{"id":150838,"date":"2026-05-22T09:00:08","date_gmt":"2026-05-22T07:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150838"},"modified":"2026-05-22T09:17:38","modified_gmt":"2026-05-22T07:17:38","slug":"der-grosse-schwindel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150838","title":{"rendered":"Der gro\u00dfe Schwindel"},"content":{"rendered":"<p>Derzeit steigen die Preise f&uuml;r Kunstd&uuml;nger und Lebensmittel aufgrund des Krieges gegen den Iran weltweit stark an. UN-Vertreter warnen daher vor vermehrt auftretenden Hungerkrisen. Bereits zweimal zuvor sind die Preise in den letzten 20 Jahren rapide angestiegen &ndash; w&auml;hrend der Finanzkrise 2007\/2008 sowie im Rahmen des Beginns des Krieges in der Ukraine 2021\/2022. Damals wie heute wurden die Preisspr&uuml;nge bei D&uuml;ngern mit einer Gemengelage von Faktoren erkl&auml;rt &ndash; von explodierenden Gaspreisen &uuml;ber mangelnde Produktion bis hin zu h&ouml;herem Fleischkonsum in Schwellenl&auml;ndern. Eine &Uuml;berpr&uuml;fung dieser Narrative f&ouml;rdert jedoch Erstaunliches zutage. Die ausschlaggebenden Ursachen waren immer die von den USA ausgel&ouml;sten oder mitverantworteten globalen Krisen selbst. Von <strong>Karsten Montag<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nK&uuml;rzlich <a href=\"https:\/\/www.yahoo.com\/news\/articles\/tens-millions-risk-hunger-hormuz-134432051.html\">&auml;u&szlig;erte<\/a> der Leiter der Task Force der Vereinten Nationen f&uuml;r die Stra&szlig;e von Hormus, Jorge Moreira da Silva, gegen&uuml;ber der Nachrichtenagentur <em>Agence France-Presse (AFP)<\/em>, dass die Sperrung der Meerenge f&uuml;r den Transport von Kunstd&uuml;ngerprodukten aus den Anrainerstaaten des Persischen Golfs &bdquo;weitere 45 Millionen Menschen in Hunger und Hungersnot treiben&ldquo; k&ouml;nnte &ndash; insbesondere in afrikanischen und asiatischen L&auml;ndern. Das Problem bestehe darin, dass die Pflanzsaison, die in einigen L&auml;ndern in Afrika bereits in wenigen Wochen endet, nicht warten k&ouml;nne. Zwar seien die Lebensmittelpreise noch nicht explodiert, so Moreira da Silva, doch es habe einen &bdquo;massiven Anstieg&ldquo; der D&uuml;ngemittelkosten gegeben. Dies k&ouml;nne nach Ansicht von Experten zu einem R&uuml;ckgang der landwirtschaftlichen Produktivit&auml;t f&uuml;hren und die Lebensmittelpreise in die H&ouml;he treiben, schreibt die <em>AFP<\/em>.<\/p><p>In der Meldung der weltweit einflussreichen franz&ouml;sischen Nachrichtenagentur findet sich zudem ein Absatz, der offensichtlich nicht aus dem Interview mit dem Leiter der UN-Task Force stammt, sondern von der AFP-Autorin ohne Angabe einer Quelle hinzugef&uuml;gt wurde. Darin hei&szlig;t es, dass durch die Stra&szlig;e von Hormus &bdquo;normalerweise ein Drittel der weltweiten D&uuml;ngemittel transportiert wird&ldquo;. Auch in anderen Medien mit gro&szlig;er Reichweite werden &auml;hnliche Zahlen genannt. So steht in einer <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/finanzen\/thema-des-tages-duenger-100.html\">Meldung der &bdquo;Tagesschau&ldquo;<\/a>, &bdquo;ein Drittel des globalen Handels mit D&uuml;ngemitteln&ldquo; laufe durch die Stra&szlig;e von Hormus &ndash; ebenfalls ohne Angabe einer Quelle. Die gleiche Zahl findet sich auch in einer <a href=\"https:\/\/orf.at\/stories\/3428738\/\">Nachricht des <em>&Ouml;sterreichischen Rundfunks (ORF)<\/em><\/a>. Das <em>Handelsblatt<\/em> schreibt in einem <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/maerkte\/devisen-rohstoffe\/duenger-iran-krieg-macht-weizen-und-mais-weltweit-deutlich-teurer\/100222459.html\">Beitrag<\/a>, insgesamt &bdquo;bis zu 40 Prozent des weltweit gehandelten Harnstoffs&ldquo; w&uuml;rden &bdquo;in Friedenszeiten die Stra&szlig;e von Hormus&ldquo; passieren.<\/p><p>Die kausale Kette erscheint logisch: Eine erhebliche Menge an Erdgas sowie mittels Erdgas hergestellter Kunstd&uuml;nger k&ouml;nne die Stra&szlig;e von Hormus nicht passieren. Da die Nachfrage das Angebot &uuml;bersteigt und die Produktionskosten anziehen, steigen auch die Preise der D&uuml;nger sowie konsequenterweise &ndash; mit etwas Verz&ouml;gerung &ndash; auch die Lebensmittelpreise. Besonders in armen L&auml;ndern hat dies Folgen f&uuml;r die Ern&auml;hrung von Millionen von Menschen. Die Abh&auml;ngigkeiten scheinen so einleuchtend, dass kaum jemand sie anzweifelt. Doch es gibt eine ganze Reihe an deutlichen Hinweisen, dass dieses Narrativ nicht der Wahrheit entspricht.