{"id":150812,"date":"2026-05-26T15:00:25","date_gmt":"2026-05-26T13:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150812"},"modified":"2026-05-25T09:27:08","modified_gmt":"2026-05-25T07:27:08","slug":"leserbeitraege-erinnerungen-gegen-den-krieg-aufruf-zum-8-mai-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150812","title":{"rendered":"Leserbeitr\u00e4ge \u201eErinnerungen gegen den Krieg\u201c &#8211; Aufruf zum 8. Mai (9)"},"content":{"rendered":"<p>Anl&auml;sslich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150104\">hier<\/a> unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindr&uuml;cke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden. Wir bedanken uns von Herzen f&uuml;r die vielen und ber&uuml;hrenden Beitr&auml;ge!<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Hier k&ouml;nnen Sie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150403\">ersten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150464\">zweiten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150486\">dritten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150605\">vierten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150632\">f&uuml;nften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150671\">sechsten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150740\">siebenten Teil<\/a> sowie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150816\">achten Teil<\/a> der Zusendungen unserer Leser nachlesen.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Ein St&uuml;ck trockenes Brot war damals eine Kostbarkeit<\/strong><\/p><p>Ich bin Jahrgang 1941. Wir wohnten in einem damals kleinen Ort in der N&auml;he von Hanau. Als dieser im M&auml;rz 1944 in 20 Minuten dem Erdboden gleichgemacht wurde, stand meine Mutter mit mir vor dem Hoftor. Es zog ein endloser Zug von ausgebombten Menschen mit ru&szlig;geschw&auml;rzten, stumpfen Gesichtern an uns vorbei. Trotz der fortgeschrittenen Tageszeit war es irgendwie unwirklich dunkel. <\/p><p>Gut in Erinnerung sind mir auch die st&auml;ndigen Fliegeralarme und die Zeit im Luftschutzkeller. Das sind so die einzigen direkten Erinnerungen an den Krieg. <\/p><p>Die Nachkriegszeit dagegen werde ich nie vergessen. Mein Opa war Spengler und er hatte ein Paar Tafeln Wei&szlig;blech &uuml;ber den Krieg gerettet. Daraus stellte er Dosen her, die meine Mutter und meine Tante bei den Bauern f&uuml;r ein Paar Zwiebeln und Kartoffel eintauschten. Ich musste da immer mit. Mit einem kleinen Jungen im Schlepptau sprang auch mal ein Becher Milch f&uuml;r mich heraus.<\/p><p>Gut erinnern kann ich mich noch an den Hungerwinter 46\/47. Wie gesagt, wir wohnten in der N&auml;he von Hanau, wo es sehr viele Kasernen der Amis gab. Die Amis kippten dann ihr &uuml;bersch&uuml;ssiges Essen in den Wald oder in Bombentrichter. Da sah ich dann Menschen, die noch weniger als wir hatten, die Essensreste wieder herausholen. Nachdem sie die Ratten verscheucht hatten! Diese Bilder vergisst man nie.<\/p><p>Ein amerikanischer Soldat schenkte mir einmal eine Banane. Ich hielt das Ding f&uuml;r eine Gurke und biss hinein. Der Ami konnte sich nicht einkriegen vor Lachen. Es war meine erste Banane, die ich im Leben sah und wusste ja nicht, dass man die sch&auml;len musste.