{"id":150816,"date":"2026-05-25T15:00:48","date_gmt":"2026-05-25T13:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150816"},"modified":"2026-05-25T09:27:25","modified_gmt":"2026-05-25T07:27:25","slug":"leserbeitraege-erinnerungen-gegen-den-krieg-aufruf-zum-8-mai-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150816","title":{"rendered":"Leserbeitr\u00e4ge \u201eErinnerungen gegen den Krieg\u201c &#8211; Aufruf zum 8. Mai (8)"},"content":{"rendered":"<p>Anl&auml;sslich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150104\">hier<\/a> unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindr&uuml;cke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden. Wir bedanken uns von Herzen f&uuml;r die vielen und ber&uuml;hrenden Beitr&auml;ge!<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Hier k&ouml;nnen Sie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150403\">ersten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150464\">zweiten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150486\">dritten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150605\">vierten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150632\">f&uuml;nften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150671\">sechsten Teil<\/a> sowie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150740\">siebenten Teil<\/a> der Zusendungen unserer Leser nachlesen.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Wenn ich heute eine Feuerwehrsirene h&ouml;re, bekomme ich eine G&auml;nsehaut<\/strong><\/p><p>Ich wurde im Krieg geboren und habe dar&uuml;ber und die Nachkriegszeit ein Buch geschrieben: &bdquo;Ich, Bombenziel &ndash; Krieg t&ouml;tet Liebe&rdquo;, in dem ich diese Zeit und Erlebnisse verarbeitet habe. Der Titel leitet sich auch aus diesen Ereignissen ab: <\/p><p>Wir wurden in Berlin in der Stargarder Stra&szlig;e ausgebombt und nach drei Tagen unter den Tr&uuml;mmern unseres Hauses ausgegraben und am 11. Februar 1945 nach Dresden evakuiert und erlebten und &uuml;berlebten dort die H&ouml;lle. Ich begriff nicht, warum ich bombardiert wurde, hatte doch niemandem etwas getan. Mein Vater blieb, wie es so hie&szlig;, im Krieg, meine Mutter war eine Kriegerwitwe mit drei Kindern. Nach dem Krieg war noch nichts vorbei. Es hie&szlig; nicht, was gibt es zu essen, sondern gibt es etwas zu essen. Ich war in Westberlin &bdquo;a little naziboy&ldquo; und im Osten &bdquo;bednij malschik&ldquo;. <\/p><p>Wenn ich heute eine Feuerwehrsirene h&ouml;re, bekomme ich eine G&auml;nsehaut, Fliegeralarm. Und das mit 84. Das Buch ist eine Anklage gegen&uuml;ber allen, die uns heute kriegst&uuml;chtig machen wollen.&nbsp;<\/p><p>Hartmut Moreike<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Wie es drinnen aussieht, geht niemanden etwas an<\/strong><\/p><p>Sehr geehrtes NachDenkSeiten-Team, <\/p><p>Vielen Dank f&uuml;r Ihren so wichtigen Aufruf! <\/p><p>Ich bin im Mai 1944 geboren, nachdem mein Vater als 28-j&auml;hriger Soldat am 28. November 1943 in der heutigen Ukraine (damals Sowjetunion) ermordet wurde. So bin ich ohne Vater auf die Welt gekommen und aufgewachsen. Ein Grab f&uuml;r meinen Vater gibt es nicht.