{"id":150120,"date":"2026-05-10T12:00:46","date_gmt":"2026-05-10T10:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150120"},"modified":"2026-05-08T16:19:28","modified_gmt":"2026-05-08T14:19:28","slug":"die-strategie-der-zersplitterung-ueber-den-imperialen-niedergang-und-die-dynamiken-des-staatszerfalls-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150120","title":{"rendered":"Die Strategie der Zersplitterung: \u00dcber den imperialen Niedergang und die Dynamiken des Staatszerfalls \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem wir in <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150060\">Teil 1<\/a> die historischen Wurzeln dieser Strategie &ndash; vom Yinon-Plan bis zur NATO-Osterweiterung &ndash; analysiert haben, stellt sich eine entscheidende Frage: Warum wurde die gezielte Zersplitterung zur bevorzugten Waffe der westlichen Alleinherrschaft? Die Antwort liegt in einer evolution&auml;ren Anpassung: Die Strategie der Zersplitterung ist die direkte Fortsetzung der kolonialen Logik unter ver&auml;nderten Bedingungen. Im Folgenden untersuchen wir, wie sich diese Herrschaftsform zwangsl&auml;ufig wandeln musste &ndash; weg von der direkten Besetzung hin zu einer &bdquo;oberfl&auml;chlichen Hegemonie&ldquo; (<em>shallow hegemony<\/em>), die darauf abzielt, Ziele systematisch zu verkleinern, um sie beherrschbar zu machen. Ein Essay von <strong>Nel Bonilla<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7763\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-150120-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260508-Strategie-der-Zersplitterung-Teil-II-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260508-Strategie-der-Zersplitterung-Teil-II-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260508-Strategie-der-Zersplitterung-Teil-II-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260508-Strategie-der-Zersplitterung-Teil-II-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=150120-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260508-Strategie-der-Zersplitterung-Teil-II-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260508-Strategie-der-Zersplitterung-Teil-II-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Dieser Prozess wurde durch mehrere ineinander verflochtene Entwicklungen vorangetrieben:<\/p><p><strong>Das Ende des klassischen Kolonialismus<\/strong><\/p><p><strong>Das traditionelle Modell &ndash; die direkte milit&auml;rische Besetzung und Verwaltung fremder Territorien &ndash; wurde genau in dem Moment unhaltbar, als die USA die Rolle des globalen Hegemonen &uuml;bernahmen.<\/strong><\/p><p>Dieser Wandel war kein Zufall, sondern ein strukturelles Ergebnis: Die rasante Entwicklung globaler Kommunikations- und Transporttechnologien beschleunigte die formelle Dekolonisierung &ndash; ein Prozess, bei dem zwar die Flaggen getauscht wurden und die rechtliche Souver&auml;nit&auml;t an die ehemaligen Kolonien &uuml;berging, die wirtschaftlichen und milit&auml;rischen Abh&auml;ngigkeiten jedoch oft unangetastet blieben.<\/p><p>Diese rein rechtliche Unabh&auml;ngigkeit schmiedete gleichzeitig ein hochgradig vernetztes, globalisiertes anti-koloniales Bewusstsein, das die alte Form der Herrschaft zunehmend herausforderte.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus war die klassische Methode der direkten territorialen Besetzung bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts unbezahlbar teuer geworden &ndash; sowohl an Menschenleben als auch an finanziellen Mitteln. Dies lag ma&szlig;geblich an der weiten Verbreitung asymmetrischer Milit&auml;rtechnologien &ndash; wie etwa der Verf&uuml;gbarkeit g&uuml;nstiger, aber hocheffektiver Panzerabwehrwaffen, Landminen oder tragbarer Flugabwehrsysteme. Diese erlaubten es technologisch unterlegenen Gruppen, einer hochger&uuml;steten Armee empfindliche Verluste zuzuf&uuml;gen und Besatzungskosten ins Unermessliche zu treiben.<\/p><p><strong>Gleichzeitig sorgte der v&ouml;lkerrechtliche Rahmen nach dem Zweiten Weltkrieg &ndash; verankert in der UN-Charta und der dort festgeschriebenen souver&auml;nen Gleichheit und Selbstbestimmung der V&ouml;lker &ndash; daf&uuml;r, dass ein formeller und offener Imperialismus auch rechtlich und moralisch nicht mehr zu rechtfertigen war.<\/strong> F&uuml;r eine Supermacht, die in dieser neuen &Auml;ra ihre Vorherrschaft sichern wollte, war eine direkte Besatzung keine Option mehr; sie h&auml;tte dem Hegemonen augenblicklich jegliche globale Legitimit&auml;t entzogen.<\/p><p><strong>Doch schon bevor diese F&uuml;hrungsrolle an die USA &uuml;berging, beruhte die europ&auml;ische Koloniallogik keineswegs nur auf Ausl&ouml;schung und offener Gewalt. Sie st&uuml;tzte sich gleicherma&szlig;en auf eine ausgekl&uuml;gelte Architektur der Kontrolle: milit&auml;rische Vorposten, das gezielte &bdquo;Heranziehen&ldquo; gef&uuml;giger kolonialer Eliten &ndash; die oft im Westen ausgebildet wurden, um deren Interessen zu internalisieren &ndash; und das Aufzwingen struktureller Finanz- und Marktmechanismen.<\/strong><\/p><p>Durch gezielte Besteuerung, Z&ouml;lle und strikte Gesetze, die vorschrieben, was eine Kolonie produzieren oder mit wem sie Handel treiben durfte, stellte das Imperium sicher, dass jede Autonomie im Keim erstickt und eine aktive Unterentwicklung erzwungen wurde.