{"id":150036,"date":"2026-05-07T09:00:26","date_gmt":"2026-05-07T07:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150036"},"modified":"2026-05-07T09:34:29","modified_gmt":"2026-05-07T07:34:29","slug":"pivot-to-asia-schwenk-nach-asien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150036","title":{"rendered":"\u201ePivot to Asia\u201c \u2013 Schwenk nach Asien"},"content":{"rendered":"<p>W&auml;hrend in den Medien vor allem von einer pers&ouml;nlichen Strafaktion Trumps gegen Kanzler Merz die Rede ist, handelt es sich beim angek&uuml;ndigten Truppenabzug aus Deutschland um etwas viel Grundlegenderes: den seit Jahren laufenden strategischen Schwenk der USA nach Asien. Von <strong>Sevim Dagdelen<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIn der medialen Berichterstattung &uuml;ber den von US-Pr&auml;sident Donald Trump angek&uuml;ndigten Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland und das Einfrieren der Stationierungsplanungen f&uuml;r US-Raketen auf deutschem Boden war allzu oft das Argument zu h&ouml;ren, Trump wolle den deutschen Bundeskanzler Merz f&uuml;r seine unbotm&auml;&szlig;igen &Auml;u&szlig;erungen zum Irankrieg bestrafen. Bei n&auml;herem Hinsehen erscheint dies jedoch allenfalls als Legende, die die wahren Gr&uuml;nde des Abzugs verdeckt. <\/p><p><strong>Der langfristige &bdquo;Pivot to Asia&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die Abzugspl&auml;ne ordnen sich in eine langfristige strategische Umorientierung der USA nach Asien ein, die wenig mit der Person Trump zu tun hat. Bereits 2011 unter dem demokratischen Pr&auml;sidenten Obama vollzogen die USA den &bdquo;Pivot to Asia&ldquo;. In der Folge wurde der &ouml;konomische Aufstieg Chinas als das zentrale strategische Problem f&uuml;r die USA wahrgenommen. Dieser Aufstieg sollte durch die Reaktivierung alter Verb&uuml;ndeter, eine gest&auml;rkte globale Rolle der NATO und neue Stationierungsplanungen von US-Truppen zumindest gebremst werden.<\/p><p>Unter der Pr&auml;sidentschaft von Trump haben sich die Verst&auml;rkungen der US-Milit&auml;rbasen an der zweiten Inselkette zur Eind&auml;mmung Chinas massiv beschleunigt. Aktuelle Planungen sehen eine Aufstockung der Zahl der US-Milit&auml;rangeh&ouml;rigen und ihrer Familien um 300 Prozent auf 33.000 Personen vor. In den n&auml;chsten zehn Jahren ist ein weiterer Aufwuchs um 10.000 US-Soldaten geplant. Europa muss angesichts dieses massiven Aufbaus &ndash; trotz einer generellen Erh&ouml;hung der US-Truppenst&auml;rke im Ausland &ndash; seinen Beitrag leisten und US-Truppen substituieren, etwa durch eine deutsche Milit&auml;rstrategie, die die Bundeswehr bis 2039 zur st&auml;rksten Armee Europas machen soll.<\/p><p><strong>US-Festung Pazifik<\/strong><\/p><p>Zus&auml;tzlich sollen US-Raketen auf der Insel Guam stationiert werden, sodass mittelfristig eine regelrechte US-Festung entsteht: Von dort aus w&auml;re das chinesische Festland mit Mittelstreckenraketen erreichbar und gleichzeitig durch ein Abwehrraketensystem gesch&uuml;tzt. Allein f&uuml;r das Haushaltsjahr 2026 sind eine Milliarde US-Dollar in milit&auml;rische Bauprojekte auf Guam vorgesehen. Der Milit&auml;rflugplatz wurde bereits f&uuml;r 200 Kampfjets und US-Bomber modernisiert.<\/p><p>Es geht aber nicht nur um Guam. Auch auf der Insel Tinian entsteht eines der bedeutendsten Projekte: Die USA investieren fast 800 Millionen US-Dollar, um das historische North Field &ndash; von dem im Zweiten Weltkrieg die Atombomber starteten &ndash; zu reaktivieren. Es soll als Ausweichst&uuml;tzpunkt f&uuml;r Guam dienen.