{"id":149582,"date":"2026-04-26T14:00:34","date_gmt":"2026-04-26T12:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149582"},"modified":"2026-04-24T23:09:26","modified_gmt":"2026-04-24T21:09:26","slug":"esc-motto-musik-verbindet-stimmt-wuerde-sie-ohne-ausschluesse-und-boykotte-erklingen-und-wuerden-kriege-endlich-beendet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149582","title":{"rendered":"ESC-Motto: Musik verbindet \u2013 stimmt, w\u00fcrde sie ohne Ausschl\u00fcsse und Boykotte erklingen und w\u00fcrden Kriege endlich beendet"},"content":{"rendered":"<p>Der Eurovision Song Contest 2026 (ESC) findet vom 11. bis 16. Mai 2026 in Wien, &Ouml;sterreich statt. Feierlaune kommt nicht auf &ndash; die Zeiten sind weder feierlich, friedlich noch verbindend, obwohl der Slogan des ESC darauf abzielt: Musik verbindet. Doch nicht alle L&auml;nder, die teilnehmen k&ouml;nnten, sind in der Stadthalle Wien dabei, weil sie entweder ausgeschlossen sind oder die Veranstaltung aus Protest meiden. Ein Grund: weil das Teilnehmerland Israel mitmachen darf, das Teilnehmerland Russland jedoch nicht. Das sei zweierlei Ma&szlig;, sagen die Kritiker. &Uuml;ber dem ESC liegt der dunkle Schatten der Doppelmoral. Umso verst&auml;ndlicher ist, dass Wochen vor der Fete internationale Musiker <a href=\"https:\/\/nomusicforgenocide.org\/eurovision\">einen Boykott-Aufruf<\/a> ver&ouml;ffentlichten. Richtig. Dieser Protest, die mutige Offenlegung des Zustandes unserer Welt sind Bestandteile des Schaffens derer K&uuml;nstler, die die F&uuml;&szlig;e nicht stillhalten und brav auf &bdquo;The Show must go on&ldquo; f&uuml;r sch&ouml;ne Bilder machen. Musik ist nicht nur Kunst, sie ist auch Politik. Ein Kommentar von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Das wird kein Fest, das verbindet, weil Frieden und H&auml;ndereichen out sind <\/strong><\/p><p>Wie kann die Welt, wie kann Europa Musikfeten feiern, als w&uuml;rde nichts passieren wie all die Kriege, die Zerst&ouml;rungen, das uns&auml;gliche, sinnlose Leid, all die Eskalation, die Militarisierung des Kontinents und dar&uuml;ber hinaus? Wie kann eine Show wie der ESC einfach so abgehalten werden, dass die Entscheidungstr&auml;ger entscheiden, wer mitmachen darf und wer nicht, obwohl sie beteuern, dass der Wettbewerb kein politischer, sondern ein unabh&auml;ngiger sei, einer, der die Menschen zusammenf&uuml;hrt, weil Musik wunderbar verbindet? Die Heuchelei finden derzeit viele Musiker mutigerweise absto&szlig;end. Sie protestieren wie auch mehrere Teilnehmerl&auml;nder, die nicht stillbleiben. Der <em>Deutschlandfunk<\/em> meldet:<\/p><blockquote><p>\n    <em>Mehr als 1100 Musikerinnen und Musiker fordern wegen der Teilnahme Israels einen Boykott des Eurovision Song Contest. Zu den Unterzeichnern des Aufrufs geh&ouml;ren auch Stars wie Pink-Floyd-Mitgr&uuml;nder Roger Waters, Ex-Genesis-Frontmann Peter Gabriel, die britische Band Massive Attack und der US-Rapper Macklemore. Mehrere Bands und Musiker, die den Aufruf mit dem Titel &bdquo;No Music For Genocide&ldquo; (&ldquo;Keine Musik f&uuml;r den Genozid&rdquo;) unterst&uuml;tzen, beteiligen sich schon seit Jahren an Boykott-Aufrufen gegen Israel. In dem Aufruf wird ein Ausschluss des israelischen Fernsehsenders Kan vom ESC gefordert. Wegen der Teilnahme Israels boykottieren in diesem Jahr bereits die Niederlande, Spanien, Irland, Slowenien und Island die 70. Ausgabe des Musikwettbewerbs, die in Wien stattfindet.