{"id":150605,"date":"2026-05-21T15:00:10","date_gmt":"2026-05-21T13:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150605"},"modified":"2026-05-21T16:15:44","modified_gmt":"2026-05-21T14:15:44","slug":"leserbeitraege-erinnerungen-gegen-den-krieg-aufruf-zum-8-mai-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150605","title":{"rendered":"Leserbeitr\u00e4ge \u201eErinnerungen gegen den Krieg\u201c &#8211; Aufruf zum 8. Mai (4)"},"content":{"rendered":"<p>Anl&auml;sslich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150104\">hier<\/a> unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindr&uuml;cke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden. Wir bedanken uns von Herzen f&uuml;r die vielen ber&uuml;hrenden Beitr&auml;ge!<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4696\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-150605-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260518_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_4_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260518_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_4_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260518_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_4_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260518_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_4_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=150605-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260518_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_4_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260518_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_4_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Sie k&ouml;nnen uns gerne weiterhin &ndash; bis zum 22. Mai 2026 &ndash; Ihre Erinnerungen an <a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe@nachdenkseiten.de<\/a> mit dem Betreff &bdquo;Aufruf zum 8. Mai&ldquo; schicken.<\/strong><\/p><p><strong>Bitte senden Sie uns keine Beitr&auml;ge, die bereits in anderen Publikationen erschienen sind.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Hier k&ouml;nnen Sie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150403\">ersten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150464\">zweiten Teil<\/a> sowie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150486\">dritten Teil<\/a> der Zusendungen unserer Leser nachlesen.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>&bdquo;Ick will hem, ick will hem&rdquo;<\/strong><\/p><p>Liebe Redaktion,<\/p><p>Der Bruder meiner Mutter war zur Zeit des Faschismus Lokomotivf&uuml;hrer. Er ging eines Abends schlafen. In der Nacht stand pl&ouml;tzlich die SA\/SS mit Maschinengewehren vor seinem Bett, als er erwachte, schaute er in die M&uuml;ndung der auf ihn gerichteten Maschinengewehre, sie br&uuml;llten: Laut Befehl habe er einen Zug zu fahren, jetzt. Wenn er dem Befehl nicht Folge leistet, erschie&szlig;en sie ihn sofort. Nat&uuml;rlich stand mein Onkel sofort auf und ging mit ihnen, voller Schreck und noch verschlafen.<\/p><p>Sie brachten ihn zu dem Zug, den er als Lokomotivf&uuml;hrer zu fahren hatte, und fuhren los. Er erhielt den Befehl, eine gewisse Strecke zu fahren, und an dem und dem Bahnhof w&uuml;rde er zu halten haben, dort w&uuml;rde die Zugfahrt enden. Als mein Onkel dann an dem bezeichneten Bahnhof hielt, musste er ersch&uuml;ttert feststellen, was er transportiert hatte. Er kam nach Hause, noch unter dem Schock stehend, er weinte und sagte immer wieder: &bdquo;Ach h&auml;tte ich mich doch erschie&szlig;en lassen. Wenn ich das geahnt h&auml;tte, h&auml;tte ich mich sofort erschie&szlig;en lassen &hellip;&ldquo; Sein Leben war zerst&ouml;rt.