{"id":150445,"date":"2026-05-15T09:00:44","date_gmt":"2026-05-15T07:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150445"},"modified":"2026-05-15T15:40:51","modified_gmt":"2026-05-15T13:40:51","slug":"dachschaden-nach-den-schulen-stehen-jetzt-die-berliner-unis-vorm-ausverkauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150445","title":{"rendered":"Dachschaden. Nach den Schulen stehen jetzt die Berliner Unis vorm Ausverkauf"},"content":{"rendered":"<p>Knall auf Fall wurde die Technische Universit&auml;t in Berlin verrammelt, wegen baulicher M&auml;ngel. Bis auf Weiteres m&uuml;ssen alle drau&szlig;en bleiben. Einsturzgefahr? Ach was! Vielmehr droht der Einfall von Profitinteressen. Der fast schon abgew&auml;hlte Senat will eine Gesellschaft gr&uuml;nden, um Bau, Sanierung und Geb&auml;udemanagement der Hochschulen zu zentralisieren. Die Blaupause dazu stammt von Neoliberalen, die den Staat zur Beute machen wollen. Eine &bdquo;Katastrophe&ldquo; kommt da gerade recht. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_518\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-150445-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260515_Dachschaden_Nach_den_Schulen_stehen_jetzt_die_Berliner_Unis_vorm_Ausverkauf_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260515_Dachschaden_Nach_den_Schulen_stehen_jetzt_die_Berliner_Unis_vorm_Ausverkauf_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260515_Dachschaden_Nach_den_Schulen_stehen_jetzt_die_Berliner_Unis_vorm_Ausverkauf_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260515_Dachschaden_Nach_den_Schulen_stehen_jetzt_die_Berliner_Unis_vorm_Ausverkauf_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=150445-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260515_Dachschaden_Nach_den_Schulen_stehen_jetzt_die_Berliner_Unis_vorm_Ausverkauf_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260515_Dachschaden_Nach_den_Schulen_stehen_jetzt_die_Berliner_Unis_vorm_Ausverkauf_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Es gibt Zuf&auml;lle, die gibt&rsquo;s gar nicht. Seit einer Woche ist die Technische Universit&auml;t (TU) in Berlin dicht. Nicht die ganze Uni, nur das Hauptgeb&auml;ude an der Stra&szlig;e des 17. Juni. Wegen nasser W&auml;nde und Wassersch&auml;den, die auch die Stromversorgung und den Brandschutz beeintr&auml;chtigen k&ouml;nnten, wie es hei&szlig;t. Derlei ist wei&szlig; Gott nichts Neues, geschweige denn eine Seltenheit. Am Dienstag schrieb die <em>Berliner Morgenpost<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/berlin\/article411967607\/die-gebaeude-fallen-schon-auseinander-seit-ich-angefangen-habe-zu-studieren.html\">&bdquo;Studenten spielen seit Jahren Wasserschaden-Bingo&ldquo;<\/a>. Tats&auml;chlich f&uuml;hren sie auf <em>Instagram<\/em> schon sehr lange (Bilder)Buch dar&uuml;ber, was alles an der TU im Argen liegt: &bdquo;&uuml;berflutete Flure&ldquo;, &bdquo;eindringendes Regenwasser&ldquo;, &bdquo;feuchte Stellen an Decken und W&auml;nden&ldquo;. Die Zeitung zitierte einen jungen Mann: &bdquo;Die Geb&auml;ude fallen schon auseinander, seit ich angefangen habe, zu studieren.