{"id":149765,"date":"2026-04-29T12:04:21","date_gmt":"2026-04-29T10:04:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149765"},"modified":"2026-04-29T14:15:41","modified_gmt":"2026-04-29T12:15:41","slug":"klamroth-soeder-die-reichtumsfrage-und-jede-menge-nebelkerzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149765","title":{"rendered":"Klamroth, S\u00f6der, die Reichtumsfrage und jede Menge Nebelkerzen"},"content":{"rendered":"<p>Wer h&auml;tte es f&uuml;r m&ouml;glich gehalten? Die Verteilungsfrage erlebte in dieser Woche doch tats&auml;chlich ihr Comeback in den &bdquo;sozialen Netzwerken&ldquo;. Ausl&ouml;ser war ein durchaus als ungl&uuml;cklich zu bezeichnender Satz des ARD-Moderators Louis Klamroth in einer Sendung mit Markus S&ouml;der. Es ging verk&uuml;rzt gesagt um die Frage, bei welchem Einkommen &bdquo;Reichtum&ldquo; anf&auml;ngt. Bereits diese Frage ist jedoch eine Nebelkerze, die von der n&ouml;tigen Debatte ablenkt. Ein Kommentar von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4276\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-149765-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260429_Klamroth_Soeder_die_Reichtumsfrage_und_jede_Menge_Nebelkerzen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260429_Klamroth_Soeder_die_Reichtumsfrage_und_jede_Menge_Nebelkerzen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260429_Klamroth_Soeder_die_Reichtumsfrage_und_jede_Menge_Nebelkerzen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260429_Klamroth_Soeder_die_Reichtumsfrage_und_jede_Menge_Nebelkerzen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=149765-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260429_Klamroth_Soeder_die_Reichtumsfrage_und_jede_Menge_Nebelkerzen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260429_Klamroth_Soeder_die_Reichtumsfrage_und_jede_Menge_Nebelkerzen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\" data-media-max-width=\"560\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Was ist denn f&uuml;r Sie reich?<\/p>\n<p>Louis Klamroth: \"Leute, die den Spitzensteuersatz zahlen\" <a href=\"https:\/\/t.co\/gmxHBLE6cB\">pic.twitter.com\/gmxHBLE6cB<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Benedikt Brechtken (@ben_brechtken) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ben_brechtken\/status\/2048865170584166663?ref_src=twsrc%5Etfw\">April 27, 2026<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p> <\/p><p>Nein, Herr Klamroth. Wer den Spitzensteuersatz bezahlt, ist nat&uuml;rlich nicht automatisch auch reich. Obgleich auch hier der Teufel im Detail steckt. Auch wenn man das in der Debatte offenbar vollkommen ausblendet, beginnt der Spitzensteuersatz im deutschen Einkommensteuersystem nicht &bdquo;bei 70.000 Euro&ldquo;, wie es sowohl Markus S&ouml;der als auch seine publizistischen Bodyguards von der <em>BILD<\/em> nun manipulativ <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/louis-klamroth-in-ard-arena-wer-70-000-euro-im-jahr-kriegt-ist-reich-69efba4b129bffc049ee1079\">behaupten<\/a>. Diese &bdquo;70.000 Euro&ldquo; &ndash; um genau zu sein, sind es 69.878 Euro &ndash; sind der Eckbetrag, ab dem im deutschen System die Progressionszone mit einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent endet.<\/p><p>Seit 2007 gibt es jedoch eine zus&auml;tzliche Stufe, die derzeit bei 277.826 Euro pro Jahr liegt, und ab der ein Grenzsteuersatz von 45 Prozent gilt. Auch wenn diese Stufe umgangssprachlich gerne als &bdquo;Reichensteuer&ldquo; bezeichnet wird, sind diese 45 Prozent der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer. Bei all diesen Zahlen geht es &uuml;brigens nicht &ndash; wie S&ouml;der und <em>BILD<\/em> behaupten &ndash; um das Bruttoeinkommen, sondern um das zu versteuernde Einkommen. Somit sind auch die &bdquo;70.000 Euro&ldquo; so nicht richtig, je nach steuerlicher Situation f&auml;llt der Grenzsteuersatz von 42 Prozent &ndash; wie gesagt nicht der Spitzensteuersatz &ndash; vielmehr ab einem Jahresbrutto von ca. 84.000 Euro an. Aber das sind Nebens&auml;chlichkeiten.<\/p><p>Spannender ist die Frage, warum der wirkliche Spitzensteuersatz in Deutschland so gut wie nie erw&auml;hnt und schon gar nicht diskutiert wird. Hier w&auml;re ja in der Tat Spielraum nach oben und wenn wir &uuml;ber Bruttoeinkommen von mehr als 280.000 Euro pro Jahr reden, sind davon auch ganz sicher nicht die Facharbeiter und Handwerksmeister betroffen, die von S&ouml;der und <em>BILD<\/em> als potenzielle Opfer ins Spiel gebracht werden. Das sind Nebelkerzen.