<\/p><p>Diese Dynamik der erzwungenen Unterentwicklung wurde von dem <a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/gesellschaft\/walter-rodney-wie-europa-afrika-unterentwickelte-eine-gegengeschichte\/\">Historiker aus Guyana, Walter Rodney,<\/a> und <a href=\"https:\/\/zetkin.forum\/publications\/dependenz-und-uberausbeutung\/\">dem brasilianischen Soziologen Rui Mauro Marini<\/a> in ihren Analysen &uuml;ber Afrika und Lateinamerika meisterhaft dokumentiert. Was sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts &auml;nderte, war lediglich die Tatsache, dass die schiere, schamlose Sichtbarkeit dieser Praktiken politisch nicht mehr aufrechterhalten werden konnte.<\/p><p>Die moderne Form des Kapitalismus ist auch heute noch zwingend darauf angewiesen, Zugriff auf Gebiete zu haben, aus denen sich Ressourcen und Profite ziehen lassen. Da das heutige US-gef&uuml;hrte Imperium aber nicht mehr auf die sichtbaren, schwerf&auml;lligen Verwaltungsapparate des 19. Jahrhunderts zur&uuml;ckgreifen kann &ndash; also keine offiziellen Kolonialbeamten mehr schickt&ndash;, musste es sich anpassen.<\/p><p>Interessanterweise waren es auch gerade die neuen v&ouml;lkerrechtlichen Regeln und der technologische Fortschritt, die es diesem Erben des Kolonialismus erm&ouml;glichte, Kontrolle und Einfluss auf globaler Ebene auszu&uuml;ben. Dies geschah jedoch auf eine neue, subtilere Weise, durch eine sogenannte &bdquo;oberfl&auml;chliche&ldquo; oder &bdquo;flache&ldquo; Hegemonie (<em>shallow hegemony<\/em>).<\/p><p>Dabei m&uuml;ssen wir uns jedoch immer vor Augen halten, was <a href=\"https:\/\/soztheo.de\/glossar\/hegemonie\/\">der italienische Philosoph Antonio Gramsci lehrte<\/a>, der diesen Begriff pr&auml;gte: Vorherrschaft (Hegemonie) funktioniert nie durch Gewalt allein. Sie ist immer eine Mischung aus Zustimmung (durch &Uuml;berzeugung und Kultur) und Zwang (durch Druck und Gewalt).<\/p><p><strong>Die hegemoniale Methode und die Grenzen des &bdquo;indirekten Einflusses&ldquo;<\/strong><\/p><p>Als die Funktionseliten der USA die Rolle des Imperiums &uuml;bernahmen &ndash; ein Erbe, das sie in den Jahrzehnten nach dem Ersten Weltkrieg antraten und nach 1945 endg&uuml;ltig vom britischen Weltreich &uuml;bernahmen &ndash;, bestand eine ihrer ersten Amtshandlungen darin, die weltweiten britischen Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte zu &uuml;bernehmen. Doch sie betrieben diese St&uuml;tzpunkte nicht mehr als klassische koloniale Au&szlig;enposten.<\/p><p><strong>Die US-Eliten verfeinerten und spezialisierten die bestehenden Herrschaftsformen, um sie an die Bedingungen der modernen Welt anzupassen.<\/strong> Um den Widerspruch zu l&ouml;sen, dass man zwar globale Reichweite ben&ouml;tigte, aber keine formellen &ndash; und damit moralisch wie rechtlich angreifbaren &ndash; Kolonien mehr f&uuml;hren konnte, perfektionierten die USA eine hegemoniale Art der globalen Steuerung.<\/p><p>Anstatt ganzer L&auml;nder besetzten sie nur einzelne Punkte auf der Landkarte. Man k&ouml;nnte von einem &bdquo;pointillistischen Imperium&ldquo; sprechen &ndash; ein Weltreich, das aus einem Netz von Hunderten Milit&auml;rst&uuml;tzpunkten besteht, die wie kleine Punkte &uuml;ber den Globus verteilt sind.<\/p><p>Statt kolonialer Gouverneure nutzte man moderne Werkzeuge, um andere Staaten auf Linie zu halten: <strong>So zum Beispiel dienten B&uuml;ndnisstrukturen (wie die NATO) dazu, andere L&auml;nder strategisch unterzuordnen und die dortigen F&uuml;hrungsschichten (&bdquo;Eliten&ldquo;) eng an die Interessen Washingtons zu binden.<\/strong><\/p><p>Auf der anderen Seite stellten Finanzarchitekturen (wie der IWF und die Dominanz des US-Dollars) sicher, dass Reichtum und Kapital weiterhin aus anderen L&auml;ndern abgesaugt werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Schlie&szlig;lich fungierten Geheimdienstapparate<strong> <\/strong>als Mechanismen einer Art &bdquo;Schattenregierung&ldquo;, um Prozesse im Hintergrund zu beeinflussen.<\/p><p>Genau diese Dynamik gab der US-Stratege Zbigniew Brzezinski in seinem ber&uuml;hmten Buch &bdquo;Die einzige Weltmacht&ldquo; (&bdquo;The Grand Chessboard&ldquo;) offen zu. Er beschrieb die US-Vorherrschaft als &bdquo;oberfl&auml;chlich&ldquo; oder &bdquo;flach&ldquo;, weil sie sich nicht auf direkte Befehle, sondern auf &bdquo;indirekten Einfluss&ldquo; st&uuml;tzte. Doch Brzezinski erkannte auch den entscheidenden Webfehler in diesem System, denn er stellte fest, dass bestimmte Staaten in Eurasien einfach <em>&bdquo;zu gro&szlig;, zu bev&ouml;lkerungsreich (&hellip;) kulturell zu vielf&auml;ltig und aus zu vielen historisch ehrgeizigen und politisch tatkr&auml;ftigen Staaten zusammengesetzt sind, um sich einfach unterzuordnen.&ldquo; (s. Teil 1)<\/em><\/p><p><strong>Genau wie im alten Kolonialismus nutzen die USA auch in ihrem modernen System Finanzmacht und Geheimdienste, um mit der Zeit eine ganz bestimmte Gruppe innerhalb eines anderen Landes heranzuziehen. Es handelt sich um eine einheimische funktionale Elite, deren pers&ouml;nliche und finanzielle Interessen eng mit denen des westlichen Kapitals verkn&uuml;pft sind.<\/strong><\/p><p>Man kann sich das als einen schleichenden Prozess vorstellen: Private, westliche Kapitalinteressen dringen durch diese Eliten in das Machtmonopol eines Staates ein. <strong>Anstatt den Staat von au&szlig;en anzugreifen, wird er von innen heraus ausgeh&ouml;hlt.<\/strong> Das ist der Kernmechanismus dessen, was wir als Vereinnahmung der Eliten bezeichnen k&ouml;nnen. Die F&uuml;hrungsschicht eines Landes dient dann nicht mehr dem Gemeinwohl des eigenen Landes, sondern fungiert als verl&auml;ngerter Arm des transatlantischen Systems.