{"id":150671,"date":"2026-05-23T15:00:45","date_gmt":"2026-05-23T13:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150671"},"modified":"2026-05-21T18:40:10","modified_gmt":"2026-05-21T16:40:10","slug":"leserbeitraege-erinnerungen-gegen-den-krieg-aufruf-zum-8-mai-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150671","title":{"rendered":"Leserbeitr\u00e4ge \u201eErinnerungen gegen den Krieg\u201c &#8211; Aufruf zum 8. Mai (6)"},"content":{"rendered":"<p>Anl&auml;sslich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150104\">hier<\/a> unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindr&uuml;cke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden. Wir bedanken uns von Herzen f&uuml;r die vielen und ber&uuml;hrenden Beitr&auml;ge!<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4062\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-150671-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260520_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_6_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260520_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_6_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260520_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_6_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260520_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_6_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=150671-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260520_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_6_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260520_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_6_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Hier k&ouml;nnen Sie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150403\">ersten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150464\">zweiten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150486\">dritten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150605\">vierten Teil<\/a> sowie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150632\">f&uuml;nften Teil<\/a> der Zusendungen unserer Leser nachlesen.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>&bdquo;Das k&ouml;nnte mein Onkel aus Amerika sein &hellip;&ldquo;<\/strong><\/p><p>Sehr geehrtes Team von den NDS, es sind zwar keine spektakul&auml;ren Erinnerungen, aber ich denke, dass sie Hoffnung geben, und das ist das Wichtigste. <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en. <\/p><p>Kriegserinnerungen<\/p><p>Ich bin im Jahr 1936 geboren und habe den Krieg, wie die meisten &Auml;lteren, als Kind mitgemacht. R&uuml;ckblickend kann ich sagen, dass ich trotz Bombenn&auml;chten in Stuttgart und n&auml;chtlichem Aufenthalt in Schutzr&auml;umen nie wirklich Angst empfand. Als Kind f&uuml;hlt man sich im Schutz der Mutter geborgen (der Vater war im Krieg) und im Schutz der Menschen, die einen in die Schutzr&auml;ume geleiteten oder mit welchen man zusammen dort sa&szlig;, um auf den Sirenenton zu warten, der Entwarnung gab. Als Kind hat man ein nat&uuml;rliches Vertrauen zum Leben. Wichtig ist nur die Umgebung und die liebevolle Zuwendung.