&ldquo;<\/p><p>Allerdings hat das bisher niemanden so recht interessiert, au&szlig;er die direkt Leidtragenden, also Lernende, Lehrende und das Verwaltungspersonal. Aber pl&ouml;tzlich ist alles anders. Am vergangenen Freitag inspizierte ein Trupp aus Bauaufsehern und der Feuerwehr das TU-Zentralhaus und machte hinterher kurzen Prozess. Alles zu, alle raus! <a href=\"https:\/\/www.tu.berlin\/themen\/schliessung-hauptgebaeude-2026\">&bdquo;Das Geb&auml;ude darf bis auf Weiteres nicht mehr betreten werden&ldquo;<\/a>, informierte stante pede die Unileitung. Das sei <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article6a017568453b15e11907474b\/tu-berlin-gesperrt-eine-mittlere-katastrophe-uni-mitarbeiter-muessen-mit-tueten-und-rucksaecken-ihre-bueros-raeumen.html\">&bdquo;mitten im Semester eine mittlere Katastrophe&ldquo;<\/a>, konstatierte Springers <em>Welt<\/em> und hat recht. Hunderte Lehrveranstaltungen m&uuml;ssen auf unbestimmte Zeit umquartiert oder durch Onlineangebote ersetzt werden. Und etliche Tausende von insgesamt 35.000 TU-Studierenden sowie haufenweise Besch&auml;ftigte m&uuml;ssen das Weite suchen.<\/p><p><strong>&bdquo;Etwas vernachl&auml;ssigt&ldquo;<\/strong><\/p><p>Das Ereignis lieferte tagelang Bilder einer Gro&szlig;evakuierung, wobei eher im Schneckentempo. Eingelassen wurde unter der Woche jeweils blo&szlig; eine begrenzte Zahl von Menschen, die daf&uuml;r im Internet sogenannte Zeitslots buchen mussten. &bdquo;Fl&uuml;chtlinge&ldquo; mit Kartons, Klappboxen und IKEA-Taschen voller B&uuml;cher, technischer Ger&auml;te und Zimmerpflanzen taugen als tolles Kameramotiv und verst&auml;rken ungemein den Eindruck von Gefahr im Verzug. Puh, das Geb&auml;ude muss ja arg gelitten haben in seinem 60-j&auml;hrigen Dasein. Und wenn sich auch nur zehn Mann zu viel in ihm tummeln, geht das Ding glatt zu Boden. Ganz bestimmt haben die Verantwortlichen nicht &uuml;berreagiert. Zumal die aktuell Oberverantwortliche, Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD), mit der Wahrheit auch nicht hinterm Berg h&auml;lt. Gegen&uuml;ber dem <em>Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb)<\/em> bemerkte sie: <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/panorama\/beitrag\/2026\/05\/tu-hauptgebaeude-bleibt-vorerst-geschlossen.html\">&bdquo;Aber der Bestand wurde etwas vernachl&auml;ssigt, das kann man schon sagen.&ldquo;<\/a><\/p><p>Nun ja. Im Vorjahr hatte eine Bestandsaufnahme ergeben, dass von den 102 &uuml;ber die Stadt verteilten TU-Geb&auml;uden vier in gutem Zustand sind. 96 Prozent m&uuml;ssen kurz- oder mittelfristig instand gesetzt werden. An der Humboldt-Universit&auml;t (HU) sind es 94 Prozent, an der Freien Universit&auml;t (FU) etwa zwei Drittel. Jahrzehntelang haben die politisch Verantwortlichen zugesehen, wie die Bausubstanz verrottet, und zugleich immer neue &bdquo;Spardiktate&ldquo; zugunsten von Unternehmern, Spitzenverdienern und Superreichen durchgesetzt. Aber es wurde nicht nur gegeizt. Da ist auch diese &bdquo;Exzellenzinitiative&ldquo;, die seit sieben Jahren &bdquo;Exzellenzstrategie&ldquo; hei&szlig;t. Mit dem Bund-L&auml;nder-Programm werden turnusm&auml;&szlig;ig &bdquo;Leuchtt&uuml;rme&ldquo; der Wissenschaft mit F&ouml;rdermillionen bedacht, die die gew&ouml;hnliche Hochschullandschaft mit &bdquo;Spitzenforschung&ldquo; &uuml;berstrahlen. Seit 2019 geh&ouml;ren die TU, die FU und die HU dem elit&auml;ren Kreis an, unter dem Dach der &bdquo;Berlin University Alliance&ldquo;. Was bei der Ehrung unterging: Der Leuchtturm hat einen Dachschaden.