<\/p><p>Die transatlantische F&uuml;hrungsschicht unter US-Leitung &ndash; und ganz speziell ihr Finanzsektor, der das R&uuml;ckgrat f&uuml;r dieses System bildet &ndash; steht &uuml;ber den einzelnen Nationalstaaten.<\/p><p>Der Politikwissenschaftler Kees van der Pijl <a href=\"https:\/\/academiedegeopolitiquedeparis.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/VAN-DER-PIJL_geo_70.pdf\">nennt dies das &bdquo;Finanzkapital&ldquo;<\/a> oder auch &bdquo;souver&auml;nes Kapital&ldquo;.<\/p><p>Teilweise betrachten diese F&uuml;hrungsschichten ganze L&auml;nder und somit ihre Bev&ouml;lkerungen nur noch als anonyme, austauschbare &bdquo;Produktionsfaktoren&ldquo; &ndash; also als blo&szlig;e Zahlen in einer Bilanz. Doch dieses System ist nicht &bdquo;staatenlos&ldquo; im Sinne von ortlos. Historisch ist es in einem ganz bestimmten transatlantischen Raum (zwischen Nordamerika und Westeuropa) gewachsen. Aber &ndash; und das ist der entscheidende Punkt &ndash; es hat sich strukturell von allen politischen und b&uuml;rgerlichen Pflichten befreit, die ein solcher Raum normalerweise mit sich bringen w&uuml;rde. Es nutzt die Infrastruktur und den Schutz der Staaten, f&uuml;hlt sich aber dem Gemeinwohl der dort lebenden Menschen in keiner Weise mehr verpflichtet.<\/p><p><strong>Die Logik der Zersplitterung: Wenn das Ziel nicht zum Werkzeug passt<\/strong><\/p><p>Die Strategie der Zersplitterung setzt genau dort an, wo die Hegemonie des Westens an ihre Grenzen st&ouml;&szlig;t. Wenn die &bdquo;<em>oberfl&auml;chliche Hegemonie<\/em>&ldquo;, von der Brzezinski sprach, auf einen Staat trifft, der schlichtweg <em>&bdquo;zu gro&szlig; ist, um sich zu f&uuml;gen&ldquo;<\/em>, sieht das Imperium seine Ordnung bedroht. Es entsteht eine Krise f&uuml;r das System, wenn diese gro&szlig;en Staaten beginnen, sich eigenst&auml;ndig zu entwickeln. Da das Imperium heute nicht mehr zur offenen kolonialen Besatzung zur&uuml;ckkehren kann und sein &bdquo;indirekter Einfluss&ldquo; bei einem selbstbewussten Staat irgendwann ins Leere l&auml;uft, bleibt nur noch ein einziger Ausweg: Man muss die Gr&ouml;&szlig;e des Ziels ver&auml;ndern. Damit ein Staat wieder mit den Werkzeugen des indirekten Einflusses steuerbar wird, muss er verkleinert werden.<\/p><p>Tats&auml;chlich wurden nach dem Kalten Krieg nicht nur viele neue Kleinstaaten geschaffen. Nach dem 11. September 2001 wurde das Konzept des &bdquo;fragilen Staates&ldquo; immer mehr <a href=\"https:\/\/pure.diis.dk\/ws\/files\/5215604\/Fragile_states_DIIS_WP_2022_04.pdf\">als Rechtfertigung eingesetzt<\/a>. Das Vorgehen ist dabei fast immer gleich: Erst sorgt man f&uuml;r die Zersplitterung oder Destabilisierung eines Landes, um dann die eigene Intervention damit zu rechtfertigen, dass man dieses Land zum &bdquo;gescheiterten Staat&ldquo; (<em>Failed State<\/em>) erkl&auml;rt.<\/p><p><strong>Der Drang zur Zersplitterung ist im Kern nichts anderes als die alte koloniale Logik, die unter Bedingungen operieren muss, die den klassischen Kolonialismus heute strikt verbieten.<\/strong> Diese Strategie kommt immer dann zum Einsatz, wenn die alten rechtlichen und ideologischen Tricks nicht mehr funktionieren und mehr noch: wenn es nicht gelungen ist, ein Land dauerhaft in Unterentwicklung und Abh&auml;ngigkeit zu halten.<\/p><p>Wenn es gro&szlig;en, eigenst&auml;ndigen Staaten n&auml;mlich gelingt, sich technologisch, milit&auml;risch und wirtschaftlich erfolgreich zu entwickeln, begehen sie aus Sicht des Westens zwei unverzeihliche Verbrechen:<\/p><p><strong>Erstens blockieren sie der westlichen Finanzelite den physischen Zugriff auf ihre Rohstoffe und M&auml;rkte. Und zweitens wirken sie wie neue Gravitationszentren, um die sich eine rivalisierende Weltordnung bilden kann.<\/strong><\/p><p>Diese Entwicklungen l&auml;uten unverkennbar die Abendd&auml;mmerung der USA als alleinige Weltmacht ein.<\/p><p>Doch wir m&uuml;ssen hier eine wichtige Unterscheidung treffen: Die Verantwortlichen an der Spitze dieses br&ouml;ckelnden Systems sehen sich zwar gezwungen, den Verlust ihrer weltweiten Zustimmung zu akzeptieren, lassen die Maske der &bdquo;freiwilligen Partnerschaft&ldquo; fallen und kehren zu offener, nackter Gewalt zur&uuml;ck. Aber sie weigern sich strikt, den Verlust ihres Imperiums und der damit verbundenen Privilegien hinzunehmen. Auch wenn man argumentieren k&ouml;nnte, dass das US-Imperium bereits am Ende ist oder sich zumindest dahin bewegt, wird die herrschende Klasse der USA ihre globale Rolle nicht kampflos aufgeben.<\/p><p>Das f&uuml;hrt uns zur sozialen und wirtschaftlichen Dimension dieser Bedrohung.<\/p><p>Nach den Begriffen von Kees van der Pijl begeht ein &bdquo;Herausforderer-Staat&ldquo; (wie etwa China oder Russland) ein weiteres, unverzeihliches Verbrechen: Seine F&uuml;hrungsschicht behandelt die eigene Bev&ouml;lkerung als ein wertvolles nationales Gut. Indem dieser Staat seine B&uuml;rger aus der Anonymit&auml;t herausholt und seine besonderen sozialen Identit&auml;ten anerkennt, bedroht er direkt die Bed&uuml;rfnisse des transatlantischen Kapitals. Denn dieses Kapital ben&ouml;tigt strukturell ein Heer von anonymen, unbegrenzt austauschbaren und leicht ausbeutbaren Arbeitskr&auml;ften.