<\/p><p>Wie anders dagegen habe ich meine Mutter in Erinnerung. Meine Schwester noch ein Baby, mein Bruder und ich kleine Kinder. Welche Verantwortung lastete auf ihr. Wenn das Haus getroffen wird, werden die Kinder vielleicht verletzt oder sie selbst und die Kinder dann hilflos. Geht man am besten gar nicht in den Keller, wie es manche gemacht haben, dann ist alles schnell vorbei und man steht nicht vor unl&ouml;sbaren Aufgaben.<\/p><p>Ab 1943 wurden die meisten Kinder aus Gro&szlig;st&auml;dten aufs Land zu Verwandten gebracht, oder ganze Kinderg&auml;rten wurden evakuiert und fanden Unterkunft in Kirchengemeinden auf dem Land. Meine Mutter fand damals ein kleines H&auml;uschen in einem Dorf auf der Schw&auml;bischen Alb, das leer stand. Der Hausherr war als Soldat im Krieg und Frau und Kind auf den Bauernhof zur Mutter gezogen. Bis Kriegsende hat man auf dem Land vom Kriegsgeschehen nicht viel mitbekommen, au&szlig;er, wenn nahe Verwandte zum Kriegsdienst eingezogen wurden, verwundet nach Hause kamen, in Gefangenschaft, vermisst oder gar nicht mehr zur&uuml;ckkamen.<\/p><p>Mit Kriegsende kamen dann die Tiefflieger in die l&auml;ndlichen Gegenden. Sie flogen so tief, dass man die Piloten erkennen konnte, und schossen auf Zivilisten. Ich habe selbst einen solchen gesehen, der &uuml;ber das Nachbarhaus flog, als ich vor der T&uuml;r mit einer Freundin sprach. &bdquo;Das k&ouml;nnte mein Onkel aus Amerika sein &hellip;&ldquo; sagte ich gerade, als das Schie&szlig;en losging. Ich fand mich blitzschnell im 1. Stock des Hauses, betend auf dem Boden wieder.<\/p><p>Sehr eindringlich ist mir eine Szene in Erinnerung, als wir in dem kleinen H&auml;uschen abends um den Tisch herumsa&szlig;en, meine Mutter und wir drei Kinder, und Halma spielten. Man h&ouml;rte lautes Motorengeheul. Meine Mutter war so seltsam, als sie uns immer wieder aufforderte, diesen und jenen Zug mit den Figuren zu machen. Endlich h&ouml;rte der L&auml;rm auf. Ich fragte meine Mutter: &bdquo;War das ein Lastwagen vor dem Haus?&ldquo; &ndash; &bdquo;Nein&ldquo;, sagte sie erleichtert &bdquo;das waren Flieger!&ldquo; Die Angst, wenn man die Gefahr kennt, ist das Schlimmste!<\/p><p>Dazu eine kleine Geschichte, die mir eine Bekannte erz&auml;hlt hat. Sie war etwas &auml;lter als ich und bis zum Kriegsende in Stuttgart. Als einmal Fliegeralarm w&auml;hrend der Unterrichtszeit in der Schule war, mussten die M&auml;dchen in einen Luftschutzkeller gehen. Alle waren der Ansicht, dass sie an einen bestimmten Ort gehen m&uuml;ssten. Nur ein M&auml;dchen beharrte darauf, dass es ein anderer Ort war, und konnte sie schlie&szlig;lich &uuml;berzeugen. Sie hatte sich zwar geirrt, aber alle M&auml;dchen wurden dadurch gerettet, denn der Schutzraum, in den sie h&auml;tten gehen m&uuml;ssen, wurde durch eine Bombe getroffen und zerst&ouml;rt.<\/p><p>Auch wenn das Schlimmste kommt, hilft Ruhe, &bdquo;in sich gehen&ldquo; und ein Gebet. Wenn man dieses Urvertrauen in das Leben hat, das die Kinder noch haben, macht man unbewusst das Richtige.&nbsp;<\/p><p>Doris Manner<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Die ersten russischen Worte, die ich von meinem Vater mitbekam<\/strong><\/p><p>Liebe NachDenkSeiten-Redaktion,<\/p><p>ich will Ihnen hiermit die Kriegserinnerungen meines Vaters mitteilen, der vor 20 Jahren leider schon verstorben ist &ndash; ich selber sehe mich als sogenannter Kriegsenkel, da mein Vater Jahrgang 1932 war &ndash; 10 Jahre &auml;lter als seine Frau, die 1941 geboren ist:<\/p><p>Die fr&uuml;hesten Kindheitserinnerungen meines Vaters waren die an ein &ldquo;Russenlager&rdquo; in seinem Heimatdorf, dass seit 1975 zu einer gr&ouml;&szlig;eren Stadtgemeinde im tiefsten S&uuml;dwesten unserer Heimat &ndash; dem Dreil&auml;ndereck Deutschland &ndash; Frankreich &ndash; Schweiz geh&ouml;rt. Er sagte immer, dass &ldquo;die Russen&rdquo; hinter Stacheldraht waren, und die Leute im damals noch kleinen Dorf mit &ldquo;Stoj pan&rdquo; (&bdquo;Stehenbleiben, Herr&ldquo;) anbettelten.