{"id":150060,"date":"2026-05-09T12:00:49","date_gmt":"2026-05-09T10:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150060"},"modified":"2026-05-08T12:51:42","modified_gmt":"2026-05-08T10:51:42","slug":"die-strategie-der-zersplitterung-ueber-den-imperialen-niedergang-und-die-dynamiken-des-staatszerfalls-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150060","title":{"rendered":"Die Strategie der Zersplitterung: \u00dcber den imperialen Niedergang und die Dynamiken des Staatszerfalls \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Wer bei der blo&szlig;en Diagnose eines pl&ouml;tzlichen Zusammenbruchs der westlichen Vorherrschaft stehenbleibt, &uuml;bersieht die neue Machtarchitektur, die genau jetzt &ndash; in diesem Interregnum, dieser Phase des gef&auml;hrlichen &Uuml;bergangs &ndash; errichtet wird. Dieses Imperium zerf&auml;llt St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck, und auf seinem Weg in den Abgrund greift es gewaltsam nach allem, was sich in seiner Reichweite befindet. Ein Essay von <strong>Nel Bonilla<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6872\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-150060-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260507-Strategie-der-Zersplitterung-Teil-I-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260507-Strategie-der-Zersplitterung-Teil-I-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260507-Strategie-der-Zersplitterung-Teil-I-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260507-Strategie-der-Zersplitterung-Teil-I-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=150060-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260507-Strategie-der-Zersplitterung-Teil-I-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260507-Strategie-der-Zersplitterung-Teil-I-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Krieg gegen den Iran hat best&auml;tigt, was die meisten geopolitischen Beobachter bereits wussten: Das von den USA gef&uuml;hrte Imperium befindet sich im Zerfallsprozess. F-35-Tarnkappenjets gingen verloren, <a href=\"https:\/\/www.zdfheute.de\/politik\/ausland\/usa-luftwaffenstuetzpunkt-saudi-arabien-angriff-iran-100.html\">Raketenabwehrsysteme wurden zerst&ouml;rt<\/a>, US-St&uuml;tzpunkte evakuiert. Der Dollar wird durch die BRICS-Staaten, den Handel in Yuan und die allm&auml;hliche globale Abkehr vom Dollar (De-Dollarisierung) herausgefordert. Europa deindustrialisiert sich. Das milit&auml;rische Bild ist gepr&auml;gt von einer <a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/news\/wirtschaft\/teurer-krieg-wie-viel-der-iran-krieg-die-usa-kostet\">&Uuml;berdehnung<\/a> und dem Verschlei&szlig; von Ressourcen; das strategische Gesamtbild zeigt den <a href=\"https:\/\/www.frontiersin.org\/journals\/political-science\/articles\/10.3389\/fpos.2025.1511913\/full\">allm&auml;hlichen Verlust<\/a> der Vorherrschaft einer einzigen Supermacht &ndash; und der globalen Hegemonie. Dieser Essay vertritt jedoch die These: Wer bei der blo&szlig;en Diagnose eines pl&ouml;tzlichen Zusammenbruchs stehenbleibt, &uuml;bersieht die neue Machtarchitektur, die genau jetzt &ndash; in diesem Interregnum, dieser Phase des gef&auml;hrlichen &Uuml;bergangs &ndash; errichtet wird. Dieses Imperium zerf&auml;llt St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck, und auf seinem Weg in den Abgrund greift es gewaltsam nach allem, was sich in seiner Reichweite befindet.<\/p><p>Denn w&auml;hrend die USA in der Golfregion ausbluten, <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/business\/2026\/01\/21\/lng-gas-usa-deutschland-erpressbar\">unterzeichnen<\/a> die europ&auml;ischen Hauptst&auml;dte <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/unternehmen\/energie\/europas-gasimporte-wie-uns-die-usa-mit-ihrem-fluessigerdgas-erpressen-koennen\/100192879.html\">20-j&auml;hrige Vertr&auml;ge<\/a> &uuml;ber Fl&uuml;ssiggas (LNG) mit Washington, welche ihre Energieverbindungen zu Russland dauerhaft kappen. W&auml;hrend die unterirdischen Raketenbasen des Iran unbeschadet bleiben, ist ein Wiederaufbaufonds der Weltbank f&uuml;r den Gazastreifen bereits einsatzbereit. <a href=\"https:\/\/documents1.worldbank.org\/curated\/en\/099112125105517915\/pdf\/BOSIB-d55fb765-9bc7-4312-941a-3e1eb65b556e.pdf\">Dieser Fonds<\/a> lenkt jeden einzelnen Dollar der Hilfsgelder durch ein Netz von Auflagen, bei deren Ausarbeitung die lokale Bev&ouml;lkerung kein Mitspracherecht hatte.<\/p><p>W&auml;hrend ukrainische Staatsanleihen aufgrund von Friedensspekulationen einen Kurssprung <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/europe\/ukraine-bonds-post-restructuring-highs-investors-see-some-progress-peace-talks-2025-12-29\/\">von 19 auf 76 Cent hinlegen<\/a>, verankert ein EU-Kredit in H&ouml;he von 90 Milliarden Euro neue digitale Vergabestandards und regulatorische Rahmenbedingungen tief in der ukrainischen Staatsinfrastruktur &ndash; <a href=\"https:\/\/www.kmu.gov.ua\/en\/news\/uriad-pryviv-pravyla-zakupivel-za-koshty-prohramy-ukraine-facility-u-vidpovidnist-do-vymoh-mizhnarodnykh-zoboviazan\">Strukturen<\/a>, die noch lange nach der Auszahlung der letzten Tranche fortbestehen werden. Und w&auml;hrend die iranische Zentralbank vom internationalen Zahlungsverkehrssystem SWIFT abgeschnitten bleibt, wird f&uuml;r Gaza eine an den US-Dollar gekoppelte digitale W&auml;hrung (ein sogenannter Stablecoin) <a href=\"https:\/\/cvj.ch\/aktuell\/news\/trumps-board-of-peace-prueft-us-dollar-stablecoin-fuer-gaza\/\">entwickelt<\/a>, die jede einzelne dar&uuml;ber get&auml;tigte Transaktion l&uuml;ckenlos &uuml;berwacht und nachverfolgt.<\/p><p><strong>Diese Entwicklungen zeigen, dass ein zerfallendes Imperium bedauerlicherweise keineswegs tatenlos ist. Es ist vielmehr ein Imperium, das seine Ziele nicht mehr allein durch milit&auml;rische Gewalt erreichen kann und deshalb den Einsatz aller anderen ihm zur Verf&uuml;gung stehenden Instrumente drastisch forciert.