{"id":151038,"date":"2026-05-28T15:00:49","date_gmt":"2026-05-28T13:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151038"},"modified":"2026-05-27T07:39:45","modified_gmt":"2026-05-27T05:39:45","slug":"leserbeitraege-erinnerungen-gegen-den-krieg-aufruf-zum-8-mai-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151038","title":{"rendered":"Leserbeitr\u00e4ge \u201eErinnerungen gegen den Krieg\u201c &#8211; Aufruf zum 8. Mai (11)"},"content":{"rendered":"<p>Anl&auml;sslich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150104\">hier<\/a> unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindr&uuml;cke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden. Wir bedanken uns von Herzen f&uuml;r die vielen und ber&uuml;hrenden Beitr&auml;ge!<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8907\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-151038-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260526_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_11_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260526_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_11_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260526_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_11_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260526_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_11_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=151038-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260526_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_11_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260526_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_11_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Hier k&ouml;nnen Sie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150403\">ersten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150464\">zweiten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150486\">dritten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150605\">vierten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150632\">f&uuml;nften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150671\">sechsten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150740\">siebenten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150816\">achten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150812\">neunten Teil<\/a> sowie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150802\">zehnten Teil<\/a> der Zusendungen unserer Leser nachlesen.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Ein Wahnsinn, so viele Menschen schutzlos ins Feuer zu jagen<\/strong><\/p><p>Sehr geehrtes Team der NachDenkSeiten,<\/p><p>Ich selber bin Jahrgang 1959 und bei uns waren der Krieg und die Vertreibung h&auml;ufiges Thema. Mein Vater wurde mit 18 Jahren am 18. Februar 1945 mehrfach verwundet und hat dieses Geschehen schriftlich festgehalten. Ich gebe es hier gek&uuml;rzt wieder, der Text ist trotzdem noch relativ lang, aber so ein das ganze Leben &uuml;berschattendes Ereignis kann man wohl nicht viel k&uuml;rzer fassen. (&hellip;)<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nBarbara Bieberle<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Vorweg: ich bin auf fast seltsam gl&uuml;ckliche Weise damals dem Schlachtfeld entkommen.