<\/p><p>Die ersten russischen Worte, die ich von meinem Vater mitbekam, die er zeitlebens nie vergass, obwohl er damals ja noch ein Kind war.<\/p><p>Ich sch&auml;tze einmal, dass mein Vater, Jahrgang 1932, damals 9 oder 10 Jahre alt war &ndash; der Krieg gegen die UDSSR fing ja 1941 an. Er warf denen &ldquo;Durnipe&rdquo; (=im hiesigen allemannischen Dialekt f&uuml;r Zuckerr&uuml;ben) &uuml;ber den Zaun, damit die wenigstens etwas zu essen hatten &ndash; seine Worte.<\/p><p>Tja, die Sache verfolgte mich ebenfalls ein Leben lang, was dazu f&uuml;hrte, dass ich keine feindlichen Gef&uuml;hle gegen&uuml;ber heutigen Russen habe &ndash; ich fand dieses Jahr zuf&auml;llig heraus, dass die fr&uuml;hesten Kindheitserinnerungen eine reale Grundlage hatten &ndash; in der Datenbank des russischen Verteidigungsministeriums zum Gro&szlig;en Vaterl&auml;ndischen Krieg, dem OBD Memorial.<\/p><p>Ein Sowjetsoldat starb in meinem Dorf an &ldquo;Herzschw&auml;che&rdquo;, wie die NS-Beh&ouml;rden dokumentierten &ndash; er wurde Weihnachten 1942 sogleich anonym beerdigt, wie damals f&uuml;r Zwangsarbeiter &uuml;blich.<\/p><p>Heute erinnert nichts mehr an diesen Menschen in meinem Heimatdorf, nur beim OBD Memorial erinnert man sich an dieses Begr&auml;bnis &ndash; sogar mit deutschen Akten, die den Vorgang schildern, in diesem russischen Archiv.<\/p><p>Die Regelung, dass Kriegsgr&auml;ber f&uuml;r die Ewigkeit sind, half ihm nichts mehr, zumal diese erst 1965 erlassen wurde.<\/p><p>Sein Grab d&uuml;rfte immer noch im Dorf existieren, aber wo, oder bereits &uuml;berlegt von einem anderen Grab, wie &uuml;blich nach 25 Jahren, bleibt sein Geheimnis, zumal das Dorf 1945 zu 40% in Ruinen lag, wozu auch die Kirche und der dazugeh&ouml;rige Friedhof geh&ouml;rten.<\/p><p>&Uuml;brigens ich selber habe dies den Gemeindearchiven gemeldet, die f&uuml;r dieses gr&ouml;&szlig;ere Kriegsgefangenenlager &ndash; die Erinnerung an diese Kriegsverbrechen an sowjetischen Kriegsgefangenen &ndash; zust&auml;ndig sein d&uuml;rften &ndash; sowie f&uuml;r dessen Lageraussenkommandos im tiefsten S&uuml;dwesten Deutschlands &ndash; eines davon eben in meiner Heimatgemeinde, wo nur &auml;ltere Menschen sich daran erinnern konnten, die mittlerweile wohl alle zum gr&ouml;&szlig;ten Teil selber verstorben sein d&uuml;rften.<\/p><p>Auch die Schwester meines Vaters, die letztes Jahr hochbetagt starb, erinnerte sich daran, dass &ldquo;Russen&rdquo; unter Bewachung durchs Dorf getrieben wurden &ndash; wie sie einmal bei einer Familienzusammenkunft erz&auml;hlte, als mein Vater das Thema erw&auml;hnte.<\/p><p>Eine andere Kriegserinnerung meines Vaters h&auml;ngt damit zusammen, dass mein Vater als Kind schwer Gl&uuml;ck hatte, als er &bdquo;von einem Tiefflieger&rdquo; beschossen wurde, er konnte sich hinter einem Misthaufen in Sicherheit bringen &ndash; Zu diesem Vorgang fand ich in einem alten Buch meiner 1988 verstorbenen Gro&szlig;mutter v&auml;terlicherseits einen Eintrag mit der Bemerkung, dass das Dorf von Tieffliegern beschossen wurde und, wie durch ein Wunder, nichts passiert ist &ndash; ob es einen Zusammenhang mit dieser Kindheitserinnerung meines Vaters gibt, weiss ich nicht, aber eine M&ouml;glichkeit kann durchaus bestehen.