{"id":150857,"date":"2026-05-24T13:00:06","date_gmt":"2026-05-24T11:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150857"},"modified":"2026-05-22T13:29:24","modified_gmt":"2026-05-22T11:29:24","slug":"ein-ominoeser-montag-in-manila-oder-letzte-zufluchtsstaette-senat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150857","title":{"rendered":"Ein omin\u00f6ser Montag in Manila oder Letzte Zufluchtsst\u00e4tte Senat"},"content":{"rendered":"<p>Was sich da am Montag, dem 11. Mai 2026, in der philippinischen Hauptstadt Manila vor einer verdutzten &Ouml;ffentlichkeit &ndash; zumal live im TV &uuml;bertragen &ndash; zutrug, bot Stoff f&uuml;r eine Mixtur aus stupendem Politzirkus und einer Gaunerei miesester Sorte. Mit dem &ndash; nein: besser &ndash; <em>einem<\/em> vorl&auml;ufigen Resultat: Die oberste Kammer des philippinischen Kongresses, der Senat, verwandelte sich binnen weniger Stunden in einen Hort von kriminellen Halunken und bigotten Schurken. Eine ziemlich unheilige Pfingstposse in (vorl&auml;ufig) sechs Akten von <strong>Rainer Werning<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Bizarres B&uuml;hnenbild<\/strong><\/p><p>Worum ging es? Als am sp&auml;ten Nachmittag jenes 11. Mai im philippinischen Repr&auml;sentantenhaus der Hammer fiel, war das Endergebnis historisch: 257 Ja-Stimmen, 25 Nein-Stimmen und neun Enthaltungen. Nicht nur wurde die amtierende Vizepr&auml;sidentin Sara Duterte, die Tochter von Ex-Pr&auml;sident Rodrigo R. Duterte (2016 &ndash; 2022), zum zweiten Mal im Rahmen eines Amtsenthebungsverfahrens <em>(impeachment)<\/em> angeklagt. Allein die schiere Anzahl der Ja-Stimmen &ndash; weit mehr als die 215 bei dem gescheiterten Amtsenthebungsversuch von 2025 &ndash; stellte einen Rekord dar: die h&ouml;chste Zahl an Ja-Stimmen bei einer Amtsenthebung in der Geschichte der Philippinen.<\/p><p>F&uuml;r den Sinneswandel so vieler Abgeordneten d&uuml;rfte letztlich das Gewicht von Beweisen ausschlaggebend gewesen sein, die im Justizausschuss gegen Duterte vorgelegt wurden und allesamt unwidersprochen blieben, da die Vizepr&auml;sidentin und ihr Anwaltsteam sich weigerten, an dem Verfahren &uuml;berhaupt teilzunehmen. Der Justizausschuss kam aufgrund der Beweislage und Zeugenaussagen zu dem Schluss, dass sich Frau Duterte vier Amtsenthebungsgr&uuml;nden gegen&uuml;bersieht: Ihr wird vorgeworfen, geheime, ihrem Amt zugewiesene Gelder missbraucht, Beamte bestochen, Beschaffungsrichtlinien umgangen, unerkl&auml;rlichen Reichtum angeh&auml;uft und geplant zu haben, den amtierenden Pr&auml;sidenten Ferdinand &bdquo;Bongbong&ldquo; Marcos Jr., die First Lady Liza Araneta-Marcos und den ehemaligen Sprecher des Repr&auml;sentantenhauses, Martin Romualdez, ermorden zu lassen, falls sie selbst get&ouml;tet w&uuml;rde. Daraufhin wurde der 24-k&ouml;pfige Senat in Kenntnis gesetzt und ihm die entsprechenden Dokumente ausgeh&auml;ndigt, damit die Senatoren &ndash; nunmehr als Richter des Impeachment-Verfahrens &ndash; schnellstm&ouml;glich zu einem Urteilsspruch kommen, mit dem &uuml;ber das Schicksal der Vizepr&auml;sidentin endg&uuml;ltig entschieden wird.