<\/p><p>Ich selbst bin 1953 geboren, wie &uuml;berall in den Familien wurde &uuml;ber diese Zeit nicht gesprochen. Jedoch erhielt ich als Kind furchtbare Eindr&uuml;cke von der zerst&ouml;rerischen Kraft eines Krieges.<\/p><p>Meine Eltern vermieteten die obere Etage unseres Hauses an eine Fl&uuml;chtlingsfamilie aus Schlesien, bestehend aus Vater, Mutter, Kind.<\/p><p>Aus den Erz&auml;hlungen erfuhr ich, dass die neuen Hausbewohner schon im Ersten Weltkrieg aus ihrem gro&szlig;en Bauerngeh&ouml;ft in Oberschlesien fliehen mussten. Sie lie&szlig;en sich nach dem Krieg in Schlesien nieder, bauten dort wieder einen gro&szlig;en Bauernhof auf, jedoch mussten sie wieder im Zweiten Weltkrieg fliehen und landeten letztendlich im M&uuml;nsterland, nahe der holl&auml;ndischen Grenze, und erhielten bei uns eine Bleibe.<\/p><p>Der Mann war psychisch erkrankt an den Folgen der Kriege, er ging schon morgens den Weg zur Stra&szlig;e, ging dort hin und her und wiederholte nur noch die Worte &bdquo;Ick will hem, ick will hem&rdquo;, das tat er t&auml;glich.<\/p><p>Wir Kinder waren ersch&uuml;ttert, wie dieser Mann litt. Seine Frau, der Inbegriff der schweigenden G&uuml;te, unterst&uuml;tzte ihn, wie und wo sie nur konnte, sie half meiner Mutter, die 7 Kinder hatte. Dann bekam der Mann einen Schlaganfall, er konnte nicht mehr sprechen, nicht mehr gehen, er musste gef&uuml;ttert werden und so weiter. Seine Frau betreute ihn treulich und mit gro&szlig;er, schweigender, geduldiger Hingabe. Keine Klage kam &uuml;ber ihre Lippen.<\/p><p>Dann kam die Kubakrise, anhand der Reaktion meiner Mutter war die Angst und der Schrecken eines neuen Krieges f&uuml;r uns erlebbar. Wir Kinder knieten tagelang im Sandkasten und beteten, bis der Kelch an uns vor&uuml;berging.<\/p><p>M. Volmer<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>&bdquo;Madga geh in Westen, hier wird nicht gut.&ldquo;<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst vielen Dank f&uuml;r die hervorragende Idee zu diesem Aufruf.<\/p><p>Aus den Erz&auml;hlungen der Gro&szlig;mutter Jahrg. 1900, 6 Kinder:<\/p><p>Im Zuge der Vertreibung aus Schlesien ging folgende Episode voraus, sinngem&auml;&szlig;: Russischer Offizier: &bdquo;Madga geh in Westen, hier wird nicht gut.&ldquo;<\/p><p>Und das nach dem, was in Russland, unter deutscher &Auml;gide, geschehen war. 1946 vertrieben. Nicht von Russen.<\/p><p>Ich selbst habe in St. Petersburg die Einheimischen kennengelernt und sehr positive Erfahrungen gemacht. Europ&auml;ische, insbesondere deutsche Russophobie ist widerw&auml;rtig. Ich habe keinen Reim auf diesen &uuml;blen, deutschen Revanchismus. Ukrainekonflikt hin oder her. Nur eine Perspektive auf den scheinbar ewigen, europ&auml;ischen Konflikt.<\/p><p>Rainer Mrochen<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Zusammengefasst: Keine Jugend<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Redaktion der NachDenkSeiten,<\/p><p>als 1954 Geborener habe ich nat&uuml;rlich keine direkten Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg.<\/p><p>Allerdings haben mich die Geschichte und die Erz&auml;hlungen meiner Eltern und Gro&szlig;eltern und meines Onkels zu einem Gegner aller dieser (&hellip;) verantwortungslosen Politversager und militaristischen, intellektuell eingeschr&auml;nkten Schirmm&uuml;tzentr&auml;ger gemacht, welche die eigene Bev&ouml;lkerung als reine Verf&uuml;gungsmasse betrachten, sie mit Hilfe ihrer Medien manipulieren und keinerlei Skrupel haben, diese f&uuml;r ihren pathologisch- narzisstischen Machterhalt zu verheizen und ihr Leben zu zerst&ouml;ren.