{"id":150619,"date":"2026-05-19T09:00:32","date_gmt":"2026-05-19T07:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150619"},"modified":"2026-05-19T09:27:39","modified_gmt":"2026-05-19T07:27:39","slug":"moskauer-naechte-und-qualitaet-aus-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150619","title":{"rendered":"Moskauer N\u00e4chte und Qualit\u00e4t aus Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Die Ukraine hat Moskau am Wochenende mit Drohnen angegriffen. Es war nicht das erste Mal. Neu ist, dass die Drohnen von der Ukraine aus gestartet sind. &Uuml;ber Drohnen mit hoher Reichweite verf&uuml;gte die Ukraine bisher nicht. Viel spricht daf&uuml;r, dass es sich um Drohnen aus deutscher Produktion handelt. Ganz unabh&auml;ngig davon, ob sich das bewahrheitet, werden in Russland immer lautere Forderungen erhoben, den Krieg dorthin zur&uuml;ckzutragen, wo er befeuert und eskaliert wird: nach Deutschland. Von <strong>Gert-Ewen Ungar<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIn der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde Moskau und die Moskauer Region mit Drohnen angegriffen. Die Einschl&auml;ge waren nah. Um drei Uhr war meine Nacht vorbei.<\/p><p>Es waren die schwersten Drohnenangriffe seit Langem. In der Folge der Angriffe starben drei Menschen, 17 wurden verletzt. Unter den Toten ein Inder, ein sogenannter &#1043;&#1072;&#1089;&#1090;&#1072;&#1088;&#1073;&#1072;&#1081;&#1090;&#1077;&#1088;, was sich auf Deutsch &bdquo;Gastarbeiter&ldquo; liest. Die Wortherkunft ist damit gekl&auml;rt &ndash; die Herkunft der Drohnen jedoch nicht, aber es spricht viel daf&uuml;r, dass sie ebenfalls aus Deutschland stammen.<\/p><p>Die Angriffe richteten sich gegen die vier Moskauer Flugh&auml;fen, gegen eine Raffinerie, vor allem aber gegen zivile Infrastruktur. Der Angriff unterschied sich dadurch, dass die Drohnen direkt aus der Ukraine kamen. Bei fr&uuml;heren Vorf&auml;llen wurden die Drohnen in Russland gestartet. Es handelte sich um Sabotage. Die Ukraine verf&uuml;gte bisher nicht &uuml;ber Drohnen mit einer derart hohen Reichweite. Dies hat sich nun ge&auml;ndert, und das liegt auch an Deutschland.<\/p><p>Kanzler Merz und Verteidigungsminister Pistorius br&uuml;sten sich mit deutsch-ukrainischen Projekten zur Massenproduktion von Drohnen mit hoher Reichweite. Im Rahmen der Diskussion um die Lieferung von Taurus-Marschflugk&ouml;rpern hatte Merz gesagt, er werde k&uuml;nftig nicht mehr in der &Ouml;ffentlichkeit &uuml;ber die Lieferung einzelner Waffengattungen sprechen. Er begr&uuml;ndete das damit, dass so der Gegner, also Russland, im Unklaren gehalten wird. Hinsichtlich der Produktion und Lieferung von Drohnen gilt diese Zur&uuml;ckhaltung nun nicht mehr.<\/p><p>Die Gespr&auml;chsstrategie von Merz unterscheidet sich im Kern nicht von der Donald Trumps. Er erz&auml;hlt einfach irgendwas. Das Gesagte und die tats&auml;chlichen Handlungen fallen bei beiden himmelweit auseinander. Was Merz und Trump dennoch unterscheidet: Merz kleidet seinen Text in eine pseudo-seri&ouml;se Rhetorik, die auf Wirkung beim deutschen Publikum abzielt. Trump bedient sich markiger Worte, die auf Wirkung beim US-Publikum abzielen. Die &Auml;sthetik ist anders. An seine Worte gebunden f&uuml;hlt sich weder der eine noch der andere.<\/p><p>Fakt ist: In Deutschland werden Drohnen mit hoher Reichweite f&uuml;r die Ukraine produziert. Wahrscheinlich ist, dass diese bei den Angriffen auf Moskau und die Moskauer Region zum Einsatz kamen. Sollte sich das bewahrheiten, stellt das eine Eskalation dar. Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Au&szlig;enministeriums, sieht ganz klar eine Verantwortung der EU, da sie den Krieg finanziert. Von Deutschland ist in Zusammenhang mit dem aktuellen Drohnenangriff noch nicht die Rede. Das kann sich allerdings schnell &auml;ndern, sollte sich herausstellen, dass die Drohnen tats&auml;chlich aus deutscher Produktion stammen. <\/p><p>Deutschland steht dennoch im Fokus der Aufmerksamkeit. Au&szlig;enminister Sergei Lawrow stellte auf einer Pressekonferenz im Anschluss an das Au&szlig;enministertreffen der BRICS in der vergangenen Woche n&uuml;chtern fest, dass Deutschland erneut an der Spitze der Staaten zur Unterst&uuml;tzung des Faschismus in Europa steht. Man vereinigt sich erneut, um einen Angriff auf Russland vorzubereiten. Die Selbstwahrnehmung in Deutschland ist eine andere, ich wei&szlig;. Die Au&szlig;enwahrnehmung sollte man jedoch nicht allzu schnell beiseitewischen. Russland ist mit dieser Sicht auf Deutschland nicht allein.<\/p><p>Ja, die Situation eskaliert. Merz und seine Transatlantiker-Clique setzen alles daran, einen milit&auml;rischen Konflikt zwischen Russland und Deutschland zu provozieren. Im Interesse der Deutschen ist das nicht, aber Merz vertritt auch nicht die Interessen der Deutschen, sondern die ebenjener transatlantischen Clique.<\/p><p>Merz hat mit seiner Eskalationsstrategie auch Erfolg, denn in Russland fordert man offen ein h&auml;rteres Vorgehen nicht nur gegen&uuml;ber der Ukraine, sondern auch gegen&uuml;ber Westeuropa und insbesondere Deutschland, das inzwischen zum st&auml;rksten Treiber des Konflikts geworden ist. Das umsichtige, die Zivilbev&ouml;lkerung schonende Vorgehen Russlands wird in Deutschland und Westeuropa als Schw&auml;che ausgelegt. Es gilt daher als gescheitert. Immer mehr und vor allem immer gewichtigere Stimmen in Russland fordern von Pr&auml;sident Putin ein h&auml;rteres Durchgreifen. Dazu geh&ouml;ren auch Russlands Ex-Pr&auml;sident Dmitri Medwedew und der bis in den Kreml hinein einflussreiche Politologe Sergei Karaganow &ndash; beide &uuml;brigens einstmals gro&szlig;e Fans des Westens, die sich abgewandt haben.<\/p><p>Karaganow fordert eine R&uuml;ckkehr zur Logik des Kalten Krieges: Der Westen muss Angst vor Vernichtung haben, dann gibt es Frieden. Das erreicht man aber nicht mit Drohungen und Aufzeigen von roten Linien, deren &Uuml;berschreiten folgenlos bleibt, meint er. Das erreicht man durch die Demonstration von St&auml;rke. Karaganow fordert Milit&auml;rschl&auml;ge &ndash; auch gegen Deutschland. Er h&auml;lt einen begrenzten Atomkrieg f&uuml;r m&ouml;glich und f&uuml;r Russland gewinnbar. Russland d&uuml;rfe den pr&auml;ventiven Einsatz taktischer Atomwaffen daher nicht ausschlie&szlig;en. Durch die Wiederaufnahme des Tests von Atomwaffen unter dem Aspekt der Abschreckung soll diese St&auml;rke demonstriert werden.<\/p><p>Die politischen und medialen Impulsgeber in Westeuropa und damit auch in Deutschland sind nicht in der Lage, auf der Grundlage von Nachdenken und Vernunft einen Willen zum Frieden zu entwickeln, sondern nur auf der Grundlage von Angst, analysiert Karaganow. Sie m&uuml;ssen um ihre eigene Existenz Angst haben, ist daher die Schlussfolgerung, der immer mehr Russen auch in meinem Umfeld zustimmen.<\/p><p>Wenn vor diesem Hintergrund in deutschen Medien von sinkenden Zustimmungswerten Putins berichtet wird, ist das richtig. Aber die Interpretation ist falsch. Die Zustimmung zu Putin sinkt nicht, weil er ein grausamer Diktator ist, der die jungen M&auml;nner seiner Nation f&uuml;r seine imperialistischen Phantasien opfert. Die Zustimmung zu Putin sinkt, weil er nach Meinung vieler Russen zu sanft ist, zu liberal, zu sehr um Ausgleich bem&uuml;ht und die milit&auml;rischen M&ouml;glichkeiten Russlands nicht ausnutzt. Was man noch hinzuf&uuml;gen muss: Die sinkende Zustimmung zu Putin bedeutet von &uuml;ber 80 Prozent auf derzeit 65. Das sind immer noch Werte, von denen Macron, Starmer und der Kanzler der zweiten Wahl nur tr&auml;umen k&ouml;nnen.<\/p><p>Tats&auml;chlich ist dieser Krieg seltsam. Im Donbass l&auml;uft ein Abnutzungskrieg. Dort sterben jeden Tag &uuml;ber 1.000 ukrainische Soldaten. Die Westeurop&auml;er halten an der Kriegsursache fest, wollen die Ukraine perspektivisch in die NATO integrieren und ihre Soldaten in der Ukraine stationieren. Die Ukraine blutet dabei aus. Das Angebot Putins, gemeinsam eine Sicherheitsarchitektur auf der Basis der Unteilbarkeit von Sicherheit f&uuml;r Europa zu entwickeln, in der sich auch Russland vor dem Westen sicher f&uuml;hlen kann, wird in Deutschland noch nicht einmal diskutiert. Man will, dass sich Russland den westlichen Vorgaben f&uuml;gt, und zielt auf Russlands strategische Niederlage.