<\/p><p>Meine Mutter war Kinderg&auml;rtnerin und leitete einen Dorfkindergarten. Sie erz&auml;hlte mir sp&auml;ter, dass sie die Todesnachricht am Vortag des Nikolaustages erhielt. F&uuml;r die Kinder war zum Nikolaustag alles vorbereitet, sie sollten sich freuen und die Nikolausbotschaft unbeschwert erleben k&ouml;nnen. So &bdquo;schob&ldquo; sie die Nachricht von sich und beging den Tag, wie sie ihn geplant hatte. Erst danach erreichten die t&ouml;dliche Gewissheit und die Unfassbarkeit ihr Bewusstsein. Da ich aber unterwegs war und sie wollte, &bdquo;dass ich ihre Trauer nicht &uuml;bernehmen sollte&ldquo;, hielt sie sich bis zu meiner Geburt tapfer aufrecht, versuchte, ihren Alltag m&ouml;glichst &bdquo;normal&ldquo; weiter zu leben. <\/p><p>Erst nachdem ich auf der Welt war, wurde sie schwer k&ouml;rperlich und seelisch krank. Zeit ihres Lebens blieb sie zerbrechlich und durchlebte viele Krankheitsphasen, bis sie mit 57 Jahren starb. F&uuml;r mich war sie eine gro&szlig;artige Mutter, trotz der Schwere ihres eigenen Lebens, immer bem&uuml;ht, mich in meinem Bestreben nach einem freien und selbstbestimmten Leben zu unterst&uuml;tzen. Ich selbst war immer in Sorge um sie, sah, wie sie litt, wie sie nach einem Verstehen des Geschehenen suchte, wie einsam sie im Inneren war &ndash; ihr Motto hie&szlig;: wie es drinnen aussieht, geht niemanden etwas an, und ihr Lieblingslied war &bdquo;Die Gedanken sind frei&ldquo;. <\/p><p>Sie las von Alexander und Margarete Mitscherlich &bdquo;Die Unf&auml;higkeit zu trauern&ldquo; &ndash; ein Buch, das beschreibt, wie wenig es m&ouml;glich war (und wohl auch heute noch ist), die Herzen der Menschen f&uuml;r ein wahres Erkennen der Geschehnisse zu &ouml;ffnen. Gespr&auml;chspartner hatte sie daf&uuml;r nicht. Nach au&szlig;en galt sie als ein fr&ouml;hlicher Mensch. Mit mir sprach sie offen, versprach, dass ich die Briefe meines Vaters an sie &ndash; es gab zwei dicke Aktenordner &ndash; nach meinem achtzehnten Lebensjahr lesen d&uuml;rfte. Leider wurde dieses Versprechen nicht eingel&ouml;st, weil sie diese Aktenordner w&auml;hrend eines Krankheitsschubs &ndash; wohl im Zustand der Verzweiflung &ndash; vernichtete.&nbsp;<\/p><p>Soweit aus meiner Sicht ein kurzer Blick auf ein durch Krieg verursachtes traumatisiertes ganzes Leben. <\/p><p>Ich selbst f&uuml;hle mich schwer getroffen durch die deutsche Kriegs-Politik seit vielen Jahren. Kein Land sollte f&uuml;r uns Deutsche mehr ein Feindesland sein, schon gar nicht Russland, dem von Deutschen so viel Leid zugef&uuml;gt wurde!<\/p><p>Im Anhang f&uuml;ge ich einen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/260525_Anhang_15-April2010-Brief-an-Merkel-Guttenberg.pdf\">Brief vom April 2010 an Frau Merkel und Herrn zu Guttenberg<\/a> hinzu. Ich habe ihn unter dem Eindruck der R&uuml;ckkehr der ersten toten deutschen Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg aus Afghanistan geschrieben. Darin meine aus meiner Lebenserfahrung entstandene Haltung zum Krieg.<\/p><p>Mit herzlichem Dank an das ganze Team f&uuml;r die gro&szlig;artige und vielfach auch tr&ouml;stliche Arbeit (es gibt noch Menschen mit Herz und Verstand)<\/p><p>Ulrike Strohmeyer<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Wie ein gro&szlig;es Feuerwerk<\/strong><\/p><p>Hallo liebe NachDenkSeiten,<\/p><p>meine Eltern sind beide in den drei&szlig;iger Jahren geboren und waren w&auml;hrend des Krieges noch Kinder. Mein Vater und seine Br&uuml;der wurden im Zuge der Kinderlandverschickung zun&auml;chst in die Region Danzig und dann ins Allg&auml;u in der N&auml;he von Kempten bei einem Bauern untergebracht. Er hat die Zeit dort insgesamt gut in Erinnerung, wenngleich man von den Einheimischen als zus&auml;tzlicher &lsquo;Esser&rsquo; missg&uuml;nstig betrachtet wurde und man auch als Kind ordentlich anpacken musste. Mein Vater hat sp&auml;ter immer wieder mal von der Zeit bei dem Bauern und seiner Familie erz&auml;hlt.