<\/p><p><strong>H&ouml;chste Eisenbahn<\/strong><\/p><p>Aber jetzt ist endlich Schluss mit Verwahrlosung. Die Politik k&uuml;mmert sich. Und dabei hilft ziemlich treffsicher der &bdquo;Zufall&ldquo; mit. Vor gerade einmal vier Wochen hat der Hauptstadtsenat die Gr&uuml;ndung einer Hochschulbaugesellschaft (BHG) beschlossen. Die soll k&uuml;nftig als Hauptquartier f&uuml;r Bau, Sanierung, Instandhaltung und Geb&auml;udemanagement fungieren und bis 2045 viele Milliarden Euro extra f&uuml;r die Wiederert&uuml;chtigung der elf staatlichen Berliner Hochschulen mobilisieren. Die Pl&auml;ne dazu liegen schon seit &uuml;ber einem Jahr vor. Nur geht es jetzt eben in die hei&szlig;e Phase der Umsetzung, obendrein dr&auml;ngt die Zeit ungemein. Bald ist Sommerpause, noch dazu wird am 20. September neu gew&auml;hlt in Berlin, und den Senatsparteien CDU und SPD droht eine herbe Schlappe. F&uuml;r eine Gro&szlig;e Koalition wird es danach definitiv nicht reichen, eher f&uuml;r eine Wiederkehr von Rot-Rot-Gr&uuml;n. Aber in dieser Konstellation wird es absehbar nichts werden mit der Hochschulbaugesellschaft. Nicht nur, weil das Projekt bei Hochschulrektoren und Gewerkschaften auf heftigen Widerstand st&ouml;&szlig;t &ndash; auch die Linkspartei will nicht mitziehen.<\/p><p>Auf Carl Wa&szlig;muth, Sprecher der Initiative &bdquo;Gemeingut in B&uuml;rgerInnenhand&ldquo; (GiB), wirkt die Aufregung um die TU deshalb &bdquo;wie bestellt&ldquo;. Den <em>NachDenkSeiten<\/em> sagte er am Mittwoch: &bdquo;In Berlin wird gerade die deutschlandweit gr&ouml;&szlig;te Privatisierung im Hochschulbereich vorbereitet. Die Schlie&szlig;ung des Hauptgeb&auml;udes geh&ouml;rt zum Polittheater dazu, mit dem von den eigentlichen Interessen abgelenkt werden soll.&ldquo; Aber wieso Privatisierung? Der Aktivist vergleicht die Unternehmung mit der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=120806\">&bdquo;Berliner Schulbauoffensive&ldquo; (BSO)<\/a>. Durch Einspannung der st&auml;dtischen, aber privatrechtlich verfassten Wohnungsgesellschaft Howoge verz&ouml;gern sich Neubau und Sanierung der Lehranstalten um Jahre, w&auml;hrend sich die urspr&uuml;nglich veranschlagten Kosten zu vervielfachen drohen. &bdquo;Das freut Banken und Bauindustrielle, w&auml;hrend es im Klassenzimmer noch lange von der Decke tropft und der Steuerzahler die Zeche zahlt&ldquo;, so Wa&szlig;muth. &bdquo;Dasselbe Szenario soll sich jetzt mit den Hochschulen wiederholen.