<\/p><p><strong>Zusammenhang zwischen Kunstd&uuml;ngerpreisen und Lebensmittelpreisen<\/strong><\/p><p>Eine Auswertung der monatlichen Preise f&uuml;r Kunstd&uuml;nger anhand von Daten der Weltbank zeigt tats&auml;chlich einen deutlichen Anstieg seit M&auml;rz 2026. Insbesondere der Preis f&uuml;r Harnstoff hat sich zwischen Januar und April 2026 mehr als verdoppelt. Ein Vergleich der Kunstd&uuml;ngerpreise mit dem Index der Lebensmittelpreise &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum verdeutlicht die augenscheinlichen Auswirkungen der Preis&auml;nderungen von D&uuml;ngemitteln auf die Kosten f&uuml;r Lebensmittel.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 1: Preise Kunstd&uuml;nger und Index der Lebensmittelpreise in US-Dollar pro Tonne bzw. Prozent, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/research\/commodity-markets\">Weltbank<\/a><\/small><\/p><p>Der erste gro&szlig;e Preisschock bei Kunstd&uuml;ngern und Lebensmitteln im 21. Jahrhundert fiel zeitlich mit der internationalen Finanzkrise 2007\/2008 zusammen. Nach <a href=\"https:\/\/www.fao.org\/4\/i0291e\/i0291e00.htm\">Informationen<\/a> der Ern&auml;hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat die Krise 75 Millionen Menschen weltweit zus&auml;tzlich in die Unterern&auml;hrung getrieben. Allerdings blieb der Lebensmittelpreisindex in den Folgejahren weiterhin auf einem sehr hohen Niveau, obwohl die Preise f&uuml;r D&uuml;ngemittel wieder deutlich gesunken sind.<\/p><p>Der zweite steile Anstieg der D&uuml;nger- und Lebensmittelpreise beginnt 2021 im Vorfeld des Krieges in der Ukraine und kulminiert mit dessen Ausbruch Anfang 2022. <a href=\"https:\/\/openknowledge.fao.org\/server\/api\/core\/bitstreams\/f1ee0c49-04e7-43df-9b83-6820f4f37ca9\/content\/state-food-security-and-nutrition-2023\/food-security-nutrition-indicators.html\">Die FAO sch&auml;tzt<\/a>, dass 2022 122 Millionen Menschen mehr von Hunger betroffen waren als 2019.<\/p><p>Der dritte Schock bei den Preisen von Lebensmitteln und einiger Kunstd&uuml;nger geht mit dem Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran Ende Februar 2026 einher. Bereits im Sommer 2025 war ein kurzzeitiger steiler Preisanstieg bei einigen Kunstd&uuml;ngern zu verzeichnen, der zeitlich mit dem zw&ouml;lft&auml;gigen Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran zusammenfiel.<\/p><p>Eine Korrelation zwischen den Preisen f&uuml;r Kunstd&uuml;nger und dem Index f&uuml;r Lebensmittelpreise scheint vorzuliegen. Allerdings erkl&auml;ren die Kunstd&uuml;ngerpreise nicht den hohen Lebensmittelpreisindex zwischen den Schocks. Um eine Erkl&auml;rung daf&uuml;r sowie f&uuml;r die Ursachen der steilen D&uuml;nger- und Lebensmittelpreisanstiege in den unz&auml;hligen diesbez&uuml;glich verf&uuml;gbaren Beitr&auml;gen und Studien zu finden, wurden die Sprachmodelle <a href=\"https:\/\/chatgpt.com\/\">ChatGPT<\/a>, <a href=\"https:\/\/claude.ai\/\">Claude<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.google.com\/\">Gemini<\/a> bem&uuml;ht &ndash; umgangssprachlich auch als k&uuml;nstliche Intelligenz (KI) bezeichnet.<\/p><p><strong>Offizielle Erkl&auml;rungsmuster verweisen auf eine Gemengelage an Faktoren als Grund f&uuml;r die extremen Preisspr&uuml;nge<\/strong><\/p><p>Auf die erste Frage, welcher Zusammenhang zwischen Kunstd&uuml;ngerpreisen und dem Index der Lebensmittelpreise besteht, antworteten alle drei Sprachmodelle, dass eine enge, aber zeitlich verz&ouml;gerte Abh&auml;ngigkeit besteht. Die Antwort widerspricht der in Abbildung 1 dargestellten Korrelation. Sowohl 2008 als auch 2022 treten die h&ouml;chsten Lebensmittelpreise fast exakt in den gleichen Monaten auf wie die h&ouml;chsten D&uuml;ngerpreise. Allenfalls die jeweils danach weniger stark fallenden Lebensmittelpreise k&ouml;nnten sich mit der Verz&ouml;gerung erkl&auml;ren lassen.