{"id":150367,"date":"2026-05-13T11:00:45","date_gmt":"2026-05-13T09:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150367"},"modified":"2026-05-13T14:02:10","modified_gmt":"2026-05-13T12:02:10","slug":"titel-deutscher-kriegspakt-mit-der-ukraine-gegen-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150367","title":{"rendered":"Deutscher Kriegspakt mit der Ukraine gegen Russland"},"content":{"rendered":"<p>Ein Frieden durch Dialog r&uuml;ckt in immer weitere Ferne, auch weil die Bundesregierung fest davon &uuml;berzeugt ist, Russland niederringen zu k&ouml;nnen und zu m&uuml;ssen. Der Siegfrieden ist das erkl&auml;rte Ziel. Von <strong>Sevim Dagdelen<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4220\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-150367-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260513_Deutscher_Kriegspakt_mit_der_Ukraine_gegen_Russland_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260513_Deutscher_Kriegspakt_mit_der_Ukraine_gegen_Russland_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260513_Deutscher_Kriegspakt_mit_der_Ukraine_gegen_Russland_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260513_Deutscher_Kriegspakt_mit_der_Ukraine_gegen_Russland_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=150367-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260513_Deutscher_Kriegspakt_mit_der_Ukraine_gegen_Russland_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260513_Deutscher_Kriegspakt_mit_der_Ukraine_gegen_Russland_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Als w&auml;re nicht Bonn, sondern Kiew die Au&szlig;enstelle des deutschen Verteidigungsministeriums, gab Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am 11. Mai 2026 erneut ein Stelldichein in der ukrainischen Hauptstadt. Diesmal ging es um die Unterzeichnung gemeinsamer R&uuml;stungsvertr&auml;ge mit der Ukraine zur Produktion von Drohnen, die bis zu 1.500 Kilometer weit angreifen k&ouml;nnen. Bei der Drohnenproduktion setzt Deutschland auf Joint Ventures zwischen deutschen und ukrainischen Unternehmen, so der Verteidigungsminister bei seinem Kiew-Besuch. Dies gelte &bdquo;ganz besonders f&uuml;r die gemeinsame Entwicklung und Produktion von Drohnen mit unterschiedlichen Reichweiten von unter 100 Kilometern bis zu 1.500 Kilometern&ldquo;.<\/p><p>St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck wird so die bilaterale Vereinbarung mit der Ukraine &uuml;ber eine strategische Partnerschaft mit Leben gef&uuml;llt. Als w&auml;re Kiew seine Wolfsschanze, lie&szlig; sich Pistorius selbst noch an die Front f&uuml;hren. In einer Mischung aus Weltkriegsecho und Trimm-dich-Vokabular analysierte er: &bdquo;Russland hat eine Phase der Schw&auml;che&ldquo; &ndash; von der Front aus betrachtet. Kaum noch verhohlen hat die Bundesregierung den Krieg in der Ukraine zu ihrem eigenen Krieg gemacht. Unter dem Deckmantel, der Ukraine bei der Verteidigung helfen zu wollen, baut Berlin einen milit&auml;risch-industriellen Komplex auf, bei dem deutsche R&uuml;stungsunternehmen stets die Aktienmehrheit halten. Immer deutlicher wird, dass es um eine grundlegende Wende in der deutschen Politik geht.<\/p><p><strong>Kontinuit&auml;ten deutscher Ostpolitik &ndash; von Brest-Litowsk bis heute<\/strong><\/p><p>Als Juniorpartner der USA nimmt Deutschland die Rolle des Vorreiters gegen Russland voll und ganz an und verkn&uuml;pft sie mit einer R&uuml;ckkehr zu den geopolitischen Frontstellungen am Ende des Kaiserreichs. In der Geschichte ist der Vertrag von Brest-Litowsk vom M&auml;rz 1918 zwischen den Mittelm&auml;chten unter F&uuml;hrung Deutschlands und Sowjetrusslands heute wenig pr&auml;sent. Der deutsche Historiker Fritz Fischer hatte in seiner Analyse des deutschen Imperialismus auf die Kontinuit&auml;t deutscher Ostpolitik zwischen dem Vertrag von Brest-Litowsk und dem Angriff des Dritten Reiches auf die Sowjetunion hingewiesen. Brest-Litowsk schuf eine Reihe von durch Deutschland kontrollierten Zwischenstaaten, von denen die Ukraine der gr&ouml;&szlig;te und wirtschaftlich bedeutendste war &ndash; als k&uuml;nftiges Sprungbrett f&uuml;r einen Raubkrieg gegen Sowjetrussland. Mit der Kapitulation im Ersten Weltkrieg zerstoben diese von Deutschland kontrollierten Pufferstaaten. Hitler kn&uuml;pfte mit seinem Raub- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion daran an, gew&auml;hrte den eroberten L&auml;ndern jedoch keine formelle Eigenstaatlichkeit.