{"id":150142,"date":"2026-05-08T15:00:56","date_gmt":"2026-05-08T13:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150142"},"modified":"2026-05-08T15:20:01","modified_gmt":"2026-05-08T13:20:01","slug":"nato-daemmerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150142","title":{"rendered":"NATO-D\u00e4mmerung?"},"content":{"rendered":"<p>Der US-Pr&auml;sident Donald Trump erkl&auml;rte j&uuml;ngst einen Teilabzug von US-Milit&auml;rs von deutschem Boden. Auch soll die urspr&uuml;nglich f&uuml;r 2026 geplante Stationierung von diversen Mittelstreckenwaffensystemen vom Tisch sein. Ob es sich bei der Streichliste &bdquo;lediglich&ldquo; um die Tomahawk-Marschflugk&ouml;rper oder auch die SM-6-Raketen und die Dark-Eagle-Hyperschallwaffen mit Mittelstreckenreichweite handelt, ist noch unklar. Aber die Nichtstationierung aller drei Waffensysteme <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149917\">w&auml;re zu begr&uuml;&szlig;en<\/a>. Der polnische Ministerpr&auml;sident Donald Tusk spricht angesichts des Allgemeinzustandes des Milit&auml;rb&uuml;ndnisses vom <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/donald-tusk-warnt-vor-fortschreitendem-zerfall-der-nato_051473a6-4ff1-47fa-9e8d-6136075407f0.html\">&bdquo;fortschreitendem Zerfall der NATO&ldquo;<\/a>. Befindet sich die NATO tats&auml;chlich in der D&auml;mmerung, in der Aufl&ouml;sung? Hierzu ein paar Gedanken. Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nBereits in seiner ersten Amtszeit &auml;u&szlig;erte sich Donald Trump kritisch zum Sinn der NATO. Mit der Amts&uuml;bernahme Joe Bidens 2021 war das Thema dann wieder vom Tisch. Mit der erneuten Amts&uuml;bernahme Donald Trumps ab Januar 2025 erneuerte er die Sinnfrage zur NATO. In diesem Beitrag sollen der derzeitige Zustand und die m&ouml;gliche Zukunft des Milit&auml;rb&uuml;ndnisses analysiert werden.<\/p><p><strong>Gr&uuml;ndung der NATO<\/strong><\/p><p>Die NATO wurde im Jahre 1949 federf&uuml;hrend seitens der USA gegr&uuml;ndet. Sie ist ein Produkt des Ost-West-Konflikts. Das milit&auml;rische Gegenmodell, der Warschauer Vertrag, wurde erst sp&auml;ter, im Jahre 1955, gegr&uuml;ndet. Sowohl die USA als auch die UdSSR waren die jeweiligen unumstrittenen F&uuml;hrungsm&auml;chte in ihren Milit&auml;rb&uuml;ndnissen. Beide hielten ihre jeweiligen europ&auml;ischen Verb&uuml;ndeten unter Kontrolle, wenn erforderlich auch mit milit&auml;rischer Intervention (Breschnew-Doktrin und GLADIO-Geheimarmee, die eben nicht nur ein Untergrundnetzwerk gegen eine potentielle sowjetische Invasion darstellte, sondern auch in die innenpolitischen Machtverh&auml;ltnisse der NATO-Partner eingriff). Der Fokus des Ost-West-Konflikts war Europa, war das geteilte Deutschland und war das geteilte Berlin. Das Wohl und Wehe der gesamten Welt hing von der durchaus volatilen Stabilit&auml;t und der sie bedingenden gegenseitigen nuklearen Abschreckung ab.<\/p><p>Am Ende der Entspannungspolitik Gorbatschows implodierte der sozialistische Block, die Warschauer Vertragsorganisation wurde 1991 und die UdSSR selbst wurde am Ende desselben Jahres als f&ouml;deraler Staat aufgel&ouml;st.