<\/strong><\/p><p>Dieser Essay benennt die zentrale Strategie, welche die geopolitische Ausrichtung der USA seit dem Ende des Kalten Krieges bestimmt. Diese Strategie wird derzeit mit enormer Geschwindigkeit vorangetrieben, und zwar gerade <em>weil<\/em> die traditionellen milit&auml;rischen und industriellen Instrumente des Imperiums versagen. Sie wurden von genau jener finanzkapitalistischen Funktionselite<strong> <\/strong>ausgeh&ouml;hlt, die heute die uneingeschr&auml;nkte Vorherrschaft aus&uuml;bt. <strong>Dieser finanzielle Fl&uuml;gel der Funktionseliten nutzt das Milit&auml;r nur noch als Vollstreckungsorgan, um jedes Aufkeimen von staatlicher Autonomie gewaltsam zu zerschlagen.<\/strong><\/p><p>Bislang wurde diese Strategie kaum beim Namen genannt, da sie in einem internationalen System, das theoretisch auf der souver&auml;nen Gleichheit der Staaten beruht, schlichtweg ein Tabu ist. Dennoch ist sie an jedem Schauplatz sichtbar und l&auml;sst sich in jedem Kontext nachweisen: Das beginnt beim Versuch, gro&szlig;e geopolitische Konkurrenten &ndash; etwa Russland, China und Iran &ndash; zu zersplittern. Es reicht &uuml;ber die Durchtrennung globaler Energie-Versorgungslinien und die Bem&uuml;hungen, das wirtschaftliche Zusammenwachsen zwischen dem Globalen S&uuml;den (der Peripherie) und dem eurasischen Raum zu sabotieren. Und es gipfelt in den Versuchen, die nationalen Funktionseliten in diesen Ziell&auml;ndern durch Geheimdienstoperationen und wirtschaftlichen Zwang, wie etwa Sanktionen, von innen heraus zu spalten.<\/p><p>Der wichtigste Aspekt ist jedoch: Diese Strategie installiert technische und finanzielle Kontrollstrukturen (wie SWIFT, digitale W&auml;hrungen oder EU-Vergabestandards), welche die gegenw&auml;rtige Phase der milit&auml;rischen Eskalation um Jahre &ndash; und im Falle von tiefen Abh&auml;ngigkeiten um Jahrzehnte &ndash; &uuml;berdauern werden. Sobald diese Leitplanken erst einmal in globale Zahlungs-, Beschaffungs- und Zertifizierungssysteme eingebettet sind, bleiben sie selbst dann bestehen, wenn die eigentliche Ordnungsmacht schw&auml;cher wird. (Es sei denn, es kommt zu einem pl&ouml;tzlichen, globalen Systemkollaps, wie er in komplexen Systemen durchaus auftreten kann &ndash; doch das ist ein v&ouml;llig anderes Szenario.)<\/p><p>Wer die Strategie der Zersplitterung begreifen will, muss verstehen, was in diesem Interregnum gerade errichtet wird: Es ist eine globale Herrschaftsarchitektur, die darauf ausgelegt ist, genau jene Staaten zu &uuml;berdauern, die sie erschaffen haben. Gesteuert wird sie von Funktionseliten, die nicht im Geringsten die Absicht haben, gemeinsam mit ihrem eigenen Imperium unterzugehen.<\/p><p><strong>Imperium ohne Territorium<\/strong><\/p><p>Beginnen wir in den 1990er-Jahren, in der Phase unmittelbar nach dem Ende des Kalten Krieges. In dieser historischen Epoche kam die <a href=\"https:\/\/zeithistorische-forschungen.de\/1-2009\/4543\">bekannte These<\/a> vom &bdquo;Ende der Geschichte&ldquo; auf. Der ideologische Rivale, der Staatssozialismus, war zusammengebrochen. Die NATO &ndash; jenes B&uuml;ndnis, das angeblich nur zur Eind&auml;mmung der Sowjetunion gegr&uuml;ndet worden war &ndash; h&auml;tte sich nach dem Wegfall der Bedrohung logischerweise aufl&ouml;sen m&uuml;ssen. Stattdessen expandierte die NATO immer weiter und f&uuml;hrte ihre milit&auml;rischen Interventionen weitaus aggressiver durch als je zuvor.<\/p><p>Auf einer grundlegenden Ebene geschah dies aus einem einfachen Grund: Die schiere geografische Gr&ouml;&szlig;e und die zunehmende Vernetzung anderer L&auml;nder stellen von Natur aus eine Bedrohung f&uuml;r ein US-gef&uuml;hrtes transatlantisches Imperium dar, dessen gesamte Existenzgrundlage auf der Unipolarit&auml;t beruht.<\/p><p>Bevor wir tiefer in dieses scheinbar simple Argument eintauchen &ndash; das viele vielleicht mit einem schnellen <em>&bdquo;Das ist doch einfach nur Teile und Herrsche (Divide et impera)&ldquo;<\/em> abtun werden &ndash;, m&ouml;chte ich dem Folgenden eine wichtige Klarstellung voranstellen: Ich behaupte nicht, dass die US-gef&uuml;hrten Funktionseliten einem buchst&auml;blichen, geheimen Masterplan namens &bdquo;Zersplitterung&ldquo; folgen.<\/p><p>Alle hier pr&auml;sentierten Dokumente &ndash; darunter offizielle milit&auml;rische Doktrinen und Wei&szlig;b&uuml;cher &ndash; und die darauf aufbauenden Argumente beruhen vielmehr auf der Pr&auml;misse, dass der US-Hegemon auf eine historische Zwangslage reagiert: den Verlust einer fragilen Hegemonie, den geopolitischen Aufstieg anderer Staaten, schrumpfende wirtschaftliche &Uuml;bersch&uuml;sse, einen steigenden energetischen Aufwand zur Systemerhaltung und die milit&auml;rische &Uuml;berdehnung. Seine Reaktionen auf diese Krise laufen schlichtweg auf die Zersplitterung als Handlungslogik hinaus. Die Strategien in diesen Dokumenten sind somit lediglich die Konsequenzen und Symptome seiner &bdquo;Krankheit&ldquo;.<\/p><p>Wenn ich hier von einer &bdquo;strukturell gewachsenen Handlungslogik&ldquo; spreche, meine ich genau das: Diese Zersplitterungsstrategie ist ein Handlungsmuster, das sich geradezu zwangsl&auml;ufig aus der geopolitischen Position, den Interessen und den Zw&auml;ngen der USA als Zentrum dieses Imperiums ergibt. Die Schl&uuml;sselakteure innerhalb dieses Washingtoner Machtapparats rationalisieren dieses Muster im Nachhinein, gie&szlig;en es in offizielle Strategien und verfolgen es von da an teilweise bewusst weiter.<\/p><p>Vor diesem Hintergrund wollen wir nun dokumentieren, wie diese Perspektive &ndash; n&auml;mlich allein schon die blo&szlig;e Gr&ouml;&szlig;e eines anderen Landes als Bedrohung zu begreifen &ndash; vom US-gef&uuml;hrten Imperium seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in die Praxis umgesetzt wurde.