<\/p><p><a href=\"https:\/\/academiedegeopolitiquedeparis.com\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/VAN-DER-PIJL_geo_70.pdf\">Van der Pijl schreibt dazu<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die eigentliche Herausforderung bestand im sozialen Schutz, der den Bev&ouml;lkerungen gew&auml;hrt wurde. Diese vor den Bewegungen des Weltmarktkapitals abzuschirmen, erm&ouml;glichte es, dass sich eigenst&auml;ndige Formen des Alltagslebens entwickelten &ndash; einschlie&szlig;lich eines demokratischen Potenzials, das f&uuml;r das transnationale Kapital schlicht unannehmbar ist.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Das herrschende Kapital kann eine solche Entwicklung im gro&szlig;en Stil nicht tolerieren.<\/p><p>Deshalb ist ein solcher Staat nicht nur ein geopolitischer Rivale; er entzieht eine riesige Menschenmenge sowie s&auml;mtliche Rohstoffe der rein profitgetriebenen Logik des Kapitalismus. Schlimmer noch: Er dient als gef&auml;hrliches, funktionierendes Vorbild f&uuml;r den Rest der Welt, dem andere L&auml;nder folgen k&ouml;nnten.<\/p><p><strong>Die Angriffsziele: Wo die Zersplitterung ansetzt<\/strong><\/p><p>Die Ziele dieser Zersplitterungsstrategie sind vielf&auml;ltig. <strong>Am offensichtlichsten ist der Angriff auf die territoriale Einheit von &bdquo;Herausforderer-Staaten&ldquo;.<\/strong> Das Ziel ist es, gro&szlig;e, in sich geschlossene Nationen in schwache, abh&auml;ngige und untereinander zerstrittene Bruchst&uuml;cke zu zertr&uuml;mmern.<\/p><p><strong>Ebenso entscheidend ist jedoch der Angriff auf die Rohstoff- und Energiesouver&auml;nit&auml;t. <\/strong>Indem das Imperium Versorgungsnetze, Handelsrouten und <a href=\"https:\/\/features.csis.org\/no-safe-harbor-china-ports\/\">Logistikketten<\/a> gezielt unterbricht oder spaltet, stellt es sicher, dass keine alternative physische Infrastruktur entstehen kann.<\/p><p>Damit sind Projekte gemeint, die au&szlig;erhalb der westlichen Kontrolle operieren &ndash; wie etwa neue Pipeline-Netzwerke (z.B. Power of Siberia), eigenst&auml;ndige globale Handelsrouten (wie die &bdquo;Neue Seidenstra&szlig;e&ldquo;) oder unabh&auml;ngige Satelliten- und Bezahlsysteme. Wenn diese Lebensadern zertrennt werden, bleibt ein Staat gezwungen, die Infrastruktur des Westens zu nutzen und sich damit dessen Regeln zu unterwerfen.<\/p><p>Dabei ist es f&uuml;r das Imperium zweitrangig, ob dieses Ziel durch das geografische Auseinanderbrechen eines Landes oder durch das gewaltsame Abschneiden seiner lebenswichtigen Lieferketten erreicht wird.<\/p><p><strong>Ein drittes Ziel der Strategie betrifft sowohl die Geografie als auch die Energie: die finanzielle Souver&auml;nit&auml;t.<\/strong> Damit ist die F&auml;higkeit eines Staates gemeint, international Handel zu treiben, eigenst&auml;ndig Kredite aufzunehmen und Investitionen zu t&auml;tigen, ohne dabei auf Abwicklungsstellen (<em>Clearingh&auml;user<\/em>) angewiesen zu sein.<\/p><p>Da diese fast ausnahmslos &uuml;ber den US-Dollar laufen, fungieren sie als eine Art Nadel&ouml;hr des Weltfinanzsystems: Wer die Hoheit &uuml;ber diese Stellen hat, kann jedem beliebigen Staat den finanziellen Atem abschn&uuml;ren. Indem das Imperium diese finanzielle F&auml;higkeit zerst&ouml;rt &ndash; durch Sanktionen, das Einfrieren von Staatsverm&ouml;gen oder Handelsbeschr&auml;nkungen &ndash;, stellt es sicher, dass selbst ein rohstoffreiches Land strukturell unf&auml;hig bleibt, seine eigene Entwicklung oder den Wiederaufbau (etwa nach einem Krieg) selbst zu finanzieren.<\/p><p>Diese k&uuml;nstlich herbeigef&uuml;hrte finanzielle L&auml;hmung ist die <a href=\"https:\/\/www.warcosts.org\/analysis\/economic-warfare\">Voraussetzung<\/a> daf&uuml;r, dass die transatlantische Finanzelite sp&auml;ter einspringen und Bedingungen diktieren kann, die einer Kapitulation gleichkommen. Wenn ein Staat erst einmal finanziell ausgeblutet ist, kann er den Forderungen des Westens kaum noch etwas entgegensetzen. Doch es gibt einen Haken: <strong>Je &ouml;fter diese Werkzeuge der finanziellen Zersplitterung eingesetzt werden, desto intensiver arbeiten die betroffenen Staaten an alternativen Finanzsystemen, um sich aus der Abh&auml;ngigkeit vom Dollar zu befreien.<\/strong><\/p><p><strong>Ein viertes Ziel der Strategie wird eher durch b&uuml;rokratische Machtpolitik als durch offene Krisen oder Gewalt erreicht: der Angriff auf die Solidarit&auml;t zwischen den Staaten des Globalen S&uuml;dens.<\/strong> Das Imperium versucht aktiv, die kollektive Verhandlungsmacht dieser L&auml;nder zu brechen. Ohne diesen Zusammenhalt sind die einzelnen Staaten gezwungen, dem Druck des Westens allein gegen&uuml;berzutreten, was sie wehrlos macht.<\/p><p>Dies geschieht durch eine gezielte Vereinzelung<strong> <\/strong>von Handels- und Zollvertr&auml;gen. Man spielt L&auml;nder gegeneinander aus &ndash; etwa Vietnam gegen Malaysia oder Indonesien gegen Indien &ndash; und dr&auml;ngt sie dazu, die Zusammenarbeit mit China zu reduzieren oder ganz einzustellen.<\/p><p><strong>Hier wird die Zersplitterung nicht auf das Land selbst, sondern auf den politischen Zusammenhalt untereinander angewendet.<\/strong> Kurz gesagt: Jede Form von Zusammenarbeit zwischen Staaten, die au&szlig;erhalb der Kontrolle des br&ouml;ckelnden Imperiums stattfindet, wird als Bedrohung betrachtet, die zerschlagen werden muss.