<\/p><p>Auch auf die Fragen, warum die D&uuml;ngerpreise zwischen 2007 und 2008 sowie zwischen 2021 und 2022 stark angestiegen sind, &auml;hnelten sich die Antworten und deren Gewichtung fast aufs Wort. Als wichtigster Punkt wurde f&uuml;r beide Zeitr&auml;ume die Verteuerung von Stickstoffd&uuml;ngern (Harnstoff und andere auf Ammoniak basierende D&uuml;nger) aufgrund hoher Gaspreise genannt. Als weitere Gr&uuml;nde f&uuml;hrten alle drei Sprachmodelle f&uuml;r den Zeitraum 2007\/2008 eine wachsende Nachfrage aufgrund einer gesteigerten landwirtschaftlichen Produktion beziehungsweise eines h&ouml;heren Fleischkonsums in Schwellenl&auml;ndern an. Weitere Ursachen sollen Exportz&ouml;lle vornehmlich in China und &ndash; an jeweils letzter Stelle &ndash; hohe Transportkosten sein. Nicht durchgehend in allen Antworten wurde zudem f&uuml;r diesen Zeitraum auf die F&ouml;rderung von Biokraftstoffen, Spekulation, historisch niedrige Getreidereserven, Nahrungsmittelkrisen, steigende Rohstoffpreise f&uuml;r Phosphat und Schwefel sowie Kapazit&auml;tsgrenzen der Industrie verwiesen.<\/p><p>F&uuml;r den Zeitraum 2021\/2022 kamen bei allen Sprachmodellen als weitere Gr&uuml;nde COVID-19-bedingte Lieferkettenprobleme, der Krieg in der Ukraine sowie Sanktionen gegen &bdquo;Top-Exporteure&ldquo; wie Russland und Wei&szlig;russland hinzu. Laut Claude machten die beiden L&auml;nder zusammen 40 Prozent der weltweiten Kaliumexporte aus. Claude und Gemini bezeichneten das Zusammenwirken der verschiedenen Faktoren f&uuml;r den Preisschock 2007\/2008 als &bdquo;perfekten Sturm&ldquo;.<\/p><p>Zudem &auml;hnelten sich auch die Erwiderungen auf die Frage, warum der Index der Lebensmittelpreise nach 2008 und 2022 nicht in dem Ma&szlig;e gefallen ist wie die Kunstd&uuml;ngerpreise. Demnach seien Lebensmittelpreise deutlich tr&auml;ger als Agrarrohstoffe. Gemini fasste diesen Effekt mit dem Begriff &bdquo;Gierflation&ldquo; zusammen. So w&uuml;rden gro&szlig;e Lebensmittelkonzerne und Supermarktketten die gestiegenen Kosten sehr schnell an die Verbraucher weitergeben, Einsparungen durch fallende Rohstoff- und D&uuml;ngerpreise jedoch nur extrem verz&ouml;gert oder unvollst&auml;ndig, um die eigenen Gewinnmargen zu vergr&ouml;&szlig;ern.<\/p><p>Schlussendlich gaben alle drei Sprachmodelle f&uuml;r die aktuelle Steigerung der D&uuml;ngerpreise neben der Sperrung der Stra&szlig;e von Hormus erneut hohe Gaspreise, Exportbeschr&auml;nkungen und Sanktionen sowie fehlende industrielle Kapazit&auml;ten an. Ob die genannten Gr&uuml;nde tats&auml;chlich ausschlaggebend f&uuml;r die Preissteigerungen sind, l&auml;sst sich anhand eines gut verf&uuml;gbaren Datenmaterials &uuml;berpr&uuml;fen.<\/p><p><strong>Hohe Gaspreise als Grund f&uuml;r Preisspitzen inkonsistent<\/strong><\/p><p>Harnstoff wird aus Kohlendioxid und Ammoniak hergestellt. Ammoniak wiederum wird weltweit fast ausschlie&szlig;lich mithilfe des <a href=\"https:\/\/www.chemie.de\/lexikon\/Haber-Bosch-Verfahren.html\">Haber-Bosch-Verfahrens<\/a> durch Zusammenf&uuml;hrung von Stickstoff und Wasserstoff unter hohen Temperaturen und Dr&uuml;cken erzeugt. Sowohl die Energie als auch der Wasserstoff stammen bei diesem Prozess &uuml;berwiegend aus der Nutzung von Erdgas. Auch weitere Kunstd&uuml;nger wie beispielsweise Diammoniumphosphat basieren auf Ammoniak und damit auf der Nutzung von Erdgas. Ein Vergleich zwischen den Preisen f&uuml;r Harnstoff und Diammoniumphosphat sowie dem internationalen Gaspreis zeigt jedoch keine eindeutige Korrelation.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 2: Preise f&uuml;r Harnstoff und Diammoniumphosphat in US-Dollar pro Tonne bzw. pro Megawattstunde, Datenquellen: <a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/research\/commodity-markets\">Weltbank<\/a>, <a href=\"https:\/\/fred.stlouisfed.org\/data\/PNGASEUUSDM\">Federal Reserve Bank of St. Louis<\/a><\/small><\/p><p>Einzig die Steigerung der D&uuml;ngerpreise zwischen 2021 und 2022 scheint mit den zu dieser Zeit extremen Gaspreisen erkl&auml;rbar zu sein. Allerdings f&auml;llt auf, dass die Preisspitzen f&uuml;r D&uuml;nger mit hohen Anteilen an Stickstoff bereits vor der h&ouml;chsten Gaspreisspitze auftreten. In den &uuml;brigen Zeitr&auml;umen nach 2007 liegen die D&uuml;ngerpreise deutlich &uuml;ber dem Niveau der Gaspreise.<\/p><p><strong>Mangelnde Produktion, Exportbeschr&auml;nkungen und Sanktionen als Preistreiber nicht plausibel<\/strong><\/p><p>Auch eine Analyse der globalen Produktion und des weltweiten Exports der drei wichtigsten Kunstd&uuml;ngertypen auf Basis von Stickstoff, Phosphat und Kalium erkl&auml;rt die in Abbildung 1 dargestellten extremen Preisspr&uuml;nge gr&ouml;&szlig;tenteils nicht.