<\/em><\/p>\n<p>    Quelle: <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/wegen-israels-teilnahme-fordern-mehr-als-1100-musiker-esc-boykott-100.html\">DLF<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>&Uuml;ber 1.000 Musiker wollen nicht mitmachen bei der Show<\/strong><\/p><p>&Uuml;ber 1.000 Musiker schauen nicht weg, sie lenken den Blick auf eine Katastrophe, deren Ende nicht abzusehen ist, weil die f&uuml;hrenden Akteure daran kein Interesse haben. Mindestens machen sie nicht mit, sie klatschen keinen Beifall und nennen Verbrechen beim Namen:<\/p><blockquote><p><em>Im Mai 2026 werden wieder Millionen von Menschen den 70. Eurovision Song Contest verfolgen. Zum dritten Jahr in Folge werden wir erleben, wie Israel auf der B&uuml;hne gefeiert wird, obwohl es seinen V&ouml;lkermord in Gaza unvermittelt fortsetzt. Russland hingegen bleibt wegen seines illegalen Einmarsches in die Ukraine weiterhin vom Wettbewerb ausgeschlossen. Als Musiker*innen und Kulturschaffende lehnen wir es ab, dass der Eurovision Song Contest genutzt wird, um Israels V&ouml;lkermord und brutale milit&auml;rische Besatzung gegen die Pal&auml;stinenser*innen zu normalisieren und zu besch&ouml;nigen.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Die Formulierung im Brief der K&uuml;nstler sind keine aus der Feder politischer Institutionen, sie sind hart, verzweifelt, anklagend:<\/p><blockquote><p>\n    <em>Wir weigern uns, still zu sein, w&auml;hrend Israels m&ouml;rderische Gewalt den Soundtrack zur gleichzeitigen Zerst&ouml;rung pal&auml;stinensischer Leben liefert und pal&auml;stinensische Stimmen systematisch zum Verstummen gebracht werden. Wir weigern uns, still zu sein, w&auml;hrend Kinder in israelischen Gef&auml;ngnissen Pr&uuml;gel erleiden, weil sie eine Melodie summen. Fast jede B&uuml;hne, jedes Studio, jede Buchhandlung und jede Universit&auml;t in Gaza ist nur noch Schutt und Asche, unter deren Tr&uuml;mmern immer noch Tausende ermordete Leichen liegen, Menschen, denen ein w&uuml;rdevolles Begr&auml;bnis verweigert wurde.<\/em><\/p>\n<p>    Quelle: <a href=\"https:\/\/nomusicforgenocide.org\/eurovision\">nomusicforgenocoide<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Die gro&szlig;e Zahl der Protestierenden, die L&auml;nder, die nein sagen, all das ist beeindruckend wie bedr&uuml;ckend. Die Niederlande, Spanien, Irland, Slowenien und Island reagieren drastisch, sie schicken keine K&uuml;nstler nach Wien. Was besonders schlimm f&uuml;r mich ist: Der Krieg in Gaza scheint aus den f&uuml;hrenden Medienberichten nach und nach zu verschwinden. Doch ist der Krieg noch immer in vollem Gang, die Not, das Sterben, mehr noch, die Menschen im Libanon sind nun so heftig betroffen wie die Menschen in Gaza.<\/p><p><strong>Und Deutschland? Was sagt der Bundeskanzler zum ESC?<\/strong><\/p><p>Bundeskanzler Friedrich Merz hatte eine ganz andere Idee in Sachen ESC. Er sprach sich f&uuml;r einen freiwilligen Verzicht einer Teilnahme Deutschlands aus, sollte Israel von der Teilnahme am Wettbewerb ausgeschlossen werden. &bdquo;Ich halte es f&uuml;r einen Skandal, dass dar&uuml;ber &uuml;berhaupt diskutiert wird. Israel geh&ouml;rt dazu&ldquo;, sagte der Kanzler in der ARD-Sendung &bdquo;Caren Miosga&ldquo;. Der spanische Premierminister Pedro S&aacute;nchez f&uuml;hrte dagegen ein anderes Argument an:<\/p><blockquote><p>\n    &bdquo;Niemand war aufgebracht, als vor drei Jahren die russische Invasion in der Ukraine begann und Russland internationale Wettbewerbe verlassen musste und, wie wir gesehen haben, nicht am Eurovision Song Contest teilnehmen konnte. Deshalb sollte Israel das auch nicht tun, denn wir k&ouml;nnen uns keine Doppelmoral in der Kultur erlauben.