{"id":149833,"date":"2026-04-30T13:00:06","date_gmt":"2026-04-30T11:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149833"},"modified":"2026-04-30T14:51:09","modified_gmt":"2026-04-30T12:51:09","slug":"man-will-uns-weismachen-s-bahn-zuege-zu-kaufen-waere-ein-hexenwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149833","title":{"rendered":"\u201eMan will uns weismachen, S-Bahn-Z\u00fcge zu kaufen, w\u00e4re ein Hexenwerk.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Ausschreibung von Teilen der Berliner S-Bahn verschlingt mindestens 20 Milliarden Euro und ein Ende des Verfahrens ist nicht in Sicht. Weil der unterlegene Bieter klagt, k&ouml;nnen die Sieger nicht mit dem Bauen neuer Fahrzeuge starten, weshalb die alten Baureihen teuer und zeitraubend aufger&uuml;stet werden m&uuml;ssen. Carl Wa&szlig;muth vom B&uuml;ndnis &bdquo;Bahn f&uuml;r alle&ldquo; hat das Chaos kommen sehen, noch ehe mit der Verlosung losgelegt wurde. Die gr&ouml;&szlig;te Niete h&auml;tten wie immer die Fahrg&auml;ste und Steuerzahler gezogen, w&auml;hrend selbst der Verlierer mit leistungslosen Profiten rechnen k&ouml;nne, schildert er im Interview mit den <em>NachDenkSeiten<\/em>. Seine Diagnose: Umverteilung von unten nach oben. Sein Gegenrezept: Kommunalisierung. Mit ihm sprach <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em><strong>Zur Person<\/strong><\/em><\/p><p><em>Carl Wa&szlig;muth, Jahrgang 1969, ist Bauingenieur, Infrastrukturexperte und Sprecher bei &bdquo;Bahn f&uuml;r alle&ldquo; unter dem Dach des Vereins &bdquo;Gemeingut in B&uuml;rgerInnenhand (GiB)&ldquo;, den er mitgegr&uuml;ndet hat. Dieser setzt sich f&uuml;r die Demokratisierung der Daseinsvorsorge und f&uuml;r die gesellschaftliche Verf&uuml;gung &uuml;ber G&uuml;ter wie Wasser, Bildung, Mobilit&auml;t und Gesundheit ein.<\/em><\/p><p><strong>Herr Wa&szlig;muth, <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1199140.berlin-fuer-s-bahnen-heisst-es-wieder-ab-in-die-werkstatt.html\">1.000 Wagen der Baureihe 481<\/a> der Berliner S-Bahn m&uuml;ssen in den kommenden Jahren in die Werkstatt, um mit jeweils Hunderten Metern an neuen Kabeln best&uuml;ckt zu werden. Eigentlich wollte man den Typ l&auml;ngst aus dem Verkehr gezogen haben. Im Rahmen einer 2020 gestarteten Ausschreibung sollten sowohl der Betrieb zweier Teilst&uuml;cke des Gesamtnetzes als auch die Fahrzeugbeschaffung neu vergeben werden. Das Verfahren selbst kam bereits mit geh&ouml;rigem Verzug in die G&auml;nge und k&ouml;nnte sich bis zur endg&uuml;ltigen Entscheidung noch mehrere Jahre hinziehen. Um im Bild zu bleiben: Wer hat bei all dem eigentlich die l&auml;ngste Leitung?<\/strong><\/p><p>Wir hatten jetzt sage und schreibe 25 Verschiebungen in diesem Vergabeverfahren, und trotzdem klagt am Ende mit Alstom der unterlegene Bieter, und das mit guter Aussicht auf Erfolg. Wer da nicht merkt, dass etwas schiefgelaufen ist, der hat mehr als nur eine lange Leitung. Albert Einstein hat einmal angemerkt, es w&auml;re die Definition von Wahnsinn, das Gleiche immer und immer wieder zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten.<\/p><p><strong>W&auml;re es stattdessen weiterhin m&ouml;glich, das ganze Verfahren einfach abzubrechen, nach all den Jahren?