<\/p><p>Meine Mutter, als j&uuml;ngste von drei Geschwistern, hat die Kriegszeit mit ihrer Mutter in Essen verbracht. Einige einpr&auml;gsame Erlebnisse kann sie uns heute noch lebhaft erz&auml;hlen. So zum Beispiel, wenn bei Fliegeralarm die Luftabwehr Leuchtk&ouml;rper in den Himmel schoss und dieser wie ein gro&szlig;es Feuerwerk aufblitzte. Oder das be&auml;ngstigende Ger&auml;usch der Flugzeuge.<br>\nBei Fliegeralarm ist meine Mutter immer an der Hand meiner Oma in einen nahe gelegenen, runden Bunker geflohen. Einmal musste es so schnell gehen, dass sie ihre Puppe vor dem Bunker fallen lie&szlig; und verloren hat. Sehr beeindruckend, weil immer emotional mitleidend erz&auml;hlt von meiner Mutter, war der Umstand, dass die &lsquo;Russen&rsquo;, gemeint sind hier sicherlich die Kriegsgefangenen, im Luftschutzbunker immer ganz nach oben unters Dach mussten. Die &lsquo;Russen&rsquo; h&auml;tten eine h&ouml;llische Angst gehabt, weil bei einem Einschlag sie die ersten Opfer gewesen w&auml;ren.<\/p><p>Auch so manche skurrile Szene erz&auml;hlt meine Mutter, wie die einer &auml;lteren Frau, die im Bunker sitzend rohe, trockene Nudeln knabberte. Das war f&uuml;r ein Kind unvorstellbar.&nbsp;<\/p><p>Da es sehr h&auml;ufig Fliegeralarm gab, sind die Leute nicht immer in einen Bunker gegangen. Entweder sammelte man sich im Keller des Hauses oder blieb gar ganz in der Wohnung. Oft war es die M&uuml;digkeit, die hier die Entscheidung trug.<\/p><p>Auch die Nachkriegszeit war nicht leicht, auch wenn Kinder mit anderen, abenteuerlichen Augen auf das Leben schauen. So wurde, um eine Mahlzeit zu haben, Wasser gekocht und &lsquo;Umwickelpapier&rsquo;, in dem einst Fleisch, Wurst oder Butter eingewickelt war, in das Wasser gelegt, um es nahrhafter zu machen.<\/p><p>Sicherlich habe ich noch einiges vergessen, weil es so vieles zu erz&auml;hlen gebe. Aber f&uuml;r die Quintessenz &lsquo;Nie wieder Krieg&rsquo; sollte es doch reichen.<\/p><p>Ich bin entsetzt, auf welch&rsquo; unbelegten Behauptungen, verk&uuml;rzten Erz&auml;hlungen und schlichten Falschmeldungen unsere Regierungen wieder den offenen Krieg predigen und die &lsquo;Elite&rsquo; ist auf allen Ebenen wieder einmal voll dabei.<\/p><p>Stefan Kreft<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Meine S&ouml;hne werden noch daf&uuml;r b&uuml;&szlig;en m&uuml;ssen<\/strong><\/p><p>Werte Redaktion der NachDenkSeiten!<\/p><p>Meine Mutter erz&auml;hlte, dass ihr Vater vor dem Ersten Weltkrieg tief beeindruckt von Bertha von Suttner gewesen sei. Dieser mein Gro&szlig;vater sagte 1934 nach der Ermordung von Ernst R&ouml;hm und von anderen, Hitler sei ein Verbrecher. Nach der Pogromnacht 1938 sagte er: &bdquo;Man z&uuml;ndet keine Kirchen an, meine S&ouml;hne werden noch daf&uuml;r b&uuml;&szlig;en m&uuml;ssen.&ldquo; Tats&auml;chlich blieben zwei seiner S&ouml;hne in Stalingrad.