<\/p><p>Auf weiteren Inseln der n&ouml;rdlichen Marianen wie Saipan und Rota werden alte US-Basen aus dem Zweiten Weltkrieg modernisiert. Im Rahmen der Pacific Deterrence Initiative (PDI) werden zudem Basen auf den Philippinen und in Palau (etwa auf der Insel Yap mit Investitionen von zwei Milliarden US-Dollar) f&uuml;r einen m&ouml;glichen US-Krieg gegen China vorbereitet. <\/p><p><strong>Arbeitsteilung in der NATO<\/strong><\/p><p>Vor dem Hintergrund dieser massiven US-Milit&auml;rinvestitionen im Pazifik ist eine Abwendung von Europa nur folgerichtig. Allerdings wird oft &uuml;bersehen, dass es sich lediglich um einen Teilabzug handelt, der etwas mehr als ein Zehntel der in Deutschland stationierten US-Kr&auml;fte betrifft. Die Raketenstationierung soll nur aufgeschoben und teilweise durch den geplanten Verkauf von US-Tomahawk-Raketen an Deutschland substituiert werden &ndash; eine elegante Externalisierung der Kosten.<\/p><p>Genau darin besteht das politische Kunstst&uuml;ck der USA, das sie in Europa vollbringen und das man auch als Arbeitsteilung in der NATO zur Durchsetzung von US-Interessen beschreiben kann: Um die Verb&uuml;ndeten zu weiteren R&uuml;stungsanstrengungen gegen Russland zu zwingen, eignet sich der eigene Teilabzug hervorragend. Gleichzeitig wird die Dominanz in der NATO sogar noch verst&auml;rkt, indem die Ressourcen der Vasallen noch st&auml;rker auf die Durchsetzung strategischer US-Ziele ausgerichtet werden. <\/p><p>Von einer vielbeschworenen Krise der NATO kann daher keine Rede sein. Die deutsche Bundesregierung fordert im Grunde genau das, was die USA von ihr in Europa verlangt. Lediglich beim Krieg in Westasien gegen den Iran gibt es unterschiedliche Akzente. Die USA erwarten von Berlin eine st&auml;rkere Beteiligung am Krieg, die &uuml;ber die Bereitstellung der US-Nachschubbasen in Deutschland hinausgeht. Doch auch hier haben Bundeskanzler Merz und Verteidigungsminister Pistorius Verhandlungsbereitschaft signalisiert. <\/p><p>Das in den Medien h&auml;ufig angef&uuml;hrte Argument, eine Aufr&uuml;stung Europas oder die &bdquo;St&auml;rkung des europ&auml;ischen Pfeilers der NATO&ldquo; f&uuml;hre zu mehr Mitsprache der Europ&auml;er, erweist sich angesichts dieser Realit&auml;t als reiner Rechtfertigungsmythos. Es ist zudem historisch falsch. Als die USA ihren Finanzierungsanteil an den gemeinsamen NATO-Ausgaben unter der ersten Trump-Administration 2019 auf rund 16 Prozent senkten, zahlen sie seit 2021 exakt denselben Betrag wie Deutschland &ndash; an der inneren Machtstruktur der NATO hat sich allerdings nichts ge&auml;ndert. Der SACEUR, der NATO-Oberbefehlshaber in Europa, bleibt stets ein US-General in Personalunion mit dem US-Oberkommando f&uuml;r Europa. Die Hegemonie der USA in der NATO ist milit&auml;risch fest institutionalisiert. <\/p><p>Die NATO ist damit Teil einer klassischen imperialistischen Struktur. Europas Rolle wird nicht st&auml;rker &ndash; es liefert sich den US-Interessen nur noch tiefer aus. Es gilt das Wort von Henry Kissinger: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Es kann gef&auml;hrlich sein, Amerikas Feind zu sein, aber Amerikas Freund zu sein, ist fatal.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><small>Titelbild: OnePixelStudio \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W&auml;hrend in den Medien vor allem von einer pers&ouml;nlichen Strafaktion Trumps gegen Kanzler Merz die Rede ist, handelt es sich beim angek&uuml;ndigten Truppenabzug aus Deutschland um etwas viel Grundlegenderes: den seit Jahren laufenden strategischen Schwenk der USA nach Asien. 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