<\/p><p><strong>Erster Akt<\/strong><\/p><p>Der Senat war an jenem Montagabend allerdings ein anderer als noch am Morgen desselben 11. Mai. Da sind zun&auml;chst die amtierenden Senatoren, die in den im letzten Jahr aufgedeckten gr&ouml;&szlig;ten Hochwasserschutzskandal in der Geschichte der Philippinen verwickelt sind. Es handelt sich um Senator Joel Villanueva, Senator Francis Escudero und Senator Jinggoy Estrada. Dann gibt es die Geschwister-Senatoren Mark und Camille Villar, gegen die das Justizministerium wegen Marktmanipulation ermittelt, da es um eine massive &Uuml;berbewertung von Grundst&uuml;cken im Wert von 1,33 Billionen Peso (umgerechnet 18,524 Milliarden Euro!) geht, die einer der Immobilienfirmen ihrer Familie geh&ouml;ren. Hinzu kommt Senatorin Loren Legarda, deren Sohn, der Abgeordnete der s&uuml;dlich von Manila gelegenen Provinz Batangas, Leandro Leviste, wegen der Nichteinhaltung seiner Solarenergie-Verpflichtungen gegen&uuml;ber der Regierung mit einer Geldstrafe von 24 Milliarden Peso und der K&uuml;ndigung von Vertr&auml;gen durch das Energieministerium rechnen muss.<\/p><p>Diese Senatoren, gegen die (entweder gegen sie selbst oder gegen ihre Angeh&ouml;rigen) zivil- oder strafrechtliche Ermittlungen der Marcos-Regierung laufen, verb&uuml;ndeten sich im Laufe des 11. Mai just mit jenen Senatoren, die ohnehin als enge Duterte-Anh&auml;nger gelten, um durch einen Putsch den mit der Regierungspartei liierten Senatspr&auml;sidenten Vicente &bdquo;Tito&ldquo; Sotto III. zu st&uuml;rzen. Der Senat ist nunmehr unter der neuen F&uuml;hrung von Alan Peter Cayetano zu einem sicheren Hort f&uuml;r alle namhaften Politiker geworden, die tief im Morast von Skandalen, Bestechungsman&ouml;vern und Korruption stecken. Hauptprofiteur dieses Spektakels: Vizepr&auml;sidentin Sara Duterte samt ihrer politischen Klientel.<\/p><p><strong>Zweiter Akt<\/strong><\/p><p>Und dann ist da ein Senator namens Ronald &bdquo;Bato&rdquo; Dela Rosa. Der korpulente Kahlkopf diente dem Vater der Vizepr&auml;sidentin als erster Chef der <em>Philippinischen Nationalpolizei (PNP)<\/em> und war in dieser Funktion mitverantwortlich f&uuml;r den verheerenden &bdquo;Antidrogenfeldzug&ldquo; von Rodrigo R. Duterte, der laut nationalen wie internationalen Menschenrechtsorganisationen bis zu 30.000 Menschen das Leben kostete. F&uuml;r diese Taten und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sitzt der Ex-Pr&auml;sident seit bereits gut einem Jahr in Haft im niederl&auml;ndischen Scheveningen, wo der Den Haager <em>Internationale Strafgerichtshof (IStGH)<\/em> in B&auml;lde das Hauptverfahren gegen ihn er&ouml;ffnet.<\/p><p>Dela Rosa hatte sich monatelang versteckt und Senatssitzungen geschw&auml;nzt (bei fortgesetzt vollen Bez&uuml;gen), nachdem die Nachricht eines ebenfalls vom IStGH gegen ihn ausgestellten Haftbefehls erstmalig Ende 2025 durchgesickert war. Ausgerechnet den 11. Mai w&auml;hlte er f&uuml;r seine R&uuml;ckkehr &ndash; nicht etwa, um sich seinen Ankl&auml;gern zu stellen, sondern um eine Stimme abzugeben, die entscheidend daf&uuml;r war, dass Senatspr&auml;sident Sotto III. abgew&auml;hlt und somit die F&uuml;hrung der Kammer an Alan Peter Cayetano &uuml;bertragen wurde. Cayetano ist ein hartgesottener Fan der Familie Duterte und ward unter anderem Au&szlig;enminister des Ex-Pr&auml;sidenten.<\/p><p>Beide &ndash; Cayetano und Dela Rosa &ndash; sind daf&uuml;r bekannt, dass sie Menschenrechte ebenso &bdquo;sch&auml;tzen&ldquo; wie ihr fr&uuml;herer Boss. Gegen&uuml;ber dem Fernsehsender <em>Al Jazeera<\/em> bestritt Au&szlig;enminister Cayetano rundweg, dass Menschen im m&ouml;rderischen &bdquo;Antidrogenfeldzug&ldquo; buchst&auml;blich hingerichtet wurden. Nein, so Cayetano am 6. Oktober 2017 <a href=\"https:\/\/verafiles.org\/articles\/vera-files-fact-check-cayetano-rehashes-debunked-claims-al-j\">gegen&uuml;ber dem Interviewer Hasan Mehdi<\/a>, wenn darin Menschen ums Leben kamen, handelte es sich durchweg um Kriminelle, die als erste von einer Schusswaffe gegen staatliche &bdquo;Sicherheits&ldquo;kr&auml;fte Gebrauch gemacht h&auml;tten. Und Dela Rosa kommentierte kurz <em>&bdquo;shit happens&ldquo;<\/em>, wenn wieder einmal ein Kleinkind &bdquo;ein Kollateralschaden des Krieges gegen die Drogen&ldquo; wurde!