<\/p><p>Das Verm&auml;chtnis der Bertha von Suttner ist immer noch aktuell. Au&szlig;erdem haben unsere Politiker keine Scheu, mit Verbrechern gegen das V&ouml;lkerrecht freundschaftlichen Kontakt zu pflegen. Als Privatmensch pflegt man keinen freundschaftlichen Kontakt zu Verbrechern. <\/p><p>Freundlicher Gru&szlig;<br>\nTheodor Bloem<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Meine Gro&szlig;mutter wartete seit Kriegsende oftmals an den Landungsbr&uuml;cken auf ihn<\/strong><\/p><p>Liebes NDS-Team!<\/p><p>Vielen Dank f&uuml;r diesen Aufruf &ndash; erinnert er mich doch daran, dass ich seit fast zwanzig Jahren ein Buch &uuml;ber meine Gro&szlig;eltern (geb. 1908 und 1914) schreiben m&ouml;chte. Inspiriert durch die Texte und Zeichnungen, die mein Gro&szlig;vater w&auml;hrend seiner Zeit im KZ und im Gef&auml;ngnis (Mai 1934 bis Mai 1936) fertigte, um in seiner Einzelhaft nicht durchzudrehen, begann ich im Sp&auml;tsommer 2008 (100 Jahre nach seiner Geburt und 10 Jahre, nachdem er gestorben war) mein Buchprojekt: &bdquo;Max &amp; Hanni &ndash; eine bewegende Liebe in bewegten Zeiten&rdquo;.<\/p><p>Meine Gro&szlig;mutter lebte damals noch und &uuml;berlie&szlig; mir alte Dokumente wie Haftbefehl und Entnazifizierungsunterlagen sowie ihr eigenes Tagebuch, das sie w&auml;hrend des Wartens auf ihren Mann nach Kriegsende bis zu seiner Heimkehr schrieb. <\/p><p>Ich war in Berlin im Bundesarchiv, um nach der Prozessakte meines Gro&szlig;vaters zu suchen, ich st&ouml;berte in der Th&auml;lmann-Gedenkst&auml;tte in Hamburg, telefonierte mit der damaligen Leiterin der Gedenkst&auml;tte KoLa Fu, um weitere Infos &uuml;ber meinen Gro&szlig;vater zu erhalten. Zwei Leitz-Ordner voller Kopien und Notizen sammelte ich innerhalb eines halben Jahres und wurde dann durch ein traumatisierendes Ereignis in meiner Familie (&hellip;) aus meinem Buch-Projekt gerissen. Jetzt musste ich mich um die Gegenwart und Zukunft der Lebenden k&uuml;mmern und hatte keine Zeit und Mu&szlig;e mehr f&uuml;r die Vergangenheit meines verstorbenen Gro&szlig;vaters.&nbsp;<\/p><p>Aber die gesammelten Unterlagen habe ich alle noch im Schrank, und ich hoffe auf den Tag, an dem ich erneut Zugang zu diesem Projekt finde.<\/p><p>Euer Aufruf hilft mir vielleicht dabei? Zumindest habe ich in den letzten Tagen wieder in meinen Ordnern gebl&auml;ttert, um Zitierf&auml;higes zu finden.<\/p><p>Von meinem Gro&szlig;vater fand ich dieses:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>&hellip; 1934, unser Sohn Norbert war gerade zehn Wochen alt, am 24. Mai kam nachts die Gestapo und holte mich ab. Was hatte ich denn getan oder verbrochen? Mit vielen Anderen wollten wir doch nur den kommenden Krieg verhindern helfen. Daf&uuml;r bekam ich ein Jahr KZ und ein Jahr Gef&auml;ngnis. Was damals KZ bedeutete, kann sich schlecht jemand vorstellen. Gegen andere KZ war Fuhlsb&uuml;ttel noch sehr human. Man stelle sich aber mal vor, Stunden, Tage und Wochen allein ohne irgendeine Besch&auml;ftigung in einer Zelle zu verbringen. Man kann zuletzt nicht mehr schlafen. Das Gehirn l&auml;sst sich aber nicht abschalten, also denken, immer wieder denken. Man zerpfl&uuml;ckt alles hundert und tausend Mal bis ins aller Kleinste, bis man eine Antwort auf irgendeine Frage gefunden hat.