<\/p><p>Verst&auml;ndnislos sehe ich, wie leichtfertig heute mit Lebensmitteln umgegangen wird. Wenn man satt ist, ab in den M&uuml;lleimer. Ein St&uuml;ck trockenes Brot war damals eine Kostbarkeit. W&auml;hrend ich diese Zeilen schreibe, erf&uuml;llt mich ein unb&auml;ndiger Zorn auf all diese Wadephuls, Strack- Zimmermann, Kiesewetter, Pistorius, Hofreiter und wie diese verantwortungslosen Kriegshetzer alle hei&szlig;en, die nicht die geringste Ahnung haben von dem, was sie anrichten.<\/p><p>Manfred Bareiter<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Er zeigte uns immer wieder die Fotoalben aus dem Krieg<\/strong><\/p><p>Vielen Dank an die NachDenkSeiten-Redaktion f&uuml;r Ihren Aufruf!&nbsp;<\/p><p>Geldanbetung oder Anbetung der Liebe?<\/p><p>Mein Gro&szlig;vater, geboren 1899, &uuml;berlebte als Sanit&auml;ter den Zweiten Weltkrieg k&ouml;rperlich unversehrt. Doch er wurde durch den Anblick der vielen Toten, Verst&uuml;mmelten und oft nicht zu rettenden M&auml;nner traumatisiert. Bis ins hohe Alter erz&auml;hlte er mit Schmerz in der Stimme die Geschichten und zeigte uns immer wieder die Fotoalben aus dem Krieg. Meine Mutter, geboren 1934, sagt immer wieder: &bdquo;Der Vater, der in den Krieg ging, war ein anderer als der zur&uuml;ckkam.&ldquo; Sie selbst erlitt ein Trauma unter dem seelischen Vaterverlust. Und noch ich, geboren 1962, litt unter diesen Verh&auml;ltnissen.&nbsp;<\/p><p>Wem n&uuml;tzen diese Kriege au&szlig;er denen, die sehr viel Geld daran verdienen? Der Geldanbetung k&ouml;nnen wir nur die Anbetung der Liebe entgegensetzen, sage ich als Christ.<\/p><p>Uwe Friedemann<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>In dem Glauben aufgewachsen, dass es normal sei, in lauter Ruinen, Tr&uuml;mmerkellern und Baracken zu leben<\/strong><\/p><p>Im Anhang meine Erinnerungen!<\/p><p>Meine Erinnerungen an den Krieg<\/p><p>Ich bin Jahrgang 1948 und damit vom direkten Krieg verschont worden. Mein Vater wurde 1940 einberufen und war zun&auml;chst in Frankreich und 1942 im Kaukasus in Russland eingesetzt. Er erz&auml;hlte nicht viel vom Krieg, immer nur relativ harmlose Sachen: Die Soldaten waren w&auml;hrend des Einmarschierens immer wieder eingeschlafen, wurden aber von den Mitmarschierenden weitergeschoben. Von Russland erz&auml;hlte er immer nur vom ironisch genannten &bdquo;Gefrierfleischorden&ldquo;, den sie erhalten haben.<\/p><p>Erst nachdem unsere Eltern 1964 bzw. 1971 gestorben waren, fanden wir unter den Unterlagen die w&auml;hrend Krieges zwischen meinen Eltern gef&uuml;hrte regelm&auml;&szlig;ige Korrespondenz, soweit dies w&auml;hrend des Krieges m&ouml;glich war. Wir, meine &auml;ltere Schwester und ich, hatten vorher Hemmungen, die Eltern weiter &uuml;ber den Krieg zu befragen, weil wir noch jung waren und sp&uuml;rten, dass sie dar&uuml;ber fast nicht reden konnten.<\/p><p>Mein Vater hatte sich vor dem Krieg mit etwa 8 Burschen zusammengefunden und eine gemeinsame H&uuml;tte im Schwarzwald gemietet. Diese schrieben sich gegenseitig Briefe von ihren Kriegseins&auml;tzen in Russland und Frankreich und sie wurden untereinander weitergereicht.<\/p><p>Aus diesen beiden Brief-Serien konnten wir viele Details erfahren. Darunter fanden wir dann auch ein sehr kleines Foto eines Schlachtfelds mit unz&auml;hligen Toten und zerfetzten herumliegenden Leichenteilen. Genaueres konnten wir nicht dar&uuml;ber erfahren.<\/p><p>An die ersten Jahre kann ich mich nicht erinnern, von meiner Mutter erfuhr ich aber, dass sie mich vermutlich ohne die Care-Pakete nicht durchgebracht h&auml;tte. Auch alle meine weiteren f&uuml;nf Onkels sowie der Mann meiner Tante waren im Krieg gewesen. <\/p><p>Im Laufe meiner fr&uuml;hen Kindheit habe ich mitbekommen, dass ein Bruder meiner Mutter im Krieg gefallen und ein Bruder meines Vaters vermisst war. Dessen Frau mit zwei T&ouml;chtern sah sich dann nach Jahren vergeblichen Hoffens gezwungen, auch wegen der beiden M&auml;dchen und der notwendigen Hinterbliebenen-Rente, ihn f&uuml;r tot erkl&auml;ren zu lassen.