<\/p>\n<p>Am fr&uuml;hen Morgen des 18. Februar begann der Gro&szlig;angriff der Russen auf unsere Stellungen mit einem Trommelfeuer. Unsere Hauptkampflinie bestand aus einzelnen Panzerdeckungsl&ouml;chern, die &uuml;berwiegend von einzelnen M&auml;nnern besetzt waren, ich war auch allein im Deckungsloch. Wir waren vom Gegner gut einsehbar, denn unsere Verteidigungslinie war am Hang einer freien Anh&ouml;he und an Tarnung war wegen des R&uuml;ckzugs nicht zu denken.<\/p>\n<p>Das Trommelfeuer hatte mich mit Erdregen eingedeckt und ich habe es betend gut &uuml;berstanden. Die Totenstille wurde vom Gebr&uuml;ll der russischen Infanterie j&auml;h unterbrochen, die zum Sturmangriff angetreten waren.<\/p>\n<p>Unsere Abwehr begann z&ouml;gerlich wegen knapper Munition. Es war schrecklich anzusehen, wie Maschinengewehrsalven Teile der dunklen Menschenwalze zu Boden m&auml;hten. Ein Wahnsinn, so viele Menschen schutzlos ins Feuer zu jagen, und wir mussten uns wehren, zu unserem Schutz. Hier wie dort hatten die Menschen Angst um ihr Leben. <\/p>\n<p>Diese Schrecken des Krieges m&uuml;ssen immer wieder den Menschen deutlich machen, dass in Zukunft mit allen Mitteln ein Krieg verhindert werden muss. Der Anspruch auf angemessene Verteidigung sollte erhalten bleiben, um wahnsinnigen Machthungrigen, die r&uuml;cksichtslos angreifen wollen, entgegentreten zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Der Angriff stoppte erstmal, weil wohl unser Widerstand zu gro&szlig; war, doch dann rollten mit hoher Geschwindigkeit pl&ouml;tzlich Russenpanzer in breiter Front voran. Dies war ein unsagbar erschreckender Moment. Wie durch ein Wunder teilten sich die Panzerwellen und &uuml;berrollten nicht unsere Anh&ouml;he, sondern durchbrachen links und rechts die Stellungen anderer Einheiten. Um die Situation besser beurteilen zu k&ouml;nnen, blickte ich kurz mehrfach aus der Deckung und ich wurde sofort unter Infanteriebeschu&szlig; genommen. Ein Schu&szlig; traf den Oberrand der Deckung und ich sackte zusammen und dachte &bdquo;jetzt ist es aus&ldquo;. <\/p>\n<p>Ich merkte, dass Blut von der rechten Halsseite flo&szlig;, mein rechter Arm schmerzte und ich konnte ihn nicht bewegen. Nach einiger Zeit hatte ich mich gesammelt und &uuml;berlegte, wie ich das Loch verlassen k&ouml;nnte. Ein Blick nach drau&szlig;en lie&szlig; mir den Atem stocken, in Wurfweite kam eine Gruppe Rotarmisten auf mich zu. <\/p>\n<p>In meiner Abwehrreaktion ri&szlig; ich das Gewehr hoch und dr&uuml;ckte linksh&auml;ndig ab. Die Kugel landete vor mir im Boden. Das erschreckte die Russen so, dass sie auf der Stelle zur&uuml;ckliefen.<\/p>\n<p>Der Gewehrschu&szlig; hatte mich also vorerst gerettet. Sp&auml;ter, wenn ich dar&uuml;ber nachdachte, dann bleibt mir bis heute unerkl&auml;rlich, warum die Russen nicht einfach weiter auf mich zugingen. Ich h&auml;tte nicht mehr schie&szlig;en k&ouml;nnen, es blieb nur das Ergeben, aber ich konnte nicht beide Arme heben.<\/p>\n<p>Als ich mich wieder hochreckte, konnte ich sehen, wie der linke Fl&uuml;gel unserer Kompanie angegriffen wurde. Das war auch mein Moment und ich verlie&szlig; das Deckungsloch, die letzten Meter kriechend bis zum Hinterhang blieb ich dabei unverletzt. Dieser Hang endete in einem kleinen Tal mit unserem Gefechtsstand.