&ldquo;<\/p><p><strong>&bdquo;Vorbild&ldquo; Schulbauoffensive<\/strong><\/p><p>&Auml;hnlichkeiten gibt es tats&auml;chlich viele. Nur dass man zun&auml;chst eine ganz neue Gesellschaft auf die Beine stellen will, verfasst als Anstalt des &ouml;ffentlichen Rechts (A&ouml;R). Was nach viel Staat klingt, wird aber viel Privat enthalten. Die BHG w&auml;re selbst kein Bauherr, sondern Vermittler von Auftr&auml;gen an Firmen, die Neubau und Sanierungen erledigen und daf&uuml;r Kredite am freien Kapitalmarkt aufnehmen sollen. &bdquo;Zur Erf&uuml;llung ihrer Aufgaben kann sich die Anstalt Dritter bedienen&ldquo;, hei&szlig;t es im <a href=\"https:\/\/www.parlament-berlin.de\/ados\/19\/IIIPlen\/vorgang\/d19-3155.pdf\">Referentenentwurf<\/a> von Ministerin Czyborra. &bdquo;Als Dritte kommen Bauunternehmen, Architektur- und Ingenieurb&uuml;ros sowie Geb&auml;udetechnikunternehmen in Betracht.&ldquo; Nicht die Rede ist dagegen von Banken und anderen Akteuren der Finanzwirtschaft, die an dem Modell reichlich mitverdienen werden, sprich an Zinsen und Zinseszinsen.<\/p><p>Gerade die &bdquo;Schulbauoffensive&ldquo; hat hier Ma&szlig;st&auml;be gesetzt. In ihrem Rahmen teilen sich die Berliner Bezirke und die Howoge die Neubau- und Sanierungsprojekte auf. Die Bezirke haben den Gro&szlig;teil ihrer Aufgaben in kurzer Zeit abgearbeitet und pro Schulplatz weniger als 40.000 Euro aufgewendet. Die Howoge hat bis dato nicht einmal zehn Projekte realisiert, braucht bis zum Vollzug mindestens noch f&uuml;nf Jahre und verpulvert im Schnitt pro Schulplatz weit &uuml;ber 200.000 Euro. Wer alles verdient da wohl mit? Schon deshalb sollte man den Zahlenspielen zum angek&uuml;ndigten Hochschulbauwumms nicht trauen. Laut <a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/aktuelles\/10334074-958090-senat-beschliesst-gruendung-von-hochschu.html\">Senatsmitteilung<\/a> sollen mit der neuen Finanzierungstruktur von &bdquo;2032 bis 2046 j&auml;hrlich zwischen rund 220,3 und 298,6 Millionen Euro investiert werden&ldquo;. Das w&auml;ren 3,3 bis 4,5 Milliarden Euro. Die BSO war 2016 mit der Ansage 5,5 Milliarden Euro gestartet. Inzwischen werden mindestens 15 Milliarden veranschlagt. Die BHG k&ouml;nnte bei anhaltender Preisentwicklung und der langen Laufzeit in &auml;hnliche Sph&auml;ren vordringen, eher noch viel weiter.<\/p><p><strong>30 Prozent weniger Platz<\/strong><\/p><p>Zumindest hinsichtlich der Anlaufzeit (sechs Jahre) offenbaren die Macher diesmal Realit&auml;tssinn. Die BSO kam ewig nicht in die G&auml;nge, weil mit Einbezug der Howoge zun&auml;chst ein riesiges Konstrukt zu erschaffen war. Geschlagene f&uuml;nf Jahre brachte man allein damit zu, die fraglichen Schulen in Gestalt von 120 Vertr&auml;gen juristisch auf die GmbH zu &uuml;bertragen. Nur damit verdienten sich Berater und Anw&auml;lte schon eine goldene Nase. Im Fall der Hochschulen wird das fraglos noch getoppt. Auch hierbei soll der gesamte Geb&auml;udebestand samt Grundst&uuml;cken &ndash; mehrere Hundert Objekte &ndash; Eigentum der BHG werden. Die Unis verl&ouml;ren damit jede Handhabe in puncto Geb&auml;udemanagement und m&uuml;ssten als Mieter Mietzahlungen an die neue Dachgesellschaft abf&uuml;hren. Au&szlig;erdem soll ihr gesamtes Personal, neben Angestellten auch die Beamten, in die BHG &uuml;berwechseln.