<\/p><p>Mein Gro&szlig;vater v&auml;terlicherseits, der Jahre vor meiner Geburt altersbedingt verstorben ist, erz&auml;hlte nie etwas &uuml;ber den Krieg, da er zweimal im Krieg war, im Ersten Weltkrieg, und angeblich, obwohl zu alt, zum Ende des Zweiten Weltkrieges zwangsweise eingezogen wurde. So jedenfalls die Familienlegende &uuml;ber ihn. Er desertiere kurz nach seiner zweiten Einziehung zum Kriegsdienst und versteckte sich, bis die Franzosen das Dorf eingenommen hatten.<\/p><p>Nach dem Krieg, erz&auml;hlte mein Vater, war die Versorgungslage auch in seinem Dorf so schlecht, dass mein Gro&szlig;vater v&auml;terlicherseits, und er selber zwangs- sowie teilweise zu Wilderern werden mussten, die zum gro&szlig;en Teil von dem lebten, was der Wald, und Feld, hergaben.<\/p><p>Mein Vater war damals noch ein Kind, und diese Erinnerung geh&ouml;rte, trotz all der Strapazen nach 1945, zu seinen sch&ouml;nsten Kindheits- und Jugenderinnerungen &hellip; er hatte eben sogenanntes Gl&uuml;ck im Ungl&uuml;ck, dass er nicht in einer 30 km entfernten, total zerbombten gr&ouml;&szlig;eren Stadt, oder einer Gro&szlig;stadt wie z.B. Berlin damals, am Hungertuch nagen mu&szlig;te und zum Schwarzmarkt gezwungen war &hellip;<\/p><p>So viel zu den Kriegs- und Nachkriegserinnerungen meines Vaters, die ihn nie loslie&szlig;en, obwohl er eben auch nach 1945 in der Phase vom Kind zum Jugendlichen war, wie bereits erw&auml;hnt.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nBernhard Hau<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Auf den Spielplatz kamen auch Erwachsene zum Spielen<\/strong><\/p><p>Liebe NachDenkSeiten,<\/p><p>Geboren wurde ich erst acht Jahre nach Kriegsende und kann deshalb nichts mehr von Bombenn&auml;chten erz&auml;hlen, nur von den Auswirkungen. <\/p><p>Aufgewachsen in Hamburg, in einem zerbombten Arbeiterviertel, so ziemlich zwischen dem Gebiet, in dem &sbquo;die Bertinis&lsquo; und der&nbsp;zwei&nbsp;bis&nbsp;drei Kilometer entfernten Stra&szlig;e, in der Herr Massaquoi<strong>&nbsp;<\/strong>(Autor von &bdquo;Neger, Neger, Schornsteinfeger&ldquo;)&nbsp;gelebt haben. Es standen kaum noch H&auml;user, und das, in dem wir wohnten, hatte neben der Eingangst&uuml;r ein Schild &sbquo;wieder avgebavt&rsquo;.<\/p><p>Als ich etwas gr&ouml;&szlig;er war und auf den Spielplatz durfte, kamen auch Erwachsene zum Spielen. Die Namen wei&szlig; ich nicht mehr, aber sie waren nett &ndash; wollten schaukeln und in der Sandkiste spielen. <\/p><p>Mein Opa hat es mir erkl&auml;rt: Sie waren im Krieg unter H&auml;usern versch&uuml;ttet oder hatten anderes Schlimmes erlebt und waren jetzt wieder zu Kindern geworden. Wir durften mit Ihnen spielen.&nbsp;Es gab keine Probleme und sie taten mir leid,&nbsp;aber meine erste &sbquo;G&auml;nsehaut&lsquo; bekam ich bei einem Spaziergang mit meinem Opa: Unter der Br&uuml;cke am Bahnhof sa&szlig; ein einbeiniger Mann und spielte auf einer &sbquo;singenden S&auml;ge&lsquo;, um ein paar Groschen zu ergattern.