<\/p><p><strong>Kolonialismus ohne formelle Besatzung<\/strong><\/p><p>Obwohl das gegenw&auml;rtige Imperium der unbestreitbare Erbe fr&uuml;herer Kolonialm&auml;chte ist, lassen sich die Mechanismen imperialer Herrschaft nicht einfach weitervererben. Sie passen sich vielmehr permanent an &uuml;bergeordnete strukturelle Kr&auml;fte an &ndash; wie etwa die Verf&uuml;gbarkeit von Ressourcen, die vorherrschende Ideologie, die Entstehung geopolitischer Konkurrenten und die technologische Entwicklung. Daher beobachten wir beim US-gef&uuml;hrten Imperium eine Abkehr von der traditionellen territorialen Eroberung hin zu dem, was der Historiker Daniel Immerwahr <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/daniel-immerwahr-das-heimliche-imperium-vom-guano-bis-100.html\">als &bdquo;pointillistisches Imperium&ldquo; bezeichnet<\/a> &ndash; ein Imperium, das nicht mehr Landmassen besetzt, sondern die Welt wie ein Gem&auml;lde mit unz&auml;hligen kleinen Punkten &uuml;berzieht: einem globalen Netz aus Milit&auml;rst&uuml;tzpunkten und strategischen Knotenpunkten.<\/p><p>Diese Handlungslogik &ndash; die Kontrolle und Einflussnahme &uuml;ber weltweit verstreute, kleine Punkte &ndash; bildet das geografische Fundament f&uuml;r die Strategie der Zersplitterung.<\/p><p>Wie der Anthropologe David Vine <a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/news\/dialog\/800-stuetzpunkte-wie-die-usa-ihre-militaerpraesenz-weltweit-ausweiten\">akribisch dokumentiert hat<\/a>, &uuml;berzog die US-amerikanische Funktionselite den Globus mit Milit&auml;rst&uuml;tzpunkten, um strategische Nadel&ouml;hre zu kontrollieren und Knotenpunkte der milit&auml;risch-imperialen Eind&auml;mmung zu errichten. Dieser globale milit&auml;rische Fu&szlig;abdruck entstand, um den kolonialen Herrschaftsmodus zu verewigen: Er erm&ouml;glicht es dem Imperium, die immensen Verwaltungslasten einer direkten territorialen Besatzung abzuwerfen und gleichzeitig eine allgegenw&auml;rtige, milit&auml;rische Drohkulisse aufrechtzuerhalten &ndash; ein System, das im Grunde wie ein globales Panoptikum der totalen &Uuml;berwachung und Disziplinierung funktioniert.<\/p><p>Und dieser Prozess ist keineswegs zum Stillstand gekommen. Hier ist eine Liste von L&auml;ndern, in denen in den letzten drei Jahren neue US-St&uuml;tzpunkte, vergleichbare milit&auml;rische Anlagen, Produktionsst&auml;tten f&uuml;r R&uuml;stungsg&uuml;ter oder sogenannte Zugangsabkommen in Planung oder im Aufbau waren (bei Letzterem handelt es sich um rechtliche Rahmenbedingungen, die schnelle milit&auml;rische Interventionen und den logistischen Zugriff auf bestehende Einrichtungen der jeweiligen Gastl&auml;nder erm&ouml;glichen): <a href=\"https:\/\/asiatimes.com\/2025\/09\/us-plotting-a-military-comeback-at-philippines-subic-bay\/\">Philippinen<\/a>, <a href=\"https:\/\/thedefensepost.com\/2025\/09\/01\/us-communications-hub-guam\/\">Guam<\/a>, <a href=\"https:\/\/solidarity.net.au\/australian-imperialism\/australias-growing-role-in-the-uss-empire-of-bases-from-pine-gap-to-north-west-cape\/\">Australien<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.voanews.com\/a\/us-papua-new-guinea-sign-security-agreement\/7103500.html\">Papua-Neuguinea<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.defensenews.com\/land\/2025\/06\/27\/us-army-tailoring-pacific-commands-for-multi-domain-force\/\">Japan<\/a>, <a href=\"https:\/\/strafasia.com\/the-indian-us-defense-pact-of-2025-implications-for-south-asia\/\">Indien<\/a>, <a href=\"https:\/\/cepa.org\/article\/going-going-the-us-base-network-in-europe\/\">Rum&auml;nien<\/a>, <a href=\"https:\/\/en.highnorthnews.com\/politics\/new-defense-agreement-gives-us-access-to-several-military-areas-in-finnish-lapland\/130765\">Finnland<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.defensenews.com\/global\/europe\/2025\/03\/17\/f-35-air-base-upgrades-take-shape-in-norway-under-bilateral-pact\/\">Norwegen<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.government.se\/press-releases\/2023\/12\/defence-cooperation-agreement-with-the-us-signed\/\">Schweden<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.eunews.it\/en\/2025\/06\/12\/denmark-approves-military-agreement-with-us-granting-american-bases-and-jurisdiction\/\">D&auml;nemark<\/a>, <a href=\"https:\/\/thedefensepost.com\/2026\/01\/31\/us-kenya-military-base\/\">Kenia<\/a>, <a href=\"https:\/\/thedefensepost.com\/2026\/01\/19\/us-peru-naval-base\/\">Peru<\/a>, <a href=\"https:\/\/taskandpurpose.com\/news\/us-bases-latin-america-revived\/\">Panama<\/a>, <a href=\"https:\/\/smallwarsjournal.com\/2026\/02\/23\/operationalizing-hemispheric-defense-what-the-2026-national-defense-strategy-means-for-latin-america\/\">Ecuador<\/a>, El Salvador, <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/paraguay-us-trump-defense-agreement-military-a0a38da7beb633a9f6400f70b74b8b2c\">Paraguay<\/a> und die <a href=\"https:\/\/newsroompanama.com\/2025\/12\/20\/update-us-military-gains-access-to-south-america-air-base\/\">Dominikanische Republik<\/a>.<\/p><p>Jenseits der Realit&auml;t von Milit&auml;rst&uuml;tzpunkten hat der Historiker Andrew Bacevich in seinem Buch &bdquo;American Empire&ldquo; (2002) <a href=\"https:\/\/www.hsozkult.de\/publicationreview\/id\/reb-4782\">herausgearbeitet<\/a>, dass US-Regierungen nach dem Kalten Krieg (Bush sen., Clinton, Bush jr.) eine koh&auml;rente &bdquo;Strategie der &Ouml;ffnung&ldquo; verfolgten. Dies war ein Projekt mit dem klaren Ziel, ein globales Imperium durch wirtschaftliche Expansion, die Beseitigung von Handels- und Kapitalbarrieren und den Einsatz milit&auml;rischer Gewalt zur Brechung jeglichen Widerstands zu errichten. Auch bei dieser &bdquo;&Ouml;ffnung&ldquo; geht es im Kern um ein Imperium ohne formelle Besatzung; um Hegemonie ohne direkte Kontrolle.