<\/p><p>Meine Eltern heirateten 1942 w&auml;hrend eines Heimaturlaubs meines Vaters. Sie fanden dann eine erste Wohnung mit zwei Zimmern, die meine Mutter w&auml;hrend des Kriegs allein bewohnte, aber auch ihre Eltern in der Altstadt oft besuchte.<\/p><p>Diese erste Wohnung war nach dem Angriff und dem Kriegsende ihr Gl&uuml;ck. Von sechs Kriegsteilnehmern aus der engeren Familie kamen lediglich vier zur&uuml;ck. Sie waren froh, dass sie nach und nach f&uuml;rs Erste dort ein Dach &uuml;ber dem Kopf hatten. So wohnte dort der gr&ouml;&szlig;te Teil der Familie: Mein Vater, meine Mutter, meine Tante und ihr Mann, der Bruder meiner Mutter und seine Frau, drei Kinder Jahrgang 1944, 1946, zwei Jahrgang 1948.<\/p><p>Auf meine Heimatstadt Freiburg erfolgte am 27.11.1944 abends der gro&szlig;e Angriff der Royal Air Force mit Zerst&ouml;rung der gesamten Altstadt, nur das M&uuml;nster blieb stehen. 2.800 Menschen wurden get&ouml;tet, 4.200 verletzt und 11.000 obdachlos.<\/p><p>Meine Gro&szlig;eltern mit ihren vier Kindern wohnten in der Altstadt zur Miete. Bei diesem Angriff wurde das vierst&ouml;ckige Haus vollst&auml;ndig zerst&ouml;rt, es war nur noch ein Haufen Schutt und Asche. Meine Gro&szlig;mutter, meine Mutter, meine Tante mit ihrem 10 Monate alten Kind kamen im Luftschutzkeller mit dem Leben davon.<\/p><p>Der Gro&szlig;vater arbeitete bei der Post nicht weit von der Altstadt. Das Postgeb&auml;ude erhielt einen Volltreffer und war ebenfalls zerst&ouml;rt. Das Personal fl&uuml;chtete in den Luftschutzkeller, ihm schlug durch die Wucht des Treffers eine Eisent&uuml;r gegen den Kopf. Er &uuml;berlebte kurzzeitig. Die Familie wusste nichts &uuml;ber ihn und suchte zu Fu&szlig; &ndash; es fuhr keine Stra&szlig;enbahn mehr &ndash; nach ihm. Sie fanden ihn nach mehreren falschen Adressen in unterschiedlichen Stadtteilen in einer Klinik. Dort starb er nach f&uuml;nf Tagen und wurde in einem Massengrab mit fast 3.000 Toten begraben.<\/p><p>Die Familie hoffte zun&auml;chst, bei einer &auml;lteren Tante unterzukommen. Diese Wohnung war aber so winzig, dass nicht zus&auml;tzlich drei weitere Personen mit Kind dort bleiben konnten. Sie wussten nicht weiter und beschlossen, zum Bruder meiner Gro&szlig;mutter in Lo&szlig;burg (ca. 75 km) zu gehen. Sie schleppten sich mit Kind im Kinderwagen, wobei sie immer wieder von Tieffliegern bedroht wurden. <\/p><p>Im Schwarzwald kam der Schnee dazu, zwischendurch ruhten sie sich in Scheunen aus. Sie schafften es schlie&szlig;lich im tiefen Schnee nur bis zu einem Bauernhof (ca. 30 km) in Waldau. Sie hatten Gl&uuml;ck und die B&auml;uerin nahm sie sofort auf, der Bauer war auch im Krieg. Meine Mutter half auf dem Bauernhof und lernte dort melken. Aus dieser Begegnung ergab sich eine lange Freundschaft und meine Tante zog viel sp&auml;ter aus Freiburg ins Altenteil des Hofs wegen ihrer Tochter, die schwer Asthma hatte.<\/p><p>L&auml;ngere Zeit nach Kriegsende wurden den beiden anderen Ehepaaren je eine Notwohnung zugewiesen.