<\/p><p>Berlin scheint im Jahr 2026 die geopolitischen Maximen von Brest-Litowsk zu reaktivieren. Nach dem R&uuml;ckzug der USA wird die Ukraine praktisch fast ausschlie&szlig;lich von der EU finanziert, wobei Deutschland den L&ouml;wenanteil tr&auml;gt. Kiew wird damit milit&auml;risch wie finanziell immer mehr zur Au&szlig;enstelle Berlins. Auch &uuml;ber das Kriegsende scheint nicht mehr in der Ukraine, sondern in Berlin und Br&uuml;ssel entschieden zu werden. So wiesen Bundesregierung und EU-Au&szlig;enbeauftragte Kallas den Vorschlag des russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin, den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der oder einen &auml;hnlichen Politiker zum Vermittler zu ernennen, br&uuml;sk zur&uuml;ck &ndash; offenbar in der Hoffnung, diesen Krieg f&uuml;r sich entscheiden zu k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Siegfrieden statt Dialog &ndash; und der Abbau deutscher R&uuml;stungsbeschr&auml;nkungen<\/strong><\/p><p>Ein Siegfrieden durch weitere Verl&auml;ngerung des Krieges scheint das Ziel der Bundesregierung zu sein. Ganz nebenbei erf&uuml;llt sich Berlin damit den Traum, die letzten milit&auml;rischen Beschr&auml;nkungen loszuwerden, die noch aus der Niederlage des NS-Regimes herr&uuml;hren. In Reaktion auf den Raketenterror des Dritten Reiches mit der V2 gegen London oder Rotterdam war der Bundesrepublik bis zur Wiederbewaffnung 1955 jede eigene Raketenr&uuml;stung untersagt. Auch danach kam es bis zum Ende des Kalten Krieges praktisch nicht zur Entwicklung eigener deutscher Abstandswaffen. Die schwedisch-deutsche Lenkwaffe Taurus wurde erst 2005 bei der Bundeswehr eingef&uuml;hrt. Ein Hauptproblem des Taurus besteht darin, dass bei den Triebwerken US-Komponenten verbaut sind, sodass die USA bei einem Export in die Ukraine ein Mitentscheidungsrecht beanspruchen.<\/p><p>Fieberhaft arbeitet die Bundesregierung daran, sich dieser Beschr&auml;nkungen zu entledigen. Bei der Produktion des Taurus Neo strebt sie deshalb eine Kooperation mit japanischen Herstellern an. Auch bei den Drohnen versucht man unter R&uuml;ckgriff auf die Ukraine, US-Hersteller au&szlig;en vor zu lassen, um gemeinsam mit den von ihnen abh&auml;ngigen Politikern die Entscheidung &uuml;ber Einsatz und Export dieser Abstandswaffen zu sichern.<\/p><p>Aus ihrer eigenen Schw&auml;che heraus haben die USA die Arbeitsteilung innerhalb der NATO intensiviert &ndash; von einer &bdquo;Krise&ldquo; wird im &Uuml;brigen seit Gr&uuml;ndung der NATO immer wieder gesprochen, um das B&uuml;ndnis beruhigt st&auml;rken und ausbauen zu k&ouml;nnen &ndash; und den Stellvertreterkrieg in der Ukraine an die EU unter deutscher F&uuml;hrung &uuml;bergeben. Die Bundesregierung macht den Krieg in der Ukraine damit zu ihrem eigenen und sieht sich dabei zwei wesentlichen Problemen gegen&uuml;ber: Zum einen untergr&auml;bt sie ihre gesellschaftliche Basis durch die zur Kriegsvorbereitung notwendige Zerst&ouml;rung des Sozialstaats. Zum anderen agiert sie wie ein Seilt&auml;nzer ohne Netz, indem sie die russische Atommacht und die neuen russischen Raketenkapazit&auml;ten herausfordert &ndash; in der Hoffnung, am Ende doch noch unter den atomaren Schutzschirm der USA zu gelangen.<\/p><p>Ein Frieden durch Dialog r&uuml;ckt dadurch in immer weitere Ferne. Wer wie der SPD-Politiker Rolf M&uuml;tzenich auch nur vorschl&auml;gt, nach der Entscheidung von US-Pr&auml;sident Trump, die US-Raketen einstweilen nicht in Deutschland zu stationieren, Abr&uuml;stungsgespr&auml;che mit Russland zu f&uuml;hren, gilt inzwischen als Landesverr&auml;ter. Eine aufgeregte Kriegsstimmung macht sich bei den deutschen Eliten breit, die nicht einmal mehr Widerspruch ertr&auml;gt.<\/p><p><small>Titelbild: Dima Sharapov\/shuttestock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Frieden durch Dialog r&uuml;ckt in immer weitere Ferne, auch weil die Bundesregierung fest davon &uuml;berzeugt ist, Russland niederringen zu k&ouml;nnen und zu m&uuml;ssen. Der Siegfrieden ist das erkl&auml;rte Ziel. 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