<\/p><p><strong>Dritter Akt<\/strong><\/p><p>Am Abend des 11. Mai best&auml;tigte der Internationale Strafgerichtshof offiziell, dass er einen Haftbefehl gegen den ehemaligen Polizeichef Dela Rosa ausgestellt hatte. Der Haftbefehl war seit November letzten Jahres geheim gehalten worden. Nun war er &ouml;ffentlich. Das Gericht sah hinreichende Gr&uuml;nde f&uuml;r die Annahme, dass Dela Rosa im Zusammenhang mit den T&ouml;tungen w&auml;hrend des Drogenkriegs Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen habe. Er ist nunmehr der (nach Ex-Pr&auml;sident Duterte) zweite philippinische Amtstr&auml;ger, gegen den ein best&auml;tigter Haftbefehl des IStGH vorliegt.<\/p><p>Was auf die Enttarnung von Dela Rosa folgte, war ein b&uuml;hnenreifes Spektakel mit unbeabsichtigten Momenten, die an L&auml;cherlichkeit kaum zu &uuml;berbieten waren.<\/p><p><strong>Vierter Akt<\/strong><\/p><p>Der fr&uuml;here Polizeichef, der sich stets im Schatten seines G&ouml;nners und Schutzherrn Duterte als knallharter Macho geriert hatte, widersetzte sich anger&uuml;ckten Agenten des <em>National Bureau of Investigation (NBI)<\/em>, die den Haftbefehl vollstrecken wollten. Er habe, so Dela Rosa sp&auml;ter, sich losrei&szlig;en k&ouml;nnen und sich dabei an einem Finger verletzt. Danach sah man Dela Rosa durch die Korridore des Senats rennen, wo er mehrfach strauchelte, als er Treppen hinaufstieg. Doch anstatt verhaftet zu werden, wurde er just von den Kollegen, denen er zur Macht verholfen hatte, in &bdquo;Schutzgewahrsam&ldquo; des Senats genommen.<\/p><p>Die NBI-Agenten, die versuchten, den Haftbefehl zu vollstrecken, wurden wegen Missachtung des Senats angeklagt. Dela Rosa wurde der Vorsitz des Senatsausschusses f&uuml;r Drogen und &ouml;ffentliche Ordnung &uuml;bertragen &ndash; just jenes Ausschusses, dessen Mandat genau die Art von Polizeiverhalten abdeckt, &uuml;ber die derzeit in Den Haag verhandelt wird. Aus seinem B&uuml;ro im Senat, wo sich der Gesuchte zwischenzeitlich verschanzt hatte, rief er &uuml;ber <em>Facebook<\/em> die Bev&ouml;lkerung auf, sich zu mobilisieren und seine Auslieferung an den IStGH zu verhindern:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Ich appelliere an Sie, ich hoffe, Sie k&ouml;nnen mir helfen. Lassen Sie nicht zu, dass ein weiterer Filipino nach Den Haag gebracht wird.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Berichten zufolge soll sich Dela Rosa auch mit dieser Bitte direkt an Pr&auml;sident Marcos Jr. gewandt haben.<\/p><p><strong>F&uuml;nfter Akt<\/strong><\/p><p>Apropos &bdquo;Schutzgewahrsam&ldquo; des Senats. Dazu &auml;u&szlig;erte sich der versierte Jurist und Menschenrechtsanwalt Joel Ruiz Butuyan in seiner am 14. Mai im <em>Philippine Daily Inquirer<\/em> publizierten Kolumne wie folgt:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Es gibt absolut keine Bestimmung in unserer Verfassung oder in einem unserer Gesetze, die dem Senat die Befugnis einr&auml;umt, eine &sbquo;Schutzhaft&lsquo; anzuordnen, die seine Festnahme selbst innerhalb des Senats verhindern kann. Tats&auml;chlich ist das Argument, auf das sich die Verb&uuml;ndeten von Dela Rosa