{"id":149982,"date":"2026-05-06T09:00:11","date_gmt":"2026-05-06T07:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149982"},"modified":"2026-05-06T10:01:23","modified_gmt":"2026-05-06T08:01:23","slug":"fahne-im-wind-der-regierung-zdf-heute-journal-fragt-ob-die-bundeswehr-bis-2029-kriegstuechtig-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149982","title":{"rendered":"Fahne im Wind der Regierung: ZDF heute journal fragt, ob die Bundeswehr bis 2029 \u201ekriegst\u00fcchtig\u201c ist"},"content":{"rendered":"<p>Wem ist das ZDF heute journal verpflichtet? Dem Journalismus? Oder der Bundeswehr und der Regierung? Gewiss, die Frage ist rein rhetorischer Natur. Was die Macher des Nachrichtenflaggschiffs sich leisten, ist seit langem zu sehen. Regierungspropaganda, wo herrschaftskritischer Journalismus gefragt w&auml;re &ndash; das ist, immer wieder, das Programm. <a href=\"https:\/\/x.com\/xfyxolott\/status\/2051542350845837625\">Gestern Abend dann ein Beitrag, der direkt von der Regierung oder aus der Pressestelle der Bundeswehr stammen k&ouml;nnen.<\/a> Offene Parteinahme im Nachrichtenjournalismus eines &ouml;ffentlich-rechtlichen Senders: Journalismus &ndash; das war einmal. Zuschauer bezahlen den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk f&uuml;r Journalismus. Sie erhalten aber ein St&uuml;ck in Ideologie getr&auml;nkte Propaganda. Eine Kurzanalyse von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_768\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-149982-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260505-Fahne-im-Wind-der-Regierung-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260505-Fahne-im-Wind-der-Regierung-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260505-Fahne-im-Wind-der-Regierung-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260505-Fahne-im-Wind-der-Regierung-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=149982-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260505-Fahne-im-Wind-der-Regierung-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260505-Fahne-im-Wind-der-Regierung-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>&bdquo;Die Bundeswehr &ndash; sie k&auml;mpft an verschiedenen Fronten&ldquo;, hei&szlig;t es in einem Beitrag des heute journal, w&auml;hrend ein Panzer zu sehen ist, der gerade losfeuert. &bdquo;Geld ist da&ldquo;, sagt die Stimme aus dem Off. Und: &bdquo;Aber die Beschaffung zahlreicher Waffen und Ausr&uuml;stung dauert zu lange. Und auch beim Personal m&uuml;sste es schneller gehen.&ldquo;<\/p><p>Dem Zuschauer dr&auml;ngt sich die Frage auf: Wer sagt das? Wer spricht da? Hat den Text zu dem Beitrag ein Pressesprecher der Bundeswehr oder der Regierung geliefert? Was die Redaktion des heute journal in diesen Zeilen an die Zuschauer herantr&auml;gt, ist das, was die Politik sagt. <\/p><p>Journalisten d&uuml;rfen diese Positionierung weitergeben. Sie d&uuml;rfen sie zitieren, direkt oder indirekt &ndash; allerdings sollten dann die Aussagen im Konjunktiv stehen. <\/p><p>Schon der erste Satz, wonach die Bundeswehr an &bdquo;verschiedenen Fronten&ldquo; k&auml;mpfe, l&auml;sst erkennen, was hier passiert. Die Bundeswehr mag zwar an verschiedenen Fronten &bdquo;k&auml;mpfen&ldquo;, aber: Ob dieser &bdquo;Kampf&ldquo; &uuml;berhaupt notwendig ist &ndash; diese Frage hat das heute journal offensichtlich l&auml;ngst f&uuml;r sich beantwortet. &Uuml;berraschung: Die unterschwellig transportierte Antwort entspricht ganz der Ansicht von Regierung und Bundeswehr. <\/p><p>Wir alle kennen die Litanei bez&uuml;glich einer Bundeswehr, die dringend mehr, mehr und noch mehr brauche und &uuml;berhaupt &bdquo;dringend&ldquo; modernisiert werden solle.