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-03.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 3: Produktion und Export nach Kunstd&uuml;ngertyp weltweit in Tonnen, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/www.fao.org\/faostat\/en\/#data\/RFN\">Food and Agriculture Organization of the United Nations<\/a><\/small><\/p><p>Einzig der hohe Preis f&uuml;r Kaliumchlorid im Zeitraum 2008\/2009 geht zeitlich mit einer deutlich geringeren Produktion und einem deutlich geringeren Export dieses D&uuml;ngertyps einher. Diese sind jedoch auf eine zuvor geringe Nachfrage aufgrund bereits im Jahr 2008 hoher Preise f&uuml;r Kalid&uuml;nger zur&uuml;ckzuf&uuml;hren. Bauern sind auf D&uuml;nger dieses Typs <a href=\"https:\/\/www.kpluss.com\/de-de\/geschaeftsfelder-produkte\/landwirtschaft\/kali-akademie\/wissenswert\/de-lohnt-sich-die-kaliduengung\/\">weniger angewiesen<\/a> als beispielsweise auf Stickstoffd&uuml;nger. Exportbeschr&auml;nkungen, Sanktionen, fehlende industrielle Kapazit&auml;ten oder die Folgen der Corona-Krise k&ouml;nnen angesichts des deutlich konstanten Angebots &uuml;ber den &uuml;brigen Zeitraum nicht f&uuml;r die kurzfristigen enormen restlichen Preissteigerungen verantwortlich sein.<\/p><p><strong>Vermehrte Nachfrage und h&ouml;herer Fleischkonsum in Schwellenl&auml;ndern als Ursache vernachl&auml;ssigbar<\/strong><\/p><p>Als weiteren Grund f&uuml;r den extremen Preissprung 2007\/2008 bei Kunstd&uuml;ngern hatten die Sprachmodelle eine gesteigerte landwirtschaftliche Produktion beziehungsweise einen h&ouml;heren Fleischkonsum in Schwellenl&auml;ndern angegeben. Tats&auml;chlich l&auml;sst sich anhand des umfangreichen Datenmaterials der FAO zeigen, dass die weltweite Produktion von Nahrungsmitteln eine deutliche Steigerung erfahren hat und dass sich auch der Anteil der Tierprodukte daran erh&ouml;ht hat.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-04.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 4: Weltbev&ouml;lkerung, Nahrungsmittelproduktion und Anteil Tierprodukte in Anzahl, Tonnen bzw. Prozent, Datenquellen: <a href=\"https:\/\/www.fao.org\/faostat\/en\/#data\/QCL\">Food and Agriculture Organization of the United Nations<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.worldometers.info\/world-population\/world-population-by-year\/\">Worldometer<\/a><\/small><\/p><p>Doch die Steigerung der Nahrungsmittelproduktion erfolgte nicht abrupt ab 2007, sondern kontinuierlich &uuml;ber einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten &ndash; und ein stetiger Aufw&auml;rtstrend des Anteils der Tierprodukte ist erst ab 2014 erkennbar. Es ist angesichts der Daten nur schwer nachvollziehbar, wie eine gesteigerte Lebensmittelproduktion sowie eine h&ouml;herer Fleischkonsum in den Schwellenl&auml;ndern f&uuml;r einen rapiden Preisanstieg der D&uuml;nger im Zeitraum 2007\/2008 verantwortlich gewesen sein soll.<\/p><p><strong>Im Prinzip m&uuml;sste kein Mensch auf der Welt hungern<\/strong><\/p><p>Aus Abbildung 4 l&auml;sst sich noch eine weitere Erkenntnis ableiten: Die Nahrungsmittelproduktion steigt seit 60 Jahren fast kontinuierlich st&auml;rker an als die Weltbev&ouml;lkerung. W&auml;hrend 1970 im Schnitt eine Tonne pro Kopf produziert wurde, standen 2024 jedem Erdbewohner theoretisch 1,35 Tonnen Nahrungsmittel zur Verf&uuml;gung &ndash; also eine Steigerung um 35 Prozent. In Deutschland <a href=\"https:\/\/www.foodjobs.de\/news\/article_330_kilogramm_isst_eine_person_in_deutschland_pro_jahr_20414.html\">verzehrt ein Mensch im Schnitt<\/a> 330 Kilogramm an Lebensmitteln pro Jahr.<\/p><p>Anfang der 1970er-Jahre hungerten nach <a href=\"https:\/\/www.brot-fuer-die-welt.de\/themen\/geschichte-des-hungers\/\">Informationen<\/a> der Organisation &bdquo;Brot f&uuml;r die Welt&ldquo; 880 Millionen Menschen weltweit &ndash; bei einer Bev&ouml;lkerung von vier Milliarden. Nach <a href=\"https:\/\/openknowledge.fao.org\/items\/4b1f7d26-267d-4a81-aed4-4f9de4d93f85\">Angaben der FAO<\/a> waren 2024 673 Millionen Menschen von Unterern&auml;hrung betroffen &ndash; bei einer Bev&ouml;lkerung von mehr als acht Milliarden. Demnach ist der Anteil der Hungernden an der Weltbev&ouml;lkerung von 22 auf etwas &uuml;ber acht Prozent zur&uuml;ckgegangen &ndash; was einer Reduzierung von knapp 63 Prozent entspricht. Bei einer Steigerung der Nahrungsmittelproduktion um 35 Prozent folgt daraus, dass auch die Verteilung der Nahrungsmittel mittlerweile besser funktioniert. Doch nach <a href=\"https:\/\/www.wwf.at\/wwf-report-40-prozent-der-weltweit-produzierten-lebensmittel-werden-verschwendet\/\">Angaben des &bdquo;World Wide Funds For Nature&ldquo; (WWF)<\/a> landen bei der Ernte, entlang der Lieferkette und beim Konsum in Summe noch immer 40 Prozent der weltweit produzierten Lebensmittel im M&uuml;ll.