berufen, verworren. Sie behaupten, dass der IStGH nicht mehr f&uuml;r die Verhaftung von Dela Rosa zust&auml;ndig sei, da die Philippinen bereits aus dem IStGH ausgetreten seien. Und doch berufen sie sich auf das IStGH-Statut selbst (insbesondere Artikel 59 des R&ouml;mischen Statuts), das ihrer Meinung nach die Anrufung eines lokalen Gerichts als Voraussetzung f&uuml;r die Vollstreckung eines Haftbefehls des IStGH vorschreibt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Und Butuyan f&auml;hrt fort:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Es besteht keine Notwendigkeit, bei der Vollstreckung eines Haftbefehls des IStGH ein lokales Gericht anzurufen, da wir &uuml;ber ein innerstaatliches Gesetz verf&uuml;gen, den Republic Act Nr. 9851, der den philippinischen Beh&ouml;rden das Ermessen einr&auml;umt, &sbquo;eine beschuldigte Person auf den Philippinen an das zust&auml;ndige internationale Gericht zu &uuml;berstellen&lsquo;, wenn dieses &sbquo;internationale Gericht bereits die Ermittlungen durchf&uuml;hrt oder die Strafverfolgung eines solchen Verbrechens &uuml;bernimmt&lsquo;. Auch der IStGH selbst hat bereits entschieden, dass die Anrufung eines lokalen Gerichts keine zwingende Voraussetzung f&uuml;r die Vollstreckung eines Haftbefehls des IStGH ist (&hellip;).&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Das Fazit des Juristen:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Der Haftbefehl des IStGH wirft Dela Rosa mindestens 32 Morde zwischen Juli 2016 und April 2018 vor, einem Zeitraum, in dem die Philippinen noch Mitgliedstaat des IStGH waren. Wie unser Oberster Gerichtshof rechtskr&auml;ftig best&auml;tigt hat, beh&auml;lt der IStGH die Zust&auml;ndigkeit f&uuml;r Handlungen, die Dela Rosa begangen hat, w&auml;hrend die Philippinen noch Mitgliedstaat des IStGH waren.&ldquo; (Anm. RW: Die w&auml;hrend der Amtszeit von Pr&auml;sident Duterte erkl&auml;rte Terminierung des R&ouml;mischen Statuts und damit der Austritt aus dem IStGH wurde erst am 17. M&auml;rz 2019 rechtskr&auml;ftig.)<\/p><\/blockquote><blockquote><p>&bdquo;F&uuml;r die Familien der Opfer des Drogenkriegs brachte der Montag eine seltsame Mischung aus Hoffnung und Herzschmerz mit sich. Hoffnung, weil das Gericht weiterhin nach Gerechtigkeit strebt &ndash; die Rechenschaftspflicht endet nicht bei dem Mann an der Spitze. Herzschmerz, weil die Institution, die eigentlich das Gesetz durchsetzen sollte, den Nachmittag damit verbrachte, einen der M&auml;nner, hinter denen das Gesetz her ist, sch&uuml;tzend zu umarmen&ldquo;,<\/p><\/blockquote><p>schrieb der Menschenrechtsaktivist und Publizist Carlos Conde am 12. Mai. N&uuml;chtern konstatiert er:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Manche Institutionen versagen langsam. Der philippinische Senat entschied sich am 11. Mai 2026 daf&uuml;r, vor aller Augen zu versagen &ndash; lautstark, dreist und vor laufenden Kameras. Was als N&auml;chstes geschieht, wird alles dar&uuml;ber aussagen, ob dieses Land noch daran glaubt, dass Gerechtigkeit etwas bedeutet. Der Senat hat bereits gezeigt, wo er steht.