<\/p>\n<p>Da mir meine Waffe beim Kriechen aus der Hand gerutscht war, mu&szlig;te ich mir eine harte R&uuml;ge vom Leutnant anh&ouml;ren. Hier im Kessel gab es nur Hiobsbotschaften, allseits war ein Schreien und Rufen verwundeter Soldaten. Ich bekam ein Pflaster auf die Halswunde, der lahme Arm interessierte nicht, ein MG-Gurt wurde mir umgeh&auml;ngt und ein Gewehr in die Hand gedr&uuml;ckt und der Befehl lautete: &bdquo;Kompaniegefechtsstand links verteidigen.&ldquo;<\/p>\n<p>Ich trottete also nach links und legte mich unter einen Baum. Ganze drei Patronen konnte ich nur m&uuml;hevoll mit einer Hand aus dem MG-Gurt entnehmen und der Gedanke war da: Es geht zu Ende, eine Verteidigung ist kaum m&ouml;glich. Die Russen konnten jeden Augenblick weiter angreifen. Zu meiner Seite legte sich ein Regimentsmelder mit einer MP, das machte mich ein wenig zuversichtlicher. Selbst h&auml;tte ich mich linksh&auml;ndig nicht verteidigen k&ouml;nnen. Es war einfach trostlos. Das sp&uuml;rte man zutiefst, das blieb bis heute so eingepr&auml;gt.<\/p>\n<p>Die Panzer brummten von allen Seiten, im Niemandsland vor uns bewegte sich m&uuml;hsam ein verletzter Kamerad. Nach kurzem Bedenken, schlie&szlig;lich waren die Russen in n&auml;chster N&auml;he, entschieden wir uns, ihn zu holen, obwohl ich nur eine Hand gebrauchen konnte. <\/p>\n<p>Heute frage ich mich, geschah das, fast instinktm&auml;&szlig;ig, als Ausdruck von Kameradschaft oder weil es sowieso f&uuml;r uns in diesem Tal zu Ende ging, oder war es vielleicht doch die Hoffnung auf guten Ausgang?<\/p>\n<p>Wir waren nach einigen Anl&auml;ufen beim verwundeten Kameraden heil angekommen. Er hatte einen Kniedurchschu&szlig;, eine sehr schmerzhafte Verletzung. Wir zogen ihn meterweise, jeder an einer Hand, &uuml;ber den gefrorenen Acker. Die Russen hatten unsere Bewegungen bemerkt und schossen verst&auml;rkt mit Granatwerfern. Dann traf die Granate. Danach ein Tasten nach meinem linken Bein, es war noch dran und von irgendwoher kam im Befehlston: &bdquo;Rette sich, wer kann!&ldquo; Der letzte Befehl, man war auf sich allein gestellt und meine Eigenverantwortung sagte mir, alles versuchen, um nicht den Russen als Verletzter in die H&auml;nde zu fallen.<\/p>\n<p>So kam ich kriechend an den hinteren Waldrand, wo mich zwei Kameraden in ihre Mitte nahmen und durch einen Hohlweg schleppten, w&auml;hrend in der N&auml;he die Befehle der Russen und ihre Panzer zu h&ouml;ren waren.<\/p>\n<p>Welch ein Gl&uuml;ck ich hatte, vermochte ich erst dann richtig zu erfassen, als mir ein Arzt meinen Stahlhelm zeigte, der von innen nach au&szlig;en von zwei Granatsplittern durchl&ouml;chert war und mein Kopf hatte dabei nichts abbekommen. Meine Brieftasche im Stiefelschaft war von einem ca. 5 cm l&auml;nglichen Splitter durchstanzt, und dadurch wurde eine Knochenverletzung verhindert und ich konnte deshalb davonkriechen.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Am Schluss noch zwei Gedanken, die ihm anscheinend besonders wichtig waren:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich will vor allem damit sagen, solange man sich selbst helfen kann, darf man nicht hoffnungslos verharren. Wir m&uuml;ssen immer wieder nachdenken, wie kann ich Kriege verhindern, denn wenn sie ausbrechen, dann wird befehlsm&auml;&szlig;ig beiderseits scharf geschossen.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Schwach erinnere ich mich an die Ruine, in der meine Mutter und meine zwei Br&uuml;der lebten<\/strong><\/p><p>Als Geburtsjahrgang Oktober 1943, wurde meine Familie 1945 im Ammerland (Edewecht) ausgebombt. Schwach erinnere ich mich an die Ruine, in der meine Mutter und meine zwei Br&uuml;der lebten, bis wir 1950 von meinem Vater ins zerbombte Kiel geholt wurden. Dort lernte ich Eisschollen fahren auf den vollgelaufenen Bombentrichtern.