{"id":150386,"date":"2026-05-13T14:29:12","date_gmt":"2026-05-13T12:29:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150386"},"modified":"2026-05-13T15:39:27","modified_gmt":"2026-05-13T13:39:27","slug":"eine-weltredakteurin-und-die-neidhammel-debatte-warum-schauen-sie-nicht-auf-ihren-eigenen-teller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150386","title":{"rendered":"Eine Welt-Redakteurin und die Neidhammel-Debatte: Warum schauen Sie nicht auf Ihren eigenen Teller?"},"content":{"rendered":"<p>Wie soll die Politik mit den angeblich zu hohen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150360\">Bedarfs&auml;tzen f&uuml;r die Armen<\/a> umgehen? Um 50 Prozent k&uuml;rzen? Oder um 70, 80 Prozent? Ganz streichen? Sollen die Kinder den Kitt aus dem Fensterrahmen fressen? Sollen sie barfu&szlig; zur Schule gehen? Wie ist das mit der Menschenw&uuml;rde? Nein, eine Redakteurin der <em>Welt<\/em> hat das nicht gefordert, sie schreibt nur unter der &Uuml;berschrift: <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/plus6a018f96453b15e1190748b8\/sozialstaat-ich-habe-mir-ausgerechnet-was-ich-mit-buergergeld-bekaeme-und-bin-schockiert.html#Comments\">&bdquo;Ich habe ausgerechnet, was ich mit B&uuml;rgergeld bek&auml;me, und bin schockiert&ldquo;<\/a> (Bezahlschranke). Da sind wir also wieder: Bei der Neidhammel-Debatte, die schon in der Zeit der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=agenda-2010\">Agenda 2010<\/a> schweren Schaden angerichtet hat. An dem Artikel von Fatina Keilani, der viel Zustimmung erfahren hat, stimmt es hinten und vorne nicht. Die Redakteurin m&ouml;chte man an erster Stelle fragen: Warum schauen Sie nicht auf Ihren eigenen Teller? Der ist doch voll, oder? Reicht das nicht aus? Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDeutschland ist ein Sozialstaat. Das Sozialstaatsprinzip ist im Grundgesetz verankert. Die Gr&uuml;nde sind bekannt. Auch arme B&uuml;rger sollten sozial gut aufgefangen werden, damit sie nicht wie in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Rattenf&auml;ngern auf den Leim gehen. Wer wollte es bestreiten: Das war und ist ein vern&uuml;nftiger Gedanke.<\/p><p>Doch gerade ist es wieder soweit. Eine Welt-Redakteurin stimmt den Klagegesang der Mittelschicht von der &bdquo;sozialen Ungerechtigkeit&ldquo; an. Freilich prangert sie nicht die unversch&auml;mten, schier unfassbaren Ausgaben von politischer Seite an. Es geht um die Mitb&uuml;rger, die ohnehin ganz unten stehen: die Armen. Wobei: Die Armen bekommen doch recht viel &ndash; so rechnet es Keilani zumindest vor. Sie nimmt das Beispiel einer vierk&ouml;pfigen Familie, die &bdquo;vom Amt&ldquo; lebt und stellt ihre finanzielle Situation entgegen. Und dann will sie sie sehen, die &bdquo;soziale Ungerechtigkeit&ldquo;. Denn: Wie kann es sein, dass jemand, der arbeitet, so viel hat wie jemand, der nicht arbeitet? <\/p><p>So vern&uuml;nftig diese Frage im ersten Moment klingt: Die falsche Frage f&uuml;hrt zu falschen Antworten. Die richtige Frage w&auml;re: Warum verletzen hochrangige Politiker ihren Amtseid? Der besagt n&auml;mlich unter anderem, &bdquo;dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden (&hellip;) werde.&ldquo;<\/p><p>Diese Frage w&auml;re zielf&uuml;hrend, denn sie w&uuml;rde das Schlaglicht auf eine Politik werfen, die l&auml;ngst auch der Mittelschicht schwer zusetzt.<\/p><p>Doch auch Fragen an Keilani dr&auml;ngen sich auf, n&auml;mlich: Warum schauen Sie nicht auf Ihren eigenen Teller? Ist der nicht gef&uuml;llt? Reicht es denn nicht aus, dass der K&uuml;hlschrank voll ist, dass ein Dach &uuml;ber dem Kopf zur Verf&uuml;gung steht und die Kinder gut versorgt sind?<\/p><p>Die Kritik von Keilani erweckt den Eindruck, die Politik w&uuml;rde den Regelbedarf f&uuml;r B&uuml;rgergeldbezieher mit der Gie&szlig;kanne verteilen &ndash; aus einer Art Spendierlaune heraus. Richtig ist: Bundestag, Bundesarbeitsministerium zusammen mit dem Statistischen Bundesamt setzen sich im Detail mit der H&ouml;he der Betr&auml;ge auseinander, die am Ende an die Bezieher von Sozialleistungen gezahlt werden. Sie sind nicht willk&uuml;rlich. Es gibt ein gesetzlich normiertes Verfahren, das auf repr&auml;sentativen Daten basiert. Im Vordergrund steht das Prinzip des sozio-kulturellen Existenzminimums, sprich: Auch Familien, die B&uuml;rgergeld beziehen, sollen ein sozial w&uuml;rdiges Leben haben.<\/p><p>Jeder wei&szlig;: Das Leben ist teuer. F&uuml;r soziale Teilhabe braucht es Geld. Gerade Kinder von arbeitslosen Eltern sollen nicht auf der Strecke bleiben. Daran kann auch niemand ernsthaft ein Interesse haben. Denn die Armut der einen Generation bedeutet am langen Ende oft genug die Armut der n&auml;chsten Generation.<\/p><p>All das sollte klar sein. Und gerade Journalisten sollten aus den schweren Fehlern der Agenda-Politik gelernt haben, wie eine Debatte um den Sozialstaat auf keinen Fall gef&uuml;hrt werden darf &ndash; sofern sie denn um die Sache und nicht um <a href=\"https:\/\/zeitzeichen.net\/node\/10423\">Klassismus<\/a>, Spaltung und Sozialneid geht.