<\/p><p><strong>Vermehrte Produktion von Biokraftstoffen kein ausschlaggebender Grund f&uuml;r Preisspitzen<\/strong><\/p><p>Ein weiterer Grund f&uuml;r den starken Preisanstieg 2007\/2008 bei den D&uuml;ngemitteln soll laut ChatGPT die staatliche F&ouml;rderung der Produktion von Biokraftstoffen in den USA und Europa gewesen sein. Dadurch sei mehr Mais f&uuml;r Ethanol angebaut worden, was den Fl&auml;chenbedarf und den D&uuml;ngemitteleinsatz erh&ouml;ht habe. Doch auch diese Begr&uuml;ndung l&auml;sst sich anhand der Daten nicht eindeutig best&auml;tigen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-05.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-05.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 5: Biokraftstoffproduktion absolut sowie im Verh&auml;ltnis zur &Ouml;lproduktion in Barrel &Ouml;l&auml;quivalent pro Tag bzw. Prozent, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/www.energyinst.org\/statistical-review\">Energy Institute<\/a><\/small><\/p><p>Zwar erfuhr die Produktion von Biokraftstoffen tats&auml;chlich eine Steigerung, doch diese setzte bereits im Jahr 2000 ein und beschleunigte sich ab 2003. W&auml;re die Steigerung der Herstellung von Biokraftstoffen f&uuml;r die Preissteigerung 2007\/2008 verantwortlich gewesen, h&auml;tte dies auch zu hohen Preisen nach 2009 f&uuml;hren m&uuml;ssen, was nicht der Fall war.<\/p><p><strong>Angaben zum D&uuml;ngemitteltransport durch die Stra&szlig;e von Hormus viel zu hoch dargestellt<\/strong><\/p><p>F&uuml;r den aktuellen Preisschock bei D&uuml;ngerpreisen soll laut allen drei Sprachmodellen die Sperrung der Stra&szlig;e von Hormus verantwortlich sein. Wie eingangs bereits erw&auml;hnt, findet sich in vielen Medien mit gro&szlig;er Reichweite die Information, dass ein Drittel des globalen Handels mit D&uuml;ngemitteln beziehungsweise 40 Prozent des Handels mit Harnstoff normalerweise durch die derzeit vom Iran und von den Vereinigten Staaten gr&ouml;&szlig;tenteils blockierte Meerenge l&auml;uft. Doch diese Angaben halten einer &Uuml;berpr&uuml;fung anhand der Daten der FAO zum weltweiten Export von Kunstd&uuml;ngerprodukten nicht stand.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-06.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-06.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 6: Anteil Bahrain, Irak, Iran, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien, VAE am weltweiten Export von Kunstd&uuml;ngern in Prozent, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/www.fao.org\/faostat\/en\/#data\/RFN\">Food and Agriculture<\/a> Organization of the <a href=\"https:\/\/www.fao.org\/faostat\/en\/#data\/RFB\">United Nations<\/a><\/small><\/p><p>Der Transport durch die Stra&szlig;e von Hormus betrifft die Golfstaaten Bahrain, Irak, Iran, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate (VAE). Deren Anteil am internationalen Export f&auml;llt deutlich geringer aus, als in den Medien angegeben wird. Nimmt man alle D&uuml;ngemittel sowie auch einzelne Komponenten daf&uuml;r zusammen, betr&auml;gt der Anteil dieser L&auml;nder am weltweiten Handel gerade einmal sechs Prozent &ndash; der Anteil an der weltweiten Ausfuhr von Harnstoff nur knapp 18 Prozent.<\/p><p>Wahrscheinlich liegt der Fehler von <em>AFP<\/em>, &bdquo;Tagesschau&ldquo; und Co. darin, die Informationen nicht vollst&auml;ndig aus m&ouml;glichen Prim&auml;rquellen &uuml;bernommen zu haben. So steht in einem <a href=\"https:\/\/carnegieendowment.org\/emissary\/2026\/03\/fertilizer-iran-hormuz-food-crisis\">Beitrag<\/a> der US-Denkfabrik &bdquo;Carnegie Endowment for International Peace&ldquo;, dass &bdquo;etwa ein Drittel des weltweiten <strong>Seehandels<\/strong> mit D&uuml;ngemitteln&ldquo; [Hervorh. d. Verf.] normalerweise &uuml;ber die Stra&szlig;e von Hormus abgewickelt wird. Allein der Export der EU-Staaten von Kunstd&uuml;ngern und deren Bestandteilen hat 2023 gem&auml;&szlig; der Daten der FAO 13 Prozent des weltweiten Handels mit diesen Produkten betragen. Da die EU-L&auml;nder gr&ouml;&szlig;tenteils untereinander Handel betreiben, d&uuml;rften diese Mengen nicht &uuml;ber den Seeweg transportiert worden sein.