<\/p><p>Dazu:<\/p><p>Gro&szlig;vater, 1897 geboren, mit 18 Jahren in den Ersten Weltkrieg nach Frankreich geschickt, das Gemetzel von Verdun erlebt, Giftgaseinsatz, unvorstellbare Grausamkeiten kennengelernt, 1918 verwundet in englische Kriegsgefangenschaft gelangt, die Ruhr &uuml;berlebt. Danach nach Hause gekommen. Hungerwinter &uuml;berstanden. Dann Inflation. Neuanfang mit fast nichts.<\/p><p>Beginn Zweiter Weltkrieg. Noch nicht alt genug, also wieder an die Front nach Polen.<\/p><p>Kriegsgefangenschaft. &Uuml;berlebt. Zusammengefasst: Keine Jugend, mindestens 15 Lebensjahre durch Politverbrecher zerst&ouml;rt.<\/p><p>Anderer Gro&szlig;vater, 1900 geboren. Damit um Ersten Weltkrieg &bdquo;herumgekommen&ldquo;.<\/p><p>Im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Danach russische Kriegsgefangenschaft. &Uuml;berlebt, aber mit erfrorenen F&uuml;&szlig;en nach Hause gekommen. Lebenslang gezeichnet.<\/p><p>Ein Sohn von ihm mit 18 Jahren an die Ostfront. In der Panzerschlacht von Kursk gefallen.<\/p><p>Der verst&ouml;rende Brief seines Kompaniechefs an seinen Vater ist noch vorhanden. Mit dem ganzen Ges&uuml;lze von Ehre, Vaterland und anderem sinnfreien, ekelhaften Gelaber.<\/p><p>Sein anderer Sohn ebenso zum Zweiten Weltkrieg eingezogen. Im Afrikakorps gedient. Englische Kriegsgefangenschaft. Mit Malaria-Infektion nach Hause gekommen. Lebenslange gesundheitliche Probleme wegen Sp&auml;tfolgen.<\/p><p>Mein Vater, 1926 geboren. Mit 18 Jahren, also 1944, sofort an die Ostfront. Nach Kriegsende vier Jahre russische Kriegsgefangenschaft. Mit Knochentuberkulose nach Hause gekommen. Oberschenkelamputation. Keine Jugend erlebt, traumatisiert bis ans Lebensende.<\/p><p>Mutter, 1926 geboren. Ihre Mutter war 1940 vor Beginn des Zweiten Weltkrieges verstorben.<\/p><p>Dann wurden ihr Vater und ihre zwei Br&uuml;der zur Armee eingezogen, sodass sie sich mit 14 Jahren allein durchschlagen musste mit Erlebnissen, die ich hier nicht wiedergeben m&ouml;chte.<\/p><p>Damit d&uuml;rfte nachvollziehbar sein, woher meine Einstellung kommt.<\/p><p>(&hellip;)<\/p><p>Mit vielen Gr&uuml;&szlig;en an die Redaktion,<\/p><p>D. Clau&szlig;<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Beide stammten aus Ostpreu&szlig;en<\/strong><\/p><p>Ich bin Jahrgang 1973 und das j&uuml;ngste Kind meiner Eltern. Beide stammten aus Ostpreu&szlig;en und waren Kinder, als sie mit meinen Gro&szlig;eltern 1944 fliehen mussten. Der Zweite Weltkrieg war st&auml;ndig pr&auml;sent in meiner Ursprungsfamilie, er hat alles ver&auml;ndert und gebrochen und hat mich in meiner eigenen Entwicklung verfolgt. Es hat einiges an therapeutischer Aufarbeitung ben&ouml;tigt, damit ich verstehen, verarbeiten und loslassen konnte, was meine Eltern gepr&auml;gt hat.<\/p><p>Dies ist wohl auch ein Grund, warum ich absolut gegen derzeitige Wehrpflichtma&szlig;nahmen bin. Meine &auml;lteren Br&uuml;der haben in den 80er-Jahren den Kriegsdienst verweigert. Ich freue mich &uuml;ber jeden jungen Menschen, der gegen Krieg und Wehrdienst agiert.<\/p><p>Von unserer Leserin A.P.-K.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Da hatten die ersten schon genug von Ru&szlig;land&hellip;<\/strong><\/p><p>Liebe NachDenkSeiten,<\/p><p>mein Vater hat seine Erinnerungen zum Krieg in seinen letzten Jahren niedergeschrieben. Vielleicht passen seine Zeilen, von denen ich einen Teil hier als PDF anh&auml;nge, zum &bdquo;Aufruf zum 8. Mai&ldquo;.