<\/p><p>Paradoxerweise ist der Handel zwischen den L&auml;ndern des S&uuml;dens (S&uuml;d-S&uuml;d-Handel) trotz dieser Angriffe in den letzten drei Jahrzehnten <a href=\"https:\/\/unctad.org\/news\/unctad16-stronger-south-south-cooperation-trade-and-investment-key-shared-prosperity\">um das Zehnfache gewachsen<\/a>. Er macht heute &uuml;ber ein Drittel des gesamten Welthandels aus. Die Welthandels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) stellte 2025 fest, dass Initiativen wie BRICS, ASEAN oder Mercosur immer wichtiger werden.<\/p><p>Interessanterweise wird dieser harte Kurs nicht einmal von allen Kr&auml;ften innerhalb der westlichen Elite gleicherma&szlig;en unterst&uuml;tzt. Das zeigen beispielsweise aktuelle Urteile des Obersten Gerichtshofs der USA zu Z&ouml;llen oder der Protest der belgischen Regierung gegen die Nutzung eingefrorener russischer Verm&ouml;genswerte. Selbst innerhalb des Westens beginnt die Einigkeit &uuml;ber diese Werkzeuge zu br&ouml;ckeln.<\/p><p><strong>Zuletzt wird die Strategie der Zersplitterung auch direkt auf die F&uuml;hrungsschichten der Zielstaaten angewendet.<\/strong> Das Imperium versucht gezielt, den politischen Zusammenhalt innerhalb eines Landes zu brechen, indem es einen bestimmten Teil der Elite f&uuml;r sich gewinnt &ndash; vor allem diese aus dem Finanzsektor und der Verwaltung. Indem das Imperium die pers&ouml;nlichen und finanziellen Interessen dieser Gruppe eng an den transatlantischen Raum bindet, wird der Staat von innen heraus ausgeh&ouml;hlt. Er wird dann von einer Fraktion verwaltet, deren wahre Loyalit&auml;t nicht der Entwicklung des eigenen Landes gilt, sondern dem globalen US-gef&uuml;hrten Finanzsystem. Doch hier zeigt sich ein Paradoxon: Wenn diese Strategie eskaliert und von wirtschaftlichem Druck zu offener milit&auml;rischer Gewalt &uuml;bergeht, schl&auml;gt der Plan oft ins Gegenteil um. Inmitten von Chaos und Krieg verlieren die gef&uuml;gigen Finanzeliten meist an Macht. Stattdessen gewinnen oft Widerstandsgruppen und andere soziale Schichten an Einfluss, die sich dem Zugriff des Imperiums weit entschlossener widersetzen.<\/p><p><strong>Die Mechanik des Staatszerfalls: Von der Strategie zur Umsetzung<\/strong><\/p><p>Wie wir gesehen haben, ist der Einsatz der Zersplitterung als bevorzugtes Werkzeug der transatlantischen Eliten kein Zufall. Er ist das Ergebnis historischer Entwicklungen und ein direktes Erbe aus der Kolonialzeit. Diese Strategie greift zwar auf vielen Ebenen gleichzeitig an &ndash; sie st&ouml;rt Lieferketten, blockiert Finanznetzwerke und untergr&auml;bt diplomatische B&uuml;ndnisse &ndash;, doch das Hauptziel bleibt immer der gro&szlig;e, eigenst&auml;ndige Staat (wie etwa der Iran, China oder Russland).<\/p><p><strong>Um nun genau zu verstehen, wie dieser &bdquo;imperiale Reflex&ldquo; in der Praxis funktioniert und wie er vor Ort umgesetzt wird, m&uuml;ssen wir uns die Mechanik des Staatszerfalls genauer ansehen. Wir m&uuml;ssen untersuchen, wie ein stabiles Gebilde St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck instabil gemacht wird, bis es in sich zusammenbricht.<\/strong><\/p><p>Um diesen Prozess besser zu verstehen, werfen wir einen Blick auf das <a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/3108643\">soziologische Modell<\/a> des Soziologen <strong>Jieli Li<\/strong> aus seinem Artikel <em>&bdquo;State Fragmentation&ldquo;<\/em> (2002). Li liefert uns eine pr&auml;zise Schritt-f&uuml;r-Schritt-Anleitung, wie Staaten auseinanderbrechen.<\/p><p>Alles beginnt damit, dass von au&szlig;en massiver Druck aufgebaut wird. Man sch&uuml;rt Feindseligkeiten bei den Nachbarstaaten und st&ouml;rt gezielt die Finanz-, Energie- und Versorgungsleitungen des Ziellandes. Dies ist geopolitischer Stress.<\/p><p>Dieser &auml;u&szlig;ere Druck f&uuml;hrt irgendwann zwangsl&auml;ufig zu einer schweren Haushaltskrise. Dem Staat geht schlicht das Geld aus.<\/p><p>Wenn das Geld fehlt, verliert der Zentralstaat die F&auml;higkeit, seine Macht aufrechtzuerhalten. Er kann Polizei, Milit&auml;r und Verwaltung nicht mehr ausreichend bezahlen oder ausr&uuml;sten. Sein &bdquo;Gewaltmonopol&ldquo; br&ouml;ckelt allm&auml;hlich. Schlie&szlig;lich entsteht ein Machtvakuum, in dem sich nun lokale Gruppen, oft ethnisch oder kulturell motiviert, an den R&auml;ndern des Landes mobilisieren k&ouml;nnen. Das Land beginnt, sich aufzul&ouml;sen.<\/p><p>Eine interessante Erkenntnis von Li ist, dass bestehende ethnische oder kulturelle Konflikte f&uuml;r sich genommen nicht zum Zerfall eines Staates f&uuml;hren. Sie sind zwar vorhanden, aber sie brechen erst dann gewaltsam aus, wenn die Macht des Zentralstaates so weit geschw&auml;cht wurde, dass er die Ordnung nicht mehr garantieren kann. Erst die Schw&auml;che des Staates erlaubt es diesen schlummernden Spannungen, das Territorium f&ouml;rmlich zu zerrei&szlig;en.<\/p><p>Innerhalb dessen, was ich die &bdquo;Gro&szlig;e Strategie der Zersplitterung&ldquo; nenne, wird dieser Prozess des Staatszerfalls nicht dem Zufall &uuml;berlassen; er wird von au&szlig;en gezielt herbeigef&uuml;hrt. In jedem Teil der Welt, den das US-gef&uuml;hrte System ins Visier nimmt, wird dieser Druck k&uuml;nstlich erzeugt.<\/p><p>Die Werkzeuge daf&uuml;r sind u.a. die Nutzung maximalistischer Sanktionen. Diese beinhalten Wirtschaftsblockaden, die so umfassend sind, dass sie die gesamte Gesellschaft eines Landes l&auml;hmen sollen. Es geht darum, die wirtschaftliche Basis des Staates so weit zu zerst&ouml;ren, dass er seine B&uuml;rger nicht mehr versorgen und seine Ordnung nicht mehr aufrechterhalten kann.<\/p><p>Weiterhin geh&ouml;rt auch die Finanzierung von Stellvertretern (sog. <em>Proxys<\/em>) dazu.