<\/p><p>Lediglich das <em>Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)<\/em> schreibt in einem <a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/news\/wirtschaft\/blockierte-strasse-von-hormus-warum-jetzt-der-duenger-knapp-wird\">Beitrag<\/a>, dass &bdquo;rund ein Drittel der weltweit verschifften D&uuml;ngemittel&ldquo; die Stra&szlig;e von Hormus passiere. Allerdings hat sich auch in diesem Artikel ein Fehler eingeschlichen. So hei&szlig;t es dort im selben Satz, dass auch der Oman ein wichtiges Herkunftsland von D&uuml;ngemitteln sei. Das mag zwar stimmen, ein Blick auf <a href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/Oman\/@21.4191334,50.8589543,6z\/\">Google Maps<\/a> zeigt jedoch, dass die Industrieh&auml;fen des Landes nicht vor, sondern hinter der Meerenge liegen.<\/p><p><strong>Ausschlaggebende Ursache: die Krise selbst<\/strong><\/p><p>All die zuvor &uuml;berpr&uuml;ften m&ouml;glichen Faktoren m&ouml;gen zwar einen Einfluss auf die extremen Preisspitzen bei Kunstd&uuml;ngern gehabt haben, sind aber entweder nicht konsistent (wie bei Gas), nicht ausschlaggebend (wie beim Bedarf in Schwellenl&auml;ndern oder bei der Produktion von Biokraftstoffen) oder werden schlichtweg als &uuml;bertrieben dargestellt (wie bei der Sperrung der Stra&szlig;e von Hormus). Auch das von den Sprachmodellen angegebene Narrativ, die Preise von Kunstd&uuml;ngern h&auml;tten einen verz&ouml;gerten Effekt auf die Lebensmittelpreise, l&auml;sst sich nicht best&auml;tigen. Die Preisspitzen bei den Lebensmitteln verlaufen synchron mit denen bei den D&uuml;ngern.<\/p><p>Den k&uuml;nstlich &bdquo;denkenden&ldquo; Programmen kann man jedoch kaum einen Vorwurf machen, denn sie beziehen ihre Informationen wie wir Menschen aus Quellen im Internet und sie stellen keine eigenen Untersuchungen an &ndash; jedenfalls nicht ohne einen konkreten Auftrag. So ist es die FAO selbst, die <a href=\"https:\/\/www.fao.org\/agroecology\/in-action\/detail\/%27%27another-perfect-storm-%27%27\/en\">wiederholt<\/a> das Narrativ vom einem &bdquo;perfekten Sturm&ldquo; als Zusammenspiel verschiedener Faktoren als Grund f&uuml;r die Preisspitzen <a href=\"https:\/\/www.fao.org\/newsroom\/detail\/fao--protracted-strait-of-hormuz-crisis-could-turn-into-global-agrifood-catastrophe\/en\">verbreitet<\/a>. Was diese Quellen &ndash; auch bei der FAO &ndash; verschweigen, ist die eindeutige Korrelation der Preisspitzen bei Kunstd&uuml;ngern und Lebensmitteln mit dem &Ouml;lpreis f&uuml;r die Zeitr&auml;ume 2007\/2008, 2021\/2022 sowie ab M&auml;rz 2026.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-07.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-07.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 7: &Ouml;lpreis, Lebensmittelpreisindex, Kunstd&uuml;ngerpreisindex in US-Dollar bzw. Prozent, Datenquellen: <a href=\"https:\/\/www.macrotrends.net\/1369\/crude-oil-price-history-chart\">Macrotrends<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/research\/commodity-markets\">Weltbank<\/a><\/small><\/p><p>Dass hierf&uuml;r nicht allein die Transportkosten verantwortlich sein k&ouml;nnen, l&auml;sst sich an den Abweichungen zwischen den Verl&auml;ufen des &Ouml;lpreises und der D&uuml;nger- und Lebensmittelpreise abseits der Preisspitzen ablesen. Der eigentliche Grund f&uuml;r die Preisspr&uuml;nge d&uuml;rften daher die Krisen selbst sein. Panikk&auml;ufe aufgrund vermuteter zuk&uuml;nftiger Engp&auml;sse treiben die Preise ebenso kurzfristig nach oben wie Spekulationen von H&auml;ndlern, die ein Produkt in gro&szlig;en Mengen zu einem niedrigeren Preis kaufen, um es sp&auml;ter teurer zu verkaufen. Das f&uuml;hrt dann auch zu den darauffolgenden hohen Preisst&uuml;rzen, wenn der vermutete Mangel nicht eintritt. Dieses typische Marktverhalten im Rahmen einer globalen Krise erkl&auml;rt auch die Gleichzeitigkeit der extremen Anstiege und St&uuml;rze der Preise bei &Ouml;l, D&uuml;nger und Lebensmitteln.