<\/p><p>Die aktuelle Kriegsgeilheit macht mich w&uuml;tend. Ich w&uuml;nsche uns allen, dass sich mutige Leute finden, die mit Verstand und Gelassenheit zur Diplomatie und einem friedlichen Miteinander zur&uuml;ckfinden &hellip;<\/p><p>Liebe Gr&uuml;&szlig;e<\/p><p>Ulrich Mathussek<\/p><p>Und so fing es an<\/p><p>Als am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg begann, war ich gerade 16 Jahre jung. Wir wohnten damals in Konstadt in Oberschlesien, nur wenige Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Schon Tage zuvor hatten wir die schier endlosen Fahrzeugkolonnen nach Osten rollen sehen.<\/p><p>Als am ersten Kriegstag die Bombengeschwader &uuml;ber uns dr&ouml;hnten, sah ich meine Mutter weinen. Ich konnte das damals nicht verstehen, aber sie hatte ja schon den Ersten Weltkrieg erlebt und dessen Schrecken immer noch in Erinnerung. Mein Vater war damals als Soldat vier Jahre in russischer Gefangenschaft in Sibirien. Die Folgen machten ihm sein Leben lang zu schaffen. Meine Sorge war damals h&ouml;chstens, da&szlig; ich noch nicht alt genug war, um in den Krieg zu ziehen. Diese Sorge war aber unbegr&uuml;ndet, denn ich habe davon noch mehr mitbekommen, als mir lieb war.<\/p><p>Ich war gerade 18 geworden, als ich am 6. Februar 1941 zum Arbeitsdienst nach Schedlau Kreis Falkenberg einberufen wurde. Als ich von dort am 27. September entlassen wurde, lag schon meine Einberufung zu den Kradsch&uuml;tzen nach Hirschberg im Riesengebirge zu Hause. Am 6. Oktober mu&szlig;te ich dort einr&uuml;cken. Unsere Ausbildung dauerte damals immer volle acht Monate, sp&auml;ter war sie oft viel k&uuml;rzer.<\/p><p>Ru&szlig;land ruft<\/p><p>Mitte Mai 1942 wurde ein Transport nach Ru&szlig;land zusammengestellt, und da war ich auch dabei. Die Fahrt nach dort dauerte zwei Wochen, denn wir standen oftmals viele Stunden auf dem Abstellgleis. In unseren G&uuml;terwagen bekamen wir bald Gesellschaft, die ersten L&auml;use machten sich bemerkbar. Anscheinend f&uuml;hlten sie sich auch wohl bei uns, denn sie verlie&szlig;en uns nicht mehr. In Orscha (Mittelabschnitt) wurden wir ausgeladen. Etliche Kilometer mu&szlig;ten wir mit unserem schweren Gep&auml;ck laufen, da hatten die ersten schon genug von Ru&szlig;land. Die Einheit, der wir zugeteilt wurden, war im vorigen sehr kalten Winter vor Moskau im Einsatz und hatte dort sehr schwere Verluste erlitten. Jetzt sollten wir die entstandenen L&uuml;cken ausf&uuml;llen.<\/p><p>Wir geh&ouml;rten jetzt zum 29. Regiment in der 3. Motorisierten Infanterie-Division, und diese war wiederum Teil der 6. Armee.<\/p><p><em>Anm. d. Lesers: Meinem Vater blieb Stalingrad erspart. Er wurde verwundet und wurde erst sp&auml;ter wieder an anderer Stelle eingesetzt. Schlie&szlig;lich kam er in Gefangenschaft &hellip;<\/em><\/p><p>Als wir einmal mit einer gr&ouml;&szlig;eren Gruppe auf Vorposten waren, kam ich am 7. Oktober 1943 in Gefangenschaft und war dann fast vier Jahre als POW in England. Dort lebten wir auf jeden Fall ruhiger und sicherer als irgendwo an der Front oder auch zu Hause in der Heimat.<\/p><p>Wenn ich jetzt nochmal einen Krieg erleben m&uuml;&szlig;te, w&uuml;rde ich auch weinen, denn ich wei&szlig; jetzt, wie grausam Kriege sind. Jetzt kann ich meine Mutter verstehen.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weihnachten des Ungl&uuml;cksjahres 1945<\/strong><\/p><p>Liebe Redaktion der NachDenkSeiten,<\/p><p>&hellip; tut mir leid, aber mit &sbquo;kurz&lsquo; hat es leider nicht funktioniert, ist doch etwas l&auml;nger geworden!