<\/p><p>Westliche Politiker geben sich in Kiew die Klinke in die Hand, stellen dort ihren Gratismut zur Schau, absolvieren ein Fotoshooting und befeuern den Konflikt, indem sie der Ukraine weitere Waffenlieferungen und Unterst&uuml;tzung versprechen. Aus russischer Sicht sind das ganz klar feindliche Handlungen. Und dennoch passiert diesen Politikern nichts. Sie k&ouml;nnen in Kiew PR-wirksam &uuml;ber den &bdquo;brutalen Vernichtungskrieg Russlands&ldquo; w&uuml;ten, der ihnen aber nichts anhat. Was ist das f&uuml;r ein Krieg, in dem so etwas m&ouml;glich ist? Das darf nicht sein, meint man in Russland. Diese Politiker m&uuml;ssen wissen: Wenn sie einen Fu&szlig; in die Ukraine und nach Kiew setzen, riskieren sie ihr Leben. Das muss auch mal vorgef&uuml;hrt werden, um glaubw&uuml;rdig zu sein.<\/p><p>W&auml;hrend der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter mit seiner Forderung erfolgreich war, der Krieg m&uuml;sse nach Russland getragen werden, fordert man hier in Russland inzwischen, den Krieg nun nach Deutschland zu tragen &ndash; dorthin, wo er gef&ouml;rdert und eskaliert wird. Die Menschen in Deutschland m&uuml;ssen wieder die Erfahrung des Krieges machen, um als Gesellschaft zu Frieden f&auml;hig zu sein. Das ist eine bittere Erkenntnis, denn sie besagt, zu Frieden aus Vernunft ist die deutsche Gesellschaft in ihrer Gesamtheit unf&auml;hig &ndash; nicht einzelne Deutsche, sondern die deutsche Gesellschaft als Ganzes. <\/p><p>Die Mehrheit der Deutschen ist sicher gegen den Krieg, und dennoch zieht er klar erkennbar herauf. Die deutsche Gesellschaft ist an dem zur Wiedervereinigung gegebenen Versprechen, dass von Deutschland nur noch Frieden ausgeht, komplett gescheitert. Die Eskalation hin zu einem Krieg zwischen Deutschland und Russland nimmt an Fahrt auf. Wie man den Krieg in der Ukraine unbedingt wollte, so will man auch den zwischen Deutschland und Russland unbedingt &ndash; zumindest diejenigen, die meinen, sie seien vor den Folgen sicher. Dieses Gef&uuml;hl der Sicherheit muss bek&auml;mpft werden, um die Entwicklung hin zum Krieg zu stoppen, sind sich immer mehr Menschen in Russland sicher.<\/p><p><small>Titelbild: gosersh \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ukraine hat Moskau am Wochenende mit Drohnen angegriffen. Es war nicht das erste Mal. Neu ist, dass die Drohnen von der Ukraine aus gestartet sind. &Uuml;ber Drohnen mit hoher Reichweite verf&uuml;gte die Ukraine bisher nicht. Viel spricht daf&uuml;r, dass es sich um Drohnen aus deutscher Produktion handelt. Ganz unabh&auml;ngig davon, ob sich das bewahrheitet,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150619\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":150620,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,171],"tags":[2035,1519,813,2301,783,906,259,1800,260],"class_list":["post-150619","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-abschreckungsstrategie","tag-atomwaffen","tag-drohnen","tag-konfrontationspolitik","tag-merz-friedrich","tag-ruestungsindustrie","tag-russland","tag-trump-donald","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/shutterstock_2368507859.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150619","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=150619"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150619\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":150648,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150619\/revisions\/150648"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/150620"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=150619"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=150619"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=150619"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}