<\/p><p><strong>NATO in der Sinnkrise<\/strong><\/p><p>So sehr Europa und die Menschen in Europa sich &uuml;ber das Ende des Kalten Krieges und den Aufbruch in eine neue, friedliche Zeit freuten, so sehr verzweifelten westliche Sicherheitspolitiker, NATO-Mitarbeiter, Offiziere und auch so mancher transatlantisch gepr&auml;gte Journalist und die R&uuml;stungsindustrie &uuml;ber diesen neuen Zustand. Warum? Ihr tradiertes Feindbild, die UdSSR, der Kommunismus, war ihnen abhandengekommen. Alles war seit Jahrzehnten klar geregelt: Im Osten sitzt der Feind, im Westen wird die Freiheit verteidigt. All die massiven Milit&auml;rausgaben in Ost und West wurden mit der Gefahr des gegnerischen Blocks gegen&uuml;ber den eigenen Gesellschaften begr&uuml;ndet. Und nun spielte eine Seite nicht mehr mit &ndash; Moskau.<\/p><p>Im Rahmen meiner politikwissenschaftlichen Ausbildung und ersten beruflichen T&auml;tigkeiten in Bonn besuchte ich auch die NATO in Br&uuml;ssel, besuchte Kasernen, f&uuml;hrte Gespr&auml;che mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages, die im Ausw&auml;rtigen oder Verteidigungsausschuss sa&szlig;en. Unter der Oberfl&auml;che der Freude &uuml;ber den Sieg im Kalten Krieg schwelte die Furcht vor der Zukunft ohne Feind: Der &bdquo;NATO ist der Feind abhandengekommen&ldquo; oder &bdquo;wir haben uns zu Tode gesiegt&ldquo;, waren oft zu h&ouml;rende Redewendungen bei diesen Besuchen und Gespr&auml;chen. <\/p><p>&bdquo;Und, was nun?&ldquo; Eine ernsthafte Sinnkrise erfasste die Milit&auml;rs, die Au&szlig;en- und Sicherheitspolitiker. Eine Aufl&ouml;sung der NATO? Aber sie hatte doch gerade den Kalten Krieg gewonnen. Und &bdquo;never change a winning team&ldquo;. Wie konnte, wie sollte man der eigenen &Ouml;ffentlichkeit gegen&uuml;ber die Fortexistenz dieser milit&auml;rischen Organisation, diesem laut eigenem Statut Verteidigungsb&uuml;ndnis, weiter rechtfertigen, wo doch der Feind, gegen den man sich verteidigen k&ouml;nnen musste, nicht mehr da war? Der erste Generalsekret&auml;r der NATO, Lord Ismay, erkl&auml;rte den Sinn der NATO:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die Sowjetunion drau&szlig;en halten, die Amerikaner drin halten (in Europa) und die Deutschen unten halten.&ldquo; <\/p><\/blockquote><p>Tats&auml;chlich war die NATO f&uuml;r die USA immer auch mehr als nur ein Verteidigungsb&uuml;ndnis. Es war die institutionalisierte Machtprojektion &uuml;ber West-Europa und dar&uuml;ber hinaus. Das europ&auml;isch-US-amerikanische Verh&auml;ltnis wurden neben den nationalen bilateralen Verbindungen auch und vor allem &uuml;ber die NATO abgesichert. &Uuml;ber die NATO vermochten es die USA, eine zu gro&szlig;e europ&auml;isch-russische bzw. deutsch-russische Ann&auml;herung zu verhindern. Immer dann wurde das Argument eingebracht, eine Ann&auml;herung spalte die NATO. <\/p><p>Die USA waren und blieben auch &uuml;ber das Ende des Kalten Krieges hinaus die absolut bestimmende Macht in der NATO und via NATO in Europa. Sie vermochten es, sicherheitspolitische Konzeptionen, die ohne oder neben der NATO, wie beispielsweise die &bdquo;Charta von Paris&ldquo;, im Debattenraum aufkamen, rasch wieder zu marginalisieren Alleine die Frage nach dem Sinn der NATO wurde quasi als Blasphemie abgetan.