<\/p><p>Doch dieser Satz war nur die Ouvert&uuml;re des Teilausschnitts aus einem Beitrag, der als offene Parteinahme interpretiert werden kann. Die &bdquo;Beschaffung zahlreicher Waffen und Ausr&uuml;stung dauert zu lange&ldquo; und &bdquo;auch beim Personal muss es schneller gehen&ldquo;. <\/p><p>Warum denn das? Warum muss es denn beim Personal &bdquo;schneller gehen&ldquo;? Und wieso dauert die Waffenbeschaffung &bdquo;zu lange&ldquo;? <\/p><p>Nochmal die Frage: Wer spricht hier? Journalisten? Oder Pressesprecher? <\/p><p>Grundlegende Fragen, die dringend, zwingend von Journalisten zu stellen w&auml;ren, werden in diesem heute-journal-Beitrag nicht einmal auch nur im Ansatz angedacht &ndash; geschweige denn ausformuliert. <\/p><p>Zur Erinnerung an Journalisten: Dass es beim Personal schneller gehen muss, ist die Ansicht der Regierung und des Verteidigungsministers. Dass es bei der Beschaffung von Waffen und Ausr&uuml;stung schneller gehen muss, ist ebenfalls die Ansicht der Regierung und gewisser Legitimationsexperten. Und um es ganz klar zu machen: All das ist eine <em>Ansicht<\/em>. Diese Ansicht darf die Politik vertreten &ndash; auch wenn sie weitestgehend ziemlich dumm und vor allem in Anbetracht des politischen Gro&szlig;vorhabens Kriegst&uuml;chtigkeit gef&auml;hrlich ist. <\/p><p>Diese Ansicht d&uuml;rfen sich auch Journalisten in einem Kommentar zu eigen machen &ndash; auch wenn man sich dabei nur die Augen reiben kann. <\/p><p>Was aber nicht geht: In einem nachrichtlichen Beitrag so zu tun, als ob die Positionierung der Regierung und der Bundeswehr einer unverr&uuml;ckbaren Wahrheit gleichkommt. <\/p><p>Doch genau das passiert in dem heute-journal-Beitrag an dieser Stelle. Keinerlei kritische Distanzierung, keinerlei Abstand. <\/p><p>Und es ist nicht &bdquo;nur&ldquo; diese Stelle, die erkennen l&auml;sst, dass das heute journal einen Beitrag abliefert, der seine Fahne in den Wind der Politik h&auml;ngt. <\/p><p>Es folgt ein Schnitt und der Auftritt von &bdquo;Milit&auml;rexperte&ldquo; Nico Lange, der als Hardliner in Sachen Milit&auml;r und Russlandpolitik bekannt ist. <\/p><blockquote><p><em>Wir haben in Deutschland eine Diskussion, wo wir so tun, wir m&uuml;ssen nur ganz viele Dinge kaufen, und dann sind wir verteidigungsbereit. Das hei&szlig;t doch, realit&auml;tsnah &uuml;ben, zivil-milit&auml;risch &uuml;ben, das hei&szlig;t, eine andere Struktur der Streitkr&auml;fte zu haben, dass hei&szlig;t auch die Wehrpflicht einzuf&uuml;hren. Das ist Verteidigungsbereitschaft. Es geht nicht nur um Geld ausgeben.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Nach diesen Worten geht es weiter mit dem Ausschnitt einer Milit&auml;r&uuml;bung auf einem Truppen&uuml;bungsplatz und von der Stimme aus dem Off ist zu h&ouml;ren: &bdquo;2029 k&ouml;nnte Putin die NATO herausfordern, hei&szlig;t es. Voll einsatzf&auml;hig wird die Bundeswehr bis dahin nicht sein, aber ist sie dann kriegst&uuml;chtig? Hochrangige Kommandeure glauben, es ist der richtige Weg.&ldquo;<\/p><p>Nachdem ein Ausschnitt einer Rede von Generalleutnant Christian Freuding (ebenfalls ein Hardliner) zu sehen ist, folgt wieder eine Filmaufnahme vom Truppen&uuml;bungsplatz und kommentierend ist zu h&ouml;ren: &bdquo;Der europ&auml;ische Teil der NATO muss st&auml;rker werden. Die Bundeswehr versucht, ihren Beitrag zu leisten.&ldquo;<\/p><p>Auch an dieser Stelle die Fragen: Wer spricht hier? Wer sagt, dass der europ&auml;ische Teil der Nato &bdquo;st&auml;rker&ldquo; werden muss? Wer sagt hier einem Millionenpublikum in einem Nachrichtenbeitrag, dass die Bundeswehr &bdquo;versucht&ldquo; ihren Beitrag zu leisten? <\/p><p>Hier sprechen Journalisten. Das sind die Worte einer mit viel Geld geb&uuml;hrenfinanzierten &ouml;ffentlich-rechtlichen Nachrichtensendung. <\/p><p>Bezahlt wird hier f&uuml;r Journalismus. Was der Zuschauer erh&auml;lt, ist &ndash; ob beabsichtigt oder nicht &ndash; ein St&uuml;ck in Ideologie getr&auml;nkte Propaganda. <\/p><p>Auch an dieser Stelle gerinnt die Position der Regierung und der Bundeswehr zur scheinbar &bdquo;objektiven&ldquo; nachrichtenjournalistischen &bdquo;Wahrheit&ldquo;. <\/p><p>Das ist aus journalistischer Sicht unertr&auml;glich. <\/p><p>Auch wenn an einer Stelle durch die Formulierung &bdquo;hei&szlig;t es&ldquo; (&bdquo;2029 k&ouml;nnte Putin die NATO herausfordern&ldquo;) eine gewisse Distanz eingebaut ist: Journalistisch ist der Beitrag auch hier untragbar. <\/p><p>Was hei&szlig;t denn &bdquo;hei&szlig;t es&ldquo;? Nur, weil es von politischer Seite etwas &bdquo;hei&szlig;t&ldquo;, hei&szlig;t das doch nicht, das Journalisten den gr&ouml;&szlig;ten Unfug unhinterfragt, ohne kritische Einordnung verbreiten sollen. <\/p><p>Die ganze Republik wei&szlig; sp&auml;testens seit der Wiedereinf&uuml;hrung des Begriffs <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127039\">&bdquo;kriegst&uuml;chtig&ldquo;<\/a>, dass &bdquo;es hei&szlig;t&ldquo;&hellip; .