&nbsp;Sein&nbsp;Schicksal und&nbsp;dazu&nbsp;die weinenden T&ouml;ne&nbsp;des langen S&auml;geblattes waren schwer zu ertragen.&nbsp;<\/p><p>Mein Gro&szlig;vater hat mir viel vom Krieg erz&auml;hlt.&nbsp;Hatte er im Ersten Weltkrieg in der franz&ouml;sischen Zwangsarbeit nur nette Leute kennengelernt, die ihn baten, nach dem Krieg wiederzukommen, ging es im Zweiten gen Osten. Bis er auf eine Gruppe j&uuml;discher Gefangene &ndash; die sich schon ihr eigenes Gro&szlig;grab geschaufelt hatten &ndash; schie&szlig;en sollte und&nbsp;er&nbsp;sich weigerte. Er brauchte&nbsp;den Befehl nicht ausf&uuml;hren. Zu Anfang des Krieges ging das noch. <\/p><p>Warum sich nicht mehr weigerten,&nbsp;habe ich mich lange gefragt. Eigentlich bis in die heutige Zeit. Bis ich jetzt miterleben muss,&nbsp;wie die Propagandamaschine zuschl&auml;gt,&nbsp;&Auml;ngste sch&uuml;ren&nbsp;und K&ouml;pfe verdrehen kann.<\/p><p>Vor einigen Jahren habe ich in Frankreich&nbsp;den Ort&nbsp;Oradur-sur-Glane&nbsp;besichtigt. Ich m&ouml;chte den Besuch dieses Ortes in Mitten&nbsp;Frankreichs jedem Kriegsbesessenen und jedem anderen Frankreichurlauber dringend ans Herz legen! Der Ort und die Anwohner wurden&nbsp;von einem Trupp der Waffen-SS vernichtet. &Uuml;ber 1,500 Menschen. Heute ist der gesamte Ort ein eingez&auml;untes Mahnmal:&nbsp;der Bahnhof, die ausgebrannte Kirche,&nbsp;in der alle Frauen des Ortes zusammengetrieben wurden, bevor sie angez&uuml;ndet wurde, und&nbsp;in deren Mitte&nbsp;heute noch&nbsp;die Reste der riesigen,&nbsp;halb geschmolzenen Bronzeglocke liegen.<\/p><p>Nein, ich m&ouml;chte das nicht am eigenen Leib erleben m&uuml;ssen und ich w&uuml;nsche es auch niemand anderem, egal welcher Nationalit&auml;t!<\/p><p>Angelika Fassauer<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Kind(er) eines Fl&uuml;chtlingskindes<\/strong><\/p><p>Meine Mutter war Fl&uuml;chtlingskind aus dem damaligen K&ouml;nigsberg (Kaliningrad). Vaddern musste nicht zur Wehrmacht, war als Sohn eines M&uuml;llers Heimatfront-wichtig.<\/p><p>Sp&auml;ter, als Mutter selber Familie hatte, und immer, wenn die Feuerwehrsirenen heulten, die vor Jahren noch auf den D&auml;chern montiert waren, stand meine Mutter senkrecht im Bett.<br>\nSie lief dann durchs ganze Haus, schaute in jedes Zimmer rein, aus allen Fenstern raus, ob es bei uns oder in der N&auml;he brannte. Immer und immer wieder; ihr ganzes Leben lang. Was f&uuml;r ein Horror!<\/p><p>Als wir Kinder Jugendliche waren, hat sie uns einen Schlafzimmerschrank gezeigt. In dem war eine ganze Seite vorbereitet mit Sachen f&uuml;r eine Art &bdquo;Flucht und\/ oder Notfall&ldquo;:<\/p><ul>\n<li>F&uuml;r alle zweimal Anziehsachen- mit eingen&auml;htem Namenssticker;<\/li>\n<li>in einem Stahlbeh&auml;lter oder so &auml;hnlich einen kompletten Satz Dokumente inkl. beglaubigte Kopien in doppelter Ausf&uuml;hrung<\/li>\n<li>einen kleinen dreistelligen Betrag an Geld;<\/li>\n<li>je eine &bdquo;richtige&ldquo; Wolldecke (grob und aus 100% Wolle, weil die wohl nicht brennen?)<\/li>\n<li>Auch ein Schreiben, das wir leider nie gesehen oder gelesen haben, weil wir nach und nach ausgezogen sind.<\/li>\n<\/ul><p>Das Ganze f&uuml;r alle 5 Familienmitglieder!<\/p><p>Pr&auml;gend ist, dass wir Kinder heute zumindest Stahlkassetten haben mit Dokumenten und ein bi&szlig;chen Geld.<br>\nFerner haben wir Jungs alle den Kriegsdienst verweigert.