<\/strong><\/p><p>Wir haben das juristisch untersuchen lassen. Die &ouml;ffentliche Hand ist und bleibt Herrin des Verfahrens. In der Politik herrscht allerdings oft das &bdquo;sunk-cost&ldquo;-Prinzip vor, der Grundsatz, versunkenden Geldern und verstrichener Zeit weiter Zeit und Geld nachzuwerfen &ndash; weil man schon so viel davon verplempert hat. Das ist ein klassischer Trugschluss. Ob Zeit und Geld gut oder schlecht investiert sind, hat allein mit der Sache zu tun. Und die Sache, die Ausschreibung, ist in diesem Fall von Anfang an bis heute verkorkst.<\/p><p><strong>Gibt es seitens der Senatsparteien, CDU und SPD, gar keine Anzeichen, dass sie vielleicht doch die Rei&szlig;leine ziehen wollen?<\/strong><\/p><p>Die CDU hat einen Spitzenkandidaten, Kai Wegner, mit akutem Glaubw&uuml;rdigkeitsproblem, Stichwort Tennisgate. Die SPD stand in Umfragen zeitweise auf Platz f&uuml;nf, wird wom&ouml;glich also das f&uuml;nfte Rad am Berliner Parteienwagen. Jetzt k&ouml;nnen die sagen, schei&szlig; drauf, wir haben eh keinen Bock mehr auf Regieren. Oder sie versprechen den Menschen wenigstens ein Fitzelchen an Positivem. Zum Beispiel, dass sie in Sachen S-Bahn einschreiten.<\/p><p><strong>Was ist mit der Opposition?<\/strong><\/p><p>Bettina Jarasch von den Gr&uuml;nen hat uns als Verkehrssenatorin bei einer Unterschriften&uuml;bergabe versprochen, bei der Deutschen Bahn zu fragen, was es kostet, ihr die S-Bahn Berlin abzukaufen. Zwei Monate sp&auml;ter war sie weg vom Fenster im Zuge der Wiederholungswahl. Jetzt ist sie wieder Spitzenkandidatin. Sie k&ouml;nnte weitermachen, wo sie aufgeh&ouml;rt hatte. Und Die Linke ist gar nicht mehr dieselbe wie vor zehn Jahren. Harald Wolf, Klaus Lederer und die ganzen Privatisierungskonsorten &ndash; alle weg. Mit der personellen Erneuerung hat auch eine inhaltliche Erneuerung eine Chance. Eine Mehrheit will die Kommunalisierung.<\/p><p><strong>Stellen Sie sich das mit der Kommunalisierung der S-Bahn nicht zu einfach vor?<\/strong><\/p><p>Es wird versucht, uns weiszumachen, S-Bahn-Z&uuml;ge zu kaufen, w&auml;re ein Hexenwerk. Ein S-Bahn-Netz zuverl&auml;ssig zu betreiben, S-Bahn-Z&uuml;ge zu entwickeln und zu bauen &ndash; das ist kompliziert. Aber kaufen? Es wurde ja sogar eine Wagenreihe brandneu entwickelt! Man muss nicht viel mehr machen als einen Zettel nehmen und draufschreiben: &bdquo;noch mal 1.400 Wagen von der 484er-Reihe&ldquo;. Es ist auch kein Geheimnis, was so was kostet. Ein Sitzplatz in einer S-Bahn kostet bundesweit 15.000 bis 20.000 Euro, in einem ICE 100.000 Euro. Da kann man rechnen: 1.400 Wagen mal 24 Sitzpl&auml;tze mal 20.000 Euro macht 672 Millionen Euro.<\/p><p>Das ist sehr, sehr viel weniger als die 20 Milliarden Euro, von denen die Rede ist. Und dann bekommen Berlin und Brandenburg ja auch Geld vom Bund, um S-Bahnen fahren zu lassen, die sogenannten Regionalisierungsmittel. Jetzt kommt noch was f&uuml;rs Deutschlandticket dazu. Das waren zuletzt zusammen 685 Millionen Euro im Jahr. Daraus wurde der S-Bahn-Betrieb bisher finanziert, und das wird auch zuk&uuml;nftig m&ouml;glich sein.<\/p><p>F&uuml;r eine Direktvergabe m&uuml;ssen Berlin und Brandenburg laut EU-Recht einen ma&szlig;geblichen Einfluss auf das Gesch&auml;ft aus&uuml;ben. Das geht durch Kauf von 51 Prozent der Anteile, man kann die Mehrheit im Aufsichtsrat auch anders sicherstellen. Geht also alles. Wir fordern auch, dass das Schienennetz der S-Bahn ans Land Berlin geht. Die DB-Netzgesellschaft InfraGo l&auml;sst die Infrastruktur seit Jahren verlottern und verlangt trotzdem Mondpreise f&uuml;r die Nutzung, fast wie f&uuml;r ICE-Fahrten. Berlin will das Netz aber im Topzustand haben, st&ouml;rungsfrei.<\/p><p><strong>Welche Vorteile h&auml;tte die Kommunalisierung noch: f&uuml;rs Land Berlin, f&uuml;r die Fahrg&auml;ste, die Steuerzahler?