<\/p><p>Als ich ca. 4 Jahr alt war, ist meine Familie in ein urspr&uuml;nglich sch&ouml;nes Haus in der Altstadt gezogen, von dem der erste Stock stehen geblieben und das dann wiederaufgebaut worden war. An eigener Erinnerung wei&szlig; ich nur noch, dass ich (ca. 8 Jahre alt) nach einem Ausflug nach Basel v&ouml;llig verwundert &uuml;ber die sch&ouml;nen, mehrst&ouml;ckigen, sehr gepflegten H&auml;user war. Ich bin in dem Glauben aufgewachsen, dass es normal sei, in lauter Ruinen, Tr&uuml;mmerkellern und Baracken zu leben, ich habe mir nichts anderes vorstellen k&ouml;nnen.<\/p><p>Au&szlig;erdem wei&szlig; ich noch, ich war ein sch&uuml;chternes Kind, das nicht viel sprach, aber zuh&ouml;rte. Als ich ca. 4 Jahre alt war, erz&auml;hlte eine Verwandte meiner Mutter von einem Bombentreffer, bei dem die Bewohner in den Keller gefl&uuml;chtet waren und dort versch&uuml;ttet und verbrannt wurden. Da konnte niemand lebendig herausgeholt werden.<\/p><p>Dieses &bdquo;nur Zuh&ouml;ren und Aufnehmen&ldquo; f&uuml;hrte dazu, dass ich, als ich schon eigene Kinder hatte, schwei&szlig;gebadet aufwachte, weil ich tr&auml;umte, dass in unserem zweist&ouml;ckigen Keller alles versch&uuml;ttet und verbrannt war und meine ca. 8\/9-j&auml;hrigen Kinder drin gerettet werden mussten.<\/p><p>Dann wei&szlig; ich noch, dass unsere Eltern uns (8 \/10 Jahre) morgens vorsichtig &uuml;ber den pl&ouml;tzlichen Tod meines anderen Gro&szlig;vaters informierten. Trotz meiner Zuneigung zu ihm war mein erster Gedanke Erleichterung und &bdquo;Gott sei Dank kein Krieg&ldquo;!<\/p><p>Und wir m&uuml;ssen weiterhin darum k&auml;mpfen, dass gilt: Nie wieder Krieg!<\/p><p>Waltraud Faa&szlig;<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Die K&auml;lte meine ich noch heute zu sp&uuml;ren.<\/strong><\/p><p>Die Anregung der NachDenkSeiten, seine Kriegserinnerungen der Redaktion mitzuteilen, l&ouml;ste in mir eine starke Reaktion aus, der ich mich nicht entziehen konnte:<\/p><p>Geboren wurde ich im April 1941. Drei Monate sp&auml;ter war mein Vater in Russland gefallen, ganz offiziell ein Held und ich ein Halbwaise. Meine Mutter, seine Frau, war im Alter von 27 Jahren Witwe mit drei kleinen Kindern. Das war zwar f&uuml;r die Betroffenen und die pers&ouml;nliche Umgebung sehr tragisch, aber normal in den vorherrschenden Kriegszeiten, deren massive Verwerfungen erst noch kommen sollten.<\/p><p>Meine ersten Erinnerungen als Kleinkind beziehen sich auf Flugzeuggeschwader am Himmel, die &uuml;ber uns hinweg gen Osten flogen. Sie beziehen sich auf Lametta, mit dem wir Kinder spielten, und Fliegeralarm mit Sirenen, wie sie heute noch heulen und uns in den dunklen, feuchten Keller trieben.<\/p><p>Besonders deutlich in Erinnerung habe ich, wie meine Mutter mich auf den Arm nahm und mir die Silhouette der etwa 70 Kilometer entfernt brennenden Stadt Hamburg zeigte. Es war ein einziges Feuerwerk. Das muss nicht stimmen, ich habe aber diese Erinnerung. Als mit Kriegsende britische Soldaten in unser Haus kamen, reagierten meine Mutter und ihre Schwester vor lauter Angst hysterisch. Sie wussten nicht, was sie erwartete. Die Soldaten gingen, wie sie gekommen waren.<\/p><p>Auf einer Wiese gegen&uuml;ber unserem Haus standen dicht gedr&auml;ngt gefangene deutsche Soldaten. Setzen oder sich bewegen konnten sie sich nicht.<\/p><p>Fl&uuml;chtlingstrecks fuhren durch den Ort. Einmal sah ich, wie sich zwei Frauen heftig um ein Pferd stritten.<\/p><p>Einige der Fl&uuml;chtlinge wurde bei uns einquartiert. Die Einquartierung verlief friedlich. Es kam vor, dass sich durch den Kontakt jahrelange Freundschaften entwickelten.