<\/p><p><strong>Auch &Ouml;lpreisschocks sind Folgen von Panikk&auml;ufen und Spekulation &ndash; ausgel&ouml;st durch globale Krisen<\/strong><\/p><p>Echte Engp&auml;sse bei der Produktion und dem Export von Kunstd&uuml;ngern &ndash; au&szlig;er bei Kalid&uuml;ngern 2009 &ndash; sowie bei der Nahrungsmittelproduktion hat es in der Vergangenheit nicht gegeben. Das belegen die Abbildungen 3 und 4. Gleiches zeigt sich auch beim Erd&ouml;l, wie eine Gegen&uuml;berstellung von &Ouml;lproduktion, &Ouml;lverbrauch und &Ouml;lpreis eindeutig belegt.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-08.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-08.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 8: &Ouml;lproduktion, &Ouml;lverbrauch und &Ouml;lpreis in Barrel pro Tag bzw. US-Dollar, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/www.energyinst.org\/statistical-review\">Energy Institute<\/a><\/small><\/p><p>Aufgrund eines verminderten Angebots plausibel nachvollziehbare Preisanstiege sind w&auml;hrend der beiden <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%96lpreiskrise\">&Ouml;lkrisen<\/a> in den 1970er-Jahren zu verzeichnen. Preisst&uuml;rze aufgrund mangelnder Nachfrage finden sich wiederum w&auml;hrend der Wirtschaftskrise 2009 &ndash; einer Folge der US-Finanzkrise 2007\/2008 &ndash; sowie zu Beginn der Corona-Krise als Folge der weltweiten Lockdowns.<\/p><p>Der starke Anstieg der &Ouml;lpreise nach 2003 geht offensichtlich auf das Konto der US-Regierung mit dem Einmarsch in den Irak, einem der wichtigsten &Ouml;lf&ouml;rderl&auml;nder der Welt. Nach einem tats&auml;chlichen Einbruch der irakischen &Ouml;lproduktion von knapp 800.000 Barrel pro Tag im Jahr 2003 d&uuml;rften Sabotageakte von Widerstandsorganisationen &ndash; im Westen vornehmlich als &bdquo;Terrororganisationen&ldquo; bezeichnet &ndash; in dem besetzten Land sowie US-Sanktionen gegen den Iran die Angst vor vermeintlichen Versorgungsengp&auml;ssen und damit die Preise angetrieben haben.<\/p><p>Die hohen &Ouml;lpreise zwischen 2010 und 2014 sind wiederum eine Folge des Arabischen Fr&uuml;hlings, der Erd&ouml;lf&ouml;rderl&auml;nder wie Libyen und Algerien ergriff und von westlichen Staaten f&uuml;r die Umsetzung eigener Interessen genutzt wurde. Beispielhaft daf&uuml;r waren 2011 die vornehmlich von den Vereinigten Staaten, Gro&szlig;britannien, Frankreich, Italien und Kanada durchgef&uuml;hrten Angriffe auf Libyen, um einen Regime Change in dem Land durchzuf&uuml;hren.<\/p><p>Bef&uuml;rchtungen um Knappheiten bei der &Ouml;lversorgung nach der einseitigen Aufk&uuml;ndigung des Atomabkommens durch die US-Regierung sowie die US-Sanktionen gegen Venezuela d&uuml;rften auch f&uuml;r die &Ouml;lpreisspitze im Jahr 2018 verantwortlich sein. Das direkte Eingreifen der russischen Armee in den ukrainischen B&uuml;rgerkrieg findet man h&auml;ufig als Grund f&uuml;r den &Ouml;lpreisschock im Jahr 2022. Geschichtlich Interessierte wissen jedoch, dass auch dieser Krieg durch westliche Provokationen mit verursacht wurde &ndash; von der vorgeschlagenen Aufnahme der Ukraine in die NATO auf dem Gipfel des Milit&auml;rb&uuml;ndnisses in Bukarest 2008 &uuml;ber die ma&szlig;gebliche Beteiligung der US-Regierung am Regime Change in Kiew 2014 bis hin zur Aufr&uuml;stung des Landes durch die NATO-Staaten.<\/p><p>Aktuell ist es der Angriffskrieg der USA und Israels auf den Iran, der die &Ouml;lpreise in neue Gipfelregionen st&uuml;rmen l&auml;sst. Aufgrund der Blockade der Stra&szlig;e von Hormus k&ouml;nnte der Preissprung tats&auml;chlich auf ein verknapptes Angebot zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sein.<\/p><p><strong>Vereinigte Staaten profitieren von den Krisen<\/strong><\/p><p>Zwar liest man in vielen Medien zu den Gr&uuml;nden der Preisspr&uuml;nge beim &Ouml;l in der Vergangenheit immer wieder, dass eine gestiegene Nachfrage in Schwellenl&auml;ndern und eine nicht nachkommende Produktion daf&uuml;r verantwortlich sein sollen. Doch dies ist aufgrund der konstanten Steigerung der &Ouml;lf&ouml;rderung &uuml;ber die vergangenen Jahrzehnte, wie sie in Abbildung 8 abzulesen ist, nicht plausibel.