<\/strong><\/p><p>Die Vorteile w&auml;ren immens. Das Netz k&ouml;nnte weiter ausgebaut werden. Zwischen dem Betrieb von Schienen und Verkehr w&uuml;rden Synergieeffekte entstehen statt Reibung wie bisher. Vor allem aber w&uuml;rden wir viele Milliarden Euro sparen, die K&uuml;rzungen im Sozial- und Kulturbereich k&ouml;nnten zur&uuml;ckgenommen werden.<\/p><p><strong>Nach offiziellen Angaben soll das Projekt 20 Milliarden Euro kosten. Die urspr&uuml;ngliche Ansage lautete einmal acht Milliarden Euro, verbunden mit dem Versprechen, 800 Millionen Euro gegen&uuml;ber einer rein staatlichen Beschaffungsma&szlig;nahme einzusparen. Was l&auml;sst das Ganze finanziell so aus dem Ruder laufen? <\/strong><\/p><p>Ich w&uuml;rde nicht sagen, dass das aus dem Ruder l&auml;uft. Das ist nur unsere Sicht als Steuerzahler. Tats&auml;chlich l&auml;uft alles planm&auml;&szlig;ig so wie bei jeder &Ouml;ffentlich-Privaten Partnerschaft, jedem &Ouml;PP. Diesen Plan hat die private Strategie- und Managementberatung KCW erstellt, formell im Auftrag der damaligen Verkehrssenatorin Regine G&uuml;nther von den Gr&uuml;nen. Erinnern Sie sich noch an die? Falls nein &ndash; nicht traurig sein, das ist typisch f&uuml;r &Ouml;PP. Irgendein Nobody kommt ins Amt, steckt das gr&ouml;&szlig;te Vorhaben in seinem Ressort in ein &Ouml;PP und verschwindet wieder.<\/p><p>Wir m&uuml;ssen uns dar&uuml;ber klar werden, dass es m&auml;chtige Interessen im Privatsektor gibt, die wollen, dass &ouml;ffentliche Daseinsvorsorge immer per &Ouml;ffentlich-Privater Partnerschaft stattfindet. Mit reinen Industrieprodukten l&auml;sst sich l&auml;ngst nicht mehr so einfach viel Geld verdienen. Dazu kommen Konjunkturrisiken, Energiepreisschocks. Die Daseinsvorsorge brauchen wir immer, deswegen dr&auml;ngen sich die Anlagefonds so vehement zwischen uns und die &ouml;ffentliche Hand. Dann flie&szlig;t das Geld stetig und der Staat schirmt die Privaten vor Risiken ab. So war es zuletzt beim Berliner Schulbau, und so soll es wieder bei der Sanierung der Berliner Unis werden &ndash; dem n&auml;chsten Milliardengrab, das SPD und CDU planen. Diese Privatisierungen sind Planwirtschaft f&uuml;r Finanzanleger. Und sie sind immer extrem teuer f&uuml;r die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger.<\/p><p><strong>Sie f&uuml;rchten, dass bei der Berliner S-Bahn das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist?<\/strong><\/p><p>Die Summe von 20 Milliarden Euro wurde schon vor f&uuml;nf Jahren genannt. Das muss allein aufgrund der Inflation heute schon mehr sein. Dann hatte man die Ausschreibung begonnen, als es weltweit noch Nullzinsen gab. Heute gehen wir in Richtung vier Prozent &ndash; das verteuert das Vorhaben ungemein. Die Privaten leihen sich das Geld f&uuml;r den Wagenkauf bei Banken und zahlen sie &uuml;ber 15 bis 30 Jahre zur&uuml;ck &ndash; zuz&uuml;glich Zinsen. Die Summe der Zinsen wird Stand heute die Kosten f&uuml;r die Wagen &uuml;bersteigen. Und nicht zuletzt bezahlen wir eine Armada von Anw&auml;lten, nur, damit Alstom am Ende doch entsch&auml;digt wird f&uuml;rs Gar-Nix-Tun.<\/p><p><strong>So wie einst die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100936\">verhinderten Betreiber der gerichtlich verhinderten Ausl&auml;ndermaut &hellip;<\/a><\/strong><\/p><p>Ja, da war die Rendite auf das eingesetzte Kapital besonders hoch. Tausend Prozent sch&auml;tze ich. Im Sommer ist hier in Berlin eine Investorenmesse mit dem Namen &bdquo;Superreturn&ldquo;. Ich denke, die sind auch dort.