<\/p><p>Dringend, zwingend m&uuml;ssten Journalisten die Aussage, wonach Putin die NATO angreifen k&ouml;nne, im Hinblick auf die Interessen einer Politik der Aufr&uuml;stung und die Interessen der Kalten Krieger unserer Zeit hinterfragen. Stattdessen ein schwaches &bdquo;hei&szlig;t es&ldquo; &ndash; ohne Gegenstimmen. Und auch der Begriff &bdquo;kriegst&uuml;chtig&ldquo; findet seine Verwendung. Ist sich das <em>ZDF<\/em> der historischen Dimension dieses Begriffs bewusst? &Uuml;berhaupt: Wie kommt das heute journal dazu zu fragen, ob Deutschland bis 2029 &bdquo;kriegst&uuml;chtig&ldquo; ist? Nur weil &bdquo;es hei&szlig;t&ldquo;, dass &hellip;? <\/p><p>Zudem flankiert der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk erneut einen Beitrag mit den Aussagen eines Experten, dessen Ansichten hinl&auml;nglich bekannt sind und im Wesentlichen die Politik der Aufr&uuml;stung und Konfrontation st&uuml;tzen. <\/p><p>Gibt es keine anderen Experten? Mit anderen Ansichten? Wo sind Stimmen, zum Beispiel, aus der Friedensbewegung?<\/p><p>Deutlich wird: Dieser Beitrag hat eine massive journalistische Schlagseite. Keine Perspektivierung, keine Gegenstimmen, keine Grundsatzkritik findet sich darin.<\/p><p>F&uuml;r einen derartigen Beitrag braucht es keinen &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dass k&ouml;nnte &ndash; f&uuml;r weniger Geld &ndash; auch die Regierung oder die Bundeswehr selbst abliefern. Freilich fehlte dann das Siegel &bdquo;Journalismus&ldquo;. <\/p><p>Doch Moment! Wie ist es nach dem Beitrag weitergegangen? Folgte vielleicht doch noch ein &bdquo;kritisches St&uuml;ck&ldquo;? <\/p><p>Nun, was folgte, war ein Interview mit Boris Pistorius &hellip; <\/p><p>Die Linken-Politikerin Ulrike Eifler <a href=\"https:\/\/x.com\/EiflerUlrike\/status\/2051522701471240466\">kommentiert<\/a> den Beitrag auf der Plattform <em>X<\/em> wie folgt: <\/p><blockquote><p><em>Dass die &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender nicht einmal mehr den Eindruck erwecken, als vierte Gewalt die Obrigkeit zu kontrollieren, sondern ihre Berichterstattung bereitwillig der offiziellen Linie der Bundesregierung unterordnen &ndash; auch das ist Teil der Kriegsvorbereitung.<\/em><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wem ist das ZDF heute journal verpflichtet? Dem Journalismus? Oder der Bundeswehr und der Regierung? Gewiss, die Frage ist rein rhetorischer Natur. Was die Macher des Nachrichtenflaggschiffs sich leisten, ist seit langem zu sehen. Regierungspropaganda, wo herrschaftskritischer Journalismus gefragt w&auml;re &ndash; das ist, immer wieder, das Programm. <a href=\"https:\/\/x.com\/xfyxolott\/status\/2051542350845837625\">Gestern Abend dann ein Beitrag, der direkt<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149982\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":149983,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,172,123,183],"tags":[358,1109,893,466,244],"class_list":["post-149982","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-aufruestung","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","tag-bundeswehr","tag-heute","tag-militarisierung","tag-nato","tag-vierte-gewalt"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/260505_mk.png","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/149982","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=149982"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/149982\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":150014,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/149982\/revisions\/150014"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/149983"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=149982"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=149982"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=149982"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}