<\/p><p>Viel wahrscheinlicher ist, dass die von den USA verursachten und mitverantworteten globalen Krisen, die in den betroffenen L&auml;ndern zu erheblichen humanit&auml;ren Notlagen und zum Verlust von Menschenleben f&uuml;hren, Ausl&ouml;ser f&uuml;r die immer wieder auftretenden Preisspitzen sowohl beim &Ouml;l als auch bei Kunstd&uuml;ngern und Lebensmitteln sind. Der US-Wirtschaft schadet das kaum &ndash; im Gegenteil. Dem mittlerweile wieder gr&ouml;&szlig;ten &Ouml;lproduzenten der Welt nutzen die hohen Energiepreise der Produktion im eigenen Land. Da der US-amerikanische &Ouml;l- und Gasboom haupts&auml;chlich auf der aufwendigen F&ouml;rderung von Schiefer&ouml;l und Schiefergas beruht, sind hohe &Ouml;l- und Gaspreise sogar notwendig, um in der Konkurrenz mit anderen F&ouml;rderl&auml;ndern gewinnbringend produzieren zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Die USA schlagen mit ihren milit&auml;rischen und geheimdienstlichen Interventionen zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen verfolgen sie geopolitische Interessen wie die Aufrechterhaltung des Petrodollars oder die Kontrolle &uuml;ber die Energiefl&uuml;sse in der Welt. Zum anderen nutzen die dadurch entstehenden Preisspr&uuml;nge bei den Energiekosten der heimischen &Ouml;l- und Gasindustrie.<\/p><p><strong>Nicht &uuml;berall auf der Welt k&ouml;nnen Menschen h&ouml;here Preise f&uuml;r Lebensmittel kompensieren<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend die meisten Menschen in den reichen L&auml;ndern die Preisspr&uuml;nge ohne gro&szlig;e Verzichte ausgleichen k&ouml;nnen, sieht dies in den weniger entwickelten L&auml;ndern deutlich anders aus. Niemand verhungert in Deutschland, wenn 500 Gramm Nudeln mittlerweile das Doppelte kosten wie noch vor wenigen Jahren. In L&auml;ndern mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf von zum Teil weit unter 1.000 US-Dollar pro Jahr k&ouml;nnen derartige Preisspr&uuml;nge bei den Grundnahrungsmitteln dar&uuml;ber entscheiden, ob gro&szlig;e Teile der Bev&ouml;lkerung an Unterern&auml;hrung leiden oder gar sterben.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-09.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260522-montag-schwindel-09.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 9: Reales BIP pro Kopf weltweit und in ausgew&auml;hlten L&auml;ndern sowie &Ouml;lpreis in US-Dollar, Datenquellen: <a href=\"https:\/\/data.worldbank.org\/indicator\/NY.GDP.PCAP.KD\">Weltbank<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.energyinst.org\/statistical-review\">Energy Institute<\/a><\/small><\/p><p>W&auml;hrend das globale BIP &ndash; mit Ausnahme kurzzeitiger Krisen &ndash; in den letzten Jahrzehnten konstant gewachsen ist, ist es insbesondere in einigen L&auml;ndern, die Ziele milit&auml;rischer Angriffe der USA oder ihrer Verb&uuml;ndeten waren, gesunken. Hierzu geh&ouml;ren Afghanistan, Syrien und Jemen. Treffen derartige Wohlstandverluste auf h&ouml;here Lebensmittelpreise, ist die Hungerkrise vorprogrammiert. Zu den weiteren L&auml;ndern, in denen gro&szlig;e Teile der Bev&ouml;lkerung an Unterern&auml;hrung leiden, geh&ouml;ren Burkina Faso, Mali, Nigeria, die Demokratische Republik Kongo, Sudan, S&uuml;dsudan, Somalia, Tschad, Madagaskar, Myanmar und Haiti.<\/p><p>Wenn Organisation wie die Vereinten Nationen und gro&szlig;e Medienh&auml;user extreme Preisspr&uuml;nge bei D&uuml;ngern und Lebensmitteln immer wieder mit einer Gemengelage aus unterschiedlichen Faktoren erkl&auml;ren, tragen sie gewollt oder ungewollt dazu bei, die eigentliche ausschlaggebende Ursache &ndash; von den USA ausgel&ouml;ste und mitverantwortete Krisen &ndash; zu verheimlichen. Dieser Schwindel verhindert eine ernsthafte Bek&auml;mpfung der Unterern&auml;hrung. Der Widerstand gegen die Vereinigten Staaten k&ouml;nnte beispielsweise in einer &Auml;chtung und Verurteilung der US-amerikanischen Au&szlig;enpolitik auch durch enge Verb&uuml;ndete bis hin zu einem Boykott von US-Produkten bestehen.<\/p><p><small>Titelbild: Mahesh Bhavana Mohan \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/61a39242b2eb489dacda84f1ec7800fe\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derzeit steigen die Preise f&uuml;r Kunstd&uuml;nger und Lebensmittel aufgrund des Krieges gegen den Iran weltweit stark an. UN-Vertreter warnen daher vor vermehrt auftretenden Hungerkrisen. Bereits zweimal zuvor sind die Preise in den letzten 20 Jahren rapide angestiegen &ndash; w&auml;hrend der Finanzkrise 2007\/2008 sowie im Rahmen des Beginns des Krieges in der Ukraine 2021\/2022. 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