<\/p><p><strong>Zur&uuml;ck zur S-Bahn. Der franz&ouml;sische Eisenbahnkonzern Alstom war <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/508151.s-bahn-berlin-schleichend-ins-milliardenloch.html?sstr=alstom\">als Bieter im Vergabepoker leer ausgegangen<\/a>. Anders als das zum Gewinner erkl&auml;rte Konsortium aus Deutscher Bahn (DB), den Herstellern Stadler und Siemens hatte sich der Konkurrent nur auf die Lieferung und Instandhaltung der Fahrzeugflotte beworben, nicht aber f&uuml;r den Betrieb der fraglichen S-Bahn-Teilstrecken Nord-S&uuml;d und Stadtbahn. Weil die Verantwortlichen aus Sorge um eine Zerschlagung der S-Bahn lieber auf eine Gesamtl&ouml;sung setzten, also einen Betreiber f&uuml;rs gesamte Netz in Gestalt der DB-Tochter S-Bahn Berlin GmbH, war Alstom als reiner Wagenbauer, aber ohne &bdquo;Lokf&uuml;hrer&ldquo;, faktisch chancenlos und beschreitet deshalb den Klageweg. Das war mal eine &Uuml;berraschung &hellip;<\/strong><\/p><p>Die Aufteilung auf mehrere Betreiber ist eine der gro&szlig;en Gefahren dieser Ausschreibung. Dass das so gemacht wurde, ist ganz allein dem gr&uuml;nen Wettbewerbsfanatismus geschuldet. Man h&auml;tte auch einfach einen Bieter f&uuml;r alles suchen k&ouml;nnen, das w&auml;re auch schon eine Privatisierung gewesen. Aber nein, es sollte auch richtig chaotisch werden, so wie damals bei der Londoner Metro, die man an zwei unterschiedliche Privatkonsortien abgegeben hatte, f&uuml;r zun&auml;chst 15 Jahre. Nach sieben Jahren ging technisch nichts mehr und Public Transport London musste den Scherbenhaufen zusammenfegen. Die sogenannten Investoren zogen weiter.<\/p><p>Inzwischen ist es so, dass die Ausschreibungsverfahren selbst eine Gelegenheit f&uuml;r die Privaten sind, die Hand aufzuhalten. Man muss als Firma nur gro&szlig; genug sein und die richtigen Anwaltskanzleien besch&auml;ftigen. Alstom macht das &ouml;fter, andere auch. Die BVG entsch&auml;digt st&auml;ndig in Millionenh&ouml;he unterlegene Bieter. Wir m&uuml;ssen verstehen, dass diese Ausschreibungsverfahren keine notwendigen &Uuml;bel sind, sondern bereits elementarer Teil der Umverteilung von unten nach oben.<\/p><p><strong>Am Montag hat die Vergabekammer des Landes Berlin die Alstom-Beschwerde erstmals m&uuml;ndlich verhandelt. &Uuml;ber die Ergebnisse drang bislang nichts an die &Ouml;ffentlichkeit. Womit rechnen Sie?<\/strong><\/p><p>Das wird wohl noch mal drei Jahre dauern. Dass sich das alles verz&ouml;gert, ist ja nur das Problem der Menschen in Berlin und Brandenburg. Die riesigen und hochkonzentrierten Verm&ouml;gen auf der Welt haben Zeit. Sie werden ja auch kaum besteuert, oder gar nicht, wie hier in Deutschland. Die ersten neuen Wagen kommen dann vielleicht in sieben Jahren. Am Anfang hie&szlig; es ja, wir bekommen zus&auml;tzliche Kapazit&auml;ten! Jetzt m&uuml;ssen wir froh sein, wenn ein klein wenig Ersatz da ist, bevor bei den alten K&auml;sten die Achsen brechen.<\/p><p><strong>Ganz zum Anfang der Vorbereitungen, 2016, hie&szlig; es einmal, die neue Flotte k&ouml;nne schon ab 2023 aufs Gleis. Das w&auml;ren dann mal eben zehn Jahre Verzug. Wof&uuml;r?<\/strong><\/p><p>Ganz zum Anfang &ndash; das war sogar schon viel fr&uuml;her. Das meine ich, wenn ich sage, die Riesenverm&ouml;gen haben Zeit. Zwei Jahrzehnte politisch geschaffener Sachzw&auml;nge sind dieser Ausschreibung vorausgegangen. Die Deutsche Bahn AG sollte 2006 bis 2008 an die B&ouml;rse, im Vorfeld des B&ouml;rsengangs maximierte die DB dazu kurzfristige Gewinne und beutete ihre Tochtergesellschaften massiv aus, darunter ihre Tochter S-Bahn Berlin GmbH. Das f&uuml;hrte dort 2009\/2010 zu einem Instandhaltungsstau mit dem Ausfall der H&auml;lfte der Z&uuml;ge.