<\/p><p>Heimkehrende Soldaten mit zum Teil schwersten Verletzungen und Amputationen wurden f&uuml;r Jahre zum t&auml;glichen Bild. Der Staat reduzierte sich auf das Wenigste. Die Verzweiflung, der Hunger, die Not, das Elend waren allgegenw&auml;rtig.<\/p><p>Der Winter 1946\/47 war bitterkalt. In dem Raum, in dem wir schliefen, fehlte in einem Fenster das Glas. Die K&auml;lte meine ich noch heute zu sp&uuml;ren.<\/p><p>Das Jahr 1947 war f&uuml;r mich das Steckr&uuml;benjahr. Heute wei&szlig; ich, dass die Historiker es 1917 zuordnen. Da haben wohl fast alle nichts weiter als Steckr&uuml;ben gegessen.<\/p><p>Im Fr&uuml;hjahr des gleichen Jahres wurde ich eingeschult. Es begann eine vierj&auml;hrige Leidenszeit. Jeder Tag Schule war eine einzige Qual. So empfinde ich es noch heute.<\/p><p>In der ersten Klasse waren wir nach meiner Erinnerung 80 Sch&uuml;ler und Sch&uuml;lerinnen (Die Zahl muss nicht stimmen. Viele, zu viele waren es auf jeden Fall). Ich war mit der J&uuml;ngste. Es herrschte das Recht des St&auml;rkeren und ich wurde h&auml;ufig geschlagen, von den Mitsch&uuml;lern, aber auch von den Lehrern. Von den Lehrern noch am meisten. Ein Lehrer hie&szlig; &bdquo;Otto&ldquo;. Auch den Namen habe ich nicht vergessen. Dieser Lehrer verhaute mich mehrfach mit dem Stock auf dem Po vor versammelter Klasse. Eine Dem&uuml;tigung.<\/p><p>Nach der vierten Klasse blieb ich sitzen. Eine Katastrophe und gleichzeitig ein Gl&uuml;ck. Mein Schulleben normalisiert sich. Aus dem Stand war ich der beste Sch&uuml;ler in der Klasse. Wir waren arm, sehr arm. Meine Mutter hatte keinen erlernten Beruf. Sie w&uuml;rde ja doch heiraten, hie&szlig; es. Sie musste Hilfsarbeiten in einer Gro&szlig;k&uuml;che verrichten. Das reichte gerade zum &Uuml;berleben.<\/p><p>Gegessen wurde, was auf den Tisch kam. Die Frage, wie heute &uuml;blich, &bdquo;Was m&ouml;chtest Du essen?&ldquo; kam nicht vor. Alte Pullover wurden aufgeribbelt und zu Str&uuml;mpfen gestrickt. Ich hatte eine Lederhose. Die trug ich mehrere Jahre im Sommer wie im Winter.<\/p><p>Mit dem Land ging es langsam bergauf. Wir blieben arm. Im Jahre 1959 l&ouml;ste sich meine Familie auf. Ich war auf mich allein gestellt. <\/p><p>Beim Milit&auml;r lernte ich den Umgang mit Waffen und was f&uuml;r ein Mordinstrument schon eine ganz normale Pistole sein kann. Gleichwohl, trotz aller politischen Spannungen zwischen Ost und West, herrschte Frieden in Deutschland &uuml;ber Jahrzehnte hinweg und ich konnte meinen Weg gehen.<\/p><p>Heute stehen wir wieder vor einem gro&szlig;en Krieg. Deutschland ist vereint und dabei, die gr&ouml;&szlig;te konventionelle Armee Europas aufzubauen.<\/p><p>Diese Armee braucht einen Feind und hat ihn gefunden. An Frieden denkt von den politischen Verantwortlichen in Deutschland niemand. Die n&auml;chste Katastrophe wird vorbereitet. &Uuml;berstehen werden wir sie nicht.<\/p><p>Dr.-Ing.<br>\nJoachim Metz<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><small>Titelbild: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:%D0%9D%D0%B5%D0%BC%D0%B5%D1%86%D0%BA%D0%B8%D0%B9_%D0%BC%D0%B0%D0%BB%D1%8C%D1%87%D0%B8%D0%BA_%D0%BD%D0%B0_%D1%80%D0%B0%D0%B7%D0%B2%D0%B0%D0%BB%D0%B8%D0%BD%D0%B0%D1%85_%D0%B2_%D0%B3.%D0%91%D0%B5%D1%80%D0%BB%D0%B8%D0%BD%D0%B5.jpg\">wikicommons<\/a><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl&auml;sslich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150104\">hier<\/a> unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindr&uuml;cke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden. 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