<strong> <\/strong>Diese Unterst&uuml;tzung von bewaffneten Gruppen oder Oppositionsbewegungen im Inneren dient dazu, den Staat von innen heraus zu destabilisieren und es von au&szlig;en wie einen B&uuml;rgerkrieg erscheinen zu lassen.<\/p><p>Schlie&szlig;lich geh&ouml;ren auch gezielte Milit&auml;rschl&auml;ge dazu. Oftmals geht es dabei um Angriffe auf wichtige Infrastrukturen, die den Staat schw&auml;chen, oder gar die Eliminierung von f&uuml;hrenden Pers&ouml;nlichkeiten. Dabei wird das Land allerdings nicht sofort und nicht vollst&auml;ndig besetzt.<\/p><p><strong>Das Entscheidende ist jedoch: Das Imperium h&auml;lt diesen Druck aktiv aufrecht, selbst wenn der angegriffene Staat versucht, eine friedliche L&ouml;sung oder einen Ausweg aus der Eskalation auszuhandeln.<\/strong> Friedensangebote werden sabotiert, z.B. indem die Bedingungen einfach so hoch geschraubt werden, dass sie der &bdquo;Gegner&ldquo; nicht annehmen kann, weil das Ziel nicht die L&ouml;sung eines Konflikts ist, sondern die endg&uuml;ltige Zersplitterung des angegriffenen Staates.<\/p><p><strong>Betrachten wir dazu die j&uuml;ngsten diplomatischen Man&ouml;ver rund um den Iran:<\/strong> Als der omanische Au&szlig;enminister am 27. Februar einen m&ouml;glichen diplomatischen Durchbruch verk&uuml;ndete, reagierten die Gesandten der US-Regierung sofort damit, dies als reines &bdquo;Hinhalteman&ouml;ver&ldquo; abzutun. Schon am n&auml;chsten Tag war die Chance auf eine friedliche L&ouml;sung gewaltsam <a href=\"https:\/\/asiatimes.com\/2026\/02\/before-trump-bombing-oman-fm-called-us-iran-deal-within-reach\/\">in eine milit&auml;rische Eskalation umgewandelt worden<\/a>.<\/p><p>Dies verdeutlicht einen entscheidenden Mechanismus der Zersplitterung. Die imperialen Akteure &ndash; jene Diplomaten, die eigentlich keine Diplomaten im klassischen Sinne sind, sondern eher wie Abwickler von Finanzgesch&auml;ften agieren &ndash; kontrollieren r&uuml;cksichtslos die Notausg&auml;nge. Ein klassischer Diplomat w&uuml;rde den Kompromiss zwischen Staaten suchen. Ein &bdquo;Abwickler&ldquo; hingegen pr&uuml;ft nur, ob die Bedingungen der Unterwerfung erf&uuml;llt sind. Es geht also nicht um Diplomatie, sondern um das Management einer Insolvenz oder einer Kapitulation. Indem sie diplomatische L&ouml;sungen systematisch blockieren oder sabotieren, stellt das Imperium sicher, dass der Zielstaat den enormen &auml;u&szlig;eren Druck nicht abbauen kann. Man kann es so zusammenfassen: Sie legen erst das Feuer und verrammeln dann die Notausg&auml;nge.<\/p><p><strong>Ein Pfeiler dieses k&uuml;nstlich erzeugten Drucks ist die Zweckentfremdung des US-Dollars als Waffe.<\/strong> Da die USA &uuml;ber ihre Zentralbank (Federal Reserve) die weltweite Versorgung mit Dollars kontrollieren, haben sie einen direkten Hebel in der Hand, um andere Volkswirtschaften unter Druck zu setzen. Einen gro&szlig;en, eigenst&auml;ndigen Staat aus dem Dollar-System zu dr&auml;ngen &ndash; durch Sanktionen gegen Drittstaaten und die gezielte Abwertung der Landesw&auml;hrung &ndash;, ist die praktische Umsetzung dessen, was Jieli Li als das Herbeif&uuml;hren einer Fiskalkrise beschreibt. Indem die USA absichtlich Hyperinflation ausl&ouml;sen und der Zentralregierung die Einnahmen entziehen, zielen sie darauf ab, die Durchsetzungskraft des Staates zu schw&auml;chen &ndash; oder sie hegen zumindest die Hoffnung, dass dies geschieht.<\/p><p>Genau dies war <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/economy\/2026\/2\/13\/us-says-it-caused-dollar-shortage-to-trigger-iran-protests-what-that-means\">die Erwartung<\/a>, mit der man die iranische Regierung schw&auml;chen wollte. So behauptete der US-Finanzminister Scott Bessent, Washington habe eine Dollar-Knappheit mit genau diesem Ziel herbeigef&uuml;hrt, um Massenproteste auf der Stra&szlig;e zu provozieren. Denn sobald die Zentralmacht geschw&auml;cht ist, kann das Imperium beginnen, lokale ethnische oder religi&ouml;se Gruppen zu finanzieren und zu bewaffnen, damit diese sich erheben und den Staat von innen heraus zerbrechen. Tats&auml;chlich <a href=\"https:\/\/www.independent.co.uk\/news\/world\/americas\/us-politics\/trump-guns-protesters-iran-kurds-b2952178.html\">wurde bereits best&auml;tigt<\/a>, dass die Trump-Regierung Waffen an Protestierende im Iran geschickt hatte. Schlie&szlig;lich darf man in diesem Szenario das gezielte Umwerben jener Finanzeliten nicht vergessen, die die Aktionen des Imperiums im Inneren unterst&uuml;tzen k&ouml;nnten.<\/p><p><strong>Die Grenzen der Zersplitterung: Wenn das Ziel standh&auml;lt<\/strong><\/p><p>So gewaltig die Zerst&ouml;rungskraft dieser imperialen Abrissbirne auch sein mag &ndash; sie st&ouml;&szlig;t an strukturelle Grenzen. Wie wir anhand des soziologischen Modells von Jieli Li gesehen haben, folgt die Zersplitterung einer ganz bestimmten logischen Kette:<\/p><ol>\n<li><strong>Geopolitischer Stress:<\/strong> Der Druck von au&szlig;en (Wirtschaft, Terrorismus, diplomatische Isolierung).<\/li>\n<li><strong>Die Finanzkrise (Fiskalkrise):<\/strong> Dem Staat geht das Geld aus.<\/li>\n<li><strong>Erosion der staatlichen Macht:<\/strong> Die zentrale Regierung verliert die F&auml;higkeit, Gesetze und Ordnung mit Gewalt durchzusetzen.<\/li>\n<li><strong>Das Machtvakuum:<\/strong> Es entsteht ein Raum ohne staatliche Kontrolle.