<\/p><p>Wie aber gelang es, der steuerzahlenden &Ouml;ffentlichkeit den fortexistierenden Sinn der NATO beizubringen? <\/p><p>Erstens, der Krieg in Jugoslawien. Dieser auf den ersten Blick &bdquo;nur B&uuml;rgerkrieg&ldquo; wurde auch von au&szlig;en, auch von NATO-Mitgliedsstaaten angeheizt und der inner-jugoslawische Separatismus und Chauvinismus, euphemistisch als Drang nach &bdquo;Freiheit&ldquo; und &bdquo;Demokratie&ldquo; diplomatisch (Slowenien und Kroatien) und auch milit&auml;risch (Bosnien und Herzegowina sowie die serbische Provinz Kosovo) abgest&uuml;tzt. Die &bdquo;Out-of-area-Eins&auml;tze&ldquo;, die milit&auml;rischen Eins&auml;tze der NATO jenseits des B&uuml;ndnisgebietes, waren als neuer Sinnstifter gefunden worden. So formulierte bereits 1993 der US-Senator R. Lugar, <a href=\"https:\/\/collections.libraries.indiana.edu\/lugar\/items\/show\/342\">&bdquo;NATO: Out of Area or Out of Business&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Und zweitens, die NATO-Osterweiterung. Wenn die ehemaligen Mitgliedsstaaten der untergegangenen Warschauer Vertragsorganisation nun reihenweise der NATO beitreten wollten, so war das doch ein erstklassiges Argument f&uuml;r die Sinnhaftigkeit des Milit&auml;rb&uuml;ndnisses. Wer l&ouml;st denn schon ein Team auf, dem doch alle beitreten wollen? Allerdings geh&ouml;rt zur Wahrheit eben auch, dass einige Staaten (so beispielsweise Montenegro und Makedonien) bzw. ihre Gesellschaften wollen mussten, also dem Wollen entsprechend nachgeholfen wurde, um die st&ouml;rrische Bev&ouml;lkerung, nachdem die Entscheidungseliten bereits auf NATO-Kurs waren, auch auf diesen Kurs zu bringen. Hierzu wurden Informations- und PR-B&uuml;ros in den L&auml;ndern etabliert. Die faktische Losung war: Euro-atlantische Integration in der Reihenfolge, erst NATO-, dann EU-Mitgliedschaft.<\/p><p>Jedenfalls vermochten es die NATO-Bef&uuml;rworter in der NATO-B&uuml;rokratie sowie in Politik und Massenmedien der nationalen Mitgliedsstaaten sehr erfolgreich, der &Ouml;ffentlichkeit eine Alternativlosigkeit zur NATO zu suggerieren. <\/p><p><strong>Dann kam Donald Trump<\/strong><\/p><p>Alles lief weitgehend gut: Das transatlantische Verh&auml;ltnis lief hervorragend. Die EU wurde immer n&auml;her an die NATO herangef&uuml;hrt, die globale Dominanzpolitik der USA brachte auch den europ&auml;ischen Verb&uuml;ndeten erheblich Vorteile. US-Basen in Europa dienten eben nicht nur zur Verteidigung des NATO-Gebietes, sondern auch der US-Machtprojektion in den asiatischen und afrikanischen Raum. <\/p><p>Hin und wieder gab es etwas Knatsch, weil die europ&auml;ischen Mitgliedsstaaten in den Augen der USA zu wenig f&uuml;r ihr Milit&auml;r an Steuergeldern ausgaben. Es wurde mehr &bdquo;<em>burden sharing<\/em>&ldquo; (Lastenteilung) auch unter dem damaligen US-Pr&auml;sidenten Obama gefordert, wie uns die Kanzlerin Merkel in einer Sitzung des Verteidigungsausschusses seinerzeit zustimmend erkl&auml;rte. Aber ansonsten war die transatlantische Welt mit sich im Reinen. <\/p><p>Dann kam Donald Trump. Er stellte den Mehrwert des B&uuml;ndnisses infrage, phantasierte von horrenden Zahlungen, die die USA leisteten, und betrachtete die Europ&auml;er als finanzielle Trittbrettfahrer. Dass die USA die NATO nicht nur als Heilsarmee f&uuml;r die Sicherheit ihrer Mitglieder betrachtete und so handelte, sondern tats&auml;chlich auch als institutionelles Vehikel f&uuml;r die milit&auml;rische Machtprojektion (mindestens im Sinne der Nutzung von US-Basen in Europa, aber auch in Form von NATO-Kampfeins&auml;tzen unter US-F&uuml;hrung), sieht Donald Trump offensichtlich nicht.