<\/p><p>Und schlie&szlig;lich wollen CDU und SPD anfangs zehn Prozent und mittelfristig bis zu 30 Prozent der Fl&auml;chen reduzieren, auf dem Wege von Synergien, Zusammenlegung, E-Learning und Homeoffice, wie es Czyborra vorschwebt. &bdquo;In Einzelf&auml;llen&ldquo; geh&ouml;rten auch &bdquo;Grundst&uuml;cksgesch&auml;fte&ldquo; zu den Aufgaben der Gesellschaft, erf&auml;hrt man in ihrer Vorlage. &bdquo;Die HBG wird wohl eine ganz gro&szlig;e Nummer im Immobilienbusiness beim Vermarkten und Verkaufen von Hochschulliegenschaften&ldquo;, ahnt GiB-Sprecher Wa&szlig;muth. Er f&uuml;rchtet Schlimmes:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Statt schnell Geb&auml;ude zu sanieren, wird eine Struktur geschaffen, die dem Ausverkauf dient. Die f&uuml;nf gr&ouml;&szlig;ten Baufirmen Europas sollen Zugriff auf Gelder bekommen, die heute noch der Hochschulbildung gewidmet werden. Banken bekommen die H&auml;lfte vom Kuchen ab &ndash; &uuml;ber Zinsen f&uuml;r die Umgehung der Schuldenbremse, aus Steuergeld bezahlt. Es wird ein gewaltiger Raubzug.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Es ginge auch anders. Bekanntlich hat die Bundesregierung ein &bdquo;Sonderverm&ouml;gen f&uuml;r Infrastruktur und Klimaneutralit&auml;t&ldquo; (SVIK) im Umfang von 500 Milliarden Euro aufs Gleis gesetzt, das eigentlich f&uuml;r F&auml;lle wie der von Berlin wie ma&szlig;geschneidert erscheint. Der Bund nimmt Geld auf, durch Ausgabe von Bundesanleihen zu vergleichsweise g&uuml;nstigen Konditionen, und bringt damit marode Schulen, Hochschulen, Schienen, Br&uuml;cken und Stra&szlig;en in Schuss. So die Theorie. Nun die Praxis: J&uuml;ngst haben Bund und L&auml;nder ein <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-lehre.de\/politik\/umfangreiches-programm-gegen-sanierungsstau-an-hochschulen-beschlossen-7527\">&bdquo;Programm zur Modernisierung und Sanierung&ldquo;<\/a> von Kitas und Wissenschaftseinrichtungen klargemacht, versehen mit dem Attribut &bdquo;umfangreich&ldquo;. Das Volumen: Vier Milliarden Euro, gestreckt &uuml;ber vier Jahre, wobei bestenfalls die H&auml;lfte bei den Hochschulen landen wird. Und der Bedarf? Allein f&uuml;r die Berliner Unis ist ein Sanierungsstau von sch&auml;tzungsweise 8,4 Milliarden Euro aufgelaufen. F&uuml;r alle Hochschulen in Deutschland sind es gem&auml;&szlig; einer Hochrechnung der Hamburger Finanzbeh&ouml;rde 141 Milliarden Euro.<\/p><p><strong>Daseinsvorsorge unterm Hammer<\/strong><\/p><p>Warum dann so knausrig? Ganz einfach. Bei Modellen der Sorte BSO, HBG oder &Ouml;PP (&ouml;ffentlich-private Partnerschaften) k&ouml;nnen &bdquo;Dritte&ldquo; sehr viel &uuml;ppiger profitieren. Die A&ouml;R &uuml;be ihre Aufgaben &bdquo;unter Ber&uuml;cksichtigung der Interessen der Hochschulen&ldquo; aus, formuliert der Senatsentwurf zur Gr&uuml;ndung der Hochschulbaugesellschaft. &bdquo;Das bedeutet, dass auch andere Interessen ber&uuml;cksichtigt werden&ldquo;, befand Wa&szlig;muth &ndash; und verwies auf die &bdquo;Pionierarbeit&ldquo; der sogenannten Fratzscher-Kommission, benannt nach dem Pr&auml;sidenten des Deutschen Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. Der damalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte den Zirkel aus marktliberalen &Ouml;konomen und Vertretern der Finanzbranche 2014 mit der Aufgabe betraut, hochprofitable Anlagem&ouml;glichkeiten f&uuml;r von Niedrigzinsen gebeutelte Banken und Versicherungen &bdquo;zur St&auml;rkung von Investitionen in Deutschland&ldquo; zu erschlie&szlig;en.