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Bei Kriegsbeginn galt mein Gro&szlig;vater als &lsquo;dienstuntauglich&rsquo;, da er als Hochverr&auml;ter verurteilt war. Erst am 9. Januar 1943 wurde er zur Marine gerufen, wo er anfangs als Schiffstischler in Husum und Kiel Schiffe reparierte. Im Februar&nbsp;1944&nbsp;absolvierte er einen Sch&uuml;tzenlehrgang in Fan&ouml; (D&auml;nemark), war danach bis 9.7.1944 in Westerland stationiert, weiter ging&rsquo;s nach Gotenhafen und Swinem&uuml;nde, von wo aus er nach Norwegen geschickt wurde. Vom 18.10.44 &ndash; 8.11.44 war er in Oslo stationiert, danach kam er nach Bergen. Dort hatte er &bdquo;sich selbst aus der Wehrmacht entlassen&rdquo;, wie er es sp&auml;ter formulierte, was aber zur Folge hatte, dass er nach Kriegsende nicht mit den offiziellen Soldatentransporten heimkehren konnte. Was nach seiner Desertation in Norwegen geschah, dar&uuml;ber sprach er nie. <\/p><p>Meine Gro&szlig;mutter wartete seit Kriegsende oftmals an den Landungsbr&uuml;cken auf ihn, wenn Soldaten aus Norwegen heimkamen. Sie hatte kein Lebenszeichen von ihm, aber sie hoffte bis zuletzt, dass er zur&uuml;ckkommen wird. In dieser langen Zeit des Wartens schrieb sie Tagebuch. Ausz&uuml;ge beigef&uuml;gt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Hbg., d. 25. Mai 1945<\/em><\/p>\n<p><em>Nun sind es schon drei Wochen wo ich t&auml;glich mit deinem Kommen rechne. Das Warten macht mich ganz kaputt. Es sind schon so viele Soldaten in der Heimat, aber du mein Liebster bist noch so fern. Ich freue mich zu jedem Soldaten, der das Gl&uuml;ck hat, nach Hause zu kommen. Aber ganz tief im Innern sagt eine Stimme, warum kommt dein Mann noch nicht? Ich wei&szlig;, dass nicht alle die Ersten sein k&ouml;nnen, aber meine Sehnsucht nach dir ist so riesengro&szlig;, dass ich fast verzweifeln k&ouml;nnte, weil du immer noch nicht bei mir bist. Es vergeht kein Tag, wo ich nicht an dich denke und mich nach dir sehne. (&hellip;)&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>&bdquo;<em>Hbg., d. 13. November 1945<\/em><\/p>\n<p><em>Heute, mein lieber Vati, ist der sch&ouml;nste Tag seit dem Krieg. Denn heute habe ich endlich das lang ersehnte Lebenszeichen von dir erhalten. Du glaubst nicht, wie gl&uuml;cklich ich jetzt bin. Du lebst und bist gesund und kommst wieder zu uns. Vati, ich k&ouml;nnte lachen und weinen. Ich kann dir meine Gef&uuml;hle nicht schildern. Ach ich bin so gl&uuml;cklich, mir ist so leicht. (&hellip;)&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>&bdquo;<em>Hbg., d. 16. November 1945<\/em><\/p>\n<p><em>Heute schreibe ich zum letzten Mal in dies Buch. Nun ist es endlich so weit. Unser lieber Vati ist gesund wieder zu uns gekommen. Ich bin ja so gl&uuml;cklich. Nun kann ich ihm alles selbst erz&auml;hlen und brauche meine Gedanken nicht in dies Buch schreiben. Wie ist das Leben doch jetzt wieder sch&ouml;n. Ich bin &uuml;beraus gl&uuml;cklich und ich will unserem Vati auch jeden Wunsch von den Augen ablesen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Ich hoffe, ihr k&ouml;nnt damit etwas anfangen?<br>\n(&hellip;)<\/p><p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nEsther Lorenz<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><small>Titelbild: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:%D0%9D%D0%B5%D0%BC%D0%B5%D1%86%D0%BA%D0%B8%D0%B9_%D0%BC%D0%B0%D0%BB%D1%8C%D1%87%D0%B8%D0%BA_%D0%BD%D0%B0_%D1%80%D0%B0%D0%B7%D0%B2%D0%B0%D0%BB%D0%B8%D0%BD%D0%B0%D1%85_%D0%B2_%D0%B3.%D0%91%D0%B5%D1%80%D0%BB%D0%B8%D0%BD%D0%B5.jpg\">wikicommons<\/a><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl&auml;sslich des Gedenktages am 8. 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