<\/p><p>Bacevich f&uuml;hrt diese Ambition ausdr&uuml;cklich auf Woodrow Wilson zur&uuml;ck:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die Strategie der &Ouml;ffnung greift jenes revolution&auml;re Projekt wieder auf, das Pr&auml;sident Woodrow Wilson w&auml;hrend und unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg skizzierte: die Welt als Ganzes in Einklang mit amerikanischen Prinzipien und amerikanischer Politik zu bringen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Genau das ist die Kernformel des US-gef&uuml;hrten imperialen Projekts: globale Hegemonie, erreicht durch eine Mischung aus k&uuml;nstlich erzeugter Zustimmung &ndash; der sogenannten Konsensfabrikation &ndash; und latentem Zwang. Diese duale Architektur, die sowohl materieller als auch immaterieller Natur ist, schreibt zwingend vor, dass die jeweiligen Gastl&auml;nder nicht als souver&auml;ne, gleichberechtigte Staaten existieren d&uuml;rfen; das System zwingt sie strukturell dazu, lediglich gef&uuml;gige Knotenpunkte zu sein.<\/p><p><strong>Die imperiale Logik dokumentieren<\/strong><\/p><p>Nachdem wir die Merkmale dieses zerfallenden Imperiums nun in groben Z&uuml;gen skizziert haben, k&ouml;nnen wir den Blick vom strukturellen Rahmen auf die Prim&auml;rquellen selbst richten. In den 1990er- und fr&uuml;hen 2000er-Jahren hatte sich die neue makro&ouml;konomische Realit&auml;t bereits unaufhaltsam in Gang gesetzt. Die US-Wirtschaft befand sich im Prozess einer radikalen Finanzialisierung, ihre industrielle Basis wurde massiv ausgeh&ouml;hlt, und das &Uuml;berleben des Dollars hing nunmehr von der Kontrolle der globalen Energie-Handelswege ab.<\/p><p>Die Aufgabe der sogenannten Meso-Ebene &ndash; also der Strategen, Planer und Verfasser jener Positionspapiere &ndash; besteht nun darin, diese strukturellen Zw&auml;nge zu analysieren und in einen Katalog umsetzbarer Ma&szlig;nahmen zur Aufrechterhaltung ihres Imperiums zu &uuml;bersetzen. Indem sie auf die ihnen zur Verf&uuml;gung stehenden ideologischen und institutionellen Ressourcen zur&uuml;ckgreifen &ndash; unter anderem den Neokonservatismus, die Logik des Petrodollars und die eigene milit&auml;rische &Uuml;berlegenheit (zumindest, solange diese noch andauert) &ndash;, entwickeln sie ihre strategischen Optionen.<\/p><p>Mit anderen Worten: Die Dokumente dienen dazu, die strukturelle Handlungslogik im Nachhinein zu rationalisieren, sie schriftlich zu fixieren und institutionell zu verankern. Da die Logik des US-Imperiums derart unglaublich starr und unflexibel ist, ist es in der Tat erstaunlich einfach, 20 oder 30 Jahre in die Zukunft zu planen. Diese Strategen wissen ganz genau: <strong>Das Imperium wird niemals freiwillig den Weg einer friedlichen Integration in eine multipolare Weltordnung w&auml;hlen.<\/strong><\/p><p>Die nun folgende, beispielhafte Auswahl an Strategiepapieren belegt genau diesen Prozess.<\/p><p><strong>Die Verhinderung gro&szlig;er, autonomer Rivalen<\/strong><\/p><p>Das deutlichste dokumentarische Beispiel f&uuml;r diese Bedrohungswahrnehmung nach dem Kalten Krieg &ndash; also die Erkenntnis, dass allein schon die schiere geografische Gr&ouml;&szlig;e eines Landes sowie die Konsolidierung mehrerer Staaten zu einem Block als strukturelle Gefahr betrachtet werden &ndash; wurde 1992 in der <em>Defense Planning Guidance<\/em> (den verteidigungspolitischen Richtlinien der USA) schriftlich fixiert. <a href=\"https:\/\/www.archives.gov\/files\/declassification\/iscap\/pdf\/2008-003-docs1-12.pdf\">Verfasst<\/a> von Paul Wolfowitz und I. Lewis Libby unter dem damaligen Verteidigungsminister Dick Cheney im Pentagon, besagte dieses an die &Ouml;ffentlichkeit geleakte Dokument unmissverst&auml;ndlich: Die USA m&uuml;ssen jede rivalisierende Macht daran hindern, ma&szlig;geblichen Einfluss in irgendeiner strategisch wichtigen Region der Welt zu erlangen, um sich so die eigene F&auml;higkeit zum milit&auml;rischen Alleingang (Unilateralismus) zu erhalten:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Das dritte Ziel besteht darin, zu verhindern, dass eine feindliche Macht eine f&uuml;r unsere Interessen kritische Region dominiert, und dadurch die Barrieren gegen das Wiederaufleben einer globalen Bedrohung f&uuml;r die Interessen der USA und unserer Verb&uuml;ndeten zu st&auml;rken. Zu diesen Regionen geh&ouml;ren Europa, Ostasien, der Nahe Osten\/Persische Golf und Lateinamerika. Eine konsolidierte, nicht-demokratische Kontrolle &uuml;ber die Ressourcen einer solch kritischen Region k&ouml;nnte eine erhebliche Bedrohung f&uuml;r unsere Sicherheit darstellen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Wenn man diese Zeilen genau liest, wird klar, dass die eigentliche Angst hier keineswegs ideologischer Natur ist. Der ideologische Rivale hatte sich zu diesem Zeitpunkt ja bereits aufgel&ouml;st. Die Bedrohung ist rein strukturell. Jede Macht oder Koalition von Kr&auml;ften, deren schiere Gr&ouml;&szlig;e und Ressourcenreichtum die US-Vormachtstellung herausfordern und den imperialen Zugriff auf diese Ressourcen blockieren k&ouml;nnte, ist schlichtweg inakzeptabel. Innerhalb dieses unipolaren Rahmens ist die tats&auml;chliche Ideologie eines Rivalen v&ouml;llig nebens&auml;chlich.<\/p><p>Was uns zu unserem n&auml;chsten ber&uuml;hmten Dokument f&uuml;hrt. Zbigniew Brzezinski, der Inbegriff des transatlantischen Sicherheitsstrategen, schrieb in seinem Buch &bdquo;Die einzige Weltmacht&ldquo; (Original: &bdquo;The Grand Chessboard&ldquo;, 1997, S. 35):<\/p><blockquote><p>\n&sbquo;<em>Die Reichweite der globalen amerikanischen Hegemonie ist zugegebenerma&szlig;en gro&szlig;, aber ihre Verankerung ist oberfl&auml;chlich und durch innere wie &auml;u&szlig;ere Zw&auml;nge begrenzt. Amerikanische Hegemonie bedeutet die Aus&uuml;bung entscheidenden Einflusses, aber, anders als bei Imperien der Vergangenheit, keine direkte Kontrolle. Allein die schiere Gr&ouml;&szlig;e und Vielfalt Eurasiens sowie die Macht einiger seiner Staaten begrenzen die Tiefe des amerikanischen Einflusses und das Ausma&szlig; der Kontrolle &uuml;ber den Lauf der Dinge. Dieser Megakontinent ist schlicht zu gro&szlig;, zu bev&ouml;lkerungsreich, kulturell zu vielf&auml;ltig und besteht aus zu vielen historisch ehrgeizigen und politisch energischen Staaten, als dass er sich selbst der wirtschaftlich erfolgreichsten und politisch herausragendsten globalen Macht gegen&uuml;ber gef&uuml;gig zeigen w&uuml;rde.&lsquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Bezeichnenderweise r&auml;umt Brzezinski hier ein, dass die US-Hegemonie &bdquo;oberfl&auml;chlich&ldquo; ist und sich eher auf Einflussnahme als auf direkte Kontrolle st&uuml;tzt. Wenn wir diesen Gedankengang jedoch konsequent zu Ende denken, f&uuml;hrt er unweigerlich zu einer bestimmten Schlussfolgerung: Wenn dieser fragile Einfluss bei territorialen Gebilden versagt, die schlichtweg zu gro&szlig; sind, um gef&uuml;gig zu sein, wird dieses nach Hegemonie strebende System zwangsl&auml;ufig auf die Strategie der Zersplitterung zur&uuml;ckgreifen.<\/p><p>Anders ausgedr&uuml;ckt bedeutet das, dass dieses System gro&szlig;e Gebilde in kleinere Teile zerschlagen muss, damit sein oberfl&auml;chlicher Einfluss wieder funktionieren kann.<\/p><p>Auf der operativen Handlungsebene empfahl Brzezinski, die Ukraine gezielt als eigenst&auml;ndiges Gebilde aufzubauen, Osteuropa in die NATO zu integrieren und Russland konsequent daran zu hindern, den postsowjetischen Raum wieder zu festigen. Und in der Tat l&ouml;ste sich die NATO nicht auf; stattdessen vereinnahmte sie Osteuropa und stellte so sicher, dass West-, Mittel- und Osteuropa fest in der imperialen Einflusssph&auml;re der USA verankert wurden.<\/p><p>Sp&auml;testens im Jahr 2016 r&auml;umte Brzezinski selbst das Schwinden des unipolaren Moments ein. Er erkannte an, dass die USA nicht l&auml;nger ein allumfassendes globales Imperium darstellten, und pl&auml;dierte stattdessen daf&uuml;r, dass Washington einen Keil zwischen Russland und China treiben m&uuml;sse &ndash; mit dem einen paktieren, um den anderen einzud&auml;mmen. Nur so lie&szlig;e sich die eigene wirtschaftliche und finanzielle Vormachtstellung bewahren. <a href=\"https:\/\/www.the-american-interest.com\/2016\/04\/17\/toward-a-global-realignment\/\">Er gab unumwunden zu<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wenngleich in naher Zukunft wohl kein Staat mit der wirtschaftlich-finanziellen &Uuml;berlegenheit Amerikas wird gleichziehen k&ouml;nnen, k&ouml;nnten neue Waffensysteme bestimmten L&auml;ndern schlagartig die Mittel an die Hand geben, in einer fatalen milit&auml;rischen Umklammerung mit den Vereinigten Staaten kollektiven Selbstmord zu begehen oder gar die Oberhand zu gewinnen. Ohne mich in spekulative Details verlieren zu wollen: Sollte irgendein Staat pl&ouml;tzlich die F&auml;higkeit erlangen, Amerika in eine Position milit&auml;rischer Unterlegenheit zu dr&auml;ngen, w&uuml;rde dies das Ende der globalen Rolle Amerikas besiegeln.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Dies f&uuml;hrt uns zu einer interessanten Frage: Wenn die NATO tats&auml;chlich expandierte, um einen Frieden nach dem Kalten Krieg zu sichern &ndash; warum hat sie Russland dann nicht einfach aufgenommen?<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend die offizielle Fachliteratur vor ideologischen und historischen Vorw&auml;nden nur so strotzt, liegt einer der entscheidenden Gr&uuml;nde auf der strukturellen Ebene: Russland wurde explizit deshalb aus der NATO ausgeschlossen, weil es <strong>schlicht zu gro&szlig; ist<\/strong>.<\/p><p>Man betrachte beispielsweise einen Bericht der <em>National Defense University<\/em> aus dem Jahr 1995 (James W. Morrison, <em>NATO Expansion and Alternative Future Security Alignments<\/em>), in dem es unmissverst&auml;ndlich <a href=\"https:\/\/apps.dtic.mil\/sti\/tr\/pdf\/ADA304514.pdf\">hei&szlig;t<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Russland ist zu gro&szlig;. Russland ist weitaus gr&ouml;&szlig;er als jedes andere europ&auml;ische NATO-Mitglied, und eine Aufnahme Russlands in die NATO w&uuml;rde das Gleichgewicht ver&auml;ndern.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>In &auml;hnlicher Weise &auml;u&szlig;erte sich der ehemalige US-Verteidigungsminister Harold Brown, der 1995 eine unabh&auml;ngige Task Force des <em>Council on Foreign Relations<\/em> leitete (<em>Should NATO Expand?<\/em>). <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/abs\/10.1080\/01636609509550171\">Er schrieb<\/a> im selben Jahr in einem transatlantischen Sicherheitspapier unumwunden:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Russland wird fast sicher niemals NATO-Mitglied werden; seine Gr&ouml;&szlig;e, Geografie und Geschichte machen es ungeeignet als Teil einer transatlantischen Sicherheitsorganisation.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Doch warum stellt Gr&ouml;&szlig;e eine derart inh&auml;rente Bedrohung f&uuml;r diese spezifische imperiale Architektur dar? Einfach gesagt: Gr&ouml;&szlig;e garantiert Ressourcen. Und wenn ein gewaltiger Staat seine politische Autonomie bewahrt &ndash; indem er seine Bev&ouml;lkerung als Staatsb&uuml;rger behandelt und nicht als unpolitische Masse &ndash;, kann er den imperialen Zugriff auf diese Ressourcen blockieren. Er ist zudem in der Lage, ausreichende Mittel zu seiner eigenen Verteidigung zu generieren (genau wie Brzezinski es vorhersah).<\/p><p>Wenn sich solche Staaten dar&uuml;ber hinaus erfolgreich innerhalb ihrer eigenen, souver&auml;nen Finanz- und Wirtschaftsstrukturen entwickeln, &uuml;ben sie zwangsl&auml;ufig eine enorme Gravitationskraft aus. Andere Nationen werden unvermeidlich mit ihnen kooperieren wollen. Das Ergebnis ist die Geburt einer konkurrierenden Weltordnung &ndash; einer Ordnung, welche die Unipolarit&auml;t faktisch beendet.