<\/p><p>Am Ende stand die Idee einer zentralen Autobahngesellschaft, die den Ausverkauf von Deutschlands Stra&szlig;ennetz auf Kosten der Steuerzahler unter Umgehung von Schuldenbremse und EU-Stabilit&auml;tskriterien vollziehen soll. Die &bdquo;Autobahn GmbH des Bundes&ldquo; gibt es seit inzwischen f&uuml;nf Jahren und &Ouml;PPs sind ihr bevorzugtes Mittel der Wahl, wenn es um den Fernstra&szlig;enbau geht. Wie programmiert laufen die Kosten dabei stets aus dem Ruder. Aber die von Beratungsgesellschaften wie PricewaterhouseCoopers (PwC) oder KPMG ausgeheckten Strategien lassen sich auch auf andere Bereiche anwenden &ndash; Schulen, Hochschulen, die &ouml;ffentliche Verwaltung &ndash;, die nach jahrzehntelanger K&uuml;rzungspolitik so geschw&auml;cht sind, dass sie dringend &bdquo;Hilfe&ldquo; brauchen. Zwecks L&ouml;sung wird dann flugs ein sogenannter Intermedi&auml;r in Stellung gebracht, ein Vermittler, immer in staatlichem Gewand zwar &ndash; ob als AG, GmbH oder A&ouml;R &ndash;, aber gelenkt und getrieben von privatwirtschaftlichen Profitinteressen.<\/p><p><strong>Protest am Montag<\/strong><\/p><p>Nun also sind Berlin und seine Hochschulen ins Visier der Absahner geraten. Die akuten Baustellen wie kaputte Klos, schimmelbefallene Lehrs&auml;le, defekte Heizungen scheren sie nicht. Sie kalkulieren langfristig, vor 2032 muss nichts passieren, weil dann ja erst die Vertr&auml;ge fix sind und der Reibach losgehen kann. Aber einen Dachschaden f&uuml;r die Galerie, den hat es schon gebraucht. Damit die &Ouml;ffentlichkeit endlich kapiert, wie ernst die Lage ist, und eine l&auml;ngst diskreditierte Landesregierung rasch noch N&auml;gel mit K&ouml;pfen macht.<\/p><p>Immerhin: F&uuml;r kommenden Montag um 9 Uhr haben die Gewerkschaften Ver.di und GEW sowie die Landeskonferenz der Rektoren zu einer Demonstration vor dem Berliner Abgeordnetenhaus aufgerufen. Drinnen will zeitgleich der Wissenschaftsausschuss &uuml;ber die Senatspl&auml;ne beraten.<\/p><p>&bdquo;Der Senat versucht, die Hochschulbaugesellschaft gegen die Interessen der Hochschulen, der Besch&auml;ftigten und der Studierenden durchzudr&uuml;cken&ldquo;, beklagt die GEW in ihrem <a href=\"https:\/\/www.gew-berlin.de\/presse\/detailseite\/hochschulbaugesellschaft-gefaehrdet-beschaeftigte-und-studentische-raeume\">Aufruf<\/a>. &bdquo;Statt die Hochschulen zu st&auml;rken, drohen Arbeitsplatzabbau, Tarifflucht und Outsourcing.&ldquo; F&uuml;r die Initiatoren kann das nur eines hei&szlig;en: &bdquo;Dieses Gesetz geh&ouml;rt zur&uuml;ckgezogen.&ldquo;<\/p><p><small>Titelbild: Mo Photography Berlin \/ shutterstock.com<\/small><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/ec7550dd225841fcabafa9b3e0b6d8e4\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Knall auf Fall wurde die Technische Universit&auml;t in Berlin verrammelt, wegen baulicher M&auml;ngel. Bis auf Weiteres m&uuml;ssen alle drau&szlig;en bleiben. Einsturzgefahr? Ach was! Vielmehr droht der Einfall von Profitinteressen. Der fast schon abgew&auml;hlte Senat will eine Gesellschaft gr&uuml;nden, um Bau, Sanierung und Geb&auml;udemanagement der Hochschulen zu zentralisieren. 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