratie sch&uuml;tzen will, darf ihre Nervenzentren nicht jenen &uuml;berlassen, die Demokratie vor allem als ein langsames Betriebssystem f&uuml;r die n&auml;chste &Auml;ra der Hard Power betrachten und verachten.<\/p><p><small>Titelbild: mark reinstein\/shutterstock.com<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Herrschaft durch Algorithmen<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Wenn ein US-Marine ein besseres Gewehr verlangt, sollten wir es bauen; und dasselbe gilt f&uuml;r Software. Wir als Land sollten in der Lage sein, die Debatte &uuml;ber die Angemessenheit milit&auml;rischer Eins&auml;tze im Ausland fortzuf&uuml;hren und gleichzeitig unersch&uuml;tterlich zu unserem Engagement f&uuml;r diejenigen zu stehen, die wir in Gefahr gebracht haben.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Die Frage ist nicht, ob KI-Waffen entwickelt werden, sondern wer sie entwickelt und zu welchem &#8203;&#8203;Zweck. Unsere Gegner werden nicht in theatralischen Debatten &uuml;ber die Vorz&uuml;ge der Entwicklung von Technologien mit kritischen milit&auml;rischen und nationalen Sicherheitsanwendungen verweilen. Sie werden voranschreiten.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Belegt ist, dass Palantir 2024 eine <a href=\"https:\/\/www.palantir.com\/assets\/xrfr7uokpv1b\/3MuEeA8MLbLDAyxixTsiIe\/9e4a11a7fb058554a8a1e3cd83e31c09\/C134184_finaleprint.pdf\">strategische Partnerschaft<\/a> mit dem israelischen Verteidigungsministerium zur Unterst&uuml;tzung des laufenden Kriegs einging. Recherchen von +972\/Local Call und AP zeigen zudem, dass Israels Milit&auml;r im Gaza-Krieg in gro&szlig;em Umfang KI-gest&uuml;tzte Zielerfassung und US-Techinfrastruktur nutzt. Menschenrechtlich wird diese Konstellation unter anderem im UN-Bericht A\/HRC\/59\/23 als m&ouml;gliche Unternehmensverantwortung im Kontext schwerer V&ouml;lkerrechtsverbrechen problematisiert.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Wir sollten jene loben, die dort etwas aufbauen, wo der Markt versagt hat. Die Gesellschaft bel&auml;chelt Musks Interesse an gro&szlig;en Erz&auml;hlungen beinahe, als sollten Milliard&auml;re sich einfach darauf beschr&auml;nken, sich selbst zu bereichern. Jegliche Neugier oder echtes Interesse am Wert seiner Sch&ouml;pfungen wird im Grunde abgetan oder lauert unter einem kaum verhohlenen Spott.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Silicon Valley muss im Kampf gegen Gewaltverbrechen eine wichtige Rolle spielen. Viele Politiker in den USA haben das Thema Gewaltverbrechen weitgehend ignoriert und jegliche ernsthaften Bem&uuml;hungen zur L&ouml;sung des Problems aufgegeben. Sie scheuen sich, f&uuml;r ihre W&auml;hler oder Geldgeber Risiken einzugehen, indem sie L&ouml;sungen und Experimente entwickeln &ndash; in einem verzweifelten Versuch, Leben zu retten.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Der weitverbreiteten Intoleranz gegen&uuml;ber religi&ouml;sen &Uuml;berzeugungen in bestimmten Kreisen muss entgegengetreten werden. Die Intoleranz der &bdquo;Eliten&ldquo; gegen&uuml;ber religi&ouml;sen &Uuml;berzeugungen ist vielleicht eines der deutlichsten Anzeichen daf&uuml;r, dass ihr politisches Projekt eine weniger offene intellektuelle Bewegung darstellt, als viele innerhalb ihrer Reihen behaupten.<\/p>\n<p>Manche Kulturen haben bedeutende Fortschritte hervorgebracht; andere bleiben dysfunktional und r&uuml;ckschrittlich. Alle Kulturen sind nun gleichgestellt. Kritik und Werturteile sind verboten. Doch dieses neue Dogma verschleiert die Tatsache, dass bestimmte Kulturen und Subkulturen &hellip; Gro&szlig;artiges geleistet haben. Andere haben sich als mittelm&auml;&szlig;ig, ja sogar als r&uuml;ckschrittlich und sch&auml;dlich erwiesen.<\/p>\n<p>Wir m&uuml;ssen der oberfl&auml;chlichen Versuchung eines leeren und hohlen Pluralismus widerstehen. Wir in Amerika und im Westen allgemein haben uns im letzten halben Jahrhundert gegen die Definition nationaler Kulturen im Namen der Inklusivit&auml;t gewehrt. Aber Inklusivit&auml;t wozu?<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das k&uuml;rzlich ver&ouml;ffentlichte Manifest von Peter Thiels Software-Konzern Palantir ist kein Tech-Programm. Es ist die totalit&auml;re Logik des digitalen Sicherheitsstaats: Aus privaten Konzernen werden quasi-staatliche Akteure. Aus Ingenieuren werden strategische Funktion&auml;re. Aus B&uuml;rgern werden Datenobjekte, die man ausbeuten kann. Ein Kommentar von <strong>Detlef Koch.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":149545,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-149544","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-das-kritische-tagebuch"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/shutterstock_1786145441.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/149544","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=149544"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/149544\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":149548,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/149544\/revisions\/149548"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/149545"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=149544"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=149544"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=149544"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}