<\/p><p><strong>Weitere wichtige Belege<\/strong><\/p><p>Eine umfassende Geschichte der US-amerikanischen Zersplitterungsstrategie w&uuml;rde ganze B&auml;nde f&uuml;llen, doch einige Schl&uuml;sseldokumente, Doktrinen und &bdquo;historische Labore&ldquo; verdienen es, hier besonders hervorgehoben zu werden. Obwohl sie unterschiedliche Jahrzehnte und Schaupl&auml;tze abdecken, weisen sie alle auf exakt dieselbe strukturelle Logik hin: Das zerbr&ouml;ckelnde Imperium kann Gr&ouml;&szlig;e nicht tolerieren &ndash; und es begegnet dieser Bedrohung durch die gezielte Aufl&ouml;sung und Zerst&uuml;ckelung seiner (potenziellen) Rivalen.<\/p><p><strong>Die Geburtsstunde der Unipolarit&auml;t<\/strong><\/p><p>Den ideologischen Startschuss f&uuml;r diese Strategie gab Charles Krauthammer &ndash; einer der einflussreichsten Publizisten der USA und einer der geistigen V&auml;ter des Neokonservatismus &ndash; 1990 in seinem <a href=\"https:\/\/users.metu.edu.tr\/utuba\/Krauthammer.pdf\">Essay <em>&bdquo;Der unipolare Moment&ldquo;<\/em> (<em>The Unipolar Moment<\/em>)<\/a>. Als f&uuml;hrender Vordenker f&uuml;r die Washingtoner Eliten proklamierte er darin ein kurzes, einzigartiges Zeitfenster, in dem die USA die internationale Ordnung aggressiv nach ihren Vorstellungen umgestalten m&uuml;ssten, noch bevor ein neuer Rivale entstehen k&ouml;nne:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Uns stehen au&szlig;ergew&ouml;hnliche Zeiten bevor. Unsere beste Hoffnung auf Sicherheit in solchen Zeiten liegt, wie schon in schwierigen Phasen der Vergangenheit, in der St&auml;rke und dem Willen Amerikas &ndash; der St&auml;rke und dem Willen, eine unipolare Welt anzuf&uuml;hren, ungeniert die Regeln der Weltordnung festzulegen und bereit zu sein, diese auch durchzusetzen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Ideologie wurde ein Jahrzehnt sp&auml;ter vom <em>&bdquo;Projekt f&uuml;r das neue amerikanische Jahrhundert&ldquo;<\/em> (PNAC) in dessen Grundsatzpapier <em>&bdquo;Wiederaufbau der amerikanischen Verteidigung&ldquo;<\/em> (<em>Rebuilding America&rsquo;s Defenses<\/em>, 2000) in die Tat umgesetzt. <a href=\"http:\/\/bibliotecapleyades.lege.net\/archivos_pdf\/RebuildingAmericaDefenses.pdf\">Verfasst<\/a> wurde dieses Dokument von genau jenen Sicherheitsstrategen, die kurz darauf die Schl&uuml;sselpositionen der Bush-Regierung besetzen sollten: Dick Cheney (als Vizepr&auml;sident), Donald Rumsfeld (als Verteidigungsminister) und Paul Wolfowitz (als dessen Stellvertreter). Diese personelle Kontinuit&auml;t garantierte, dass die Forderungen des PNAC &ndash; die Aufrechterhaltung der weltweiten US-Vormachtstellung, der massive Ausbau globaler Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte und die gezielte Abschreckung jedes potenziellen <em>&bdquo;neuen Gro&szlig;macht-Rivalen&ldquo;<\/em> &ndash; zur obersten Priorit&auml;t der US-Au&szlig;enpolitik wurden.<\/p><p><strong>Der Bauplan f&uuml;r den Nahen Osten<\/strong><\/p><p>Im Falle Westasiens ist das Vorhaben, die Region systematisch zu zersplittern, l&auml;ngst aktenkundig. Den <a href=\"https:\/\/dn720006.ca.archive.org\/0\/items\/yinon-plan\/Yinon_Plan.pdf\">Grundstein<\/a> legte der sogenannte Yinon-Plan von 1982. Dabei handelt es sich um einen Aufsatz von Oded Yinon, einem ehemaligen Beamten des israelischen Au&szlig;enministeriums, der in der Fachzeitschrift <em>Kivunim<\/em> (&bdquo;Richtungen&ldquo;) ver&ouml;ffentlicht wurde. Seine Kernidee war pr&auml;gend: Israels Sicherheit lie&szlig;e sich dauerhaft nur garantieren, wenn die gro&szlig;en, zentralisierten arabischen Nachbarstaaten (wie der Irak, Syrien oder &Auml;gypten) in kleine, schwache und nach ethnischen oder religi&ouml;sen Kriterien getrennte Kleinststaaten zerbrechen.<\/p><p>Diese Logik der Zersplitterung wurde Mitte der 90er-Jahre direkt in die US-Politik exportiert. Das <a href=\"https:\/\/www.dougfeith.com\/docs\/Clean_Break.pdf\">Bindeglied<\/a> war das sogenannte &bdquo;Clean Break&ldquo;-Memo von 1996. Urspr&uuml;nglich als Strategiepapier f&uuml;r den israelischen Premierminister Netanjahu verfasst, pl&auml;dierte es f&uuml;r einen &bdquo;sauberen Bruch&ldquo; mit dem bisherigen Friedensprozess. Stattdessen sollte eine aggressive Destabilisierung von Gegnern wie Syrien und dem Irak erfolgen. Dass dieses Denken kurz darauf zum offiziellen Programm des PNAC in Washington wurde, ist kein Zufall. Es war exakt derselbe Kreis neokonservativer Strategen &ndash; darunter Richard Perle und Douglas Feith &ndash;, der erst das israelische Memo und kurz darauf die US-Kriegsstrategien f&uuml;r das Pentagon entwarf. <strong>Diese personelle Basis sorgte daf&uuml;r, dass die Strategie der Zersplitterung zur offiziellen Leitlinie der US-Au&szlig;enpolitik im Nahen Osten aufstieg.<\/strong><\/p><p>Eine aktuelle Untersuchung der <em>Byline Times<\/em> dokumentiert zudem, wie sich dasselbe neokonservative Netzwerk heute in der Vandenberg Coalition <a href=\"https:\/\/bylinetimes.com\/2026\/03\/04\/trumps-iran-war-revives-israeli-plan-to-remake-middle-east-that-drove-post-9-11-invasions\/\">neu organisiert hat<\/a> &ndash; einem einflussreichen Think Tank, der als personelles Reservoir f&uuml;r die Trump-Administration dient, um diese in der Iran-Frage auf einen harten Konfrontationskurs einzuschw&ouml;ren.<\/p><p>Wir sehen exakt dieselbe Logik in der <a href=\"https:\/\/brilliantmaps.com\/new-middle-east\/\">ber&uuml;chtigten <em>&bdquo;Blood Borders&ldquo;-<\/em>Landkarte (Blutgrenzen)<\/a> von US-Oberstleutnant Ralph Peters aus dem Jahr 2006, die eine Neuziehung der Grenzen in Westasien entlang ethnischer und religi&ouml;ser Trennlinien vorschlug.<\/p><p>Ebenso findet sie sich in den ber&uuml;hmten <a href=\"https:\/\/www.democracynow.org\/2007\/3\/2\/gen_wesley_clark_weighs_presidential_bid\">Enth&uuml;llungen<\/a> des ehemaligen NATO-Oberbefehlshabers General Wesley Clark wieder. Dieser berichtete 2007 &ouml;ffentlich von einem Gespr&auml;ch im Pentagon kurz nach den Anschl&auml;gen vom 11. September: Ein hochrangiger Offizier habe ihm damals ein internes Memo gezeigt, das vorsah, innerhalb von f&uuml;nf Jahren insgesamt &bdquo;sieben L&auml;nder auszuschalten&ldquo; &ndash; beginnend mit dem Irak, gefolgt von Syrien, dem Libanon, Libyen, Somalia, dem Sudan und abschlie&szlig;end dem Iran.