&ldquo;<\/p>\n<p>    Quelle: <a href=\"https:\/\/www.musikexpress.de\/friedrich-merz-fordert-esc-boykott-bei-ausschluss-israels-3095845\/\">Musikexpress<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Israel geh&ouml;rt dazu, andere L&auml;nder nicht. Es geht auch anders<\/strong><\/p><p>Israel geh&ouml;rt dazu und andere L&auml;nder nicht &ndash; ganz gleich, was Israel macht. Solang diese Praxis gilt und Kritik an ihr diffamiert wird, bleiben Feste wie das ESC besch&auml;digt. Ich finde, wenn wir &uuml;ber Teilnahme reden, dann &uuml;ber die f&uuml;r alle, eingebunden in eine ehrliche wie schonungslose Debatte bei solchen Events. Jeder Besucher wei&szlig;, dass Israel im Krieg ist, dass die USA im Krieg sind und andere L&auml;nder. Doch die K&uuml;nstler aus all diesen L&auml;ndern sind es nicht, es sei denn, sie lassen sich f&uuml;r einen Krieg in welcher Form auch immer einspannen. Dass sie es nicht tun, zeigt mir der Brief der &uuml;ber 1.000 K&uuml;nstler.<\/p><p>Und ja, es geht tats&auml;chlich auch anders. Fern von Boykotten und Ausschl&uuml;ssen kann das H&auml;ndereichen gelingen, trotz zahlreicher Konflikte und Kriege. Beispiel Italien: In Venedig steigt bald die 61. Internationale Kunstausstellung, La Biennale di Venezia (9. Mai bis 22. November 2026). Die Biennale Venedig ist eine der gr&ouml;&szlig;ten internationalen Ausstellungen f&uuml;r zeitgen&ouml;ssische Kunst und Architektur, ein anerkanntes Treffen der ganzen (!) Kunstwelt. Die Liste der Teilnehmer zeigt, dass L&auml;nder, die in Konflikte und Kriege verwickelt sind, nicht ausgeschlossen werden. Beispiele: USA, Israel, Iran, Russland, Ukraine. Russland war seit 2022 nicht mehr in Venedig vertreten.<\/p><p>Quelle: <a href=\"https:\/\/universes.art\/de\/biennale-venedig\/2026\/pavillons\">Universes Art<\/a><\/p><p><strong>Wie reagiert die EU?<\/strong><\/p><p>Statt Signale f&uuml;r eine Entspannung zu honorieren, wird weiter an der Eskalationsspirale gedreht. Wegen der Teilnahme Russlands will die EU die Veranstalter der Kunstbiennale von Venedig bestrafen.<\/p><p>Die Kunstbiennale von Venedig muss wegen der geplanten Wiederer&ouml;ffnung des russischen Pavillons mit der Streichung von Zusch&uuml;ssen der EU rechnen. Das k&uuml;ndigte die europ&auml;ische Chefdiplomatin Kallas an.<\/p><blockquote><p>\n    &bdquo;<em>Russlands R&uuml;ckkehr zur Biennale von Venedig ist moralisch falsch und die EU beabsichtigt, ihre Finanzierung zu k&uuml;rzen&ldquo;, sagte Kallas nach einem EU-Au&szlig;enministertreffen in Luxemburg. <\/em><\/p>\n<p>    Quelle: <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/eu-will-kunstbiennale-von-venedig-bestrafen-100.html\">DLF<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Ein Frage f&uuml;r einen Freund: W&auml;re es nicht angebrachter, w&uuml;rde Kallas stattdessen sagen, dass die Teilnahme der USA, Israels, des Irans und Russlands an der Biennale Venedig moralisch falsch sei?<\/p><p><small>Titelbild: zef art \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Eurovision Song Contest 2026 (ESC) findet vom 11. bis 16. Mai 2026 in Wien, &Ouml;sterreich statt. 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