<\/p><p>Der Druck der Trump-Administration nach mehr Milit&auml;rausgaben f&uuml;r die NATO war sehr erfolgreich. Auf dem NATO-Gipfel 2024 wurden dann tats&auml;chlich die 5 Prozent BIP-Ausgaben beschlossen. &bdquo;Daddy&ldquo; hat, so der NATO-Generalsekret&auml;r Mark Rutte, erfolgreich Druck ausge&uuml;bt. Nur Spanien verweigert sich dem Schritt der durch die politischen Entscheidungseliten billigend inkauf genommene Verarmung seiner Bev&ouml;lkerung als Austausch f&uuml;r einen hochmilitarisierten Staat. <\/p><p>Bis dahin konnten die Entscheidungseliten in Europa der schlaftrunkenen Bev&ouml;lkerung die 5 Prozent BIP-Milit&auml;rausgaben noch verkaufen, zumal diese Zielsetzung nicht unmittelbar, sondern dosiert stattfindet. Als Donald Trump jedoch anfing, Gr&ouml;nland annektieren und somit einen NATO-Mitgliedsstaat amputieren zu wollen, ging er dann doch zu weit. Andere, Nicht-NATO-Staaten, zu &uuml;berfallen, deren Territorien abzuschn&uuml;ren, den Staatspr&auml;sident zu entf&uuml;hren oder auch massiv zu bombardieren, war ja noch irgendwie okay, wenn nicht sogar angemessen. Und v&ouml;lkerrechtliche Einordnungen von US-Kriegen sind ohnehin zu komplex, weswegen man sie besser direkt unterl&auml;sst. Aber dass Donald Trump an seine Verb&uuml;ndeten Hand anzulegen gedenkt, geht ja dann doch etwas zu weit. Diese Ambitionen konnten die Europ&auml;er auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos Anfang 2026 dem Daddy Donald noch ausreden, zumindest tempor&auml;r. <\/p><p>Als Donald Trump dann den Iran in engster Abstimmung mit Israel milit&auml;risch &uuml;berfiel, bekam der eine oder andere Staats- oder Ministerpr&auml;sident oder Au&szlig;enminister dann doch noch v&ouml;lkerrechtliche Bauchschmerzen, mit Ausnahme des deutschen Kanzlers und seines Au&szlig;enministers. Wie will man der Welt&ouml;ffentlichkeit denn erkl&auml;ren, dass die russische Invasion in der Ukraine &bdquo;unprovoked&ldquo; und &bdquo;v&ouml;lkerrechtswidrig&ldquo; sei, wenn die USA ebenfalls unprovoked und v&ouml;lkerrechtswidrig den Iran milit&auml;risch angreift &ndash; und das noch w&auml;hrend laufender Verhandlungen? Als Donald Trumps Angriffskrieg im Ergebnis dazu f&uuml;hrte, dass die bis dahin freie Stra&szlig;e von Hormus vom Iran erfolgreich blockiert wird, und Donald Trump seine NATO-Verb&uuml;ndeten zur milit&auml;rischen Unterst&uuml;tzung aufforderte, kamen die europ&auml;ischen Staats- und Regierungschefs so richtig ins Schwitzen &ndash; mit Ausnahme von Spaniens Ministerpr&auml;sident, der unzweideutig den Krieg als v&ouml;lkerrechtswidrig einstufte, den USA den spanischen Luftraum verschloss und erst recht nicht den USA f&uuml;r das Desaster am Persischen Golf zu Hilfe eilen will. Donald Trump w&uuml;tet &uuml;ber seine NATO-Verb&uuml;ndeten, die ihn, als die USA sie ben&ouml;tigten, schlichtweg im Stich gelassen h&auml;tten. Als Trostpflaster erkl&auml;rten einige europ&auml;ische NATO-Staaten, in der Nachkriegsphase eigene Marine-Einheiten in die Region zu entsenden, um die Stra&szlig;e von Hormus zu sichern. Die Frage, ob der Iran das akzeptieren wird, sollte der das wichtigste Druckmittel in der Hand behalten k&ouml;nnen, wird sich unsere Entscheidungselite und ihre Berater sicherlich ganz seri&ouml;s gestellt haben.<\/p><p><strong>NATO-Austritt, NATO-Rauswurf, NATO-Blockade, keine NATO-Sicherheitsgarantien<\/strong><\/p><p>Donald Trump jedenfalls mag den Sinn in der NATO noch weniger verstehen als vor seinem &bdquo;Hilferuf&ldquo;. Er fordert den Austritt der USA aus dem B&uuml;ndnis, die Rechenschaftziehung der Verb&uuml;ndeten, den Rauswurf Spaniens aus dem Milit&auml;rb&uuml;ndnis und kokettiert mit der B&uuml;ndnisverpflichtung Artikel 5 des NATO-Statuts.