<\/p><p>Durch diese Linse betrachtet, besteht das wahre &bdquo;Verbrechen&ldquo; des Iran weder in seiner Ideologie noch in seiner Theologie. Wie der <em>Council on Foreign Relations<\/em> (CFR), eine der einflussreichsten privaten US-Denkfabriken f&uuml;r Au&szlig;enpolitik, <a href=\"https:\/\/static.cfr.org\/sites\/default\/files\/pdf\/1998\/09\/Differentiated_Containment.pdf\">bereits 1997 feststellte<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Im Iran sind die Vereinigten Staaten mit einem Land konfrontiert, das &uuml;ber potenziell betr&auml;chtliche milit&auml;rische und wirtschaftliche Kapazit&auml;ten sowie eine imperiale Tradition verf&uuml;gt; zudem nimmt es eine entscheidende Position sowohl f&uuml;r den Golf als auch f&uuml;r die k&uuml;nftigen Beziehungen zwischen dem Westen und Zentralasien ein. W&auml;hrend der Irak eine klare und relativ einfache unmittelbare Bedrohung darstellt, repr&auml;sentiert der Iran eine geopolitische Herausforderung von weitaus gr&ouml;&szlig;erem Ausma&szlig; und gr&ouml;&szlig;erer Komplexit&auml;t.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Einsch&auml;tzung hallte erst k&uuml;rzlich, Anfang M&auml;rz 2026, in einer <a href=\"https:\/\/www.war.gov\/News\/Transcripts\/Transcript\/Article\/4421037\/secretary-of-war-pete-hegseth-and-chairman-of-the-joint-chiefs-of-staff-gen-dan\/\">Rede von Pete Hegseth<\/a> wider, die als &bdquo;Tod und Zerst&ouml;rung vom Himmel&ldquo;-Rede traurige Ber&uuml;hmtheit erlangte. Hegseth brachte es auf den Punkt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Dies ist ein riesiger Kampfraum mit enormen Kapazit&auml;ten &ndash; das ist einer der Gr&uuml;nde, warum er [der Iran] eine solche Bedrohung f&uuml;r uns darstellt.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Der Balkan: Das Laboratorium der 1990er-Jahre<\/strong><\/p><p>Noch vor den Interventionen in Westasien diente der Balkan in den 1990er-Jahren als Testgel&auml;nde f&uuml;r diese Strategie. Die gezielte Anwendung einer &ouml;konomischen &bdquo;Schock-Therapie&ldquo; (wie sie Naomi Klein in ihrem Standardwerk &bdquo;Die Schock-Strategie&ldquo; (&bdquo;The Shock Doctrine&ldquo;) detailliert beschreibt) f&uuml;hrte ab 1980 zum <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/en\/articles\/1999\/04\/imf-a17.html\">Zerfall<\/a> des Industriesektors und zur schrittweisen Demontage des Sozialstaats. Gepaart mit kalkulierten milit&auml;rischen Interventionen gelang es so, den multiethnischen jugoslawischen Staat zu zerschlagen. Wie es in dem 2019 erschienenen Buch &bdquo;Balkanisierung und globale Politik&ldquo; (&bdquo;Balkanization and Global Politics&ldquo;) <a href=\"https:\/\/www.academia.edu\/43816654\/Balkanization_and_Global_Politics_Remaking_Cities_and_Architecture\">treffend analysiert wurde<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Kolonialm&auml;chte balkanisieren zuerst die Welt und absorbieren dann die neu geschaffenen Zonen politisch und sozio&ouml;konomisch durch die Ausbeutung von Arbeitskraft und Ressourcen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Jugoslawien lieferte dem US-gef&uuml;hrten Sicherheitsapparat eine makellose Blaupause: Indem man den Nationalismus in den Randgebieten als Waffe einsetzte und k&uuml;nstlich herbeigef&uuml;hrte Finanzkrisen als Hebel nutzte, konnte ein widerspenstiger geopolitischer Block in leicht verdauliche, gef&uuml;gige Kleinststaaten zertr&uuml;mmert werden.<\/p><p><strong>Die Unterordnung Europas durch die NATO<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend Europa nicht territorial zersplittert wurde &ndash; schlie&szlig;lich besteht es bereits aus kleinen bis mittelgro&szlig;en Nationalstaaten &ndash;, folgt seine Eingliederung in die NATO einer identischen Logik der Abtrennung. Um das Entstehen eines gefestigten, autonomen eurasischen Machtpols zu verhindern, musste die strategische, finanzielle, digitale und energetische Autonomie Europas chirurgisch von der Nutzung russischer Ressourcen getrennt werden.<\/p><p>Wie der renommierte US-Politikwissenschaftler Christopher Layne in seinem Werk &bdquo;Der Friede der Illusionen&ldquo; (&bdquo;The Peace of Illusions&ldquo;, 2006) dokumentiert, zielte die gro&szlig;e Strategie (<em>Grand Strategy<\/em>) der USA seit 1940 konsequent auf eine <em>&bdquo;extraregionale Hegemonie&ldquo;<\/em> ab. Damit ist der vorbeugende Einfluss auf jede wichtige Weltregion gemeint, um die Entstehung eigenst&auml;ndiger Machtzentren bereits im Keim zu ersticken.<\/p><p><strong>In diesem Rahmen fungiert die NATO-Osterweiterung als Mechanismus zur Vereinnahmung.<\/strong> Die Politikwissenschaftler Rajan Menon und William Ruger (2020) <a href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC7212247\/\">argumentierten<\/a>, dass die NATO-Vergr&ouml;&szlig;erung sicherstelle, dass Europa ein <em>&bdquo;strategischer Untergebener&ldquo;<\/em> bleibt. Europa wird strukturell von Washington abh&auml;ngig gemacht, um laut Menon und Ruger zu unterbinden, dass es <em>&bdquo;zu einem rivalisierenden Machtzentrum wird &ndash; sei es als Kollektiv oder dadurch, dass ein einzelner Staat die Dominanz auf dem Kontinent erlangt&ldquo;<\/em>.<\/p><p><strong>Die strategische Z&auml;hmung Europas<\/strong><\/p><p>Diese Logik wurde von US-Strategen offen als Werkzeug propagiert, um sowohl Russland als auch Westeuropa gleicherma&szlig;en zu beeinflussen. Bereits 1993 skizzierten Ronald Asmus, Richard Kugler und F. Stephen Larrabee in einem <a href=\"https:\/\/www.semanticscholar.org\/paper\/Building-a-New-NATO-Asmus-Kugler\/8cc8e87c02f0827c2d607bf1b268217e02f0fcc0\">Artikel f&uuml;r <em>Foreign Affairs<\/em><\/a> &ndash; der weltweit einflussreichsten Fachzeitschrift f&uuml;r Au&szlig;enpolitik, die quasi als Sprachrohr des US-Establishments gilt &ndash;, wie die NATO-Osterweiterung Washington eine unverzichtbare Kontrolle erm&ouml;glichte. <strong>Das Ziel war es, sicherzustellen, dass das milit&auml;rische Druckmittel Amerikas stets schwerer wiegen w&uuml;rde als die wirtschaftliche Integration Europas.