{"id":15059,"date":"2012-11-12T09:19:58","date_gmt":"2012-11-12T08:19:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15059"},"modified":"2015-05-05T11:07:54","modified_gmt":"2015-05-05T09:07:54","slug":"katrin-goring-eckardt-die-neue-vizekanzlerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15059","title":{"rendered":"Katrin G\u00f6ring-Eckardt \u2013 die neue Vizekanzlerin"},"content":{"rendered":"<p>Nach der selbsternannten und von Anfang an nur zur W&auml;hlert&auml;uschung erfundenen &bdquo;b&uuml;rgerlichen Koalition&ldquo; von FDP und CDU, k&ouml;nnte sich zwischen Gr&uuml;nen und CDU nun bald eine Koalition aus alter und neuer B&uuml;rgerlichkeit zusammenfinden &ndash; n&auml;mlich zu einer Koalition der Kinder des B&uuml;rgertums, die inzwischen selbst zu Besitz gelangt und zu Besitzstandswahrern geworden sind, die sich mit ihren Eltern, n&auml;mlich dem etablierten Besitzb&uuml;rgertum vers&ouml;hnt haben.<br>\nMit ihrer Wahl zur Spitzenkandidatin der Gr&uuml;nen f&uuml;r die Bundestagswahl hat die &bdquo;Reala&ldquo; G&ouml;ring-Eckardt  wie bei einem M&uuml;hlespiel, die Position einer &bdquo;Zwickm&uuml;hle&ldquo; erlangt: Sie kann mit jedem Zug eine M&uuml;hle schlie&szlig;en und entweder unter Angela Merkel oder &ndash; im unwahrscheinlicheren Fall &ndash; unter Peer Steinbr&uuml;ck die k&uuml;nftige Vizekanzlerin werden. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Urwahl der beiden Spitzenkandidaten bei den Gr&uuml;nen war ein Beispiel f&uuml;r innerparteiliche Demokratie, das sich wohltuend von der Auswahl des Kanzlerkandidaten bei der SPD abhebt. Bei den Sozialdemokraten haben die Herren der &bdquo;Troika&ldquo; die Spitzenkandidatur nach der Art eines Abz&auml;hlreims &bdquo;Ene mene muh, und raus bist du!&ldquo; unter sich ausgemacht. Die Spitzenkandidatin der CDU steht mangels Alternative ohnehin fest, da braucht Angela Merkel nicht einmal mehr einen Parteitag abzuwarten. Und ob Philipp R&ouml;sler die FDP in den Wahlkampf f&uuml;hren wird, h&auml;ngt ausschlie&szlig;lich von der Landtagswahl in Niedersachsen ab.<\/p><p>Die Urwahl bei den Gr&uuml;nen, an der sich beachtliche 61,64 Prozent der knapp 60.000 Parteimitglieder beteiligt haben, war auch angesichts von 15 Bewerbern mutig. Auch die Promis der Partei mussten bei der Basis antreten. Dass &ndash; zur &Uuml;berraschung der Parteispitze &ndash; 47 Prozent daf&uuml;r gestimmt haben, dass Katrin G&ouml;ring-Eckardt neben J&uuml;rgen Trittin die Gr&uuml;nen in den Wahlkampf f&uuml;hren soll, macht zugleich offenkundig, dass fast die H&auml;lfte der aktiven Parteimitglieder in der wertkonservativen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8850\">&bdquo;b&uuml;rgerlichen Mitte&ldquo; angekommen sind<\/a>. &bdquo;Wir wollen die b&uuml;rgerliche Mitte niemand anderem &uuml;berlassen&ldquo; sagte denn auch G&ouml;ring-Eckardt nach ihrem <a href=\"http:\/\/www.haz.de\/Nachrichten\/Politik\/Deutschland-Welt\/Gruene-wollen-mit-Goering-Eckardt-und-Trittin-um-die-Mitte-kaempfen\">Abstimmungssieg gegen Claudia Roth und Renate K&uuml;nast<\/a>.<\/p><p>Schon vor drei Jahren schrieb der Parteienforscher <a href=\"http:\/\/de.wikiquote.org\/wiki\/Franz_Walter\">Franz Walter<\/a> pointiert: <\/p><blockquote><p><em>&ldquo;Die Gr&uuml;nen von 2009 sind so, wie die Gr&uuml;nen 1983 die CDU beschrieben haben: furchtbare B&uuml;rger, elit&auml;r, selbstgef&auml;llig.&rdquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Um nicht missverstanden zu werden: Ich finde Katrin G&ouml;ring-Eckardt nicht unsympathisch. Sie hat als Bundestagsvizepr&auml;sidentin keine schlechte Figur gemacht. Im Amt der Pr&auml;ses der Evangelischen Kirchensynode, als Mitglied im Rat der EKD und als Pr&auml;sidentin des Evangelischen Kirchentages 2011 in Dresden, hat sie zwar den &bdquo;Aufbruch von unten&ldquo; beschworen, konnte aber &ndash; vor allem wegen der schwierigen Finanzsituation &ndash; den Abbruch der Evangelischen Kirche nach unten nicht aufhalten. Ansonsten predigte sie, wie man das von einem aufrechten <a href=\"http:\/\/goering-eckardt.de\/detail\/nachricht\/festgottesdienst-60-jahre-johanniter-unfallhilfe.html\">evangelischen Christenmenschen erwarten darf<\/a>: &bdquo;Wir k&ouml;nnen uns mit denen an einen Tisch setzen, mit denen niemand essen will. Wir k&ouml;nnen die in unsere Mitte holen, die am Rand stehen. Wir k&ouml;nnen die sein, die das Notwendige tun. Das, was die Not wendet.