<\/p><p>Zu diesem &sbquo;Kellerfund&lsquo; gestatten Sie mir noch eine (kurze!) Bemerkung. Ich habe dieses N&auml;hk&auml;stchen mit der (noch ausf&uuml;hrlichen) Geschichte dem &bdquo;Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Vers&ouml;hnung Berlin&ldquo; als Dauerleihe zur Verf&uuml;gung gestellt. Ich glaube, dort geh&ouml;rt es hin und dort ist es in guten H&auml;nden!<\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/p><p>Manchmal ist es schon kurios. Urpl&ouml;tzlich wird man mit Dingen konfrontiert, die so nicht in den Tagesablauf passen und einiges durcheinander bringen:<\/p><p>Ich war im Keller beim Aufr&auml;umen und hatte das alte N&auml;hk&auml;stchen meiner Mutter schon auf den Wegwerfhaufen sortiert, als ich unten auf dem Boden etwas Bleistiftgeschriebenes entdeckte. Ich r&auml;umte alle Kn&ouml;pfe und alles Sammelsurium aus und fand folgendes:<\/p><blockquote><p><em>O Heimatsonne k&ouml;nnten wier dich gr&uuml;ssen<br>\nO Heimatflur so lieb, so traut so sch&ouml;n<br>\nO Heimaterde k&ouml;nnten wier dich k&uuml;ssen<br>\nWer weiss, wer weiss ob wier dich wiedersehen.<\/em><\/p>\n<p>Meiner lieben Nichte,<br>\nWeihnachten des Ungl&uuml;cksjahres 1945.<br>\nOnkel Fritz<\/p><\/blockquote><p>Diesen N&auml;hkasten hatte Fritz Titze, der Onkel meiner Mutter, f&uuml;r sie als Weihnachtsgeschenk selbst gebaut. &bdquo;Weihnachten des Ungl&uuml;cksjahres 1945.&ldquo; Das &bdquo;Ungl&uuml;cksjahr 1945&ldquo;? &ndash; Ich hatte keine Ahnung. Was war passiert? Der Krieg war doch seit 9 Monaten vorbei?<\/p><p>Meine ganze Familie kommt aus Schlesien. Meine Gro&szlig;eltern hatten vier Kinder. Else (meine Mutter), geboren 1914, und ihre drei Br&uuml;der, Kurt (geb. 1920), Willy (geb. 1921) und Detmar (geb. 1925).<\/p><p>Mein Onkel Kurt wurde 1939 als erster eingezogen, zur Kriegsmarine (Minensuchboot) eingezogen. Sein Boot wurde 1944 vor Norwegen schwer getroffen. Er wurde schwer verwundet und verbrachte den Rest des Krieges in einem deutschen Lazarett.<\/p><p>Willy wurde auch gleich mit 18 Jahren &ndash; 1939 oder 1940 &ndash; eingezogen, der j&uuml;ngste, Detmar, wurde wohl erst 1943 eingezogen. Da war er gerade 18 Jahre alt! Beide haben den Russland-Feldzug mitgemacht. Beide haben den Krieg nicht &uuml;berlebt. Willy ist im Juni 1944, er war damals 23 Jahre alt, in Koljugin (Sowjetunion) gefallen, sein Bruder Detmar ist 1945, da war er gerade 20 Jahre alt, in der Sowjetunion verschollen. &bdquo;F&Uuml;R F&Uuml;HRER, VOLK UND VATERLAND&ldquo;?<\/p><p>Ich wei&szlig; nicht, wann und wie meine Mutter und ihre Eltern &uuml;ber den Tod ihrer S&ouml;hne informiert wurden. In der Familie wurde nie dar&uuml;ber gesprochen. Der Schmerz mu&szlig; jedoch schier unendlich gewesen sein.<\/p><p>Meine Oma Wally hat das Kriegsende nur um 10 Monate &uuml;berlebt, sie wurde nur 51 Jahre alt.<\/p><p>Mein Vater, Kurt Groll, wurde mit 27 Jahren eingezogen. Der Krieg brachte ihn bis nach Italien. Hier geriet er Anfang 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Mein Vater sagte mir einmal, das &bdquo;HANDS UP!&ldquo; der Amerikaner bei der Gefangennahme waren die sch&ouml;nsten Worte, die er seit 5 Jahren geh&ouml;rt hat.<\/p><p>Meine Mutter, meine Oma und mein Opa Herrmann waren Anfang 1945 noch in ihrem Haus in Hammerfeld, als der R&uuml;ckzug der deutschen Armee &uuml;ber sie hinweg rollte. Wenige Wochen sp&auml;ter packten die zur&uuml;ckgebliebenen Frauen, M&auml;dchen, Kinder und alten Leute, also ganz Schlesien das letzte Hab und Gut auf Handwagen und Pferdefuhrwerke und fl&uuml;chteten vor der nachr&uuml;ckenden Roten Armee auf dem Landweg Richtung Osten. Die Zeit muss f&uuml;rchterlich gewesen sein. In unserer Familie, aber nie von meinen Eltern, wurde von Pl&uuml;nderung und Vergewaltigung gesprochen.