<\/p><ol type=\"a\">\n<li>Austritt aus der NATO\n<p>Jedes NATO-Mitgliedsland kann auch aus der NATO wieder austreten. Artikel 13 des NATO-Statuts regelt das genaue Verfahren:<\/p>\n<p>&bdquo;<em>Artikel 13<\/em><\/p>\n<p><em>Nach zwanzigj&auml;hriger Geltungsdauer des Vertrags kann jede Partei aus dem Vertrag ausscheiden, und zwar ein Jahr, nachdem sie der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika die K&uuml;ndigung mitgeteilt hat; diese unterrichtet die Regierungen der anderen Parteien von der Hinterlegung jeder K&uuml;ndigungsmitteilung.<\/em>&ldquo;<\/p>\n<p>Zwar k&ouml;nnen die USA aus der NATO austreten &ndash; nicht aber Donald Trump. Denn die innenpolitische Dimension der USA sieht eine entscheidende Beteiligung des US-Kongresses hierf&uuml;r vor. Und selbst Donald Trumps Republikanische Parteifreunde sehen einen NATO-Austritt bisweilen skeptisch.\n<\/p><\/li>\n<li>Rauswurf\/Ausschluss aus der NATO\n<p>Ein Ausschluss, also ein Rauswurf aus der NATO, ist formal nicht m&ouml;glich, da es hierzu keine rechtliche Regelung im NATO-Statut gibt. Allerdings kann auf informellem Wege die Teilnahme der Vertreter eines unbotm&auml;&szlig;igen Mitgliedsstaates an Sitzungen durch Ignorieren und sonstige zwischenmenschliche Verhaltensweisen schwer gemacht werden. Auch die &Uuml;bernahme von NATO-Posten kann erschwert werden, sodass ein Staat zwar noch formal Mitglied ist, faktisch jedoch den Paria-Status verliehen bekommt und kaltgestellt wird.<\/p><\/li>\n<li>Politik des leeren Stuhls oder Blockade\n<p>Donald Trump selbst k&ouml;nnte seinen Vertreter im NATO-Rat bei ma&szlig;geblichen Entscheidungen das Veto einlegen lassen und damit die NATO angesichts des Konsensprinzips handlungsunf&auml;hig machen. Auch k&ouml;nnte Donald Trump schlichtweg das Verfahren des damaligen franz&ouml;sischen Staatschefs Charles de Gaulle kopieren, US-Vertreter nicht mehr in die NATO-Gremien zu entsenden, mithin die Politik des &bdquo;leeren Stuhls&ldquo; zu praktizieren. In beiden F&auml;llen w&uuml;rde die NATO ausgeh&ouml;hlt &ndash; sie bliebe zwar formell-institutionell bestehen, operativ jedoch w&auml;re sie tot.<\/p><\/li>\n<li>Artikel 5 NATO-Statut\n<p>Immer wieder l&auml;sst Donald Trump durchblicken, dass das Schutzversprechen laut Artikel 5 f&uuml;r die USA nicht unbedingt gelten m&uuml;sse. Abgesehen davon, dass man die USA sicherlich nicht zwingen kann, europ&auml;ische Verb&uuml;ndete durch den Einsatz milit&auml;rischer Mittel zu unterst&uuml;tzen bzw. zu sch&uuml;tzen, gibt der besagte Artikel auch gar nicht die Notwendigkeit her, sondern nur die M&ouml;glichkeit der milit&auml;rischen Unterst&uuml;tzung. Und da die europ&auml;ischen NATO-Staaten nicht so recht die Stra&szlig;e von Hormus im Auftrag Donald Trumps befreien wollen, stellt sich nun die Frage, ob er den Artikel 5 nicht auch nur nicht-milit&auml;risch liest.<\/p>\n<p><em>&bdquo;Artikel 5<\/em><\/p>\n<p><em>Die Parteien vereinbaren, da&szlig; ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen wird; sie vereinbaren daher, da&szlig; im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Aus&uuml;bung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen werden, <\/em><em>Beistand leistet<\/em><em>, indem jede von ihnen unverz&uuml;glich f&uuml;r sich und im Zusammenwirken mit den anderen Parteien <\/em><em>die Ma&szlig;nahmen, einschlie&szlig;lich der Anwendung von Waffengewalt, trifft, die sie f&uuml;r erforderlich erachtet, um die Sicherheit <\/em><em>des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten. (&hellip;)&ldquo;<\/em><\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Europ&auml;ische R&uuml;ckversicherungen<\/strong><\/p><p>Die europ&auml;ischen NATO-Mitgliedsstaaten beginnen sich zu organisieren angesichts der Unberechenbarkeit Trumps. Es bedurfte wohl erst Donald Trump, damit unsere europ&auml;ischen Transatlantiker in Politik und Medien &uuml;ber ihre Ideologie des &bdquo;NATO oder Tod&ldquo; hinausgehend beginnen zu begreifen, dass die Auslagerung der Sicherheitsverantwortung von Europa an die USA keine gute Idee, keine nachhaltige Strategie sein kann. Meine Position war immer: Sicherheit von Europa f&uuml;r Europa. <\/p><p>Nur, da gibt es diverse Konzepte. Das schlechteste Konzept ist eine teileurop&auml;ische Sicherheitskonzeption, mithin der fortgesetzten geteilten Sicherheit gem&auml;&szlig; dem sicherheitspolitischen Leitbild von Lissabon bis Kiew. Aber genau dieses Leitbild der geteilten Sicherheit Europas wird ausnahmslos von den Entscheidungseliten in West- und Teilen Osteuropas verfolgt. Dieses Leitbild setzt nicht mehr auf die USA, bleibt aber zugleich dem Antagonismus gegen&uuml;ber Moskau verhaftet. Die Ukraine wird als unverhandelbarer Bestandteil dieses teileurop&auml;ischen Leitbildes verstanden. Der &bdquo;Beitritt der Ukraine ,w&auml;re ein strategisch wichtiger Schritt f&uuml;r die Sicherheit und mehr Wohlstand in Europa&acute;&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/deutsch-ukrainische-konsultationen-102.html\">zitiert die &bdquo;Tagesschau&ldquo;<\/a> Bundeskanzler Merz w&auml;hrend des Besuchs Selenskyjs in Berlin Mitte April.<\/p><p>Die R&uuml;ckversicherungsma&szlig;nahmen der europ&auml;ischen NATO-Mitgliedsstaaten umfassen damit sowohl multilaterale auch als bilaterale, letztere auch mit der Ukraine, Abkommen, die auch eine milit&auml;rische F&auml;higkeit sicherstellen soll, falls die USA ihr Schutzversprechen tats&auml;chlich nicht mehr milit&auml;risch bereit sein sollten einzuhalten. Hierzu z&auml;hlen:<\/p><ul>\n<li>die bilaterale Ann&auml;herung Frankreichs an Polen, untermauert durch die j&uuml;ngste &Uuml;bung zur &bdquo;Vorw&auml;rtsabschreckung&ldquo; auch mit der <a href=\"https:\/\/informat.ro\/de\/international\/frankreich-und-polen-organisieren-gemeinsame-militarubungen-an-der-ostflanke-der-nato-117740\">Simulation franz&ouml;sischer Nuklearwaffenangriffe gegen Russland<\/a>;<\/li>\n<li>die bereits 2014 gegr&uuml;ndete <a href=\"https:\/\/anti-spiegel.ru\/2025\/unbeachtet-von-den-medien-baut-grossbritannien-eine-nord-nato-auf\/\">Joint Expeditionary Force (JEF)<\/a>. Als F&uuml;hrungsnation empfiehlt sich Gro&szlig;britannien f&uuml;r die multinationale Eingreiftruppe bestehend aus nord- und nordosteurop&auml;ischen Staaten: D&auml;nemark, Estland, Lettland, Litauen, die Niederlande und Norwegen, Finnland, Schweden und Island: Die JEF &bdquo;<a href=\"https:\/\/jefnations.org\/about-the-jef\/\">bietet eine flexible, integrierte, gemeinsame Kraft, die schnell, jederzeit und in jeder Umgebung reagieren kann. Gemeinsam demonstrieren wir die Solidarit&auml;t, die F&auml;higkeit und die Entschlossenheit des JEF, f&uuml;r Sicherheit und Stabilit&auml;t in unserer Region<\/a>&ldquo;.