{"id":14986,"date":"2012-11-07T17:18:49","date_gmt":"2012-11-07T16:18:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14986"},"modified":"2015-05-05T10:53:10","modified_gmt":"2015-05-05T08:53:10","slug":"ard-satire-gipfel-vom-05-11-2012-neues-vom-toten-pferd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14986","title":{"rendered":"ARD Satire-Gipfel vom 05.11.2012: Neues vom toten Pferd"},"content":{"rendered":"<p>Satire im Ersten west dahin wie das tote Pferd an der deutsch-&ouml;sterreichischen Grenze in dem bekannten Gottschalk-Witz. Doch anders als die Grenzbeamten beider Nationalit&auml;ten scheuen sich beim Satire-Gipfel die Verantwortlichen auf beiden Seiten, den Kadaver mit einem wehm&uuml;tigen &bdquo;in memoriam Scheibenwischer&ldquo; endlich zu verscharren. Weder gelingt es dem bestallten Moderator, Dieter Nuhr, den einst zugkr&auml;ftigen Gaul des politischen Kabaretts im Ersten zu reanimieren, noch macht die Programmdirektion Schluss mit der Schinderei.<br>\nEs bl&auml;hen sich die N&uuml;stern im Neid auf den Satire-S&auml;uregrad und die analytische Sprungkraft  von &bdquo;Neues aus der Anstalt&ldquo;. Mit  Zweiten sieht man Satire nicht nur besser; man wiehert auch herzhafter. Von <strong>Karin Burger<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nMit dem Vitalit&auml;tsgrad einer Pferdeleiche  agiert Dieter Nuhr am seichten Strand der ARD-Abendunterhaltung: arrogant, satt, arriviert, FDP! Zu Schande geritten durch den Erfolg,  dem ihm die Privatsender als Comedian verpasst haben. So verkommt im &Ouml;ffentlich-Rechtlichen politisches Kabarett zur witzelnde Cavaletti-Arbeit anstelle eines Sprungs &uuml;ber einen satirischen Doppeloxer. Er sagt es selbst: &bdquo; [&hellip;] geht mir am Arsch vorbei!&ldquo; Das merkt man dann auch: apolitische Gags &uuml;ber Hurrikan Sandy und das Ozonloch.  Die Friedhofs-Assoziation (f&uuml;r gescheiterte Weltuntergangsphantasien) muss man einem toten Pferd wohl nur noch nachsehen. <\/p><p><strong>Quotenstute<\/strong><\/p><p>Was den Gaul der ARD-Satire unter wechselnden Etikettierungen so tot geritten hat, ist die komplette Abwesenheit des politischen Witzes und des zornigen satirischen Bisses in alles was faul ist im Staate Deutschland. Da tr&ouml;stet auch die gelungene Performance von Gerburg Jahnke nur wenig. Apolitisch auch sie,  wenngleich die unterhaltsame Beschreibung der Dynamik weiblichen Bindegewebes im Klimakterium vielleicht noch eine gewisse Bindungskraft f&uuml;r m&uuml;de Hausfrauen entfaltet haben d&uuml;rfte. Wenn das aber der Gipfel der ARD-Satire sein soll, dann m&ouml;chte keiner ins Tal schauen m&uuml;ssen!<\/p><p>Auch im zweiten Moderationsblock leidet der Satire-Gipfel unter der bremsenden Kandare der schieren Witze-Stapelei  Nuhrs, der &uuml;ber die Sprungh&ouml;he eines Comedian nicht mehr hinaus kommt:  von japanischen Forschern &uuml;ber die viel zu kurz getaktete Medienkritik hin zum Dobermann und zur argentinischen Ruderente. Nuhr ist nur noch doof. <\/p><p><strong>Marc-Uwe Kling: politisch und atemberaubend<\/strong><\/p><p>Die anspruchsvolle Last des politischen Kabaretts m&uuml;ssen die Nuhr-G&auml;ste ganz alleine tragen. Bescheiden, leise, kraftvoll dabei Marc-Uwe Kling. Ein satirischer Parforceritt durch die schiere Umsortierung von Spruchweisheiten zu deren Emittenten: Merkel, Euro-Rettungsschirm, Standard &amp; Poors, Afghanistan und ein Syrien-Diktum, dessen zutreffender Zynismus dem Zuschauer das Lachen in den Hals zur&uuml;ckstopfte; &bdquo;Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute: aus dem Abschlussbericht der UN-Beobachter in Syrien.&ldquo; Gipfel-Arbeit!<\/p><p><strong>Max Uthoff: aktuelle Referenzen<\/strong><\/p><p>Gute Zugarbeit auch von Gastgaul Max Uthoff, dem man sofort glauben w&uuml;rde, den Scheibenwischer noch selbst gesehen zu haben. Die eher au&szlig;enpolitischen Orientierung Klings gleicht er mit dem innenpolitischen und bayernzentrierten Blick auf Seehofer, S&ouml;der, Dobrindt aus. Hier verdichten sich Gags zu roten F&auml;den, die immer wieder durchschimmern. Dynamik in der politischen Analyse und Kreativit&auml;t in deren Darstellung kulminieren in dem herrlichen Spiel &bdquo;Des traust di net&ldquo; des Seehofer-Umfelds. Der Zuschauer wird mitgerissen von der nicht digitalen Interaktion aus seinem Wissen:  Der bayerische Ministerpr&auml;sident traut(e) es sich doch!<\/p><p><strong>Andreas Rebers: artikulatorische Meisterleistung<\/strong><\/p><p>Es geh&ouml;rt zu den ewigen Ungerechtigkeiten auf dem Pferdefriedhof der ARD-Satire, dass Rebers zwar fast in jedem Gipfel einen Auftritt hat, ihm aber nicht schon l&auml;ngst und verdient die Moderation &uuml;bertragen wurde. Die Schmerzhaftigkeit seiner verl&auml;sslichen satirischen Huftritte ist so nachhaltig, dass ihm die apolitische Performance in diesem Satire-Gipfel auch nicht gegen den Strich striegeln kann. Daf&uuml;r war die artikulatorische Meisterleistung, mit perfektionierten Sprachfehlern zu singen, zu beeindruckend. <\/p><p>Die Zugg&auml;ule leisteten also durchgehend ehrliche und den Anspruch des politischen Kabaretts streckenweise gut deckende Arbeit, die wie im Falle von Kling punktuell Schramm-Sch&auml;rfe erreichte.<br>\nAber auf dem Kutschbock kaspert Nuhr nur herum, der matte Satte, dem das alles, wir erinnern uns, am Arsch vorbeigeht. Dem Kind im Nuhr-Manne brennt nur noch an einer Stelle der Gaul durch, als er seine Bier-App vorf&uuml;hren darf. In vergleichbar m&uuml;hsamen Runden wie beim Ponyreiten f&uuml;hrt er sie wieder und wieder vor. Und er kann die Faszination an dieser Technik auch begr&uuml;nden: &bdquo;Denken ist eine Wahrnehmungst&auml;uschung.&ldquo;<br>\nDas w&auml;re dann die zutreffende Diagnose auf dem Totenschein des ARD-Satiregauls!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Satire im Ersten west dahin wie das tote Pferd an der deutsch-&ouml;sterreichischen Grenze in dem bekannten Gottschalk-Witz. Doch anders als die Grenzbeamten beider Nationalit&auml;ten scheuen sich beim Satire-Gipfel die Verantwortlichen auf beiden Seiten, den Kadaver mit einem wehm&uuml;tigen &bdquo;in memoriam Scheibenwischer&ldquo; endlich zu verscharren. 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