<\/p><p>Meine Oma und meine Mutter kamen bis nach Bayern, dann war der Krieg zu Ende. Sie gingen also wieder zur&uuml;ck nach Hammerfeld in ihr Haus. Die R&uuml;ckkehr war jedoch von sehr kurzer Dauer, denn im Ergebnis des verlorenen Krieges wurden die deutschen Ostgebiete von den Siegerm&auml;chten neu aufgeteilt. Das Haus, das Grundst&uuml;ck und s&auml;mtliches Hab und Gut aller Schlesierdeutschen wurde entsch&auml;digungslos von der polnischen Regierung konfisziert.<\/p><p>Meine Familie machte sich dann im Herbst 1945 mit einem Handwagen auf den Weg nach Strausberg, dort fanden sie eine Unterkunft bei Verwandten.<\/p><p>Weihnachten 1945 war das erste Nachkriegsweihnachten. In diesen 12 Monaten des Jahres 1945 liegt der ganze Schmerz meiner Familie. Eine zerrissene Familie, Verwandte, Freunde und Bekannte verloren, eine Heimat verloren, kein Zuhause, keine Habseligkeiten, keine Fotos, zwei verlorene S&ouml;hne, der dritte schwer verwundet, der Ehemann und Schwiegersohn im Kriegsgefangenenlager, ungewollte Zuz&uuml;gler, Fl&uuml;chtlinge, Habenichtse und keine Hoffnung mehr auf eine R&uuml;ckkehr in ihre Heimat, ins Elternhaus und zu den Gr&auml;bern ihrer Vorfahren.<\/p><p>Ich h&auml;tte und habe noch ganz viele Fragen, aber jetzt ist keiner mehr da, der sie beantwortet.<\/p><p>In Strausberg, auf einem Grabstein der Familie stand folgender Text:<\/p><blockquote><p><em>HIER LIEGEN BEGRABEN IM M&Auml;RKISCHEN SAND<br>\nFL&Uuml;CHTLINGE AUS DEM SCHLESIERLAND<\/em><\/p><\/blockquote><p>PS: &hellip; und fragt mich jetzt etwa noch jemand, warum ich gegen jegliche Art von Kriegsgel&uuml;sten, Waffen und Aufr&uuml;stung bin?<\/p><blockquote><p>&bdquo;Nein, meine S&ouml;hne kriegt ihr nicht!&ldquo; (R. Mey)<\/p><\/blockquote><p>Wolfgang Groll<\/p><p>Frankfurt (Oder), Mai 2026<\/p><p><small>Titelbild: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:%D0%9D%D0%B5%D0%BC%D0%B5%D1%86%D0%BA%D0%B8%D0%B9_%D0%BC%D0%B0%D0%BB%D1%8C%D1%87%D0%B8%D0%BA_%D0%BD%D0%B0_%D1%80%D0%B0%D0%B7%D0%B2%D0%B0%D0%BB%D0%B8%D0%BD%D0%B0%D1%85_%D0%B2_%D0%B3.%D0%91%D0%B5%D1%80%D0%BB%D0%B8%D0%BD%D0%B5.jpg\">wikicommons<\/a><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl&auml;sslich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150104\">hier<\/a> unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindr&uuml;cke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden. Wir bedanken uns von Herzen f&uuml;r die vielen ber&uuml;hrenden Beitr&auml;ge!<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150605\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":150105,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,171],"tags":[3652,1055,2104,2394,2250,799,2147,966],"class_list":["post-150605","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-erinnerungen-gegen-den-krieg-serie","tag-fluechtlinge","tag-kriegsopfer","tag-kriegstrauma","tag-nachkriegszeit","tag-polen","tag-sowjetunion","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/junge-berlin.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150605","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=150605"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150605\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":150682,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150605\/revisions\/150682"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/150105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=150605"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=150605"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=150605"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}