<\/p><p>Keilani hat durchaus einen Punkt: Die Lebenskosten in Deutschland sind extrem hoch. Das sp&uuml;rt zunehmend auch der solide Teil der Mittelschicht. Keilani schreibt, sie komme finanziell zurecht &ndash; aber nur deshalb, &bdquo;weil ich keine Miete zahle&ldquo;.<\/p><p>Das ist in der Tat alarmierend. So wie es alarmierend ist, dass sich die Politik bei dem schwersten Anschlag auf die Energieinfrastruktur seit dem Bestehen der Republik, Stichwort: Nordstream, in &auml;u&szlig;erster Zur&uuml;ckhaltung &uuml;bt &ndash; obwohl die Folgen f&uuml;r die Energieverbraucher weitreichend sind. Alarmierend ist auch, dass Politiker eine Billion Euro auf Kosten der Steuerzahler f&uuml;r das Projekt <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127039\">&bdquo;Kriegst&uuml;chtigkeit&ldquo;<\/a> bereitstellen wollen. Alarmierend ist auch, dass Politiker die Ukraine mit rund 90 Milliarden unterst&uuml;tzen &ndash; von der CO2-Bepreisung und vielem Weiteren ganz zu schweigen.<\/p><p>Eine Politik der sozialen Schande trifft l&auml;ngst auch die Mitte. Die Probleml&ouml;sung kann aber doch nicht an einer r&uuml;ckw&auml;rtsgewandten Debatte im Geiste der neoliberalen Agenda 2010 stehen. Genau darauf l&auml;uft aber der Artikel hinaus.<\/p><p>&bdquo;Bei mir entsteht ein Gef&uuml;hl massiver Ungerechtigkeit bei dem Gedanken, dass ich mit meinen Steuern die Sozialleistungen finanziere, dank denen andere Menschen ohne Existenzsorgen den ganzen Tag mit ihren Kindern verbringen k&ouml;nnen&ldquo;, schreibt Keilani.<\/p><p>Leider sagt die Redakteurin kein Wort dazu, dass sie mit ihren Steuern auch den Schampus der R&uuml;stungsindustrie mitfanziert. Und die Aussage, dass Menschen, die Sozialleistungen beziehen, keine Existenzsorgen haben, geht an der Realit&auml;t vorbei. Daf&uuml;r: Freie Fahrt f&uuml;r Voruteile.<\/p><p>Keilani ist Journalistin. Sie tr&auml;gt mit ihrer Positionierung eine Verantwortung. Der Welt-Artikel wird dieser Verantwortung nicht gerecht. Eine komplexe Situation &ndash; reale Probleme des Sozialstaates, geringe L&ouml;hne, hohe Belastungen der arbeitenden Bev&ouml;lkerung, Zuwanderung, unverantwortliche Ausgaben der Politik usw. &ndash; wird nicht angemessen erfasst. Stattdessen stimuliert der Beitrag die Neidhammelmentalit&auml;t.<\/p><p>Anstatt sich mit den B&uuml;rgergeldempf&auml;ngern zu solidarisieren und im Verbund die eigenen Anliegen &bdquo;denen oben&ldquo; zu stecken, ist der publizistische Keil im Einsatz. Die Politik freut das. Prinzip: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Denn f&uuml;r die Politik bedeutet der Artikel: Gegebenenfalls, wenn der publizistische Druck gro&szlig; genug ist, darf sie die Armen kr&auml;ftig durchsch&uuml;tteln, damit so mancher Angeh&ouml;rige der Mittelschicht befriedigt ist &ndash; und oben machen die Mandatstr&auml;ger so weiter wie bisher, was wiederum die Mittelschicht noch mehr unter Druck setzen wird.<\/p><p>Meine G&uuml;te, wird das denn nie verstanden?!<\/p><p>Noch ein letzter Gedanke: Wenn Keilani so schlecht bei Springer verdient, dass sie sich im Prinzip keine Miete leisten kann, w&auml;re eine Gehaltsverhandlung angebracht. Bei einem Big Boss, der sich die Teilnahme an der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=bilderberger\">Bilderberg-Konferenz<\/a> g&ouml;nnt und dabei auf die Reichsten der Reichen trifft, sollte doch eine Verdopplung des Gehalts f&uuml;r Keilani und alle anderen Redakteure locker drin sein. Ich g&ouml;nne es ihnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie soll die Politik mit den angeblich zu hohen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150360\">Bedarfs&auml;tzen f&uuml;r die Armen<\/a> umgehen? Um 50 Prozent k&uuml;rzen? Oder um 70, 80 Prozent? Ganz streichen? Sollen die Kinder den Kitt aus dem Fensterrahmen fressen? Sollen sie barfu&szlig; zur Schule gehen? Wie ist das mit der Menschenw&uuml;rde? Nein, eine Redakteurin der <em>Welt<\/em> hat das nicht<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150386\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":150387,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[140,123,183],"tags":[214,827,218,328],"class_list":["post-150386","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-hartz-gesetze-buergergeld-grundsicherung","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","tag-regelsatz","tag-stigmatisierung","tag-teilhabe","tag-welt"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Screenshot-10168.png","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150386","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=150386"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150386\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":150409,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150386\/revisions\/150409"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/150387"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=150386"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=150386"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=150386"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}