<\/p><p>Noch in Edewecht wurde ich mit der Lebensmittelkarte in den Kaufmannsladen geschickt, um grammweise Lebensmittel zu holen, das N&ouml;tigste wurde jedoch auf Hamsterfahrten besorgt &ndash; gegen Tee.<\/p><p>Mein Onkel Rudi Menzel, Orthop&auml;diemechaniker in Westerstede, arbeitete in seiner Werkstatt f&uuml;r die reichlich vorhandenen Kriegsversehrten und fertigte Prothesen aller Art. Auch in seiner Freizeit widmete er sich diesen Versehrten und trieb Versehrtensport. Diese Menschen tauchen in keinen Dokumenten auf, wie ebenfalls mein Onkel Fritz, der 1943 &ndash; 8 Tage nach meiner Geburt &ndash; in Saporosche fiel. 18 Jahre alt, der j&uuml;ngste Sohn der Familie meines Gro&szlig;vaters.<\/p><p>Ich wundere mich noch heute, dass ausgerechnet das Symbol f&uuml;r deutschen Militarismus noch immer steht (Brandenburger Tor). Ein Wallfahrtsort f&uuml;r Revanchisten, welche heute wieder meinen, mit Krediten auf Kosten der deutschen Bev&ouml;lkerung Russland in die Knie zwingen zu k&ouml;nnen. Eine Atommacht, welche keinen Moment z&ouml;gern wird, Deutschland in Schutt und Asche zu legen, sollte es nach Napoleon, Kaiser Wilhelm und Adolf Hitler einer Horde rachs&uuml;chtiger Politiker auch nur ansatzweise gelingen, die Grenzen Russlands zu &uuml;berschreiten!<\/p><p>(&hellip;)<\/p><p>Mfg<br>\nHolger Schuldt<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Kriegst&uuml;chtig <\/strong><\/p><p>Liebe NachDenkSeiten, <\/p><p>Gr&uuml;&szlig;e aus G&ouml;ttingen zuvor, Dank f&uuml;r Ihre Arbeit und dazu von mir Erinnerungen gegen den Krieg im Anhang.<\/p><p>Alles Gute f&uuml;r Ihre Arbeit w&uuml;nscht <\/p><p>Hartwig Hohnsbein<\/p><p>Ein fast vergessenes Wort soll Deutschland wieder erobern: &bdquo;Kriegst&uuml;chtig&rdquo;. Vor drei Jahren, also vor einer vielbeschworenen Zeitenwende, h&auml;tte dieses Wort gute Chancen gehabt, das Unwort des Jahres zu werden; jetzt soll es ein Friedenswort sein, stammt sein Wiederentdecker, ein Herr Pistorius, doch aus der &bdquo;Friedensstadt Osnabr&uuml;ck&rdquo;.<\/p><p>Mir selbst, der ich als &bdquo;Vorkriegskind&rdquo; geboren wurde, ist jenes Wort und die Sache, die es beschreibt, n&auml;mlich t&uuml;chtig zu sein f&uuml;r den Krieg, f&uuml;r die Bereitschaft zu schie&szlig;en, zu t&ouml;ten und get&ouml;tet zu werden, sp&auml;testens seit dem Sommer 1944 &uuml;beraus vertraut gemacht worden, im Gegensatz zu dem Herrn Pistorius, der damals noch nicht leben musste.<\/p><p>Damals also, w&auml;hrend des Krieges, wuchs ich in Neubrandenburg (Ostmecklenburg) auf. Die Stadt hatte durch die NS-Politik der Aufr&uuml;stung &ndash; sprich: Kriegst&uuml;chtigkeitsmachung &ndash; erheblich an Gewicht gewonnen: <\/p><p>Hier wurden nach 1933 ein Milit&auml;rflughafen (Trollenhagen), Panzerkasernen, eine Torpedoversuchsanstalt sowie das Kriegsgefangenenlager &bdquo;F&uuml;nfeichen&rdquo; eingerichtet. Nach dem gescheiterten Aufstand gegen das NS-Regime am 20. Juli 1944 brach hier ein nicht enden wollender Jubel aus, als bekannt wurde, dass die Schl&uuml;sselfigur bei der Niederschlagung des Aufstandes der Kommandeur des Wachbataillons &bdquo;Gro&szlig;deutschland&rdquo;, Otto Ernst Remer, ein Neubrandenburger war. Er wurde nun &bdquo;von der NS-Propaganda zur Galionsfigur&rdquo; gemacht, zu einem Vorbild an Kriegst&uuml;chtigkeit f&uuml;r den &bdquo;F&uuml;hrer&rdquo;. <\/p><p>Auf dem Schulhof und in der Freizeit hie&szlig; es nun: &bdquo;Was k&ouml;nnen auch wir f&uuml;r den F&uuml;hrer tun?