<\/li>\n<li><strong>Fliehkr&auml;fte f&uuml;llen die Leere:<\/strong> Lokale Gruppen, Separatisten oder andere Akteure dr&auml;ngen in dieses Vakuum und rei&szlig;en das Land auseinander.<\/li>\n<\/ol><p>Die Wirksamkeit der Strategie h&auml;ngt also davon ab, ob diese Kette an irgendeiner Stelle unterbrochen werden kann.<\/p><p>F&auml;lle wie Kuba oder der Iran zeigen jedoch, dass eine starke soziale und politische Organisation selbst gewaltigen geopolitischen Stress absorbieren kann, ohne dass der Staat dabei seine Durchsetzungsf&auml;higkeit verliert. Die entscheidenden Faktoren, die &uuml;ber das &Uuml;berleben eines Staates entscheiden, sind dabei klar erkennbar.<\/p><p>An erster Stelle stehen Legitimit&auml;t und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Ein Staat, dessen Bev&ouml;lkerung hinter einem echten nationalen oder revolution&auml;ren Projekt steht &ndash; gest&auml;rkt durch ein kollektives Ged&auml;chtnis und eine gemeinsame Geschichte &ndash;, ist von Natur aus viel schwerer auszuh&ouml;hlen als ein fragiler &bdquo;Rentenstaat&ldquo; (ein Staat, der sein Geld z.B. nur aus dem Verkauf von &Ouml;l oder Gas bezieht, ohne eine echte industrielle Basis oder eine loyale B&uuml;rgerschaft zu haben) oder ein postkoloniales Flickwerk (wie etwa Libyen oder der Irak). Anders ausgedr&uuml;ckt bedeutet das, dass die Menschen eine gemeinsame Erz&auml;hlung haben, die wie ein Klebstoff wirkt, der die Gesellschaft auch in Zeiten der Not (Inflation, Hunger) zusammenh&auml;lt.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus ist die institutionelle Tiefe ein entscheidendes Bollwerk. Damit ist weit mehr gemeint als nur die politische Fassade eines Staates: Es ist das Fundament aus Verwaltung, Versorgungsketten und Sicherheitsorganen, das auch dann noch funktioniert, wenn der Kontakt zur Au&szlig;enwelt gekappt wird. Kuba hat so &uuml;ber sechzig Jahre unter einer faktischen Belagerung &uuml;berlebt, w&auml;hrend der Iran zwei Jahrzehnte darauf verwendete, sich auf genau diese Konfrontation vorzubereiten.<\/p><p>Diese Staaten haben nicht zuf&auml;llig &uuml;berlebt; sie sind gezielt darauf konstruiert, dem maximalen Druck standzuhalten. Sie haben ihre gesamte Staatsform wie eine Festung gegen den transatlantischen Zugriff entworfen, inklusive der n&ouml;tigen Reserven und Notfallpl&auml;ne f&uuml;r den Ernstfall.<\/p><p><strong>Eine ebenso entscheidende Rolle spielen externe Unterst&uuml;tzungsnetzwerke, die oft diskret im Hintergrund agieren.<\/strong> Diese wirtschaftlichen und diplomatischen Rettungsanker (meist aus China und Russland) wirken dem vom Imperium k&uuml;nstlich herbeigef&uuml;hrten Mechanismus der Finanzkrise aktiv entgegen. Man kann sie als diplomatische Lebensadern bezeichnen: Wenn der US-Hegemon versucht, ein Land finanziell auszutrocknen, sorgen diese Partner f&uuml;r die n&ouml;tige &bdquo;Fl&uuml;ssigkeit&ldquo; &ndash; sei es durch die Abnahme von Energie, die Bereitstellung alternativer Bezahlsysteme oder technologische Hilfe. So wird der beabsichtigte Kollaps von au&szlig;en zumindest abgefedert.<\/p><p>Doch die vielleicht tiefgreifendste strukturelle Grenze f&uuml;r das Modell von Jieli Li liegt in seiner Grundannahme: <strong>Das Modell geht davon aus, dass der Machtapparat eines Staates finanziell und geografisch zentral gesteuert wird. Der Iran hebelt diese Annahme jedoch aus.<\/strong> Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) kontrollieren sch&auml;tzungsweise 30 bis 40 Prozent der heimischen Wirtschaft &uuml;ber ihre eigenen Bau-, Energie- und Logistikkonzerne. Dies schafft eine parallele Einnahmebasis, die gezielt darauf ausgelegt ist, genau jene Finanzkrisen zu &uuml;berstehen, die das transatlantische Kapital k&uuml;nstlich herbeizuf&uuml;hren versucht. Wenn die Zentralregierung finanziell unter Druck ger&auml;t, bleibt der Machtapparat durch seine eigenen Wirtschaftskreisl&auml;ufe handlungsf&auml;hig.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus <a href=\"https:\/\/www.cicero.de\/aussenpolitik\/krieg-im-iran-die-iranische-doktrin-des-langwierigen-krieges\">nutzt der Iran<\/a> eine sogenannte &bdquo;Mosaik-Verteidigungsstrategie&ldquo;. Seine zivile und milit&auml;rische Infrastruktur, einschlie&szlig;lich unterirdischer Netzwerke, wurde dezentralisiert. Sie ist explizit darauf getrimmt, einer Strategie standzuhalten, die darauf setzt, einen Staat durch einen Schlag gegen seine politische und milit&auml;rische F&uuml;hrung zu &bdquo;enthaupten&ldquo;. In Verbindung mit einem abgeh&auml;rteten soziopolitischen Zusammenhalt stellt der Iran damit eine Anomalie dar: Ein Fall, in dem die Mechanik des Staatszerfalls nach Jieli Li mit den verf&uuml;gbaren Instrumenten des Imperiums nicht einfach ausgel&ouml;st werden kann.<\/p><p><strong>Zuletzt m&uuml;ssen wir einen entscheidenden Streitpunkt innerhalb der Phase des geopolitischen Drucks untersuchen: die Instrumentalisierung von Energie als Waffe.<\/strong><\/p><p>Da &Ouml;l &ndash; und zunehmend Fl&uuml;ssiggas (LNG) &ndash; die universelle Grundvoraussetzung ist, ohne die eine Industriegesellschaft schlicht aufh&ouml;rt zu funktionieren, ist Energie der erste Dominostein in einer wichtigen Kette: F&auml;llt er, bricht alles dahinter zusammen &ndash; von den Fabriken &uuml;ber den Transport bis hin zur Landwirtschaft. Wer die Energie kontrolliert, kontrolliert somit zwangsl&auml;ufig alles, was von ihr abh&auml;ngt.