<\/p><p>Im Jahr 2012 schrieb der SPD-CDU-Senat den Betrieb inklusive der Anschaffung neuer Z&uuml;ge aus &ndash; angeblich um dem Monopolisten DB entgegenzutreten. Aber in der Ausschreibung ging es nur um den S-Bahn-Ring als Teilnetz. Das haben viele zu Recht als Privatisierung erkannt und heftig protestiert. Am Verfahren wurde noch gedreht, und schwupps war die DB einziger Bieter, so dass weiter alles in einer Hand blieb. Aber die Sollbruchstelle war geschaffen, die aktuelle Ausschreibung f&uuml;r die anderen Abschnitte des S-Bahn-Netzes liegen in der Logik des Verfahrens von 2012. Zwischendurch wurde Kritik immer mal wieder abgeb&uuml;gelt mit dem Hinweis, daf&uuml;r w&auml;re jetzt keine Zeit mehr. Wenn wir jetzt auf die Suche nach Alternativen gehen w&uuml;rden, w&uuml;rden wir die rechtzeitige Lieferung gef&auml;hrden. Wir, damit waren wir B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger gemeint.<\/p><p><strong>Immerhin verlangt auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), <a href=\"https:\/\/www.evg-online.org\/aktuelles\/artikel\/s-bahn-berlin-vergabeverfahren-gescheitert-fahrgaeste-und-beschaeftigte-zahlen-den-preis\/\">&bdquo;dieses dilettantische Verfahren&ldquo;<\/a> zu beenden. Das Wort Verstaatlichung nimmt die EVG allerdings nicht in den Mund. Stehen Sie mit Ihrer Forderung nicht ziemlich alleine da? <\/strong><\/p><p>Es gibt zum Gl&uuml;ck inzwischen auch Forderungen in der SPD, das Verfahren abzubrechen und die S-Bahn zu kommunalisieren &ndash; samt Schienennetz. Und auch bei den Gewerkschaften ist viel Bewegung. Auch bei der IG Metall, die die Besch&auml;ftigten im Schienenfahrzeugbau vertritt. Vor zwei Jahren habe ich mit einem DGB-Vertreter gesprochen. Der fand die Ausschreibung einen Riesenfehler, sah aber wenig Chancen, sie zu stoppen. Nur im Fall, dass noch einmal eine neue Klage von Alstom kommt, k&ouml;nnte die &ouml;ffentliche Aufmerksamkeit gro&szlig; genug werden. Nun, diesen Fall haben wir jetzt.<\/p><p><strong>Worauf also muss es ankommen im Vorfeld der Abgeordnetenhaushauswahl?<\/strong><\/p><p>Wir fordern die Parteien auf, klar zu sagen, welche Vorstellung sie f&uuml;r die S-Bahn Berlin haben. Wenn sie sagen &bdquo;weiter so schlecht wie wir es bisher gemacht haben&ldquo;, dann k&ouml;nnen die Menschen sich an der Wahlurne danach richten. Am 9. Juni laden wir Regierungschef Kai Wegner und den SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach zu einem &ouml;ffentlichen Gespr&auml;ch zur S-Bahn ein, und auch Bettina Jarasch von den Gr&uuml;nen und Elif Eralp von den Linken. Wir werden sehen, wer kommt, und was sie uns sagen.<\/p><p><small>Titelbild: Mo Photography Berlin\/shutterstock.com<\/small><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/aa09bec9388541aa8a7a81394de4155a\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ausschreibung von Teilen der Berliner S-Bahn verschlingt mindestens 20 Milliarden Euro und ein Ende des Verfahrens ist nicht in Sicht. Weil der unterlegene Bieter klagt, k&ouml;nnen die Sieger nicht mit dem Bauen neuer Fahrzeuge starten, weshalb die alten Baureihen teuer und zeitraubend aufger&uuml;stet werden m&uuml;ssen. 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