&rdquo; So &uuml;bten wir spielend, wie man schie&szlig;t, die Panzerfaust bedient, Panzersperren baut und damit zum Endsieg beitr&auml;gt und auch zu einem &bdquo;Helden&rdquo; wird. <\/p><p>Ein &auml;lterer Sch&uuml;ler, der schon in der HJ war, zeigte uns Acht-\/Neunj&auml;hrigen, wie man auch hinter der Front den Feind durch Brandlegung besiegen kann. Er war es auch, der mich noch am Mittag des 28. Aprils (1945) zur Innenstadt mitnahm, um zu sehen, ob die Panzersperren fertig waren, sodass die Stadt dort &bdquo;bis zum letzten Blutstropfen&rdquo; verteidigt werden konnte.<\/p><p>Am Abend mussten wir die Stadt verlassen. Wir &uuml;bernachteten in einem Wald auf einem offenen Wehrmachtslaster. Zwei Babys waren mit in unserem Nachtlager; sie schrien unaufh&ouml;rlich, sie waren ja noch nicht kriegst&uuml;chtig gemacht worden. Deshalb wies ein Soldat sie zurecht: &bdquo;Das geht hier aber nicht, euer Schreien. Wir sind hier im Kriegsgebiet. Jeder Laut kann uns verraten.&rdquo; Ein anderer Soldat hatte Rum f&uuml;r sie zum Trinken. Das wollten ihre M&uuml;tter nicht. Der kriegst&uuml;chtige Soldat wusste: &bdquo;Wenn sie ihren Rum nicht trinken, m&uuml;ssen wir alle sterben, ganz Deutschland auch.&rdquo;<\/p><p>Am n&auml;chsten Morgen, dem 29. April, wurden wir Fl&uuml;chtlinge in Gruppen eingeteilt und in Richtung Westen geschickt. Unser Gruppenf&uuml;hrer in abgeschabter blauer Eisenbahneruniform war wohl wegen seines Alters nicht mehr kriegst&uuml;chtig. Er hielt eine kurze Ansprache; &bdquo;Wenn Jabos (Jagdbomber) kommen &ndash; in die B&uuml;sche werfen.&rdquo; Los ging&lsquo;s. <\/p><p>Kurz danach blieb er stehen, zeigte auf zwei Panzer, die auf uns zusteuerten, und lie&szlig; ein wei&szlig;es Laken hissen, worauf sich die Panzer, russische Panzer, von uns abkehrten. Das war von ihm zwar gegen den Willen der NS-Verf&uuml;gungen gehandelt, also kriegsunt&uuml;chtig, uns aber rettete er das Leben. Kurz danach hielt neben uns ein &bdquo;K&uuml;belwagen&rdquo;, in dem neben dem Fahrer ein hochdekorierter Offizier sa&szlig;. Er befahl der Gruppe, aus dem Kriegsgebiet zu verschwinden, und nahm &bdquo;die Frau mit den beiden kleinsten Kindern&rdquo; in sein Auto. Das war unsere Familie. <\/p><p>Er erkl&auml;rte uns dann, er m&uuml;sse noch einige &bdquo;Gefechtsst&auml;nde&rdquo; anfahren. Dort sahen wir, wie er die Besatzung anwies und immer in Richtung Nordost, also Neubrandenburg, zeigte. Nachdem er die Soldaten vor ihrem Einsatz noch einmal richtig kriegst&uuml;chtig gemacht hatte, fuhren wir mit ihm noch eine Zeitlang durchs Gel&auml;nde. Schlie&szlig;lich erreichten wir eine Hauptstra&szlig;e, wo er einen Wehrmachtslaster anhielt, uns aussteigen lie&szlig; und uns nachrief: &bdquo;Nach Wismar&rdquo;. <\/p><p>Heute wei&szlig; ich, dass dieser Oberkriegst&uuml;chtigmacher der Kommandeur der 281. Infanteriedivision, der Ritterkreuztr&auml;ger Anton Schmid war, der Neubrandenburg verteidigen sollte. Im Netz findet sich der Hinweis, dass er am selben Tag noch, als er uns auslud, in &bdquo;Weitin&rdquo;, gestorben sei. Ein anderer Hinweis