<\/strong> Durch die Aufnahme osteurop&auml;ischer Staaten sollte das politische Zentrum Osteuropas faktisch in die USA verlagert werden, anstatt sich an L&auml;ndern wie Deutschland oder Frankreich zu orientieren. In dem Artikel hie&szlig; es unmissverst&auml;ndlich:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Ihre Ansichten zu Sicherheitsfragen stimmen eng mit denen der Vereinigten Staaten und anderer atlantisch orientierter Mitglieder wie Gro&szlig;britannien, Portugal und den Niederlanden &uuml;berein. Ihre Aufnahme in die NATO w&uuml;rde die atlantische Ausrichtung des B&uuml;ndnisses st&auml;rken und eine gr&ouml;&szlig;ere interne Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Positionen der USA in wichtigen Sicherheitsfragen gew&auml;hrleisten.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Die Dringlichkeit dieser institutionellen Vereinnahmung entsprang der tiefen Furcht vor einer sp&auml;teren eurasischen Konsolidierung.<\/strong> Bereits 1994 <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZHm_7T7QNl8&amp;t=2s\">pl&auml;dierten<\/a> Schl&uuml;sselfiguren wie Henry Kissinger und Zbigniew Brzezinski f&uuml;r eine rasche NATO-Osterweiterung. Ihr Kalk&uuml;l: Russlands Schw&auml;che nach dem Kalten Krieg wurde lediglich als vor&uuml;bergehender Zustand begriffen. Die Strategie bestand darin, dieses Zeitfenster auszunutzen, um die geopolitische Landkarte dauerhaft zugunsten Washingtons umzugestalten.<\/p><p>Der bekannte Kolumnist der <em>New York Times<\/em>, William Safire, <a href=\"https:\/\/comw.org\/pda\/Americas-New-Deal-with-Europe-971001.html\">brachte diesen imperialen Opportunismus 1996 auf den Punkt<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>In den kommenden Jahrzehnten wird Russland &ndash; mit seiner gebildeten Bev&ouml;lkerung und seinen reichen Ressourcen, befreit vom Kommunismus &ndash; wieder auferstehen. Seine F&uuml;hrer werden irredentistische Ziele verfolgen [Anm. d. Red.: d.h. Gebietsanspr&uuml;che geltend machen] unter dem Vorwand, ihr &sbquo;nahes Ausland&lsquo; zu sch&uuml;tzen. Der einzige Weg, k&uuml;nftige Aggressionen ohne Krieg abzuschrecken, ist die kollektive Verteidigung. Und nur in den n&auml;chsten Jahren, solange Russland schwach ist, haben wir die Chance, die &sbquo;Verwundbaren&lsquo; fest an uns zu binden.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Durch das aggressive Vorgehen, den Osten &bdquo;festzubinden&ldquo;, gelang dem US-Sicherheitsapparat eine meisterhafte Doppelstrategie der Zersplitterung:<\/strong> Er zerbrach einerseits geografisch die postsowjetische Einflusssph&auml;re und stellte gleichzeitig sicher, dass der industrielle und technologische Kern Westeuropas niemals mit der Ressourcenbasis des Ostens verschmelzen w&uuml;rde.<\/p><p><strong>Die Kontinuit&auml;t des Siedlerkolonialismus<\/strong><\/p><p>Auch wenn ich argumentiere, dass die Strategie der Zersplitterung nach dem Zusammenbruch der UdSSR ihre reinste und offenste Form annahm, so ist sie auf einer tieferen historischen Ebene doch das globalisierte Spiegelbild des US-amerikanischen Siedlerkolonialismus.<\/p><p>Wie die Wissenschaftler Patrick Wolfe und Glen Coulthard theoretisiert haben, funktioniert der Siedlerkolonialismus nach einer <em>&bdquo;Logik der Eliminierung&ldquo;<\/em> und nicht nach blo&szlig;er Ausbeutung. Er erfordert die absolute und dauerhafte Ausl&ouml;schung jeglicher indigener Souver&auml;nit&auml;t und Autonomie, um das Land als Voraussetzung f&uuml;r die kapitalistische Akkumulation (Anh&auml;ufung von Kapital) zu sichern.<\/p><p>Die Logik dahinter ist simpel: Damit westliches Kapital ungehindert &uuml;berall hinflie&szlig;en kann, darf es keine Hindernisse geben. Deshalb wird jeder Staat und jedes gro&szlig;e Unternehmen, das versucht, eigene Regeln aufzustellen oder den Zugriff des Westens zu begrenzen, systematisch zersplittert oder geschw&auml;cht.<\/p><p>Dahinter verbirgt sich eine einfache, aber unerbittliche Logik: Wenn ein Land &uuml;ber ein riesiges Territorium verf&uuml;gt, seine Entscheidungen unabh&auml;ngig trifft und zudem an einem strategisch wichtigen Ort der Weltkarte liegt, dann wird es f&uuml;r das westliche Imperium automatisch zu einer strukturellen Bedrohung. Es besitzt dann das Potenzial, strukturell eine neue, konkurrierende Ordnung aufzubauen und zu einem Machtzentrum zu werden, das sich dem hegemonialen Einfluss entzieht.<\/p><p>Allein die F&auml;higkeit, autonom zu sein &ndash; also das Potenzial, das ein gro&szlig;es Territorium mit sich bringt, um sich unabh&auml;ngig zu ern&auml;hren, mit Energie zu versorgen, zu finanzieren und zu verteidigen &ndash;, ist in den Augen des Imperiums bereits das Verbrechen und die Bedrohung.<\/p><p>Im n&auml;chsten Abschnitt (Teil 2) werden wir sehen, warum diese Logik der Zersplitterung f&uuml;r das US-gef&uuml;hrte transatlantische Imperium, das sich derzeit in einem Zustand des Erosionsprozesses befindet, so essenziell geworden ist.<\/p><p><em>Ende Teil 1<\/em><\/p><p><em>Dieser Essay erschien urspr&uuml;nglich in englischer Sprache <a href=\"https:\/\/substack.com\/@nelbonilla\/p-190652863\">auf dem Substack der Autorin<\/a>. Die vorliegende Fassung ist eine von der Autorin selbst &uuml;bersetzte und leicht &uuml;berarbeitete Version.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: KI generiert mit DALL-E 3 von OpenAI<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer bei der blo&szlig;en Diagnose eines pl&ouml;tzlichen Zusammenbruchs der westlichen Vorherrschaft stehenbleibt, &uuml;bersieht die neue Machtarchitektur, die genau jetzt &ndash; in diesem Interregnum, dieser Phase des gef&auml;hrlichen &Uuml;bergangs &ndash; errichtet wird. 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