<\/p><p>Doch es gibt eine r&auml;umlich-strukturelle Ebene, die der Strategie der Zersplitterung eine neue Grenze setzt. <strong>Es reicht heute nicht mehr aus, lediglich die Produktion zu kontrollieren<\/strong> &ndash; wie in der klassischen &Auml;ra des saudi-arabischen Petrodollars, als ein B&uuml;ndnis mit den &Ouml;lf&ouml;rderl&auml;ndern allein zur Weltmarktdominanz gen&uuml;gte.<\/p><p><strong>Ein Imperium muss heute auch die Str&ouml;me beherrschen oder sie dem Gegner verweigern. Das bedeutet die Kontrolle &uuml;ber Pipelines, LNG-Terminals und die maritimen Nadel&ouml;hre (sog. <\/strong><em><strong>Chokepoints<\/strong><\/em><strong>).<\/strong> Diese Engstellen auf dem Meer, wie der Suezkanal oder die Stra&szlig;e von Hormus, sind strategische Hebel. Durch diese kann der Handel eines ganzen Kontinents blockiert werden, sei es, weil diese Stellen tats&auml;chlich kontrolliert oder nur unbrauchbar gemacht werden.<\/p><p>Zersplitterung im 21. Jahrhundert bedeutet also auch, die physische Verbindung zwischen Quelle und Verbraucher zu kappen. Ein Land kann so viel &Ouml;l haben, wie es will &ndash; wenn die Pipelines gesprengt oder die Schifffahrtswege blockiert sind, ist dieser Reichtum schwer zu verwerten. Das ist die Zersplitterung der globalen Lebensadern.<\/p><p><strong>Theoretisch verfolgt die Zersplitterung von Staaten, die an diesen entscheidenden Energiestr&ouml;men liegen &ndash; wie etwa der Irak, Libyen, Syrien oder der Iran &ndash;, zwei Ziele gleichzeitig:<\/strong><\/p><p>Erstens wird den multipolaren Rivalen (wie China oder Russland) eine gefestigte Energiebasis vorenthalten. Zweitens wird sichergestellt, dass die verbleibenden Energiestr&ouml;me ausschlie&szlig;lich durch Kan&auml;le geleitet werden, die von den USA kontrolliert oder &uuml;berwacht werden.<\/p><p><strong>In diesem Sinne sind das Zerbrechen eines Territoriums und die globale Energiekontrolle eigentlich derselbe Schachzug, nur aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.<\/strong><\/p><p>Die Zersplitterung trifft genau jenen Staat, der ansonsten ein wichtiges Fundament f&uuml;r eine unabh&auml;ngige Energie-Infrastruktur einer rivalisierenden Weltordnung bilden w&uuml;rde. Ohne diesen &bdquo;Anker&ldquo; w&uuml;rde das Projekt einer unabh&auml;ngigen (nicht-US-gef&uuml;hrten) Energieversorgung stark geschw&auml;cht werden.<\/p><p>Doch diese Strategie st&ouml;&szlig;t auf ein Paradoxon: Was passiert, wenn der ins Visier genommene Staat selbst die physische Kontrolle &uuml;ber diese zentralen Energieknotenpunkte besitzt und zudem &uuml;ber die asymmetrische F&auml;higkeit verf&uuml;gt, genau jene Str&ouml;me zu unterbrechen, von denen die Weltwirtschaft abh&auml;ngt?<\/p><p>Man sieht also: Auch wenn die &bdquo;Gro&szlig;e Strategie der Zersplitterung&ldquo; heute die bevorzugte Waffe des Imperiums ist, so ist sie doch keineswegs allm&auml;chtig. Ihr Erfolg oder Misserfolg h&auml;ngt letztlich davon ab, ob der Zielstaat &uuml;ber die notwendige soziopolitische Organisation verf&uuml;gt, um dem Prozess der inneren Aush&ouml;hlung zu widerstehen.<\/p><p><em>Ende Teil 2<\/em><\/p><p><em>Teil 1 <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150060\">finden sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><em>Dieser Essay erschien urspr&uuml;nglich in englischer Sprache <a href=\"https:\/\/substack.com\/@nelbonilla\/p-190652863\">auf dem Substack der Autorin <\/a>. Die vorliegende Fassung ist eine von der Autorin selbst &uuml;bersetzte und leicht &uuml;berarbeitete Version.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: KI generiert mit DALL-E 3 von OpenAI<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem wir in <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150060\">Teil 1<\/a> die historischen Wurzeln dieser Strategie &ndash; vom Yinon-Plan bis zur NATO-Osterweiterung &ndash; analysiert haben, stellt sich eine entscheidende Frage: Warum wurde die gezielte Zersplitterung zur bevorzugten Waffe der westlichen Alleinherrschaft? Die Antwort liegt in einer evolution&auml;ren Anpassung: Die Strategie der Zersplitterung ist die direkte Fortsetzung der kolonialen Logik unter<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150120\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":150124,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,205],"tags":[374,1754,901,2102,3517,1426,2529,1494,2175,951,1792,2640,1977,3438,2556,1556,1703,1019],"class_list":["post-150120","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-neoliberalismus-und-monetarismus","tag-eliten","tag-energieversorgung","tag-geheimdienste","tag-geostrategie","tag-globaler-sueden","tag-hegemonie","tag-imperialismus","tag-infrastruktur","tag-interventionspolitik","tag-iran","tag-kolonialismus","tag-leitwaehrung","tag-transatlantische-partnerschaft","tag-un-charta","tag-unterwanderung","tag-usa","tag-voelkerrecht","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/260508-Glass-Puzzle-II.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150120","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=150120"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150120\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":150222,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150120\/revisions\/150222"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/150124"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=150120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=150120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=150120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}