im &bdquo;Tagebuch der 2. Belorussischen Front&rdquo; wei&szlig;, dass Schmid einige Kilometer weiter, an der Zirzower M&uuml;hle, &bdquo;seine Uniform samt Orden im Teich versenkte und in einem Zivilanzug&rdquo; verschwand. Auch andere entzogen sich der Kriegst&uuml;chtigkeit, um zu &uuml;berleben. In Malchin sahen wir, wie etliche Soldaten ihre Uniformen in einem gro&szlig;en Feuer verbrannten. F&uuml;r sie galt nicht mehr, was wir auf einer Mauer lesen konnten: &bdquo;Die Panzerfaust und deutsche Landser sind st&auml;rker als die roten Panzer&rdquo;. Andere wiederum glaubten diesem Schwindel immer noch. Ich h&ouml;rte, wie einige sagten: &bdquo;Wir wollen nach Wismar und dort mit den Tommies gegen die Russen k&auml;mpfen.&rdquo; Das war am 2. Mai 1945.<\/p><p>Einige Tage sp&auml;ter endete in Europa der Zweite Weltkrieg, den Deutschland 1939 als Vernichtungskrieg mit &uuml;ber 60 Millionen Toten in die Welt gebracht hatte. Im Sinne des &bdquo;Schwurs von Buchenwald&rdquo; hie&szlig; es nun: &bdquo;Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg&rdquo;. <\/p><p>Eine biblische Einsicht, wie Friede und Heil f&uuml;r die &bdquo;V&ouml;lker der Welt&rdquo; zustande kommen, m&ouml;chte ich abschlie&szlig;end dazu zitieren: &bdquo;Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen (&hellip;) und hinfort nicht mehr lernen, Kriege zu f&uuml;hren&rdquo; (Jesaja 2 Vers 4). Am Hauptgeb&auml;ude der UNO in New York ist dieser Satz als Bronzeskulptur nachgebildet. <\/p><p>&bdquo;Kriegst&uuml;chtigkeit&rdquo; soll es danach f&uuml;r eine friedliche und menschenw&uuml;rdige Zukunft nicht mehr geben.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><small>Titelbild: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:%D0%9D%D0%B5%D0%BC%D0%B5%D1%86%D0%BA%D0%B8%D0%B9_%D0%BC%D0%B0%D0%BB%D1%8C%D1%87%D0%B8%D0%BA_%D0%BD%D0%B0_%D1%80%D0%B0%D0%B7%D0%B2%D0%B0%D0%BB%D0%B8%D0%BD%D0%B0%D1%85_%D0%B2_%D0%B3.%D0%91%D0%B5%D1%80%D0%BB%D0%B8%D0%BD%D0%B5.jpg\">wikicommons<\/a><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl&auml;sslich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150104\">hier<\/a> unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindr&uuml;cke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden. Wir bedanken uns von Herzen f&uuml;r die vielen und ber&uuml;hrenden Beitr&auml;ge!<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151038\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":150105,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,171],"tags":[3652,2104,2394,966],"class_list":["post-151038","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-erinnerungen-gegen-den-krieg-serie","tag-kriegsopfer","tag-kriegstrauma","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/junge-berlin.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151038","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=151038"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151038\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":151057,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151038\/revisions\/151057"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/150105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=151038"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=151038"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=151038"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}