<\/p><p>Und ich bin froh, dass meine Eltern nicht mehr mitkriegen, was heute in Deutschland wieder abgeht.<\/p><p>jbruno<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Wie gegen Kriegsende Lastwagen vor der Schule vorfuhren und 16-\/17-j&auml;hrige Jungs aufluden<\/strong><\/p><p>Ich werde nie vergessen, wie meine Gro&szlig;mutter erz&auml;hlte, wie gegen Kriegsende Lastwagen vor der Schule vorfuhren und 16-\/17-j&auml;hrige Jungs aufluden und mit ihnen davonfuhren, w&auml;hrend die M&uuml;tter verzweifelt weinend und schreiend hinterherrannten, um ihre S&ouml;hne von der Ladefl&auml;che zu ziehen. Sie hatten keine Chance, die S&ouml;hne wurden verschleppt, ohne sich verabschieden zu k&ouml;nnen. Viele kamen nicht mehr zur&uuml;ck, manche kamen zur&uuml;ck, traumatisiert, verst&uuml;mmelt. <\/p><p>Einer davon war mein Vater. Seine Erlebnisse lie&szlig; er an uns Kindern aus.<\/p><p>Meine andere Gro&szlig;mutter und meine Urgro&szlig;mutter kamen beim Bombenangriff 1944 in Freiburg ums Leben, mein Gro&szlig;onkel wurde ebenfalls bei einem Bombenangriff get&ouml;tet, als er auf der Treppe nur Minuten zu sp&auml;t den Luftschutzkeller erreichte.<br>\nMeine Mutter erz&auml;hlte mir, wie sie &bdquo;hamstern &ldquo; musste als junges M&auml;dchen, mit dem Handkarren in den D&ouml;rfern das Hab und Gut der Familie gegen ein paar Eier, Kartoffeln oder etwas Mehl eintauschen.&nbsp;<\/p><p>Viele grauenvolle Erz&auml;hlungen begleiteten meine Kindheit, Unausgesprochenes belastet uns Nachkommen bis heute.<\/p><p>J. Frfr. v. B.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><small>Titelbild: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:%D0%9D%D0%B5%D0%BC%D0%B5%D1%86%D0%BA%D0%B8%D0%B9_%D0%BC%D0%B0%D0%BB%D1%8C%D1%87%D0%B8%D0%BA_%D0%BD%D0%B0_%D1%80%D0%B0%D0%B7%D0%B2%D0%B0%D0%BB%D0%B8%D0%BD%D0%B0%D1%85_%D0%B2_%D0%B3.%D0%91%D0%B5%D1%80%D0%BB%D0%B8%D0%BD%D0%B5.jpg\">wikicommons<\/a><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl&auml;sslich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150104\">hier<\/a> unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindr&uuml;cke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden. Wir bedanken uns von Herzen f&uuml;r die vielen und ber&uuml;hrenden Beitr&auml;ge!<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150671\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":150105,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,171],"tags":[3652,1055,3390,2104,2394,2250,966],"class_list":["post-150671","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-erinnerungen-gegen-den-krieg-serie","tag-fluechtlinge","tag-kriegsgefangene","tag-kriegsopfer","tag-kriegstrauma","tag-nachkriegszeit","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/junge-berlin.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150671","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=150671"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150671\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":150955,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150671\/revisions\/150955"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/150105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=150671"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=150671"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=150671"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}