&ldquo;<\/p><p>Diese christlich-karitative Haltung hat G&ouml;ring-Eckardt wohl auch den medialen Ruf als &bdquo;Anw&auml;ltin der &Auml;rmsten&ldquo; und als &bdquo;K&auml;mpferin f&uuml;r soziale Gerechtigkeit&ldquo; eingetragen. Und ihr Eintreten f&uuml;r die Agenda-Politik haben ihr die Mainstream-Medien schon seit langer Zeit mit freundlicher Publizit&auml;t entlohnt. Dass sich die th&uuml;ringische &bdquo;Ost-Frau&ldquo; gegen die schrille Claudia Roth und gegen die verbissene Renate K&uuml;nast so deutlich durchgesetzt hat, ist ein weiteres Beispiel daf&uuml;r, wie die Medien die innerparteiliche Willensbildung aller Parteien pr&auml;gen und sogar bestimmen. <\/p><p>Doch wie so h&auml;ufig bei karitativ, also bei mildt&auml;tig und hilfsbereit eingestellten Menschen lassen sich auch bei der calvinistisch gepr&auml;gten G&ouml;ring-Eckardt die Ermahnung zur Barmherzigkeit und das praktische politische Handeln oft nur schwer auf einen Nenner bringen. Sieht man n&auml;mlich von den Reden in ihren eher repr&auml;sentativen &Auml;mtern ab und blickt auf das tats&auml;chliche politische Handeln der fr&uuml;heren Fraktionsvorsitzenden der Gr&uuml;nen in der rot-gr&uuml;nen Koalition, so geh&ouml;rte sie damals geradezu zu den Einpeitscherinnen der Agenda-Politik. Im Tonfall Gerhard Schr&ouml;ders redete die &bdquo;Reala&ldquo; ihrer Partei und uns ein: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/politik\/rentenfrage-erste-zerreisprobe-fuer-rot-gruen-1.2241785\">Es geht darum, den Sozialstaat auf die radikal ver&auml;nderten Bedingungen einzustellen.<\/a>&ldquo;<br>\nSie huldigte dem Mythos der Senkung der &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5015\">Lohnnebenkosten<\/a>&ldquo; als angebliches Mittel zur Arbeitsbeschaffung. Sie war und ist eine vehemente Verfechterin der privaten Altersvorsorge und setzte sich f&uuml;r Steuerverg&uuml;nstigungen daf&uuml;r ein. Sie war und ist f&uuml;r die Rente mit 67 (bis heute http:\/\/goering-eckardt.de\/detail\/nachricht\/urwahl-fragen-gewerkschaftsgruen.html). Sie war und ist f&uuml;r das Hartz-Regime, auch wenn sie sich sp&auml;ter mildt&auml;gig f&uuml;r die Erh&ouml;hung der Regels&auml;tze aussprach. <\/p><p>Kurz: Katrin G&ouml;ring-Eckardt ist wesentlich mitverantwortlich f&uuml;r die Agenda-Politik und h&auml;lt wie die SPD-F&uuml;hrungsriege nach wie vor an ihrem vorausgegangenen Tun fest. Wenn sie heute f&uuml;r eine &bdquo;bessere Gesellschaft&ldquo; eintritt, so m&uuml;sste sie gerade als evangelische Christin wissen, dass dies nur dann glaubw&uuml;rdig w&auml;re, wenn sie auch nur ein wenig Bu&szlig;e &uuml;ben w&uuml;rde f&uuml;r das sozialpolitische Zerst&ouml;rungswerk, das sie mit angerichtet hat.  <\/p><p>Die ehemalige Theologiestudentin redet zwar heute von &bdquo;guter Arbeit&ldquo;  und &bdquo;gerechter Entlohnung&ldquo;, umgeht aber geflissentlich die Hartz-Gesetze, die t&auml;glich das Gegenteil bewirken. Sie glaubt &ndash; trotz ihres verbalen Eintretens f&uuml;r einen Mindestlohn (in welcher H&ouml;he?) an das neoliberale Dogma, dass hohe L&ouml;hne Arbeitspl&auml;tze gef&auml;hrdeten. Sie ist nach wie vor dem Alarmismus des &bdquo;demografischen Wandels&ldquo; verhaftet und wendet sich nicht gegen die weitere Absenkung des Niveaus der gesetzlichen Rente. Sie verficht den Fiskalpakt und die Schuldenbremse und fordert nur &ndash; wie ja selbst die Kanzlerin inzwischen redet &ndash; eine &bdquo;Erg&auml;nzung&ldquo; durch Wachstumsimpulse. <\/p><p>Kurz: Bis auf Nuancen passen ihre politischen &Auml;u&szlig;erungen teilweise sogar wortgleich mit den Papieren aus dem sozialdemokratischen Lager und den Reden von Peer Steinbr&uuml;ck zusammen. Auch Steinbr&uuml;ck redet &uuml;ber mehr &bdquo;Zusammenhalt&ldquo; und mehr &bdquo;Menschlichkeit&ldquo; &ndash; was daraus auch immer an konkretem politischem Handeln folgen mag. <\/p><p>Zu Spekulationen, ob ihre Wahl zur Spitzenkandidatin als ein Zugehen der Gr&uuml;nen auf die CDU gewertet werden k&ouml;nne, meint G&ouml;ring-Eckardt: niemand werde nach der Bundestagswahl ein Gespr&auml;ch mit der Union ausschlagen, aber es gehe immer um inhaltliche &Uuml;bereinstimmung und &bdquo;die sehe ich nicht&ldquo;. <\/p><p>Doch solche wahltaktischen Sprechblasen wie etwa &bdquo;<a href=\"http:\/\/goering-eckardt.de\/detail\/nachricht\/bundestagswahl-2013-gruen-oder-merkel.html\">Gr&uuml;n oder Merkel<\/a>&ldquo; kennt man ja. G&ouml;ring-Eckardt w&uuml;rde ja die andere H&auml;lfte der Parteimitglieder, die sie nicht gew&auml;hlt haben, gegen sich aufbringen, wenn sie sich anders &auml;u&szlig;ern w&uuml;rde und sie w&uuml;rde die Chancen auf ein gutes Abschneiden ihrer Partei zunichtemachen. <\/p><p>Aber Ber&uuml;hrungs&auml;ngste mit der CDU gibt es bei ihr mit ziemlicher Sicherheit nicht. G&ouml;ring-Eckardt geh&ouml;rte zur sog. Pizza-Connection und hat sich regelm&auml;&szlig;ig mit CDU-Abgeordneten getroffen. Zwischen G&ouml;ring-Eckardt und Ursula von der Leyen bestehen &ndash; wie man gestern Abend bei G&uuml;nther Jauch  beobachten konnte &ndash; mehr als nur menschliche Sympathien und jedenfalls mehr als zu Peer Steinbr&uuml;ck. Beim Thema Mindestlohn w&auml;re bei entsprechend niedrigem Niveau leicht eine Einigung m&ouml;glich und beim Betreuungsgeld w&uuml;rde sicherlich auch Angela Merkel wieder einen raschen Ausstieg mitmachen. Die Europapolitik der Kanzlerin haben die Gr&uuml;nen und der andere Spitzenkandidat, J&uuml;rgen Trittin, &ndash; wenn auch mit verbaler Kritik an der Performance &ndash; st&auml;ndig mitgetragen. <\/p><p>Schwarz-Gr&uuml;n steht angesichts der Ann&auml;herung der Gr&uuml;nen an die sog. b&uuml;rgerlichen Mitte nicht viel im Wege. <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Das Beste kommt noch&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>schrieb <a href=\"http:\/\/www.goering-eckardt.de\/\">G&ouml;ring-Eckardt auf ihrer Website<\/a>. Das Beste f&uuml;r sie pers&ouml;nlich d&uuml;rfte sein, Vize-Kanzlerin unter Angela Merkel zu werden oder im weniger wahrscheinlichen Fall unter Peer Steinbr&uuml;ck. G&ouml;ring-Eckardt hat sich wie bei einem M&uuml;hlespiel, die Position einer &bdquo;Zwickm&uuml;hle&ldquo; verschafft, sie kann mit jedem Zug eine M&uuml;hle schlie&szlig;en und ihre Spielgegner ausspielen. Die Gr&uuml;nen sind nicht nur in der Rolle der &bdquo;&Ouml;ko-FDP&ldquo; angekommen, sie haben auch die Rolle der FDP als &bdquo;Z&uuml;nglein an der Waage&ldquo; und als Mehrheitsbeschaffer eingenommen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der selbsternannten und von Anfang an nur zur W&auml;hlert&auml;uschung erfundenen &bdquo;b&uuml;rgerlichen Koalition&ldquo; von FDP und CDU, k&ouml;nnte sich zwischen Gr&uuml;nen und CDU nun bald eine Koalition aus alter und neuer B&uuml;rgerlichkeit zusammenfinden &ndash; n&auml;mlich zu einer Koalition der Kinder des B&uuml;rgertums, die inzwischen selbst zu Besitz gelangt und zu Besitzstandswahrern geworden sind, die sich<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15059\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[194,146,190],"tags":[1152,1396,312],"class_list":["post-15059","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gruene","category-soziale-gerechtigkeit","category-wahlen","tag-basisdemokratie","tag-goering-eckardt-katrin","tag-reformpolitik"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15059","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15059"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15059\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15061,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15059\/revisions\/15061"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15059"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15059"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15059"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}