<\/li>\n<li>Deutschland und Gro&szlig;britannien unterzeichneten 2024 die <a href=\"https:\/\/www.bmvg.de\/de\/aktuelles\/grossbritannien-und-deutschland-ruecken-enger-zusammen-5851736\">&bdquo;Trinity House&ldquo;-Vereinbarung<\/a>, welche eine St&auml;rkung des &bdquo;europ&auml;ischen Pfeilers der NATO&ldquo; darstellen soll. &bdquo;Die Trinity House Vereinbarung ist ein Meilenstein in unserer Beziehung zu Deutschland und eine wesentliche St&auml;rkung der europ&auml;ischen Sicherheit&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.bmvg.de\/de\/aktuelles\/grossbritannien-und-deutschland-ruecken-enger-zusammen-5851736\">so der britische Verteidigungsminister J. Healey<\/a>.<\/li>\n<li>Gro&szlig;britannien und Frankreich haben 2025 ein <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-07\/frankreich-grossbritannien-abkommen-atomare-abschreckung\">Abkommen &uuml;ber die Koordinierung ihrer Atomstreitkr&auml;fte<\/a> unterzeichnet.<\/li>\n<li>die Abkommen und Kooperationen zwischen den europ&auml;ischen NATO-Staaten und der Ukraine wie das j&uuml;ngst verabschiedete Abkommen zu einer <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/deutsch-ukrainische-konsultationen-102.html\">deutsch-ukrainischen strategischen Partnerschaft<\/a> mit Schwerpunkten auf R&uuml;stungskooperation mit und materieller sowie finanzieller Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Ukraine.<\/li>\n<\/ul><p><strong>NATO-D&auml;mmerung?<\/strong><\/p><p>Die Ironie der Geschichte um das Schicksal der NATO ist: Nicht Moskau hat die NATO erodiert, sondern die NATO-F&uuml;hrungsmacht USA. <\/p><p>Die strategischen Interessen der USA liegen nicht erst seit Donald Trump nicht mehr priorit&auml;r in Europa. Obamas &bdquo;Pivot to Asia&ldquo; &ndash; der Konkurrenzkampf gegen China &ndash; war das Aufbruchssignal. Donald Trump als Gesch&auml;ftsmann w&auml;gt die finanziellen Kosten im Umgang mit seinen Schutzbefohlenen. F&uuml;r ihn scheint die NATO nur ein unn&ouml;tiger Kostenfaktor zu sein. Und da er nicht den Austritt der USA aus der NATO allein entscheiden kann, sondern die Zustimmung des US-Kongresses erforderlich w&auml;re, wird Donald Trump mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit seine Restamtszeit nutzen, die NATO zu einer leeren H&uuml;lle zu bef&ouml;rdern. <\/p><p>Die j&uuml;ngsten multilateralen und bilateralen Sicherheitsabkommen und Sicherheitspartnerschaften zwischen europ&auml;ischen NATO-Staaten und auch mit der Ukraine werden nicht geschlossen, weil die europ&auml;ischen F&uuml;hrungseliten jenseits &ouml;ffentlicher Erkl&auml;rungen tats&auml;chlich noch davon &uuml;berzeugt sind, dass eine 100-prozentige NATO-Absicherung durch die USA existiert. Im Gegenteil, diese R&uuml;ckversicherungsma&szlig;nahmen sagen mehr &uuml;ber den Zustand der NATO in ihrer wom&ouml;glichen D&auml;mmerungsphase aus als dutzende sch&ouml;nrednerische Statements des NATO-Generalsekret&auml;rs. Aber wer wei&szlig;: &bdquo;Totgesagte leben l&auml;nger&ldquo; &hellip;<\/p><p><small>Titelbild: ChatGPT, erstellt mit k&uuml;nstlicher Intelligenz<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/9cfb48010b4343ed8cf21ed32a72ffd1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der US-Pr&auml;sident Donald Trump erkl&auml;rte j&uuml;ngst einen Teilabzug von US-Milit&auml;rs von deutschem Boden. Auch soll die urspr&uuml;nglich f&uuml;r 2026 geplante Stationierung von diversen Mittelstreckenwaffensystemen vom Tisch sein. Ob es sich bei der Streichliste &bdquo;lediglich&ldquo; um die Tomahawk-Marschflugk&ouml;rper oder auch die SM-6-Raketen und die Dark-Eagle-Hyperschallwaffen mit Mittelstreckenreichweite handelt, ist noch unklar. 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