<\/p><p>Kommen wir aber zur polemischen Frage zur&uuml;ck, wer und was denn eigentlich &bdquo;reich&ldquo; ist. Und hier wird es f&uuml;r Louis Klamroth peinlich. Nat&uuml;rlich ist ein Arbeitnehmer, der 70.000 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen hat, nicht automatisch reich. In meinem Buch <a href=\"https:\/\/westendverlag.de\/Wem-gehoert-Deutschland\/2067\">&bdquo;Wem geh&ouml;rt Deutschland?&ldquo;<\/a> weise ich dazu auf die gerade in Metropolregionen gar nicht so seltenen F&auml;lle der &bdquo;reichen Armen&ldquo; hin. Das kann beispielsweise ein angestellter Ingenieur, IT-ler oder Anwalt sein, der in M&uuml;nchen zur Miete wohnt. Von den 70.000 Euro fallen dann 18.264 Euro Einkommensteuer an, bleiben 51.736 Euro netto pro Jahr, also 4.300 Euro netto pro Monat, von denen dann bei guter Wohnsituation auch mal 2.000 Euro f&uuml;r die Miete samt Nebenkosten abgehen k&ouml;nnen und somit 2.300 Euro verf&uuml;gbares Einkommen pro Monat bleiben. Sicher, davon kann man auch in M&uuml;nchen leben. Aber &bdquo;Reichtum&ldquo; sieht dann doch anders aus.<\/p><p>Wirklich reich k&ouml;nnte beispielsweise sein Vermieter sein. Der hat &ndash; um im Beispiel zu bleiben &ndash; mehrere H&auml;user und ein gro&szlig;es Geldverm&ouml;gen von seinen Eltern geerbt und da er von diesem geerbten Verm&ouml;gen zehrt, muss er nicht arbeiten, um sich einen luxuri&ouml;sen Lebensstil zu leisten. Und nun raten Sie mal, wie hoch das zu versteuernde Jahreseinkommen dieses zweifelsohne Reichen ist! Wenn er einen guten Steuerberater hat, k&ouml;nnte es bei null Euro liegen, schlie&szlig;lich werden Kapitaleink&uuml;nfte in Deutschland im Rahmen einer Abgeltungssteuer von pauschal 25 Prozent gesondert erhoben. Auch wenn es freilich eine Korrelation zwischen Verm&ouml;gen und Einkommen gibt, ist das Einkommen isoliert betrachtet kein Indikator f&uuml;r Reichtum. Das sollte Louis Klamroth, Sohn des erfolgreichen und sicher verm&ouml;genden Schauspielers Peter Lohmeyer und Lebensgef&auml;hrte der Million&auml;rstochter Luisa Neubauer, eigentlich wissen. Und Markus S&ouml;der? Der m&uuml;sste es auch wissen. Nicht weil er Ministerpr&auml;sident Bayerns ist, sondern weil seine Gattin selbst <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Baum%C3%BCller_(Unternehmen)\">Erbin eines Gro&szlig;verm&ouml;gens<\/a> ist und zu den reichsten Deutschen geh&ouml;rt.<\/p><p>Wir halten also fest: Da &bdquo;streiten&ldquo; sich zwei &bdquo;Reiche&ldquo; anhand der Einkommens- und nicht der Verm&ouml;gensfrage dar&uuml;ber, wo Reichtum beginnt, und die <em>BILD<\/em> &ndash; ma&szlig;geblich gesteuert von den Milliard&auml;ren Friede Springer und Mathias D&ouml;pfner &ndash; streut weitere Nebelkerzen in den verkorksten Diskurs ein. Und wie reagiert die &Ouml;ffentlichkeit? Die haut &ndash; zumindest in den &bdquo;sozialen Nerzwerken&ldquo; &ndash; auf den ungl&uuml;cklichen Louis Klamroth ein, der &ndash; wenn auch t&ouml;lpelhaft &ndash; zumindest auf die Ungleichheit in Deutschland hingewiesen hat. Die argumentative Linie: Wer &bdquo;die Reichen&ldquo; st&auml;rker besteuern will, will dem Facharbeiter und dem Handwerksmeister ans Leder. Ja, die Nebelkerzen verfangen.<\/p><p>Und wieder einmal sprechen alle &uuml;ber Einkommen und niemand &uuml;ber Verm&ouml;gen. Dabei fu&szlig;t die Ungleichheit und die Ungerechtigkeit des deutschen Steuersystems doch darauf, dass die Arbeitseinkommen der werkt&auml;tigen Bev&ouml;lkerung die Verf&uuml;gungsmasse sind, aus der nicht nur der Staat &uuml;ber die Einkommensteuer, sondern auch die Sozialsysteme &uuml;ber die Abgaben ma&szlig;geblich finanziert werden, w&auml;hrend die Verm&ouml;gen in Deutschland &uuml;berhaupt nicht besteuert werden und auch nicht zur Finanzierung des Sozialsysteme herangezogen werden. Das ist das eigentliche Thema! Auch wenn das jetzt zugegebenerma&szlig;en platt klingt: Wer &uuml;ber Reichtum spricht, darf zu den Verm&ouml;gen nicht schweigen. <\/p><p><small>Titelbild: Screenshot Arena\/ARD<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/d47b145bd42141629eb462c12e71d9b7\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer h&auml;tte es f&uuml;r m&ouml;glich gehalten? Die Verteilungsfrage erlebte in dieser Woche doch tats&auml;chlich ihr Comeback in den &bdquo;sozialen Netzwerken&ldquo;. Ausl&ouml;ser war ein durchaus als ungl&uuml;cklich zu bezeichnender Satz des ARD-Moderators Louis Klamroth in einer Sendung mit Markus S&ouml;der. Es ging verk&uuml;rzt gesagt um die Frage, bei welchem Einkommen &bdquo;Reichtum&ldquo; anf&auml;ngt. 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