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Die Kolumnistin Iris Gonzales schrieb am 14. Mai im <em>Philippine Star<\/em>:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Der Coup am Montag sollte Vizepr&auml;sidentin Sara Duterte sch&uuml;tzen, die nun den Rekord h&auml;lt, zweimal angeklagt worden zu sein. Und doch kann man in unserer Senats-Bananenrepublik wohl mit Sicherheit sagen, dass das Amtsenthebungsverfahren gegen sie bereits vorbei ist, bevor es &uuml;berhaupt begonnen hat. (&hellip;) Laut Quellen geh&ouml;rte es zu den Pl&auml;nen des Pro-Duterte-Lagers, den Senat daran zu hindern, als Amtsenthebungsgericht zu tagen. Offensichtlich wurde das Marcos-Lager ausgenutzt, und zwar sehr geschickt. Das ist letztlich das Ergebnis, wenn ein Pr&auml;sident sein gesamtes politisches Kapital verloren hat. Kurz gesagt: Er ist zu einer Lame Duck (lahmen Ente &ndash; RW) geworden. Und nach dem zu urteilen, wie sich die Dinge im Senat entwickelt haben, l&auml;sst sich nicht mit Sicherheit sagen, ob Marcos Jr. seine Amtszeit (bis Ende Juni 2028 &ndash; RW) zu Ende bringen kann. Wie der Vater, so der Sohn? Wird sich die Geschichte wiederholen?&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Sechster (und vorl&auml;ufig letzter) Akt<\/strong><\/p><p>Am Mittwochabend, dem 13. Mai, hallten pl&ouml;tzlich Sch&uuml;sse im Senatsgeb&auml;ude, wo sich Dela Rosa in seinem B&uuml;ro noch immer verschanzt hielt &ndash; protegiert von seinen engsten Pro-Duterte-Kumpanen. Ein sichtlich genervter und vor Wut schnaubender Cayetano erschien wenig sp&auml;ter vor einem Pulk von Reportern und Fotojournalisten, um zu verk&uuml;nden, der Senat sei unter Beschuss geraten und angegriffen worden. Zu dem Zeitpunkt wusste niemand Genaueres &uuml;ber die Schie&szlig;erei, bis sich herausstellte, dass darin der Ordnungsbeauftragte des Senats, der pensionierte Generalmajor der Polizei Mao Aplasca und Kumpel Dela Rosas aus gemeinsamen Tagen an der <em>Philippinischen Milit&auml;rakademie<\/em>, involviert war. Auf jeden Fall ward ab den fr&uuml;hen Morgenstunden des 14. Mai kein Ronald &bdquo;Bato&ldquo; Dela Rosa mehr im Senatsgeb&auml;ude auffindbar; seitdem ist er fl&uuml;chtig. Hartn&auml;ckig halten sich die Ger&uuml;chte, dass der neue Senatspr&auml;sident Cayetano nicht nur Dela Rosa vor seinem pl&ouml;tzlichen Auftauchen lange versteckt gehalten, sondern ihm nunmehr auch noch auf direkte oder indirekte Weise zur Flucht verholfen hatte.<\/p><p>Ana Marie Pamintuan, Chefredakteurin des <em>Philippine Star<\/em>, schrieb am 15. Mai verbittert:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Dieses widerw&auml;rtige Spektakel im Senat, inklusive Gewehrsch&uuml;sse, die offensichtlich als Ablenkungsman&ouml;ver dienten, w&auml;re zum Lachen, wenn wir nicht die h&auml;sslichen Folgen dieses Witzes zu sp&uuml;ren bek&auml;men. Zu viele Mitglieder sowohl des Senats als auch des Repr&auml;sentantenhauses haben sich &uuml;ber das Gesetz gestellt, sich mit Privilegien umgeben, die nur durch ihre eigene Vorstellungskraft begrenzt sind, und pl&uuml;ndern systematisch und ungestraft die Staatskasse. Gew&ouml;hnliche Menschen fragen sich gegenseitig: Wollen Sie, dass Ihre Kinder und Enkelkinder in einem solchen Land aufwachsen? Gef&auml;llt den j&uuml;ngeren Generationen, was um sie herum geschieht? Sind sie stolz darauf, Filipinos zu sein? Der Senat ist zu einer nationalen Schande geworden.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Epilog oder Tiefverwurzelte feudale Gesinnung<\/strong><\/p><p>Am 4. Juli zelebriert die Republik der Philippinen den 80. Jahrestag ihres Bestehens &ndash; nach Jahrhunderten als zun&auml;chst spanische und sodann US-amerikanische Kolonie. Ein Ausdruck des spanischen Erbes, das der philippinischen Bourgeoisie beziehungsweise ihren politischen Repr&auml;sentanten &ndash; im Volksmund kurz <em>&bdquo;trapos&ldquo;,<\/em> traditionelle Politiker, genannt, was im Spanischen &bdquo;Schmierlappen&ldquo; bedeutet &ndash; zutiefst zu eigen ist, ist die kastilische Grandezza, mit der Wohlstand und Reichtum ostentativ zur Schau gestellt werden. Hinzu gesellt sich ein vorwiegend r&ouml;misch-katholisches Verm&auml;chtnis, das sich allerdings h&auml;ufig weniger als frommer Glaube denn als bigotte Darbietung entpuppt. Die Welt der &bdquo;trapos&ldquo; ist ein hermetisch abgeriegelter Kosmos, der &ndash; den Volksmassen entr&uuml;ckt &ndash; ein <em>magisches Dreieck aus Amnesie, Amnestie und Impunity (Straffreiheit)<\/em> bildet, in dem sich die in Gestus und Habitus feudal gesinnte Elite des Landes &ndash; zusammengesetzt aus (den weltweit dichtesten) Familiendynastien, politischen Clans und geschmeidigen klientelistischen Netzwerken &ndash; wohlig eingenistet hat. Auf Kosten der Masse der Filipinos, die mit grassierender Armut, hoher Inflation, Landhunger, Marginalisierung und staatlicher Repression konfrontiert bleiben.<\/p><p><strong><em>Anmerkung<\/em><\/strong><\/p><p>Als Quellen f&uuml;r diesen Beitrag dienten diverse Ausgaben der philippinischen Tageszeitungen <em>Philippine Daily Inquirer, Philippine Star, Manila Standard<\/em> in der Woche vom 12. bis zum 18. Mai, das Online-Magazin <em>Rappler<\/em> sowie Blogbeitr&auml;ge landesweit bekannter Publizisten wie Eirene Aguila, Gigo Alampay, Carlos Conde, Jose Edmund Guillen und Inday Espina-Varona.<\/p><p>Ausf&uuml;hrlich zum Clinch zwischen den verbittert verfeindeten politischen Lagern der <em>Marcoses<\/em> und <em>Dutertes<\/em> siehe: Rainer Werning\/J&ouml;rg Schwieger (Hrsg.): <a href=\"https:\/\/mediashop.at\/buecher\/von-marcos-zu-marcos\/\"><em>Von Marcos zu Marcos: Die Philippinen seit 1965<\/em><\/a>. Wien 2025: Promedia Verlag<\/p><p><small>Titelbild: em_concepts\/shuttestock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was sich da am Montag, dem 11. Mai 2026, in der philippinischen Hauptstadt Manila vor einer verdutzten &Ouml;ffentlichkeit &ndash; zumal live im TV &uuml;bertragen &ndash; zutrug, bot Stoff f&uuml;r eine Mixtur aus stupendem Politzirkus und einer Gaunerei miesester Sorte. Mit dem &ndash; nein: besser &ndash; <em>einem<\/em> vorl&auml;ufigen Resultat: Die oberste Kammer des philippinischen Kongresses, der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150857\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":86992,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,127],"tags":[2183,374,1440,930,3228,1971,309,2490,3453],"class_list":["post-150857","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-landerberichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","tag-duterte-rodrigo","tag-eliten","tag-internationaler-strafgerichtshof","tag-justiz","tag-marcos-jr-ferdinand","tag-philippinen","tag-repressionen","tag-staatsterrorismus","tag-strafverfolgung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/shutterstock_1990540664.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150857","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=150857"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150857\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":150871,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/150857\/revisions\/150871"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/86992"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=150857"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=150857"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=150857"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}